Kommentar: Deutsche Bank – Kahlschlag statt Strategie

Man kann sich nicht zum Erfolg sparen. Sicher sind Einschnitte nötig, wenn die Erträge schrumpfen. Aber zunächst einmal braucht die Deutsche Bank eine überzeugende Strategie. Doch die ist nicht zu erkennen.

Was bietet die Deutsche Bank, was andere nicht haben?

Richtet man sich an den Mittelstand oder an die Privatkunden? Soll das Investmentbanking weitergeführt werden? Überzeugende Aussagen dazu gibt es nicht. Gut, das internationale Handelsgeschäft soll heruntergefahren werden. Aber wie stark, ist nicht zu erfahren. Deutsche und europäische Unternehmen sollen künftig im Fokus der Geschäfte stehen. Aber was bietet die Deutsche Bank, was andere nicht haben?

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Manuela Kasper-Claridge leitet die Wirtschaftsredaktion

Hilflos und auch führungslos treibt der Tanker Deutsche Bank hin und her. Daran konnte auch der neue Chef der Deutschen Bank, Christian Sewing, bisher nichts ändern. Eine falsche Strategie und teilweise chaotische Personalpolitik haben das Finanzinstitut zu einem Sanierungsfall gemacht. Verantwortlich dafür sind die wechselnden Vorstandsvorsitzenden und der Aufsichtsrat, der nicht rechtzeitig eingriff.

Jetzt sollen die noch 97.000 Mitarbeiter das ausbaden, was ihre Chefs verursacht haben. Massenentlassungen stehen an, während andere europäische Finanzinstitute schon wieder einstellen, darunter die Credit Suisse und die UBS. Aber Sparen allein ist keine Strategie. Während andere Geldhäuser schon wieder auf Angriff setzen, ist die Deutsche Bank mit sich selbst beschäftigt. Die Krise wird zum Dauerzustand und das schwächt das Institut weiter. Es wird reagiert aber nicht agiert. Strategische Weitsicht sucht man vergeblich.

Deutschland braucht einen starken nationalen Champion

Für Deutschland, die größte Volkswirtschaft Europas, ist das besonders schmerzlich. Denn der Exportweltmeister braucht eine starke Deutsche Bank. Eine Bank, die die deutsche und europäische Wirtschaft mit innovativen Produkten und Finanzierungsmöglichkeiten unterstützt. Eine Bank, die auch die kleinen Privatkunden ernst nimmt und gut betreut. Einen stark geschwächten nationalen Champion aber braucht niemand.

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China weicht Merkels Forderungen nach Ausreise von Liu Xia aus

Chinas Premier Li Keqiang ging kaum auf Fragen nach dem Schicksal der unter Hausarrest stehenden chinesischen Poetin Liu Xia ein. Nach Gesprächen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am Donnerstag (24.05.2018) sagte er lediglich, dass auch über Einzelfälle gesprochen werde. “Humanität liegt uns am Herzen”, so Keqiang. Beide Seiten versuchten, “mit gegenseitigem Verständnis zu angemessenen Lösungen zu kommen”.

In der vorherigen Woche hatte China bereits den Appell des Schriftstellerverbands PEN und der Menschenrechtsorganisation Amnesty International abgelehnt, die Sanktionen gegen Liu Xia aufzuheben. Die Reisefreiheit der Witwe des Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo sei allein die Angelegenheit der chinesischen Regierung, sagte ein Sprecher des Außenministeriums. 

Liu Xia (Mitte) hält ein Bild ihres verstorbenen Mannes in der Hand, neben ihr stehen zwei Männer (picture-alliance/AP Photo/Shenyang Municipal Information Office)

Liu Xia (Mitte) bei der Beerdigung ihres Mannes

Zahlreiche international bekannte Künstler hatten zuvor in einer Aktion von PEN und Amnesty International Auszüge aus Liu Xias Gedichten vorgelesen.

An den Videos beteiligten sich Schriftsteller wie J.M. Coetzee, Khaled Hosseini, Rita Dove, Paul Auster und Siri Hustvedt.

Liu Xias Mann, der chinesische Dissident Liu Xiaobo, war im Juli vergangenen Jahres in Gefangenschaft an Krebs gestorben. 2009 wegen Aufwiegelung zum Umsturz zu elf Jahren Haft verurteilt, erhielt Liu Xiaobo 2010 den Friedensnobelpreis. Liu Xia steht seit 2010 ohne Anklage unter Hausarrest. Sie werde nicht für eine Tat bestraft, sondern dafür, wen sie geliebt habe, hieß es in der PEN-Mitteilung.

Liu Xiaobo (picture-alliance/AP Video)

Liu Xiaobo starb 2017 unter Arrest an Krebs

Liu Xia leidet an Depressionen, ihr Gesundheitszustand soll sich stetig verschlechtern. Neben den USA setzt sich auch Deutschland auf diplomatischer Ebene für die Freilassung und Ausreise Liu Xias ein. “Das ist schon seit langem ein beständiges Anliegen Deutschlands, ebenso wie die Tatsache, dass sie in Deutschland willkommen geheißen wird, wenn das ihr Wunsch ist”, sagte der deutsche Botschafter in China, Michael Clauß, in einem Interview mit der “South China Morning Post”.

pr/tla/suc (epd, ap, pen.org, Twitter)

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China-Reise der Kanzlerin: Merkel in Peking eingetroffen

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ihre politischen Gespräche in China aufgenommen. Angesichts der drohenden Abschottungspolitik der USA haben sich Merkel und der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang zu globalem Freihandel und internationalen Lösungsansätzen für Krisen bekannt. Deutschland und China sollten nach Ansicht Merkels ihre Zusammenarbeit auf allen Ebenen verstärken. Beide Länder sollten zudem an einem “multilateralen globalen System” arbeiten, sagte sie zum Auftakt ihres zweitägigen Besuchs in Peking.

Nach einem Gespräch mit Li in Peking pochte Merkel zugleich auf gleiche Marktzugangsbedingungen für deutsche Firmen in China wie für chinesische Unternehmen in Deutschland. Der Bundesregierung sei es sehr recht, wenn China mehr in der Bundesrepublik investiere, sagte die Kanzlerin. Merkel betonte, sie wünsche sich Fortschritte bei den Verhandlungen über ein Investitionsschutzabkommen zwischen der EU und China. Dies könne eine Grundlage für ein späteres Freihandelsabkommen sein.

Berlin und Peking wollen an Iran-Vertrag festhalten

Sowohl Deutschland als auch China haben sich zu dem Atomabkommen bekannt und wollen weiterhin daran festhalten. Sein Land stehe hinter den Bemühungen, den Vertrag zu retten, sagte Gastgeber Li Keqiang. Merkel betonte, nach dem einseitigen Ausstieg Trumps aus dem Atomabkommen mit dem Iran, fühle sich Deutschland der Vereinbarung wie der Mitunterzeichnerstaat China weiterhin verpflichtet. Das Abkommen sei nicht perfekt, die Alternativen dazu seien aber noch unsicherer. Zwar könnten die US-Sanktionen gegen die Islamische Republik dazu führen, dass ein Teil der EU-Unternehmen abzögen. Es könne aber sein, dass sich andere dann stärker engagierten.

China | Bundeskanzlerin Merkel mit chinesischem Ministerpräsidenten Li Keqiang (Foto: picture-alliance/dpa/M. Kappeler)

Bundeskanzlerin Merkel mit chinesischem Ministerpräsidenten Li Keqiang über den Dächern der verbotenen Stadt

Der Atomdeal mit dem Iran gilt als Blaupause für ein ähnliches Abkommen mit Nordkorea, einem verbündeten Chinas. Angesichts der drohenden Absage eines geplanten Gipfel-Treffens zwischen den USA und Nordkorea haben China und Deutschland an beide Seiten appelliert, an den Verhandlungen festzuhalten. Es komme auf eine Lösung der Probleme durch friedlichen Dialog an, sagte Li Keqiang. Es habe in jüngster Zeit Anzeichen für eine positive Entwicklung und Entspannung in der Region gegeben, sagte Li mit Hinblick auf die positive Annäherung der vergangenen Wochen. Doch der Ton hat sich aktuell erheblich verschlechtert.

Merkel sagte, sie hoffe, dass es zu einer Zone ohne Atomwaffen in Nordkorea komme. Man habe dazu in jüngster Zeit “sehr hoffnungsvolle Dinge gesehen”.

Von technischer Entwicklung bis zu Menschenrechte

Zu den bilateralen Problemen in der Wirtschaft und im Blick auf die Menschenrechtslage in China sagte die Kanzlerin, man habe zwischen Berlin und Peking Gesprächsformate gefunden, in denen auch schwierige Themen offen angesprochen werden könnten.

Auf Forderungen nach einer Ausreise von Liu Xia, der Witwe des chinesischen Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo, reagierte Chinas Premier Li ausweichend. Ohne konkret auf eine Frage nach dem Schicksal der unter Hausarrest stehenden Fotografin und Dichterin einzugehen, sagte der chinesische Regierungschef allgemein, beide Seiten sprächen auch über Einzelfälle. “Auch Humanität liegt uns am Herzen.”

Wie geht es Liu Xia?

In dem Menschenrechtsdialog versuchten beide Seiten, in gegenseitigem Respekt auch Problemfelder aufzuzeigen und “mit gegenseitigem Verständnis zu angemessenen Lösungen zu kommen”, sagte Li Keqiang. Liu Xia steht seit acht Jahren praktisch unter Hausarrest in Peking, ist zunehmend depressiv und möchte nach Deutschland ausreisen. Ihr Mann, der Bürgerrechtler Liu Xiaobo, war vor einem Jahr in Haft an Leberkrebs gestorben. Die Bundesregierung hat sich mit den USA wiederholt für eine Ausreise von Liu Xia nach Deutschland eingesetzt – bisher vergebens.

Vor den Anfang Juli in Berlin anstehenden deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen sagte Merkel, die wünsche sich ein Abkommen mit Peking über die Zusammenarbeit im Automobilbereich, etwa bei dem Thema autonomes Fahren. Die Kanzlerin soll während ihres Aufenthalts bis Freitag auch mit Präsident Xi Jinping zusammentreffen. Am Freitag wird Merkel die Wirtschaftsmetropole Shenzhen besuchen. Schwerpunkte ihrer Reise sind ein besserer Marktzugang für deutsche Firmen und internationale Krisen. Merkel will mit der chinesischen Führung auch über eine Reform der Welthandelsorganisation WTO und die US-Schutzzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte sprechen.

sam/rb (afp, dpa, rtr)

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