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Corona-Live-Ticker vom 2. April: UN-Klimagipfel wird verschoben

Das Wichtigste in Kürze:

- Der zum Jahresende geplante Weltklimagipfel wird auf 2021 verschoben

- 13 EU-Staaten warnen vor Eingriffen in die Grundrechte wegen Covid-19

- In Deutschland ist die Zahl der Intensivbetten deutlich erhöht worden

Die Meldungen im Einzelnen – Alle Zeiten in MESZ

11.08 Uhr – Rund ein Viertel der Unternehmen in Großbritannien wollen die Zahl ihrer Mitarbeiter in der Krise reduzieren. Das sei das Ergebnis einer Umfrage, teilt das Statistikamt mit: Nur fünf Prozent seien bereit kurzfristig neue Mitarbeiter einstellen.”

10.50 Uhr – Deutschland kann flächendeckende Firmenschließungen laut einer Ifo-Umfrage unter 155 Ökonomen rund elf Wochen durchhalten. So lange könnte die Wirtschaft einen “Shutdown” abfedern, “bevor das Risiko einer wirtschaftlichen Destabilisierung zu groß wird”, teilen die Münchner Forscher mit.

10.41 Uhr – Der britische Premierminister Boris Johnson kündigte an, die Zahl der Tests massiv zu erhöhen. In einer Videobotschaft gab er sich zuversichtlich, auf diese Weise das Virus zu besiegen. Johnson reagierte damit auf die heftige Kritik am zögerlichen Vorgehen seiner Regierung, nachdem Beamte enthüllt hatten, dass gerade einmal 2000 von einer halben Million Mitarbeitern des staatlichen Gesundheitsdienste getestet worden waren. Insgesamt sind in Großbritannien nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität 2357 Tote und knapp 30.000 Infizierte registriert.

10.17 Uhr – Die Regierung in Thailand erlässt eine landesweite nächtliche Ausgangssperre. Sie soll ab Freitag zwischen 22.00 Uhr und 4.00 Uhr gelten. “Der Premierminister wird die Ankündigung heute Abend im nationalen Fernsehen gegen 18 Uhr machen”, sagte eine Regierungssprecherin der Nachrichtenagentur Reuters.

Thailand Ausbruch der Coronavirus - Affen (Reuters/S. Z. Tun)

Straßenszene in Lophuri, Thailand

10.09 Uhr – Die Corona-Krise treibt die Arbeitslosenzahl in Spanien in die Höhe: Im März seien gegenüber dem Vormonat 300.000 Erwerbslose hinzugekommen, teilt das Arbeitsministerium mit. Dies ist ein Anstieg um 9,3 Prozent. Damit sind nun insgesamt 3,5 Millionen Spanier ohne Job.

10.00 Uhr – Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich beeindruckt gezeigt vom Einfallsreichtum und der Solidarität vieler Menschen in der Corona-Krise. “Ja, diese Krise weckt unsere tiefsten Ängste”, sagte er in einer Videobotschaft. “Aber sie ruft auch das Beste in uns hervor. Daran, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, müssen wir uns jetzt halten.” Man sei vielleicht zur Isolation verdammt – aber nicht zur Untätigkeit: “Jeder und jede von Ihnen kann jetzt helfen”, sagte Steinmeier. Zugleich räumte er ein, dass die Situation nicht leicht sei. “Es sind bedrückende Tage, die wir gemeinsam durchleben.”

09.56 Uhr Der Videokonferenz-Dienst Zoom, dessen Nutzung in der Coronavirus-Krise explodierte, gelobt Besserung nach Kritik an seinen Datenschutz-Vorkehrungen. Mehrere von Sicherheitsforschern aufgedeckte Sicherheitslücken seien gestopft worden, schrieb Firmenchef Eric Yuan in einem Blogeintrag.

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Polen, Ungarn und Tschechien brechen EU-Recht

Die osteuropäischen Staaten Polen, Ungarn und Tschechien haben mit ihrem Nein zur Flüchtlingsaufnahme gegen EU-Recht verstoßen. Durch ihre Weigerung, einen EU-Beschluss aus dem Jahr 2015 umzusetzen, hätten sie ihre Verpflichtungen verletzt, entschied der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg.

Die EU-Innenminister hatten im September 2015 gegen den Widerstand osteuropäischer Staaten per Mehrheitsvotum entschieden, bis zu 160.000 Asylbewerber nach einem Quotensystem innerhalb der EU zu verteilen. Mit der Aktion sollten Griechenland und Italien entlastet werden. Am Ende wurden aus verschiedenen Gründen laut EU-Kommission nur rund 35.000 Menschen umverteilt, viele davon nach Deutschland. Ungarn, Polen und Tschechien weigerten sich beharrlich.

Ungarn Premierminister Viktor Orban (picture-alliance/AP/MTI/Z. Mathe)

Insbesondere der ungarische Regierungschef Viktor Orban hält strikt am Kurs der Abschottung seines Landes fest

Daraufhin erhob die EU-Kommission, die in der Staatengemeinschaft unter anderem die Einhaltung von EU-Recht überwacht, im Dezember 2017 eine Vertragsverletzungsklage gegen die drei Staaten. Im September 2017 war bereits Ungarn zusammen mit der Slowakei mit einer Klage gegen die Umverteilung vor dem EuGH gescheitert.

Keine Strafe verhängt 

Ein Strafmaß benannte der EuGH in seinem jetzigen Urteil nicht. Dazu müsste die EU-Kommission das Gericht nochmals anrufen und finanzielle Sanktionen beantragen. Dann würde der Gerichtshof die Höhe der Strafe berechnen. Dabei würden Dauer und Schwere des Verstoßes berücksichtigt, aber auch die Wirtschaftskraft des Landes.

Die EU ist seit Jahren heftig zerstritten über ihre Asylpolitik. Staaten wie Griechenland, Italien und Spanien an den südlichen Außengrenzen fordern eine Reform der sogenannten Dublin-Regeln. Danach ist jener Staat für einen Asylantrag zuständig, auf dessen Boden der Schutzsuchende zuerst europäischen Boden betreten hat.

Länder wie Ungarn, Polen oder auch Österreich lehnen es jedoch kategorisch ab, verpflichtend Asylbewerber aufzunehmen. Nach den Osterfeiertagen will die EU-Kommission unter Ursula von der Leyen einen neuen “Migrationspakt” vorlegen.

se/mak (dpa, afp, epd, rtr)

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Kommentar: Mundschutzpflicht? Unsinniger Aktivismus!

Das Coronavirus scheint manchen Entscheidungsträgern den Blick auf das wirklich wichtige zu vernebeln. Jeden Tag wird irgendwo auf der Welt eine neue Sau durchs Dorf getrieben - Grundrechte werden in atemberaubendem Tempo abgeschafft. Unzählige Verordnungen haben wahnwitzige Folgen, die nicht gegen die Verbreitung des Coronavirus helfen, aber den Menschen das Leben schwer machen.

Einige Beispiele: Wer in einem brandenburgischen Dorf an der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern wohnt, darf nicht mehr in seinen nächstgelegenen Supermarkt zum Einkaufen, weil an der Landesgrenze die Polizei steht und ihn als “Touristen” nicht durch lässt.

In Frankreich darf man zwar noch einkaufen gehen, aber wehe es ist “nur” ein ofenfrisches Baguette. Das kostet dann schmerzhaftes Bußgeld, wird man von der Polizei erwischt. In Südafrika darf man mit dem Hund nicht mehr gassigehen, in China den Müll nicht mehr runterbringen, wenn man als Gesunder in vorsorgliche Quarantäne kommt. Weitere Beispiele absurder Auswüchse von Regelungen gibt es weltweit wie Sand am Meer. 

Mehr dazu: Coronavirus: Wie gut hilft ein Mundschutz?

Schmidt Fabian Kommentarbild App

Erstmal nachdenken, wer überhaupt wovor geschützt werden soll, empfiehlt Wissenschaftsredakteur Fabian Schmidt

Textile Semiotik: “Alle machen mit. Ich gehöre dazu!”

Die Mundschutzpflicht - in China schon lange Praxis - ist die Mutter aller unsinnigen Verordnungen. In vielen Ländern Asiens sind Gesichtsmasken ja seit Jahrzehnten ein akzeptiertes modisches Accessoire. Wer sie trägt, erhofft sich etwa Schutz vor Smog, Staub, Tränengas, Gesichtserkennung durch Videokameras oder eben auch vor Krankheitserregern.

Vor allem aber vermittelt die Maske das Gefühl dazu zu gehören. Gemeinsam leidet es sich schöner. Wer sie trägt sendet ein entsprechendes Zeichen an die Mitmenschen. Das nennt sich in der Sozialwissenschaft: textile Semiotik.

Und seit Österreich die Maskenpflicht in Supermärkten eingeführt hat, ist auch in Deutschland eine emsige Betriebsamkeit ausgebrochen: Keiner will der letzte sein, der auf den Zug aufspringt. Den Preis für vorauseilenden Gehorsam verdient diesmal die Stadt Jena, die gerade vorgeprescht ist und das österreichische Modell kopiert hat.

Die Masken denen, die sie brauchen

Zu Anfang der Corona-Krise hatte ich übrigens fast ein Dutzend hochwertige FFP-3 Masken bei mir zu Hause - in meinem Werkzeugschrank. Ich hatte sie mir Anfang vergangenen Jahres, also lange vor Corona, gekauft. Verwenden wollte ich sie, um in meinem Altbau Proben auf Asbest zu nehmen (die glücklicherweise alle negativ ausgefallen sind).

Vor etwas mehr als drei Wochen habe ich den ganzen Restbestand meinem Hausarzt vorbeigebracht. Dessen Assistentin freute sich wie ein Kind zu Weihnachten. Denn Hausärzte brauchen die Masken, im Gegensatz zu gesunden Menschen, jetzt wirklich. Die Kernfrage ist doch, was wir mit den Masken überhaupt erreichen wollen?

Hochwertige FFP-2 und FFP-3 Masken sollten Medizinern und Pflegekräften vorbehalten bleiben, die mit Infizierten oder Verdachtsfällen arbeiten müssen. Neben den Masken müssen sie sich auch durch Schutzbrillen, Gummihandschuhe und mindestens Einwegschürzen schützen - sonst nützt ihnen auch die Maske wenig.

Denkt an die Pflegekräfte

Alle einfacheren Modelle - etwa simple OP-Masken oder auch selbstgenähte Masken aus dichten Textilien - dienen höchstens dazu, Dritte vor einer Infektion durch denjenigen zu schützen, der die Maske trägt. Den Träger schützen sie jedenfalls kaum. Masken zum Schutz gefährdeter Dritter zu tragen ist natürlich gerechtfertigt, etwa wenn Pflegekräfte oder Verwandte alte und vorerkrankte Menschen zuhause besuchen.

Also lassen wir doch die OP-Masken oder selbstgenähten Masken den Pflegediensten, Beschäftigten in Altenheimen den vielen anderen, die täglich mit Vorerkrankten und älteren Menschen zu tun haben. Und die brauchen viele Masken, weil sie sie regelmäßig wechseln bzw. heiß waschen müssen. Sonst verlieren sie ihre Wirkung und können sogar kontraproduktiv sein, weil sich Pilze und Bakterien an feuchten Masken super entwickeln können.

Gar nichts, außer vielleicht dem guten Gefühl der sozialen Pflichterfüllung, bringt es jedenfalls, wenn kerngesunde Menschen, die kaum mit Vorerkrankten in Kontakt kommen, sich jetzt ritualisiert einen Papier- oder Stofflappen in Form einer Maske vor das Gesicht binden.

Wer wirklich etwas gegen die weitere Verbreitung des Virus tun will, soll sich einfach an das halten, was ohnehin seit Wochen gilt: körperliche Kontakte vermeiden, regelmäßig Händewaschen, Abstand halten.

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Coronavirus in Italien: Die Ausgangssperre und die Seele

Sonia Tranchina verbringt die Corona-Quarantäne mit ihren beiden Kindern und ihrem Hund in einer 65 Quadratmeter großen Wohnung in Mailand. “Am Anfang lief alles gut, bis gestern”, sagt die 38-Jährige. “Mein Sohn ist 13 Jahre alt. Eigentlich ist er sehr scheu. Aber gestern überraschte er mich damit, dass er mit seinen Freunden rausgehen wolle. Plötzlich fühlte ich mich überfordert.” Und weiter sagt sie: “Vorher war er schüchtern, jetzt langweilt er sich. Er schläft den ganzen Tag. Er steht nur auf, um am täglichen Online-Unterricht teilzunehmen. Ich habe Angst um ihn.”

Sonia ist blind. Sie gehört zur italienischen Nationalmannschaft im Tischball – eine Art Tischtennis für blinde und sehbehinderte Menschen. Wegen der Ausgangssperre kann Sonia nicht zum Training gehen. “Wir sind abgekapselt. Es ist merkwürdig, zu Hause zu bleiben. Und wenn ich in den Supermarkt gehe, bin ich völlig desorientiert, weil ich niemanden um mich herum höre. Der Corona-Virus hat unser Leben auf Eis gelegt.”

Psychologische Hilfe in Italien in Corona-Zeiten (privat)

Leben auf Eis: Sonia Tranchina, hier mit ihrem älteren Sohn

Letzte Woche hat die italienische Regierung ein landesweites Programm gestartet, um Menschen wie Tranchina psychologisch zu unterstützen. In Zusammenarbeit mit regionalen Verbänden und Einrichtungen bieten Psychologen kostenlose Nothilfe an. Patienten können telefonisch oder online Kontakt aufnehmen.

Selbst Menschen mit stabilen Familien und sicheren Arbeitsplätzen erwarten erhebliche psychologische und gesellschaftliche Veränderungen. “Wir sind misstrauischer geworden. Wir müssen wohl über Monate oder sogar Jahre körperlich Abstand voneinander halten”, sagt Giovanni Cerana, 44 Jahre alt, Lehrer und Vater von zwei Kindern. “Das soziale System könnte zusammenbrechen, das familiäre Netzwerk genauso. Meine Eltern sind schon relativ alt. Ich werde mich monatelang fragen, ob meine Kinder sie wirklich besuchen sollen. Die Großeltern sind eine Säule der italienischen Gesellschaft, jetzt könnten sie ins Abseits geraten, damit sie nicht in Gefahr geraten. Ist das nicht traurig?”

Psychologische Hilfe in Italien in Corona-Zeiten (privat)

“Wir müssen vielleicht jahrelang Abstand voneinander halten”: Lehrer Giovanni Cerana

“Die soziale Distanz zwischen den Menschen wächst in jeder Hinsicht”, sagt Cerana weiter und verweist auf Kinder, die ins Heim kamen, nachdem ihre Eltern positiv getestet wurden.

Der Notfall im Notfall

Die Nachfrage nach psychologischer Hilfe steige, insbesondere bei Menschen in den Dreißigern, sagt Camilla Quarticelli, eine in Mailand lebende Psychotherapeutin. “Wir leiden alle unter einem intensiven psychologischen Trauma, einzeln und als Gemeinschaft. Dieses Trauma wird nicht nur durch die direkten Folgen der Pandemie wie Trauer und Krankheit verursacht, sondern auch durch indirekte, nicht weniger wichtige Folgen wie Arbeitsplatzverlust, Burnout, post-traumatischer Stress und solcher, der auf die Situation in der Quarantäne zurückgeht.”

In den letzten Wochen wurden in Italien mindestens zwei Frauen von ihren Kindern erstochen. Eine weitere Frau wurde gerettet, nachdem ihr Mann mit einem Hammer auf sie losgegangen war. Gewalt gegen Frauen wird als “Notfall im Notfall” definiert.

“Die Zahl der Psychologen in Italien ist recht hoch. Mit einer guten Koordination sollte es möglich sein, auf alle Anfragen zu reagieren – nicht nur jetzt, da es akut und dringend ist, sondern auch danach”, sagt Quarticelli.

Menschen in Gefahr

Besonders gefährdet sind Familien mit wenig Einkommen und Personen, die allein auf kleinem Raum leben. Wenn Menschen nicht in der Lage sind, sich einer Notlage schnell anzupassen, kann dies die Auswirkungen auf die Psyche noch verschärfen.

“Eine Kontaktsperre kann ein ernsthaftes Problem für Suchtkranke sein”, sagt Serena Camposeo, Psychotherapeutin in der Region Südapulien. “Eingrenzung, Unbeweglichkeit und der Mangel an legalen oder illegalen Rauschmitteln können sie in einen Strudel der Sucht treiben. Sie könnten von Drogen zu Alkohol wechseln. Einige können auch psychische Probleme entwickeln, vor allem ohne psychologische Unterstützung.” Camposea arbeitet freiwillig für die staatliche Hotline. Sie sagt, schon am ersten Tag wurde sie von fünf Leuten aus Caravigno, ihrer eigenen Stadt, angerufen.

Italien - Coronavirus: Andra Tutto Bene Banner (picture-alliance/abaca/IPA/P. Tenagli)

Prinzip Hoffnung: “Andrà tutto bene – Alles wird gut”

Medizinische Fachkräfte leiden unter zusätzlichem Stress – auch weil sie befürchten müssen, dass der Virus mutieren könnte. Hinzu kommen die Sorgen, die alle haben – dass sie andere Menschen mit dem Virus anstecken und selbst sterben könnten. Bisher sind in Italien mindestens 63 Ärzte durch das Corona-Virus ums Leben gekommen.

“Ich habe keine Angst um mich selbst, sondern um meine Lieben”, sagt ein Arzt, der in einem Krankenhaus in der Lombardei arbeitet. Er möchte sich nur anonym äußern. “Ich hoffe einfach, dass ich durchhalte. Psychologische Unterstützung ist jetzt wichtig, aber dafür ist keine Zeit. Es gibt keine Kapazitäten.”

Mitgefühl kann sich keiner leisten

Isabel Fernandez, eine auf posttraumatische Belastungsstörungen spezialisierte Psychologin, sagt, dass Ärzte in dieser Situation kaum mit ihren Kollegen mitfühlen können. “Jeder infizierte Arzt, jede infizierte Pflegekraft erinnert die anderen nur daran, dass sie die nächsten sein könnten.” Sie sagt, der Mangel an medizinischen Ressourcen mache das Trauma nur noch schlimmer.

Italien | Coronavirus: Intensivstation des Krankenhauses von Brescia (picture-alliance/dpa/AP/LaPresse/C. Furlan)

Arbeiten wie im Krieg: Auf der Intensivstation des Krankenhauses im norditalienischen Brescia

Eine 34-jährige Krankenschwester beging kürzlich Selbstmord. Sie erhängte sich in dem Krankenhaus, in dem sie arbeitete. Medizinische Fachkräfte wie sie erleben Situationen, wie man sie sonst nur aus Kriegen kennt.

“Als ich krank wurde, kam ich mit zehn bis 20 anderen Leuten in ein Zelt. Viele konnten nicht atmen, viele weinten. Plötzlich war ich in einem Kriegsfilm. Dieser Tag war der schwerste für mich.” sagt Claudio Chiari, ein 49-jähriger Journalist aus Brescia. Er wurde positiv getestet und ins Krankenhaus eingeliefert. Jetzt ist er in seiner Wohnung in Quarantäne. “Nach dem Leid auf der Station ist diese Form der Isolation vergleichsweise angenehm.”

Die Deutsche Welle berichtet zurückhaltend über das Thema Suizid, da es Hinweise darauf gibt, dass manche Formen der Berichterstattung zu Nachahmungsreaktionen führen können. Sollten Sie selbst Selbstmordgedanken hegen oder in einer emotionalen Notlage stecken, zögern Sie nicht, Hilfe zu suchen. Wo es Hilfe in Ihrem Land gibt, finden Sie unter der Website https://www.befrienders.org/ In Deutschland hilft Ihnen die Telefonseelsorge unter den kostenfreien Nummern 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222.

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Warum der Kampf gegen Hunger jetzt noch schwieriger wird

Jahrelang haben Entwicklungsländer und Hilfsorganisationen Fortschritte im Kampf gegen den Hunger erzielt: Zwischen den Jahren 2000 und 2019 ist der Welthungerindex im Durchschnitt von 29 auf 20 zurückgegangen – eine Verbesserung um 31 Prozent.

Nicht nur Hilfsprogramme, auch der wirtschaftliche und politische Fortschritt in vielen Ländern helfen dabei: Zum Beispiel können die Lieferketten für Nahrungsmittel regionale Missernten schneller kompensieren, weil Infrastrukturen leistungsfähiger geworden sind und lokale Märkte stärker mit nationalen und internationalen Produzenten vernetzt sind.

Nationale und globale Lieferketten intakt halten

Doch genau diese Lieferketten könnte die Covid-19-Pandemie gefährden, warnt die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO): “Um Nahrungsmittelknappheit zu vermeiden, muss alles getan werden, um diese Netze intakt, flexibel und effizient zu halten”, sagt FAO-Chefökonom Maximo Torero Cullen Ende.

Einerseits könnten zu rigide Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie den Handel einschränken, andererseits, so Cullen, sollten Regierungen auch die Möglichkeiten zur Erleichterung des internationalen Handels neu bewerten, sprich ihre Zoll- und Einfuhrrichtlinien. Der zu erwartende Anstieg der Weltmarktpreise betreffe Länder, die von Lebensmittel-Importen abhängig sind, besonders hart, wenn eine sinkende Wirtschaftsleistung auch noch die Kaufkraft senke.

Der weitaus größte Teil der Nahrungsmittelproduktion finde zwar auf nationaler Ebene statt. Nach FAO-Einschätzung sind aber ganze Lieferketten bedroht – derzeit weniger durch Covid-19 an sich, als durch Anordnungen vieler Regierungen zur Prävention.

Maßnahmen erschweren Arbeit von Hilfsorganisationen

Auch internationale Hilfsorganisationen müssen deswegen bereits umdenken: “Das hängt zum Einen damit zusammen, welche Krisenpläne in den Ländern gelten. Also: Gibt es Ausgangssperren, müssen die Leute im Homeoffice arbeiten, können wir überhaupt noch in Projektregionen fahren?”, sagt Simone Pott, Sprecherin der Welthungerhilfe in Bonn.

Davon betroffen seien insbesondere Programme, die die Ernährungs- und Gesundheitslage mittel- und langfristig verbessern sollen, wie die Verbesserung von Bewässerungssystemen, Fortbildungen für Kleinbauern oder Hygieneschulungen, die derzeit besonders wichtig wären: “All diese Projekte können wir im Moment nicht in allen Ländern weiterführen wie bisher, weil es schlichtweg Restriktionen gibt. Die Kollegen können gar nicht mehr von A nach B fahren”, schildert Pott die Lage.

Keine Schule, keine Mahlzeit

Eine Maßnahme mit weitreichenden Folgen sind beispielsweise Schulschließungen. Selbst im reichen Deutschland hat das schon dazu geführt, dass manche Kinder ihre einzige warme Mahlzeit des Tages nicht mehr bekommen. Während man in der Bundesrepublik davon ausgehen darf, dass die Kinder dennoch ausreichend Nahrung erhalten, ist das in ärmeren Ländern oftmals nicht der Fall.

Elfenbeinküste Schüler in Kantine (Getty Images/AFP/I. Sanogo)

Mittagessen für Grundschulkinder in der Elfenbeinküste

Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) hat eine Karte erstellt, die die Dimension dieses Problems verdeutlicht: Demnach erhalten weltweit annähernd 370 Millionen Kinder wegen Covid-19 nicht das gewohnte Mittagessen in der Schule. Fast zwölf Millionen von ihnen sind in Schulspeisungsprogrammen des WFP. Für viele von ihnen ist die Schulspeisung die einzige regelmäßige Mahlzeit überhaupt.

Wirtschaftliche Ausfälle bedrohen die Schwächsten

Doch auch Erwachsene sind von Schließungen bestimmter Einrichtungen betroffen: In Deutschland versorgen die mehr als 940 “Tafeln”  nach eigenen Angaben rund 1,65 Millionen Bedürftige mit Nahrungsmitteln kurz vor dem Verfallsdatum, die sonst in den Abfall kämen. Doch fast die Hälfte der Tafeln haben ihren Betrieb vorübergehend eingestellt. Solche Angebote gibt es in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern gar nicht. Da aber, wo es sie gibt, wie in Indien oder Brasilien, droht durch die Corona-Auswirkungen, dass Arme keine Möglichkeit mehr haben, an preiswerte oder gar kostenlose Mahlzeiten zu kommen.

Pakistan Essensausgabe während Coronakrise (Getty Images/AFP/A. Qureshi)

Diese Essensausgabe für Bedürftige in Pakistan funktioniert noch – trotz Corona

Hinzu kommt die Verschärfung der ökonomischen Probleme von Geringverdienern: Schuhputzern und Straßenhändlern bleiben bei Ausgangssperren die Kunden aus, Tagelöhner sind die ersten, denen der Lohn gestrichen wird. Besonders betroffen seien Menschen im informellen Sektor, sagt Simone Pott von der Welthungerhilfe: “Das wirkt sich natürlich auf die Ernährungslage der Familien aus, wenn ein Einkommen fehlt.”

Hilfsorganisationen rechnen mit Spendenrückgängen

Erschwerend kommt hinzu, dass auch die Hilfsorganisationen mit sinkenden Einnahmen rechnen müssen. Bisher sei in Deutschland noch kein Rückgang erkennbar – wahrscheinlich aber nur, weil noch keine Zahlen vorlägen, sagt die Geschäftsführerin des Deutschen Fundraising-Verbands (DFRV), Larissa Probst. Vieles weise aber darauf hin, dass die Spenden zurückgehen könnten, allein weil wichtige Methoden des Fundraisings derzeit nicht umsetzbar seien: “Also so etwas wie der Spendenlauf, eine Gala oder auch die Ansprache in der Fußgängerzone – all diese Möglichkeiten fallen jetzt natürlich weg.”

Dazu kämen die wirtschaftlichen Probleme in Geberländern wie Deutschland, sagt Probst: “Viele Menschen sind jetzt von Kurzarbeit betroffen, haben also selber nicht mehr die finanziellen Möglichkeiten, und teilweise haben sie wirklich Existenzängste. Und das gilt natürlich auch für die Unternehmen.” Abhilfe, so Probst, könnten eventuell die Förderstiftungen leisten, die bereits die Bereitschaft zeigten, nun höhere Spenden mit weniger bürokratischen Auflagen an Hilfsorganisationen zu vergeben.

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UN-Klimakonferenz in Glasgow wird verschoben

Die Entscheidung sei gemeinsam vom Klimasekretariat der Vereinten Nationen und den beiden Veranstaltern Großbritannien und Italien getroffen worden, heißt es in einer entsprechenden Mitteilung der britischen Regierung. Die UN-Klimakonferenz soll nun im kommenden Jahr abgehalten werden. Das genaue Datum steht aber noch nicht fest.

Klimawandel langfristig größere Bedrohung als Covid-19

“Im Lichte der andauernden, weltweiten Effekte von Covid-19 ist es nicht mehr möglich, eine ehrgeizige, inklusive COP26 im November 2020 abzuhalten”, so die Begründung. COP26 ist das Kürzel für die nächste Klimakonferenz. “Die Welt ist derzeit einer nie da gewesenen globalen Herausforderung ausgesetzt und Staaten fokussieren zu Recht ihre Bemühungen darauf, Leben zu retten und Covid-19 zu bekämpfen. Das ist der Grund, warum wir uns entschieden haben, die Klimakonferenz zu verschieben”, sagte der britische Minister für Wirtschaft und Energie, Alok Sharma.

UN-Klimasekretärin Patricia Espinosa erklärte, die Verschiebung sei angesichts der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus unvermeidlich. Auf lange Sicht sei der Klimawandel aber die deutlich größere Bedrohung für die Menschheit.

Vor dem Klimagipfel «COP26» (picture-alliance/dpa/C. Ratcliffe)

Italiens Regierungschef Giuseppe Conte und Premier Boris Johnson Anfang Februar optimistisch bei einem Vorbereitungstreffen

Die Verschiebung ist ein schwerer Rückschlag für den Klimaschutz. Der diesjährige Gipfel sollte der wichtigste seit langem werden. Hier sollten die Staaten ihre vor fünf Jahren im Pariser Weltklimaabkommen vereinbarten Emissionsziele nachbessern. Denn noch reichen sie in der Summe längst nicht aus, um das Ziel des Pariser Klimaabkommens zu erfüllen.

Auf der Klimakonferenz in Paris 2015 hatten sich alle teilnehmenden Staaten auf ein völkerrechtlich bindendes Abkommen verständigt, dessen Ziel Maßnahmen sind, um die Erderwärmung auf weniger als zwei Grad Celsius, idealerweise 1,5 Grad, gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter zu beschränken. Unter Klimawissenschaftlern gilt als Konsens, dass die Erde gegenwärtig eher auf drei bis vier Grad Erwärmung zusteuert, was katastrophale Folgen in allen Teilen der Erde bringen würde.

Die letzte UN-Klimakonferenz, 2019 in Madrid, hatte sich nur auf einen Minimalkompromiss einigen können: eine politische Abschlusserklärung mit vielen vagen Formulierungen. Die größten Streitthemen wurden auf Glasgow 2020 vertagt. Jetzt dauert es noch länger.

qu/gri (dpa, afp, rtr)

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