Месечни архиви: October 2014

Irakische Peschmerga rücken in Kobane ein

Die zur Verstärkung der syrischen Kurden entsandten Peschmerga-Kämpfer sind in Kobane eingetroffen. Ihr Konvoi habe die umkämpfte nordsyrische Stadt am Freitagabend erreicht, teilte die in London ansässige Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Die etwa 150 Peschmerga-Soldaten aus dem Nordirak sollen die Kurden in Kobane im Kampf gegen die Dschihadisten-Miliz “Islamischer Staat” (IS) unterstützen.

Jubel begleitet die Kämpfer

Die kurdischen Kämpfer aus dem Nordirak, die seit mehreren Tagen auf ihre Einreise nach Syrien warteten, hatten gegen 21.30 Uhr (Ortszeit, 19.30 MEZ) in mehreren Bussen und Militärfahrzeugen die türkische Stadt Suruc in Richtung Grenze verlassen. Der Konvoi wurde von türkischen Soldaten eskortiert. Am Straßenrand jubelten hunderte Kurden den Kämpfern zu. Die US-Luftwaffe und ihre Verbündeten flogen laut den Menschenrechtlern während der Verlegung drei Angriffe auf Stellungen der Terrormiliz in Kobane. Ausgerüstet sind die Peschmerga mit schweren Waffen, darunter Artillerie. Der IS versucht seit Wochen, Kobane einzunehmen und hat die Stadt von drei Seiten eingeschlossen. Nur der Weg nach Norden Richtung Türkei ist noch offen.

Die Türkei hatte sich erst nach langem Zögern und intensivem Druck der USA bereiterklärt, zumindest die irakischen Kurden-Kämpfer über ihre Grenze in die syrischen Kurdenstadt reisen zu lassen. Dagegen verweigert Ankara weiter jede Unterstützung für die in der Türkei verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK und deren syrische Schwesterorganisation PYD.

15.000 IS-Unterstützer aus mehr als 80 Ländern

Die Vereinten Nationen hatten zuvor eine Analyse veröffentlicht, nach der sich seit 2010 extremistische Freiwillige in bislang “nicht gekannter Größenordnung” dem IS und anderen Dschihadisten angeschlossen haben. 15.000 Männer und Frauen aus mehr als 80 Ländern seien nach Syrien und in den Irak gezogen, um für die Islamisten zu kämpfen, zitieren der britische “Guardian” und die Agentur AP aus dem UN-Papier. Die Zeitung “Washington Post” berichtet unter Berufung auf den amerikanischen Geheimdienst von ähnlich erschreckenden Rekrutierungen der IS. Demnach werden monatlich bis zu 1000 ausländische Extremisten eingeschleust.

In dem Bericht der UN-Experten ist zudem von einer Kooperation von Kämpfern aus Frankreich, Russland und Großbritannien die Rede. Der britische Polizeichef Bernard Hogan-Howe hatte jüngst erklärt, jede Woche machten sich im Schnitt fünf Briten auf den Weg zum IS nach Syrien oder in den Irak. Die Vereinten Nationen befürchten, dass immer mehr Staaten Probleme mit Kämpfern bekommen könnten, die von der Front im Nahen Osten in ihre Heimat zurückkehren.

sti/kle (afp, dpa)

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Zentralrat der Juden vor Führungswechsel

Damit bahnt sich ein Führungswechsel bei der Dachorganisation der 108 jüdischen Gemeinden mit ihren rund 101.000 Mitgliedern an: Graumann kündigt an, bei der turnusmäßigen Präsidiumswahl am 30. November nicht erneut zu kandidieren. Die Belastung durch das Ehrenamt sei zu groß, so Graumann. Nach vier Jahren im Amt wolle er wieder Zeit für Familie und Privatleben haben. Seine Aufgabe sei ihm aber eine “absolute Herzenssache” gewesen. Um die Nachfolge will sich nun Vizepräsident Josef Schuster bewerben, der Graumanns Entscheidung im Namen des Zentralrats bedauerte: Graumann habe “ganz Außerordentliches” geleistet und stets “den Zusammenhalt der pluralen, jüdischen Gemeinschaft im Sinn und im Herzen” gehabt. Josef Schuster ist Präsident des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern und Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde Würzburg und Unterfranken.

Jude der zweiten Generation


Merkel beim Zentralrat der Juden. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Dieter Graumann mit Bundeskanzlerin Angela Merkel

Graumann stand seit November 2010 an der Spitze des Zentralrates der Juden. Er war auf Charlotte Knobloch in das Amt gefolgt. In seiner Amtszeit handelte Graumann einen neuen Staatsvertrag mit der Bundesregierung aus und erreichte eine Verdoppelung der finanziellen Hilfen. Der 1950 in Ramat Gan in Israel geborene Graumann gehört zur ersten Generation von Juden, die den Holocaust nicht mehr selbst erlebt hat. Graumanns Vater, der sechs Konzentrationslager überlebte, und seine Mutter lernten sich in einem Flüchtlingslager kennen. 1950 wanderten sie nach Israel aus und kehrten 1952 nach Deutschland zurück.

sd/az (dpa/afp/epd/kna)

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Virgins privates Raumflugzeug abgestürzt

Zunächst war nur von Problemen bei einem Testflug die Rede, kurz darauf kam dann die schlechte Nachricht. “SpaceShipTwo” (im Artikelbild bei einer Vorstellung mit Konzernchef Richard Branson) sei bei einem Testflug über dem Mojave-Wüstengebiet abgestürzt, teilte die Betreiberfirma Virgin Galactic mit. Ob sich die beiden Piloten vor dem Unglück mit Schleudersitz und Fallschirm haben retten wollen, ist unklar. Auch über die Ursache des Unglücks gibt es noch keine Informationen. CNN berichtet unter Berufung auf die Polizei, bei dem Absturz sei ein Mensch getötet und ein anderer verletzt worden.

Ticket für 250.000 Dollar

Das Fliegen ist die Passion von Firmengründer Richard Branson. Dem britischen Milliardär, der sein Vermögen mit dem Plattenlabel Virgin gemacht hat, gehört bereits die gleichnamige Fluggesellschaft. Ob sich sein Angebot privater Flüge in den Weltall nach dem Unglück so schnell realisieren lässt, ist fraglich. Nach Presseberichten haben bereits mehrere hundert Menschen Tickets gekauft. Es lockten Flüge in 100 Kilometer Höhe und mehrere Minuten Schwerelosigkeit. Die Tickets sollen 250.000 Dollar kosten. Geflogen ist allerdings noch keiner.

ml/jj (dpa afp rtr)

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Positive A-Probe bei Marathonläuferin

Eine der besten Marathonläuferinnen der Welt steht unter Dopingverdacht. Die Kenianerin Rita Jeptoo wurde bei einer Trainingskontrolle vor ihrem Sieg in Chicago positiv auf eine verbotene Substanz getestet, bestätigte ihr Agent Federico Rosa. Die A-Probe habe ein positives Ergebnis ergeben, das Resultat der B-Probe stehe noch nicht fest. Auf welche Substanz Jeptoo in Kenia positiv getestet wurde, wollte Rosa nicht kommentieren. Zuvor hatten die World Marathon Majors, ein Zusammenschluss von Veranstaltern, mitgeteilt, man sei “enttäuscht”, dass Jeptoo “offensichtlich einen positiven A-Test hatte”. Der Leichtathletik-Weltverband wollte die Angelegenheit vorerst wie üblich nicht bestätigen oder dementieren. Die IAAF veröffentlicht Doping-Fälle stets erst nach Analyse der B-Probe.


Rita Jeptoo überquert beim Chicago-Marathon 2014 die Ziellinie (Foto: EPA/DAVID BANKS)

Im Ziel: Rita Jeptoo beim Chicago-Marathon 2014

Jeptoo hatte am 12. Oktober den Chicago-Marathon in 2:24:35 Stunden gewonnen. Bereits im April war sie in Boston erfolgreich und besonders schnell gewesen: In 2:18:57 Stunden lief sie einen Streckenrekord und die schnellste Zeit des Jahres. Durch je zwei Siege in Boston und Chicago hatte die 33-Jährige auch souverän die World-Marathon-Majors-Serie 2013/2014 gewonnen – verbunden mit einem Preisgeld von einer halben Million Dollar. Nie zuvor hatte eine Läuferin die Serie mit der Maximalpunktzahl von 100 Zählern aus vier Rennen für sich entschieden. Sollte sich der Verdacht bewahrheiten und Jeptoo wegen Dopings gesperrt werden, würde die Äthiopierin Mare Dibaba nachträglich zur Chicago-Siegerin aufsteigen. Sie war als Zweite in 2:25:37 Stunden ins Ziel gekommen.

Russin Schobuchowa überführt

Rätselhaft ist, warum Jeptoo rund zwei Wochen nach dem Doping-Test überhaupt noch in Chicago starten konnte. Unabhängig davon ist dies für die World Marathon Majors (WMM) bereits der zweite zurzeit rechtlich noch ungeklärte Fall einer Siegerin. In diesem Frühjahr war bekanntgeworden, dass die Russin Lilija Schobuchowa, die die WMM-Serien 2009/2010 und 2010/2011 für sich entschieden und dreimal den Chicago-Marathon gewonnen hatte, des Dopings überführt worden war. Gegen ihre Disqualifikation hat die Russin allerdings rechtliche Schritte eingelegt.

Die World Marathon Majors haben sich von Beginn an stark im Kampf gegen Doping engagiert. Alle Eliteathleten, die bei einem WMM-Rennen starten, müssen sich auch einem Bluttest stellen. “Positiv getestete Athleten können keine WMM-Serie gewinnen und dürfen zukünftig nicht mehr bei einem WMM-Rennen starten”, teilte die WMM mit.

ck/kd (dpa)

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Neue EU-Kommission: Anfang ohne Trara

Am Ende floss eine Träne der Rührung. Als der der neue EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker das fotografische Porträt des scheidenden Präsidenten José Barroso unter dem Beifall vieler Mitarbeiter enthüllte, konnte der sonst eher robuste Portugiese Barroso seine Rührung nicht verbergen. Der Luxemburger Juncker, seit Jahrzehnten auf der europäischen Politik-Bühne unterwegs, und Barroso sind gute Freunde. Deshalb fiel Junckers Zeugnis bei der schlichten Zeremonie für Barroso entsprechend wohlwollend aus. “Er war immer sehr aufmerksam und sehr respektvoll gegenüber den entscheidenden Dingen. Er hat Ziele ambitioniert verfolgt, die über unsere Lebenszeit hinaus gehen, weil es eben wichtigere Dinge gibt als unsere eigenen Biografien”, sagte Juncker. Barroso hat in seinen zehn Jahren als Chef der Brüsseler EU-Behörde über den Beitritt von 13 neuen Mitgliedsstaaten und die Bewältigung der Euro-Krise gewacht. Trotzdem werfen viele Kritiker ihm vor, viele Dinge zu zögerlich angegangen zu haben. Gerüchte, er wolle UN-Generalsekretär werden, dementierte José Barroso nicht. Jetzt will er aber erst einmal ausspannen. Er strebe im Moment kein Amt an, sagte der 58-Jährige. “Nach dreißig Jahren in der nationalen und internationalen Politik, davon zehn Jahres als Kommissionspräsident, habe ich wenigstens eine Pause verdient.”


Juncker im Europaparlament 22.10.2014 (Foto: Reuters)

Durch und durch Europäer: Jean-Claude Juncker

Junckers Rezept: Arbeitsplätze durch Investitionen

Jean-Claude Juncker, der bald seinen 60. Geburtstag feiert, startet nach dem überraschenden Abgang als Regierungschef von Luxemburg im vergangenen Jahr jetzt als EU-Kommissionschef noch einmal durch. Er will mehr Distanz zu den Staats- und Regierungschefs wahren und die Kommission als Hüterin der EU-Verträge und als Impulsgeberin für politische Entscheidungen in der Union stärken, deutete Juncker in verschiedenen Interviews vor seiner Wahl an. Genauso wie sein großes Vorbild Jacques Delors. Der Franzose Delors hatte die EU Ende der Achtziger Jahres des letzten Jahrhunderts aus einer politischen Lähmung befreit und die Grundlagen für den Binnenmarkt und die Gemeinschaftswährung Euro gelegt. “Wir brauchen jetzt eine Reform-Kommission”, hatte der Chef der größten Fraktion im Europäischen Parlament, der Konserva tive Manfred Weber, dem neuen Präsidenten Juncker mit auf den Weg gegeben.

Juncker will reformieren und sein oberstes Ziel ist dabei die Schaffung von Arbeitsplätzen in der europäischen Wirtschaftskrise. Dazu will er noch vor Weihnachten ein Investitionsprogramm in Höhe von 300 Milliarden Euro vorlegen. Die Investitionen dürfen aber nicht durch neue Schulden finanziert werden, sagte Juncker im EU-Parlament bei seiner Wahl vor zehn Tagen an die Adresse Frankreichs und Italiens. Andererseits müssten die Fiskalregeln “flexibler” ausgelegt werden, ohne sie zu ändern. Reine Sparpolitik helfe auch nicht weiter. “Volkswirtschaften, in denen nicht investiert wird, können nicht wachsen. Volkswirtschaften, die nicht wachsen, können keine Beschäftigung sicherstellen. Dieses Investitionsprogramm liegt mir sehr am Herzen und ich möchte hier in aller Deutlichkeit sagen, dass die Versuche, mich von diesem Vorhaben abzubringen, nicht fruchten werden. Ich werde dies tun”, kündigte Juncker an.

Die Staats- und Regierungschefs der EU haben bei ihrem Gipfeltreffen vergangene Woche Junckers Paket gutgeheißen, ohne genau zu wissen, wie die gewaltige Investitionssumme finanziert werden soll. Junckers Idee, Geld aus dem Euro-Rettungsfonds ESM zu entnehmen, lehnt die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel strikt ab.

Erster Vizepräsident soll Gesetzesflut bremsen

Jean-Claude Juncker und sein engster Mitarbeiter Martin Selmayr, ein deutscher EU-Beamter, haben sich eine neue Struktur für die EU-Kommission ausgedacht, um die Behörde ihrer Meinung nach effizienter zu machen. Sieben Vize-Präsidenten sollen die 20 übrigen Kommissare mit ihren Ressorts in ständig wechselnden Arbeitsgruppen koordinieren. Der “Erste Vizepräsident”, der ehemalige niederländische Außenminister Frans Timmermans, soll eine Art Veto gegen Gesetzesvorschläge einlegen können, die nicht auf der EU-Ebene, sondern in den Nationalstaaten besser geregelt werden könnten. “Ich habe entschieden, Frans Timmermans als Vizepräsident mit der Wahrung des Subsidiaritätsprinzips zu beauftragen. Es geht um bessere Gesetzgebung. Das haben wir alle den europäischen Bürgern versprochen”, sagt Juncker über die neue Arbeitsweise.

Die neue EU-Kommission, die im Parlament von einer breiten Mehrheit aus Konservativen, Sozialdemokraten und Liberalen getragen wird, soll sich mehr um soziale Belange kümmern, so Juncker. Wegen der Schuldenkrise hätten nur noch zwei Staaten, nämlich Deutschland und Luxemburg, die höchste Bewertung durch die Ratingagenturen, das dreifache A. Natürlich sei es gut, wenn mehr Länder wieder auf ein AAA-Urteil der Finanzmärkte kommen würden, aber noch wichtiger sei, dass die sozialen Standards in ganz Europa ein AAA in den Augen der Bürger erreichten. Arbeit zu guten Bedingungen und zu guten Löhnen sei sein Ziel.


EU-Kommission unter Jean-Claude Juncker (Foto: Flickr)

Berlaymont-Gebäude in Brüssel: Arbeitsplatz der Kommissare

Freihandel mit den USA ohne Schiedsgerichte

Die neue EU-Kommission wird weiter das Freihandels- und Investitionsabkommen (TTIP) mit den USA aushandeln. Juncker bekennt sich ausdrücklich zu diesem Abkommen, aber er lehnt, anders als sein Vorgänger José Barroso, privatrechtlich organisierte Schiedsgerichte zum Schutz von Investoren in ihrer heutigen Form ab. “Ich werden nicht akzeptieren, dass die Rechtsprechung von Gerichten in der EU durch irgendwelche Schiedsgerichte für Investorenschutz eingeschränkt wird. Die Herrschaft des Rechts und die Gleichheit vor dem Gesetz muss auch in diesem Bereich gelten.” Juncker sagte, bei diesem Punkt müsse bei den TTIP-Verhandlungen nachgebessert werden. Das hatten viele TTIP-Kritiker und auch der sozialdemokratische Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel gefordert.

Juncker bleibt ein Mann, vorerst

Jean-Claude Juncker, den selbst die linke Opposition als “schlauen Fuchs” bezeichnet, lieferte im Parlament einen Beweis für seinen Witz und seine Schlagfertigkeit. Als er sich beklagte, dass die Mitgliedsstaaten zu wenige Frauen, nur neun von 28 Kandidaten, in die EU-Kommission entsandt hätten, rief ein Abgeordneter: “Der Kommissar aus Luxemburg, also Juncker selbst, ist ja auch ein Mann!” Juncker antwortete unter dem Gelächter des Saals: “Auf kurze Sicht werde ich nicht in der Lage sein, mein Geschlecht zu ändern. Auf lange Sicht vielleicht, aber nicht kurzfristig.”

Eine formale Amtseinführung für die neuen EU-Kommissare gibt es in Brüssel nicht. Büros werden in aller Stille eingeräumt, so eine Sprecherin. Der notwendige Amtseid vor dem Europäischen Gerichtshof werde schriftlich abgelegt. “Und dann fängt man einfach an zu arbeiten.”

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Ebola gefährdet Afrikas Tourismusindustrie

Der Strand so weiß, das Meer so blau, die wilden Tiere zum Anfassen nah – so sehr sich die Afrika-Reiseanbieter mit ihren Werbesprüchen auch mühen: Viele Touristen bleiben aus. Sie haben Angst vor Afrika. Nicht etwa in den von
Ebola heimgesuchten westafrikanischen Ländern Guinea, Sierra Leone oder Liberia. Sondern über 8000 Kilometer entfernt: in Tansania. “Wir spüren einen Rückgang der Anfragen und Buchungen von 30 bis 40 Prozent, das betrifft auch Stornierungen. Weil die Leute sich vor Ebola fürchten”, sagt Lathifa Sykes, Geschäftsführerin des Verbandes


Lathifa Sykes, Geschäftsführerin von Hotels Association of Tanzania
Foto: Sameerkermalli Photography

Lathifa Sykes: “Tansania ist sicher, Touristen sollen kommen!”

“Hotels Association of Tanzania”. Sykes managt über 199 Ferienunterkünfte, darunter große Markenhotels, aber auch kleine Apartments. Gerade ist sie vor allem verzweifelt: “Die meisten unserer Kunden kommen aus den USA, Europa und Asien. Und bei ihnen herrscht noch immer der Irrglaube, Afrika sei ein Land. Dabei ist es ein Kontinent mit 54 Staaten! Doch wenn diese Leute an Safari denken, haben sie immer nur Afrika im Kopf und nicht
Kenia, Tansania, Südafrika oder Burundi.” Das sind die Top-Reiseziele für Touristen auf dem Kontinent.

Tourismus ist Tansanias
Haupteinnahmequelle für ausländische Devisen. 1,88 Milliarden US-Dollar hat die Branche vergangenes Jahr eingespielt. Der Kilimanjaro oder der indische Ozean lockten 2013 den Millionsten Besucher ins Land. “Tourismus ist so wichtig für unser Land, dass uns die Angst vor der Ebola-Epidemie selbst große Angst macht”, sagt Sykes.

Die Ebola-Krise wirkt sich auf weit mehr Länder aus, als nur die drei unmittelbar von der Epidemie betroffenen, bestätigt auch Rima Al-Tinawi, Afrika-Referatsleiterin des Deutschen Industrie-und Handelskammertages: “Die Sorge ist sehr groß und damit scheint man dem afrikanischen Kontinent insgesamt fernzubleiben. Wir wissen von Absagen von Ferien- als auch Geschäftsreisen nach Kenia oder Namibia.”


Flachland-Zebras in Südafrika (Foto: C. Stäcker/DW)

Flachland-Zebras in Südafrika

Ebola: keine Bedrohung für Südafrika

“Nein, in Südafrika besteht keine Ebola-Gefahr!”, schreibt die südafrikanische staatliche Reiseagentur South African Tourism in großen Lettern auf ihrer Internetseite. “Das Land sei sicher und noch immer das Ziel für Touristen”, so der Kommunikationsminister Faith Muthambi. Und tatsächlich: Einbußen kann das Unternehmen bisher nicht verzeichnen, so Silvia Braun von South Africa Tourism Deutschland: “Die Buchungen sind nicht zurückgegangen, aber sie laufen langsamer an als im vergangenen Jahr.” 2013 sei aber auch ein überdurchschnittlich gutes Jahr gewesen, so Silvia Braun.

Um sich selbst zu schützen, haben einige afrikanische Staaten Einreisestops für Passagiere aus Liberia, Sierra Leone oder Guinea verhängt. Ruanda erlaubt die Einreise aus diesen Ländern nur nach einer 21-tägigen Karenzzeit. Kenia stoppte im August alle Flüge aus den betroffenen Ländern. Denn der Flughafen in der Hauptstadt Nairobi ist ein Drehkreuz für viele innerafrikanische Flüge.


Baobab-Bäume auf Madagaskar
Foto: DW/ Claus Stäcker

Beliebt bei Afrika-Touristen: Baobab-Bäume auf Madagaskar

Hotels, fliegende Händler, Tourguides

An der Westküste des Kontinents bekommt der Senegal, beliebtes Urlaubsziel bei Franzosen, das Ausbleiben der Touristen zu spüren. “Wir haben 30 Zimmer. Schon bei zehn oder 15 Kunden sagen wir, dass es schlecht läuft. Aber jetzt bleiben wir manchmal den ganzen Tag ohne einen einzigen Kunden. Oft brauchen wir nur für drei oder vier Personen zu decken”, klagt Aliou Ndiaye, Hotelmanager in Dakar. Auch von den fliegenden Händlern vor seinem Hotel hört er immer wieder: “Die Touristen sind unsere Lebensgrundlage, aber die Geschäfte laufen nicht”.

In die Offensive

In ihrem Kölner Reisebüro “Unpauschal” bemüht sich Katharina Galle ihre Kunden zu beruhigen. Tansania, Südafrika oder Namibia sind absolute Spitzenreiter unter deutschen Touristen – bisher. “Die Gäste sind jetzt etwas sensibler was den afrikanischen Kontinent als Ganzes betrifft. Sie stellen viele Fragen”, sagt Galle. “Wenn man sich aber auf der Landkarte die Entfernungen anschaut – dann sind wir in Europa im Grunde genommen genauso nah dran oder weit weg wie Südafrika, Namibia oder Tansania.”

Tansania versucht ab November mit einer von Gesundheitsministerium und Tourismusverbänden entwickelten Internetseite die Touristen aufzuklären, sagt Lathifa Sykes vom Hotelverband. “Wir müssen den Reisenden klar machen, dass wir Ebola nicht auf die leichte Schulter nehmen. Wir ignorieren nicht die Angst der Leute. Wir arbeiten hart daran, Ebola aus unserem Land herauszuhalten. Unser Land ist sicher für Touristen”, bekräftigt Sykes. Denn: “Touristen, die aufgeklärt sind, kommen auch weiterhin nach Tansania.”

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Ägyptens Universitäten – letzte Bastion der Opposition?

Seit dem Sturz des früheren Präsidenten Mohamed Mursi im Juli 2013 haben Regierung und Militär in Ägypten die Zügel stark angezogen: Mursis Muslimbrüder werden als “Terroristen” verfolgt und mit drakonischen Strafen belegt, die linke säkuläre Jugendbewegung “6. April” wurde ebenfalls verboten, die staatliche Kontrolle über Menschenrechtsaktivisten und Journalisten massiv verschärft.

An den Universitäten regen sich jedoch immer wieder politische Proteste, die das Regime bisher trotz verstärkter Sicherheitsmaßnahmen nicht unter Kontrolle bekommt. Sie entfalten auch jenseits des Campus Wirkung. So beispielsweise am Dienstag (28.11.), als dutzende Studenten der renommierten islamischen Al-Azhar-Universität in Kairo mehrere Straßen und Autobahnauffahrten blockierten sowie Feuerwerkraketen abschossen, bevor die Polizei den Protesten mit Tränengas ein Ende setzte. Knapp eine Woche zuvor war es an der Universität Kairo sogar zu einem Bombenanschlag gekommen, elf Menschen wurden dabei verletzt. In Alexandria soll unterdessen ein Student an den Folgen einer Schussverletzung durch Sicherheitskräfte gestorben sein.

“Als ob wir Terroristen wären”


 Kairo-Universität in Ägypten (Foto: Wafaa Albadry)

Trügerische Ruhe an der Universität Kairo

Dabei sind die Universitäten in den vergangenen Wochen und Monaten stark gegen jede Form des politischen Protests und auch gegen gewalttätige Aktionen “aufgerüstet” worden. Stahltüren, Metalldetektoren und Überwachungskameras prägen vielerorts das Bild. Wachhunde laufen auf dem Campus herum. Und die Studenten müssen umfangreiche Kontrollen und Untersuchungen über sich ergehen lassen, bevor sie zum Studieren in die Hörsäle gelassen werden. “Wenn ich in die Uni komme, habe ich inzwischen das Gefühl, ich würde einen Kriegsschauplatz betreten”, klagt ein Student der Philosophischen Fakultät an der Uni Kairo gegenüber dem arabischen Programm der DW. “Das sind sehr penible Durchsuchungen. Man blickt auf uns, als ob wir potentielle Terroristen wären!” Aus Angst vor politischer Verfolgung möchte er anonym bleiben.

Die Behörden versuchen, die Proteste an den Universitäten durch ein massives Aufgebot an staatlichen Sicherheitskräften und privaten Wachfirmen in den Griff zu bekommen. Sie wollen künftig sogar noch härter gegen die Proteste an Ägyptens Universitäten mit ihren landsweit etwa 1,5 Millionen Studenten vorgehen – auch gesetzlich: Hochschulminister Abdul Chalik erklärte zu einem neuen Gesetz, das die Strafverfolgung von Zivilisten durch Militärgerichte erleichtert, dieses diene ausdrücklich auch dem “Schutz für die Universitäten”.

Neben Studenten gibt es durchaus auch höhere Universitätsangestellte, denen die politische Kontrolle missfällt: Leila Suweif, Professorin an der Universität Kairo, spricht von einem “Angriff auf die Unabhängigkeit der Universitäten” und von einem “Kontrollwahn, wie wir ihn zuvor noch nicht erlebt haben”. Laut ihrer Darstellung überwacht der Staat inzwischen selbst die Wahl von Fakultäts-Dekanen. Zudem klagt Suweif, sie kenne inzwischen mehr als 90 Fälle, in denen Studenten ohne ordentliches Disziplinar-Verfahren der Universität verwiesen wurden. Ähnliche Fälle, sagt Suweif, seien auch aus Alexandria bekannt – dort sollen sieben Studenten wegen ihrer Teilnahme an Demonstrationen von der Universität ausgeschlossen worden seien.

Hazem Husni, Politologie-Professor an der Universität Kairo, kann den Protesten etwas Positives abgewinnen: “An den Universität sind junge Leute eben konzentriert anzutreffen. Folglich ist dort die Stimme der jungen Opposition deutlicher als anderswo zu vernehmen.” Er fügt hinzu: “Ich glaube aber, dass sich derzeit generell eine neue Opposition formiert, auch wenn diese sich vielleicht noch nicht vollständig herauskristallisiert hat. Diese Opposition wird zumeist außerhalb der traditionellen Parteien auftreten. Und sie wird sich aus gebildeten und avantgardistischen jungen Leuten zusammensetzen, die verstehen, was um sie herum passiert.”

“Unis werden Schauplatz eines Kampfes”


Aiman Abdel Wahhab(Foto: Mostafa Hashem)

Kritisiert die Aktivitäten der Muslimbruderschaft an den Universitäten: Politikwissenschaftler Aiman Abdel Wahhab

Anders sieht dies sein Kollege Aiman Abdel Wahhab, ebenfalls Professor an der Fakultät für Wirtschaft und Politologie der Universität Kairo. Die Universitäten seien zur “zur letzten Bastion für die oppositionellen Gruppen geworden”, sagt er – und meint dies negativ: “Was da geschieht, ist eine Ausnutzung bestimmter gesellschaftlicher Schichten, von jungen Leute oftmals ländlicher Herkunft. Das ist eine gezielte Anlockung von Studenten durch die Muslimbruderschaft und durch andere politische Gruppierungen!” Abdel Wahhab lehnt ein solches Engagement ab: “Die Unis werden dadurch zum Schauplatz eines politischen Kampfes, bei dem auch noch bestimmte Richtungen vorherrschen! Dadurch verliert die Universität ihre ursprüngliche Rolle.”

Die meisten Studenten, die an Ägyptens Universitäten demonstrieren, gehören Organisationen aus dem ideologischen Umfeld der Muslimbruderschaft an. Aber auch andere, linke und liberale Studentengruppen beteiligen sich an Protestaktionen. Mitunter kommt es auch zu ideologischen Grabenkämpfen. So beklagt Emad Abdel Hamid, ein studentischer Vertreter der links-säkularen “Bewegung 6. April“, die Mursi-Anhänger seien nur an einer Wiedereinsetzung des Muslimbruder-Regimes interessiert. “Die betreiben die Konfrontation mit den Sicherheitskräften für ihre eigenen Zwecke”, kritisiert er. Mahmud Al Azhari, Sprecher der Bewegung “Studenten gegen den Umsturz‘, weist diese Kritik zurück: “Wir haben den anderen Studenten-Bewegungen immer wieder die Hand gereicht und wollen uns unter einem Banner vereinigen.” Seine Vision umschreibt er mit den Worten, die Studenten sollten “das ägyptische Volk führen, um sich von der Militär-Herrschaft zu befreien”.

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Luther 2017 und das Cranach-Jahr

In Rahmen der Luther-Dekade wird die Schlagzahl besonderer Ereignisse erhöht. Seit 2008 gibt es diese Veranstaltungsreihe der Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) – sie ist auf das Jubiläum des 500. Jahrestags des Thesenanschlags von Martin Luther ausgerichtet. Dabei steht jedes Jahr unter einem anderen Aspekt, der ein reformatorisches Anliegen beleuchtet und für die heutige Zeit entfaltet.

Seit dem 31. Oktober 2014 heißt das Jahresthema “Bild und Bibel”: Mit einem Festgottesdienst und einem Festakt in der Hamburger Christianskirche wurde das neue Themenjahr der Lutherdekade eröffnet. Bilder seien heute wie damals mächtig, sagte die Lutherbotschafterin der EKD und ehemalige Bischöfin Margot Käßmann vor zahlreichen prominenten Gästen aus Kirche, Politik und Gesellschaft. Mit Blick auf den Missbrauch von Bildern warnte sie davor, ihnen zu viel Macht zu geben und sich von ihrer Suggestivkraft hinreißen zu lassen: “Die Bilder selbst dürfen nie zu Gott und damit zu Götzen werden.”


Ex-Bischöfin Margot Käßmann

Ex-Bischöfin Margot Käßmann

Im Rahmen der Festveranstaltung wurde die ehemalige Bundesfamilienministerin Renate Schmidt (SPD) mit der Martin-Luther-Medaille geehrt. Der Ratsvorsitzende der EKD, Nikolaus Schneider, betonte in seiner Eröffnungsrede, Schmidt lebe und gestalte in ihrem öffentlichen Wirken “die Mündigkeit eines Christenmenschen mit einer überzeugenden und wegweisenden Lebenshaltung”. Die Medaille wird seit 2008 an evangelische Christen vergeben – für besondere Verdienste um den deutschen Protestantismus.


Maler der Reformation

Eingebettet in das neue Themenjahr “Bild und Bibel” ist das Cranach-Jahr 2015. Anknüpfungspunkt: Der 500. Geburtstag von Lucas Cranach dem Jüngeren (1515-1586). Der Sohn des Hofmalers Lucas Cranach des Älteren (um 1472-1553) übernahm 1550 dessen Wittenberger Werkstatt. Damit setzte er fort, was der Vater in den Jahrzehnten zuvor aufgebaut hatte: Ein erfolgreiches Unternehmen im Dienst der neuen Kirche. Ihre Porträts der Reformatoren geben den Umbrüchen damals wie heute ein Gesicht. Die von Ihnen gestalteten Altäre feiern den neuen Glauben.

Als Höhepunkt der Reformationsaltäre aus der Cranach-Werkstatt gilt der Flügelaltar in der Weimarer Stadtkirche St. Peter und Paul (Herderkirche) von 1555. Der jüngere Cranach vollendete ihn zwei Jahre nach dem Tod des Vaters. Das Hauptmotiv unter dem Kreuz zeigt Lucas Cranach den Älteren mit Luther. Der frisch restaurierte Altar in der Weimarer Stadtkirche ist erstmals seit der Beschädigung im Zweiten Weltkrieg wieder in seiner Gesamtheit zu sehen. Deshalb stand er am Reformationstag im Mittelpunkt eines bundesweit ausgestrahlten ARD-Fernsehgottesdienstes mit Ilse Junkermann, Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.


“Bild und Bibel” als Internet-Projekt

Ebenfalls am Reformationstag startete die Deutsche Bibelgesellschaft ein Internet-Projekt zum Jahresthema “Bild und Bibel”. Innerhalb eines Jahres werden 365 Bilder der europäischen Kunstgeschichte gezeigt, die allesamt in Verbindung mit einem Bibeltext stehen. Die täglich wechselnden Bilder können auch von Gemeinden, regionalen Bibelgesellschaften sowie kirchlichen und kulturellen Einrichtungen in deren Internetauftritte eingebunden werden.

Unter den präsentierten Werken befinden sich Cranach-Gemälde sowie Bilder von Meistern wie Bertram, Pieter Bruegel, Rembrandt uoder Max Liebermann. Auf der Internetseite kann der zum jeweiligen Bild gehörende Bibeltext in der Übersetzung Martin Luthers gelesen oder auch gehört werden. Ein kurzer Text führt in das Kunstwerk ein. Für Smartphones gibt es eine eigene Darstellung der Inhalte.

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