Texanischer Richter will "Obamacare" kippen

Ein Richter im US-Bundesstaat Texas hat das vom ehemaligen Präsidenten Barack Obama eingeführte Gesundheitssystem “Obamacare” für verfassungswidrig erklärt. Richter Reed O’Connor gab damit mehreren Republikanern Recht, die gegen die Gesundheitsreform geklagt hatten. Der Fall dürfte jetzt vor den Supreme Court gehen.

US-Präsident Donald Trump schrieb nach dem Urteil umgehend im Kurzbotschaftendienst Twitter: “Wow, aber nicht überraschend, Obamacare wurde gerade von einem hoch angesehenen Richter in Texas für verfassungswidrig erklärt. Großartige Nachrichten für Amerika! Wie ich schon immer vorhergesagt habe, wurde Obamacare als verfassungswidriges Desaster abgeschmettert!” Den Kongress forderte Trump auf, nun “ein starkes Gesetz zu verabschieden, das eine großartige Gesundheitsversorgung liefert”.

Änderung im Steuerrecht

Richter O’Connor begründete seine Entscheidung mit einer Änderung des Steuerrechts im Jahr 2017. Seither verstoße es gegen die Verfassung, wenn US-Bürger, die nicht in die Gesundheitsvorsorge einzahlten, finanziell bestraft würden. Diese Strafzahlung hatte der republikanische kontrollierte Kongress jedoch zwischenzeitlich beseitigt.

Washington Chuck Schumer Nancy Pelosi PK nach Trump Treffen (picture-alliance/CNP/M. H. Simon)

Nancy Pelosi mit ihrem Parteikollegen Chuck Schumer am Dienstag in Washington

Die designierte Vorsitzende des Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, verurteilte die Richter-Entscheidung scharf. Sie kündigte an, das “absurde Urteil” werde umgehend angefochten. “Die Republikaner tragen die volle Verantwortung für diese grausame Entscheidung”, erklärte sie.

“Fehlerhafte rechtliche Argumentation”

Der Anführer der Demokraten im Senat, Chuck Schumer, erklärte, das Urteil scheine “auf fehlerhafter rechtlicher Argumentation zu beruhen” und werde “hoffentlich gekippt”. Sollte der Richterspruch von höheren Instanzen bestätigt werden, “wäre dies eine Katastrophe für viele Millionen amerikanischer Familien”.

Der Oberste Gerichtshof der USA hatte 2012 geurteilt, “Obamacare” verstoße nicht gegen die Verfassung. Fünf der neun Supreme-Court-Richter, die damals für die Beibehaltung gestimmt hatten, sind nach wie vor im Amt.

jj/jv (dpa, afp)

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Deutsche Bahn und Gewerkschaft EVG einigen sich im Tarifstreit

Die Deutsche Bahn (DB) und die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG haben sich im Tarifkonflikt geeinigt. Die Gewerkschaft verständigte sich nach eigenen Angaben mit der DB auf eine Lohnerhöhung von insgesamt 6,1 Prozent in zwei Stufen: Zum 1. Juli 2019 sollen die Löhne um 3,5 Prozent steigen, ein Jahr später noch einmal um 2,6 Prozent. Zudem erhalten die Beschäftigten im Februar eine Einmalzahlung von 1000 Euro. Weitere Streiks seien damit abgewendet. 

Am Montag hatte die EVG mit einem rund vierstündigen Warnstreik große Teile des Zugverkehrs lahmgelegt und Millionen Berufspendler getroffen. Weitere Einzelheiten zu der Einigung werde Bahn-Personalvorstand Martin Seiler noch an diesem Samstagvormittag bekanntgeben, teilte die DB mit.

Lokführergewerkschaft weiter unzufrieden

Die Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) hatte ihrerseits die Gespräche mit der Bahn am Freitag für gescheitert erklärt. Es bleibe dabei, dass es zur Weihnachtszeit und zum Jahreswechsel keine Streiks geben werde, sagte GDL-Chef Claus Weselsky. Es könne allerdings sein, dass die Kollegen, “die hunderte Überstunden vor sich herschieben, nunmehr von ihrem Recht Gebrauch machen, in Freizeit zu gehen”, sagte Weselsky. “Dass das eventuell Auswirkungen hat, die einem Streik vergleichbar sind, ist nicht unsere Schuld.”

Die Bahn verhandelt seit Wochen mit den beiden Gewerkschaften. GDL und EVG fordern 7,5 Prozent mehr Geld und den Ausbau eines 2016 vereinbarten Wahlmodells, bei dem Beschäftigte zwischen Lohnerhöhung, Arbeitszeitverkürzung und mehr Urlaub wählen können.

jv/jj (dpa, afp, rtr)

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"Gelbwesten", russische Trolle und Macron

Russische Internet-Trolle sollen versucht haben, die französische Protestbewegung der “Gelbwesten” anzuheizen, berichteten Anfang Dezember US-amerikanische und britische Medien. Auch Desinformationen, wie etwa falsche Bilder von Protesten, sollen in Umlauf gebracht worden sein.

Als Beleg werden in Medien unter anderem Informationen von der Initiative ”Alliance for Securing Democracy” genannt. Die Initiative der US-Nichtregierungsorganisation German Marshall Fund (GMF) beobachtet Twitter-Accounts, die online russischen Einfluss betreiben sollen.

Bei diesen Accounts waren die Proteste der “Gelbwesten” (#giletsjaunes) für rund eine Woche das beliebteste Thema. Herzstück ist ein Dashboard, auf dem man in Echtzeit Aktivitäten von rund 600 ausgewählten Twitter-Accounts beobachten kann, etwa Hashtags, Themen und Quellen.

Russlands Themen “verstärken”

Um welche Accounts es geht, bleibt geheim. Auf der Webseite des Projekts mit dem Namen “Hamilton 68″ heißt es, es gebe drei Gruppen von Twitter-Accounts: solche, die offen pro-Russisch sind oder Verbindungen zur russischen Regierung pflegen; solche, die von sogenannten Troll-Fabriken in und außerhalb Russlands betrieben werden, und solche, hinter denen Menschen stecken, die russische Themen “verstärken”. Unter den Quellen, die von diesen Accounts verbreitet werden, befinden sich fast immer russische Auslandsmedien wie RT und Sputniknews.

Frankreich Emmanuel Macron Rede an die Nation (Reuters/J-P. Pelissier)

Frankreichs Präsident spricht, die “Gelbwesten” hören zu

Normalerweise gehe es bei diesen Tweets um US-Politik, erklärt Bret Schafer gegenüber der DW. Der Experte für soziale Medien beim GMF stellt klar, dass die beobachteten Accounts für das English-sprachige Publikum twittern und ihr Einfluss auf die Proteste in Frankreich folglich gering sei. ”Es geht eher darum, bestimmte Themen hoch zu halten, den Westen insgesamt zu diskreditieren und die liberale Demokratie im negativen Licht darzustellen”, meint er.

Spaltung vorantreiben

Maxime Audinet, Russland-Expertin beim Französischen Institut für Internationale Beziehungen (IFRI), bestätigt dies: “Russlands Informationsaktivitäten sollen nicht als ein Instrument wahrgenommen werden, neue Aktivisten bei den ‘Gelbwesten’ zu mobilisieren oder Gewalt zu schüren”, meint Audinet. “Die russische Berichterstattung zielt darauf, die Polarisierung der öffentlichen Debatte zu verstärken und die Wahrnehmung dieser Bewegung in Frankreich und im Ausland so zu beeinflussen, dass dadurch das Bild eines tief gespaltenen Landes am Rande eines Bürgerkriegs entsteht.”

Ähnlich sieht das die in Frankreich lebende Politik-Expertin Tatiana Stanowaja. Russland nutze die Schwäche des französischen Präsidenten Emmanuel Macron, um “Thesen über Europas Niedergang, die Krise der Demokratie und wachsende Stimmung gegen das Establishment” zu verbreiten. “Ich würde nicht sagen, dass es einen großen Einfluss hat.”

Macron im Visier

“Nicht die ‘Gelbwesten’, sondern Präsident Macron sind das primäre Ziel russischer Aktivitäten in sozialen Netzwerken”, sagt Ben Nimmo, Experte für Informationssicherheit bei der US-Denkfabrik Atlantic Council. Nimmo hat Ende November eine “französische Operation” mutmaßlicher russischer Internet-Trolle in einem Bericht für das Digital Forensic Research Lab (DFRL), ein Projekt des Atlantic Councils, detailliert beschrieben.

Frankreich Paris - Emmanuel Macron trifft sich mit Vertretern von Gewerkschaften, Arbeitgeberverbänden (Reuters/Y. Valat)

Das wahre Ziel der russischen Trolle sei Emmanuel Macron, meinen Experten

Nimmo konnte zusammen mit Kollegen einige Details der gesperrten Accounts wiederherstellen. Die meisten waren auf Englisch, doch zwölf Instagram-Accounts waren auf Französisch. Sie hatten rund 76.000 Follower, davon 12.400 in Frankreich, so das Facebook. Die meisten seien Mitte 2017 geschaffen worden.

“Die französischen Accounts haben so getan, als wären es alle möglichen Menschentypen: einer schien Nationalist zu sein, ein anderer ein Ultrakommunist. Einige taten so, als wären es afrikanische Frauen”, sagt Nimmo. Die meisten Aktionen seien “harmlos” gewesen, doch fünf der zwölf Accounts hätten verbale und visuelle Angriffe auf Frankreichs Präsident Macron verbreitet. So habe es Fotomontagen gegeben, die den französischen Präsidenten zum Beispiel als einen Antreiber von Sklaven darstellten.

Facebook sagt nicht, wer hinter den Accounts steckt. “Dieser Versuch könnte mit der “Internet Research Agency” verbunden sein (eine Firma in St. Petersburg, die in westlichen Medien “russische Troll-Fabrik” genannt wird - Anm.d.Red.), doch man könne es nicht definitiv sagen, so das Netzwerk.

Die überschaubare Zahl der Accounts erklärt Experte Ben Nimmo damit, dass die Möglichkeiten russischer Trolle in Französisch begrenzt seien und die “Operation” erst am Anfang gestanden haben könne. In den USA habe Russland seine Online-Aktivitäten rund zweieinhalb Jahre vor der Präsidentenwahl 2016 begonnen, erinnert der Experte des Atlantic Council. Man solle solche Fälle deshalb im größeren Kontext betrachten. “Es geht nicht um ‘Gelbwesten’, denn solche Operationen haben normalerweise ein langfristiges Ziel”, sagt Nimmo. Das Ziel sei Macron.

04:14 Min.

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Bei der Kohle fehlt Trump der Weitblick

Spott und Protest auf der einen Seite des Saals. Verstummte Kohlebefürworter auf der anderen. Bizarre Szenen, die sich auf der Klimakonferenz im polnischen Kattowitz ereignet haben. “Wir glauben, dass kein Land wirtschaftlichen Wohlstand und eine sichere Energieversorgung dem Umweltschutz und der Nachhaltigkeit unterordnen sollte”, sagte Wells Griffith, Berater von US-Präsident Donald Trump und Mitglied der US-Delegation auf der 24. Klimakonferenz. Einem Treffen, bei dem es eigentlich darum gehen sollte, durch internationale Zusammenarbeit den Klimawandel zu bekämpfen und Alternativen für fossile Brennstoffe zu finden.

Der umstrittene Auftritt spiegelt den aktuellen Kurs der US-Energiepolitik wider. Schon im Wahlkampf 2016 hatte der Präsident versprochen, die Kohleindustrie wiederzubeleben. “Trump fördert Kohle”, war einer der Slogans der Kampagne.

Seit er nun im Weißen Haus sitzt, hat Trump dafür gesorgt, dass der “Clean Power Plan” seines Vorgängers Obama durch ein weniger strenges Programm ersetzt wurde. Unter anderem müssen existierende Kohlekraftwerke nun weniger strenge Richtlinien für Emissionen einhalten.

In einem weiteren Deregulierungsmanöver hat die von Trump umstrukturierte Umweltbehörde (EPA) zudem dafür gesorgt, dass auch für neue Kohlekraftwerke weniger Auflagen gelten. So müssen sie zum Beispiel nicht zwingend mit einer CO2-Abscheidungs- und Speichertechnologie ausgestattet werden. Dabei ist genau diese Technologie der Grund, warum Trump und seine Mitstreiter von “sauberer” Kohle sprechen.

Allen Wiederbelebungsversuchen aus Washington zum Trotz hat die Kohleindustrie in den letzten zwei Jahren keinen Aufschwung erlebt. Im Gegenteil: Der durch Kohle erzeugte Strom ist in den USA mit einem Anteil von rund 29 Prozent auf einen historischen Tiefstand gesunken. “Und erneuerbare Energien sind am Strommarkt auch in den vergangenen zwei Jahren gestiegen”, sagt Mary Anne Hitt der DW. Sie ist Direktorin der Kampagne “Beyond Coal” des Sierra Club, des größten Umweltschutzvereins der USA.

Die Direktorin sieht dafür zwei Gründe: Entscheidungen über bestimmte Kohlekraftwerke werden in den USA auf der Ebene der Bundesstaaten oder sogar auf kommunaler Ebene getroffen, nicht in Washington. Entsprechend hat der Präsident kaum Einfluss. Und: “Energiedienstleister entdecken mittlerweile, dass es günstiger ist, auf erneuerbare Energie umzustellen, als existierende Kohlekraftwerke weiter zu betreiben.”

Diese Verschiebung am Markt sei tatsächlich erst im vergangenen Jahr richtig zum Tragen gekommen, so Hitt. Der Trend mache es dem Präsidenten zunehmend schwer, für Kohle zu werben. Mindestens 40 Kohlekraftwerke haben seit Trumps Amtseinführung ihre Abschaltung angekündigt. Von den 530 Kohlekraftwerken, die 2010 am Netz waren, hat mehr als die Hälfte ihr Ende angekündigt. Sollten die Abschaltungen wie geplant in diesem Tempo weitergehen, gäbe es spätestens 2035 keine Kohlekraftwerke mehr in den USA. Das zeigen Berechnungen des Sierra Club.

Die Marktverschiebung hin zu mehr erneuerbaren Energien lässt sich ausgerechnet in Indiana beobachten. Der Bundesstaat im Nordosten gehörte bisher zu den zehn stärksten Kohleförderstaaten in den USA. Dort hat der lokale Energieversorger NIPSCO (Northern Indiana Public Service Company) vor gut zwei Monaten angekündigt, in Zukunft komplett auf die Kohle zu verzichten.

Dabei kommen heute noch gut 65 Prozent des von NIPSCO erzeugten Stromes aus den beiden Kohlekraftwerken des Versorgers. Bis 2023 soll jedoch das größte der beiden Werke komplett abgeschaltet sein, was den durch Kohle erzeugten Stromanteil um zwei Drittel verringern würde. 2028 soll das letzte Werk folgen. “Wir werden damit unsere CO2-Emissionen bis 2028 zu 90 Prozent verringern”, sagt Nick Meyer, Sprecher von NIPSCO gegenüber der DW.

Die wegfallende Kohlekraft soll nahezu ausnahmslos durch Solar- und Windenergie ersetzt werden. Aber nicht etwa, weil NIPSCO besonders klimafreundlich sein will: “Berechnungen haben gezeigt, dass erneuerbare Energien im Vergleich zur Kohle profitabler für uns sind”, räumt Meyer ein. Grund seien hohe Sanierungskosten in den Werken ebenso wie steigende Preise für den Rohstoff Kohle.

Bedeuten diese Entwicklungen also, dass man den Klimaschutz getrost dem Markt überlassen kann? Keinesfalls. Denn der CO2-Ausstoß durch Energieerzeugung macht gerade ein Drittel an den Gesamtemissionen der USA aus. Der größte Anteil entfällt auf das Konto von Industrie und Transport. Und um diese Emissionen zu verringern und damit etwas gegen den fortschreitenden Klimawandel zu unternehmen, brauchen auch die USA strengere Richtlinien. Und die sind mit einem US-Präsidenten Donald Trump bis auf Weiteres nicht zu erwarten.

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Australien erkennt Jerusalem als israelische Hauptstadt an

Premierminister Scott Morrison (Artikelbild) gab diese Entscheidung in Sydney bekannt: Seine Regierung werde West-Jerusalem formal als israelische Hauptstadt und als Sitz des Parlaments sowie vieler anderer Institutionen der israelischen Regierung anerkennen, so der konservative Politiker.

Anstelle einer Botschaft wolle Australien zunächst ein Verteidigungs- und Handelsbüro eröffnen, die australische Botschaft in Israel werde so lange in Tel Aviv bleiben, bis es ein Friedensabkommen zwischen Israel und den Palästinensern gebe, so Morrison.

Zusage auch an Palästinenser

Zugleich sagte Australiens Premier den Palästinensern zu, einen künftigen palästinensischen Staat mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt anzuerkennen. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass eine dauerhafte Zwei-Staaten-Lösung erreicht sei.

An der Ankündigung Morrisons regte sich in Australien heftige Kritik. Oppositionsführer Bill Shorten sagte, die Entscheidung für eine Anerkennung West-Jerusalems, ohne aber die Botschaft zu verlegen, sei ein “erniedrigender Rückschritt” von vorherigen Ankündigungen.

Eröffnung US Botschaft in Jerusalem (picture-alliance/AP Photo/S. Scheiner)

Präsidententochter Ivanka Trump bei der Einweihung der US-Botschaft im Mai 2018

Den USA gefolgt

Die USA hatten Jerusalem vor einem Jahr als Israels Hauptstadt anerkannt und im Mai sogar ihre Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem verlegt. Dieser historische Schritt war Auslöser für heftige und gewalttätige Proteste der Palästinenser.

Auch Länder wie Tschechien oder Brasilien plädieren dafür, mit ihren Botschaften nach Jerusalem umzuziehen. Die Verlegungen sind umstritten.

Der Status von Jerusalem soll nach Auffassung des überwiegenden Teils der internationalen Gemeinschaft in zukünftigen Friedensgesprächen zwischen Israel und den Palästinensern festgelegt werden. Israel beansprucht ganz Jerusalem als Hauptstadt, die Palästinenser wollen Ost-Jerusalem als Hauptstadt für einen künftigen eigenen Staat Palästina.

mak/rb (afp, dpa)

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Wolfsburg nimmt die Punkte beim Club mit

Nürnberg – Wolfsburg 0:2 (0:0)

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Wolfsburg setzt dank Dauer-Torschütze Daniel Ginczek seinen Aufschwung in der Bundesliga fort. Der 27-jährige sorgt gegen seinen Ex-Club Nürnberg mit seinem fünften Saisontreffer in der 58. Minute für die Führung beim 2:0 (0:0)-Erfolg der Niedersachsen. Den Endstand besorgt der eingewechselte Josip Brekalo in der zweiten Minute der Nachspielzeit. Dem nun schon seit neun Partien sieglosen “Club” fehlt vor knapp 30.000 Zuschauern im Max-Morlock-Stadion in der Offensive ein Erfolgsgarant wie Ginczek, der im dritten Spiel in Serie trifft.

Spiel verpasst? Hier gibt es die gesamte Partie noch einmal zum Nachlesen im DW-Liveticker:

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ABPFIFF

90.+3 Minute: TOR JOSIP BREKALO macht den Deckel drauf! Gerhardt leitet einen schnellen Konter ein und macht mindestens 50 Meter, gibt auf Brekalo, der dann vollstreckt. 

90.+2 Minute: Einwurf für den Club, Ishak kommt im Starfraum an den Ball, bekommt aber nicht genug Druck dahinter. 

90. Minute: Eckball Kerk, dann probiert es nach Abwehr Bauer aus der Distanz, geblockt, nächste Ecke. Die bringt nichts ein. Es gibt drei Minuten Nachspielzeit. 

86. Minute: Zrelak wurschtelt sich im Strafraum durch und kommt irgendwie an den Ball, den er dann auch noch irgendwie über die Linie befördert. Doch der Torschrei der Club-Fans wird abrupt durch den Schiedsrichter unterbrochen, der den Treffer wegen Abseits nicht gibt. Knapp, aber wohl richtig. 

83. Minute: WECHSEL SEBASTIAN KERK kommt beim Club für Rhein. 

79. Minute: WECHSEL - Mallis Arbeitstag ist beendet, er macht Platz für JOSIP BREKALO

78. Minute: Leibold setzt sich mit etwas Glück durch und will dann gegen Guilavogui auch noch im 1:1 vorbeigehen, doch der Franzose bleibt cool und löst das souverän. 

75. Minute: Weghorst jetzt mit einer schönen Kopfballablage auf Malli, dessen Schuss aber geblockt wird. 

74. Minute: Weghorst wird schön am Strafraum angespielt, braucht dann aber viel zu lange. Da war mehr drin. 

71. Minute: WECHSEL - Pereira geht vom Platz, für ihn kommt MIKAEL ISHAK ins Spiel. 

69. Minute: Weghorst verpasst in der Mitte eine Flanke ganz knapp, das hätte das 2:0 sein können. 

67. Minute: Arnold treibt einen Konter nach vorne, dann kommt Petrak und fasst dem Wolfsburger bei vollem Lauf ins Gesicht. Es gibt folgerichtig Gelb für den Tschechen.  

66. Minute: Auch das kennen wir mittlerweile gut: Freistoß Arnold, scharfe Hereingabe. Dieses Mal kommt in Weghorst der Mitspieler auch endlich mal dran, doch der Niederländer setzt die Kugel mit dem Kopf drüber. 

64. Minute: Wieder Konter Nürnberg und na klar: Es geht über Mislidjan, der seine Hereingabe auf der Grundlinie hereinbringt, doch dann fliegt der Ball ins Aus. Brooks war nicht mehr dran. 

61. Minute: Pereira mit einem technisch feinen Trick a la Zidande, doch dann geht der Ball ins Aus – schön anzusehen, aber ineffektiv. 

58. Minute: TOR - DANIEL GINCZEK geht alleine in den Strafraum, lässt zwei Mann mit einem Stopper aussteigen und erzielt dann sein fünftes Saisontor – ganz starke Einzelaktion des Wolfsburgers.  

57. Minute: Gerhardt mit einer Hereingabe von links, Weghorst kommt mit Riesenschritten und zieht ab – Pfosten! 

56. Minute: Der Club kontert im eigenen Stadion und wieder geht es über Misidjan, der in den Strafraum zieht und freie Bahn hat. Sein Schlenzer geht aber vorbei. 

54. Minute: Ginczek wird von zwei Nürnbergern im Strafraum in die Zange genommen und fällt. War aber alles sauber. 

53. Minute: Zrelak checkt Knoche im Luftduell mit dem Ellbogen und trifft ihn im Gesicht. Jetzt gibt Jablonski die erste Gelbe Karte. 

51. Minute: Malli erobert den Ball im Strafraum der Clubberer und sucht dann direkt Ginczek. Der ball ist aber nicht präzise genug. 

49. Minute: Pereira nutzt einen Fehler von Guilavogui, geht und hat Platz. Sein Abschluss aus der Distanz dann aber bei zwei mitgelaufenen Kollegen zu überhastet. 

48. Minute: Uduokahi stellt den Fuß auf den von Misidjan, der Niederländer fällt und krümmt sich vor Schmerz. 

46. Minute: Ein 0:0 gab es zwischen beiden Klubs noch nie. Mal sehen, ob das so bleibt. 

WIEDERANPFIFF 

Nürnberg und Wolfsburg gehen torlos in die Pause. In einer chancenarmen ersten Hälfte hatten Ginczek auf Wolfsburger Seite (4. Minute) und Zrelak auf Nürnberger (5.) noch die besten Möglichkeiten. Ansonsten sehen rund 30.000 Zuschauer in Nürnberg ein bislang mittelprächtiges Spiel bei eisigen Temperaturen.

HALBZEIT

45. Minute: Schüsse auf das Tor bisher: Wolfsburg zwei, Nürnberg null. Da muss mehr kommen von beiden in Durchgang zwei. 

44. Minute: Nochmal ein Freistoß für die Wölfe. Wieder Arnold, wieder kommt der Ball scharf rein und wieder ist Brooks fast dran. Doch der Ball ist dann auch für den langen Innenverteidiger ein Stück zu hoch. 

42. Minute: Pereira versucht es ebenfalls aus der Distanz – drüber! 

41. Minute: Petrak hat aus der Distanz freie Bahn und lässt den Ball schön über den Spann rutschen. Am Ende aber dann mit zu viel Spin, die Kugel dreht sich knapp übers Tor. 

39. Minute: Misidjan geht im Strafraum zu Boden und tatsächlich: Der Kontakt zu Arnold ist da. Aber: Der Niederländer selber kreuzt den Laufweg des Wolfsburgers, spürt den Kontakt und fällt dann. Keine Schwalbe, aber sicher auch kein Strafstoß. 

36. Minute: Ein Tor liegt hier aktuell überhaupt nicht in der Luft. Es ist kein richtig schlechtes Spiel, aber beide Teams haben im letzten Drittel bisher zu wenig Genauigkeit und zu wenig Ideen. Das perfekte Beispiel: Die Nürnberger suchen mit einem hohen Ball den kleinen Palacios. 

33. Minute: Petrak legt aus dem Strafraum zurück auf Rhein, der den Ball aus 20 Metern mit vollem Risiko bringt. Stramm, aber auch weit am Tor vorbei, aber immerhin ein Torschuss. 

31. Minute: Das Spiel in drei Worten: Ausgeglichen und chancenarm. 

28. Minute: Arnold bringt einen Freistoß scharf rein, Margreitter klärt vor dem einköpfbereiten Guilavogui. 

27. Minute: Leibold probiert es mit einem langen Chip aus dem Halbfeld, doch der Ball landet im Niemandsland des Wolfsburger Strafraums, Casteels sammelt ihn in aller Ruhe ein. 

24. Minute: Doppelpass von Misidjan und Pereira, dann kommt Guilavogui angerauscht und senst Pereira um. Das ist eigentlich Gelb, doch Schiedsrichter Jablonski lässt lange Leine. 

22. Minute: Wieder treibt Misidjan die Kugel nach vorne, zieht dann schön nach innen, bringt den letzten Pass dann aber zu schlampig. 

20. Minute: Palacios steckt schön auf Zrelak durch, der den Gegner mit einer Finte aussteigen lassen will. Eigentlich gut gedacht, doch Brooks hat den Braten gerochen und bekommt die Fußspitze dazwischen. 

18. Minute: Misidjan versucht es gegen zwei und verdribbelt sich, der Ball fällt dann aber dem mitgeeilten Bauer vor die Füße. Doch statt direkt zu Flanken verhakt auch er sich in der VfL-Defensive. 

17. Minute: Ecke für die Gastgeber, doch Casteels pflückt den Ball souverän runter. 

15. Minute: Arnold und Weghorst spielen schön Doppelpass, doch Arnold anschließende Weitergabe misslingt völlig. 

13. Minute: Misidjan nimmt Bauer schön mit, doch dessen Flanke wird geblockt. Aber da ging es mal schnell beim Club und schon sind die Räume da. 

11. Minute: Ecke für Wolfsburg, Arnold bringt sie lang an den zweiten Pfosten, wo Knoche den Ball allerdings mit zu wenig Druck in Richtung Tor und letztlich vorbei köpft. 

10. Minute: Guilavogui sucht Ginczek, der aber nicht einstartet, weil er sich im Abseits wähnt. War er aber nicht. 

8. Minute: Wieder schmeißt Misidjan auf dem rechten Flügel den Turbo an, Arnold checkt ihn dann humorlos weg. Es gibt Freistoß. 

5. Minute: Jetzt kommt der Club mit einem Konter: Misidjan ist auf rechts nicht zu halten und gibt scharf in die Mitte, wo Zrelak richtig steht, den Ball aber im Fallen nicht auf das Tor bringt. Ein schöner, schnörkelloser Angriff der Gastgeber. Nach Chancen also schon 1:1. 

4. Minute: Arnold findet mit einem feinen Chip Ginczek im Strafraum, der aus spitzem Winkel sofort abzieht. Aber Bredlow lässt sich nicht überraschen und ist rechtzeitig im kurzen Eck. 

2. Minute: Bauer räumt Arnold ab und das recht hart. Schiedsrichter Sven Jablonski belässt es bei einer Ermahnung für den Nürnberger. 

1. Minute: Bisher spielt sich alles im Mittelfeld ab. Übrigens: Wolfsburg hat seit acht Jahren kein Auswärtsspiel mehr an einem Freitag-Abend gewonnen. 

ANPFIFF

20:15: Die Bilanz - Nürnbergs Bilanz gegen Wolfsburg in der Bundesliga ist positiv: Zehn Siegen für den Club stehen acht Remis und sechs Wolfsburger Erfolge gegenüber. Die letzten drei Bundesliga-Partien gegen die Wölfe konnte Nürnberg allerdings nicht gewinnen (2:2 März 2013, 1:1 November 2013, 1:4 April 2014). Der letzte Nürnberger Sieg ist datiert vom 3. November 2012 - damals spielte der Club gegen die Wölfe ebenfalls zu Hause und siegte mit 1:0.

20:15: Die Aufstellungen Nürnberg: 1 Bredlow – 8 Bauer, 33 Margreitter, 28 Mühl, 23 Leibold – 31 Petrak, 38 Rhein – 24 Misidjan, 27 Pereira, 21 Palacios – 11 Zrelak

Wolfsburg: 1 Casteels – 2 William, 31 Knoche, 25 Brooks, 17 Uduokhai – 23 Guilavogui – 27 Arnold, 13 Gerhardt – 10 Malli – 33 Ginczek, 9 Weghorst

Herzlich willkommen im DW-Liveticker! 

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Der Schriftsteller Wilhelm Genazino ist tot

In diesem Frühjahr erschien sein 21. Roman. Es sollte der letzte sein, dessen Publikation er noch miterlebte. Wie der Hanser Verlag am Donnerstag bekannt gab, ist Wilhelm Genazino am Mittwoch im Alter von 75 Jahren gestorben. 

“Kein Geld, keine Uhr, keine Mütze” behandelt ein Thema, das den mit zig Auszeichnungen Geehrten in immer wieder neuen Variationen beschäftigte: das Scheitern. Vor allem das Scheitern von Männern im fortgeschrittenen Alter, denen das Leben durch die Finger rinnt, oft verzweifelt und komisch zugleich.

Scheitern als Lebensthema

“Ich bin es gewohnt, im Scheitern weiterzumachen. Eine Weile weiß ich nicht, was geschieht und wie ich davonkommen werde, aber ich mache weiter. Und zwar so lange, bis ich plötzlich den Eindruck habe, ich befinde mich inmitten eines neuen, zweiten Anfangs.” Das schrieb Genazino noch im September in einem langen Essay für die “Frankfurter Allgemeine Zeitung”. “Wie ich ich wurde”, um diese Frage kreist die Reflektion, die zugleich eine Selbstvergewisserung und Zwischenbilanz als Schriftsteller war.

Wilhelm Genazino (picture-alliance/dpa/A. Dedert)

Wilhelm Genazino: Nie am Computer, nur an der Schreibmaschine

Was bedeuten Niederlagen, in einer “in großem Stil scheiternden Welt”, auch wenn sie sich vorteilhaft auf das eigene Leben auswirken können? Was heißt es zu schreiben, wo doch “die Werke der Schriftsteller unaufgefordert entstehen, meistens selbstlos, an niemanden gerichtet”. Wenn die Worte “Triebwesen” sind, die aus einer Art Begehren erwachsen?

Exzentrische Sonderlinge

Genazinos “Ausdruckstrieb”, so sein eigenes Wort, hat der Welt virtuos erzählte Romane beschert, die selten länger als 170 Seiten sind. Skurrile Erzählungen von Menschen mit seltsamen Tätigkeiten: In “Ein Regenschirm für diesen Tag” (2001) ist ein Mann philosophierend als “Einläufer” für Luxusschuhe unterwegs. In ”Die Liebesblödigkeit” (2005) schlägt sich ein Apokalyptiker mit dem Durcheinander des Liebeslebens und seiner eigenen Beziehungsunfähigkeit herum.

Auch im Roman “Wenn wir Tiere wären” (2011) geht es um einen Mann, der die Kontrolle über sich verliert, erzählt mit “teuflisch guter Lakonie”, wie die “Frankfurter Rundschau” bemerkte. Witz und detailreichen Realitätsbezug zeichnet auch Genazinos andere Bücher aus, wie  “Bei Regen im Saal” (2014) und “Außer uns spricht niemand über uns” (2016). Es sind Romane, deren Figuren als verschrobene Einzelgänger mit lässiger Passivität ein richtiges Leben im falschen suchen. “Individualisten wider Willen” nannte der Autor selbst die Anti-Helden seiner Bücher.

Schreiben gegen die Abgründe

Angst war ein großes Thema für Wilhelm Genazino, der, 1943 geboren, in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen war und als Kind noch die Nachkriegszeit im zerbombten Mannheim intensiv erlebt hatte. “Unvergesslich ist meine Nachkriegskindheit; ich stromerte als Sieben- oder Achtjähriger durch Krater, die von Bombenabwürfen übrig geblieben waren”, erzählte er in seinem Ich-Findungsbeitrag in der “FAZ”.

Genazino arbeitete zunächst als Journalist, unter anderen bei der Satire-Zeitschrift “Pardon”. Dann studierte er Germanistik. Er schrieb Hörspiele, bevor er mit seiner Angestellten-Romantrilogie “Abschaffel” (1977), “Die Vernichtung der Sorgen” (1978) und “Falsche Jahre” (1979) bekannt wurde. Seine Werke wurden in viele Sprachen übersetzt.

Wilhelm Genazino erhält den Georg-Büchner-Preis (picture-alliance/dpa/F. May)

2004 erhielt Wilhelm Genazino den Georg-Büchner-Preis

Doch trotz seines enormen Erfolgs, trotz der Auszeichnung im Jahr 2004 mit der bedeutendsten Ehrung für ein literarisches Lebenswerk, die in Deutschland zu vergeben ist, dem Georg-Büchner-Preis, trotz des Heinrich-von-Kleist-Preises 2007 und all der anderen Ehrungen, betrachtete der Schriftsteller seine Identität stets mit skeptischem Blick. Bis ins hohe Alter plagten ihn vor jedem Buch Versagensängste.

Beobachtungen und Reflektionen

“Ich mache einen Versuch, eine Wahrheit zu finden und ihr nahe zu kommen. Ich bin nicht gerne kühn. Genau genommen weiß ich nicht, was ich sagen soll: Deswegen rede ich”, erklärte er selbst die Notwendigkeit zu schreiben. Schreiben bedeutete für ihn Leben, und er beobachtete, um zu schreiben. “Ich brauche die Halbdistanz”, sagte er einmal. Wenn er unterwegs war, hatte Genazino kleine weiße Zettelchen und einen Bleistift dabei, um Alltagsbeobachtungen zu notieren. Seine Wahrnehmungen übertrug er an der Schreibmaschine in seine eigenwillige Mischung aus Traurigkeit und Komik.

Bei der Laudatio zur Büchner-Preis-Verleihung sagte Literaturkritiker Helmut Böttiger, Genazinos Bücher seien “immer stiller geworden, immer leichter – und immer schwerer zu fassen”. Jetzt ist der Meister des grotesken Humors ganz verstummt, ist aus der Zwischen- eine Lebensbilanz geworden.

Seine Romane, Essays, Fotos, Korrespondenzen und ein “Werktagebuch” bleiben im Deutschen Literaturarchiv Marbach für die Nachwelt erhalten. Der Skeptiker Wilhelm Genazino hatte Marbach sein persönliches Archiv schon 2012 überantwortet.

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Ex-BKA-Chef und RAF-Fahnder Horst Herold ist tot

Der langjährige Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Horst Herold, ist nach kurzer Krankheit im Alter von 95 Jahren gestorben. Das teilte das BKA in Wiesbaden mit.

In den Jahren von 1971 bis 1981 stand Herold an der Spitze des BKA. In dieser Funktion wurde er zur Schlüsselfigur im innenpolitischen Anti-Terrorismuskampf und entwickelte sich zum Gegenspieler der “Roten Armee Fraktion” (RAF). Am Grab von Generalbundesanwalt Siegfried Buback, den die RAF im April 1977 ermordete, schwor Herold: “Ich bringe sie dir alle.”

Jäger der RAF

Herold initiierte die computergestützten Polizeiarbeit, das elektronische Polizei-Informationssystem Inpol und der daraus resultierenden Rasterfahndung. So sammelte das BKA Daten von Mietern, Hausbesitzern, Autos und Wohnungen, damit sie aus einem Datenabgleich gezielt verdächtige Personen und mögliche “konspirative Wohnungen” identifizieren konnten, in denen Terroristen Unterschlupf finden und Geiseln festhalten könnten. 

Nach seiner Pensionierung 1981 lebte er auf dem Gelände einer damaligen BGS-Kaserne in Rosenheim, da die Polizei sonst nicht ausreichend für seinen Schutz sorgen konnte. Von Herold stammt auch das Zitat “Ich bin der letzte Gefangene der RAF”. Nach dem Tod seiner Frau verlegte er seinen Wohnsitz in seine Heimat Nürnberg.

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) bezeichnete Herold als “Symbolfigur des Kampfes gegen die RAF”. Herold habe die technische und personelle Ausstattung des BKA während seiner Amtszeit erfolgreich vorangetrieben und die Behörde im Bereich der Kriminaltechnik gestärkt. “Die deutsche Kriminalpolizei verneigt sich heute vor einem der prägendsten und innovativsten Kriminalisten der Nachkriegszeit”, teilte der BDK-Bundesvorsitzende Sebastian Fiedler mit.

sam/hf (dpa, br, sz)

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