Месечни архиви: June 2014

Flammendes Plädoyer gegen die Angst

Es war ein flammendes Plädoyer. Für Humor. Für Lachen. Für Satire. Und gegen die Angst. Der ägyptische Satiriker und Arzt Bassem Youssef, erklärte am Montag (30.06.2014) auf dem Global Media Forum der Deutschen Welle in eindringlichen Worten, warum die Angst so bedrohlich für die Demokratie und die Freiheit ist. In der arabischen Welt wurde Yussef mit seinem satirischen Nachrichtenüberblick zum Kultstar.

“Die mächtigste Waffe der Mächtigen ist Angst. Sie schüchtert uns ein und beraubt uns unseres wertvollsten Gutes, das wir besitzen: unserer Humanität und Würde.”

Youssef weiß, worüber er spricht. Ihm wurde von den ägyptischen Machthabern vorgeworfen, Präsident Mohammed Mursi zu beleidigen und den Islam zu verleumden. Zunächst stand er das durch. Aber vor vier Wochen stellte er dann doch
seine Fernsehshow ein, die bis dahin auch von der Deutschen Welle übertragen worden war. Youssef kommentierte seine Entscheidung mit dem für ihn typischen Sarkasmus: “Wir leben in den wundervollsten Jahren der Demokratie in Ägypten – und wer das nicht so sieht, dem soll die Zunge herausgeschnitten werden.”

Eine menschliche Erfahrung


Pressetribüne des Global Media Forums 2014

Die Pressetribüne des Global Media Forums war zum Auftakt der Tagung gut besucht

Für Youssef und seine Mitstreiter war die TV-Show mehr als nur eine Fernsehproduktion: “Es war eine menschliche Erfahrung. Wir erfuhren aus erster Hand, wie wichtig Satire in unserem Leben sein kann. Wir nutzten Humor, Lachen und Musik, um für Freiheit und Zusammensein zu stehen und religiösen Faschismus zu bekämpfen.”

Auf dem Global Media Forum in Bonn stellte Youssef die Angst in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen: “Angst ist vielleicht die größte Triebkraft der Massen überhaupt. Das hat die Geschichte in verschiedenen Ausprägungen von Faschismus gezeigt. Angst wird von allen genutzt: demokratischen Staaten, autoritären Staaten und terroristischen Vereinigungen.”

Herzen und Hirne als Schlachtfeld

Für die Mächtigen sei deshalb Humor und Satire eine eminente Bedrohung: “Wenn Du lachst, hast Du keine Angst mehr”, sagte Youssef. Das Internet sei bei der Überwindung von Angst ein wichtiges Medium. “Meine Show gibt es zwar nicht mehr, aber im Netz leben die Ideen weiter.” Das Schlachtfeld zwischen Angst und Freiheit seien die Hirne und Herzen jener jungen Menschen, die sich nicht mehr unterdrücken lassen wollen. Und weil die sich im Internet austauschen können, werde jede Form von Faschismus irgendwann Geschichte sein.

Zuvor hatte bereits der gerade wiedergewählte Generalsekretär des Europarats, Thorbjörn Jagland, herausgestellt, welche Chancen und Risiken das Internet bietet. “Das Netz verbindet die Menschen sowohl global als auch lokal. Das heißt aber auch: Wer keinen Zugang zum Netz hat, hat auch keine Chance, am politischen Prozess teilzunehmen.” Deswegen seien die Twitter- und Facebook-Verbote in der Türkei gravierende Eingriffe in die Freiheitsrechte, die zu Recht von den zuständigen Gerichten aufgehoben wurden.

“Ultimative Plattform”


Peter Limbourg Global Media Forum 2014 neuer Ausschnitt

Für den Intendanten der Deutschen Welle, Peter Limbourg, ist das Internet “ultimative Plattform”.

Zum Auftakt des Global Media Forums hatte DW-Intendant Peter Limbourg gesagt: “Die ultimative Plattform für Information und Partizipation ist heute das Internet. Eine wunderbare Erfindung, die unser Leben vielfältiger, bunter, reicher gemacht hat. Sein weltweiter Siegeszug hat die Kommunikation und Mediennutzung revolutioniert. Es ist das Rückgrat der Globalisierung. Es eröffnet Chancen für mehr Entwicklung, für mehr Bildung und für mehr gesellschaftliche Beteiligung.”

Sei es auf dem Tahrir-Platz in Kairo, am Gezi-Park in Istanbul oder auf dem Maidan in Kiew, so Limbourg weiter. Das Netz und vor allem die Sozialen Medien hätten den Anstoß für Engagement gegeben. “Information und Interaktion über digitale Medien kann den letzten Impuls geben, um latente Stimmungen in Gegenöffentlichkeit und zivilgesellschaftliche Mobilisierung zu verwandeln. Anders gesagt: Um die Menschen von der Couch auf die Straße zu bringen.”

Zensur und Propaganda seien deshalb zutiefst verwerfliche Zeichen von Entmündigung aufgeklärter Weltbürger, sagte Limbourg. “Dagegen setzen wir Offenheit und Toleranz, Vielfalt und Respekt – den gesamten Kanon demokratischer Werte.” Der Missbrauch des Internets – ob durch Überwachung, Kriminalität oder in anderer Ausprägung – sei eine große Herausforderung für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Und natürlich auch für die Medien.

Source Article from http://www.dw.de/flammendes-plädoyer-gegen-die-angst/a-17746541?maca=de-rss-de-all-1119-rdf

Küsschen für die Kuschelbären

Die Copacabana in Rio de Janeiro: Während einen Kilometer entfernt beim
Fifa Fan Fest tausende Fußball-Anhänger ihr Team lautstark anfeuern, läuft die Brasilianerin Gabriela Logo zwischen bunt bemalten Bären hin und her und schießt ein Foto nach dem anderen: “Wir haben kein Geld für Reisen außerhalb Brasiliens. Aber durch die Bären lernen wir ein wenig über jedes einzelne Land”, sagt die Studentin. Dass die 145 bunt bemalten “United Buddy Bear”-Figuren aus Deutschland kommen, weiß sie – wie die meisten Besucher der Ausstellung – nicht.

Die Copacabana ist nur eine von über 20 Stationen, die die Bären bereits hinter sich haben: Warschau, Buenos Aires, Wien, Berlin, Sydney, Sankt Petersburg. Das Projekt wurde vom Ehepaar Eva und Klaus Herlitz initiiert und soll für ein friedliches Zusammenleben und mehr Toleranz zwischen den Völkern dieser Welt werben. Jeder Bär stellt ein Land dar und wurde von einem Künstler des jeweiligen Landes gestaltet.


Kubabär mit Zigarre zieht amerikanischen Touristen an. (Foto: DW/Astrid Prange)

Ein Tourist schießt ein Foto mit dem kubanischen Bären – natürlich mit einer Zigarre im Mund

Besonderes Highlight unter der langen Reihe bunter Bären sind die goldenen. Sie sollen an die goldenen Regeln des menschlichen Zusammenlebens und die internationale Völkerverständigung erinnern. Vor ihnen hat sich eine lange Schlange gebildet. Alle wollen sich unter dem Herz, das die beiden Bären-Statuen miteinander verbindet, fotografieren lassen.

FIFA-Regeln verbannen Bären

Der Leiter des
deutschen Generalkonsulats in Rio de Janeiro Harald Klein hat sich lange dafür engagiert, dass die Bären sich nun an der Copacabana sonnen können. Er freut sich über den Run auf die Berliner Bären. Denn beinahe wäre das deutsche Bärenfestival beendet worden, bevor es überhaupt begonnen hätte. Der Grund: Die Fifa erlaubt neben ihren offiziellen Sponsoren in einer Bannmeile rund um WM-Austragungsorte wie Stadien oder Fan Feste keine Werbung anderer Firmen.

“Die Verträge mit der Fifa sehen vor, dass in einem Umkreis von einem Kilometer von WM-Veranstaltungsorten keine anderen Sponsoren auftauchen dürfen”, erklärt Minister Laudemar Aguiar, der bei der Stadt Rio de Janeiro für internationale Beziehungen zuständig ist. Und da die Bären von verschienden deutschen Firmen wie Lufthansa oder Mercedes Benz gesponsort wurden, will die Fifa auch sie nicht in ihrer Nähe haben.

Nach vielem Hin und Her einigten sich alle Beteiligten noch in letzter Minute auf den Standort am äußersten Ende der Copacabana – genau 1,2 Kilometer vom Fifa Fan Fest entfernt. Der Fortsatz der Copacabana, genannt Leme, erwies sich im Nachhinein als Top-Location. Denn der Stadtteil, der nicht unter lärmendem Durchgangsverkehr leidet, gleicht einer friedlichen Oase mitten im WM-Trubel.

Mehr Aufmerksamkeit durch WM

Ursprünglich sollten die “Buddy Bears” von Ende April bis Ende Mai an der Strandpromenade Copacabana stehen und krönender Abschluss des
Deutschlandjahres in Brasilien sein. Das Deutschlandjahr war im Mai 2013 von Bundespräsident Joachim Gauck in São Paulo eröffnet worden.

Doch Rios Konsul Harald Klein wollte die WM nutzen, um den Bären zusätzliche Besucher zu bescheren.
“Rio steht durch die WM nicht nur national, sondern auch international im Fokus, und das führt dazu, dass mehr Besucher die Ausstellung sehen, nicht nur Brasilianer, sondern auch WM-Touristen”, sagt Klein. “Diese zusätzliche Attraktivität schätzen wir sehr.”


Panorama der Bären am Strand von Leme, Copacabana Rio de Janeiro . (Foto: Astrid Prange)

145 Bären zieren die Strandpromenade Copacabana

Nach den Problemen mit der brasilianischen Bürokratie hält Klein schon jetzt für alle Städte, die die Bären in Zukunft zu sich holen wollen, zwei wichtige Ratschläge parat. Lektion Nummer eins: “Man muss sehr früh anfangen mit der Organisation. Es gibt da so viele Details zu beachten und zu berücksichtigen, dass man das vielleicht unterschätz.”

Lektion Nummer zwei: “Ich würde die Frage des Standortes mit den Autoritäten des Landes frühzeitig klären und möglichst auch schriftlich fixieren, damit es keine Überraschungen in letzter Minute gibt.”

Über eine Million Besucher haben sich die Bären bereits angeschaut. Außerdem finden rund um die Bären Veranstaltungen wie Workshops und Wettbewerbe statt. Rio de Janeiros Auslandssekretär Laudemar Aguiar ist zufrieden mit der bärenstarken Kulturkooperation.

Noch bis zum 20. Juli stehen die Bären an der Copacabana, dann treten sie ihre Heimreise nach Berlin an. Acht Großcontainer stehen schon für die Figuren bereit, damit sie unbeschadet den Atlantik überqueren.

Source Article from http://www.dw.de/küsschen-für-die-kuschelbären/a-17746299?maca=de-rss-de-all-1119-rdf

Gauck fordert bessere Flüchtlingspolitik

“Tun wir wirklich schon alles, was wir tun sollten?” Diese Frage zum Umgang mit Flüchtlingen hatte Bundespräsident Joachim Gauck erstmalig in seiner Weihnachtsansprache 2013 gestellt. Beim 14. Berliner Symposium zum Flüchtlingsschutz, dem zentralen Treffen der Zivilgesellschaft, Politik und Kirchen, entwickelte er diese Frage weiter und gab eine Antwortrichtung vor: Nicht allein die finanziellen oder politischen Programme würden eine Antwort geben, sagte Gauck vor den rund 100 Teilnehmern des Symposiums, sondern auch die “Art und Weise, wie ehrlich, pragmatisch und nüchtern die Politik und die Gesellschaft die Herausforderungen der Flüchtlingspolitik” diskutiere.

Deutschland und Europa täten viel, um Flüchtlinge aufzunehmen. “Aber nicht so viel, wie es uns selbst manchmal scheint”, sagte Gauck. Die Zahl der Asylanträge in Deutschland habe sich im laufenden Jahr gegenüber 2013 verdoppelt. Gemessen an absoluten Zahlen kämen in kein anderes Land Europas mehr Flüchtlinge; dennoch liege Deutschland gemessen an der Bevölkerungszahl nur auf Platz 9. Der Beschluss, nun zusätzliche 10.000 syrische Flüchtlinge aufzunehmen, sei “richtig, wichtig und wertvoll”. Kein anderer Staat in Europa habe mit vergleichbaren Programmen auf den Syrienkonflikt reagiert, so Gauck. Dennoch habe sich der Großteil der 32.000 in Deutschland seit Beginn des Konflikts aufgenommenen Syrer auf andere, auch illegale Weise durchschlagen müssen.

Grenzen und Menschenleben schützen

Eine europäische Flüchtlingspolitik habe nicht nur die Grenzen, sondern auch Menschenleben zu schützen. “Ich kann mich nicht daran gewöhnen”, sagte Gauck mit Blick auf das Drama der Bootsflüchtlinge im Mittelmeer. “Niemand in Europa sollte sich daran gewöhnen.” Denn die Bilder passten nicht zum “Bild, das wir Europäer von uns selber haben”.

Gauck mahnte an, die Lasten der Flüchtlingswellen aus Syrien und über das Mittelmeer “gerechter, transparenter und solidarischer” zu teilen. “Einander vorrechnen, was erst der andere tun muss, bevor wir uns selbst bewegen, das sollten wir nicht tun”, mahnte Gauck. Denn es seien Flüchtlinge, die “in unserem Europa Zuflucht suchen”. Stattdessen sollten, schlug der Bundespräsident vor, die Standards in den europäischen Ländern anzugleichen.

“Schwierige Politik ohne Patentlösungen”

Dabei gebe es das Dilemma zwischen dem berechtigen Schutz der EU vor unkontrollierter Zuwanderung und den Rechten derer, deren Leben gefährdet ist. Zudem bewege sich die Politik in einem Spannungsfeld zwischen zwei Abgrenzungen: Gegenüber denen, die wünschten, die “Tore weit aufzumachen für alle Mühseligen und Beladenen” und denen, die sagen, “die Grenzen des Machbaren sei längst erreicht und wir müssten uns besser abschotten”. Flüchtlingspolitik sei eine “schwierige Politik ohne Patentlösungen”. Man könne nie “allen Bedrohten und Verfolgten Zuflucht und Zukunft bieten”.

Auch der deutsche Asylkompromiss von 1993 nach dem Ende der Teilung Europas, der den damals “dramatisch gestiegenen Antragszahlen Rechnung trug”, habe dies auf eine “bis heute umstrittene Weise getan”. Dennoch, so wiederholte Gauck: “Wir könnten mehr tun”. Aber, auch “manches besser und vor allem gemeinsam als Europäer”. Die Asylverfahren sollten effektiver und schneller bearbeitet werden können. Menschen ohne Flüchtlingsgrund sollten “auf humane Weise” zurückgewiesen werden.

Migration könne, das hätten Studien längst erwiesen, “ein starker Entwicklungsmotor sein, auch für die Herkunftsländer”. Politik sollte den “allseitigen Nutzen” im Blick haben: Hilfe für die Migranten, die aufnehmenden Gesellschaften und auf längere Sicht auch für die Herkunftsländer. Gauck erinnerte daran, dass Migranten viel Erspartes in ihre alte Heimat überweisen würden und damit ähnlich wie Entwicklungshilfe auch Armut bekämpften. Zudem würden sie “Kenntnisse und Werte in ihre Heimat bringen”, falls sie zurückkehrten.

Source Article from http://www.dw.de/gauck-fordert-bessere-flüchtlingspolitik/a-17746146?maca=de-rss-de-all-1119-rdf

Blog: Unter Nobelpreisträgern und Nachwuchs

30. Juni:

Damit hat Hans Rosling zweifelsohne recht. Gut erzählen, das kann er! Ob über Statistiken, eine bessere Welt oder sein Privatleben. Wohl kaum hätten wir im Anschluss an die Eröffnungsveranstaltung der Lindauer Nobelpreisträgertagung wohl fast eine Stunde geplaudert. So viel Zeit nimmt sich nicht jeder für seine Fans – geschweige denn für Journalisten.


Hans Rosling beim Lindauer Nobelpreisträger-Treffen (Foto: DW/ Hannah Fuchs).

Das bessere Autogramm: Die eigene Rosling-Statistik

Als einen Fan kann man sich aber mit Sicherheit bezeichnen, sobald man Rosling einmal live erlebt hat. Bei mir war es gestern in Lindau so weit. Vorher kannte ich den schwedischen Medizinprofessor und Statistiker nur aus dem Internet – wo er unter Datenvisualisierern und Statistik-Geeks schon lange als Koryphäe gilt. (Wer noch nie etwas von Rosling gehört hat, bitte
hier die Lücke schließen.)

Gestern, bei der Präsentation seiner “Ignorance Study” ging es um Gesundheits- und Gesellschaftsstatistiken, was in der Programmvorschau erst einmal sehr trocken klang. “Interaktive Präsentation” waren die einzigen Schlagwörter, die hoffen ließen – und dann auch wirklich nicht enttäuschten. Einmal auf der Bühne, erweckte Rosling die trockensten, statistische Daten zum Leben:

Es ploppten Punkte auf, die – wie Gummibälle – an der Zeitleiste entlang hüpften. Rosling mit einem gelben, dicken Zeigestab in Form eines Fingers immer hinterher.

Man spürt seine Leidenschaft, mit der er das Publikum ansteckt. Obwohl er nur schnöde Zahlen präsentiert, erzählt er gleichzeitig eine spannende – wahre – Geschichte: Denn es geht nur um Fakten, die er die Leute richtig verstehen lassen und damit den Blick der Menschen auf die Welt verändern will.


Eröffnung der 64. Lindauer Nobelpreisträgertagung Hans Rosling

Bunte Bilder, harte Fakten: Rosling weiß, wie man Daten anschaulich erklärt

Er sei allerdings nicht fasziniert von Zahlen und Daten, stellt er im Interview klar. “Ich bin fasziniert von den Menschen.” Die Daten, so Rosling, seien nur eine Möglichkeit, zu verstehen, wie ihr Leben ist. Zum Beispiel: “Was ist es, das das Leben für alle Menschen auf der Erde besser machen kann? Und warum variiert es überhaupt, wie entwickelt es sich, und warum kann man manche Dinge nicht aufhalten?” Um solche Fragen zu beantworte, seien Daten hilfreich.

Zu Hause in Schweden – wenn er mal nicht in der Welt unterwegs ist, um dieselbe zu erklären – sei er ganz normal. Nicht außerordentlich strukturiert, nicht außerordentlich chaotisch. Ganz normal eben. Er mag es zum Beispiel, mit seinen Enkeln durch den Wald zu irren. Was er fürchtet? Dass wir die Welt nicht rechtzeitig verstehen, um sie zu einem besseren Ort zu machen. “Es geht nicht um das Hier und Heute. Aber meine Enkel werden zum Beispiel noch eine ganze Weile länger mit dieser Welt klarkommen müssen.” Das sagt Rosling viel weniger euphorisch, als man es von ihm vor Hunderten Zuschauern bei seinen Vorträgen gewohnt ist.

29. Juni:

Ein paar Highlights gab es während der Eröffnung, die man am besten selbst gesehen haben sollte. Reine Erzählungen reichen – wie man ja oftmals merkt – nicht immer aus, um das Gegenüber mit der eigenen Begeisterung anzustecken.

Besonders nicht, wenn es dabei um den überaus charmanten Alexander Gerst geht. Er grüßte gestern die jungen Nachwuchsforscher in Lindau per Videonachricht von der Raumstation ISS: Ihr Forschergeist mache jeden einzelnen von ihnen zu einem “Kolumbus des 21. Jahrhunderts”, meint Gerst. Davon hat er sich schon selbst überzeugt. Denn der deutsche ESA-Astronaut war im letzten Jahr Gast bei der Lindauer Nobelpreisträgertagung und konnte sich da ein genaues Bild von dem sogenannten “Spirit of Lindau” machen. Zum Beweis lässt er im Video sein verwahrtes Namensschildchen durch die Raumkapsel schweben.

Okay, wie gesagt – Erzählungen reichen nicht immer. Aber glücklicherweise gibt es das Video mittlerweile auch im Netz :
Hier geht es zur Grußbotschaf aus dem Weltall.


Eröffnung der 64. Lindauer Nobelpreisträgertagung Greetings from Alexander Gerst (Foto: Christian Flemming/ Lindau Nobel Laureate Meetings).

400 Kilometer entfernt: Alexander Gerst grüßt die Nachwuchswissenschaftler in Lindau

29. Juni 2014:

Es ist wieder so weit: Heute beginnt die Nobelpreisträgertagung in Lindau – das 64. “Lindau Nobel Laureate Meeting”.

In diesem Jahr sind Medizin und Physiologie die Schwerpunkte des Treffens. Es stehen also Themen wie Krebsforschung, Immunologie, HIV und Aids sowie Infektiologie auf dem Tagesplan.

Um hierzu etwas von ihren großen Vorbildern zu lernen und sich auszutauschen, sind Hunderte junge Wissenschaftler, Post-Docs und Studenten aus der ganzen Welt in die Bodensee-Stadt gekommen. 37 Nobelpreisträgern stehen in diesem Jahr Rede und Antwort.

Das Besondere: Jeder der Nachwuchswissenschaflter darf nur ein einziges Mal in seinem Leben an der Tagung in Lindau teilnehmen – sofern er nicht irgendwann den Nobelpreis gewinnt, und dann als ein Laureat wieder eingeladen wird. Eine spezielle Komission beschäftigt sich im Voraus der Tagung ausführlichst mit den Bewerbungen und Vorschlägen der jungen Leute, und wählt dann die talentiertesten, außergewöhnlichsten Nachwuchsforscher aus.

Ach, und noch eine Gruppe, die sich glücklich schätzen kann: Journalisten. Denn die dürfen ebenfalls jedes Jahr wieder teilnehmen. Nachdem im letzten die “Grüne Chemie” im Fokus der Berichterstattung stand, ist es bei dieser Tagung die Medizin – mit neuen Nachwuchswissenschaftlern, neuen Nobelpreisträgern und anderen Themen. Die Spannung ist also mindestens genauso groß wie beim ersten Mal! Los gehts, #lnlm14!


Zusammenkommen bei der Tagung der Nobelpreisträger in Lindau (Foto: Rolf Schultes).

Plaudern mit Nobelpreisträgern: In Lindau ganz normal

Source Article from http://www.dw.de/blog-unter-nobelpreisträgern-und-nachwuchs/a-17735376?maca=de-rss-de-all-1119-rdf

Klimaziele trotz Energiewende gefährdet

Der Schock über die Reaktorkatastrophe von Fukushima war auch in Deutschland zu spüren. Unter Führung von Bundeskanzlerin Merkel beschloss die konservative Regierung vor drei Jahren einen Kurswechsel in der Energiepolitik, einen schnelleren und endgültigen Ausstieg aus der Atomenergie. Damit wurde der zuvor schon eingeleitete Umbau zur Energieversorgung mit Erneuerbaren Energien beschleunigt, die
Energiewende bekam einen neuen Schub.

Ziel: Senkung der Treibhausgase um 80-95 Prozent.

Um die Treibhausgasemissionen drastisch zu senken, hatte die Regierung ihre Ziele zur C02-Minderung bereits 2010, also gut ein Jahr vor Fukushima, festgelegt. Bis 2020 sollten demnach die deutschen Emissionen um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 sinken und bis 2050 um 80 bis 95 Prozent.


Infografik Emissionen von Treibhausgasen in Deutschland

Deutschland will die Treibhausgase stark senken. Doch die Reduktion stockt seit 2010. Die Klimaziele sind in Gefahr.

Auch die jetzige Bundesregierung verfolgt diese Ziele weiter. Um sie zu erreichen, sollen zum einen der Energiebedarf für Strom, Industrie, Verkehr und Heizung im Durchschnitt um 20 Prozent bis 2020 sinken und bis 2050 um 50 Prozent. Zum anderen sollen Erneuerbare Energien den verbleibenden Energiebedarf zunehmend decken. So möchte die Regierung klimaschädliche fossile Energien ersetzen. Das Energiekonzept der Regierung sieht vor, dass der Anteil der Erneuerbaren an der gesamten Energieversorgung von heute 13 Prozent auf 18 Prozent im Jahr 2020 steigt und bis 2050 auf 60 Prozent.

Energiewende beim Strom

Die Integration von erneuerbaren Energien in die Stromerzeugung läuft sehr erfolgreich. Rund 26 Prozent des deutschen Strombedarfs wird inzwischen mit Erneuerbaren Energien gedeckt. 2010, im Jahr vor dem Atomausstieg, lag der Anteil der Erneuerbaren noch bei 17 Prozent.

Neue Wind-, Sonnen- und Biomassekraftwerke erzeugen nun eine Strommenge, die der von den acht abgeschalteten Kernreaktoren entspricht. Durch den dynamischen Zubau der Erneuerbaren gab es auch keine Stromknappheit. Im Gegenteil: Im Vergleich zu 2010 stieg der deutsche Stromexport sogar an.

Bis 2020 will die Regierung den Anteil der Erneuerbaren am Strommix auf 35 Prozent steigern. 2050 sollen es dann 80 Prozent sein. Um die deutschen Klimaziele zu erreichen, empfehlen Experten jedoch einen höheren Anteil und einen schnelleren Ausbau. Eine aktuelle
Klimaschutzstudie im Auftrag des Umweltministeriums hält 95 Prozent bis 2050 für nötig.

Mehr Klimagase durch mehr Kohlekraft

Sorge bereitet Energieexperten derzeit vor allem die
Zunahme der Kohleverstromung in Deutschland. Durch den Preisverfall der CO2-Zertifikate am europäischen Emissionshandel wurde die besonders klimaschädliche Kohle rentabel und verdrängte die saubereren Gaskraftwerke vom Markt. “Der Ausstieg aus der Kernenergie läuft, der Ausbau der Erneuerbaren auch, aber das Verhältnis zwischen Kohle und Gaskraftwerken ist nicht im Lot”, sagt Christoph Graichen, Direktor der Berliner Denkfabrik
Agora Energiewende gegenüber der Deutschen Welle.

Als wichtiger Schritt zur Korrektur gilt der Emissionshandel. Derzeit kostet eine Tonne CO2 nur etwa fünf Euro. “Wir hatten mit 25 – 30 Euro gerechnet und da muss der Preis auch wieder hin”, fordert Graichen.

Ohne zusätzliche Maßnahmen werden Klimaziele verfehlt


Deutschland Bundesumweltministerin Barbara Hendricks

Umweltministerin Hendricks plant Aktionsprogramm

Um ihre Klimaschutzziele zu erreichen, will die Bundesregierung bis 2020 die Treibhausgasemissionen im Vergleich zu heute um 21 Prozent senken, von derzeit 951 Millionen Tonnen (2013), auf 749 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr.

“Mit den bisher beschlossenen Maßnahmen werden wir dieses Ziel nicht schaffen”, warnt bereits Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD). Nach
Zahlen ihres Ministeriums werden die Treibhausgase im Vergleich zu heute bis 2020 um lediglich zwölf Prozent gesenkt.

Um das Klimaziel noch zu erreichen, entwickelt derzeit ihr Ministerium ein ressortübergreifendes
Aktionsprogramm Klimaschutz 2020. Im November 2014 ist der diesbezügliche Kabinettsbeschluss geplant. Als wichtigste Handlungsfelder sieht die Umweltministerin die Reparatur des europäischen Emissionshandels und den Umbau der Energiewirtschaft. Darüber hinaus sieht sie auch ein erhebliches Einsparpotential bei der Gebäudeheizung und im Verkehr.

Energieexperte Graichen zeigt sich überzeugt, dass mit den Klimazielen ein “langfristiges Ausgleiten aus der Kohle” verbunden sein wird. Diesen Prozess müsse man jedoch steuern, “man muss klare Signale geben, wie lange welche Kraftwerke noch dabei sind und wann sie vom Netz gehen.”

Ansätze, dass die Politik bereits an solch einem Kohlekonsens arbeitet, sieht Graiching jedoch noch nicht. “Bisher hat das die Politik noch nicht auf dem Schirm, aber ich bin zuversichtlich, dass dies in den nächsten Jahren so kommen wird.”

Source Article from http://www.dw.de/klimaziele-trotz-energiewende-gefährdet/a-17742184?maca=de-rss-de-all-1119-rdf

Lebhafte Debatte um Mindestlohn

Führende Politiker der SPD haben die Mindestlohn-Pläne der schwarz-roten Koalition gegen die Kritik der Gewerkschaften verteidigt. Die für Donnerstag vorgesehene Verabschiedung sei “ein ganz großer Schritt für mehr soziale Gerechtigkeit in Deutschland, sagte Fraktionschef Thomas Oppermann der Nachrichtenagentur dpa.”Das ist eine Sozialreform von historischem Ausmaß”. SPD-Vize Olaf Scholz meinte, die in der Koalition ausgehandelten Kompromisse seien alle gut vertretbar.

Die Kritik der Gewerkschaften entzündet sich vor allem an den geplanten Ausnahmen. Union und SPD hatten sich am Freitagabend auf Änderungen für die Zeitungsbranche, Saisonarbeiter und Praktikanten verständigt. Verdi-Chef Frank Bsirske kritisierte daraufhin, mit einer Vielzahl von Ausnahmen habe die Koalition den gesetzlichen Mindestlohn “brutal amputiert”. So werde mindestens drei Millionen Menschen ein Lohn von 8,50 Euro pro Stunde verwehrt. DGB-Chef Reiner Hoffmann kündigte im ARD-Morgenmagazin Widerstand bis zu letzten Minute an.

Widerstand auch aus der SPD

Für den Vorsitzenden des Wirtschaftsausschusses des deutschen Bundestags, den CSU-Politiker Peter Ramsauer geht das Vorhaben “nach wie vor wirtschaftspolitisch in die falsche Richtung”. Viele Wirtschaftspolitiker der Union würden deshalb gegen das Gesetz stimmen, sagte er der “Bild”-Zeitung. Ramsauer übte in diesem Zusammenhangheftige Kritik am wirtschafts- und sozialpolitischem Kurs der Koalition:”Wir sind dabei, unsere Energiekosten zu erhöhen, unsere Sozialkosten zu erhöhen und Investitionen herunterzufahren. Damit gefährden wir die Wettbewerbsfähigkeit und Zukunft Deutschlands.”

Widerstand kommt allerdings auch aus der SPD. Der Vorsitzende der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA), Klaus Barthel, lehnte die jüngsten Vereinbarungen strikt ab. “Die angedachten weiteren Ausnahmen beim Mindestlohn belegen, dass es einigen in der Union nicht um die sachgerechte Umsetzung des Koalitionsvertrages geht, sondern um die systematische Durchlöcherung des Mindestlohnes bis zur Unkenntlichkeit”, sagte er “Handelsblatt Online”. Die Vorschläge seien eine “Einladung für Umgehungen und Missbrauch, auch zulasten der Sozialkassen”.


Symbolbild Mindestlohn (Foto:dpa)

Mindestlohn von 8,50 Euro gilt nicht für alle

Linkspartei: Ausnahmen sind verfassungswidrig

Dagegen verteidigte Bundeslandwirtschaftminister Christian Schmidt die Mindestlohnausnahmen für Agrar-Saisonarbeiter. Diese Ausnahmen “für Betriebe im Obst- und Gemüseanbau sind keine Durchlöcherung des Gesetzes, sondern ein Beitrag zur Überlebensstrategie heimischer Betriebe”, sagte der CSU-Politiker der “Passauer Neuen Presse”. Ohne solche Regelungen würden manche Arbeitsplätze zukünftig nicht mehr bestehen.

Scharfe Kritik an den geplanten Ausnahmen übte auch die Linkspartei. Das jetzt vorgesehene Gesetz lese sich “wie eine Satire auf das SPD-Wahlprogramm, sagte Linken-Parteichef Bernd Riexinger der “Frankfurter Rundschau”. Die Ausnahmen seien dazu verfassungswidrig, weil sie eklatant gegen das Gleichbehandlungsgebot des Grundgesetzes verstießen.

gmf/re (afp, dpa, rtr)

Source Article from http://www.dw.de/lebhafte-debatte-um-mindestlohn/a-17745832?maca=de-rss-de-all-1119-rdf

Das Sterben der Innenstädte

Das Internet ist mal wieder an allem schuld. Natürlich. Schließlich kaufen die Deutschen dort so gerne ein, dass Post und
Zoll ächzen unter der Überlastung durch all die Pakete, und die Händler in den Innenstädten ihre Läden schließen müssen. Klagen, die statistischen Widerhall finden.

Jeder dritte Kunde fährt bereits seltener ins Stadtzentrum und kauft stattdessen öfter online ein, besagt eine Studie des Kölner Instituts für Handelsforschung. Mehr als die Hälfte der Einzelhändler klagt über sinkende Kundenzahlen in ihren Geschäften, heißt es beim Einzelhandelsverband Deutschland. Nur der
Onlinehandel vermeldet unterdessen Rekordzahlen: 2013 etwa stieg der Umsatz im Vorjahresvergleich laut Branchenverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland um mehr als 40 Prozent auf 39,1 Milliarden Euro.


Ein Mann sitzt vor einem Computer und schaut sich High Heels bei Zalando an (Foto: imago)

Kunden kaufen vermehrt bei Onlinehändler wie Amazon oder Zalando statt beim lokalen Einzelhandel

“Wir gehen davon aus, dass bis 2020 nochmals 15, wenn nicht 20 Prozent der Einzelhandelsumsätze bei Non Food ins Netz abwandern. Das ist dramatisch für den innerstädtischen Einzelhandel”, sagt auch Gerrit Heinemann, Handelsexperte an der Hochschule Niederrhein. Kaufwillige Konsumenten, die vom Buch- zum Schuhladen schlendern, einkaufstütenbehangen, ein Lächeln im Gesicht, ein Eis in der Hand, könnten dann ein Bild der Vergangenheit sein. Oder?

Aldi neben Prada, Ikea neben dem Fotostudio

Auftritt: Ikea. Bisher waren die großen blauen Möbelhäuser mit dem gelben Schriftzug vor allem auf der grünen Wiese angesiedelt, meist neben Autobahnen. An diesem Montag (30.06.2014) eröffnet aber der erste Ikea-Laden mitten in einer deutschen Innenstadt: im Herzen von Altona, dem einstigen Arbeiterviertel Hamburgs.

“Wir wenden uns an das Innenstadtpublikum, an junge Familien, Singles, die mitten in der Stadt wohnen, sich bewusst gegen ein Auto entschieden haben”, erklärt Ikea-Sprecherin Simone Settergren im Gespräch mit der DW. Eine Zielgruppe, die selten hinausfuhr zu den Ikea-Klötzen am Stadtrand. Der “Citystore” in Hamburg ist deshalb ein Testprojekt. 80 Millionen Euro hat es gekostet, vergleichbare Filialen liegen sonst bei rund 50 Millionen Euro Baukosten.


Das neue IKEA-Einrichtungshaus, der Citystore in Hamburg-Altona (Foto: picture-alliance/dpa)

Mal anders: In Hamburg eröffnet der erste Ikea-Laden mitten in der Innenstadt statt an der Autobahn

Auch der Lebensmitteldiscounter Aldi will mehr Filialen in den Innenstädten platzieren. Am Montag – zeitgleich mit Ikea in Hamburg – eröffnet Aldi in Düsseldorf auf der Königsallee einen Laden. Eigentlich ist die “Kö” als Flaniermeile für Reich und Schön bekannt – und Aldi als Epizentrum für den Wochenendeinkauf von Großfamilien. Parkplätze gibt es an der neuen Filiale keine. Dafür eine neue Aufgabe: Das Unternehmen wolle künftig auch eine Rolle bei der Nahversorgung in den Städten übernehmen, sagte Jan Riemann, Leiter Filialentwicklung bei Aldi Süd.

Sorgenfrei in München, Hamburg, Frankfurt

Simone Settergren ist überzeugt, dass sich die Ikea-Filiale auch positiv auf die Umgebung auswirkt: “Seit wir die Baugenehmigung bekommen haben, ist der Boom hier in der Straße losgegangen: Hier ist sehr viel kleiner, inhabergeführter Einzelhandel in unserem direkten Umfeld entstanden.” Der neue Laden bringe wochentags 10.000, an Wochenenden sogar bis zu 15.000 Besucher in die Fußgängerzone. “Und das ist natürlich etwas, was auch andere Einzelhändler sehr attraktiv finden.”


Volle Fußgängerzone in Frankfurt am Main (Foto: picture-alliance/arco images)

Ewiger Anziehungspunkt: Fußgängerzonen in Großstädten – wie hier in Frankfurt – werden noch lange gut besucht sein

Dabei müssten sich die Hamburger eigentlich eh kaum Sorgen machen: “In Metropolen sieht die Entwicklung relativ gut aus, weil wir auch in Deutschland einen Zuzug von Landbevölkerung dorthin haben”, sagt Handelsexperte Heinemann. “Davon profitieren diese Standtorte auch im Einzelhandel: Sie werden sich stabil entwickeln oder sogar gewinnen.” Städte wie München, Frankfurt oder Köln wachsen. Und mit ihnen – dem Internet zum Trotz – der dort ansässige Handel.

Aus der Kleinstadt Deutschland erobern

Dringender Handlungsbedarf besteht dagegen im ländlichen Raum: Klein- und Mittelstädte – das heißt in Deutschland Städte zwischen 5.000 und 100.000 Einwohnern – verlieren rasant Kunden und Geschäfte. Eine Abwärtsspirale, in die auch Ikea nicht geraten will: “Einen Citystore werden wir nur in Metropol-Regionen umsetzen können. Das sind extrem hohe Investitionen und eine extrem aufwendige Bauweise, die sich einfach nur rechnen, wenn man auch in einer Metropolregion ist wie Hamburg, München, Berlin“, sagt Settergren.

Verloren sind Städte wie Schwerin, Tübingen oder Bayreuth trotzdem nicht. Dafür müssten Politik und Händler eng zusammenarbeiten, ein Konzept für eine professionell gemanagte Innenstadt entwickeln. Und, sagt Heinemann: “Der Fachhandel muss sich neu erfinden.” Ein eigener Online-Shop ergänzend zum Laden, die Kunden auch mobil ansprechen, kreative Ideen haben – das könnte eine Lösung sein, dem Innenstadt-Tod von der Schippe zu springen. Denn wo die Mieten niedrig sind, kann günstiger – und damit risikofreier – experimentiert werden. Der Einzelhändler Manufactum zum Beispiel verkaufte seine nachhaltigen, teils traditionell gefertigten Haushaltswaren zunächst im 30.000-Einwohner-Städtchen Waltrop, inzwischen aber in ganz Deutschland. Und natürlich im Netz.

Source Article from http://www.dw.de/das-sterben-der-innenstädte/a-17743717?maca=de-rss-de-all-1119-rdf

Kommentar: Amerikas Interessen im Irak

Derzeit sind die Umfragewerte von US-Präsident Barack Obama im Keller. Doch wenn es um den Irak geht, hat er die meisten Amerikaner hinter sich: Washington soll keine Bodentruppen in den Irak entsenden. Aus Washingtoner Sicht ist Bagdad ein hoffnungsloser Fall. Die Regierung geht davon aus, dass der Iran und Saudi-Arabien dort ihre Stellvertreterkriege weiter führen werden. Der Konflikt scheint militärisch nicht zu lösen. Also lieber die Finger davon lassen.

Wären da nicht die ISIS-Extremisten, die immer größere Teile des Iraks unter ihre Kontrolle bringen, jetzt auch Syrien destabilisieren und über kurz oder lang auch zur Gefahr für Jordanien, den Libanon oder gar Israel werden könnten. Deshalb kann Amerika diese Region nicht sich selbst überlassen. Zu viel steht auf dem Spiel, am Ende auch die Sicherheit der USA selbst. Wenn Islamisten den irakischen Bürgerkrieg dafür nutzen, Terrorcamps zu unterhalten, darf und wird Amerika nicht wegschauen.


Miodrag Soric (Foto: DW)

DW-Korrespondent Miodrag Soric

Auf einen einfachen Nenner gebracht, ist genau das das strategische Ziel der Amerikaner: verhindern, dass von dieser Region Gefahren für die Sicherheit der USA und ihrer Verbündeten ausgehen. Am Ende ist es dann zweitrangig, ob der Irak eine starke Zentralregierung bekommt oder in drei Teile aufgeteilt wird, ob er im Norden von den Kurden kontrolliert wird, im Westen von den Sunniten und im Süden und in Bagdad von den Schiiten. Ein De-facto-Auseinanderbrechen des Iraks? Die Amerikaner sind da pragmatisch. Vize-Präsident Joe Biden, der im vergangenen Jahr ein Dutzend Mal mit Iraks Premier Nuri al-Maliki telefoniert und ihn mehrfach persönlich getroffen hat, schlug schon 2006 vor, den Irak aufzuteilen. Freilich kann die Frage, ob die Region dann stabiler würde, niemand beantworten.

Vorbereitung auf den Extremfall

Kurzfristig geht es Washington also vor allem darum, die ISIS zu schwächen, noch besser: zu vertreiben. Deshalb werden Militärberater in die Region entsandt; deshalb verhandeln die USA hinter vorgehaltener Hand mit dem Iran; deshalb versucht Außenminister John Kerry Saudi-Arabien und anderen wohlhabenden Golfstaaten deutlich zu machen, dass es falsch sei, die ISIS zu dulden oder finanziell zu unterstützen.

Gleichzeitig bereitet sich Washington auch auf das Worst-Case-Szenario vor, das da lautet: Die ISIS lässt sich nicht vertreiben und marschiert auf Bagdad zu. Bekanntlich unterhält Washington in der irakischen Hauptstadt die weltweit größte Botschaft mit rund 5000 Mitarbeitern. Kollabiert also die irakische Armee, muss Amerika in der Lage sein, binnen Tagen seine Diplomaten samt Familien zu evakuieren. Mindestens acht US-Kriegsschiffe, die im persischen Golf patrouillieren, sollen das logistisch stemmen können.

Doch so weit ist es noch nicht.

Source Article from http://www.dw.de/kommentar-amerikas-interessen-im-irak/a-17745678?maca=de-rss-de-all-1119-rdf