Месечни архиви: December 2014

Palästinenser setzen auf Strafgerichtshof

Nach dem Scheitern einer Nahost-Resolution im UN-Sicherheitsrat hat Palästinenserpräsident Mahmud Abbas aus Protest den Beitritt zum internationalen Strafgerichtshof (IStGH) erklärt. Er unterzeichnete nach einer Dringlichkeitssitzung in Ramallah das sogenannte Rom-Statut und 19 weitere internationale Verträge, wie palästinensische Medien berichten.

“Wir werden jeden Tag auf unserem Land angegriffen, bei wem sollen wir uns offiziell beschweren?”, fragte Abbas. Der UN-Sicherheitsrat habe die Palästinenser enttäuscht.
Deshalb wende man sich jetzt an den Strafgerichtshof. Mit einer Ratifizierung des Rom-Statuts ist das Gericht für Verbrechen in Palästina einschließlich des Gazastreifens zuständig.

Israelis müssen befürchten, wegen der Besatzungspolitik in den Palästinensergebieten strafrechtlich verfolgt zu werden. Im Rahmen der im April gescheiterten Friedensverhandlungen hatten die Palästinenser diesen Schritt bisher unterlassen.

Schaden sich die Palästinenser selbst?

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte zu dem Schritt von Abbas: “Wer sich vor dem internationalen Strafgerichtshof in Den Haag fürchten muss, ist die Palästinenserbehörde selbst.” Sie habe schließlich eine Einheitsregierung mit der Hamas gebildet, “einer Terrororganisation, die wie (die Terrormiliz) Islamischer
Staat Kriegsverbrechen begeht”. Man werde israelische Soldaten vor einer möglichen Strafverfolgung schützen.

Der UN-Sicherheitsrat hatte am Dienstag eine Resolution abgelehnt, die einen Abzug Israels aus den Palästinensergebieten binnen drei Jahren fordert. Der von Jordanien eingebrachte Entwurf sah auch eine endgültige Nahost-Friedensregelung binnen eines Jahres vor.

Die Resolution scheiterte, weil sie nicht die notwendige Mindestzahl von neun Ja-Stimmen erhielt. Die USA und Australien stimmten gegen den Entwurf. Acht Länder – unter anderem China, Frankreich und Russland – stimmten dafür. Fünf Länder, darunter Großbritannien, enthielten sich.

Eine erneute Vorlage der Resolution wird geprüft

Der palästinensische Chefunterhändler Saeb Erekat kündigte an, man werde die Resolution möglicherweise schon in wenigen Tagen im neuen Jahr im UN-Sicherheitsrat erneut vorlegen. Die Palästinenser erhoffen sich mehr Unterstützung von neuen Ratsmitgliedern wie Venezuela und Malaysia.

Die USA erklärten, die Resolution komme zur falschen Zeit und habe nicht die Bedenken beider Seiten in Betracht gezogen. Die EU wertet die gescheiterte Resolution als Mahnruf zu ernsthaften Verhandlungen zwischen den Konfliktparteien. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini sagte: “Unser Ziel ist es, eine umfassende Friedensvereinbarung auf Grundlage der Zwei-Staaten-Lösung zu erreichen.”

haz/wa (dpa, afp)

Source Article from http://www.dw.de/palästinenser-setzen-auf-strafgerichtshof/a-18165666?maca=de-rss-de-all-1119-rdf

Kirchen rufen zu mehr Solidarität auf

Christen seien aufgerufen, Stimmungsmache entgegenzutreten, erklärte der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki. Das gelte gerade, wenn Organisationen meinten, “sie müssten das Abendland gegen Menschen verteidigen, die buchstäblich oft nur ihr nacktes Leben nach Deutschland retten konnten”, erklärte er mit Blick auf die Demonstrationen der “Pegida”-Bewegung (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes). Das Abendland werde nicht verteidigt, “wenn wir die Schotten dichtmachen”. Dem christlichen Abendland werde man vielmehr gerecht, indem man Armut bekämpfe, Wohnungslosen Obdach gebe und Flüchtlingen eine menschenwürdige Unterkunft und Nachbarschaftlichkeit zukommen lasse.


Rainer Maria Woelki (Foto: dpa)

Rainer Maria Woelki

“Nicht wir im reichen Europa haben ein Flüchtlingsproblem, sondern die armen Nachbarländer der Krisenregionen”, stellte Woelki in seiner Silvesterpredigt im Kölner Dom klar. Von den weltweit nach UN-Angaben 45 Millionen Flüchtlingen blieben 80 Prozent in ihren Heimatländern oder den Nachbarländern. Wenn die Bundesrepublik Zehntausende Syrer oder Afghanen aufnehme, sei das nur ein Hundertstel von dem, was die Nachbarländer leisteten, betonte Woelki, der das Erzbistum Köln seit September leitet. “Können wir nicht ein Zehntel von dem leisten, was Pakistan oder die Türkei tun?”

“Wir tun uns etwas Gutes”

Der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, rief zu Hilfsbereitschaft gegenüber Flüchtlingen auf. Millionen Menschen flüchteten vor Hunger und Todesgefahr. Auf ihrer Flucht über das Mittelmeer seien im Jahr 2014 rund 3400 Menschen ums Leben gekommen. Die in Deutschland angekommenen Flüchtlinge hätten Schlimmstes erlebt und bräuchten Hilfe, sagte der Bischof.

Eine Willkommenskultur für Einwanderer aus Südosteuropa forderte der Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff. Wenn Migranten aus Bulgarien und Rumänien öffentlich vorgeworfen werde, nur von staatlichem Geld leben zu wollen, sei das fürchterlich, sagte Mussinghoff in der Jahresschlussandacht im Aachener Dom. “Nein, wir haben sie nötig und wir tun uns etwas Gutes, wenn wir sie integrieren, als Facharbeiter ausbilden und sie uns zu Freunden machen.” Christen müssten Migranten und Flüchtlingen zeigen, dass sie in Deutschland willkommen seien, sagte Mussinghoff.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, rief zu einer “Kultur des Miteinanders auf Augenhöhe” auf. “Sich bedingungslos angenommen zu fühlen, gehört zu den schönsten Dingen, die Menschen erfahren können.”

ab/haz (epd, kna)

Source Article from http://www.dw.de/kirchen-rufen-zu-mehr-solidarität-auf/a-18165409?maca=de-rss-de-all-1119-rdf

2015! Willkommen!

Bereits zehn Stunden bevor in Deutschland die Sektkorken knallen, wurde im australischen Sydney das Jahr 2015 begrüßt. Mehr als eine Million Zuschauer bestaunten ein Riesenfeuerwerk im Hafen der Stadt (Artikelbild). Touristen und Anwohner hatten sich bereits Tage zuvor Plätze für das Spektakel gesichert. Schon zwei Stunden vor Sydney durfte in Neuseeland gefeiert werden. Trotz Regengüssen strömten viele Menschen zu den Stränden, wo sie mit Feuerwerken und Konzerten das neue Jahr willkommen hießen. In der größten neuseeländischen Stadt Auckland waren für eine Strandparty eiegns Tonnen von Sand aufgeschüttet worden. Auch in weiten Teilen Asiens – unter anderem in Japan, China, auf den Philippinen, Indonesien, Thailand und Indien – ist das neue Jahr mittlerweile angebrochen.


Feuerwerk in Hongkong (Foto: AFP)

Farbenfroh ging es auch in Chinas Wirtschaftsmetropole Hongkong zu

Samoa machte den Anfang

Die ersten, die ins Jahr 2015 rutschten, waren um 11 Uhr Mitteleuropäischer Zeit (MEZ) an diesem Mittwoch die Einwohner Samoas und der Line Islands im Pazifik. Dort startete das neue Jahr bei sommerlichen Temperaturen von rund 30 Grad – mehr als 15.000 Kilometer entfernt von Deutschland.

Bis Ende 2011 lebten die knapp 200.000 Einwohner Samoas noch östlich der Datumsgrenze – 23 Stunden hinter Neuseeland und einen ganzen Tag hinter den Tonga-Inseln, obwohl die nur 900 Kilometer südwestlich von Samoa liegen. Doch seit drei Jahren ist alles anders: Am 29. Dezember 2011 um Mitternacht verschob Samoa die internationale Datumsgrenze Richtung Osten und wechselte damit gleichsam die Seiten. Vorteil: Die frühere deutsche Kolonie gehört damit wieder derselben Zeitzone an wie ihre wichtigsten Handelspartner Neuseeland und Australien. Nachteil: Die östlichen Inseln der Gruppe – Amerikanisch-Samoa – gehören zu den USA und damit jetzt zu einer anderen Zeitzone.


Karte Datumsgrenze Samoa (Foto: picture alliance)

Wechselte die Seiten: Samoa

“Looking for Freedom” in Berlin

Mit Deutschlands größter Silvesterparty feiert Berlin ins neue Jahr. Die Veranstalter erwarten Hunderttausende Menschen am Brandenburger Tor. Dort werden unter anderem David Hasselhoff (“Looking for Freedom”), Howard Carpendale und die Band Tokio Hotel auf der Bühne stehen. Pünktlich um Mitternacht soll ein Feuerwerk mit etwa 6000 Raketen in den Himmel steigen, Stargeiger David Garrett wird spielen und das Russische Staatsballett tanzen.

Als letztes wird das neue Jahr übrigens auf Hawaii begrüßt. Dort heißt es erst um 11 Uhr MEZ am Donnerstag: “Happy New Year!”

wa/haz (dpa, afp)

Source Article from http://www.dw.de/2015-willkommen/a-18165265?maca=de-rss-de-all-1119-rdf

Merkel facht Pegida-Debatte an

Angela Merkel “verurteilt Menschen von oben herab, die sie gar nicht kennt”, schäumte AfD-Vize Alexander Gauland. Die Kritik der Kanzlerin an den Kundgebungen der “Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes” (Pegida) werde der Protestbewegung noch mehr Zulauf als bisher schon bescheren, prognostizierte Gauland. Der Fraktionsvorsitzende der “Alternative für Deutschland” im Landtag von Brandenburg hatte kürzlich selbst als “Beobachter” an einer Dresdner Pegida-Demonstration teilgenommen.

Vor allem in der sächsischen Landeshauptstadt demonstriert die Protestbewegung seit Wochen montags gegen eine angebliche Überfremdung Deutschlands. Vor Weihnachten beteiligten sich in Dresden mehr als 17.500 Menschen an einem Aufmarsch.

“Selbstverständlich, dass wir ihnen helfen”

Die Kanzlerin und CDU-Vorsitzende warnt in ihrer diesjährigen Neujahrsansprache davor, den Slogans der Organisatoren der Pegida-Proteste Gehör zu schenken. In ihrer Rede sagt sie wörtlich: “Heute rufen manche montags wieder ‘Wir sind das Volk’. Aber tatsächlich meinen sie: Ihr gehört nicht dazu – wegen Eurer Hautfarbe oder Eurer Religion.” Infolge der Kriege und Krisen gebe es weltweit so viele Flüchtlinge wie noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg. “Viele sind buchstäblich dem Tod entronnen”, so Merkel. “Es ist selbstverständlich, dass wir ihnen helfen und Menschen aufnehmen, die bei uns Zuflucht suchen.”


Volker Beck (Foto: picture alliance)

Volker Beck

Die Opposition im Bundestag lobte Merkels Kritik an Pegida einhellig. Der innenpolitische Sprecher der Grünen, Volker Beck, erklärte, mit seinem Angriff auf Merkel habe Gauland “seine Maske fallen lassen und das wahre Gesicht der AfD offenbart”. Unter den Pegida-Demonstranten seien Holocaust-Verharmloser, obskure Persönlichkeiten und Kader rechtsextremer Gruppen. Die Chefin der Grünen-Bundestagsfraktion, Katrin Göring-Eckardt, ergänzte: “Frau Merkel sollte nicht nur in ihrer Neujahrsansprache mal klare Kante zeigen, sondern auch im Parlament und in ihrer täglichen Politik.” Es sei richtig, dass die Kanzlerin zu mehr Menschlichkeit im Umgang mit Flüchtlingen aufgerufen habe. Dazu passe aber nicht die Ankündigung der bayerischen Schwesterpartei CSU, Abschiebungen künftig zu beschleunigen.

Auch der stellvertretende Vorsitzende der Linke-Fraktion im Bundestag, Jan Korte, sagte, Merkels Abgrenzung von Pegida sei “begrüßenswert”. Diesen Kurs hätten aber nicht alle Unionspolitiker verinnerlicht. Korte: “Während Angela Merkel die Selbstverständlichkeit betont, dass Flüchtlinge in Deutschland Zuflucht finden, bedient die Union in Bayern und Sachsen mit einer Verschärfung der Asyl- und Abschiebepraxis genau jenen Hass, der auf den Pegida-Demonstrationen gegen Flüchtlinge geschürt wird.”

“Rückführung deutlich verstärken”


Joachim Herrmann (Foto: CSU)

Joachim Herrmann

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hatte zuvor erklärt, er wolle dafür sorgen, dass abgelehnte Asylbewerber künftig schneller in ihre Heimatländer zurückkehren. Sein Ziel sei es, “die Rückführung deutlich zu verstärken”, sagte Herrmann der Zeitung “Münchner Merkur”. Der Minister forderte zudem eine Beschleunigung der Asylverfahren, die inzwischen im Durchschnitt mindestens acht Monate dauerten. Schnellere Verfahren seien auch “mit Rücksicht auf die Betroffenen selbst” erforderlich, damit Flüchtlinge “nicht in der Unsicherheit leben müssen” und damit “Missbrauch abgestellt” werde. Jeder Wirtschaftsflüchtling nehme einem in Lebensgefahr nach Deutschland gekommenen Asylbewerber “einen Platz weg”, meinte Herrmann.

wa/haz (dpa, afp)

Source Article from http://www.dw.de/merkel-facht-pegida-debatte-an/a-18165544?maca=de-rss-de-all-1119-rdf

Italien rettet fast 800 Boots-Flüchtlinge

Fast 800 Boots-Flüchtlinge sind vor der italienischen Küste wohl nur knapp einer Katastrophe entgangen. Der Küstenwache gelang es in der Nacht zum Mittwoch, den Frachter “Blue Sky M” mit rund 770 Migranten an Bord in den Hafen von Gallipoli zu bringen. Zunächst war von fast 1000 Flüchtlingen die Rede gewesen, inzwischen korrigierten die italienischen Behörden die Zahl nach unten.

Vertreter der Küstenwache erklärten, die Maschinen des Schiffs und dessen Steuerung seien so eingestellt gewesen, dass es auf direktem Kollisionskurs mit der felsigen Südküste Italiens in der Region Apulien gestanden habe.

Ungebremst Richtung Felsenküste

Italienische Einsatzkräfte konnten erst fünf Seemeilen vor der Küste das Schiff auf Kurs bringen. Sechs Beamte der Küstenwache wurden per Hubschrauber an Bord gebracht. Nach hektischen Versuchen gelang es ihnen in letzter Minute, die blockierte Steuerung zu entsperren. “Es war ein wirklicher Wettlauf mit der Zeit”, sagte Küstenwachen-Sprecher Filippo Marini. Die jetzt geretteten Flüchtlinge stammen italienischen Medienberichten zufolge überwiegend aus Syrien.

Um den Frachter hatte es zuvor Verwirrung gegeben. Die griechischen Behörden hatten am Dienstagnachmittag zunächst einen Notruf von einem Insassen des Schiffes erhalten. Dieser berichtete, der Frachter werde von schwer bewaffneten Männern gesteuert. Griechenland entsandte daraufhin eine Fregatte, einen Hubschrauber und zwei Patrouillenboote zu dem Frachter, die nach Angaben der griechischen Hafenpolizei aber nichts Ungewöhnliches entdeckten. Dem Schiff wurde daher die Genehmigung zur Weiterfahrt erteilt.

Offenbar nahmen die griechischen Behörden dabei jedoch nur eine oberflächliche Überprüfung des Schiffes vor. Die italienischen Behörden vermuten, dass der Frachter zu diesem Zeitpunkt unter der Kontrolle von Menschenschmugglern stand, die das Schiff später im Stich ließen.

Untersuchungen zu “Norman Atlantic” laufen noch

Der Vorfall mit dem Flüchtlingsschiff ereignete sich nicht weit von der Stelle, an der die Autofähre “Norman Atlantic” am Sonntag in Brand geraten war. Die italienische Marine und zahlreiche andere Schiffe waren der Fähre zu Hilfe geeilt und hatten 427 Passagiere und Besatzungsmitglieder gerettet. Mindestens elf Menschen starben auf der Fähre, außerdem kamen zwei Seeleute bei den Rettungsarbeiten ums Leben.

Die italienischen Behörden gehen davon aus, dass mehrere Flüchtlinge als blinde Passagiere an Bord gelangt sind. Dies mache es “wahrscheinlich”, dass in dem Schiffswrack weitere Leichen gefunden würden, hieß es.

Es wird befürchtet, dass sich in parkenden Lastwagen Migranten versteckten, und dass weitere Passagiere in ihren Kabinen verbrannten oder erstickten. Die italienische Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren zur Aufklärung des Unglücks ein.

haz/wa (dpa, afp, rtr)

Source Article from http://www.dw.de/italien-rettet-fast-800-boots-flüchtlinge/a-18165327?maca=de-rss-de-all-1119-rdf

Italien rettet fast 1000 Boots-Flüchtlinge

Fast 1000 Boots-Flüchtlinge sind vor der italienischen Küste wohl nur knapp einer Katastrophe entgangen. Der Küstenwache gelang es in der Nacht zum Mittwoch, den Frachter “Blue Sky M” mit rund 970 Migranten an Bord in den Hafen von Gallipoli zu bringen. Die Behörden erklärten, die Maschinen des Schiffs und dessen Steuerung seien so eingestellt gewesen, dass es auf direktem Kollisionskurs mit der felsigen Südküste Italiens in der Region Apulien gestanden habe.

Ungebremst Richtung Felsenküste

Italienische Einsatzkräfte konnten erst fünf Seemeilen vor der Küste das Schiff auf Kurs bringen. Sechs Beamte der Küstenwache wurden per Hubschrauber an Bord gebracht. Nach hektischen Versuchen gelang es ihnen in letzter Minute, die blockierte Steuerung zu entsperren. “Es war ein wirklicher Wettlauf mit der Zeit”, sagte Küstenwachen-Sprecher Filippo Marini.Die jetzt geretteten Flüchtlinge stammen italienischen Medienberichten zufolge überwiegend aus Syrien.

Um den Frachter hatte es zuvor Verwirrung gegeben. Die griechischen Behörden hatten am Dienstagnachmittag zunächst einen Notruf von einem Insassen des Schiffes erhalten. Dieser berichtete, der Frachter werde von schwer bewaffneten Männern gesteuert. Griechenland entsandte daraufhin eine Fregatte, einen Hubschrauber und zwei Patrouillenboote zu dem Frachter, die nach Angaben der griechischen Hafenpolizei aber nichts Ungewöhnliches entdeckten. Dem Schiff wurde daher die Genehmigung zur Weiterfahrt erteilt.

Offenbar nahmen die griechischen Behörden dabei jedoch nur eine oberflächliche Überprüfung des Schiffes vor. Die italienischen Behörden vermuten, dass der Frachter zu diesem Zeitpunkt unter der Kontrolle von Menschenschmugglern stand, die das Schiff später im Stich ließen.

Untersuchungen zu “Norman Atlantic” laufen noch

Der Vorfall mit dem Flüchtlingsschiff ereignete sich nicht weit von der Stelle, an der die Autofähre “Norman Atlantic” am Sonntag in Brand geraten war. Die italienische Marine und zahlreiche andere Schiffe waren der Fähre zu Hilfe geeilt und hatten 427 Passagiere und Besatzungsmitglieder gerettet. Mindestens elf Menschen starben auf der Fähre, außerdem kamen zwei Seeleute bei den Rettungsarbeiten ums Leben.

Die italienischen Behörden gehen davon aus, dass mehrere Flüchtlinge als blinde Passagiere an Bord gelangt sind. Dies mache es “wahrscheinlich”, dass in dem Schiffswrack weitere Leichen gefunden würden, hieß es.

Es wird befürchtet, dass sich in parkenden Lastwagen Migranten versteckten, und dass weitere Passagiere in ihren Kabinen verbrannten oder erstickten. Die italienische Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren zur Aufklärung des Unglücks ein.

haz/wa (dpa, afp, rtr)

Source Article from http://www.dw.de/italien-rettet-fast-1000-boots-flüchtlinge/a-18165327?maca=de-rss-de-all-1119-rdf

Sieben DSV-Adler beim Neujahrsspringen

Nach dem Absturz beim Auftakt haben sich Richard Freitag und Severin Freund mit einer gelungenen Qualifikation zum Neujahrsspringen der Vierschanzentournee hoffnungsvoll zurückgemeldet. Freitag belegte am Silvestertag mit 129,5 Metern den fünften Platz, Freund wurde mit 134 Metern Sechster. Den Sieg sicherte sich der Norweger Anders Jacobsen mit einem Satz auf 139,5 Meter. “Natürlich ist es eine schwierige Situation für alle Beteiligten, die Moral hochzuhalten. Speziell mit den Top-Jungs bin ich zufrieden, denn sie haben den größten Druck”, lobte Bundestrainer Werner Schuster.

Nach dem verpatzten Springen in Oberstdorf hatten es die DSV-Adler ruhig angehen lassen. Ausschlafen, Regeneration und leichtes Krafttraining standen auf dem Programm. “Und dann haben wir einen Schafkopfabend gemacht. Da herrschte ausgelassene Stimmung. Unser Team ist gut drauf”, berichtete Marinus Kraus. Der Team-Olympiasieger ist wie Michael Neumayer, Daniel Wenig, Andreas Wank und Stephan Leyhe ebenfalls im Wettbewerb am Donnerstag (14.00 Uhr MEZ) dabei. Eine herbe Enttäuschung erlebte Markus Eisenbichler, der als 50. ausschied.

Hoffnung auf Besserung


Severin Freund zeigt nach seinem Qualifikationssprung in Garmisch-Partenkirchen Daumen hoch (Foto: Fredrik von Erichsen/dpa)

Daumen hoch: Severin Freund bei der Qualifikation

Dagegen weckte die Vorstellung des deutschen Top-Duos Hoffnungen auf einen gelungenen Start ins WM-Jahr 2015. “Die Sprünge im Training und in der Qualifikation waren nicht super geil, aber schwer in Ordnung”, sagte Freitag. Jetzt hieße es, die gute Laune beizubehalten und die neue Herausforderung anzunehmen. Freitag trifft im K.o.-Duell des ersten Durchgangs auf den Franzosen Ronan Lamy Chappuis. Freund hat mit dem Finnen Jarkko Määttä ebenfalls eine lösbare Aufgabe vor der Brust. “Das war ein gutes Zeichen. Es war kein Übersprung, aber es geht in die richtige Richtung”, stellte der Team-Olympiasieger zufrieden fest und verkündete: “Wir haben Oberstdorf gut verkraftet. Ich hoffe, dass wir eine bessere Show bieten können als dort. Daran glaube ich fest.”

Freund hatte im Herbst extra eine Trainingswoche auf der ungeliebten Anlage unweit der Zugspitze eingelegt, um auf den Ernstfall besser vorbereitet zu sein als in den vergangenen Jahren. Da hatte er in Garmisch-Partenkirchen stets seine Tournee-Chancen eingebüßt. “Mir hat das Training viel gebracht. Es war ein guter Kurs”, berichtete der 26-Jährige schon vor dem Auftakt. Die Sprünge am Mittwoch schienen das zu bestätigen, auch wenn Freund weiß: “Am 1. Januar musst du gut springen, da kannst du nicht vergangene Sprünge kopieren.” Schuster hatte schon in Oberstdorf die Marschroute ausgegeben, bei den ausstehenden drei Springen anzugreifen. Ein Trumpf wird auf der Großen Olympiaschanze jedoch nicht stechen: Markus Eisenbichler. Der Saisonaufsteiger landete schon bei 113 Meter und ist am Neujahrstag nur Zuschauer.

ck/kd (dpa)

Source Article from http://www.dw.de/sieben-dsv-adler-beim-neujahrsspringen/a-18165213?maca=de-rss-de-all-1119-rdf

Das Wirtschaftsjahr 2014

Die Krim-Krise, die Sanktionen gegen Russland, die Politik des billigen Geldes in Washington und Frankfurt, die Schuldenkrise, der Ölpreis, die Achterbahnfahrten der Börsenindizes, der Kampf gegen Steuerhinterziehung und natürlich immer wieder Griechenland. Was uns das Jahr über in Atem gehalten hat: aufbereitet und zusammengefasst in bewegten Bildern.

Source Article from http://www.dw.de/das-wirtschaftsjahr-2014/a-18165421?maca=de-rss-de-all-1119-rdf

Die Helfer vom Hindukusch

Ein Tisch, ein Bett, ein Schrank, zwei Stühle – in der kargen Ein-Zimmer-Wohnung am Stadtrand von Hamburg ist nicht viel Platz. Aliullah stört das nicht. Hier ist er in Sicherheit – und das bedeutet dem 27-jährigen Afghanen mehr als jeder Luxus. “Ich habe sehr viel Glück gehabt”, sagt Aliullah. “Ich konnte den Ort verlassen, wo es für mich keine Zukunft mehr gab.”

Noch vor einem Jahr lebte Aliullah mit seinen Eltern und Geschwistern in Kundus. Als Dolmetscher arbeitete er für die Bundeswehr. Die deutschen Soldaten beteiligten sich am Kampfeinsatz der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan (ISAF), bevor das Mandat Ende 2014 auslief. Übersetzen, mit Stammesführern verhandeln, Missverständnisse aus dem Weg räumen – das gehörte zu Aliullahs Aufgaben. Ihm gefiel der Job. Aber in den Augen der Taliban sind Bundeswehrhelfer wie Aliullah Kollaborateure. “Eines Abends, als ich mit meiner Familie zusammensaß, erhielt ich einen Anruf”, erinnert sich der junge Afghane. “Eine unbekannte Nummer. Ein Mann sagte auf Paschtu: Du arbeitest als Übersetzer und Spion für die Ungläubigen, für die Ausländer, die uns bekämpfen. Das ist ein Verbrechen. Du hast jetzt die Chance, bei uns mitzumachen und gegen die Deutschen und die Regierung zu kämpfen.”

Bedrohung durch die Taliban


Taliban-Angriff auf Gericht in Kundus (Foto: Reuters)

Angriffe der Taliban sind in Afghanistan immer noch an der Tagesordnung

Aliullah lehnte ab – und fürchtete um sein Leben. Seine Familie machte sich Sorgen um ihn, er selbst verließ kaum noch das Haus – und blieb unversehrt. Sein Freund und Kollege Wafa hatte weniger Glück. Der 25-Jährige arbeitete ebenfalls für die Deutschen in Afghanistan. Im November 2013 wurde Wafa erdrosselt im Kofferraum seines Autos gefunden. Aliullah macht die Taliban dafür verantwortlich. Die Bundesregierung geht dagegen von einem kriminellen Hintergrund aus. Für die afghanischen Ortskräfte ist es einerlei: Viele fühlen sich bedroht – erst recht, seit sich die deutschen Soldaten immer weiter zurückziehen. Der damalige Innenminister Hans-Peter Friedrich hatte deshalb im Oktober 2013 versprochen, alle gefährdeten Ortskräfte nach Deutschland zu holen.

Ein großes Versprechen – doch die Realität sieht anders aus: Mehr als tausend afghanische Ortskräfte haben einen entsprechenden Antrag gestellt, aber nicht einmal die Hälfte hat eine Aufnahmezusage für Deutschland erhalten. Die meisten Ortskräfte bekamen einen ablehnenden Bescheid – ohne Begründung. Wer nicht gefährdet sei, solle im Land bleiben, heißt es aus dem zuständigen Bundesinnenministerium. Schließlich handele es sich bei vielen ehemaligen Ortskräften um die Elite des Landes – und die solle Afghanistan nicht entzogen werden.

Verunsicherung unter den Ortskräften


Deutsche Soldaten verlassen Kundus

Die deutschen Soldaten haben das Feldlager in Kundus im Oktober 2013 verlassen

Zurzeit beschäftigt die Bundeswehr noch etwa 600 afghanische Ortskräfte. Nach dem Ende der ISAF beteiligt sich die Bundeswehr mit bis zu 850 Soldaten an der NATO-Nachfolgemission “Resolute Support”. Die deutschen Soldaten sollen afghanische Sicherheitskräfte ausbilden und beraten – und dafür bleiben sie weiterhin auf einheimische Dolmetscher angewiesen. Der Bundeswehr zufolge können die afghanischen Ortskräfte bei der NATO-Nachfolgemission die Ausreise beantragen, wenn sie bedroht werden. Doch viele Ortskräfte könnten die Regelung nicht nachvollziehen, kritisiert Bernd Mesovic von der Menschenrechtsorganisation ProAsyl: “Die Antragsteller sind zunehmend verunsichert, weil einige von ihnen nach unklaren Kriterien in Deutschland aufgenommen werden, aber andere nicht, obwohl sie sich in einer ähnlichen Situation befanden.”

Etwa die Hälfte der Afghanen, die bislang eine Zusage erhielten, sind mittlerweile nach Deutschland gekommen – teilweise mit ihren Familien. Aliullah musste alleine reisen. Zum ersten Mal überhaupt hat er Afghanistan verlassen – und damit auch den Kreis der Großfamilie. In Hamburg besucht er einen Sprachkurs und freut er sich über jeden neuen Kontakt, den er knüpft. Einfache Gespräche führt er längst auf Deutsch. Auch wenn ihm seine Heimat fehlt – Aliullah ist froh, dass er nicht mehr um sein Leben bangen muss.

Source Article from http://www.dw.de/die-helfer-vom-hindukusch/a-18165289?maca=de-rss-de-all-1119-rdf

Kommentar: 2014 – Ein Jahr der Umbrüche

Die Welt ist 2014 in Unordnung geraten. Ebola in Afrika. Der Krieg in der Ukraine. Der Aufstieg des mörderischen “Islamischen Staates”. Massaker an unschuldigen Schülern in Pakistan. Der Gazakrieg im Nahen Osten. Wahltriumphe von rechtsradikalen Parteien in Europa. Der nicht erklärte Bandenkrieg in Mexiko. Wohin man schaut, auf allen Kontinenten ist die politische, die gesellschaftliche Lage schwierig und unübersichtlich.

In Europa tobt ein Krieg. In der Ukraine, dem Land an der Schnittstelle zwischen Russland und Mitteleuropa, wird erbittert gekämpft. Und der Westen und Russland versinken in einem zähen diplomatischen Stellungskrieg, einer neuen außenpolitischen Eiszeit, in einem erneuten Kalten Krieg.

Wie umgehen mit Wladimir Putin?

Wladimir Putin fordert den Westen und die Regierung in Kiew heraus, indem er die Krim annektiert und im Osten der Ukraine mitmischt und dabei – nach den Sanktionen – selbst im wirtschaftlichen Chaos landet. Der entschlossene Neoimperialist Putin ist am Ende des Jahres gefangen im Absturz des Rubels. Und der Westen, allen voran Europa und besonders die Deutschen, fragen sich: Müssen wir Putin nicht entgegenkommen? Welche Wege gibt es aus der Pattsituation ? Wie können wir den Frieden in Europa wieder herstellen? Auf der Strecke bleibt dabei fast unbemerkt das Schicksal der Ukrainer. Und die einfache Frage: Was könnte Putin tun?

Der amerikanische Präsident, Barack Obama, zeigt sich entschlossener als die meisten Europäer im Umgang mit Putin. Er setzt auf Härte. Doch Obama ist ein Gefangener der Innenpolitik – denn in den USA hat er keine Mehrheit mehr, um etwas durchzusetzen. Zwei Jahre vor den nächsten Präsidentschaftswahlen ist er eine “lame duck”. Schwach und wenig durchsetzungsfähig vertritt er eine Großmacht auf dem Rückzug. Eine Großmacht, die sich weniger einmischen will. Und die nachhaltig im Ausland diskreditiert ist durch die wohl systematischen Folterungen von gefangenen Islamisten in Guantanamo und anderswo.

Die USA ohne Einfluss im Nahen Osten

Der geschwundene Einfluss, der verschwundene Wunsch, Politik entscheidend zu gestalten, zeigt sich besonders im Nahen Osten. Im Gazakrieg haben die USA gar keine Rolle gespielt, spielen können. Weder Israel noch die Palästinenser haben sich durch Obama beeindrucken lassen. Und nach dem Gazakrieg ist die politische Lage so ausweglos wie vorher. Immerhin: die USA bekämpfen den “Islamischen Staat” – aus der Luft. Der Westen – auch die Deutschen – bilden die kurdischen Peschmerga-Kämpfer aus und lassen sie die erschreckend mörderischen Islamisten bekämpfen – wie es im Moment aussieht, durchaus mit Erfolg.

Aber: Der IS hat den Nahen Osten in seiner kulturellen, religiösen und politischen Vielfalt zerstört. Überall sind Christen, Jesiden, aber auch Muslime auf der Flucht. In Syrien und im Irak ist der Staat nicht mehr der Hort der gesellschaftlichen Ordnung. Die auch geistige Herausforderung durch die fundamentale Bewegung einer Rückkehr zum angeblich “wahren” Islam wirkt in vielen Ländern und Gesellschaften – im Nahen und Mittleren Osten, aber auch in Afrika. Und da sie entschlossen brutal und terroristisch ist, versinken diese Länder im Bürgerkrieg. Und Millionen Menschen müssen fliehen. Ein Alptraum.

2014 – ein Jahr der Umbrüche. Der Erschütterungen. Der politischen Erdbeben. Ein Jahr der Unübersichtlichkeit und Unordnung. Ein Jahr, in dem die Diplomatie am Ausbruch der nationalistischen und religiösen Wahnvorstellungen scheiterte. Ein hoffnungsloses Jahr.

Source Article from http://www.dw.de/kommentar-2014-ein-jahr-der-umbrüche/a-18148090?maca=de-rss-de-all-1119-rdf