Месечни архиви: November 2014

Kommentar: Die Bayern!

Die
Zahlen lesen sich wie die eines mittelständischen Wirtschaftsunternehmens: Umsatz: 528.7 Millionen Euro, Gewinn nach Steuern: 16,5 Millionen. Eigenkapital: 405,0 Millionen, Personalkosten: 215,0 Millionen. Dass es sich um einen Sportverein handelt, lässt sich an dieser Kennzahl sehen: Der FC Bayern München e.V. hat inzwischen 251.315 Mitglieder und ist damit jetzt sogar der größte der Welt, hat Benfica Lissabon an der Spitze abgelöst.

Weitere Belege für die Übermacht der Bayern gefällig? Das Stadion 16 Jahre früher als geplant abbezahlt. Acht Titel in den letzten zwei Jahren: zweimal Meister, zweimal Pokalsieger, Champions League-Sieger, Club-Weltmeister, Europäischer Supercup, deutscher Supercup. Keine Frage, der FC Bayern ist inzwischen in jeder Hinsicht ein Global Player, etabliert im Kreise der Großen wie Real Madrid, FC Barcelona oder Manchester United. Und in der Heimat ohnehin ohne Konkurrenz.

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DW-Redakteur Tobias Oelmaier

“Ignorieren” wollen die Bayern den Neid der Konkurrenz, hat Vostand Karl-Heinz Rummenigge bei der Mitgliederversammlung am vergangenen Freitag zum Besten gegeben. Was stört es die Eiche, wenn sich die Sau an ihr reibt… Der Umsatz 2013/2014 lag höher als der der nächststärksten Klubs, Borussia Dortmund und Schalke 04 zusammen. Und dazu haben die Münchener mehr Trikots verkauft, als alle 17 anderen Bundesliga-Vereine in Addition, hat Rummenigge voller Stolz verkündet.

So sehr allerdings diese Zahlen für die vorzügliche Arbeit der Verantwortlichen und der Spieler des FC Bayern München sprechen, so alarmierend sind sie für die Bundesliga. Hier droht auf Jahrzehnte Langeweile. Die Meisterschaft könnte auch diesmal schon wieder im frühen Frühjahr entschieden sein. Langfristig kann das sogar bedeuten, dass die Ware Fußball an Attraktivität verliert, der Zuschauerboom endet.

Nun kann es aber nicht Aufgabe der Bayern sein dafür zu sorgen, dass sie national wieder Mitstreiter auf Augenhöhe haben. Auch die DFL oder der DFB sollten die Erfolgreichen nicht bestrafen, indem zum Beispiel Lizenzerlöse auf der TV-Vermarktung noch weiter umverteilt werden. Leistung muss weiter belohnt werden. Schließlich will man international ja weiter um Titel mitspielen. Auch das muss im nationalen Interesse liegen.

Der Appell geht ganz klar an die anderen Vereine. Schluss mit dem ewigen Lamento, die Bayern schwächten die Konkurrenz! Werdet selbst aktiv! Seid kreativ! Dortmund hat das schon erkannt, ist, auch wenn es sportlich momentan nicht läuft, auf einem guten Weg. Die anderen Traditionsklubs müssen dringend nachziehen. Oder besser: neue Wege gehen. Sonst drohen genau zwei Szenarien: Der ewige Alleingang der Bayern – oder von Großsponsoren und ausländischen Mäzenen als Marketinginstrument oder Machtspielzeug missbrauchte Retortenvereine. Beides keine schöne Aussicht!

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Wechsel beim Zentralrat: Schuster will kein Mahner sein

Josef Schuster ist Arzt aus Leidenschaft. Neben der Arbeit in seiner Praxis engagiert sich der Würzburger Internist auch ehrenamtlich im Rettungsdienst und bei der Wasserwacht. Dort wurde ihm zu Ehren kürzlich sogar ein Rettungsboot auf den Namen “Josef” getauft. Nun wartet eine neue Herausforderung auf Schuster. Am Sonntag wurde er in Frankfurt zum neuen Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland gewählt.

Gar nicht mag er es, wenn vom Verhältnis der Juden zu den Deutschen die Rede ist. “Das führt bei mir immer zu einem leichten Blutdruckanstieg”, so der Mediziner. Eine solche Formulierung würde im Umkehrschluss bedeuten, dass Juden keine Deutsche sind.

Moderieren und integrieren

Als eine der größten Herausforderungen betrachtet Schuster die unterschiedlichen Strömungen innerhalb der jüdischen Gemeinschaften in Deutschland. So gibt es in einigen Städten eine Aufspaltung der Gemeinden in einen orthodoxen und einen liberalen Flügel. Schuster unterstützt die Vielfalt, würde es aber begrüßen, wenn diese Strömungen unter einem Dach koexistieren. Frankfurt sei dafür ein positives Beispiel. In der Westend-Synagoge würden ein traditioneller Gottesdienst und eine Etage tiefer ein liberaler Gottesdienst mit einer Rabbinerin stattfinden.

Schuster selbst ist in Würzburg Vorsitzender einer traditionell orthodoxen Gemeinde. Als orthodoxen Juden betrachtet er sich aber nicht, wie er in einem Interview mit dem Deutschlandradio klarstellte. Das sei für ihn jemand, “der wirklich dauernd ein Käppchen trägt, vielleicht sogar Schläfenlocken hat.” Negativ findet er das nicht. Sich selbst würde er aber eher als traditionell bezeichnen.

Auch die fortwährende Integration der zahlreichen eingewanderten Juden aus Osteuropa und den Ländern der ehemaligen Sowjetunion, die besonders in den 1990er Jahren die Mitgliederzahlen einiger jüdischer Gemeinden in Deutschland stark in die Höhe getrieben hat, ist Schuster ein Anliegen. “Natürlich ist es auch eine Herausforderung, wenn eine Minorität eine Majorität integrieren will.” Insgesamt habe das jüdische Leben in Deutschland von den Einwanderern profitiert. In seiner eigenen Gemeinde stieg die Mitgliederzahl dadurch von 200 auf über 1000.


Merkel beim Zentralrat der Juden (Foto: dapd)

Schuster (re.) zusammen mit Graumann (li.) und Zentralrats-Vize Korn bei einem Besuch von Kanzlerin Merkel

Lebensfrohe Akzente hervorheben

Schuster richtet seinen Blick auf die Zukunft. Aber: “Die Schoah wird nicht vergessen, jüdische Menschen tragen Sie im Herzen. Aber was jüdisches Leben ausmacht, ist weiß Gott nicht nur die Erinnerung an die Schoah. Jüdisches Leben hat auch sehr lebensbejahende, lebensfrohe Akzente”, sagt Schuster in einem MDR-Interview. Und genau die wolle er in seiner Arbeit hervorheben.

Eine mahnende Rolle strebt er daher nicht an: “Am liebsten wäre mir, wenn später mal resümiert würde: Er hat überhaupt nicht gemahnt! Aber ich befürchte, das wird ein Traum bleiben”, zitiert ihn der Kölner Stadt-Anzeiger. Die Angst vieler Juden vor antisemitischen Entwicklungen in der Gesellschaft umschreibt er mit einem Beispiel aus der Medizin: “Wer einmal eine Lungenentzündung hatte, misst jedem Husten größere Bedeutung bei.”

Vorsitz nicht angestrebt

Wie sein Vorgänger Dieter Graumann hat Schuster die Zeit des Nationalsozialismus nicht selbst miterlebt. Geboren wird er 1954 im israelischen Haifa, nachdem seine Eltern 1938 vor den Nationalsozialisten aus Deutschland geflohen waren. Als er zwei Jahre alt ist kehrt seine Familie nach Würzburg zurück. Dort besucht er dasselbe Gymnasium wie sein Vater und beginnt im Anschluss ein Medizinstudium. Seit 15 Jahren ist Schuster auch im Zentralrat aktiv, zuletzt als Vize-Präsident. Gerne wäre er auch weiterhin Graumanns Stellvertreter geblieben, aber nach dessen überraschendem Rückzug steht er nun selbst im Rampenlicht.

Seinem Beruf als Arzt will Schuster auch weiterhin treu bleiben. Dem Spagat zwischen der Praxis in Würzburg und dem Zentralrat in Berlin sieht er optimistisch entgegen. Man sage ihm ein sehr gutes Zeitmanagement nach.

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Wieder Gewalt bei Protesten in Hongkong

Kaum sind die beiden Wortführer Joshua Wong und Lester Shum wieder auf freiem Fuß, nehmen die Protest der Demokratiebewegung in Hongkong wieder Fahrt auf. Der 18-jährige Wong darf zwar aufgrund von richterlichen Auflagen die Protestzone im Stadtteil Mong Kok nicht betreten, doch das hält die Demonstranten, die sich dort seit Wochen aufhalten, nicht davon ab, ihren Protest fortzusetzen.

Am Wochenende kam es jetzt erneut zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Am Sonntag setzten die Beamten Pfefferspray ein, um aufgebrachte Studenten daran zu hindern, das Regierungsgebäude zu umstellen. Eine Erstürmung des Amtsitzes von Hongkongs Verwaltungschef Leung Chun-Ying konnte zwar erfolgreich verhindert werden, allerdings gelang es den Demonstranten mit der Lung Wo Road eine wichtige Verkehrsader in Hongkong zu besetzen.

Einreiseverbot für britische Abgeordnete

Die Demokratieaktivisten, die seit Ende September an mehreren Stellen Hauptverkehrsadern der halbautonomen chinesischen Sonderverwaltungszone blockierten, verlangen unter anderem die freie Wahl der nächsten Hongkonger Regierung. Peking plant unterdessen, die Kandidaten für die Abstimmung im Jahr 2017 vorab auszuwählen. Bei den wochenlangen Protesten kam es wiederholt zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Dass die Regierung in Peking die aktuelle Situation in Hongkong mit großer Sorge beobachtet, zeigt sich auch an der Zurückweisung von elf britischen Abgeordneten, die jetzt bekannt wurde. Die parteiübergreifende Parlamentariergruppe wollte vor Jahresende in die ehemalige britische Kolonie reisen, um dort die diplomatischen Beziehungen mit Hongkong zu erörtern. Doch von der chinesischen Botschaft in London hieß es nun, dass den Abgeordneten die Einreise verweigert wird.

Richard Ottaway, der der Gruppe vorsitzt, will den Vorfall am Montag in einer aktuellen Stunde im Parlament thematisieren. Gleichzeitig kritisierte er den “offensichlichen Konfrontationskurs”, auf den die chinesische Regierung gegenüber Großbritannien gehe.

djo/sc (afp, ap, rtr)

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Ukrainer erinnern an Gewaltnacht auf dem Maidan

In einer “Gedenknacht” haben Tausende Ukrainer auf dem Maidan, dem Unabhängigkeitsplatz, im Zentrum der ukrainischen Hauptststadt Kiew an einen gewaltsamen Polizeieinsatz gegen prowestliche Demonstranten vor genau einem Jahr erinnert. Auf Großbildschirmen wurden Bilder der proeuropäischen Proteste des vergangenen Jahres gezeigt, die zum Sturz des Moskau-freundlichen Präsidenten Viktor Janukowitsch geführt und eine prowestliche Führung an die Macht gebracht hatten.

Auf einer Bühne vor dem Unabhängigkeitsmonument traten ehemalige Maidan-Aktivisten und Politiker auf, unter ihnen Ruslana, die Siegerin des Eurovision Song Contest 2004. Einige Teilnehmer der Veranstaltung zündeten Feuer in Metallfässern an. Mit solchen Feuern hatten sich die Demonstranten bei den monatelangen Maidan-Protesten im eiskalten Winter 2013/14 warm gehalten.

Brutaler Polizeieinsatz

In der Nacht zum 30.November 2013 hatten Spezialeinheiten der ukrainischen Polizei gewaltsam eine Demonstration von rund 10.000 Menschen aufgelöst, die den Rücktritt von Janukowitsch forderten. Zahlreiche Demonstranten wurden verletzt. Janukowitsch hatte wenige Tage zuvor ein bereits ausgehandelte Assoziierungsabkommen mit der EU scheitern lassen und sich stärker Russland zugewandt.


Massendemonstration auf dem Maidan am 8. Dezember 2013 (Foto: Reuters)

Massendemonstration auf dem Maidan am 8. Dezember 2013

Die Empörung über die Brutalität der Polizei gab der proeuropäischen Bewegung großen Auftrieb. Immer mehr Menschen beteiligten sich an den Protesten auf dem Maidan. Am 8. Dezember 2013 waren es mehr als eine halbe Million. Im Februar 2014 war Janukowitsch am Ende.

Klitschko versus Wirtschaft

Unterdessen teilte einer der Protagonisten des Maidan, der ehemalige Boxweltmeister und heutige Bürgermeister von Kiew, Witali Klitschko, kräftig gegen die deutsche Wirtschaft aus. Er unterstellt Soitzrnmanagern gegen die Russlandsanktionen zu sein. “All diejenigen, die Sanktionen gegen Russland infrage stellen, zeigen damit, dass ihnen die Opfer in der Ukraine in Wahrheit gleichgültig sind”, sagte Klitschko der Zeitung “Bild am Sonntag”.

“Es war die russische Regierung, die die Krim annektiert hat und danach tausende Soldaten in die Ostukraine schickte”, betonte der frühere Box-Champion. “Das wird immer wieder vergessen, auch in Deutschland. Ich finde es unglaublich, dass einigen Wirtschaftsführern in Deutschland Geld offenbar wichtiger ist als Menschenleben.” Die Sanktionen gegen Russland müssten noch verstärkt werden, forderte Klitschko.

wl/ml (dpa, afp)

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