Месечни архиви: April 2014

Regierung will Asylrecht forcieren

Menschen aus Bosnien-Herzegowina, Mazedonien und Serbien dürften es künftig noch schwerer haben, in Deutschland einen erfolgreichen Antrag auf Asyl zu stellen. Dafür will die Bundesregierung mit ihrem Gesetzentwurf zur Einstufung weiterer Staaten als “sichere Herkunftsstaaten” sorgen. Asylbewerber aus solchen Ländern müssen damit rechnen, dass die Verfahren im Eiltempo bearbeitet und das Asylbegehren in den meisten Fällen als “offensichtlich unbegründet” abgelehnt wird.

Deutschland werde als Zielland für Antragsteller, “die aus nicht asylrelevanten Motiven Asylanträge stellen, weniger attraktiv”, heißt es in dem Gesetzentwurf aus dem Hause von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). “Wir wollen damit die Zahl der Asylbewerber aus diesen Staaten verringern”, begründete der Christdemokrat das Motiv für seinen vom Kabinett gebilligten Vorstoß. De Maizière verwies in diesem Zusammenhang auf die Praxis in Großbritannien, Frankreich und Belgien. Dort sei ein solches Vorgehen längst üblich.

Regierung sieht keine Gefahr für Roma

Die Regierung rechtfertigt ihren Gesetzentwurf unter anderem damit, es gebe in den betreffenden Ländern keine Verfolgung, Folter, willkürliche Gewalt oder unmenschliche und erniedrigende Behandlung. Roma seien in diesen Ländern zwar benachteiligt, würden aber nicht verfolgt. Im vergangenen Jahr beantragten gut 20.000 Menschen aus den drei Balkan-Staaten erstmals in Deutschland Asyl, insgesamt waren es mehr als 100.000.


Bundesinnenminister Thomas de Maiziere

Bundesinnenminister de Maizière

Die Folgen für abgelehnte Betroffene aus “sicheren Herkunftsstaaten” sind gravierend. Ihnen bleibt nur eine Woche Zeit, Klage dagegen einzureichen. Die wiederum hat keine aufschiebende Wirkung. Verwaltungsgerichte dürfen die Aussetzung der Abschiebung nur anordnen, wenn ernstliche Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Entscheidung bestehen. Die beschleunigten Asylverfahren bei Antragstellern aus den als sicher eingestuften Drittländern sollen laut Regierung vor allem Asylbewerbern aus Krisenstaaten wie Syrien zu Gute kommen. Deren Verfahren zögen sich durch das hohe Gesamtaufkommen an Anträgen oft über viele Monate hin.

“Pro Asyl” hält Begründung der Regierung für unglaubwürdig

Zahlreiche Flüchtlingsorganisation warnen schon seit langem vor der sogenannten Drittstaaten-Regelung. “Pro Asyl” hat auf Einladung des Innenministeriums Anfang April in einer ausführlichen Erklärung gegen den Gesetzentwurf Stellung bezogen. Es sei grundsätzlich abzulehnen, Herkunftsländer automatisch als “sicher” zu definieren. Die Folge sei, dass Asylanträge mehr oder weniger pauschal abgelehnt würden. Zu befürchten seien schwerwiegende Fehlentscheidungen, wie die “Abschiebung in eine Verfolgungssituation” in den Heimatländern der Asylsuchenden.

Es lägen zahlreiche internationale Berichte vor, die die Menschenrechtslage in diesen Ländern als besorgniserregend einschätzten, sagte “Pro Asyl”-Geschäftsführer Günter Burkhardt der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Es gebe dort schwere Menschenrechtsverletzungen, Korruption, Verstöße gegen die Pressefreiheit und nicht funktionierende Strukturen im Justizsystem. Gewalt gegen Frauen und Übergriffe gegen Homosexuelle seien keine Seltenheit.


Symbolbild Roma in Europa

Roma-Familien leben oft in prekären Verhältnissen.

Zustimmung aus dem Unionslager

Das im Gesetzentwurf des Innenministeriums formulierte Ziel, den Aufenthalt der betroffenen Personen in Deutschland schneller beenden zu können, hält “Pro Asyl” für vorgeschoben. Denn schon seit Ende 2012 seien über 90 Prozent der Asylanträge aus den drei Balkan-Staaten im Schnellverfahren abgelehnt worden. Die Bescheide hätten durchgängig aus Textbausteinen bestanden, “die keine individuelle Auseinandersetzung mit dem Einzelfall erkenne ließen”.

Auf Zustimmung stößt der Regierungsentwurf in der CDU-Schwesterpartei CSU. Deren innen- und rechtspolitischer Sprecher im Bundestag, Michael Frieser, würde neben Serbien, Bosnien-Herzegowina und Mazedonien auch Albanien gerne als sicheren Herkunftsstaat einstufen. Zur Begründung verweist er auf die im ersten Quartal 2014 ebenfalls spürbar angestiegene Asylbewerber-Zahl aus diesem Land, “ohne dass eine grundsätzliche Verfolgung der Antragsteller im Sinne des Asylgesetzes erkennbar war”.

Linke: “Kein Herkunftsland ist sicher”

Ganz anders bewertet die oppositionelle Linke die Pläne zur Ausweitung der Drittstaaten-Regelung ein. “Kein Herkunftsland ist sicher, nur weil die Bundesregierung es dazu erklärt”, kommentierte die innenpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion, Ulla Jelpke, den Gesetzentwurf. Die niedrigen Anerkennungsquoten seien kein Hinweis auf fehlenden Schutzbedarf. Insbesondere die Diskriminierung von Roma in den Balkan-Ländern müsse im Rahmen fairer Asylverfahren endlich als Fluchtgrund anerkannt werden, forderte Jelpke.

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Separatisten in der Ostukraine weiter auf dem Vormarsch

Die prorussischen Aktivisten bauen ihren Machtbereich aus: nun überrannten sie auch in der ostukrainischen Stadt Horliwka öffentliche Gebäude. Dies berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Die maskierten Besetzer hätten ohne Widerstand der Polizei vordringen können. Horliwka liegt etwas nördlich von Donezk, in der Stadt leben rund 300.000 Menschen.

Erst am Dienstag hatten prorussische Aktivisten in Luhansk, nahe der russischen Grenze, ein Verwaltungsgebäude, das Gebäude der Staatsanwaltschaft sowie das Polizeirevier eingenommen. Auch hier hatte sich die Polizei passiv verhalten. Insgesamt halten die Separatisten nun öffentliche Einrichtungen in etwa einem Dutzend ostukrainischer Städte besetzt.

“Truppen in Alarmbereitschaft”

Der ukrainische Übergangspräsident Alexander Turtschinow warnte erneut in Richtung Russland mit einer Generalmobilmachung der Armee. Die ukrainischen Streitkräfte wappneten sich gegen eine mögliche “Invasion” der an der Grenze zusammengezogenen russischen Truppen. Ob diese allerdings noch weiter dort stationiert sind oder, wie von Russland verkündet, tatsächlich aus dem Grenzgebiet abgezogen wurden, ist weiterhin unklar.

Der ukrainische Übergangspräsident sagte weiter, das oberste Ziel der Ukraine sei es nun, eine “Ausweitung des Terrorismus” aus den besetzten Städten im Osten auf den Rest des Landes zu verhindern. Dabei sprach er auch von “Freiwilligen-Milizen”, die den Sicherheitskräften in den belagerten Städten zur Hilfe kommen könnten. “Wir haben uns entschlossen, vor Ort Milizen zu gründen, die aus Freiwilligen aus jeder Region bestehen”, so Turtschinow.

Den Sicherheitskräften in der Ost-Ukraine hatte er Versagen vorgeworfen. “Ordnungshüter, die die Ukraine verraten haben und mit den Terroristen zusammenarbeiten, werden zur Verantwortung gezogen”, drohte Turtschinow in einer TV-Ansprache. Der Großteil der Einheiten im krisengeschüttelten Osten der früheren Sowjetrepublik sei nicht in der Lage, die Bürger zu schützen, und werde daher ausgetauscht.

Hoffnung für die OSZE-Geiseln ?


Ukraine Konflikt Pressekonferenz zu Festnahme in Slawjansk

Die OSZE-Beobachter mit dem selbsternannten Bürgermeister von Slaviansk (Mitte): Hoffnung auf Freilassung?

Ein Fünkchen Hoffnung gibt es für die westlichen Militärbeobachter. Sie könnten nach Tagen in der Gewalt der Separatisten freikommen. So sagte der russische Präsident Wladimir Putin nach Angaben der Agentur Interfax, er setze darauf, dass die Militärs die Region ungehindert verlassen könnten.

Eine Lösung der Geiselnahme stellten auch die prorussischen Separatisten in Aussicht. Sie hatten die Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) – darunter drei Bundeswehrangehörige und einen Dolmetscher – am Freitag in der Stadt Slowjansk in ihre Gewalt gebracht. Offenbar beharren sie für eine Freilassung der Beobachter nicht mehr auf einen Austausch mit festgenommenen Gesinnungsgenossen.

IWF: Russisches Wachstum gegen Null

Der Exekutivrat des Internationalen Währungsfonds (IWF) berät in Washington über Milliarden-Hilfen für die Ukraine. Es geht um die Freigabe von geplanten Krediten in Höhe von umgerechnet zehn bis 13 Milliarden Euro für die kommenden zwei Jahre. Dazu will der IWF prüfen, ob sich die ukrainische Übergangsregierung an ihre Zusagen über Reformen und Sparmaßnahmen gehalten hat. Mit Blick auf die westlichen Sanktionen gegen Russland, teilte der Währungsfonds mit, diese hätten bereits Auswirkungen auf die russische Wirtschaft.

Die Experten trauen dem Land in diesem Jahr nur noch ein Wachstum von 0,2 Prozent zu, statt der bislang angenommenen 1,3 Prozent. Und Russland könnte noch ein weiteres Problem treffen: die Kapitalflucht. Allein in diesem Jahr könnten 100 Milliarden Dollar aus dem Land abgezogen werden.

Die USA hatten kürzlich Genehmigungen für die Ausfuhr von Hochtechnologie-Produkten zurückgenommen, wenn diese vom russischen Militär verwendet werden können. Zudem wurden Strafmaßnahmen gegen enge Vertraute von Präsident Wladimir Putin verhängt. Auch die EU hatte Konten weiterer Personen eingefroren. Der Westen wirft Russland vor, sich nicht um eine Entspannung der Lage im Osten des Nachbarlandes Ukraine zu bemühen.

cw/sc (rtr, afp, dpa)

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Klage gegen Börsensteuer gescheitert

Elf Staaten der Europäischen Union, darunter auch Deutschland, dürfen im Alleingang eine Steuer auf den Handel mit Bank- und Börsenprodukte erheben. Damit ist Großbritannien vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) mit seiner Klage gescheitert: Die britische Regierung sah durch den Beschluss des EU-Ministerrats vom Januar 2013, die Steuer auch ohne die übrigen 17 EU-Länder auf den Weg zu bringen, ihre Rechte als nicht-teilnehmender Staat missachtet.

Das Land sieht die geplante Finanztransaktionssteuer mit großer Skepsis und argumentiert, auch auf die anderen EU-Staaten könnten indirekt Kosten zukommen. Außerdem fürchtet sie die Kosten, die auf ihre heimischen Marktakteure zukommen könnten, wenn diese in den Ländern, in die es die Steuer geben soll, handeln.

Die geplante Börsensteuer gilt als Mittel, um Spekulation einzudämmen und den Finanzsektor an den Kosten der Krise zu beteiligen. Wie sie im Detail aussehen soll, ist auch unter den elf interessierten Ländern noch umstritten. Politiker und Experten gehen davon aus, dass die elf EU-Staaten nach der Entscheidung des EuGH zeitnah einen konkreten Vorschlag zur Ausgestaltung der Finanztransaktionssteuer auf den Tisch legen. Deutschland und Frankreich wollen sie möglichst noch vor der Europawahl am 25. Mai umsetzen.

Schrittweise Einführung denkbar

Ursprünglich war angedacht, Aktiengeschäfte mit 0,1 Prozent und Derivate-Transaktionen mit 0,01 Prozent zu besteuern. Mittlerweile deutet jedoch viel darauf hin, dass die Steuer stufenweise eingeführt wird und zahlreiche Transaktionen ausgeklammert werden, um etwa Refinanzierungsgeschäfte der Banken untereinander nicht zu erschweren. Viele Finanzinstitute haben sich auf eine abgespeckte Version der Steuer eingestellt. Die Deutsche Börse rechnet etwa damit, dass am Ende auch in der EU in erster Linie der Aktienhandel besteuert wird, wie dies in Frankreich und Großbritannien bereits der Fall ist.

Wenn das Gesetz fertig ausgearbeitet ist, hat Großbritannien die Möglichkeit, es noch einmal vor Gericht anzufechten. Das britische Finanzministerium äußerte sich nach dem aktuellen Urteil gelassen: “Die Entscheidung bestätigt, dass Großbritannien in der Lage sein wird, den endgültigen Vorschlag für die Börsensteuer anzufechten, wenn dieser nicht in unserem nationalen Interesse sein sollte und die Integrität des Binnenmarktes untergräbt.”

hmf/SC (dpa, epd, rtr)

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Theaterinseln an der Ruhr

Großes Theater und Unterhaltung bringen die Ruhrfestspiele in Recklinghausen vom 1. Mai bis 15. Juni 2014 zusammen. Seitdem im Nachkriegswinter 1946/47 Bergleute Kohle an den Besatzungsmächten vorbei schleusten und damit Theaterleuten in Hamburg halfen, gibt es in jedem Frühjahr das große Festival im nördlichen Ruhrgebiet. Das Angebot ist riesig. Neben Bühnenklassikern gibt es viele Uraufführungen, Kabarett und poetische Zirkusshows, Konzerte und ein ‘Fringe Festival’ für Entdeckungen, nach dem Vorbild aus dem schottischen Edinburgh.

Shakespeare im Folterkeller


Szene des Theaterstücks Der Sturm im Rahmen der Ruhrfestspiele 2014
(c) Andreas Pohlmann

“Der Sturm”, Regie: Gísli Örn Garðarsson

In diesem Jahr hat Intendant Frank Hoffmann als roten Faden “Land in Sicht” ausgerufen. Es geht um Theaterstücke, die mit Inseln zu tun haben. Shakespeares abgründige Komödie “Der Sturm” fällt einem gleich ein. Der alte Zauberer Prospero herrscht über eine Insel. Durch ein Schiffsunglück werden die Leute angespült, die ihn vor vielen Jahren verbannt haben. Die Inszenierung des Isländers Gisli Örn Gardarsson spielt allerdings in einem Folterknast. Es ist ein umstrittenes Stück Regietheater und hat schon bei der Premiere am Residenztheater München für Diskussionen gesorgt.

Die Kanzlerin geht in Klausur


Szene des Theaterstücks Mutti im Rahmen der Ruhrfestspiele 2014
(c) Thomas Müller

“Mutti”, Regie: Hasko Weber

Sehr viele Stücke haben ihre Premiere bei den Ruhrfestspielen. Das Festival arbeitet mit vielen Theatern eng zusammen, die dann die Aufführungen weiterhin zeigen. Zum Beispiel bringt das Staatstheater Stuttgart in Recklinghausen die Komödie “Purpurstaub” des Iren Sean O’Casey heraus. Und das Staatstheater Weimar zeigt an der Ruhr die Uraufführung der Satire “Mutti” von Juli Zeh und Charlotte Roos. “Mutti” ist der Spitzname der deutschen Kanzlerin, die sich mit ihrem Kabinett in eine Klausur zurückzieht, während um sie herum das Land zusammenbricht. Das Stück spielt im Sommer 2014, also in allernächster Zukunft.

Dumbledore-Schauspieler spielt Beckett


Szene des Theaterstücks Eh Joe im Rahmen der Ruhrfestspiele 2014
(c) Anthony Woods

“Eh Joe”, Regie: Atom Egoyan, Colm Ó Briain

Vom Iren Samuel Beckett gibt es fast eine Werkschau bei den Ruhrfestspielen. Die absurden Verlorenheitsvisionen, die auf seltsame Weise Wärme vermitteln, sind längst zu Klassikern geworden. Neben “Warten auf Godot” und “Endspiel” – den wohl bekanntesten Werken- gibt es auch einen Abend mit kurzen Solostücken. Das GateTheatre aus Dublin, eins der bedeutendsten irischen Theater, zeigt “Eh Joe” und “I’ll go on” an einem Abend. Der berühmte Filmregisseur Atom Egoyan hat eins der Stücke mit Michael Gambon inszeniert, der als Professor Dumbledore in den “Harry Potter”-Filmen international bekannt wurde.

Stars zum Anfassen nah


Szene des Theaterstücks Szenen einer Ehe im Rahmen der Ruhrfestspiele 2014
(c) Bettina Stöß

“Szenen einer Ehe”, Regie: Jan Bosse

Stars sind ohnehin keine Mangelware bei den Ruhrfestspielen. Einige der bekanntesten Gesichter des deutschen Kinos sind in Recklinghausen dabei. Joachim Król spielt in “Szenen einer Ehe” von Ingmar Bergman, Juliane Köhler in der Uraufführung “Phosphoros” des gerade sehr angesagten Jungdramatikers Nis-Momme Stockmann. Hannelore Elsner, Katja Riemann und Ulrich Matthes geben Lesungen. Die Literaturreihe am Sonntag Vormittag läuft unglaublich erfolgreich und füllt inzwischen das große Festspielhaus. Die letzte Veranstaltung dieser Reihe ist eine Erinnerung an den kürzlich verstorbenen Maximilian Schell, der oft bei den Ruhrfestspielen zu sehen war.

Island kommt aus Gütersloh


Szene des Theaterstücks Island on the Way im Rahmen der Ruhrfestspiele 2014
(c) Volker Zimmermann

“Island on the Way”, Regie: Christian Schäfer

Besonders interessant sind die vielen kleinen Aufführungen, unter denen sich einige Perlen verbergen. Zum Beispiel “Island One Way”, eine Komödie, die am Theater Gütersloh entstand. Das ist eigentlich ein Bespieltheater ohne eigenes Ensemble. Doch der neue Leiter Christian Schäfer will auch selbst Aufführungen produzieren. Er kennt den isländischen Liedermacher Svavar Knútur und hat ihn nach Westfalen geholt. Im Stück geht es um ein junges deutsches Paar das auf der Insel der Geysire und Grotten die kaputte Beziehung wieder aufpäppeln will. Doch die beiden geraten von einer absurden Situation in die nächste. Und Svavar Knútur spielt mit riesiger komödiantischer Lust alle Isländer, denen die Deutschen begegnen.

Besucherrekorde


Theaterzelt der Ruhrfestspiele 2014
(c) Ruhrfestspiele Recklinghausen

Eines der Theaterzelte der Ruhrfestspiele

Die Ruhrfestspiele haben inzwischen eine Vielzahl von Aufführungsorten. Längst bespielen sie nicht mehr nur ihr schickes Festspielhaus. Es gibt mehrere Theaterzelte auf der grünen Wiese rund herum, eine Industriehalle wird ebenso zum Theater wie das Schloss Herten. Auch im Theater Marl nebenan wird gespielt. Unter dem Intendanten Dr. Frank Hoffmann erzielen die Ruhrfestspiele fast jedes Jahr einen neuen Besucherrekord. Weil die Mischung stimmt aus großen Spektakeln, vielen Uraufführungen und Experimenten sowie Kabarett, Shows und Entertainment. Die Ruhrfestspiele sind keine Veranstaltung für die Kulturschickeria sondern ein bodenständiges Festival für jeden.

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Standards und Konter schlagen Ballbesitz

In der 85. Minute kam endlich Mimik in Carlo Ancelottis Pokerface. Bis dahin waren seine Gesichtsmuskeln nur durch das unablässige Zermalmen seines Kaugummis aktiviert worden. Aber fünf Minuten vor dem Schlusspfiff wusste der Italiener in Diensten von Real Madrid: Da kann nichts mehr passieren. Auch nicht gegen die “bestia negra”, gegen die schwarze Bestie. Sein Plan war aufgegangen. Real führte zu diesem Zeitpunkt mit 3:0, ein weiterer Treffer sollte sogar noch folgen, die Niederlage zu einer Demütigung für den FC Bayern machen und zu einer Demonstration des Könnens für sein Team. Also ging Ancelotti auf die Trainerbank zu, auf der er während des Spiels so gut wie nie Platz genommen hatte, und klatschte das versammelte Personal ab: Seinen Co-Trainer Zinedine Zidane, den weiteren Trainerstab, die Ersatzspieler, Abwehrmann Sergio Ramos, den er kurz zuvor vom Feld geholt hatte.

Die Schwächen der Raumdeckung

Dieser Sergio Ramos hatte schon früh für die Entscheidung an diesem Abend gesorgt. Erst nach einer Ecke, dann nach einem Freistoß war er mit dem Kopf zu Stelle, und ehe sich die Münchener versahen, stand es 2:0. “Natürlich haben wir diese Standards einstudiert”, erzählte Ancelotti nach der Partie bereitwillig, “wir wussten ja um die Raumdeckung der Bayern.” Sie hätten es besser gemacht als im Hinspiel, hätten mehr Kontrolle über das Spiel gehabt, und dass er starke Konterspieler in seinen Reihen hat, wusste er schon vorher.

Wenig später musste ein ruhiger, ein enttäuschter Bayern-Trainer Pep Guardiola im Presseraum die Niederlage des Titelverteidigers erklären. “In 27 Bundesliga-Spielen haben wir vielleicht zwei Tore nach Standards bekommen, als wir in Raumdeckung gespielt haben, in der Bundesliga sind sie große Spieler”, versuchte er sein System zu rechtfertigen. Auch an dem in letzter Zeit so häufig kritisierten Ballbesitzfußball habe es nicht gelegen. “Wir haben nicht gegen Madrid verloren, weil wir den Ball hatten. Wir hatten ihn in der ersten Halbzeit nämlich gar nicht. Wir haben nicht miteinander gespielt, deshalb haben wir verloren.”

Einzig Bastian Schweinsteiger und Toni Kroos hätten das Spiel beruhigt, sagte Guardiola der Deutschen Welle, die anderen Spieler seien dazu nicht in der Lage gewesen, sie seien nur gelaufen, hätten zwar gekämpft, aber eben nicht gespielt. Erst in der zweiten Halbzeit sei das besser geworden. Ob das nun daran lag, dass die Madrilenen einfach einen Gang zurückgeschaltet haben, oder weil der FC Bayern seine Taktik geändert hat, sei dahingestellt. Die Statistiker jedenfalls haben festgehalten, dass Guardiolas Team vor der Pause 63 Prozent Ballbesitz hatten, nach der Pause 64 Prozent. Signifikanz sieht anders aus.

Die Spannung ausgeredet

Guardiola, der sich schon nach 20 Spielminuten in der Allianz-Arena, nach dem 0:2, immer wieder verlegen über den Kopf streichelte, schafft es derweil noch, kritische Nachfragen durch eher unpräzise und schwer verständliche Antworten abzublocken. Sein sehr freundlich-joviales Auftreten rettet ihn vielleicht auch vor mehr Kritik. Dabei muss er sich sicher auch intern dem Vorwurf stellen, seinen Profis die Konzentration systematisch weggeredet zu haben. “Die Bundesliga ist vorbei”, ließ er nach errungenem Meistertitel, mithin dem 27. Spieltag, jeden wissen, der danach fragte. Und mit teilweise wüsten Personalrochaden unterstrich er dieser Aussage auch Partie für Partie. Jupp Heynckes, im vergangenen Jahr nach 28 Spieltagen Meister mit fast derselben Mannschaft, hatte immer wert darauf gelegt, die Spannung hoch zu halten.

“Das waren zwei Standards, das ist blöd gelaufen, und dann wird es schwer”, analysierten die beiden Außenverteidiger David Alaba und Philipp Lahm den Anfang vom Ende gegen Madrid ebenso gleichlautend wie inhaltsarm. Beide wurden nach der Partie nicht müde zu betonen, dass man jetzt nicht gleich alles in Frage stellen dürfe. Mit der Meisterschaft, dem Halbfinale der Champions League und dem Erreichen des Pokalendspiels sei es eine tolle Saison, die der FC Bayern da spiele.

Unterdessen verlässt Carlos Ancelotti das Münchener Stadion. Kaugummi kauend. In der Gewissheit, zwar weniger Ballbesitz sein Eigen nennen zu dürfen, aber insgesamt 5:0 Tore aus Hin- und Rückspiel. Und den dritten Champions-League-Titel seiner Trainerkarriere vor Augen. Ein echter Taktik-Fuchs eben. Italiener halt…

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NBA sperrt Clippers-Boss Sterling lebenslang

In der NBA hat Liga-Commissioner Adam Silver ein klares Ausrufezeichen gesetzt und den Chef der Clippers lebenslang gesperrt. Silver gab das Urteil auf einer mit Spannung erwarteten Pressekonferenz in New York bekannt. “Die von Donald Sterling geäußerten Ansichten sind zufiefst beleidigend und schädlich. Dass sie von einem NBA-Teambesitzer kommen, macht den Schaden noch größer und empört mich”, sagte Silver.


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Liga-Commissioner Adam Silver

Zudem muss Sterling 2,5 Millionen US-Dollar Strafe zahlen – es ist die höchste Summe, die nach den NBA-Statuten möglich ist. Silver machte klar, dass er das aus den 29 weiteren NBA-Besitzern bestehende Board of Governeurs antreiben werde, Sterling zu einem Verkauf der Clippers zu drängen. Für einen derartigen Schritt sind 75 Prozent der Stimmen notwendig. “Ich habe mit mehreren Besitzern gesprochen und sie haben mir ihre volle Unterstützung zugesagt”, betonte Silver.

Der milliardenschwere Musik- und Filmproduzent David Geffen signalisierte bereits sein Interessen an den Clippers.

Von allen NBA-Geschäften ausgeschlossen

Sterling ist durch die Sanktionen von sämtlichen NBA-Geschäften ausgeschlossen. Der 80-Jährige darf weder das Clippers-Gelände, noch NBA-Spiele oder Trainingseinheiten besuchen. Der Clippers-Boss war auf zwei veröffentlichten Aufzeichnungen zu hören, wie er im Gespräch mit seiner Freundin diskriminierende Bemerkungen gegenüber Afro-Amerikanern machte. Damit hatte er wütende Proteste ausgelöst.

Sterling hatte die Clippers 1981 für 12,5 Millionen Dollar erworben. Er ist der dienstälteste Club-Besitzer der Liga. Der aktuelle Marktwert wird auf 575 Millionen Dollar geschätzt. Bereits zu Wochenbeginn hatten mindestens ein Dutzend Sponsoren ihr Engagement bei den Clippers beendet oder bis zur Aufklärung der Affäre ausgesetzt. Damit entsteht der ganzen Liga ein finanzieller Schaden aus der Diskriminierungsdebatte.

Unterstützung für Clippers-Spieler ungebrochen


NBA Clippers: Protest bei den Playoffs (Foto: Reuters)

Die Basketballer aus Los Angeles tragen ihre Aufwärmkleidung auf links, um den Clippers-Schriftzug zu verbergen

Zahlreiche Unternehmen verzichten vorerst oder endgültig darauf, mit dem Clippers-Logo Werbung zu machen. Weil die Club-Finanzen nicht offengelegt werden müssen, sind die finanziellen Einbußen nicht bekannt. Allerdings dürfte dies auch die anderen 29 NBA-Vereine treffen, da die Einnahmen über einen Finanzausgleich geteilt werden. Die Unterstützung für die Clippers-Spieler ist hingegen weiter ungebrochen. Nachdem die Profis des Clubs aus Los Angeles bei ihrem Playoff-Spiel in Oakland ihre Aufwärmkleidung auf links getragen hatten, um den Clippers-Schriftzug zu verbergen, solidarisierten sich auch die Miami Heat um LeBron James mit der gleichen Aktion. Dirk Nowitzki und seine Teamkollegen traten wie die San Antonio Spurs unter anderem mit schwarzen Socken an, um ihre Haltung zu demonstrieren.

jhr/ck/rb (mit dpa/sid)

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