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Trump und Amlo: Freunde und Feinde

Als Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto mitten im US-Wahlkampf 2016 den republikanischen Kandidaten Donald Trump empfing wie einen Staatsgast, hagelte es harsche Kritik von allen Seiten. Von Unterwürfigkeit und mangelndem Taktgefühl war die Rede, weil Peña Nieto – entgegen diplomatischer Gepflogenheiten – durch diese Geste im US-Wahlkampf Stellung bezogen und die Demokraten brüskiert hatte. Herabwürdigend fand diesen Empfang damals auch der linke Politiker Andrés Manuel López Obrador – häufig auch Amlo genannt. Heute sitzt Amlo selbst auf dem Präsidentensessel und wird am Mittwoch Trump einen ebenso einhellig kritisierten Besuch abstatten. Als “unangemessen”, “riskant” und als “einen kolossalen Fehler” bezeichnen mexikanische Experten die Reise bereits im Vorfeld.

Dient der Freihandel als Vorwand?

Es ist Amlos erste Auslandsreise nach mehr als eineinhalb Jahren im Amt. Offiziell lautet der Anlass für die Reise das Inkrafttreten des neuen nordamerikanischen Freihandelsabkommens USMCA am Mittwoch. Es soll den Nafta-Pakt aus dem Jahr 1994 ablösen und betrifft mit den USA, Mexiko und Kanada fast 500 Millionen Menschen. Mexiko wickelt fast 80 Prozent seines Außenhandels mit Kanada und den USA ab. Die Partnerländer tauschten alleine 2018 Waren und Dienstleistungen im Wert von rund 1,4 Billionen Dollar aus.

USA Trump unterzeichnet Freihandelsabkommen zwischen USA, Mexiko und Kanada (picture-alliance/AP Photo/A. Brandon)

Im Januar unterzeichnete der US-Präsident das Freihandelsabkommen zwischen den USA, Mexiko und Kanada

Schon mehrfach hat Trump Mexiko mit Grenzschließungen und Strafzöllen gedroht. Um das zu vermeiden, unterzeichnete Mexiko vor rund einem Jahr bereits eine Vereinbarung, in der sich das Land verpflichtete, die Migration in die USA – unter anderem durch den Einsatz seiner Nationalgarde an den Grenzen – einzudämmen. In Zeiten einer schweren Post-Corona-Rezession wäre die erneute Androhung von Strafzöllen etwas, das Mexiko um jeden Preis vermeiden möchte.

Doch ob es wirklich nur um das Freihandelsabkommen geht oder um die Sorge vor Strafzöllen, ist unklar. Denn bislang ist weder bekannt, welchen Rang der Besuch haben wird, noch was genau auf der Agenda steht. Zur mexikanischen Delegation gehören nur enge Vertraute und zweitrangige Minister. Von weiteren Treffen Amlos - etwa mit Unternehmern oder Organisationen - ist bislang nichts bekannt. Auch ist kein Besuch bei dem demokratischen US-Präsidentschaftskandidaten Joe Biden geplant. Laut offiziellem Sprachgebrauch geht es zwar um USMCA, doch dem gehört auch Kanada an. Der kanadische Premierminister Justin Trudeau wird an dem Treffen am Mittwoch nicht teilnehmen. Er hat abgesagt.

Wahlkampfhilfe mit hohem Preis

Für den USA-Experten vom Zentrum für Wirtschaftsforschung und Lehre (CIDE) in Mexiko-Stadt, Carlos Heredia, steht fest: “Es ist egal, was auf der Agenda steht. De facto wird Trump López Obrador für seinen Wahlkampf benutzen und ihn vorführen. Etwa, indem er ihn dafür lobt, wie toll Mexiko als vorgelagerter Grenzposten jetzt Migranten stoppt”, sagte Heredia der DW. Die zwischen den USA und Mexiko vereinbarte Migrationspolitik sei eine Tragödie. Zehntausende Menschen säßen derzeit auf der mexikanischen Seite der Grenze fest, weil ihre Asylanträge in den USA abgelehnt würden oder unbearbeitet blieben.

Heredias Ansicht nach sollte Amlo auch über dieses Thema mit Trump sprechen, doch er hält es für unwahrscheinlich, dass Mexikos Präsident dies tun wird. Für ebenso unwahrscheinlich hält er es, dass die Krise in Venezuela oder der Streit um den Spitzenposten in der Interamerikanischen Entwicklungsbank (BID) auf den Tisch kommen.

Für Trump hingegen sei ein Foto mit Andrés Manuel López Obrador wichtig, um seinen gesunkenen Rückhalt bei den Wählern mit Wurzeln in Lateinamerika zu stärken, sind sich Experten einig. Mexiko hingegen könne bei dem Besuch nichts gewinnen, heißt es weiter. Der mexikanische Präsident diene Trump nur als Theaterrequisite für seine Kampagne, twitterte der ehemalige mexikanische Botschafter in den USA, Arturo Sarukhan, bereits Ende Juni. “Die bilateralen Beziehungen werden aber langfristige Schäden davontragen”. So sieht es auch ein weiterer ehemaliger Botschafter, Andrés Rozental: ”Die Demokraten werden Amlo das übel nehmen”, sagte er der Zeitung “Reforma”. “Auch wenn Biden nicht gewinnt, kontrollieren die Demokraten den Kongress, in dem wichtige bilaterale Fragen entschieden werden.”

Mexico Protest gegen Trump Obrador Asylpolitik (Reuters/J. Torres)

In Mexiko haben viele Menschen gegen das Migrationsabkommen zwischen den USA und Mexiko protestiert

Welches steckt hinter Amlos Vorgehen?

Nach Auffassung des Kommentators Enrique Krauze zahle Amlo Trump damit einen Gefallen zurück. Im April hatten sich die weltgrößten Ölförderländer auf eine drastische Senkung der Produktion geeinigt, um den Verfall des Ölpreises zu stoppen. Nach der Einigung stimmte nach anfänglichem Zögern auch Mexiko zu. Die Einigung sei dank der Vermittlung von US-Präsident Donald Trump zustande gekommen, sagte der mexikanische Präsident Andrés Manuel López Obrador damal. Trump hatte damals zusätzliche Produktionskürzungen für Mexiko übernommen. Außerdem seien Trump und Amlo Brüder im Geiste, schrieb Krauze in einem Gastbeitrag in der New York Times: “Beide streben nach der Dominanz der Exekutive über die anderen Staatsgewalten. Sie verachten die Institutionen und das Gesetz, geißeln die unabhängige Presse und Kritiker und befeuern die Polarisierung.”

Heredia glaubt hingegen eher, dass Amlo dem Unternehmertum ein positives Signal von Stabilität und Vertrauen senden wolle. Das Verhältnis zwischen Amlo und den Investoren - inner- und außerhalb Mexikos - ist durch die Sparpolitik und einem wirtschaftspolitischen Kurswechsel angekratzt. 2019 verzeichnete Mexikos Wirtschaft keinen Wachstum.

Wenn es Amlo allerdings gelingt, die Wirtschaft einigermaßen auf Kurs zu halten, so schätzten manche das Kalkül Amlos ein, werde der Besuch in Washington bald in Vergessenheit geraten. “Der Besuch ist opportun, denn so beleben wir die Wirtschaft und schaffen Arbeitsplätze”, argumentierte er in seiner Sonntagsbotschaft. Und er versprach, er werde Mexiko würdevoll vertreten. 

 

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Wenn ein Verharmloser sich ansteckt: Corona-Infektion bei Jair Bolsonaro

Das Coronavirus sei nur eine “kleine Grippe”, jeder müsse halt irgendwann sterben, man müsse Corona “wie ein Mann” gegenübertreten – mit diesen und zahlreichen weiteren verharmlosenden Aussagen hat Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro in den vergangenen Monaten von sich Reden gemacht, während sich in dem einwohnerreichsten Land Lateinamerikas die Corona-Krise immer weiter zuspitzte. Mittlerweile ist Brasilien mit über 1,6 Millionen Infizierten und mehr als 65.000 Corona-Toten nach den USA das am zweitstärksten von der Pandemie betroffene Land der Welt.

Nun hat Bolsonaro selbst die Gelegenheit, sich dem Coronavirus “wie ein Mann” zu stellen – er teilte mit, unter möglichen Symptomen des Coronavirus zu leiden, darunter Fieber von 38 Grad. Deshalb habe er sich einem Test unterzogen, dessen positives Ergebnis er nun in Brasilia verkündete.

Laut Medien fiel erster Test positiv aus

Der Rundfunksender Band berichtet, dass dies bereits der zweite Test des Staatschefs innerhalb weniger Tage sei, nachdem schon der erste eine Infektion angezeigt habe. 

Jair Bolsonaro beim Bad in der Menge (picture-alliance/dpa/A. Borges)

Jair Bolsonaro beim Bad in der Menge (im Mai)

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Bolsonaro, der die Gefahr des Coronavirus stets kleinredete, selbst darauf testen lässt. Dies war unter anderem Anfang März notwendig geworden, als der Rechtspopulist von einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump in Florida zurückkehrte.

Während damals bei vielen Mitarbeitern Bolsonaros, die ihn begleitet hatten, eine Corona-Infektion nachgewiesen wurde, blieben Tests des Präsidenten bis dahin negativ. Seit Mai weiß man das sogar mit Gewissheit. Denn Bolsonaro wurde vom Obersten Gericht dazu gezwungen, die Resultate offenzulegen – so groß ist das Misstrauen gegen ihn.

Händeschütteln und Umarmungen in Corona-Zeiten

Brasiliens Präsident hat während der Corona-Krise in der Tat einiges dazu beigetragen, Vertrauen zu zerstören – falls mal welches da war – und Zweifel an seiner Zurechnungsfähigkeit zu sähen – falls noch keine da waren.

Die von den Bundesstaaten und Bezirken verhängten, inzwischen aber teilweise wieder gelockerten Corona-Restriktionen hat der 65-Jährige immer wieder harsch kritisiert. Erst vor wenigen Tagen legte er zudem sein Veto gegen ein vom Kongress verabschiedetes Gesetz ein, welches landesweite Vorschriften für das Tragen von Atemschutzmasken in der Öffentlichkeit beinhaltet.

Frisch ausgehobene Gräber in São Paulo (im Juni) (picture-alliance/dpa/L. Zarbietti)

Frisch ausgehobene Gräber in São Paulo (im Juni)

Bolsonaro selbst setzte sich wiederholt über eine in der Hauptstadt Brasília geltende Maskenpflicht sowie über Abstandsregelungen hinweg. Während in Manaus, São Paulo und Rio de Janeiro massenhaft Gräber für Corona-Opfer ausgehoben wurden, trug der Präsident bei Treffen mit Anhängern vor dem Präsidentenpalast regelmäßig keinen Atemschutz, umarmte seine Fans und schüttelte ihnen die Hände

Ein Unding, befanden nicht nur Kritiker, sondern auch ein Gericht, das Ende Juni unter Androhung von Strafgeldern für den Präsidenten im öffentlichen Raum das Tragen einer Atemmaske anordnete. Doch auch danach war Bolsonaro nicht immer mit Mundschutz zu sehen. Noch am Samstag veröffentlichte er Fotos in den sozialen Netzwerken, die ihn ohne Maske zusammen mit mehreren Ministern und dem US-Botschafter bei einem Essen aus Anlass des Nationalfeiertags der Vereinigten Staaten zeigen.

“Eine kleine Grippe bringt mich nicht um”

Zu den markigen Aussagen Bolsonaros über das Coronavirus gehört auch, dass er als ehemaliger Athlet – Bolsonaro war Fallschirmjäger bei der brasilianischen Armee – sich keine Sorgen bei einer etwaigen Infektion machen müsse. Damit rief er in den sozialen Netzwerken eine Reihe ironischer Kommentare hervor. Nutzer schrieben etwa, ihnen sei nicht bekannt, dass Sportlichkeit gegen Corona immun mache. Sie posteten zudem Videos, in denen der Präsident nicht gerade in Bestform zu sehen ist.

Bolsonaro sagte zudem im März: “Nach den Messerstichen, die ich überlebt habe, wird mich eine kleine Grippe wohl kaum umbringen.” Damit spielt er auf das Attentat während des Wahlkampfes 2018 an, bei dem er lebensgefährlich verletzt wurde.

Brasiliens Staatschef dürfte sich also, auch nach seiner Infektion mit dem Coronavirus, wenig Sorgen machen. Zudem hat er das von ihm als “Wundermittel” gegen COVID-19 angepriesene Hydroxychloroquin zur Hand: Laut eigener Aussage nahm er das Medikament bereits vorsorglich ein. Dabei ist der Einsatz des Malaria-Mittels gegen das Coronavirus umstritten, die WHO hat Tests mit Chloroquin Mitte Juni gestoppt, da es keinen Einfluss auf den Krankheitsverlauf von Patienten gezeigt habe.

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Bagdad macht Tempo nach Mord an Terror-Experten

Unbekannte hatten am Montagabend den auch international anerkannten politischen Analysten Hischam al-Haschimi in der Nähe seiner Wohnung in der Hauptstadt Bagdad erschossen. Der 47 Jahre alte Al-Haschimi galt weltweit als einer der besten Kenner extremistischer Gruppen im Irak.

Nur Stunden nach der Ermordung entließen die Behörden – auf Anordnung von Regierungschef Mustafa Al-Kadhimi - den Polizeichef für den Bagdader Stadtteil Zeyouneh und leiteten eine Untersuchung ein. In Zeyouneh geschah die Gewalttat. Zudem wurde die Ermittlungskommission eingesetzt.

Bekannt in der irakischen Öffentlichkeit

Al-Haschimi hatte sich immer wieder kritisch zu den proiranischen Milizen im Irak, aber auch zur weit verbreiteten Korruption in der irakischen Elite geäußert. Der Analyst war als Berater der irakischen Regierung tätig, vielen Menschen im Irak war er aus dem Fernsehen bekannt, wo er regelmäßig auftrat.

Hisham Alhashimi, ermordeter irakischer Historiker (privat)

Wenn es um terroristische Gefahren ging, war die Analyse von Hisham al-Haschimi stets gefragt

Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat. In den irakischen Medien richtet sich der Verdacht vor allem gegen die Iran-treue schiitische Miliz Kataib Hisbollah und die Terrormiliz “Islamischer Staat” (IS).

Kataib Hisbollah hat großen Einfluss

Zellen der IS-Terrormiliz sind im Irak weiter aktiv, ihr Einfluss in Bagdad ist jedoch geschwunden. Kataib Hisbollah gehört zu den stärksten proiranischen Milizen, die im Irak auch großen politischen Einfluss besitzen. Die USA machen Kataib Hisbollah verantwortlich für den Raketenbeschuss auf Einrichtungen und Militärbasen im Irak, die auch von den Vereinigten Staaten genutzt werden. Ende Juni ordnete die irakische Regierung eine Razzia gegen die Miliz an, bei der vorübergehend 14 Mitglieder der Gruppe festgenommen wurden.

Die USA und die irantreuen Milizen ringen im Irak um Einfluss. Teherans Verbündete verlangen einen Abzug aller US-Truppen. Die Spannungen waren eskaliert, nachdem die USA im Januar bei einem Raketenangriff in Bagdad Irans Top-General Ghassem Soleimani und den Anführer von Kataib Hisbollah, Abu Mahdi al-Muhandis, getötet hatten.

haz/sti (dpa, ap)

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Die Pest – vergessen aber nicht ausgerottet

Anfang Juli sind drei Fälle der Beulenpest in der Mongolei und einer in der Inneren Mongolei (China) aufgetreten. Am ersten Wochenende des Monats erkrankte in der nordchinesischen Provinz ein Hirte. Am Montag darauf in der Mongolei ein 15-jähriger Junge, der Murmeltier-Fleisch gegessen hatte. Bereits in der Woche zuvor waren zwei Menschen in der mongolischen Provinz Khovd erkrankt. Und dereits im vergangenen Jahr war ein Ehepaar in der Mongolei nach dem Verzehr eines Murmeltieres gestorben. 

Die Gesundheitsbehörden haben in den betroffenen Gebieten das Jagen und den Verzehr von jenen Tieren verboten, die die Seuche übertragen könnten – das gilt besondere für  Murmeltiere. 

Infizierte Tiere auf fast allen Kontinenten - aber nur wenige infizierte Menschen

Obwohl die Pest heutzutage gut medikamentös kontrollierbar ist, kommt es in bestimmten Weltregionen immer wieder zu Infektionen. Das liegt daran, dass der Erreger ein natürliches Reservoir in bestimmten Tieren hat. In Asien sind das etwa Murmeltiere, in den USA Präriehunde bzw. Erdhörnchen. Auch Katzen können sich als Zwischenwirt anstecken.

Weitere Endemiegebiete sind etwa die Demokratische Republik Kongo und insbesondere Madagaskar. Auch in Peru, Bolivien und den USA ist es immer wieder zu Infektionen gekommen. 

Der Pesterreger kommt heute noch in Wildtierpopulationen im südlichen Afrika vor, in Nord- und Südamerika und in Russland und Asien. Meist sind Ausbrüche in diesen Weltregionen jedoch schnell eingegrenzt. Selten erreichen sie überhaupt niedrige zweistellige Infektionszahlen. 

Sonderfall Madagaskar

Die ostafrikanische Insel ist einer der letzten Orte der Welt, in denen es immer wieder zu folgenschweren Pest-Ausbrüchen kommt. Die letzte schwere Epidemie hatte dort im August 2017 begonnen. Die Gesundheitsbehörden erklärten sie Ende November 2017  für überstanden, gingen aber weiterhin vom Auftreten vereinzelter Fälle aus. Die Pest tritt dort üblicherweise saisonal zwischen September und April auf. 

Madagaskar Ausbruch derr Pest (picture-alliance/abaca/H. Rafalia)

Müllmänner versuchen in Antananarivo eilig Säuberkeit zu schaffen, um Nagetiere von Menschen fernzuhalten.

Vom 1. August bis zum 27. November 2017, waren 209 Menschen an der Krankheit gestorben und 2417 erkrankt.

Die Epidemie der Lungenpest hatte in der nordöstlichen Provinz Toamasina begonnen, sich dann aber schnell auch auf die Hauptstadt Antananarivo ausgedehnt. 

Lungenpest – Ansteckung durch die Luft

Die Pest kann in verschiedenen Formen auftreten. Sie haben allerdings alle den gleichen Erreger: das Bakterium Yersinia pestis.

Tritt die Erkrankung als Lungenpest auf - wie zuletzt in Madagaskar - können sich die Menschen untereinander anstecken. Aber die Lungenpest ist nicht so hochinfektiös wie etwa eine Grippe. Die Erreger sterben an der Luft allerdings relativ schnell ab. 

Damit eine Lungenpest sich ausbreiten kann, müssen sich Menschen auf jeden Fall sehr nahe kommen, etwa in stark bevölkerten Großstädten. Lungenpest-Ausbrüche beim Menschen beginnen oft, wenn Erstinfizierte engen Kontakt zu Tieren haben, die bereits an Lungenpest erkrankt sind.

Beulenpest - Ansteckung durch Flöhe

Lungenpest tritt in Nagetier-Populationen fast immer in Verbindung mit einer vorangegangenen Beulenpest-Epidemie auf. Auch Menschen können direkt an Beulenpest erkranken. Das geschieht fast immer durch den Biss eines Rattenflohs, der den Erreger vom Nagetier auf den Menschen überträgt.

Die große europäische Pestepidemie zwischen 1346 und 1353, die jeden dritten Menschen das Leben kostete und damit etwa 25 Millionen Todesopfer forderte, war vermutlich vor allem eine Beulenpest-Epidemie.

Wahrscheinlich reisten die infizierten Nagetiere und ihre Flöhe an Bord von Handelsschiffen. So brachten sie das Bakterium aus Asien zunächst ins sizilianische Messina. Von dort aus griff die Pest rasend schnell um sich. Unhygienische Lebensverhältnisse begünstigten die Verbreitung. Die damals unwissenden und abergläubischen Menschen konnten dem Erreger praktisch nichts entgegensetzen. 

Symbolbild Murmeltier (picture alliance/Arco Images/Sunbird Images)

Süß aber nicht ungefährlich: Murmeltiere in China und der Mongolei tragen den Erreger oft in sich.

Kurze Inkubationszeit - schneller Tod

Zwar können Ärzte die Pest heutzutage gut mit Antibiotika behandeln, allerdings sinken die Heilungschancen rapide, wenn zu viel Zeit verstreicht.

Besonders bei einer Lungenpest-Infektion müssen die Patienten sofort zum Arzt. Die Inkubationszeit beträgt zwischen einem und drei Tagen. Wird die Erkrankung nicht sofort behandelt, verläuft sie fast immer tödlich. Im letzten Stadium der Erkrankung tritt blutiger Husten auf. Erst dann besteht für andere Menschen Ansteckungsgefahr. 

In der Geschichte gibt es nur wenige Beispiele, in denen sich eine reine Lungenpest-Epidemie überregional ausgebreitet hat. In der Regel brach die Krankheit so schnell aus, dass Patienten keine weiten Strecken mehr reisen und Menschen in anderen Städten infizieren konnten. 

Und in fast allen bekannten Fällen, wo durch Lungenpest-Epidemien viele Opfer zu beklagen waren, betraf es Menschen, die in extrem engen, überfüllten und unhygienischen Behausungen lebten.

Anders ist es bei der Beulenpest: Infizierte Nagetiere tragen den Erreger lange Zeit in sich und Flöhe können immer wieder Menschen infizieren. Da Nagetiere den Erreger fast einen Monat in sich tragen können, bis sie sterben, kann eine Epidemie leicht von einer Rattenpopulation auf die nächste überspringen. So konnte sich der “Schwarze Tod” im Spätmittelalter in Europa ausbreiten.

Die Inkubationszeit nach einem Flohstich kann beim Menschen stark variieren. Manchmal dauert es nur wenige Stunden, bis ein Patient Symptome zeigt. Es kann aber auch eine Woche dauern.

Erste Symptome wie bei einer Erkältung

Zunächst ist eine Pest-Erkrankung schwer von einer Grippe zu unterscheiden: Es kommt zu Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Patienten klagen über Schwindel und Bewusstseinsstörungen.

Typisch für eine Beulenpest sind die stark angeschwollenen Lymphknoten, die unter den Achselhöhlen, am Hals und in den Leisten zu dicken Beulen werden. Aufgrund innerer Blutungen werden diese Beulen später dunkel, wie ein Bluterguss.

Treten die Pesterreger - zum Beispiel beim inneren Aufbrechen von Pestbeulen oder auch durch äußere Verletzungen - in die Blutbahn ein, kommt es zu einer Pest-Sepsis. Diese Form der Blutvergiftung verläuft unbehandelt so gut wie immer tödlich.  

Bei einer Lungenpest kommt es zu Atemnot und schwerem, schmerzhaften Husten. Die Lippen färben sich blau. Am Ende dringt Blut in die Lunge ein. Beim Husten wird dunkles bis schwarzes Blut abgehustet. Nach wenigen Tagen kommt es unbehandelt zum Kreislaufversagen. Der Patient stirbt.

Warum brechen Epidemien plötzlich ab?

Seit der Entwicklung des Antibiotikums Streptomycin 1943 haben Ärzte ein wirksames Mittel gegen den Pesterreger in der Hand. Aber auch zuvor gab es immer wieder lange Perioden, in denen nach einer Epidemie kaum oder keine Pestfälle mehr auftraten. Diese Perioden konnten auch Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte andauern.

Möglicherweise liegt das unter anderem daran, dass Menschen nach einer relativ mild verlaufenden Anfangsinfektion eine Immunität entwickeln können.

Darauf basieren auch verschiedene Impfungen gegen die Pest. Es gibt sie bereits seit dem frühen 20. Jahrhundert. Allerdings werden diese in der Praxis kaum genutzt, weil sie nur wenige Monate wirksam sind. Zudem wirken sie ausschließlich gegen die Beulenpest, nicht gegen die Lungenpest. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt eine Impfung nur für Risikogruppen wie Jäger oder Landwirte in Gebieten, in denen infizierte Nagetiere leben.

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