Месечни архиви: April 2015

Hessen: Vereitelte Polizei Anschlag?

Hessische Sicherheitsbehörden haben einem Zeitungsbericht zufolge einen geplanten Anschlag mit islamistischen Hintergrund vereitelt. Ein Mann und eine Frau seien in Oberursel festgenommen worden, erklärte ein Sprecher der Polizei in Westhessen, nannte jedoch keine Einzelheiten.

Die Zeitung “Die Welt” berichtete, ein Spezialeinsatzkommando habe die Verdächtigen in der Nacht in ihrer Wohnung festgenommen. Dabei seien eine Rohrbombe, Zündstoff, ein Sturmgewehr und scharfe Munition gefunden worden. Eine Sprecherin des Bundeskriminalamtes sagte, ihre Behörde sei mit Sprengstoff- und Tatortexperten an den Ermittlungen vor Ort beteiligt. Die Staatsanwaltschaft kündigte für den Nachmittag eine Pressekonferenz in Wiesbaden an.

Parallelen zur Sauerland-Gruppe

Nach dem Bericht handelt es sich bei den Festgenommenen um ein Ehepaar, das durch den Einkauf einer ungewöhnlich großen Menge Wasserstoffperoxid und Spiritus Ende März in einem Frankfurter Baumarkt aufgefallen war. Die beiden hätten dabei einen falschen Namen angegeben. Wasserstoffperoxid ist ein Grundstoff für die Herstellung von Sprengstoff. Auch die 2007 aufgeflogene sogenannte Sauerland-Gruppe hatte Wasserstoffperoxid verwendet. Das Blatt berichtet, der festgenommene Mann haben Kontakte in die salafistische Szene in Frankfurt am Main und zum Islamisten-Netzwerk Al-Kaida gehabt.

sti/se (dpa, rtr, Die Welt)

Source Article from http://www.dw.de/hessen-vereitelte-polizei-anschlag/a-18420698?maca=de-rss-de-all-1119-rdf

Armani-Museum wird eröffnet

Das Armani-Museum ist in einem ehemaligen Industriegebäude untergebracht und wird von der Gemeinde Mailand, Armani und anderen Privatsponsoren finanziert. Zur Entscheidung, das Museum in Mailand zu eröffnen, sagte der 1934 in Piacenza geborene Armani gegenüber der österreichischen Presseagentur apa: “Mailand ist die Stadt, in der ich lebe und arbeite. Meine Arbeit in anderen Städten wäre anders gewesen. Daher habe ich beschlossen, die Resultate meiner Arbeit und meiner Erfahrung in den Dienst Mailands zu stellen. Ich hoffe, dass sie den Jugendlichen nützlich sein werden, die sich für Mode und Design interessieren“, betonte Armani.

Ruhestand nicht in Sicht

Am Vorabend, dem 30.04., feiert der 80-Jährige mit geladenen Gästen sein 40-jähriges Firmenjubiläum und gleichzeitig die Eröffnung der Weltausstellung Expo (1. Mai bis 31. Oktober), deren Sonderbotschafter er ist.

Das globale Unternehmen des Modezars macht einen Jahresumsatz von 2,18 Milliarden Euro. Armani ist der alleinige Inhaber. Eigenangaben zufolge hat er keinerlei Absicht, demnächst in den Ruhestand zu gehen.

pj/pg (dpa/apa)

Source Article from http://www.dw.de/armani-museum-wird-eröffnet/a-18420494?maca=de-rss-de-all-1119-rdf

Symbolträchtiges Kampfgebiet Kundus


Die am vergangenen Wochenende (25.04.2015) ausgebrochenen Kämpfe zwischen den Taliban und afghanischen Sicherheitskräften sind die ersten größeren militärischen Auseinandersetzungen im Norden des Landes seit dem Abzug der NATO-Truppen. Wie ein
Korrespondent der DW aus Kundus berichtet, sollen auch aus dem Ausland eingesickerte Extremisten an den Kämpfen beteiligt sein. Die Befürchtungen vieler Bewohner, dass sich die Lage nach dem Abzug der Bundeswehr 2013 verschlechtern würde, scheint sich zu bewahrheiten.


Das deutsche Kontingent im Rahmen der ISAF-Mission sollte nach den ursprünglichen Planungen im westafghanischen Herat an der Grenze zum Iran stationiert werden. Nach einigen Verhandlungen wurde dann aber das unscheinbare und vollkommen unbekannte Kundus an der Grenze zur ehemaligen Sowjetrepublik Tadschikistan ausgewählt – nicht zuletzt, weil der Norden Afghanistans als vergleichsweise sicher galt.


Am 25. Oktober 2003 traf das erste Vorauskommando der Bundeswehr ein, in der Folge entstand das erste Feldlager, noch mitten in der Stadt und mit eher provisorischer Sicherung aus Holztürmen und eilig über Lehmmauern gelegten Stacheldraht. Die Situation erschien so sicher, dass die ersten Soldaten mit ihren auf dem lokalen Markt angekauften Autos Patrouille fuhren. Die Fallschirmjäger des ersten Kontingents versuchten sich zudem als Entwicklungshelfer.



Trauerfeier für getötete Soldaten(Foto: picture-alliance/dpa/K. Nietfeld)

Trauerfeier für drei in Kundus getötete Bundeswehrsoldaten


“Bad Kundus”


Entlang der Ausfallstraßen bohrten sie Brunnen und errichteten Brücken. In den Genuss dieser Projekte mit möglichst schneller und sichtbarer Wirkung (“quick impact”) kamen vor allem die Dörfer entlang potentieller Evakuierungsrouten, um die Bewohner im Ernstfall freundlich zu stimmen. Sie folgten damit eher militärisch-taktischen Überlegungen als zivil- entwicklungspolitischen Zielsetzungen. Erste Konflikte mit den staatlichen Hilfsorganisationen, die 2004 langsam nachzogen, kamen auf. Dennoch entwickelte sich in der Folge eine fruchtbare Zusammenarbeit, die ihren institutionellen Ausdruck in einem sogenannten “Provincial Reconstruction Team” (PRT) fand. Hier arbeiteten Auswärtiges Amt, staatliche Entwicklungshilfe und Militär zusammen.


Dutzende Entwicklungshelfer und Hunderte von Soldaten waren nun in Kundus, der quirligen Kleinstadt in einer für Afghanistan ungewöhnlich grünen Ebene, umgeben von Reisfeldern und sanften Hügeln. Auf einem dieser Erhebungen direkt vor der Stadt bauten Bundeswehr und die staatliche Entwicklungshilfe ein neues Feldlager, besser gesichert und näher am Flughafen. Bald schwärmten die Deutschen von “Bad Kundus”, wenn sie abends unten in der Stadt im Ausländertreff “Lapislazuli” zusammensaßen.


Die Stadt veränderte sich. Die Bombentrichter in den Straßen aus früheren Kämpfen wurden aufgefüllt, die Fahrbahnen darüber geteert. Schulen wurden errichtet. Ein Lehrausbildungszentrum in der Stadt zog viele junge Talente an. Workshops zu Friedensarbeit, Frauenzentren oder die Förderung von Kleinbetrieben – die gesamte Palette der Entwicklungshilfe war vor Ort.



Schild in Kundus: Finanzierung der Straße durch die Bundesrepublik (Foto: picture-alliance/dpa)

Das Schild weist auf die Finanzierung der Straße durch die Bundesrepublik hin


Dunkle Wolken


Die Idylle fand ein jähes Ende im Jahr 2007, als ein Selbstmordattentäter drei deutsche Soldaten auf einem Markt in der Stadtmitte in den Tod riss. Zwei Jahre später sorgte die umstrittene Entscheidung des örtliche Bundeswehrkommandeurs Oberst Klein für Schlagzeilen, als er die Bombardierung von zwei Tanklastern anordnete. Sie waren offenbar in die Hände von Taliban geraten und der Offizier fürchtete, sie könnten als fahrende Bomben gegen das Feldlager eingesetzt werden. Dutzende Zivilisten starben.


In der Folge gerät Kundus noch häufiger unter Feuer, 2010 zum Beispiel, als die Bundeswehr in den Gebieten um die Stadt selbst aktiv zum Angriff übergeht. Insgesamt starben 18 Bundewehrsoldaten in den Jahren deutscher Präsenz. “Kundus hat die Bundeswehr geprägt wie kaum ein anderer Ort – hier wurde aufgebaut und gekämpft, geweint und getröstet, getötet und gefallen”, sagte der damalige Verteidigungsminister Thomas de Maiziere, als die Bundeswehr im Oktober 2013 ihren Einsatz beendete.


Zu früh, wie sich jetzt herausstellt. Schon beim Abzug vor eineinhalb Jahren hatten die Bewohner große Befürchtungen: “Wir wissen, dass wir ohne die militärische Unterstützung der Bundeswehr nicht weiter kommen”, sagte damals ein NGO-Mitarbeiter der DW. Wirtschaftsunternehmen, die direkt mit dem Militär zusammenarbeiteten, brachen zusammen. Das Feldlager, das an die afghanischen Sicherheitskräfte übergeben wurde, verfällt.



Verlassenes ehemaliges Feldlager der Bundeswehr in Kundus (Foto: DW/M. Thörner)

Verlassenes ehemaliges Feldlager der Bundeswehr in Kundus


Wachsende Bedrohung trotz Entwicklungserfolgen


Die Entwicklungshilfe versucht unterdessen, das Beste aus der neuen Situation zu machen. Straßenbau und andere Projekte werden weitergeführt. Das Auswärtige Amt pumpt mit einem deutschen Stabilisierungsprogramm für die Nordprovinzen noch bis 2017 insgesamt 87 Millionen Euro in die Provinzen Badakhshan, Takhar, Baghlan und Kundus. Der Norden bleibt weiter der Schwerpunkt der deutschen Entwicklungshilfe für Afghanistan. Ein Großteil der jährlich 430 Millionen Euro fließt in diese Gebiete. Der Parlamentarische Staatssekretär im Entwicklungshilfeministerium, Thomas Silberhorn, sprach von “beeindruckenden Entwicklungserfolgen” als er im Februar den Norden Afghanistans besuchte.


Trotzdem erstarkten die Taliban immer mehr. Auch für sie ist Kundus ein Symbol. Bis zum Sturz ihres Regimes war die Stadt eine Hochburg im Norden, eine Rückeroberung nach einem Jahrzehnt westlicher Präsenz wäre ein großer Prestige-Erfolg. Schon bald nach dem Abzug häuften sich die Hinweise über Aktivitäten der Radikalislamisten. Vergangenen Sommer hissten sie symbolträchtig ihre Fahne auf einem ehemaligen Außenposten der Bundeswehr, bis ihn die afghanische Armee wieder zurückeroberte.



Im Herbst berichtete der ARD-Reporter Marc Thörner, dass die Taliban in manchen Gebieten um die Stadt bereits eine Schattenherrschaft mit Scharia-Gerichten etabliert haben sollen. Vergangene Woche warnte der Vize-Gouverneur von Kundus, die Stadt könnte an die Taliban fallen. Nun wird erbittert gekämpft, wie im Dorf Gul Tepa nahe der Stadt. Dort hatte eine deutsche NGO im Jahr 2005 eine Schule gebaut.


Unter Verwendung von Beiträgen von Nabila Karimi-Alekozai und Marc Thörner

Source Article from http://www.dw.de/symbolträchtiges-kampfgebiet-kundus/a-18420527?maca=de-rss-de-all-1119-rdf

Baltimore-Unruhen: "Es wird noch schlimmer werden"

Baltimore zeigt sich nach den jüngsten Unruhen von seiner freundlichsten Seite: Wo kürzlich noch Häuser brannten und Protestierer in den Straßen randalierten, halten nun die Autofahrer an und lassen die Fußgänger großzügig die Straße passieren. Brandspuren, mit Holz vernagelte Fenster, eingetretene Haustüren und kleine Trümmerhaufen am Straßenrand sind nur noch blasse Spuren von dem, was sich hier ereignet hat. Khali Green war Tag und Nacht mit dabei in der Masse der Demonstranten.



Khali Green (Foto: DW)

Khali Green

Wut im Bauch

Der 19-jährige Student hat auch jetzt wieder Wut im Bauch: “Meine Brüder und Schwestern sind der Polizeibrutalität überdrüssig”, brüllt er fast ins Mikrofon. “Diese Polizisten töten uns und kommen davon. Wir werden so lange protestieren, bis sie schuldig gesprochen werden”, verspricht er trotzig und reckt dabei die Hand zur Faust. Ob er selber gewalttätig geworden ist, sagt er nicht. “Meine Leute sind einfach nur wütend, wir wollen endlich Gerechtigkeit”, empört er sich und weicht einer klaren Antwort aus.

Khali Green kauft sich gerade ein Sandwich in einem winzigen Tante-Emma-Laden an der North-West Avenue. Der Laden ist mit Gitterstäben vollständig gesichert. Die beiden Verkäufer lassen jeden Kunden einzeln herein und geben ansonsten die Ware durch ein kleines Glasfenster heraus. Sie wollen nicht reden über die gewalttätigen Proteste und den bisher unaufgeklärten Tod von Freddie Gray.

Polizisten und Journalisten

Nicht weit von ihrem Laden liegt die CVS-Drogerie, die traurige TV-Berühmtheit erlangt hat, nachdem sie von Randalierern gestürmt und ausgeraubt wurde. Türen und Fenster sind mit Holzverschlägen vernagelt. Vor der Drogerie vertreiben sich junge Afro-Amerikaner die Zeit mit ihren Freunden – und mit Journalisten, die in großer Anzahl angerückt sind. Zahlenmäßig werden sie nur noch übertroffen von Polizisten, die den gegenüberliegenden Bürgersteig abriegeln. Warum sie das tun, können die Beamten auch auf Nachfrage nicht beantworten. Sie gehören zur Polizei des County von Baltimore, die ihre Kollegen in der Stadt unterstützen. Gemeinsam mit ihnen haben sie mehr als 200 Protestierende festgenommen, mehr als ein Dutzend Beamte wurden verletzt.

Misstrauen gewachsen

Detective Tremaine Harvey ist seit Samstag im Einsatz, als die Gewalt losging. An diesem Vormittag ist er mit der Sicherung des Bürgersteigs beauftragt. Zwölf Stunden lang ist die Schicht. Man könne das Misstrauen der Schwarzen gegenüber der Polizei deutlich spüren, sagt der Vater von zwei Kindern, der selber Afro-Amerikaner ist. “Ich hoffe, dass es diesmal ruhig bleibt”, fügt er hinzu.

Nicht weit von ihm auf der anderen Straßenseite steht Tony Burks, der seit einiger Zeit arbeitslos ist. Alles ist ruhig, bestätigt er, “die Leute gehen arbeiten, sie gehen ihren Beschäftigungen nach”. Alles werde fast so wieder wie vorher, glaubt er. Und doch müsse sich etwas ändern. Es müssten endlich genug Gelder in den schwarzen Gemeinden investiert werden, fordert Burks vehement: Bessere Ausbildung, Gemeindezentren, eine kompetentere Polizei. Doch bisher sei nichts passiert. “Richter und Staatsanwälte sollen ihre Hintern in die Community bringen und sehen, wie stark die Menschen unter Armut leiden”, schimpft er.



Tony Burks (Foto: DW)

Tony Burks

Armut und Verbrechen

Burks arbeitet mit jungen Leuten, sagt ihnen was los ist in der Gesellschaft. “Viele junge Leute hier leiden unter der Armut”, betont er. “Als Konsequenz unterscheiden sie nicht wirklich zwischen gut und böse” Deswegen sage er jedem jungen Schwarzen: “Junger Mann, wenn du ein Verbrechen begehst, dann wirst du bestraft. Die Leute werden dich nicht am amerikanischen Traum teilhaben lassen, du kriegst keinen Job, kannst deine Miete und deine Rechnungen nicht bezahlen.”

Burks ist nach eigenen Angaben selber ein verurteilter Straftäter. “Ich leide noch heute darunter, aber ich gebe nicht auf.”

Arbeit mit der Community

Melvin und Kimberly Harvey geben Butterbrote und Wasserflaschen aus. Sie arbeiten als Pastoren für die Salvation Army, ihre Gemeinde liegt nur wenige Straßenzüge entfernt. “Gestern war es chaotisch, ganz verrückt, die Straße war mit Leuten gefüllt. Heute ist es ruhiger”, so Melvin Harvey. “Wir bewegen uns wieder hin zur Normalität.” Die Menschen hier seien wütend gewesen, weil sie fühlten, dass sie nicht gehört werden. Nach den Zusammenstößen seien sie und ihr Mann mit der Community zusammengekommen, erzählt Kimberly. “Hier haben wir mit allen gesprochen: mit den Helfern, den Protestierenden, den Steinewerfern und denen, die dagegen waren.”



Kimberly Harvey (Foto: DW)

Kimberly Harvey

Alle blicken auf Freitag

Der kommende Freitag wird ein entscheidender Tag. Dann wird die Polizei von Baltimore bekanntgeben, ob die sechs Polizisten unter Anklage gestellt werden, gegen die im Zusammenhang mit dem Tod von Freddy Gray ermittelt wird. “Es hängt von dem Urteil ab, ob die Menschen hier wieder Vertrauen fassen oder sagen: Siehste, das habe ich doch gewusst!”, so Kimberly Harvey. In Baltimore gebe es eine lange Tradition des Misstrauens zwischen Polizei und den Afro-Amerikanern. “Aber jetzt, wo alle hierhin blicken, werden sie sich zweimal überlegen, wie sie sich verhalten.”

Im Fernsehen hat Kimberly das inzwischen berühmte Video gesehen, in dem eine Mutter ihren Sohn aus der Gruppe der Demonstranten herausprügelt und nach Hause schickt. “Ich habe einen Sohn im gleichen Alter und ich hätte das genauso gemacht”, sagt Kimberly. “Meine Familie hat darüber gelacht, denn ich bin genau derselbe Typ Mutter.”

Solidaritätskonzert

Die gewalttätigen Unruhen haben auch das Baltimore Symphony Orchestra auf den Plan gerufen. Gemeinsam mit seiner Chefdirigentin Marin Alsop lädt es zu einem Solidaritätskonzert unter freiem Himmel ein. Während die Hymne “Baltimore, Our Baltimore” die Stadt und ihre Menschen in den höchsten Tönen preist, wird Margaret Byrd im Publikum nachdenklich: “Das ist hart. Wir haben eine Tradition der Gewalt. Dieses Land versucht seine Probleme mit Gewalt zu lösen.” Die USA seien stolz auf ihre Filmindustrie. “Die großen Western und alles, aber das ist auch eine Verherrlichung der Gewalt.”

Margaret Byrd ist Erzieherin und eben erst nach Baltimore gezogen. “Wir haben die große Chance, es mit jungen Menschen anders zu machen”, glaubt sie. “Ich sehe wirklich die Möglichkeit, dass wir ihr Leben ändern können.”

Wie viele in Baltimore blickt auch sie gespannt auf den Freitag, wenn die Polizei erste Untersuchungsergebnisse über den Tod von Freddie Gray präsentieren wird. “Ich glaube nicht, dass wir am Freitag eine definitive Auskunft bekommen. Das wird viele bestimmt aufbringen.”

Benita Henson ist der gleichen Meinung. Die Taxifahrerin hat ihren Mann im Jahr 2009 auf ähnliche Weise verloren wie die Eltern von Freddie Gray ihren Sohn. Er starb in Polizeihaft. Sie glaube nicht, dass der Gerechtigkeit jetzt Genüge getan werde. “Ich gehe davon aus, dass die Polizisten davonkommen”, sagt die Mutter von drei erwachsenen Kindern mit großer Bestimmtheit. “Es wird noch schlimmer werden am Freitag. Denn ich denke, sie werden nicht die richtige Entscheidung treffen.”

Source Article from http://www.dw.de/baltimore-unruhen-es-wird-noch-schlimmer-werden/a-18419872?maca=de-rss-de-all-1119-rdf

Angst vor der nächsten Katastrophe in Nepal

Wenige Tage nach der Erdbebenkatastrophe in Nepal haben fehlende Hilfsgüter teilweise Feindseligkeiten ausgelöst. Im Streit um das lebensnotwendige Trinkwasser habe es einzelne Auseinandersetzungen zwischen Hilfesuchenden gegeben, berichtete das UN-Büro für Katastrophenhilfe (OCHA). In Kathmandu zwang eine Menschenmenge einen Lastwagen mit Trinkwasser zum Halten und verteilte die Kanister unter sich. Der deutsche Zweig des UN-Kinderhilfswerks UNICEF mahnte, die Hilfe müsse kräftig ausgeweitet werden, sonst sei eine “Katastrophe nach der Katastrophe” zu befürchten.

Nach Einschätzung von UNICEF droht der Bevölkerung ein Trinkwasser-Notstand. In Bhaktapur nahe der Hauptstadt Kathmandu hätten derzeit nur 20 Prozent der Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser, berichtete die Organisation in Köln nach Schilderungen eigener Erkundungsteams aus schwer verwüsteten Orten. Außerdem würden dringend Toiletten benötigt. “Verschmutztes Trinkwasser und die teilweise katastrophalen hygienischen Bedingungen können schnell zur Ausbreitung von Krankheiten führen”, betonte Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland.



Abgelegene Dörfern wie Arupokhari, Distrikt Gorkha, sind zumeist völlig von Hilfe abgeschnitten (Foto: Getty)

Abgelegene Dörfern wie Arupokhari, Distrikt Gorkha, sind zumeist völlig von Hilfe abgeschnitten

Kommunikationsminister Minendra Rijal gab Schwierigkeiten bei der Koordinierung der Hilfe zu. “Die Katastrophe ist derart groß und beispiellos, dass wir nicht in der Lage waren, den Erwartungen der Menschen zu entsprechen”, sagte Rijal dem Sender Kantipur Television. Ministerpräsident Sushil Koirala warb um Verständnis: Die Regierung werde aus ihren Fehlern lernen.

Der einzige internationale Flughafen des Landes in Kathmandu ist für den derzeitigen Andrang nicht ausgelegt. Etliche Hilfsflüge mussten deshalb warten. Zudem saßen viele Helfer in der Hauptstadt fest, weil sie wegen der zerstörten Straßen nicht in die entlegeneren Regionen rund ums Epizentrum gelangen konnten. Nach UN-Angaben vom Mittwoch sind 54 Hilfsteams aus 22 Ländern im Einsatz.

Rettung nach 82 Stunden unter Trümmern

Die Rettung Überlebender kommt inzwischen fast einem Wunder gleich. Die Bergungskräfte ziehen vor allem Tote aus den Trümmern – allein in Nepal nach jüngsten Angaben etwa 5500. Außerdem seien mindestens 10.000 Menschen verletzt worden, hieß es vom nepalesischen Innenministerium. Hinzu kommen 100 Tote in den Nachbarländern Indien und China. Die Vereinten Nationen hatten von acht Millionen Erdbebenbetroffenen berichtet. Helfer fürchten, dass die Zahl der Toten deutlich steigt, wenn weitere abgelegene Regionen von Helfern erreicht werden. Den Rettern läuft die Zeit davon: Der Monsun erreicht Nepal im Mai, schon jetzt erschweren Regenfälle immer wieder die Aufräumarbeiten. Inmitten von Trümmern und Elend gab es dennoch einen Hoffnungsschimmer: In Nepals Hauptstadt Kathmandu bargen Helfer einen verschütteten Mann nach fast 82 Stunden.


Die Zahl der Deutschen in Nepal, zu denen kein Kontakt bestehe, liege “im hohen zweistelligen Bereich”, hieß es vom Auswärtigen Amt. Der Tod eines Deutschen war bereits bestätigt, weitere Opfer seien aber nicht auszuschließen, hieß es. Ein Professor aus Göttingen, der mit einer Studentengruppe im Himalaya auf Exkursion war, kam bei der Katastrophe ums Leben. Das hatten die Universität und seine Familie am Dienstag bestätigt.

Unter den Vermissten sind auch zwei junge Frauen aus Niedersachsen. Zuhause in Lehrte bei Hannover bangen zwei Familien um ihre Töchter, von denen sie seit Tagen aus der Katastrophenregion nichts gehört haben. “Am vergangenen Donnerstag habe ich aus der Hauptstadt Kathmandu die bisher letzte Handy-Nachricht von meiner Tochter und ihrer Freundin empfangen”, sagte Anja Elsner der Nachrichtenagentur dpa. Die beiden hätten sich für eine mehrtägige Wandertour abgemeldet.

Helfer berichteten von Ansätzen einer “Zwei-Klassen-Hilfe”. “Fakt ist, im Moment werden Touristen bevorzugt behandelt und viele andere fallen hinten runter”, sagte Rainer Brockhaus, Präsident des kirchlichen Bündnisses “Entwicklung Hilft”. “Die Hubschrauber fliegen dorthin, wo sie Geld bekommen.” Ähnlich hatten sich in den vergangenen Tagen die Extrembergsteiger und Mount-Everest-Kenner Reinhold Messner (70) und Peter Habeler (72) geäußert.

Durch das Beben seien mehr als 70.000 Häuser zerstört und mehr als 530.000 Wohnungen beschädigt worden, teilte das UN-Büro OCHA mit. Die Hilfsorganisation der Vereinten Nationen brauchen für weitere Nothilfe nach eigenen Angaben 415 Millionen Dollar (380 Millionen Euro). Mit dem Geld sollen in den kommenden drei Monaten unter anderem Unterkünfte für eine halbe Million Menschen finanziert werden, die durch das Erdbeben obdachlos wurden.



Polizisten in Kathmandu sollen Unruhen verhindern (Foto: Getty)

Polizisten in Kathmandu sollen Unruhen verhindern

Nach langer Hängepartie konnte ein in Berlin gestarteter Hilfsflug mit 60 Tonnen Gütern wie Zelten, Decken und Hygienepaketen in Kathmandu landen. Die Güter im Wert von 670.000 Euro seien bereits entladen und würden für den Weitertransport mit Lastwagen vorbereitet, teilte das Deutsche Rote Kreuz mit. An Bord waren auch zwei Trinkwasseraufbereitungsanlagen, ein mobiles Labor sowie Camp-Ausstattung für das Technische Hilfswerk (THW). Der Flug hatte sich verzögert – Grund war eine fehlende Überfluggenehmigung für Indien, weil der dortige Luftraum zu voll war.

“Das ist ein großer humanitärer Notfall”, sagte der EU-Kommissar für humanitäre Hilfe, Christos Stylianides, in Brüssel. Er wollte noch am Mittwoch nach Nepal fliegen. Er reise dorthin, um zu sehen, wie Europa weiter helfen könne, und um den Helfern Mut zu machen. “Sie sind echte Helden”, sagte Stylianides. Die EU-Kommission hatte am Wochenende drei Millionen Euro Soforthilfe bereitgestellt. Zudem mobilisierten mehrere EU-Staaten mindestens 25 Millionen Euro, wie die EU-Kommission jetzt berichtete. Unter Koordination der Europäischen Union hätten bislang 15 EU-Länder und Norwegen materielle Unterstützung und Helferteams angeboten.

Hilfswerke in Deutschland rufen zu Spenden für die Opfer des Erdbebens in Nepal auf:

Bündnis Entwicklung Hilft (Brot für die Welt, Christoffel-Blindenmission, Kindernothilfe, medico international, Misereor, terre des hommes, Welthungerhilfe): Kennwort “Erdbeben Nepal”, Bank für Sozialwirtschaft, IBAN: DE 7137 02050 0000 8100 100;
BIC: BFSW DE33 XXX (www.entwicklung-hilft.de)

Diakonie Katastrophenhilfe: Kennwort “Nepal Erdbebenhilfe”,
Evangelische Bank, IBAN: DE6852 0604 1000 0050 2502; BIC: GENODEF1EK1
(www.diakonie-katastrophenhilfe.de)

Caritas international: Kennwort: “Erdbebenhilfe Nepal”, Bank für Sozialwirtschaft, IBAN: DE04 6602 0500 0000 0002 02; BIC: BFSWDE33KRL
(www.caritas-international).

Deutsches Rotes Kreuz: Kennwort “Erdbeben Nepal”, Bank für Sozialwirtschaft, IBAN: DE63 3702 0500 0005 0233 07. BIC: BFSWDE33XXX
(www.drk.de)

“Aktion Deutschland Hilft” (unter anderen Care, Help, World Vision, Islamic Relief, ASB, Awo): Kennwort “Erdbeben Nepal”, Bank für Sozialwirtschaft, IBAN: DE62 3702 0500 0000 1020 30; BIC: BFSWDE33XXX (www.aktion-deutschland-hilft.de)

UNICEF: Kennwort “Erdbeben Nepal”, Bank für Sozialwirtschaft,
IBAN: DE57 3702 0500 0000 3000 00; BIC: BFSWDE33XXX (www.unicef.de)

Deutsche Welthungerhilfe: Kennwort “Nothilfe Nepal”, Sparkasse
KölnBonn, IBAN: DE15 3705 0198 0000 0011 15; BIC: COLSDE33
(www.welthungerhilfe.de)

stu/wl (afp, dpa)

Source Article from http://www.dw.de/angst-vor-der-nächsten-katastrophe-in-nepal/a-18419869?maca=de-rss-de-all-1119-rdf

Moody’s stuft Griechenland weiter herab

Die Kreditwürdigkeit Griechenlands werde von Note “Caa1″ auf “Caa2″ herabgestuft, teilte Moody’s in London mit. Das Euro-Land rutscht damit noch tiefer in den sogenannten Ramschbereich, griechische Staatsanleihen gelten bei Moody’s schon länger als “schlechte Qualität” und “sehr großes Kreditrisiko”. Der Ausblick für das Rating ist negativ, so dass die Möglichkeit weiterer Herabstufungen besteht.

Unklar, wie es weiter geht

Es bestehe “große Unsicherheit”, ob sich Athen mit seinen europäischen Partnern über weitere Finanzhilfen einigen könne, erklärte Moody’s zur Begründung für die neuerliche Herabstufung. Die Euro-Länder hatten das Hilfsprogramm für Griechenland im Februar nochmals bis Ende Juni verlängert. Voraussetzung für weitere finanzielle Hilfe ist aber eine Liste mit belastbaren Reformen, die die neue Regierung bisher aber nicht vorgelegt hat.


Angesichts der akuten Finanznot will Griechenland nach wochenlangem Tauziehen offenbar einen Schritt auf seine internationalen Gläubiger zugehen. Für diesen Donnerstag ist ein Treffen mit der sogenannten Brüsseler Gruppe geplant, zu dem Athen neue Vorschläge zur Erhöhung der Staatseinnahmen präsentieren will, wie es laut Nachrichtenagenturen aus griechischen Regierungskreisen hieß.

Zur Brüsseler Gruppe gehören neben Unterhändlern Griechenlands Vertreter der EU-Kommission, der Europäischen Zentralbank, des Euro-Rettungsschirms ESM und des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Verkauf der Häfen möglich

Von einer Verständigung zwischen Athen den Gläubigern hängt ab, ob diese 7,2 Milliarden Euro Hilfskredite freigeben werden. Griechenland muss im Mai rund eine Milliarde Euro an Krediten an den IWF zurückzahlen. Um an die Hilfsgelder zu kommen, prüft die Regierung in Athen nun doch den Verkauf der beiden größten Häfen des Landes.


“Das Verhandlungsteam will eine Einigung mit den Geldgebern und wir sind bereit, die Häfen von Piräus und Thessaloniki zu 51 Prozent zu verkaufen”, sagte ein Vertreter der griechischen Regierung laut Agentur Reuters. “Es gibt noch keine Entscheidung, aber um einen Deal (mit den Geldgebern) zu erreichen, könnten wir es tun.”

Nach ihrem Amtsantritt im Januar hatte die Regierung unter Führung der linken Syriza-Partei von Ministerpräsident Alexis Tsipras erklärt, sie werde die Spar- und Privatisierungspolitik der Vorgängerregierungen nicht fortsetzen. Seitdem gibt es ein Hin und Her über die Zukunft der Häfen.

wl/stu (dpa, afp, rtr)

Source Article from http://www.dw.de/moody-s-stuft-griechenland-weiter-herab/a-18419875?maca=de-rss-de-all-1119-rdf

Anleger müssen weiter im Nebel stochern

Zwei Tage lang haben die Währungshüter zusammengesessen und sich über die künftige Zinspolitik unterhalten. Vermutlich wird man dort auch den Zeitplan besprochen haben, wie man von der gegenwärtigen Niedrigzinspolitik wieder wegkommen will. Nur: Nach außen gedrungen ist davon bisher nichts; die Währungshüter der Federal Reserve (Fed) gaben keine konkreten Hinweise auf die erste Zinserhöhung nach der Finanzkrise. Sie halten sich damit vorerst alle geldpolitischen Optionen offen.

US-Konjunktur tritt auf der Stelle

Der US-Leitzins bleibt damit vorerst auf dem Rekordtief zwischen null und 0,25 Prozent. Dort liegt er seit Ende 2008. Die Notenbank hatte Anleger bereits auf eine nahende Zinswende vorbereitet. Allerdings scheint die aktuelle Lage der Wirtschaft das nicht zuzulassen. Der starke Dollar und der ungewöhnlich strenge Winter haben den Wachstumsmotor der US-Wirtschaft zu Jahresbeginn fast abgewürgt. Das Bruttoinlandsprodukt legte von Januar bis März auf das Jahr hochgerechnet nur noch minimal um 0,2 Prozent zu, wie das Handelsministerium in Washington am Mittwoch (29.04.2015) mitteilte. Die weltgrößte Volkswirtschaft stagniert damit quasi. Mit einem derart starken Einbruch hatte kaum ein Experte gerechnet, zumal die Konjunktur Ende 2014 noch rund lief und die Wirtschaft um 2,2 Prozent zulegte.

Bru/dk (Reuters / dpa)

Source Article from http://www.dw.de/anleger-müssen-weiter-im-nebel-stochern/a-18419771?maca=de-rss-de-all-1119-rdf