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Literaturnobelpreis: "2019 ist nicht die Deadline"

Lars Heikenstein, der Direktor der Nobelstiftung, erklärte am Freitag (2502.2018), dass die Vergabe des diesjährigen Literaturnobelpreises eventuell noch über 2019 hinaus verschoben werden könnte. Der Preis werde erst dann vergeben, “wenn die Schwedische Akademie wieder das Selbstvertrauen dazu gewonnen hat oder zumindest alles dafür Nötige auf den Weg gebracht hat”, so Heikenstein. Dies bedeute, dass 2019 nicht die Deadline sei, sagte er gegenüber dem Schwedischen Radio.

Die Vergabe des Literaturnobelpreises wurde für 2018 ausgesetzt. Stattdessen sollte die Auszeichnung im nächsten Jahr zweimal vergeben werden. Hintergrund ist ein Streit in der Akademie. Sechs der 18 Mitglieder waren zurückgetreten. Sie warfen anderen Mitgliedern vor, einen Belästigungs- und Korruptionsskandal unter den Teppich kehren zu wollen. Heikensten fügte hinzu, die verbliebenen Akademiemitglieder sollten über einen Rücktritt nachdenken.

Innere Zerwürfnisse lähmen Akademie

Die Schwedische Akademie vergibt seit 1901 alljährlich den Literaturnobelpreis. Die prestigeträchtige Institution steht seit mehreren Monaten in der Kritik und ist auch in sich gespalten. Im Mittelpunkt der Vorwürfe steht das langjährige Akademie-Mitglied Katarina Frostenson mit ihrem Mann Jean-Claude Arnault. 18 Frauen warfen Arnault im Zuge der #MeToo-Bewegung im vergangenen Herbst sexuelle Belästigung vor. Außerdem soll Arnault die Namen von sieben Nobelpreisträgern vorzeitig ausgeplaudert haben, was dem Ansehen der Akademie schwer schadete. Darüberhinaus hatte Frostenson jahrelang mit über Subventionen der Akademie für den Kulturverein ihres Mannes entschieden, ohne dass die anderen Mitglieder das wussten. Frostenson ist mittlerweile zurückgetreten.

Infolge der schweren Zerwürfnisse sind derzeit nur noch zehn der einst 18 Mitglieder aktiv. Da die Jury-Plätze bislang immer auf Lebenszeit vergeben wurden, war die Akademie in ihrer Arbeit gelähmt. Erst mit einer Ergänzung der Statuten um ein Rücktrittsrecht machte der schwedische König Carl Gustav XVI. vor wenigen Wochen den Weg für eine Neubesetzung frei.

pj/bb (dpa)

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LKW-Fahrer-Streik legt Brasilien lahm

In den über 20 Bundesstaaten blockieren Tausende Lastwagen den fünften Tag in Folge wichtige Verbindungsstraßen, ebenso die Zufahrt zu den Raffinerien. Die meisten Tankstellen in den Großstädten haben wegen fehlender Lieferungen keinen Kraftstoff mehr, den sie verkaufen können.

Hauptstadtflughafen lahmgelegt

Der öffentliche Busverkehr ist weitgehend zum Erliegen gekommen. Zahlreichen Lebensmittelmärkten gingen wegen der Blockade vor allem Frischwaren aus. Auch bei Trinkwasser und Flaschengas gibt es erste Engpässe. Die Schulen blieben vielerorts geschlossen. Viele Flughäfen haben Probleme mit der Beschaffung von Kerosin. Dem Flughafen in der Hauptstadt Brasilia ist bereits das Flugbenzin komplett ausgegangen, so dass keine Flugzeuge mehr aufgetankt werden.

Brasilien LKW Fahrer Streik Spritpreise (Getty Images/AFP/M. Pimentel)

Kilometerweit stehen die Trucks

Im Bundesstaat São Paulo – dem industriellen Herzen der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas – mussten zahlreiche Fabriken ihre Produktion herunterfahren, da der Nachschub ausblieb. “Die Bänder in Brasiliens Autowerken stehen still”, teilte der Industrieverband mit. Auf mit Lebendvieh wie Hühnern oder Schweinen beladenen Lastkraftwagen, die sich seit Tagen an den Blockaden beteiligen, sollen bereits Tausende Tiere verendet sein.

Temer schickt Armee und Polizei

Staatspräsident Michel Temer hat einen Tag nach einer Teileinigung mit Gewerkschaftsvertretern den Sicherheitskräften befohlen, die von Lkw-Fahrern blockierten Straßen zu räumen. Er habe Bundestruppen wie die Armee und die Landespolizei ermächtigt, notfalls mit Gewalt Straßen wieder passierbar zu machen. Eine “radikale Minderheit” von Fernfahrern habe kein Recht, das Land zu lähmen, sagte Temer in einer Fernsehansprache. ”Wir werden nicht zulassen, dass die Bevölkerung keinen Zugang zu lebenswichtigen Gütern hat … dass Krankenhäuser nicht über die notwendigen Medikamente verfügen, um Leben zu retten.”

Brasilien - Benzinproteste (Getty Images/AFP/D. Magno)

Straßenblockade bei Belo Horizonte im Südosten des Landes

Fernfahrer sehen ihren Job nicht mehr als profitabel

Die Lastwagenfahrer protestieren seit Montag gegen den hohen Dieselpreis. Anfang 2017 hatte der halbstaatliche Ölkonzern Petrobras seine Politik der festgesetzten Preise geändert und die Kraftstoffpreise an den Weltmarkt gekoppelt. Seitdem haben sich die Preise für Benzin und Diesel praktisch verdoppelt. Der Transport über Straßen, über den 80 Prozent der gesamten inländischen Warenverteilung abgewickelt werde, sei seitdem nicht mehr rentabel, so die Lastwagenfahrer. Sie verlangen eine deutliche Senkung der Dieselpreise sowie Steuererleichterungen für den Transportsektor.

Brasilien - Benzinproteste (Getty Images/AFP/D. Magno)

Demonstrierende LKW-Fahrer haben bei Belo Horizonte einen PKW in Brand gesetzt

Obwohl sich Gewerkschaftsvertreter am Donnerstagabend (Ortszeit) mit der Regierung auf eine zweiwöchige Unterbrechung des Streiks geeinigt hatten, setzten die meisten Lastwagenfahrer am Freitag ihre Proteste fort. Sie lehnen die Einigung ab, da sie ihnen nicht weit genug geht. Gewerkschaften und Branchenvertreter fordern eine gesetzlich verbriefte Senkung der Steuern auf Kraftstoffe.

qu/uh (afp, rtr, dpa, epd, kna)

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"Mehr Kunst als Werbung": Filmplakate in der DDR

Deutsche Welle: Herr Helmbold, beim Stichwort DDR fällt einem in der Regel nicht unbedingt das Wort Freiheit ein. Sie aber sagen, dass die Künstler, die Filmplakate in der DDR gestaltet haben, freier waren als viele ihrer westlichen Kollegen. Inwiefern?

Detlef Helmbold: Das lag daran, dass die Grafiker in der DDR weniger Vorgaben hatten. Die künstlerische Freiheit war auf der gestalterischen Ebene sehr groß. Das geht unter anderem auf die Grafiker Otto Kummert und Erhard Grüttner zurück, die damals beim “Progress Film-Verleih” angestellt waren (Der “Progress Film-Verleih” war der einzige Filmverleiher der DDR und gab die Filmplakate in Auftrag, Anmerk. d. Red.). Sie haben die These aufgestellt, dass die Gestaltung von Plakaten im künstlerischen Sinne immer einen Vorteil hat. Und so haben sie es geschafft, dass die Grafiker in der DDR nicht versucht haben, einfach den Inhalt des Filmes wiederzugeben, um dann den Hauptdarsteller oder eine entscheidende Szene darzustellen und damit einen Werbeeffekt zu erzielen. Sie haben vielmehr versucht, eine künstlerische, emotionale Beziehung zum Film aufzubauen, denn man war der Ansicht, dem Betrachter den Film auf diese Weise viel besser transportieren zu können. Und so hat man immer versucht, die Grafiker so wenig wie möglich einzuschränken. Sie waren in ihrer Schriftgröße frei, in ihrer Schrifttype etc.

Und das war im Westen anders?

Es gab natürlich auch Grafiker im Westen, die freier agieren konnten. Nicht bei den Mainstream-Filmen, aber zum Beispiel beim Filmverleih der Autoren. Oder Grafiker, die schon einen Namen hatten wie Hans Georg Hillmann. Aber im Großen und Ganzen hatte man in der DDR schon als ganz junger Grafiker diese Freiheit. Das habe ich auch selbst erfahren. Ich habe vier Jahre – von 1986 bis 1990 – beim “Progress Film-Verleih” gearbeitet und ich war erstaunt, was ich alles machen konnte. Das Maß war immer die Gestaltung als solches: Sie musste einen hohen künstlerischen Wert haben. Dazu muss man sagen, dass die Leute, die im Endeffekt darüber entschieden haben, zu 70 Prozent Grafiker waren und nur zu 30 Prozent Leute, die von der Öffentlichkeitsarbeit kamen.

Aber es gab natürlich auch Einschränkungen. Die bezogen sich jedoch selten auf das Gestalterische, sondern waren eher inhaltlicher Art. Ein Beispiel: Auf dem Entwurf zu einem Plakat für den jugoslawischen Film “Der Journalist” von Hans-Eberhard Ernst ist ein Maulkorb zu sehen. Das war den Entscheidungsträgern im Verleih natürlich nicht geheuer, weil man sonst denken würde: Auch in der DDR haben die Journalisten einen Maulkorb. Aber es wurde dann nicht die Gestaltung des Plakates geändert, sondern der Filmtitel. Er hieß dann “Der Stein des Anstoßes”. Im Endeffekt wurde das Plakat aber nicht aufgehangen, sondern nur ein Schriftplakat, weil die Zuständigen wohl doch Angst bekamen, das Plakat zu zeigen – denn in dem Film ging es ja um einen Journalisten.

Altes Filmplakat aus der DDR mit Schrift Der Stein des Anstoßes und einem Maulkorb vor weißem Hintergrund. (DEFA-Stiftung)

Zensur am Titel: Aus dem ursprünglichen Titel “Der Journalist” wurde “Der Stein des Anstoßes”

Wo kam denn dieser hohe Anspruch an die Plakate her?

Eigentlich war das Ziel anfangs gewesen, billiger zu produzieren. Und da hat man sich beim “Progress Film-Verleih” gesagt: Wir nehmen einfach ganz junge Grafiker, in dem Fall Erhard Grüttner, und stellen sie an. Leute wie er, die direkt von der Hochschule kamen, hatten natürlich einen enorm hohen Anspruch. Und dieser Anspruch hat sich durchgesetzt. Später kam noch Otto Kummert dazu. Und so weiter. Und die fingen dann natürlich auch an, sich in der Welt umzusehen und zu schauen: Wie machen andere Länder das? Großes Vorbild waren damals die tschechischen und vor allen Dingen auch die polnischen Filmplakate. 

Bei den Filmen, die gezeigt wurden, handelt es sich ja nicht nur um Filme, die in der DDR entstanden sind, sondern auch um sowjetische, amerikanische Filme oder westdeutsche Filme. Warum wurde für die Ankündigung des Films nicht das Original-Plakat genommen? Gab es wirklich für alle Filme, die in der DDR gezeigt wurden, eigene neue Plakate?

Es gibt ein paar wenige Ausnahmen, die Asterix-Filme beispielsweise. Aber bei fast allen anderen Filmen wurden einfach auch deswegen neue Plakate gemacht, weil man die Rechte bezahlen musste. Das war eine Kostenfrage. Und natürlich wollte man auch teilweise andere Dinge zeigen. Auf dem Originalplakat zum Film “Beverly Hills Cop” mit Eddy Murphy aus den 1980er Jahren sitzt er auf einer großen amerikanischen Edelkarosse. Solche Statussymbole wollte man natürlich nicht unbedingt zeigen und deswegen wurde dann ein karikiertes Porträt des Hauptdarstellers von Thomas Schallnau als Plakat entworfen. 

Welchen Stellenwert hatten die Plakate damals in der Öffentlichkeit in der DDR? Wurden sie wahrgenommen?

Schwarz-weiß Porträt von Detlef Helmbold - freiberuflicher Grafiker in Berlin. (D. Helmbold )

Detlef Helmbold

Ja, auf jeden Fall. Es gab in der DDR jedes Jahr einen Plakatwettbewerb mit den 100 besten Plakaten, die in der DDR geschaffen worden sind. Das ging über alle Bereiche und da haben die Filmplakate immer einen sehr großen Stellenwert gehabt. Unter den 100 besten waren immer viele Filmplakate.

Was macht denn das typische DDR Filmplakat aus?

Also im Unterschied zum polnischen zum Beispiel: Beim polnischen Filmplakat gibt es nach meiner Auffassung immer diese hohe Ästhetik zwischen der grafischen Abbildung einerseits und der inhaltlichen Metapher-Bildung andererseits. Das heißt, es wurde alles sehr symbolisch gestaltet. Das DDR-Filmplakat hingegen, das sich zu Anfang – was die Grafik betrifft – so ein bisschen am polnischen Plakat orientiert hat, hat sich später dahin entwickelt, dass versucht wurde, immer stärker zu reduzieren, um dann am Schluss nur noch ein Zeichen oder ein Symbol zu finden, was dann für den ganzen Film steht.

Als in den 1970ern und 1980er Jahren dann das Fotoplakat im Westen groß Einzug hielt – da wurde kaum noch etwas gezeichnet, es gab nur noch Fotos - griff man in der DDR weiter zum Stift. Es wurde bis zum Schluss vieles gezeichnet, weil man da viel freier war. Man war nicht gebunden an irgendwelche Abbildungen von Darstellern oder Szenen. Aber man hat aus der Not natürlich auch eine Tugend gemacht, weil die fotografische Abbildung in der DDR schwierig war, gerade was die ganze Fototechnik betrifft.

Buchcover: Mehr Kunst als Werbung: Das DDR-Filmplakat 1945–1990 Gebundene Ausgabe – 1. Mai 2018 (Bertz-Fischer).

“Mehr Kunst als Werbung. Das DDR Filmplakat” – das Buch von Detlef Helmbold

Wenn man die Plakate zeitlich sortiert nebeneinander legt: Lässt sich da eine bestimmte Entwicklung erkennen?

Ganz entscheidend ist der Bruch zwischen den 50ern und 60ern. Von 1945 bis Ende der 1950er Jahre waren die Plakate in der DDR und in der Bundesrepublik ziemlich ähnlich. Das waren immer diese gezeichneten sogenannten “Kopfplakate”: ein großer Kopf und dahinter wurde die entscheidende Szene in klein abgebildet, so wie es heute auch wieder teilweise der Fall ist. In den 60ern hat sich dann die Schrift gewandelt, es gab so ganz typische Schriftschnitte und Schrifttypen, die eingesetzt wurden, wie zum Beispiel die Avantgarde. Vorher wurden die Schriften oft gezeichnet oder mit dem Pinsel geschrieben. Und was in den 60ern auch Einzug hielt, war das Foto - selten pur, aber in grafisch abgewandelter Form war es ein oft verwendetes Stilmittel. Die 1970er waren von einer hohen Ästhetik geprägt und von einer hohen Experimentierfreudigkeit. Und in den 1980ern wurde es dann wilder und expressiver. 

Haben Sie ein Lieblingsplakat?

Eines meiner wirklichen Lieblingsplakate ist “Die Besteigung des Chimborazo” von Albrecht von Bodecker. Da wird der ganze Titel zum Berg, da war der Künstler total frei. Oder auch das Plakat von Christoph Ehbets zu dem Film “Levins Mühle” aus dem Jahr 1980. Das steht für meine These, dass die Plakate mehr Kunst als Werbung sind. Es ist ein sehr farbiges Aquarell, man sieht einen Davidstern und ein Kreuz und man sieht, wie das Kreuz im Zentrum des Davidsterns einsetzt und damit auch zum Schwert wird. So ein Filmplakat würde es im Westen nicht geben, heute nicht und auch damals nicht. Da bin ich mir ziemlich sicher. Zu viel Grafik, zu wenig Film.

Das Gespräch führte Petra Lambeck.

Detlef Helmbold, Jahrgang 1960, arbeitet als freiberuflicher Grafiker in Berlin. Er studierte Gebrauchsgrafik an der Kunsthochschule in Berlin Weißensee und war von 1986 bis 1990 beim “Progress Film-Verleih” als Grafiker tätig. In diesem Monat erschien sein Buch “Mehr Kunst als Werbung. Das DDR-Filmplakat 1945 – 1990″, hrsg. von der DEFA-Stiftung, 672 Seiten. Es enthält Abbildungen von rund 6400 Filmplakaten, die angefertigt wurden für Filme, die in der SBZ (Sowjetische Besatzungszone) bzw. DDR zwischen 1945 und 1990 zur Aufführung kamen.

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Was Real Madrid (fast) unschlagbar macht

Man könnte sich die Sache leicht machen und den Buchmachern vertrauen: Für einen Sieg von Madrid gibt es rund 1,70 Euro pro eingesetztem Euro, für einen Triumph von Liverpool sind es rund 2,20 Euro. Madrid ist also der Favorit in diesem Champions-League-Finale von Kiew, wenngleich nur leicht. Bei näherem Hinsehen fällt auf: Der Vorsprung Reals ist tatsächlich größer. Fünf Gründe sprechen im Kampf um Europas Fußball-Krone für einen erneuten Triumph der Königlichen:

1. Selbstbewusstsein

Real Madrid kennt praktisch nur den Sieg. Die Niederlage ist eine Ausnahmeerfahrung. Die Dominanz auf internationaler Ebene hat ein Selbstverständnis wachsen lassen, dass man im bayerischen Sprachgebrauch wohl “Mia san Mia”-Mentalität nennen könnte – nur eben noch krasser. Denn die jüngsten Erfolge des FC Bayern lesen sich im Vergleich zu denen von Real Madrid fast schon bescheiden. Reals Pokal-Vitrine ist mehr als voll: Drei der letzten vier Champions-League-Trophäen gingen an Madrid, ebenso viele Klub-WM-Titel. Auch große Gegner wie Bayern München oder Paris Saint-Germain sind für Real keine Stolpersteine. Nannte man Real Madrid schon früher die “Königlichen” oder die “Galaktischen”, sind selbst der kreativen spanischen Presse inzwischen scheinbar die Superlative ausgegangen. Die Spieler, die allesamt Stars und Nationalspieler sind, bringen also das Gefühl von Überlegenheit mit, die sich immer wiederholende Erfahrung des Triumphes. So etwas schafft ein Selbstbewusstsein, wie es kein anderes Fußballteam der Welt haben dürfte.

2. Ronaldo

Real Madrid UEFA Open Media Day (Getty Images)

Locker und lässig: Auch in den letzten Trainingseinheiten vor dem Final strahlen Reals Stars (Marcelo l., Ronaldo r.) Zuversicht aus

Dieser Spieler passt in keine Schublade. Historische Vergleiche wurden oft bemüht, um Ronaldos Können vergleichbar und einordbar zu machen. Die Wahrheit aber ist: Ronaldo ist nur wie Ronaldo, er ist einmalig. Ja, er hat Talent und Torriecher wie einige große Namen vor ihm. Aber er hat einen Ehrgeiz, der einzigartig ist. Ronaldo, dessen Ego mindestens so groß ist wie sein Guthaben auf dem Konto, ist getrieben vom Willen, der Beste zu sein – und zu bleiben. Die Königsklasse ist ihm dabei das liebste Pflaster: “Ich liebe diesen Wettbewerb”, sagt der mit 120 Treffern erfolgreichste Torjäger der Champions-League-Geschichte. Sechsmal war er bereits Torschützenkönig der Königsklasse, Nummer sieben dürfte ihm bei 15 Toren in dieser Saison kaum zu nehmen sein. Seine Gabe: Er kann Spiele ganz allein entscheiden. Triumphiert der Portugiese mit der wie gemeißelt sitzenden Gelfrisur auch in Kiew, darf er zum fünften Mal den Henkelpott in den Nachthimmel recken. Und es wird ihn freuen wie beim ersten Mal.

3. Stressresistenz

Real Madrids kennt die eigenen Stärken und kann sich darauf verlassen. Das Team hat einen effizienten Angriff, der nie ganz auszuschalten ist. Und hat der mal Ladehemmung, stehen dahinter Distanzschützen der Extraklasse wie Toni Kroos parat. Man kann Reals Offensive also nie abschreiben. Auch in – an den eigenen Ansprüchen gemessen - schwachen Spielen ist Real für ein urplötzliches Tor gut. Oder auch zwei oder drei. Beispiel Halbfinal-Rückspiel gegen München: Madrid zeigte wahrlich nicht seinen souveränsten Auftrit,t und der FCB erhöhte in der zweiten Halbzeit den Druck auf die Königlichen. Doch individuelle Klasse, Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor und ein Keylor Navas mit Ausnahme-Reflexen auf der Linie reichten, um Madrid ins Finale zu führen. Manchmal scheint es, dass sich die Stars von Real regelrecht freuen, wenn sie endlich mal unter Druck geraten und ihr ganzes Potential zeigen können. Ein drückender Gegner wie der FC Liverpool mit dem Kloppschen Überfall-Fußball dürfte Madrid also nicht unter Stress setzen. Es wäre nur eine weitere Herausforderung für die Champions aus Spanien.

4. Abwehrreihe

Allein diese Namen: Marcelo, Ramos, Carvajal, Varane. Jeder Trainer der Welt würde diese Abwehrreihe mit Kusshand nehmen. Und überhaupt: Ist das wirklich eine Abwehrreihe? Das Quartett erzeugt mehr Torgefahr als der Angriff so manches Bundesligisten. Wenn sie hinten nicht gefordert werden (und das passiert häufiger), drängen sie nach vorne, erzeugen Überzahlsituationen, öffnen damit Räume und sind oft die perfekten Vorbereiter für die Angreifer um Ronaldo. Bei Standards, aber auch bei Kontern sind sie selbst gefürchtete Protagonisten. Und in ihrer Kerndisziplin? Ja, auch verteidigen können sie. Mal bissig und blitzschnell wie Marcelo, mal bullig und robust wie Ramos. Sie werden es Mohammed Salah und Co. schwer machen, sich zu entfalten.

5. Zidane

“Ich gegen ihn? Zidane decken? Ich bin wirklich froh, dass ich meine Spieler auf den Platz schicken kann”, lacht Jürgen Klopp, als er auf seinen Gegenüber angesprochen wird. Der Klassenunterschied zwischen dem einstigen Zweitliga-Spieler Klopp und Weltmeister Zidane ist im zweiten Beruf als Trainer nicht mehr zu erkennen. Aber es gibt feine Differenzen zwischen beiden Fußballlehrern. Auf der einen Seite Klopp, der ein wohl einmalig begabter Motivator und Menschenversteher ist, der seine Spieler zu Höchstleistungen anstacheln kann und dessen Spielstil vielen Gegnern zu Recht Angst macht. Doch auf der anderen Seite steht Zidane, ein mit allen Wassern gewaschener Profi in seinem Metier. “Zizou” hat all das schon als Spieler erlebt: WM-Endspiel, Champions-League-Finale, Elfmeterschießen. Er kennt die Momente, in denen es Spitz auf Knopf steht. Und er ist nach zwei Champions-League-Triumphen als Trainer und einem als Co-Trainer immer noch nicht satt: “Niemand kann behaupten, dass wir weniger Hunger auf Erfolg haben”, versichert der Franzose, der über ein besonderes taktisches Gespür verfügt. Viele seiner Personal- und auch Taktik-Entscheidungen erwiesen sich als richtig. Die Erfolge seiner zugegebenermaßen sehr starken Mannschaft sind also auch ein Stück weit seine Erfolge. Am Samstag soll ein weiterer hinzukommen.

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Bundesregierung: "Druck muss aufrechterhalten werden"

Von deutscher Seite heißt es, die Staatengemeinschaft sei nach der Absage des US-Nordkorea-Gipfels durch den amerikanischen Präsidenten Donald Trump gefordert, den Druck auf die nordkoreanische Führung aufrechtzuerhalten. Ein Dialog auf höchster Ebene stelle einen wichtigen Schritt zur Deeskalation auf der koreanischen Halbinsel dar, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Martina Fietz. Deutschland bedauere, dass die Zusammenkunft nicht zustande komme und rufe Nordkorea auf, Voraussetzungen zu schaffen, “dass der in Ansätzen geknüpfte Dialogfaden wiederaufgenommen werden kann”.

Die Sprecherin erinnerte daran, dass die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel durch die völkerrechtswidrige Entwicklung von Atomwaffen und entsprechenden Trägersystemen durch Nordkorea verursacht worden seien. Daher unterstütze Deutschland das Ziel der internationalen Gemeinschaft “einer vollständigen, irreversiblen und verifizierbaren Denuklearisierung” Nordkoreas.

China und Südkorea um Schadensbegrenzung bemüht

Sowohl Nordkoreas Schutzmacht China als auch Südkorea fordern einen neuen Anlauf zu einem US-Nordkorea-Gipfel. Peking verlangte von beiden Seiten Kompromissbereitschaft. Man hoffe, dass sich Washington und Pjöngjang inhaltlich in der Mitte träfen und geduldig seien, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Peking. Der Ministeriumssprecher verwies auf Trumps Ankündigung, grundsätzlich weiter zu einem Treffen mit Kim Jong Un bereit zu sein. Beide Seiten müssten guten Willen demonstrieren und sich die jüngsten Fortschritte bewusstmachen.

Südkoreas Präsident Moon Jae In sprach sich für ein direktes Treffen zwischen Trump und Kim aus und zeigte sich “verwundert” über die abrupte Absage. Das Außenministerium in Seoul erklärte, Ministerin Kang Kyung Wha habe mit ihrem US-Kollegen Mike Pompeo telefoniert. Es sei vereinbart worden, weiter auf die richtigen Bedingungen für Gespräche hinzuarbeiten.

Überraschend moderate Töne aus Nordkorea

Nordkorea schlägt nach Absage des Gipfeltreffens durch den US-Präsidenten plötzlich versöhnliche Töne an. Die USA sollten wissen, dass sich die Führung in Pjöngjang sich im Atomstreit jederzeit aus mit den USA zusammensetzen könne, erklärte der Erste Vizeaußenminister des Landes, Kim Kye Gwan.

Die deutlich moderateren Aussagen aus Pjöngjang stehen im Gegensatz zu der verschärften Rhetorik der vergangenen Tage. Kurz vor der Gipfel-Absage hatte die kommunistische Regierung US-Vizepräsident Mike Pence als “ignorant und dumm” bezeichnet. Die nordkoreanische Vizeaußenministerin Choe Son Hui hatte erklärt, Nordkorea sei zu einer atomaren Machtprobe ebenso bereit wie zu Verhandlungen. Wenige Stunden später verkündete das Weiße Haus die Entscheidung Trumps.

Trump begrüßte die moderate Reaktion Nordkoreas auf seine Gipfelabsage. ”Sehr gute Nachricht, die herzliche und produktive Erklärung aus Nordkorea”, schrieb er auf Twitter. “Wir werden bald sehen, wozu dies führt, hoffentlich zu langem und anhaltendem Wohlstand und Frieden.”

Trump hatte Kim in seinem Brief zur Absage des Gipfels vorgeworfen, zuletzt offen feindselig gewesen zu sein. Daher sei ein solches Treffen zurzeit nicht angemessen. “Diese verpasste Gelegenheit ist ein wahrhaft trauriger Moment in der Geschichte.” Bei einer Veranstaltung im Weißen Haus betonte der Präsident zudem, die US-Streitkräfte stünden bereit, sollte Kim etwas “Törichtes” unternehmen. Ein hochrangiger Mitarbeiter des Weißen Hauses sagte, Trump habe sich zu der Absage entschlossen, nachdem Nordkorea mehrere Versprechen gebrochen und die direkte Kommunikation mit den USA gekappt hätte.

Die Absage kam nur wenige Stunden, nachdem Nordkorea eigenen Angaben zufolge sein Atomtestgelände Punggye-ri gesprengt hatte. Die Schließung des in einer Bergregion liegenden Testkomplexes war als ein symbolischer Schritt gewertet worden, mit dem das abgeschottete Land seine Bereitschaft zur Denuklearisierung demonstrieren wollte. Das Weiße Haus kritisierte, dass keine internationalen Experten, sondern nur Reporter als Zeugen zu den Sprengungen der Testtunnel zugelassen wurden.

Verbreitet Bedauern und Sorge

UN-Generalsekretär Antonio Guterres forderte alle Beteiligten auf, “ihren Dialog fortzusetzen, um einen Weg zu einer friedlichen und überprüfbaren Entnuklearisierung der koreanischen Halbinsel zu finden”.

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte auf “einen bedeutenden Schritt in Richtung einer Deeskalation” und “einen Beginn der Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel” gehofft. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sagte bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Putin, er hoffe, dass “der Prozess der Nichtweiterverbreitung” fortgesetzt werde.

Der deutsche Ex-Botschafter in Washington, Wolfgang Ischinger, sagte der “Bild”-Zeitung, Trump trete “erneut als Meister des Störens und Zerstörens auf”. Den “Beweis”, dass er “mit seiner Unberechenbarkeit mehr Erfolg” habe als mit ernsthaften Verhandlungen und politischen Kompromissen, sei Trump bislang schuldig geblieben. 

qu/uh/rb/(afp, ap, dpa, rtr)

02:31 Min.

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Spanien auf dem Weg in Regierungskrise

Seit neun Jahren beschäftigt ein massiver Korruptionsskandal die spanische Justiz. Im Mittelpunkt steht die regierende Volkspartei PP. Nachdem am Donnerstag die Urteile gesprochen wurden kündigte die Sozialistische Partei (PSOE), die größte Oppositionspartei des Landes, einen Misstrauensantrag gegen Regierungschef Mariano Rajoy an. Sie wollen den 63-Jährigen stürzen, eine Übergangsregierung bilden und so schnell wie möglich Neuwahlen ansetzen, wie Parteichef Pedro Sánchez auf einer Pressekonferenz ankündigte.

Auch die bisherigen Verbündeten des Premiers gehen auf Distanz, setzen aber auf eine umgekehrte Reihenfolge: Die liberalen Ciudadanos (“Bürger”) fordern Neuwahlen. Andernfalls würden auch sie einen Misstrauensantrag stellen. Die Ciudadanos sind zwar nicht Teil der Regierung, unterstützten aber die Konservativen bisher im Parlament in Madrid. Der hochrangige Ciudadanos-Vertreter Jose Manuel Villegas sagte vor der Presse: “Wenn Rajoy nicht Neuwahlen ausruft, sind wir zu einem Misstrauensantrag bereit, um Wahlen abzuhalten.”

Gegner hoffen auf Geschlossenheit gegen den Regierungschef

Unklar ist, ob Rajoys Gegner im Parlament genügend Stimmen zusammenbekommen und wann das Votum stattfinden soll. Rajoys Volkspartei PP verfügt nicht über die absolute Mehrheit, so dass Sozialisten und Ciudadanos gemeinsam mit der populistischen Podemos den Regierungschef stürzen könnten.

Rajoy kritisierte den angekündigten Misstrauensantrag scharf. Er warf seinen Gegnern vor, die “politische Stabilität” des Landes zu bedrohen. Neuwahlen kämen für ihn nicht in Frage. Ein derartiger Schritt wende sich gegen die wirtschaftliche Erholung Spaniens, betonte er in Madrid. Die Sozialisten hätten den Antrag in einem extrem schwierigen Moment für das Land gestellt, betonte Rajoy mit Blick auf die Katalonien-Krise. Einziges Ziel sei es, PSOE-Chef Sánchez um jeden Preis an die Macht zu bringen.

Insgesamt 351 Jahre Haft und hohe Geldstrafen

Der nationale Strafgerichtshof hatte Rajoys konservative Volkspartei wegen Verwicklung in den Skandal – der unter dem Namen “Operación Gürtel” bekannt ist – zu einer Geldstrafe von 245.000 Euro verurteilt. Zudem wurden mehrere ehemalige Parteimitglieder zu teils langjährigen Haftstrafen verurteilt.

Der ehemalige Schatzmeister der PP, Luis Bárcenas, wurde der Geldwäsche für schuldig befunden, zu 33 Jahren Haft und einer Zahlung von 44 Millionen Euro verurteilt. Die mutmaßliche Schlüsselfigur, der Unternehmer Francisco Correa, bekam 51 Jahre Haft. Bei dem Prozess ging es um kriminelle Praktiken einiger Unternehmen, die zwischen 1999 und 2005 Politiker der PP bestochen und dafür lukrative Aufträge erhalten haben sollen. Insgesamt 29 Angeklagte, darunter ehemalige Führungskräfte der PP, wurden wegen Korruption, Unterschlagung, Geldwäsche und illegaler Bereicherung zu insgesamt 351 Jahren Gefängnis verurteilt.

Die Affäre gilt als größter Korruptionsskandal in der jüngeren Geschichte Spaniens. Rajoy war in dem Verfahren als Zeuge vernommen worden. Dabei bestritt er, von den illegalen Finanzpraktiken seiner Partei gewusst zu haben.

qu/uh (rtr, dpa)

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Schwimmsport trauert um Daniela Samulski

Die ehemalige deutsche Schwimmerin Daniela Samulski ist kurz vor ihrem 34. Geburtstag nach langem Leiden an den Folgen ihrer Krebserkrankung gestorben. Das bestätigte ein Sprecher des Deutschen Schwimm-Verbands (DSV) am Freitag. Samulski hinterlässt ihren Ehemann und ein Kind.

Samulskis Schwimmkarriere hatte Höhen, aber auch Tiefen. Schon früh plagte sie sich mit Essstörungen, die sie mit einer Therapie und einer Schwimmpause überwinden konnte. “Ich konnte das gut vertuschen. Aufgefallen ist das niemandem, aber innerlich sah es dunkel aus”, sagte sie vor einigen Jahren in einem Interview. Im Anschluss an die Therapie feierte sie die größten Erfolge ihrer Karriere: 2009 den Weltrekord über 50 Meter Rücken sowie bei der WM in Rom zweite Plätze im Rücken-Sprint und mit der Freistil-Staffel. 2006 und 2010 wurde Samulski Europameisterin mit der Freistil-Staffel über 4×100 Meter. Ihre deutschen Rekorde über 50 und 100 Meter Rücken haben immer noch Bestand. 

Die Krebs-Diagnose war dann ein weiterer, harter Rückschlag in ihrem Leben. Samulski mied weitestgehend die Öffentlichkeit und verlor den Kontakt zu ehemaligen Weggefährten, darunter auch Bundestrainer Henning Lambertz: “Ich kann es nicht fassen. Sie war eine unserer Besten. Es war eine tolle Zeit mit ihr. Mit keinem Sportler habe ich so lange zusammengearbeitet wie mit ihr”, sagte Lambertz. Er hatte Samulski zeitweise auch als Trainer bei der SG Essen betreut.

Schwimmszene trauert um Samulski

“Es gibt keine Worte, die auch nur im Entferntesten ausdrücken können, was man nach so einer Nachricht fühlt. Unvorstellbar ist es. Ich hoffe, es gibt einen schönen Ort, an den man kommt, wenn man geht”, äußerte sich der frühere deutsche Schwimm-Star Britta Steffen zum Tod ihrer ehemaligen Weggefährtin. Steffen gewann bei den Weltmeisterschaften 2009 in Rom an der Seite Samulskis Silber mit der Freistil- und Bronze mit der Lagenstaffel. “Mulle war für viele Schwimmerinnen ein Vorbild. Ihre Fähigkeiten waren enorm. Sie war eine starke Frau”, sagte Steffen. Auch Schwimm-Legende Franziska van Almsick meldete sich nach dem Verlust ihrer Kollegin zu Wort: “Eine großartige Athletin ist von uns gegangen. Meine Gedanken sind bei ihrer Familie.”

mvd/sn (sid und dpa)

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West Africa Leaks: Westafrikas verschwundene Steuergelder

“West Africa Leaks” ist das Ergebnis monatelanger Recherchen von 14 Journalisten aus der Region. Gemeinsam mit Kollegen des Internationalen Konsortiums Investigativer Journalisten (ICIJ) haben sie Dokumente ausgewertet, durch die schon Skandale wie die “Paradise Papers”  ans Licht kamen. Ihre Erkenntnis: Einflussreiche Politiker, Privatpersonen und Unternehmen sollen in Westafrika Geschäfte gemacht und die Gelder im Ausland in Sicherheit gebracht haben. Mindestens 13 Ländern sind Steuergelder in Millionenhöhe entgangen.

Zum Beispiel Niger: Das Land, eines der ärmsten der Welt, lebt vor allem von Viehzucht. Im April 2009 begannen die Arbeiten für Westafrikas größten Schlachthof nahe der Hauptstadt Niamey. 40.000 Tonnen Fleisch sollten hier pro Jahr produziert werden. Neun Jahre später gibt die Baustelle ein trauriges Bild ab. Moussa Aksar, Chefredakteur der Zeitung L’Evenement, hat sich dort umgesehen. “Das ist eine riesige Baugrube, überwuchert mit Buschwerk”, klagt er im DW-Gespräch. “Schlangen haben sich angesiedelt, aber nicht ein einziges Bauwerk wurde hochgezogen.”

Mittendrin: Mächtige Politiker

Gut 16 Milliarden CFA-Francs stellte die damalige Regierung laut Vertrag für den Bau des Schlachthofs zur Verfügung. Zunächst wurde ein Teil des Geldes an eine australische Firma auf den Virgin Islands überwiesen. Monate später schlitterte das Land in die Krise, 2010 putschte das Militär. Es dauerte in Jahr, bis der jetzige Präsident Mahamadou Issoufou an die Macht kam. In dieser Übergangszeit sei der Rest des Geldes abgeflossen, sagt Journalist Aksar – wohin, sei nicht klar. Gebaut wurde damals schon nicht mehr. Durch den fehlenden Schlachthof verlieren viele Nigrer auch Einkommen. Der Gewinn für die Viehzüchter hätte laut dem damaligen Premierminister Seini Oumarou jährlich knapp 30 Milliarden CFA-Francs betragen sollen.

Der Niger-Fluss mit grün bewachsenen Ufern (picture-alliance/robertharding/M. Runkel)

Niger ist eines der ärmsten Länder der Welt

Bei ihren Recherchen kam den westafrikanischen Journalisten die internationale Zusammenarbeit zugute.Wenn sich die Beschuldigten gegenüber lokalen Medien nicht äußern wollten, half manchmal ein Anruf aus den USA. “Das ist eine wirkungsvolle Strategie, wie Journalisten Druck ausüben und Rechenschaft von Politikern einfordern können, die das nicht gewohnt sind”, sagt Will Fitzgibbon, ICIJ-Koordinator von West Africa Leaks.

Eine Reihe prominenter Namen taucht laut ICIJ in den gesichteten Papieren auf. Zum Beispiel Hamadoun Touré aus Mali, der sich im Juli zum neuen Präsidenten Malis wählen lassen will. Er soll Eigentümer einer Offshore-Firma mit Sitz auf den Seychellen sein. Und Noel Akossi Bendjo, Bezirksbürgermeister in der ivorischen Metropole Abidjan, wird als Besitzer einer Firma auf den  Bahamasangegeben.

Präsidentenfreundin in zweifelhafter Mission

Es gibt oft keine Belege, dass die Firmen illegalen Geschäften dienten. Trotzdem vermuten die Investigativjournalisten, dass sie für Geschäfte dienten, die im Konflikt mit den öffentlichen Funktionen der Betroffenen standen – etwa im Fall Bendjo: “Das Unternehmen wurde 1997 gegründet”, sagt der ivorische Journalist Anderson Diebri im DW-Interview. “Im gleichen Jahr wurde Bendjo Generaldirektor der ivorischen Raffinierungsgesellschaft SIR”. Bendjo droht nun öffentlich mit einer Klage. Anderson Diebri sieht dem gelassen entgegen. “Wir haben die Beweise”, sagt er. “Wir warten auf die Klage, dann wird die Justiz entscheiden.”

Die frühere Präsidentin von Liberia, Ellen Johnson-Sirleaf (picture-alliance/dpa/EPA/EFE/J. Lizon)

Auch eine Vertraute von Liberias Ex-Präsidentin Ellen Johnson-Sirlead soll in den Dokumenten auftauchen.

Auch die Liberianerin Clavenda Bright Parker soll ein Unternehmen auf den Seychellen besitzen. Sie selbst gibt vor, davon nichts zu wissen. Die Pharmazeutin ist eine Jugendfreundin der früheren Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf. Die Brisanz dieses Falls liegt auch hier in den verschiedenen Funktionen von Bright Parker. “Wir wollen Antworten auf die Frage, warum eine Person mit wenig Erfahrung im Minensektor Aktionärin und Direktorin einer Firma in einem Steuerparadies war und gleichzeitig einem Minenunternehmen geholfen hat, mit Ministern über wichtige Lizenzen zu verhandeln”, sagt sagt Koordinator Will Fitzgibbon. “Es gibt einfach nicht viele Gründe, warum eine liberische Unternehmerin mit einer Firma auf den Seychellen in Verbindung stehen sollte.”

Westafrikanische Regierungen nehmen laut ICIJ eine ambivalente Rolle ein. Regierungen seien oft Teil der Verschwörung, sagt Will Fitzgibbon. Dem Senegal könnten bis zu neun Millionen Dollar Steuereinnahmen vom kanadischen Baugiganten SNC-Lavalin entgangen sein. Der Konzern selbst gibt vor, seine Unternehmungen “im Rahmen der Gesetze steuereffizient zu gestalten”. Tatsächlich hat der Senegal vor Jahren einen Vertrag mit Mauritius abgeschlossen, der es internationalen Unternehmen ermöglicht, ihre Unternehmungen im Senegal über Mauritius abzuwickeln – und so ganz legal Steuern zu umgehen.

Das war unter dem früheren Präsidenten Abdoulaye Wade. Die Regierung seines Nachfolgers Macky Sall habe erklärt, den Vertrag zu bedauern, der ihr selbst schade, sagt Fitzgibbon. Dennoch sei es bisher nicht gelungen, ihn aufzulösen. Das hänge auch mit den internationalen Machtstrukturen zusammen: “Das Offshore-System beutet in vielerlei Hinsicht schwache Staaten aus. Als wohlhabendes Land oder als milliardenschweres Unternehmen fällt es leichter, aus diesem System Profit zu schlagen.” Arme Länder stünden so unter einem gewaltigen Druck. Um dieses System zu durchbrechen, müssten auch große Unternehmen ihre Geschäfte überdenken, fordert er – auch dort, wo sie sich in einem legalen Rahmen bewegen.

Mitarbeit: Fréjus Quenum

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