Месечни архиви: June 2015

Antrag Griechenlands zurückgewiesen

Versuche Griechenlands und der Europäischen Union, sprichwörtlich auf den letzten Drücker noch eine Einigung im Schuldenstreit zu finden, sind gescheitert. Obwohl den ganzen Tag über Briefe ausgetauscht und Gerüchte in Brüssel gestreut wurden, garniert mit der einer oder anderen Twittermeldung, konnten die eilig zu einer Telefonkonferenz einberufenen Finanzminister der 19 Euro-Staaten am Abend keinen entsprechenden Beschluss fassen.

Der griechische Premierminister Alexis Tsipras hatte nur wenige Stunden zuvor einen Brief geschickt, in dem er als neueste Wendung ein drittes Hilfsprogramm für Griechenland beim europäischen Rettungsschirm ESM beantragt.

Tsipras schreibt, sein Land brauche einen Kredit von 29 Milliarden Euro, um in den nächsten zwei Jahren vor allem die Schulden beim Internationalen Währungsfonds und bei der Europäischen Zentralbank zu bedienen. Um Mitternacht mitteleuropäischer Zeit lief das zweite Hilfsprogramm aus, das nicht mehr ordnungsgemäß abgeschlossen werden konnte, weil die griechische Regierung am Freitag überraschend die Verhandlungen abgebrochen hatte.

Das dritte Programm, das der griechische Premier nun verlangt, erfordert nach Einschätzung von EU-Diplomaten umfangreiche Verhandlungen und auch einen ganz neuen Kreditvertrag zwischen Griechenland und dem Rettungsschirm.



Griechenland Athen Tsipras im TV Studio Interview

Tsipras im Fernsehinterview: Vorwürfe und neue Anträge

Euro-Gruppe kann nicht so schnell entscheiden

Tsipras hat ausdrücklich darauf verzichtet, auch den Internationalen Währungsfonds (IWF) oder die Europäische Zentralbank (EZB) in seinem Brief als Geldgeber für das neue Programm zu nennen. Offenbar möchte die links-rechtsradikale Regierung in Athen vor allem den als besonders streng geltenden IWF abschütteln. Der finnische Finanzminister Alex Stubb teilte nach der Telefonkonferenz mit seinen Kollegen mit, über den griechischen Antrag konnte am Abend nicht entschieden werden. “Die normalen Prozeduren müssen eingehalten werden.”

Der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, sagte vor Journalisten in Brüssel am Abend, der griechische Ministerpräsident dürfe nicht nur Anträge stellen und sagen, was er haben wolle. “Er muss auch sagen, was er geben und anbieten will. Das fehlt in dem Brief völlig”, kritisierte Schulz. Jetzt müsse man das Referendum über die Euro-Mitgliedschaft am Sonntag in Griechenland abwarten, sagte Schulz, um dann nächsten Montag zu sehen, welches Mandat die griechische Regierung habe und worüber man verhandeln könne.

Überraschungen weiter möglich?



Griechenland Schuldenkrise PK Juncker

Juncker auf Rettungskurs: Bis zur letzten Millisekunde

Tsipras hatte überraschend eine Volksabstimmung angesetzt und die Wähler aufgefordert, die Vorschläge der Geldgeber abzulehnen, weil die Sparauflagen und die verlangten Strukturreformen zu hart seien. Am Abend gab es Gerüchte, Tsipras könne bereit sein, das Referendum wieder abzusagen, falls die Euro-Gruppe auf seine Forderungen eingehe.

Der Chef der EU-Kommission, Jean-Claude Juncker, deutete am Abend an, es könnten in den nächsten Stunden noch Dinge passieren, mit denen keiner gerechnet habe. Doch nichts dergleichen passierte: Die Frist für den IWF-Kredit verstrich, ohne dass Griechenland zahlte. Wie der IWF bestätigte, hatte sich die griechische Regierung zuvor noch um eine Fristverlängerung bemüht.

Der Vorsitzende der Euro-Gruppe, der niederländische Finanzminister Jeroen Dijsselbloem, sagte nach der erneuten telefonischen Sondersitzung, für eine Verlängerung des auslaufenden Hilfsprogramms sei es zu spät. Die Geldgeber, also nicht nur der Rettungsschirm, sondern auch der IWF und die EZB, würden sich erst nach dem Referendum am Sonntag mit den jüngsten griechischen Anfragen befassen. Dennoch ist für Mittwoch morgen erneut eine telefonische Sitzung der 19 Finanzminister der Währungsunion angesetzt worden.

“Zwei Wahrheiten”

Juncker, der sich am Montag traurig zeigte und von der griechischen Regierung betrogen fühlte, arbeitete am Dienstag wieder den ganzen Tag als Vermittler. Er hatte am Vormittag noch einmal mit Tsipras telefoniert, um ihm die letzten Angebote der drei Institutionen schmackhaft zu machen. Tsipras antwortete mit dem Antrag auf ein drittes Hilfsprogramm. Der inzwischen niedergeschlagen wirkende Juncker fand am Abend bei einer Veranstaltung mit Journalisten kurz seinen sarkastischen Humor wieder. “Herr Tsipras und ich haben zwei unterschiedliche Wahrheiten. Finden Sie heraus, welche die richtige ist”, forderte er die Korrespondenten auf.

Europäische Zentralbank hat es in der Hand



Griechenland Geldautomat

Geldautomat in Piräus: Keine Auszahlung möglich

Entscheidend für das finanzielle Überleben Griechenlands zumindest bis zum Referendum ist jetzt wieder einmal mehr die Europäische Zentralbank (EZB). Sie wird am Mittwoch entscheiden, ob griechische Banken weiter Notfall-Kredite (ELA) erhalten, um ihre Kunden an den Bankautomaten wenigstens mit einem Minimum an Bargeld versorgen zu können. Eigentlich darf die EZB Banken, die als bankrott gelten müssen, kein Geld mehr leihen. Die ELA-Kredite sollen bereits 90 Milliarden Euro umfassen. Da die großen Banken in Griechenland mehr oder weniger vom Staat und seiner Kreditwürdigkeit abhängig sind, müsste die EZB die Notkredite stoppen, sobald Griechenland seine Schulden beim IWF nicht mehr bedient.


Der Ökonom Guntram Wolff von der Denkfabrik “Bruegel” in Brüssel sagte der Deutschen Welle, die Banken in Griechenland müssten im Prinzip so lange geschlossen bleiben, bis es eine Einigung mit der Zentralbank in Frankfurt gäbe. “Erst wenn das Referendum in Griechenland mit Nein beantwortet würde, müsste Plan B in Gang gesetzt werden. Dann reden wir von einem Grexit und Griechenland müsste eine neue Währung drucken”, so Wolff. De jure bliebe Griechenland Mitglied der Euro-Währungsgemeinschaft, hätte de facto aber keine Euro mehr zur Verfügung. Der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis will das nicht wahrhaben und sagte der Zeitung “Daily Telegraph”, er wolle notfalls Klage vor dem Europäischen Gerichtshof erheben. “Die Verträge sehen keinen Austritt vor. Wir weigern uns, das zu akzeptieren.”

Die griechische Regierung wird heftig von einem sozialdemokratischen Premier kritisiert, dem zu Anfang Sympathien für die Syriza-Kurs nachgesagt wurden. Der italienische Premier Matteo Renzi, dessen Land ebenfalls überschuldet ist, sagte der italienischen Zeitung “Il Sole Ore 24″: “Ich denke Alexis und seine Leute waren sinnlos stur, weil sie immer nur Nein sagen.”

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Liveticker: Deutschland gegen USA

Frauen-WM 2015




Die Nummer eins der Welt trifft im Halbfinale der Frauen-WM in Kanada auf die Nummer zwei. Die DFB-Frauen und die US-Girls wollen den dritten Stern. Verfolgen Sie hier live mit, wie die Partie läuft!










Die Redaktion empfiehlt










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Schweden gewinnt die U21-EM

Die schwedischen U21-Fußballer haben zum ersten Mal in der Geschichte einen Titel im Nachwuchsbereich gewonnen. Die Mannschaft von Trainer Hakan Ericson setzte sich im Endspiel der U21-Europameisterschaft in Prag gegen Portugal durch. Nach 120 torlosen Minuten fiel die Entscheidung mit 4:3 im Elfmeterschießen. Vor 18.867 Zuschauern im Stadion Eden vergab Portugals Star William Carvalho den entscheidenden Elfmeter, er war damit der zweite portugiesische Spieler, der vom Punkt am schwedischen Schlussmann Patrik Carlgren scheiterte. Zuvor hatte Carlgren auch den Schuss von Ricardo Esgaio pariert. Doch auch Abdul Khalili vergab, sodass Carlgren beim letzten Schuss von William noch einmal tätig werden musste und so zum Helden des Abends wurde.

Die Portugiesen, die sich
im Halbfinale klar mit 5:0 gegen Deutschland durchgesetzt hatten, verpassten damit den ersten U21-Titel und unterlagen nach 1994 zum zweiten Mal in einem Endspiel dieses Jahrgangs. Die zuvor in 15 Pflichtspielen unbesiegten Portugiesen hatten Innenverteidiger Tiago Ilori wieder an Bord und wurden ihre Favoritenrolle von Beginn an gerecht. Bereits in der 2. Minute scheiterte Ricardo mit einem Linksschuss knapp. Fünf Minuten später traf Kapitän Sergio Oliveira mit einem Freistoß nur die Latte.

Gladbachs Hrgota nur Ersatz

Die Schweden, die im Gruppenspiel gegen Portugal ein 1:1 erreichten, liefen in ihrer zuletzt erfolgreichen Formation auf. Dem Mönchengladbacher Bundesligaprofi Branimir Hrgota blieb erneut nur ein Platz auf der Bank. Die Skandinavier kamen besser ins Spiel, konnten die Partie lange Zeit offen gestalten und hatten in der 53. und 86. Minute durch John Giudetti die größten Torgelegenheiten. Die besseren Chancen erspielten sich allerdings die offensivstärkeren Portugiesen, die ihre Überlegenheit aber nicht in Treffer umsetzen konnten und in der Verlängerung Opfer ihres hohen Tempos wurden.

Der neue Europameister Schweden hatte sich zuvor wie auch Portugal, Deutschland und Dänemark bereits für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro qualifiziert.

asz/ac (sid, dpa)

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Atomgespräche bis zum 7. Juli verlängert

Die fünf UN-Vetomächte (USA, Russland, China, Großbritannien, Frankreich) und Deutschland hätten entschieden, ihr Interimsabkommen bis zum 7. Juli zu verlängern, um mehr Zeit für die Gespräche über eine langfristige Lösung zu geben, teilte das US-Außenministerium mit.

Der Durchbruch ist noch nicht geschafft

Zuvor hatte bereits die EU ihre Sanktionserleichterungen um eine Woche verlängert. Ziel sei es, “mehr Zeit für die andauernden Verhandlungen über eine langfristige Lösung in der iranischen Atomfrage zu schaffen”, erklärte der Europäische Rat. Bereits am Wochenende war mitgeteilt worden, dass die Verhandlungen in Wien, dem Sitz der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), über die selbst gesetzte Frist am 30. Juni Mitternacht hinaus fortgesetzt würden.


Zuletzt hatte es immer mehr Anzeichen für Fortschritte in den Verhandlungen gegeben. Doch es bleiben noch Differenzen bei einigen der zentralen Probleme. Für Diskussionen sorgt insbesondere der Zeitplan für die Aufhebung der Sanktionen. Teheran will die schmerzhaften Finanz- und Handelssanktionen sofort bei Unterzeichnung des Abkommens aufgehoben sehen. Die 5+1-Gruppe will dies dagegen erst tun, wenn der Iran seine wichtigsten Verpflichtungen erfüllt hat. Dies könnte einige Monate dauern.

Ein weiterer offener Streitpunkt ist die Forderung der 5+1-Gruppe, den Inspektoren der IAEA auch Zugang zu iranischen Militäranlagen zu gewähren. So soll sichergestellt werden, dass dort nicht insgeheim neue Atomanlagen aufgebaut werden. Der Iran lehnt dies aus Sorge vor Spionage ab.

Auf Kompromisskurs

An diesem Donnerstag (2. Juli) werde in Wien eine große Runde möglichst aller beteiligten Außenminister angestrebt, berichteten iranische Medien. Teherans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif zeigte sich nach einem Treffen mit seinem US-Kollegen John Kerry in Wien optimistisch: “Wir sind alle hier, um ein Abkommen zu erzielen, und ich glaube, dass wir es auch schaffen werden.” Der US-Außenminister gab sich deutlich zugeknöpfter. “Wir hatten ein gutes Gespräch”, mehr konnten ihm die Journalisten nicht entlocken.

US-Präsident Barack Obama bekräftigte in Washington, er werde keinen “schlechten Deal” unterzeichnen. Als Bedingung für ein Abkommen nannte er bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus einen “starken, rigorosen Kontrollmechanismus” für die iranischen Atomanlagen. Ziel sei es, dem Iran den Weg zu einer Atombombe zu versperren. Diese Anweisung sei für die US-Unterhändler in Wien “äußerst klar”.

Große Chance für den Iran

Russlands Außenminister Sergej Lawrow sagte im russischen Staatsfernsehen, eine Übereinkunft sei “in Reichweite”. Die verbleibenden Streitpunkte beträfen vorwiegend “Verfahrensfragen”, weniger technische Probleme.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hob die positiven Folgen einer möglichen Einigung für den Iran und auch für Deutschland hervor. Experten schätzten, dass eine Aufhebung der Sanktionen im Iran zu einem Wirtschaftswachstum von fünf bis sieben Prozent und einem Rückgang der Arbeitslosigkeit um etwa drei Prozent führen werde, sagte Steinmeier der iranischen Nachrichtenagentur FARS. Deutschland und der Iran könnten an die einst sehr intensiven bilateralen Kontakte in Wirtschaft und Kultur anknüpfen.

Grundlage für die Verhandlungen in Wien über ein endgültiges Atomabkommen ist eine Anfang April im schweizerischen Lausanne geschlossene Rahmenvereinbarung. Das Abkommen soll dem Iran die Nutzung der zivilen Atomtechnologie ermöglichen, ihn aber an der Entwicklung von Atomwaffen hindern.

qu/kle (afp, rtr, dpa)

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+++Live-Ticker: Entscheidung über neue Hilfe an Athen vertagt +++

Nach dem Scheitern der Schuldengespräche zwischen Griechenland und den Gläubigern läuft das Hilfsprogramm der Euroländer für das vom Staatsbankrott bedrohte Land um Mitternacht aus. Die Regierung in Athen hat bereits mitgeteilt, dass sie eine am selben Tag fällige Kreditrate von rund 1,6 Milliarden Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) nicht zahlen wird. Ohne Rückzahlung bis 24 Uhr Washingtoner Zeit (7 Uhr MEZ) könnte der IWF Athen in den kommenden Wochen für zahlungsunfähig erklären.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker schlug Griechenland im Schuldenstreit nun eine “Einigung in letzter Minute” vor. Am Nachmittag überraschte Athen die Gläubiger dann mit dem Vorschlag, den Euro-Rettungsfonds ESM für zwei Jahre anzuzapfen, um eine Pleite zu verhindern. Zudem forderte Athen erneut eine Schuldenentlastung.

Die jüngsten Entwicklungen im Schuldenstreit:

20:10 Uhr MEZ: Der finnische Finanzminister Alexander Stubb twittert, eine kurzfristige Verlängerung des Hilfsprogramms und ein Schuldenschnitt seien nicht möglich. Der Ministerpräsident Maltas, Joseph Muscat, erklärt im Parlament in Valetta, die Griechen seien grundsätzlich bereit, ihr Referendum auszusetzen, sollte es zu einer Einigung mit den Gläubigern kommen.

19:50 Uhr MEZ: EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker verlässt den Empfang der Auslandspresse in Brüssel: Er müsse “sofort” wieder an seinen “Schreibtisch zurück”. Währenddessen sind die Euro-Finanzminister in einer Telefonkonferenz zusammengeschaltet. Es geht um den neuen Antrag Griechenlands auf finanzielle Unterstützung durch den EMS und die Bitte um eine Umschuldung.


19:02 Uhr MEZ: Der Bundestag debattiert am Mittwoch ab 13 Uhr in einer Sondersitzung über die Lage in Griechenland. Neben Kanzlerin Angela Merkel (CDU) werden auch Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) und Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sprechen.

18:52 MEZ: Der Schuldenstreit wird auf die USA nach Einschätzung von Präsident Barack Obama keine größeren Auswirkungen haben. Die Krise betreffe vor allem Europa und werde in den Vereinigten Staaten keinen “großen Schock im System” auslösen, sagte Obama im Weißen Haus. Washington nehme die Krise ernst, da sie einen Dämpfer auf die Weltwirtschaft und schmerzliche Folgen für die Griechen haben könnte. Europa sei ein wichtiger Exportmarkt. “Sie sollte aber keine Überreaktionen hervorrufen”, sagte Obama. Bislang hätten die Märkte angemessen auf bevorstehende Risiken in dem Schuldendrama reagiert.

18:48 Uhr MEZ: Die Regierung in Athen will nach einem Medienbericht doch die Kredite an den IWF zurückzahlen. Wie die “Bild”-Zeitung ohne Angabe einer Quelle berichtet, wandelte sie den Antrag, die etwa 1,6 Milliarden Euro überhaupt nicht zu zahlen, in eine Bitte um Verschiebung um.

18:39 Uhr MEZ: Bundeskanzlerin Angela Merkel bekräftigt ihre Ablehnung von Verhandlungen über weitere Hilfszahlungen vor dem für Sonntag geplanten Referendum in Griechenland. “Bevor nicht ein Referendum – so wie es geplant ist – durchgeführt wird, werden wir über gar nichts neu verhandeln”, sagt sie vor dem Wirtschaftsflügel der Unionsfraktion im Bundestag in Berlin. Griechenland habe “die Entscheidung getroffen, dass heute um Mitternacht das zweite Hilfsprogramm ausläuft”. Den neuen Vorstoß aus Athen bezeichnete Merkel als “noch nicht näher zu klassifizierende Angebote (…) auf Verhandlungen, die wir nicht spezifizieren können”.


18:18 Uhr MEZ: Die Ratingagentur S&P stuft die vier großen griechischen Banken auf “SD” (Zahlungsausfall in einigen Bereichen) herab. Sie begründet dies mit den von der Regierung verfügten Kapitalverkehrskontrollen.

18:06 Uhr MEZ: Die Euro-Gruppe wird heute nach Aussage eines Vertreters der Euro-Zone “auf keinen Fall” Mittel freigeben, damit Griechenland seine heute fällige IWF-Kreditrate bezahlen kann.

18:03 Uhr MEZ: Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg warnt die die griechische Regierung vor Kürzungen des Militärbudgets. Er erwarte, dass das Land auch weiterhin zwei Prozent des Bruttoinlandprodukts für Verteidigung ausgebe, sagt Stoltenberg heute.de.

17:19 MEZ: Griechenland sollte nach Ansicht des deutschen Vizekanzlers Sigmar Gabriel nach dem neuen Hilfsantrag auf die für Sonntag geplante Volksabstimmung verzichten. “Das beste wäre, wenn Herr Tsipras das Referendum absagt”, sagt Gabriel am Rande einer SPD-Fraktionssitzung. Dann könne man auch recht schnell über den neuen Antrag sprechen. Niemand sollte jedoch mit einer raschen Einigung zwischen Geldgebern und Athen rechnen, betonte Gabriel. Eine Lösung sei sehr kompliziert.

17:16 Uhr MEZ: Ex-Ministerpräsident Georgios Papandreou bezeichnet gegenüber CNBC ein “Ja” beim Referendum als einzige Möglichkeit für Griechenland, “stark zu bleiben”. Mit “ja” zu stimmen sei sehr patriotisch.

17:00 MEZ: Griechenland bitte seine Gläubiger darum, das gegenwärtige Hilfsprogramm “für kurze Zeit” zu verlängern. Dies geht aus einem Brief von Ministerpräsident Alexis Tsipras hervor, den die Website Politico veröffentlicht hat.

16:47 MEZ: Nach den Worten von Bundeskanzlerin Angela Merkel wird Deutschland vor einem Referendum nicht über den neuen Antrag Griechenlands auf ein drittes Hilfspaket beraten. “Vor einem Referendum kann von deutscher Seite aus kein neuer Antrag beraten werden”, sagte Merkel nach Angaben von Teilnehmern in der Fraktionssitzung der Union. Aus Regierungskreisen erfuhr die Deutsche Presse-Agentur, wenn der griechische Premier Alexis Tsipras die für Sonntag angesetzte Volksabstimmung jedoch absage, könne eine neue Lage entstehen und unter Umständen früher beraten werde.

16:46 MEZ: Bundeskanzlerin Angela Merkel berät sich nach der überraschenden Bitte Athens um ein drittes Hilfsprogramm spontan mit der SPD-Spitze über die neue Lage. Am Rande der Fraktionssitzungen im Reichstag zieht sich Merkel für knapp zehn Minuten zu einem Gespräch mit SPD-Chef Sigmar Gabriel, dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Thomas Oppermann und Unionsfraktionschef Volker Kauder zurück. Zu den Inhalten wird zunächst nichts bekannt.

16:30 MEZ: Die Eurogruppe will um 19.00 Uhr in einer Telefonkonferenz über das neue griechische Hilfsgesuch debattieren. Das teilte Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem über den Kurznachrichtendienst Twitter mit.

16:23 Uhr MEZ: Die Euro-Gruppe hält um 19:00 Uhr MESZ eine Telefonkonferenz ab. Dies verlautet aus Euro-Zonen-Kreisen.

16:19 Uhr MEZ: Die konservative Opposition in Griechenland warnt vor einem Nein bei der Volksabstimmung zum EU-Hilfspaket. Es gehe um die Zukunft des Landes in Europa und um den Euro. Bei Ablehnung des Vorschlags wären Löhne und Renten bedroht.

16:07 MEZ: Bundeskanzlerin Angela Merkel geht fest von einem Auslaufen des zweiten Griechenland-Hilfspakets um Mitternacht aus. Zu Berichten über angebliche neue Verhandlungsangebote aus Athen sagte Merkel nach Angaben von Teilnehmern in der Unions-Bundestagsfraktion, “heute wird nichts mehr passieren”. Sie habe darauf verwiesen, dass dies schon zeitlich nicht mehr möglich sei, weil für eine Verlängerung des Hilfspakets ein Verfahren nötig sei, bei dem auch der Bundestag zustimmen müsste. Es sei sehr wichtig, dass die anderen 18 Euro-Staaten eng zusammenstünden. Bei der Auseinandersetzung über das Grundprinzip, dass es Hilfe nur bei Gegenleistungen geben könne, müsse notfalls auch ein Konflikt ausgehalten werden.

Fortsetzung Seite 2:

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Nobelpreisträger uneins über Referendum


Es gibt Situationen, für die sich keine guten Optionen finden. Sondern nur mehr oder weniger schlechte. So ungefähr beschreibt der Wirtschaftswissenschaftler Joseph Stiglitz, Nobelpreisträger des Jahres 2001, die Entscheidung, vor der nun die Griechen stehen: Sparauflagen ja oder nein? “Es ist schwierig, den Griechen für den 5. Juli einen Rat zu geben. Keine
der beiden Alternativen – Annahme oder Ablehnung der Bedingungen der Troika – ist einfach. Beide enthalten gewaltige Risiken”, schreibt Stiglitz in der britischen Tageszeitung The Guardian.


Eine Entscheidung für das Programm, so Stiglitz, “würde eine endlose Depression bedeuten”. Zwar könnte ein ‘Ja’ den Griechen für die kommenden Jahrzehnte Schuldenerleichterungen und Hilfe von der Weltbank bringen. Aber die Bürger hätten einen sehr hohen Preis zu zahlen, so Stiglitz. Am Ende lebten sie in einem “entleerten Land. Dieses hätte seine gesamten Besitztümer verkauft, und die klugen jungen Leute hätten das Land verlassen.”



Joseph Stiglitz (Foto: picture alliance/Sven Simon)

Joseph Stiglitz


Mit ‘Nein’ zu stimmen, so Stiglitz weiter, “würde zumindest die Möglichkeit bieten, dass Griechenland mit seiner starken demokratischen Tradition selbst über sein Schicksal bestimmen kann.” Zwar könnte die griechische Zukunft nicht so glänzend sein wie seine Vergangenheit. Aber das wäre immer noch besser als “die unerhörte Qual der Gegenwart”. “Ich weiß, wie ich wählen würde”, endet Stiglitz.


Sackgasse in den Grexit


Christopher Pissarides, Nobelpreisträger des Jahres 2010, der in diesem Jahr mit Stiglitz in der Financial Times ein Plädoyer für einen
Schuldennachlass veröffentlicht hatte, kommt zu dem entgegengesetzten Ergebnis. Im Interview mit der Deutschen Welle rät er den Griechen, die Sparauflagen im Referendum anzunehmen. “Ich würde dafür stimmen und jedem raten, es ebenfalls zu tun. Denn ein ‘Nein’ würde in eine Sackgasse und letztlich zum Grexit führen.”




Porträt Christopher Pissarides (Foto: picture-alliance/Sun Xinming/Imaginechina)

Christopher Pissarides

Er könne nicht sehen, wie Athen bei einem ‘Nein’ im Euro bleiben und weiteres Geld von der EZB erhalten könne, so Pissarides. “Mit Griechenland ginge es immer weiter zurück, in Richtung einer immer größeren Rezession.”


Entsetzt zeigt sich Pissarides über den Umgang der Syriza-geführten Regierung mit der Finanzkrise. “Schaut man sich die Entwicklung der griechischen Wirtschaftspolitik seit der Wahl von Syriza im vergangenen Januar an, muss man wirklich von einem dauerhaften Missmanagement sprechen”, betont Pissarides.


Zustimmung wäre “zutiefst beunruhigend”


Paul Krugman, Nobelpreisträger des Jahres 2008, stimmt in seinem Blog in der New York Times der Analyse von Stiglitz zu. “Ich würde mit Nein stimmen”. Zwei Gründe nennt er: “Zwar haben wir alle Angst vor dem Austritt Griechenlands aus dem Euro. Aber wenn die Troika nun ernsthaft fordert, dass das Programm der letzten fünf Jahre unbegrenzt fortgeführt wird – wo bleibt da die Hoffnung?”



Porträt Paul Krugman (Foto: DON EMMERT/AFP/Getty Images)

Paul Krugman


Zudem findet Krugman die politischen Konsequenzen eines ‘Ja’ “zutiefst beunruhigend”. “Die Troika machte Tsipras ein Angebot, dass er unmöglich akzeptieren konnte. Und vermutlich tat sie das mit voller Absicht.” Das Ultimatum, vermutet Krugman, sollte dazu dienen, die griechische Regierung aus dem Amt zu drängen: “Und selbst, wenn man Syriza nicht mag, muss ein solches Vorgehen verstörend für alle sein, die an
europäische Ideale glauben.”

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Kindern Schmerzen erklären


Name: Boris Zernikow, geboren am 12. August 1964 in Bochum, Medizinstudium in Münster und an der Harvard Medical School in Boston, Promotion zum Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin mit dem Schwerpunkt Kinderonkologie. Heute Chefarzt für Kinderschmerztherapie und Pädiatrische Palliativmedizin in Datteln und Träger des Communicator-Preises 2015. Seine zentralen Themen: Schmerz, Schmerztherapie und Palliativersorgung bei Kindern und Jugendlichen.


Der Mediziner engagiert sich dafür, diese Themen verstärkt in eine breite Öffentlichkeit zu bringen. Er beschäftigt sich intensiv mit chronischen Schmerzen bei Kindern und Jugendlichen, auch mit denjenigen, die unter einer sogenannten lebensverkürzenden Erkrankung leiden. Bei ihnen ist schon in sehr jungen Jahren klar, dass sie früh versterben.


Kindgerecht kommuniziert er dieses schwierige Gebiet, erklärt Kindern und Jugendlichen die Hintergründe, auch mit außergewöhnlichen Mitteln: “Wir haben zum Beispiel zusammen mit dem letzten Chefzeichner von “Fix und Foxy” einen Trickfilm erstellt, in dem Kindern chronischer Schmerz erklärt wird”, so Zernikow. Dieser Film mit dem Titel: “Den Schmerz verstehen – und was zu tun ist”.




Eine junge Patientin malt
(Foto: imago/ITAR-TASS).

Wichtig ist, dass Kinder verstehen, wie Schmerz entsteht

Zeit zählt


Auch bei chronischem Schmerz sei es notwendig, dass Kinder sich in ihrem Alltag normal bewegen, so der Preisträger. “Um das zu erreichen, ist es unglaublich wichtig, dass die Kinder verstehen, wie chronischer Schmerz entsteht. Sonst hat man sie nicht mit im Boot. Kinder finden es toll, wenn man sich die Zeit nimmt, ihnen zu erklären, warum es immer weh tut.”


Zernikow ist davon überzeugt, dass die Aufklärung von Patienten der erste – vor allem aber der wichtigste Schritt – in der Behandlung ist. Das trifft vor allem für seine jungen Patienten zu.


Viele der Kinder, die zu ihm ins Deutsche Kinderschmerzzentrum nach Datteln kommen, leiden unter verschiedenen Arten von Schmerzen: Kopf- und Bauchschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen, ohne dass etwa eine Organschädigung vorliegt. “Aber trotzdem gibt es starke Schmerzen, die die Kinder traurig und ängstlich machen, und die sie beispielsweise davon abhalten, regelmäßig in die Schule zu gehen”, weiß Zernikow.


Zwei Hauptgebiete


Die Arbeit des Preisträgers teilt sich im Wesentlichen auf zwei Bereiche auf: das Deutsche Kinderschmerzzentrum und die Vestische Kinderklinik in Datteln. Sie beheimatet das erste Kinder-Palliativzentrum in Europa. Dort kümmern sich Ärzte und medizinisches Personal um Kinder, die vielleicht auch unter Schmerzen leiden, deren Hauptproblem aber eine Erkrankung ist, die in absehbarer Zeit zum Tod führen wird. “Darunter fallen zum Beispiel Hirntumoren, oder aber Stoffwechselerkrankungen”, so der Mediziner.


In der Praxis unterscheidet Zernikow vier Ebenen, die für die Behandlung wichtig sind: Zum einen gehe es um die Biologie, dazu gehören Medikamente. Um die Psychologie, etwa durch bestimmte Ablenkungstechniken. Und auch die soziale Ebene – beispielsweise die Unterstützung durch die Eltern – spiele eine große Rolle, genauso wie die spirituelle. Ein Beispiel dafür: “Ich habe Atemnot, und ich denke die ganzen Zeit: ‘Lieber Gott, warum lässt du das zu?’ Und dann gerate ich immer mehr in Atemnot”, beschreibt Zernikow eine mögliche Situation.


Mediziner und Forscher


An der Vestischen Kinder- und Jugendklinik Datteln, die gleichzeitig eine Klinik der privaten Universität Witten/Herdecke ist, hat Zernikow das Vodafone Stiftungsinstitut für Kinderschmerztherapie und Pädiatrische Palliativmedizin aufgebaut. Er leitete es als Chefarzt. Aus diesem Institut haben sich mittlerweile das Deutsche Kinderschmerzzentrum und das Kinderpalliativzentrum Datteln entwickelt. Seit 2008 hat er den ersten Lehrstuhl für Kinderschmerztherapie und pädiatrische Palliativversorgung. Es ist europaweit die einzige derartige Einrichtung.




 Deutsches Kinderschmerzzentrum (Foto: Marius Becker dpa/lnw)

Deutsches Kinderschmerzzentrum in Datteln


Aber auch auf der Forschungsebene engagiert sich Zernikow. “In der Palliativmedizin forschen wir vor allen Dingen an Schlafstörungen bei Kindern mit Mehrfachbehinderungen. Sie können uns ihr Problem meist nicht sagen. Da brauchen wir Instrumente, mit denen wir diese Schlafstörungen einschätzen können und dann in Medikamentenversuchen, in psychologischen und psychosozialen Versuchen messen können, ob wir erfolgreich sind.”



Viele Sachen sind ihm wichtig, es kommen immer wieder welche hinzu, er entwickelt immer wieder neue Forschungsprojekte, und bei allem scheint er mit großem Engagement dabei zu sein.


“Im Moment bedrückt uns vor allem eins: Wir haben erforscht, dass reiche Familien eher die Kinder zu uns ins Deutsche Kinderschmerzzentrumbringen können als arme Familien. Wir möchten natürlich gerne ergründen, woran das liegt.” Finanzen sind dabei nur ein Aspekt. “Dieses Ungleichgewicht, das in Deutschland herrscht und das man in der Krankenversorgung zunehmend sieht, das möchten wir weiter erforschen. Natürlich möchten wir das auch verändern.”


Mehr zum Preis:


Der “
Communicator-Preis – Wissenschaftspreis des Stifterverbandes” wird von der DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft) ausgeschrieben. Dieser mit 50.000 € dotierte, persönliche Preis wird an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vergeben, die sich in hervorragender Weise um die Vermittlung ihrer wissenschaftlichen Ergebnisse in die Öffentlichkeit bemüht haben.


Die Vorschläge aus unterschiedlichen Fachgebieten werden nach den Kriterien Relevanz, Zielgruppe, Originalität und Nachhaltigkeit von einer Jury, bestehend aus Wissenschaftsjournalisten, Kommunikations- und PR-Fachleuten, beurteilt. Die DFG nennt dem Stifterverband den von der Jury gewählten Preisträger. (Quelle: DFG)

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Daša Drndićs Roman "Sonnenschein"


Sie wartet. Der Schaukelstuhl quietscht, die Zeit verrinnt, Erinnerungen kehren zurück, dokumentiert in alten Briefen und Fotos. Haya Tedeschi wartet im Sommer 2006 seit 62 Jahren – worauf, verrät das Buch lange nicht.


Was daherkommt wie ein gewöhnlicher Romananfang, der eine Figur und mit ihr die Aussicht auf ihre Geschichte anbietet, führt schon nach wenigen Seiten auf unerwartetes, historisches Terrain. Der sogleich breit aufgefächerte Stammbaum der Familie Tedeschi ähnelt dem der realen Familie Schiff, auf deren als Biografie publizierten Geschichte einer der Erzählstränge beruht. Mit den Tedeschis rückt die Stadt Gorica und eine Zeitspanne von einhundert Jahren in den Blick. Der Leser findet sich am Vorabend des Ersten Weltkriegs in Görz wieder und folgt unversehens dem wechselhaften Schicksal dieser einst österreichisch-ungarischen, dann italienischen, später jugoslawischen, jetzt italienisch-slowenischen Grenzstadt.




Österreichische Truppen in Görz 1917

Österreichische Truppen in Görz 1917


Fiktion und Dokumentation in einem


Es ist nicht einfach, Daša Drndićs Roman zu beschreiben. Handelt es sich überhaupt um ein erzählerisches Werk? Oder doch im Wesentlichen um eine historische Recherche, eine Zusammenstellung von Archivmaterial? Ein Sachbuch, dessen erzählerische Elemente eine persönliche Annäherung an ein zutiefst belastetes Thema für die Autorin und die Leser ermöglichen sollen?


Drndić, die zu den bekanntesten Autoren Kroatiens gehört, reiht ihr Werk in die Tradition der dokumentarischen Fiktion ein. Acht Jahre lang hat sich die Autorin mit ihrem Stoff beschäftigt; zwei davon in Archiven verschiedener Länder in verschiedenen Sprachen recherchiert. Diese Recherche führt durch die grausame Geschichte des europäischen, insbesondere des südeuropäischen 20. Jahrhunderts.


Namen ohne Geschichte




Buchcover

Buchcover “Sonnenschein”

Das in zwei Teile zerfallende Buch erzählt in seinem ersten das Leben der Jüdin Haya und das ihrer Familie und Freunde, eingebettet in die Geschichte der beiden Weltkriege und des Faschismus. Für viele der fiktional-realen Figuren führt sie nach Auschwitz oder andernorts in die Vernichtung. Für Haya, die zu der Zeit in Triest lebt, dagegen zum SS-Untersturmführer Kurt Franz. Am 31. Oktober 1944 wird Antonio Toni Tedeschi geboren. Seine Mutter lässt ihn katholisch taufen, sein Vater, der sich schnell von verabschiedet, sieht ihn nur zwei Mal. Fünf Monate später wird der Junge seiner Mutter auf offener Straße gestohlen. Er ist es, der unbekannte Sohn, den sie an ihrem Lebensende erwartet.


“Hinter jedem Namen verbirgt sich eine Geschichte.” Diesen Gedanken stellt Daša Drndić dem zweiten Buchteil voran, der mit einer siebzig Buchseiten umfassenden Auflistung der Namen von insgesamt zirka neuntausend ermordeten Juden beginnt, Menschen, die zwischen 1943 und 1945 aus Italien oder von Italien besetzten Ländern deportiert oder dort ermordet wurden. Bloße Namen, deren Geschichte nie erzählt werden kann. Im kroatischen Original sind diese Buchseiten unaufgeschnitten; die deutsche Ausgabe deutet das durch ihren rauen Schnitt nur an.


Historische Zeugenschaft




Gedenkstätte Sonnenstein in Pirna

Die nationalsozialistischen Euthanasie-Anstalt “Sonnenstein” in Pirna ist heute eine Gedenkstätte

Die letzten 180 Seiten von Drndićs Buch umfassen Protokolle von Naziprozessen, Alpträume und historische Darstellungen, verknüpft mit der Entwicklung Hayas und ihrer Familie. Diese fiktiven Anbindungen führen immer wieder tief in die Historie, nach Pirna in der Nähe von Dresden, wo in der Vernichtungsstätte “Sonnenstein” angeblich psychisch Kranke in großer Zahl ermordet wurden, nach Treblinka oder zur Tötungsanstalt Grafeneck auf der Schwäbischen Alb. Die Suche des Sohns nach seinen unbekannten biografischen Wurzeln ruft die schreckliche Geschichte der
Lebensborn-Heime auf, in denen das große Geheimnis des Dritten Reichs, das “Bevölkerungsprojekt zur Stärkung und Verbreitung des Übermenschen”, der “Lebensbornplan”, in Gestalt von SS-Kindern heranreifen sollte.




Lebensborn-Heim in Steinhöring 1938

Das erste Lebensborn-Heim in Steinhöring bei München, 1938

Man könnte meinen, der fiktionale, erzählerische Anteil in Drndićs Roman verschwinde hinter dem rein dokumentarischen. Doch das Buch geht weiter, über den Anspruch einer dokumentarischen Fiktion hinaus. Der 69-jährigen Schriftstellerin gelingt eine Form, in der Erfundenes, Lyrisches, Dokumentarisches, Archivmaterial und die kommentierenden Stimmen anderer großer Autoren wie Romain Rolland, Thomas Bernhard oder Ian Buruma zu etwas Neuem verschmelzen. Drndić selber sagt, sie breite “eine Menge Leben aus, einen Haufen Vergangenheit, zu einer unbegreiflichen, unverständlichen Reihe”, einem “verbrauchten Lied”. Die beiden Übersetzerinnen Brigitte Döbert und Blanka Stipetić haben die wechselnden Tonlagen sehr gut ins Deutsche gerettet. Das Ergebnis ist ein großes Werk voller Namen und Geschichte, Trauer und Wut.


Daša Drndić: “Sonnenschein” (Sonnenschein), aus dem Kroatischen übersetzt von Brigitte Döbert und Blanka Stipetić, Hoffmann und Campe 2015. Der Roman ist einer von sechs Titeln auf der Shortlist des Internationalen Literaturpreises. Er wurde bereits mit renommierten Preisen ausgezeichnet und in zwölf Sprachen übersetzt.

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NSU-Prozess: Zschäpe taktiert weiter


Der 214. Verhandlungstag im Strafverfahren gegen den Nationalsozialistischen Untergrund beginnt mit der Verlesung eines Schreibens. Die wegen zehnfachen Mordes angeklagte Beate Zschäpe wendet sich damit an den Vorsitzenden Richter Manfred Götzl. Er möge die Verhandlung so lange unterbrechen, bis der Rechtsanwalt Mathias Grasel als Verteidiger zugelassen sei. Der Münchener Jurist wäre Zschäpes vierter Pflichtverteidiger. Seit Prozessbeginn im Mai 2013 wird die mutmaßliche Rechtsterroristin von Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm verteidigt, fühlt sich aber nicht mehr angemessen vertreten. Götzl weist Zschäpes Ansinnen nach einer kurzen Beratungspause zurück. Ihre Pflichtverteidigung sei gewährleistet, es sei kein Anlass für eine Unterbrechung ersichtlich.


Für die nach gut zwei Prozessjahren sichtbar gereizte und genervte Hauptangeklagte ist das der zweite Rückschlag innerhalb weniger Tage. In der vergangenen Woche scheiterte sie mit dem Versuch, ihre Pflichtverteidigerin Anja Sturm loszuwerden. Auch diesen Antrag bewertete Götzl als unbegründet. Dass die Kommunikation zwischen Zschäpe und ihrem Verteidigertrio schlecht ist, spürt im Sitzungssaal A 101 des Münchener Oberlandesgerichts jeder. Wenn der links neben Zschäpe sitzende Heer seiner Mandantin etwas zuflüstert, ignoriert sie ihn demonstrativ. Heer ist an diesem Tag gar nicht erst da. Und Sturm verlässt die Verhandlung in der Mittagspause.


Erdrückende Indizien


Über Zschäpes Wunsch, den Münchener Anwalt Grasel zusätzlich ins Boot zu holen, wird der Vorsitzende Richter in Kürze befinden. Was sich die 40-Jährige von Grasel verspricht, darüber lässt sich nur spekulieren. Vielleicht glaubt sie wirklich, mit einem milden Urteil davonzukommen. Angesichts der schweren Tatvorwürfe und unter dem Eindruck des bisherigen Prozessverlaufs dürfte diese Hoffnung jedoch vergeblich sein. Die Beweis- und Indizienlage ist so erdrückend, dass sie auch im Falle einer Aussage mit einer hohen Freiheitsstrafe rechnen muss. Lebenslänglich halten die meisten Prozessbeobachter für wahrscheinlich. Vor diesem Hintergrund wirken Zschäpes taktische Spielchen wie letzte verzweifelte Versuche, den NSU-Prozess ins Wanken zu bringen. Strafrechtsexperten schätzen die Chance, dass sie das schafft, allerdings als sehr gering ein.



NSU-Opfer Halit Yozgat

Halit Yozgat war 2006 das letzte von neun NSU-Opfern mit ausländischen Wurzeln


Neben Zschäpe sorgt am Dienstag die als Zeugin geladene Ehefrau des ehemaligen hessischen Verfassungsschützers Andreas T. für Aufsehen im NSU-Prozess. Gegen ihren Mann wurde nach dem Mord an Halit Yozgat in einem Kasseler Internetcafé ermittelt, weil er sich zur Tatzeit am 6. April 2006 dort aufgehalten hatte. Ausschnitte aus einem von der Polizei abgehörten Telefonat geben bis heute Anlass zu Spekulationen über eine mögliche Verstrickung T.s in die Straftat. Dessen damals hochschwangere Frau äußerte sich in einem Gespräch mit ihrer Schwester verärgert über ihren Mann. Ausschnitte dieses Telefonats sind im NSU-Prozess zu hören.


Aufgewühlte Stimmung


“Ich will wissen, warum wir in dieser Situation sind. Warum können die dich verdächtigen?”, hat Eva S.-T. ihren Mann gefragt. Als der zugab, im Internetcafé auf einer Flirt-Seite mit anderen Frauen gechattet zu haben, platzte der Zeugin ihrer Darstellung zufolge der Kragen. Im abgehörten Telefonat mit ihrer Schwester fielen unflätige Sätze: “Du hast unsere Zeit verplempert mit ‘ner Asselkuh in Kassel bei so einem Dreckstürken”, lautet einer. Neun Jahre später, als Zeugin im NSU-Prozess, ist Eva S.-T. “erschrocken” über ihr damaliges Verhalten. “Dass ich so über türkische Menschen gesprochen habe, das ist nicht wirklich meine Einstellung.” Sie habe Druck loswerden wollen in dieser Situation: Ihr Mann unter Mordverdacht, sie hochschwanger. “Eine andere Erklärung habe ich nicht.”


Nach ihrer Aussage wird Andreas T. zum siebten Mal als Zeuge befragt. Neue Erkenntnisse bringt seine Befragung nicht. Wenige Meter hinter ihm sitzen die Eltern des ermordeten Halit Yozgat, die extra aus der Türkei angereist sind. Der Vater gibt eine Erklärung ab, die von einem Dolmetscher ins Deutsche übersetzt wird. T.s Aussage hält er für unglaubwürdig. “Wir wissen alle, dass er lügt. Warum wollen wir die Wahrheit nicht sehen?” Es ist der emotionale Höhepunkt eines in mehrfacher Hinsicht aufwühlenden Verhandlungstages im NSU-Prozess.

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