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Erneuter Angriff auf die Kultur

Was treibt diese Menschen um? Auf der Berliner Museumsinsel ist jetzt die große Granitschale im Lustgarten vor dem Alten Museum mit Graffiti verschandelt worden. Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, ist geschockt: “Die markante und weltberühmte Granitschale vor dem Alten Museum ist auf fürchterliche Weise beschmiert worden.” Die Schale sei im Eigentum Berlins, werde aber von der Stiftung konservatorisch betreut, erklärte er.

Erst am Mittwoch war bekannt geworden, dass Unbekannte in drei Museen am 3. Oktober mehr als 60 Objekte mit einer Flüssigkeit beschädigt hatten. Betroffen waren das Neue Museum, das Pergamonmuseum und die Alte Nationalgalerie.

Deutschland Erneut Vandalismus auf der Berliner Museumsinsel | Hermann Parzinger (Christoph Soeder/picture-alliance/dpa)

Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz: Kunstschätze im freien Raum noch möglich?

“Es ist jetzt nicht mehr zu leugnen: Die Kultur wird angegriffen”, so Parzingers düsteres Fazit. “Wir brauchen jetzt nicht nur verstärkten Schutz für unsere Schätze – wir brauchen eine gesellschaftliche Debatte darüber, wie wir unsere kulturellen Werte verteidigen”, stellte er fest.

Ähnliche Attacken in Nordrhein-Westfalen

Zuletzt war auch aus Nordrhein-Westfalen bekannt geworden, dass es einen ähnlichen Fall im Kreismuseum Wewelsburg gegeben hat. Im Juli hatte dort ein Unbekannter etwa 50 Objekte mit einer ölhaltigen Flüssigkeit beschädigt, darunter historische Grenzsteine, Kaminsimse und die Reproduktion eines Gemäldezyklus. In dem Schloss in Büren sind das Historische Museum des Hochstifts Paderborn und eine NS-Gedenkstätte untergebracht. Die beschädigten Exponate sind mittlerweile restauriert.

Vor diesem Hintergrund sieht Kulturmanager Parzinger die Museen in Deutschland mit einem neuen Bedrohungsszenario konfrontiert. “Man muss sich eben auch überlegen, kann man Großobjekte wirklich noch so frei dem Besucher anbieten”, kritisierte er dieser Tage in einem Rundfunkinterview und fügte hinzu, dies gelte auch für archäologische Großobjekte.

Zugleich warnte Parzinger aber vor einer Einschränkung der Freiheit der Museen. Immer häufiger würden Ausstellungen angefeindet, etwa von extrem rechten Gruppen oder wenn sie Themen des Islam aufgriffen. “Das ist mindestens genauso schlimm wie die Beschädigung von Objekten, weil es sozusagen die Freiheit des Gedankens und des Denkens beschädigt.”

uh/sti (dpa, kna)

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Nach Angriff in Paris: Angst vor Gewalt gegen Lehrer steigt

Der Schultag für Günther Ferber war fast vorbei, da eskalierte in der Deutschstunde ein Streit zwischen zwei Schülern. Einer von ihnen griff zu einem Cutter-Messer, das zuvor im Kunstunterricht verwendet wurde.

“Er ist dann mit dem Cutter-Messer auf den anderen Schüler zugestürmt und schrie laut, er würde ihn umbringen.” Ferber folgte einem Reflex und stellte sich zwischen die Schüler. “Daraufhin hat er mich mit dem Cutter-Messer attackiert, weil er so sehr in Rage war, dass er auf irgendjemanden einstechen musste.”

Gewalt an jeder dritten Schule

Ferber, der Mitte Dreißig ist und aus Sicherheitsgründen hier anders genannt wird, kommt mit einer leichten Verletzung davon. Nach einigen Minuten hat er den Angreifer an seiner Gesamtschule im Rheinland im Westen Deutschlands beruhigt. “Das war auch kein ganz kleiner Schüler mehr, wir sind ja an einer weiterführenden Schule. Das war eine krasse Situation.”

Deutschland Udo Beckmann (picture alliance/dpa/F. Gambarini)

Udo Beckmann von der Lehrergewerkschaft VBE sieht die Politik in der Pflicht

Ein Einzelfall? Nein, sagt Udo Beckmann, Vorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Deutschlands zweitgrößter Lehrergewerkschaft. Er hat eine Umfrage bei mehr als 1300 Schulen in Auftrag gegeben. “Es zeigt sich ein sehr eindeutiges Bild”, sagt Beckmann der DW. “An deutlich mehr Schulen wurden Lehrkräfte in den letzten fünf Jahren direkt beschimpft, bedroht, beleidigt, gemobbt oder belästigt.” An jeder dritten Schule seien Lehrkräfte sogar körperlich angegriffen worden.

Schock nach Angriff in Paris

“Dieses Phänomen der Gewalt gegen Lehrkräfte kann nicht kleingeredet werden”, sagt Beckmann. Er fordert mehr Aufmerksamkeit von der Politik: “Die Ministerien müssen Statistiken über Gewaltvorfälle führen und veröffentlichen. Und vor allen Dingen erwarten wir, dass die Dienstherrn sich vor die Lehrkräfte stellen und sie sowohl psychologisch als auch juristisch in solchen Fällen unterstützen und nicht versuchen, das zum Privatproblem des Betroffenen zu machen”, so Beckmann. Es müsse außerdem mehr Fort- und Weiterbildung zum Umgang mit Mobbing und Gewalt geben. Mehr Unterstützung durch weitere Professionen, wie Psychologen und Sozialarbeiter an den Schulen. 

Frankreich | Paris | Macron bei der Gedenkzeremonie für den Lehrer Samuel Paty 21.10.2020 (Francois Mori/Pool/Reuters)

Der Staat in Trauer: Präsident Emmanuel Macron neben dem Sarg von Geschichtslehrer Samuel Paty

Für viel Aufmerksamkeit auf das Thema Gewalt gegen Lehrer sorgt zur Zeit derAnschlag auf Samuel Paty in Frankreich. Der Geschichtslehrer wurde von einem mutmaßlichen Islamisten auf offener Straße enthauptet. Paty hatte im Unterricht Mohammed-Karikaturen gezeigt, um mit seinen Schülern über Meinungsfreiheit zu diskutieren.

Schere im Kopf der Lehrer?

“Das ist eine unglaubliche Tat”, sagt die Psychologin und ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Lale Akgün. Ob sie solch eine Tat auch in Deutschland für möglich hält? “Man kann das nie ausschließen”, sagt Akgün der DW. “Aber muss es erst zu einem Mord an einem Lehrer kommen, bevor man das thematisiert? Ich denke nicht.” Man müsse darüber reden, was Aufgabe der Schule sei. “Und da sehe ich vor allem die Vermittlung von Werten und die Erziehung zum mündigen Menschen.” Akgün sagt, dass Jugendliche mit patriarchalem, oft religiösem, Weltbild dies verhindern und Meinungsvielfalt im Klassenraum unterdrücken wollten.

Deutschland Lale Akgün (picture alliance/dpa/D. Reinhardt)

Psychologin, Publizistin, ehemalige SPD-Politikerin: Lale Akgün

“Es ist ja so, dass Lehrer zum Teil hanebüchene Dinge erleben, Mobbing und Drohungen. So entwickelt sich ein Klima der Angst.” Das führe dazu, dass einige Lehrer von vornherein eine “Schere im Kopf haben und sagen: bestimmte Themen behandle ich erst gar nicht. Warum würde ich mich in Gefahr bringen?”

Die Verfassung auf dem Lehrplan

Gesamtschullehrer Günther Ferber erlebt das anders. “Dass Lehrer bewusst solche Inhalte nicht behandeln, weil sie sich von irgendwelchen Kräften bedroht fühlen, spiegelt nicht den Alltag an den Schulen wider.” Er selbst unterrichtet auch Philosophie. “Da gehört es zu meinem Tagwerk, Einstellungen kollidieren zu lassen, damit man sich darüber austauschen kann.” Dabei sei wichtig, dass Lehrer für Meinungs- und Religionsfreiheit eintreten. “Das ist Basis unserer Verfassung und darüber zu sprechen ist Teil des Lehrplans”, so Ferber.

Dennoch: Auch er möchte einen Anschlag wie in Paris für Deutschland nicht ausschließen. “Wir hatten in Deutschland auch schon Schulschießereien. Und ich denke, es gibt eine gewisse Entwicklung, dass solche Gewaltfälle in einer krasseren Form auftreten.” Ferber ist wichtig, dass an Schulen ein Klima geschaffen wird, in dem Hass und Gewalt nicht gedeihen.

Gewalt bei 35 Grad Celsius

“Es ist ja generell viel Druck auf dem Kessel, wenn sie mit 30 Schülern im Raum sind und draußen sind es vielleicht 35 Grad Celsius – da ist ja klar, dass jemand irgendwann durchdreht.” Deshalb setzten er und seine Kollegen sich für kleinere Klassen ein, für mehr Lehrer, speziell mehr Sonderpädagogen, die sich um Schüler mit Problemen kümmern. “So kann man den Druck raus nehmen kann, denn sonst kommt Gewalt zustande.”

Der Schüler, der Ferber mit dem Cutter-Messer angegriffen hatte, wurde zeitweise der Schule verwiesen, musste Anti-Gewalt-Trainings machen. Doch Ferber hat keine Anzeige bei der Polizei gestellt. “Wir Lehrer sind ja über Jahre mit den Schülern zusammen. Man möchte ihnen nichts Böses, man möchte etwas für sie erreichen”, sagt er. Deshalb, so fügt er hinzu, sei er schließlich Lehrer geworden.

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Merkel: Gebot der Stunde – Kontakte reduzieren

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie hat Bundeskanzlerin Angela Merkel alle Bürger in Deutschland ein weiteres Mal eindringlich zu einer Reduzierung der Kontakte aufgefordert. Es gelte heute “noch dringender” das, was sie vergangene Woche gesagt habe – und zwar “Wort für Wort”, so Merkel in ihrem neuen Video-Podcast. Das Gebot der Stunde heiße “Kontakte reduzieren”, unterstrich die Kanzlerin.

Vor einer Woche hatte Merkel an dieser Stelle in einem dramatischen Appell die Bürger zur Mithilfe aufgefordert. Die Videobotschaft rief viele Reaktionen hervor. Eine Woche später habe sich die Pandemielage noch weiter zugespitzt, wies Merkel jetzt darauf hin. “Für mich gilt das, was ich Ihnen letzte Woche gesagt habe, noch Wort für Wort (…) Und so folgt jetzt noch einmal der Podcast vom vergangenen Samstag”, so die Kanzlerin.

Mit diesem ungewöhnlichen Schritt wolle die Kanzlerin unterstreichen, wie ernst die gegenwärtige Situation in der Corona-Pandemie sei, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit.

Am vergangenen Samstag hatte Merkel dazu aufgerufen, Kontakte außerhalb der eigenen Familie deutlich zu verringern und darum gebeten, auf Reisen und Feiern, die “nicht wirklich zwingend notwendig” sind, zu verzichten.

Mehr als 10.000 Todesfälle

Die Zahl der Todesopfer der Corona-Pandemie in Deutschland überstieg inzwischen die symbolische Marke von 10.000. Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) mitteilte, wurden im Zusammenhang mit einer COVID-19-Erkrankung insgesamt bislang 10.003 Todesfälle registriert. Dies waren 49 Tote mehr als einen Tag zuvor.

Gleichzeitig setzt sich die hohe Welle der täglichen Corona-Neuinfektionen fort. Nach Angaben des RKI stieg ihre Zahl im Vergleich zum Vortag um 14.714 und damit auf einen neuen Höchstwert. In diese Zahl sind allerdings Infektionen eingerechnet, die am Vortag aufgrund einer technischen Panne bei der Übermittlung der Daten noch nicht erfasst worden waren. Am Donnerstag und Freitag hatte das RKI jeweils von mehr als 11.000 neuen Fällen gesprochen.

Altmaier warnt vor Herunterfahren der Wirtschaft 

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier sprach von einer dramatischen Lage und warnte zugleich vor einem weiteren Herunterfahren der Wirtschaft. “Einen neuen flächendeckenden ‘Lockdown’ darf es nicht geben und ich halte ihn auch nicht für erforderlich”, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Berlin Tag der Deutschen Industrie , Wirtschaftsminister Altmaier (John MacDougall/AFP)

Peter Altmaier am 5. Oktober beim “Tag der Deutschen Industrie” in Berlin

Der CDU-Minister rief Bund und Länder dazu auf, “in größerer Einmütigkeit in den nächsten Tagen notwendige Beschlüsse zu fassen”. Deutschland könne sich nicht länger Flickenteppiche von Regelungen leisten und müsse eine unkontrollierte Ausbreitung des Virus verhindern. “Wir haben dringenden Handlungsbedarf – sowohl zum Schutz der Gesundheit als auch, um den Erholungsprozess der deutschen Wirtschaft nicht zu gefährden”, betonte Altmaier.

se/fab (dpa, kna, rtr, afp, bundesregierung.de)

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US-Sanktionen nach russischem Hackerangriff

Die amerikanische Regierung macht das Forschungsinstitut für Chemie und Mechanik der russischen Regierung für den Hackerangriff auf eine petrochemische Anlage in Saudi-Arabien 2017 verantwortlich. Der Einsatz der unter dem Namen Triton bekannt gewordenen Angriffs-Software sei aus diesem wissenschaftlichen Zentrum unterstützt worden, erklärte das US-Finanzministerium und kündigte zugleich Sanktionen gegen die Einrichtung an.

Die Strafmaßnahmen verbieten es Amerikanern oder in den USA ansässigen Organisationen, mit dem Moskauer Institut Geschäfte zu tätigen. Vermögenswerte der Forschungseinrichtung in den USA werden eingefroren.

US Finanzminister Steven Mnuchin (AFP/N. Kamm)

US-Finanzminister Steven Mnuchin warnte Russland vor weiteren Attacken

“Die russische Regierung beteiligt sich weiterhin an gefährlichen Cyber-Aktivitäten, die gegen die Vereinigten Staaten und unsere Verbündeten gerichtet sind”, begründete Finanzminister Steven Mnuchin die Sanktionen.

Triton greift industrielle Steuerungssysteme an    

Triton ist eines der wenigen bisher bekannt gewordenen Software-Schadprogramme, das entwickelt wurde, um industrielle Steuerungssysteme für Kraftwerke und Industrieanlagen anzugreifen. Die Software wird von Experten als besonders gefährlich eingeschätzt, weil sie Sicherheitskomponenten der Systeme ins Visier nimmt.

Das könnte zur Zerstörung ganzer Anlagen führen, warnte die IT-Sicherheitsfirma Fireeye, die die Software nach dem Angriff 2017 analysiert hatte. Fireeye stellte im Oktober 2018 eine Verbindung zu dem Moskauer Institut fest, aus dessen Netzwerk Triton getestet worden sei. Bei der Attacke im Sommer vor drei Jahren fuhren die Steuersysteme der saudischen Ölraffinerie herunter.

Nach Erkenntnissen der IT-Sicherheitsfirma Dragos forschten die Entwickler von Triton im Jahr 2019 auch Energie-Infrastruktur in den USA aus.

Russland widerspricht US-Darstellung 

Der russische Botschafter in Washington, Anatoli Antonow, wies die Anschuldigungen der US-Behörden zurück. Einseitige Sanktionen seien unrechtmäßig, sagte er. Anders als die US-Regierung führe der Kreml keine Angriffe in der Cybersphäre. Solchen schädlichen Aktionen im Internet widersprächen den Prinzipien der russischen Außenpolitik und den nationalen Interessen sowie dem Verständnis zwischenstaatlicher Kontakte, meinte der Diplomat weiter.

Ein anderer bekannt gewordener Angriff auf industrielle Infrastruktur ist der Einsatz von Schadsoftware im Dezember 2015 in der Ukraine, bei dem die Energieversorgung in Teilen des Landes unterbrochen wurde. In dem Zusammenhang klagten die US-Behörden vor wenigen Tagen sechs russische Offiziere des Militärgeheimdienstes GRU in Abwesenheit an. 

se/fab (dpa, afp, rtr)

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