Месечни архиви: August 2015

Waldbrände in Alaska: Die Klimabombe tickt

Genau 33 Meilen am Highway Nr. 2 nordwestlich von Fairbanks hört die grüne Vegetation plötzlich auf. Abgebrannte Baumstümpfe und schwarze Erde, soweit das Auge reicht. Dazwischen verläuft das Rohr einer Ölpipeline. Jetzt ist es hier gespenstig still. Ein kühler Wind weht, irgendwo raschelt ein Eichhörnchen. Vereinzelt wächst schon wieder grünes Gras aus der aufgeweichten schwarzen Erde.

Klimawandel und Waldbrände

An diesem Ort brannte vor wenigen Wochen eines der großen Waldfeuer. “Jedes Jahr verbrennen mehr Flächen”, stellt Scott Rupp vom International Artic Research Center der Universität Alaska fest. “Die Häufigkeit der Jahre mit großen Waldbränden hat mit der Zunahme von extremem Wetter und zuletzt mit den langfristigen Veränderungen der Klimatrends zu tun”, analysiert der Wissenschaftler im Gespräch mit der Deutschen Welle.



Kent Slaughter - Leiter des Alaska Fire Service zeigt seinen Schutzhelm (Foto: DW Schließ)

Kent Slaughter – Leiter des Alaska Fire Service

Der nördlichste Bundesstaat der USA ist wie kaum ein anderer Landstrich dieser Erde vom Klimawandel betroffen. Hier ist die Erderwärmung zweimal so hoch wie im Rest der Welt. Im Mai dieses Jahres wurden in Alaska die höchsten Temperaturen seit mehr als 90 Jahren gemessen.

Zu den folgenreichsten Auswirkungen des Klimawandels gehören die großen Waldbrände. “Es gab hier vorher noch nie so viele und so große Feuer wie in den letzten 15 Jahren”, sagt Kent Slaughter der Deutschen Welle. “Zwei der schlimmsten Feuerjahre waren 2004 und 2015″, so der Leiter des Alaska Fire Service, der für die Bekämpfung der Waldbrände in der nördlichen Hälfte des US-Bundesstaates zuständig ist. Dort haben die meisten der großen Feuer gebrannt.

Im Juni, so Slaughter, seien täglich mehr als 70 neue Feuer ausgebrochen. Eine Fläche von der Größe El Salvadors oder Dschibutis brannte so insgesamt bisher ab. Es war das zweitschlimmste Jahr in der Geschichte Alaskas. Das habe die Kräfte seiner Leute – darunter fast 1000 Freiwillige – überfordert.

Mehr als 3000 Feuerwehrmänner aus Kanada und dem Rest der USA halfen aus. “Die Waldbrände gehören zum offensichtlichsten Teil der Klimawandel-Geschichte”, sagt Scott Rupp, “wegen der Masse an Kohlendioxid, die durch die Brände in die Atmosphäre gelangt”. Ein einziges “großes Jahr wie 2015″ könne das gesamte Kohlendioxid, das sich im letzten Jahrzehnt angesammelt habe, in die Atmosphäre entlassen. Wegen der Weitläufigkeit Alaskas und der häufigen Waldbrände kommt da einiges zusammen: “Von 1950 bis 2009 ist durch Waldbrände in Alaska genauso viel CO2 ausgestoßen worden wie die Hälfte aller CO2 Emissionen der gesamten Europäischen Union”, so Rupp.

Permafrost und Methangas

Der Klimawandel hat in Alaska einen Teufelskreis in Bewegung gesetzt, dessen Ende noch nicht abzusehen ist. Je wärmer es hier wird, desto trockener die Sommer und umso größer die Wahrscheinlichkeit von Waldbränden.

Doch damit ist die dramatischste Konsequenz der Waldbrände noch nicht benannt: Die immer häufigeren Brände beschädigen und reduzieren die obere Bodenschicht, die eine isolierende Wirkung habe, so Scott Rupp: “Durch das Abtragen der Bodenschicht wird die darunter liegende Permafrostschicht anfällig für äußere Einflüsse. Das verstärkt das rasante Abtauen noch.”



Ein Eichhörnchen hüpft über einen Baum (Foto: DW-Schließ)

Wieder etwas Leben nach dem verheerenden Waldbrand

Permafrost müsse man sich vorstellen wie eine “schützende Winterjacke”, sagt sein Kollege Bob Bolton von der Universität Alaska. In einem Waldstück in der Nähe seines Büros in Fairbanks gräbt der Permafrost-Experte mit dem Spaten ein ellbogentiefes Loch in den aufgeweichten Boden. Darunter wird es hart, das ist die Permafrostschicht, erklärt er. Permafrost ist nichts anderes als gefrorene Erde und erstreckt sich noch auf 80 Prozent der Landmasse Alaskas. Seit Jahrhunderten hat er die darunter liegenden organischen Abfälle luftdicht eingeschlossen. Sie enthalten neben Kohlendioxid das noch weit klimaschädlichere Methangas.

Es brauche nicht viel an äußeren Einflüssen, um die schützende Oberschicht anfällig für die Erwärmung zu machen, sagt Bolton. Die eindringende Hitze löst dann den Tauprozess aus, der danach kaum noch aufzuhalten ist.

Durch den durchlässigen Permafrost dringen dann die darunter liegenden Methangase in die Atmosphäre. Sie sollen 25-mal klimaschädlicher als Kohlendioxid sein, sagen Klimawissenschaftler.

Es wird noch schlimmer



Bob Bolton von der Universität Alaska zeigt die Permafrost-Schicht (Foto: DW Schieß)

Bob Bolton von der Universität Alaska

Deren Zukunftsprojektionen gehen davon aus, dass sich dieser Prozess in den nächsten Jahrzehnten noch beschleunigt. Nach jüngsten Schätzungen der “Environmental Protection Agency”, einer Umweltbehörde der US-Regierung, wird sich die Fläche, die von Waldbränden betroffen ist, bis Mitte des Jahrhunderts verdoppeln. Durch die weitere Zunahme des Kohlendioxid- und Methanausstoßes werde sich die Erde in Alaska weiter erwärmen, sagt eine andere Studie voraus, die ebenfalls die Obama-Regierung in Auftrag gegeben hat und letzte Woche im International Journal of Wildland Fire veröffentlicht wurde.

Umstrittene Ölbohrungen

Die fast zeitgleich getroffene Entscheidung der Obama-Regierung, dem Shell-Konzern Öl-Bohrungen vor der Küste Alaskas zu gestatten, hat bei Klimaexperten wie Scott Rupp allerdings Stirnrunzeln ausgelöst: “Auch wenn es nur indirekt ist: Es wird den Ausstoß von Treibhausgas erhöhen mit Auswirkungen auf die Erderwärmung und die Waldbrände hier”, hält Rupp fest.

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Löw macht klare Ansagen

Joachim Löw hat noch nicht einmal die ersten Trainingseindrücke seiner Nationalspieler abgewartet, bevor er der deutschen Fußballnation, die offenbar ein wenig skeptisch geworden ist, ein Versprechen machte. “Wir werden eine Mannschaft auf dem Platz haben, die Polen schlägt”, verkündete der Bundestrainer schon vor der Zusammenkunft der Nationalmannschaft am Montagnachmittag in Frankfurt am Main und zeigte dabei das Selbstverständnis eines Weltmeisters. Das Vertrauen der Deutschen in ihre Weltmeister hat angesichts der bislang schleppend verlaufenen EM-Qualifikation spürbar gelitten: In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov zum Start in den Quali-Endspurt glauben nur 13 Prozent der Befragten an den EM-Titel.

Zum Auftakt der wichtigen Ausscheidungswoche ging es zunächst noch nicht um Sportliches – ein Werbedreh für DFB-Ausrüster Adidas stand an. Erst am Dienstag wird Löw seine 23 Akteure erstmals auf den Trainingsplatz bitten. Alle sind fit, nur der angeschlagene Mesut Özil, Spielmacher beim FC Arsenal, soll wegen einer Knieverletzung zumindest anfangs noch pausieren. “Wir müssen einfach in der Woche gut arbeiten”, sagte Bayern-Angreifer Thomas Müller, der mit fünf Treffern blendend in die Bundesliga-Saison gestartet ist. Müller ist einer von 14 Weltmeistern im Kader. Der einzige Neuling ist Emre Can vom FC Liverpool.

Löw: “EM ist großes Ziel”

Deutschland ist mit 13 Punkten derzeit lediglich Gruppenzweiter hinter dem Gegner von Freitag, Polen (14 Punkte), und Verfolger Schottland (11), gegen das man am Montag in Glasgow antritt. Löw ist nicht bange, er glaubt weiter fest an Platz eins und das direkte Ticket zum EM-Turnier nach Frankreich. “Ich kenne viele Spieler meiner Mannschaft schon jahrelang. Ich weiß: Wenn es auf Spiele wie gegen Polen zugeht, sind sie bis in die Haarspitzen motiviert”, sagte Löw der “Süddeutschen Zeitung”. Den Zugzwang sieht auch Torhüter Manuel Neuer nicht als mentale Belastung, sondern als Motivation. “Positiv ist, dass wir Highlights vor uns haben und dass wir unter Druck stehen”, sagte der Nationaltorwart.



EM-Qualifikation Polen gegen Deutschland, Spielszene mit Robert Lewandowski (Foto: Thomas Eisenhuth/dpa )

Im Hinspiel in Polen gab es gegen das Team um Superstar Robert Lewandowski ein 0:2

Löw weiß, dass wieder mehr kommen muss als im Jahr nach dem WM-Triumph in Brasilien, in dem sein Team “nicht weltmeisterlich gespielt” habe. Von zehn Länderspielen wurden nur fünf gewonnen, das 0:2 im Hinspiel gegen Polen mit Bayern-Torjäger Robert Lewandowski war eine von drei Niederlagen.

“Die EM ist für uns ein großes Ziel”, sagte Löw, der “bei allen Planungen” auch schon die nächste WM 2018 in Russland im Visier hat, “die Mission Titelverteidigung”. Für das Nahziel EM setzt Löw auf bewährte Führungskräfte wie Bastian Schweinsteiger. Mit seinem verletzungsanfälligen Kapitän, der am Sonntag bei der 1:2-Niederlage von Manchester United gegen Swansea City erstmals 90 Minuten durchspielen durfte, will der DFB-Coach besonders sorgsam umgehen: “Ich brauche ihn nicht in jedem Testspiel, aber ich bin sicher: Wenn es darauf ankommt, ist er immer noch ein Weltklassespieler.” Mit Toni Kroos, Schweinsteiger und dem wieder erstarkten Ilkay Gündogan hat Löw gegen Polen Topmöglichkeiten.

Draxler unter Beobachtung



Fußball - Deutsche Nationalmannschaft

Wann setzt Löw wieder auf Neu-Wolfsburger Draxler?

Auch Lukas Podolski ist für Löw weiterhin kein Auslaufmodell. Bei Galatsaray Istanbul sammelt er wieder Spielpraxis. Der 125-malige Nationalspieler steht – wie andere auch – unter Beobachtung. Zum jetzigen Zeitpunkt brauche er “keine endgültigen Entscheidungen” zu treffen, betonte der Bundestrainer. An Mario Götze lässt er ungeachtet der Situation beim FC Bayern keine Zweifel aufkommen. “Mario ist sehr wichtig für uns. Ich vertraue ihm zu 100 Prozent.” Der Bayern-Profi trifft gegen die Top-Gegner – etwa im WM-Finale 2014.

Ein anderes großes Talent muss sich die Gunst des Bundestrainers dagegen erst wieder erarbeiten. Weltmeister Julian Draxler, der kurz vor Ende der Transferperiode vom FC Schalke zum VfL Wolfsburg wechselte, nominierte Löw nicht, stattdessen gab es eine deutliche Ansage: “Meine Erwartung ist, dass er in diesem Jahr seine Klasse und sein Können ausspielt, und zwar konstant”, sagte Löw zum Start in eine wegweisende Länderspielwoche.

asz/tk (sid, dpa)

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Deutscher App-Umsatz knackt Milliardenmarke


Nach Schätzungen des Digitalverbands Bitcom werden 2015 in Deutschland voraussichtlich 1,3 Milliarden Euro mit Anwendungen für mobile Endgeräte umgesetzt. Das geschätzte Plus von über 40 Prozent entnimmt Bitcom den Daten des Marktforschungsinstituts research2guidance.


“Der Boom von Apps ist ungebrochen”, sagt Bernhard Rohleder, Geschäftsführer von Bitcom. Doch nicht nur Smartphones und Tablets befeuern seiner Meinung nach die Beliebtheit von Apps. “Mit Wearables wie etwa der Smartwatch und Fitness-Armbändern wird das Ökosystem rund um Apps jetzt nochmals deutlich erweitert.”


Google und Apple dominieren App-Markt



Der Umsatz mit Apps ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen, 2013 lag er in Deutschland noch bei 547 Millionen Euro.


Laut den Marktanalysten von Appbrain werden insgesamt rund 3,7 Millionen Apps in den Online-Stores der fünf größten Anbieter angeboten.


Jeweils rund 1,5 Millionen Apps entfallen davon auf Plattformen von Google (Google Play Store) und Apple (App Store). Amazon, Windows und Blackberry folgen mit jeweils weniger als einem Zehntel Marktanteil.


Dem Branchenverband Bitkom liegen keine Zahlen darüber vor, wie viele der Apps von deutschen Entwicklern stammen und wie hoch deren Downloadzahlen sind, so Bitkom gegenüber DW.


In-App-Käufe bringen den Gewinn


Die meisten Apps kosten beim Herunterladen nichts. Das Gros des Umsatzes machen Anbieter über kostenpflichtige Angebote innerhalb der Apps, sogenannte In-App-Käufe. Mit kostenpflichtigen Apps und Werbung generieren Entwickler und Anbieter bislang nur knapp ein Drittel ihrer Umsätze.



Apps haben mittlerweile einen festen Platz im Alltag der Nutzer. Vom Lieferservice über mobile Überweisungen hin zum integrierten Navigationsgerät – dafür gibt es eine App. “Am beliebtesten sind unverändert Anwendungen für Soziale Netzwerke, Messenger-Dienste und Spiele”, sagt Rohleder.


Nicht nur was für Stubenhocker


Aber auch mobile Anwendungen werden seiner Meinung nach immer erfolgreicher: “Stark im Kommen sind außerdem Fitness- und Gesundheits-Apps, die zum Beispiel die zurückgelegte Strecke und die verbrauchten Kalorien beim Joggen aufzeichnen und so helfen, das Training zu optimieren und die Motivation unterstützen.”


myk/bea (Bitcom)

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Der neue Winnetou: Nik Xhelilaj folgt auf Kult-Schauspieler Pierre Brice


Die Kinofilme aus den sechziger Jahren – in den Hauptrollen Lex Barker als Old Shatterhand und Pierre Brice als Apachen-Häuptling Winnetou – genießen für viele Bundesbürger Kultstatus. In der neuen RTL-Produktion unter der Regie von Philipp Stölzl wird Wotan Wilke Möhring den Old Shatterhand spielen. Auch Milan Peschel (als Sam Hawkens), Jürgen Vogel (als Rattler) und Mario Adorf (als Santer Senior) machen mit.


Die zweite Hauptrolle übernimmt ein in Deutschland bisher eher unbekannter Schauspieler: der Albaner Nik Xhelilaj (32). Um einen geeigneten Darsteller für den berühmten Apachen-Häuptling zu finden, habe das Casting-Team “mehr oder minder die ganze Welt abgesucht”, wird Regisseur Stölzl von der “Bild am Sonntag” zitiert. “Weil wir wussten, dass die Mokassins von Pierre Brice sehr groß sind.“


Die Dreharbeiten sind im vollen Gange


Hat Nik Xhelilaj eine Chance, dem “Winnetou-Denkmal” Pierre Brice Konkurrenz zu machen? Die Dreharbeiten für den TV-Dreiteiler, der Ende 2016 ausgestrahlt werden soll, laufen zurzeit bereits in Kroatien. Winnetou-Fan Niko Fischer hat den Kult-Faktor der beiden Bewerber unter die Lupe genommen. Wer sich oben durch die Bilder klickt, findet sein – natürlich höchst subjektives – Ergebnis.


Außerdem wollten wir natürlich wissen, was der neue Häuptling der Apachen selbst zu sagen hat: vor allem zu seiner Rolle, aber auch zu anderen Dingen, die gerade passieren – etwa zur großen Zahl an Flüchtlingen, die aus Albanien nach Deutschland kommen.





Nik Xhelilaj bei der 61. Berlilnale, Berlin, 14 February 2011. Photo: Joerg Carstensen/dpa

Nik Xhelilaj tritt als Winnetou in die “Mokassins” von Pierre Brice

DW: Kannten Sie Winnetou, bevor Sie zu dem Casting gegangen sind?


Nik Xhelilaj: Nein, die Geschichten aus Deutschland und der Western-Welt waren mir nicht vertraut. Als ich über die Agentur die Casting-Einladung bekommen habe, war ich erst mal verblüfft, denn ich habe keinen Bezug zwischen mir und dem Charakter gefunden. Aber nach dem Casting wurde mir dann alles klar.


Inwiefern? Was reizt Sie an der Winnetou-Rolle?


Diese ganze Western-Welt hat eine große Anziehung und Magie. Und es ist eine große Herausforderung für einen Schauspieler, sich in diese Zeit zu versetzen – unabhängig davon, welchen Charakter man spielt. Nachdem ich mich mit der Figur vertraut gemacht hatte, habe ich verstanden, wie wichtig Winnetou für das deutsche Publikum ist. Er ist eine sehr komplexe Figur – zwar nicht real, aber sehr magisch. Die Chance zu bekommen, den Häuptling eines vom Sterben bedrohten Volkes zu spielen, ist mit viel Verantwortung verbunden. Und er ist ein Häuptling, auch das zieht mich sehr an.


Cowboy oder Indianer?


War das für Sie ein Nachteil im Casting, dass Sie die Figur nicht kannten?


Nein, denn in unserem Drehbuch ist der Charakter und die Geschichte so gut geschrieben, dass mir das gar nicht zum Hindernis wurde – eher im Gegenteil: Ich hatte den Vorteil, nur das zu kennen, was im Drehbuch steht. Dadurch habe ich mich nicht mit anderen Informationen abgelenkt. Als dann aber feststand, dass ich die Rolle bekomme, habe ich meine Recherchen gemacht – und mir dann, also im Nachhinein, auch die alten Filme angeschaut.




Kroatien Schauspieler Nik Xhelilaj als Winnetou - © RTL/Nikola Predovic, RatPack

Nik Xhelilaj als Winnetou – Sind die langen Haare echt?

Sind das Ihre echten Haare, die man auf den Bildern vom Winnetou-Set in Kroatien sieht?


(lacht) Ich möchte, dass Sie glauben, dass es meine echten Haare sind. Deshalb ist es besser, wenn ich sage: Ja, es sind meine eigenen Haare.


Waren Sie als Kind lieber der Cowboy oder der Indianer?


Ehrlich gesagt habe ich keine großen Erinnerungen an Western-Filme aus meiner Kindheit. Diese Filme waren damals in Albanien zensiert. Wir hatten nicht die Möglichkeit, alle Filme zu sehen. Trotzdem erinnere ich mich an Filme von Sergio Leone – und da war für mich immer der Cowboy der bevorzugte Charakter.


Eine Rolle voller Herausforderungen


Konnten Sie schon reiten oder mussten Sie das erst lernen?


Nein, das konnte ich vorher nicht vernünftig. Ich musste es mir für diese Rolle beibringen lassen, das war eine der größten Herausforderungen. Wenn es eine Sache gibt, die mir an diesem Projekt besonders gut gefällt, dann ist es mein gutes Verhältnis zu Pferden und zum Reiten. Ich würde das an die erste Stelle setzen der Vorteile, die ich von diesem Film habe. Vor diesem Film hatte ich nämlich große Angst vor dem Reiten. Ich hatte in einem anderen Film vor etwa drei Jahren mal einen Reitunfall. Seitdem dachte ich eigentlich, ich würde nie mehr auf ein Pferd steigen. Aber jetzt bin ich sehr zufrieden. Ich kann nun sogar frei reiten, ohne Sattel – so wie Winnetou eben.


Und wie ist das mit den Waffen im Wilden Westen?


Ich musste das Schießen lernen, nicht nur mit dem Gewehr, auch mit Spezialwaffen: Winnetous Hauptwaffen sind Pfeil und Bogen und Tomahawk. Wir haben hier am Set Spezialisten, die uns im Film assistieren.


Winnetou spricht ja nicht viel… Müssen Sie trotzdem Deutsch lernen?


Klar! Er spricht zwar nicht viel, aber wenn er spricht, dann hat das Gewicht. Ich werde nicht synchronisiert, sondern werde deutsch und den indianischen Dialekt Lakhota sprechen.


Die Fußstapfen, die Pierre Brice hinterlassen hat, sind groß. Wie gehen Sie damit um?


Es ist unmöglich, so eine Figur, wie er hinterlassen hat, nachzumachen. Außerdem wäre es beleidigend und nicht professionell. Deshalb haben wir eine ganz andere, neue Interpretation im Drehbuch, auch in der Geschichte. Das ist ein Verdienst vom Autor und vom Regisseur des Films.


Die Dreharbeiten finden in Kroatien an den Orten statt, wo auch die bekannten Kinoverfilmungen in den 60er Jahren gedreht wurden. Gibt es Ähnlichkeiten zu den alten Filmen?


Es kann sein, dass es in bestimmten Abschnitten Ähnlichkeiten geben wird, das kann man nicht vermeiden. Deswegen hat man auch entschieden, unsere Produktion hier zu drehen. Aber es ist eine ganz neue Vision in der Darstellung.




Kroatien Schauspieler Nik Xhelilaj und Wotan Wilke Möhring als Winnetou und Old Shatterhand. © RTL/Nikola Predovic, RatPack

Die Schauspieler Nik Xhelilaj und Wotan Wilke Möhring verstehen sich auch im wahren Leben sehr gut

Wie ist die Zusammenarbeit mit den deutschen Stars wie zum Beispiel Wotan Wilke Möhring oder Fahri Yardim, Jürgen Vogel, Mario Adorf und Milan Peschel?


Bisher hab ich nur mit Wotan und Jürgen zusammengearbeitet. Es macht großen Spaß, insbesondere mit Wotan. Wir sind einander, wie auch die Charaktere, die wir darstellen, sehr gute Freunde geworden. Bis jetzt habe ich noch keine Gelegenheit gehabt, die anderen Schauspieler kennenzulernen.


Kreshnik, Ihr voller Vorname, bedeutet “Held”. Als Winnetou spielen Sie jetzt einen und mit 14 Jahren sind Sie schon mal selbst zu einem geworden: Damals sind sie aus einer türkischen Militärschüle geflohen, auf die Sie ihre Eltern geschickt hatten…


Ich glaube, das Wegrennen von der Militärschule war die richtige Entscheidung zur richtigen Zeit. Ich weiß nicht, welchen Lauf mein Leben genommen hätte, wäre ich auf der Schule geblieben.


Sind Sie im echten Leben auch ein Held?


Das ist eine schöne Metapher – im echten Leben möchte ich aber ganz normal leben, ohne Metaphern. Aber in meinen Rollen, warum nicht?




Szene aus der Albaner mit Luan Jaha Nik Xhelilaj Cun Lajci Film hat Max Ophüls Preis erhalten. Quelle: http://www.max-ophuels-preis.de

Filmszene aus “Der Albaner”

In Deutschland kennt man sie vielleicht aus Ihrem Film “Der Albaner” (2010). Da spielen Sie den Albaner Arben, der illegal nach Deutschland einwandert und dort als Menschen-Schlepper arbeitet…


Das damit verdiente Geld braucht er, um als Mitgift die Schulden des Vaters seiner schwangeren Geliebten zahlen zu können – erst dann kann er sie heiraten. Es geht darum, das Versprechen zu halten, das Arwen seiner Geliebten gegeben hat. Das macht den Film besonders. Das Versprechen muss eingehalten werden.


Die Flüchtlingssituation in Europa ist im Moment das große Thema. Warum verlassen gerade auch so viele Albaner ihr Land?


Das ist ein Problem, das schon immer da war, ist und bleiben wird. Leider ist es so, dass viele Menschen in Albanien noch immer unzufrieden sind, vor allem in wirtschaftlicher und finanzieller Hinsicht. Das ist der Hauptgrund, warum sie fortgehen. Ich würde mir sehr wünschen, dass die Situation eine andere wäre – dass ein Tag kommt, an dem das albanische Volk die Möglichkeit hat, die Welt zu bereisen und sie einfach so aus Spaß zu erkunden. Das ist eine Herausforderung, die Europa erfolgreich lösen muss. Wenn Europa das nicht löst, wer dann? Und wenn ich versuche, das in Verbindung zu bringen mit der Winnetou-Figur: Europa muss sich erfolgreich dieser Herausforderung stellen – genauso wie Winnetou sich der Herausforderung stellt, sein Volk zu retten. Für mich ist das eine sehr klare Botschaft: Wir sind alle Einwohner dieses einen Planeten. Und wir müssen ihn alle miteinander teilen. Heute haben wir eine Zeit, in der die Albaner nach Deutschland wollen. Aber wer weiß: Vielleicht kommt der Tag, an dem die Deutschen nach Albanien kommen wollen.

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Von giftiger Kloake zum sauberen Fluss

“Der Zustand in deutschen Flüssen ist deutlich besser geworden, das Problem der Gifteinleitung aus der Industrie ist weitestgehend gelöst.” Gerhard Wallmeyer zeigt sich zufrieden über die erreichten Erfolge. Er gehört zu den Gründungsmitgliedern von Greenpeace in Deutschland.

Mit ihrem Laborschiff analysierten die Umweltschützer in den 1980iger Jahren die giftigen Abwässer der Fabriken, die in die Flüsse flossen.”Die Behörden genehmigten damals die Einleitung der Abwässer, ganz so wie es die Firmen wünschten. Es gab kaum Beschränkungen und alles war geheim. Durch unsere Recherchen und Analysen wurde die Praxis öffentlich – das hat für viel politische Aufruhr gesorgt”, so Wallmeyer.

Zur selben Zeit gab es außerdem einige Umweltkatastrophen, die Bevölkerung und Politik beunruigten: Im Mai 1986 explodierte das ukrainische Atomkraftwerk in Tschernobyl und kontaminierte weite Teile von Europa mit Radioaktivität. Ein halbes Jahr später flossen nach einem Großfeuer im Chemieunternehmen Sandoz hochgiftige Pestizide und Quecksilber bei Basel in den Rhein und töten auf einer Strecke von 400 Kilometern Fische und Kleinlebewesen. Das Trinkwasser wurde vielerorts verseucht.

Bundeskanzler Kohl reagierte. Er schuf 1986 das Bundesumweltministerium. “All diese Ereignisse hatten zur Folge, dass drastische Maßnahmen eingeleitet wurden: Es wurden Gesetze erlassen, Behörden reagierten und auch Firmen suchten nach umweltfreundlicheren Alternativen”, erklärt Wallmeyer den Beginn der Deutschen Umweltpolitik.



Bundesumweltminister Klaus Töpfer schwimmt im Rhein 1988 (Foto: picture alliance).

1988: Bundesumweltminister Klaus Töpfer springt in einer spektakulären Aktion in den Rhein. Er will zeigen, dass die Politik handelt und der Rhein sauberer wird. Später wird Töpfer Direktor des UN-Umweltprogramms UNEP.

Politik verbessert Wasserqualität

In den folgenden Jahrzehnten wurde die Wasserqualität in den Flüssen spürbar besser. Die Industrie stellte auf umweltfreundlichere Produktionsprozesse um, und überall wurden Kläranlagen gebaut, die vor allem mithilfe von Bakterien Fäkalien und Schadstoffe zersetzen. Finanziert wird die Abwasseraufbereitung über Umlagen: Wer wenig verschmutz, zahlt wenig, wer viel – und besonders schmutziges Wasser ablässt – zahlt entsprechend mehr.

Ein großes Problem für das Wasser sind vor allem auch Phosphate. Bis in die 1980iger Jahre waren sie noch als Zusatz in den deutschen Waschmitteln erlaubt. Phosphate fördern jedoch die Algenbildung. Sie führt zur Sauerstoffarmut in den Gewässern. Diese kippen dann um – es kommt zum Fischsterben.

Mit dem Verbot von Phosphaten in Waschmitteln und Einschränkung des Zusatzes in anderen Reinigungsmitteln wurde die Wasserqualität “erheblich besser”, resümiert Stephan Köster vom Institut für Abwasserwirtschaft und Gewässerschutz von der Universität Hamburg-Harburg. “Die Reduktion der Phosphate in Waschmitteln und die Entwicklung in der Abwasserreinigung waren die wichtigen Meilensteine.”

Inzwischen ist die Abwassertechnik so weit, “dass aus Abwasser hochreines Trinkwasser werden kann”, so Köster. Wie weit die Abwässer aber gereinigt werden, läge allein an der Politik. “Auch in Deutschland kann man heute noch mehr machen. Die Klärwerke setzen genau um, was das Gesetz verlangt.”



Eine Kläranlage in Niedersachsen aus der Vogelperspektive (Foto: picture alliance).

Mithilfe von Bakterien wird das Abwasser in der Kläranlage gereinigt. Danach hat das Wasser Badequalität.

Hormone im Abwasser verändern Tierwelt

Heute sind vor allem Medikamente im Abwasser ein Problem. Die Kläranlagen halten diese bisher noch nicht zurück, und so gelangen diese in die Flüsse. “Schnecken und Lurche werden durch Hormone verweiblicht, dann gibt es keine Männchen mehr und die Fortpflanzung stoppt”, erklärt Wallmeyer die möglichen Folgen.

Um das Problem in den Griff zu bekommen, schlägt das Umweltbundesamt (UBA) Maßnahmen vor. “Beim Design von Medikamente muss etwas getan werden. Medikamente dürfen nicht in der Toilette entsorgt werden. Die Kläranlagen brauchen eine zusätzliche Reinigungsstufe”, empfiehlt Jörg Reichenberg vom UBA. Vorreiter auf diesem Gebiet ist die Schweiz. Dort werden entsprechende Gesetze auf den Weg gebracht. Auch die Kosten für eine zusätzliche Abwasserreinigung sind nach Angaben des UBA vertretbar. “Pro Jahr und Person wären das Mehrkosten von 16 Euro pro Jahr”, so Reichenberg.

Landwirte gefährden Trinkwasser

Ein sehr großes Problem für die Wasserqualität ist heute vor allem die Landwirtschaft. Seit Jahrzehnten überdüngen Landwirte die Böden – vor allem mit Gülle aus den Tiermastfabriken. Die Gülle – mit dem darin enthaltene Phosphat und Nitrat – sickert durchs Erdreich und gerät ins Grundwasser, in Flüsse und Seen.


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Die
Schäden sind immens und die Wasserwerke schlagen Alarm. Zunehmend steigt so die Konzentration des krebserregenden Nitrat im Grundwasser und so die sehr kostspielige Wasseraufbereitung, die von den Verbrauchern bezahlt werden muss.

An der Praxis der Überdüngung änderte Deutschland bislang nichts, jetzt droht die EU-Kommission mit einem Vertragsverletzungsverfahren wegen zu hoher Nitratwerte im Trinkwasser. Die Regierung will jetzt das Problem angehen.

Geplant ist, dass Landwirte zukünftig den genauen Umgang mit der Gülle dokumentieren. Haben sie zu viele Tiere – und damit Gülle – sollen sie diesen tierischen Dünger nachweislich exportieren. Überdüngen sie ihre Felder damit wie bisher, droht ein Ordnungsgeld.

Es gibt Hoffnung, dass sich durch diese Maßnahme die Wasserqualität in Deutschland verbessern wird. Zugleich gibt es aber auch die Skepsis, dass sich mit einer industriellen Landwirtschaft nur wenig ändert. Zur Verbesserung der Wasserqualität wäre nach Einschätzung von Reichenberg “vor allem die Förderung des ökologischen Landbaus sinnvoll.” Sein Kollege Dietrich Schulz, Experte für Tierhaltung beim UBA, stimmt dem zu – ist aber skeptisch. “Die Agrar-Ökonomie geht leider in die gegenteilige Richtung.”

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Österreich will Flüchtlingsverteilung erzwingen

Österreichs Innenministerin Johanna Mikl-Leitner will EU-Mitgliedsländern, die sich gegen eine Verteilung von Flüchtlingen innerhalb der Union wehren, Gelder aus dem EU-Haushalt streichen. Der Druck auf die Regierungen müsse erhöht werden, sagte die konservative Politikerin im ZDF-”Morgenmagazin”. Eine Möglichkeit sei, dass “Förderungen reduziert werden, wenn eben keine solidarische Verantwortung übernommen wird”.



Österreich Innenministerin Johanna Mikl-Leitner

Innenministerin Johanna Mikl-Leitner will Fördergelder streichen lassen

Finanzielle Unterstützung kürzen

In der EU wird intensiv um Lösungen in der Flüchtlingskrise gerungen. Deutschland und andere Länder, die besonders viele Menschen aus den Krisenregionen aufnehmen, wollen eine Aufteilung unter allen EU-Mitgliedern erreichen. Insbesondere in vielen osteuropäischen Ländern gibt es dagegen erbitterten Widerstand. “Man kann sich in einer europäischen Gemeinschaft nicht nur die Rosinen herauspicken”, sagte Mikl-Leitner mit Blick auf diese Länder. In einer schwierigen Situation wie derzeit “heißt es auch, Verantwortung zu übernehmen”. Druck auf die Staaten “kann man durch finanzielle Unterstützung, die gestrichen oder gekürzt wird, aufbauen”.


Die hohe Zahl der Zuwanderer stelle die EU vor eine existenzielle Herausforderung, sagte die Österreicherin weiter: “Entweder Europa scheitert an der Flüchtlingsfrage”, oder die Union gehe gestärkt daraus hervor – insbesondere durch eine “faire” Verteilung der Flüchtlinge. Eine Sperranlage wie in Ungarn an der Grenze zu Serbien sei keine Lösung. Zu glauben, der Zaun werde Flüchtlinge abhalten, sei eine “Illusion”.

Verschärfte Grenzkontrollen

Allerdings hat auch Österreich nun verschärfte Kontrollen an den Grenzübergängen angeordnet: Auf der Autobahn von Ungarn Richtung Wien bildeten sich ein über 20 Kilometer Rückstau. “Wir werden die Grenzkontrollen für unbestimmte Zeit an allen wichtigen Grenzübergangen in die östlichen Regionen aufrechterhalten”, kündigte eine Regierungsvertreterin das Vorgehen an. Alle Fahrzeuge mit möglichen Verstecken für Flüchtlinge würden untersucht.



Grenzkontrolle bei Einreiseverkehr aus Ungarn nach Österreich (Foto: APA)

Verschärfte Grenzkontrollen in Österreich

Schulz: “Europäisches, nicht nationales Problem”

Der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, wirft den EU-Ländern im Streit um die Verteilung von Flüchtlingen ein “unwürdiges Spiel” vor. “Wir haben es nicht mit einem Versagen der EU zu tun, sondern mit einem eklatanten Versagen einiger Regierungen, die sich aus der Verantwortung stehlen”, sagte Schulz der Tageszeitung “Die Welt”. Diese Staaten müssten endlich ihre Blockade beenden. Gegen eine feste Quote zur Verteilung von Flüchtlingen in der EU sträuben sich neben den osteuropäischen Staaten, aber auch Großbritannien, Irland und Dänemark.



EU-Parlamentspräsident Martin Schulz im Porträt

EU-Präsident Schulz verlangt mehr Verantwortung von den EU-Staaten

Schulz betonte, dass konkrete Vorschläge für mehr europäische Solidarität in der Flüchtlingsfrage vorlägen. Die Pläne der EU-Kommission und des EU-Parlaments seien aber am Unwillen einiger nationaler Regierungen gescheitert. “Das ist mehr als zynisch, wenn man sich das tägliche Leid der Flüchtlinge anschaut.” Es gehe schließlich um ein europäisches Problem, das nach einer europäischen Lösung verlange.

Der SPD-Politiker nannte die aktuelle Situation “beschämend”: “Das Mittelmeer wird zum Massengrab, an den Grenzen spielen sich grauenhafte Szenen ab, es gibt gegenseitige Schuldzuweisungen – und bei all dem wird den Menschen, die in größter Not Schutz bei uns suchen, nicht geholfen.”

Die Innen- und Justizminister der 28 EU-Staaten treffen sich am 14. September in Brüssel zu einer Sondersitzung, um über eine gerechtere Verteilung der Migranten zu beraten.

as/qu (rtr, afp, epd)

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Eine koreanische Identität


“Wer koreanisch sprach, wurde bestraft”, erzählt Kim Soon-Sil. Koreanisch war verboten. So war die Regel, nicht nur an ihrer Volksschule in Seoul, sondern überall auf der Halbinsel. Stattdessen mussten die Schüler die offizielle Unterrichtssprache japanisch sprechen. Denn Korea war, als die heute 83jährige Kim Soon-Sil ein Kind war, fest in japanischer Hand und schon seit 1910 eine Kolonie Japans.


Für die Menschen in Korea bedeutete das: Ein Alltag in Unterdrückung – im eigenen Land. “Ich kannte es nicht anders”, erzählt Kim Soon-Sil. “Niemand musste mir erklären, dass meine Heimat nicht frei war. Das habe ich schon selbst gemerkt.” Nur zu Hause mit Eltern und Geschwistern konnte sie als Koreanerin leben, ihre eigene Sprache sprechen. Jeden Morgen versammelte sich die evangelische Familie zu einer Art Gottesdienst, um den Tag zu beginnen. Dabei lasen Mutter und Vater den Kindern nicht nur aus der Bibel vor, sondern erzählten ihnen auch von Japan und Korea und der Geschichte beider Länder.


Aus Kim wird Kaneda



Plakate mit dem durchgestrichenen Bild von Japans Premierminister Shinzo Abe auf den Straßen von Seoul (Foto: DW/Kim Hong-Ji)

In Seoul kam es am 70.Jahrestag des Kolonialzeit-Endes zu anti-japanischen Protesten

Der Familie ging es vergleichsweise gut. Der Vater hatte Wirtschaftswissenschaften studiert und sich als Banker und später als Unternehmer einen Namen gemacht. Seine Firma exportierte Dosenfisch. Er konnte während der Kolonialzeit seinen Job behalten, musste nicht wie viele andere als Zwangsarbeiter in Kohleminen schuften oder wie die koreanischen Bauern sämtliche landwirtschaftlichen Erzeugnisse an die Besatzer abtreten. Eins aber galt auch für die Kims: Ihr koreanische Name musste durch einen japanischen ersetzt werden. “Wir hießen dann Kaneda mit Nachnamen”, sagt Kim Soon-Sil. Ihren Vornamen durfte sie behalten, allerdings wurde er japanisch ausgesprochen.


An den 15. August 1945, den Tag, als der damalige Tenno Hirohito in einer Radioansprache die Niederlage Japans im Zweiten Weltkrieg offiziell besiegelte , kann sich Kim Soon-Sil noch genau erinnern. Sie war 13 Jahre alt. “Ich war mit einer Cousine und ein paar anderen zusammen. Da hörten wir es. Ich dachte nur: Gott sei Dank. Ich war so froh.” Gleichzeitig aber war da auch Angst und Unsicherheit. “Wir wussten nicht, ob wir dem trauen konnten. Und ob wir uns freuen durften. War das überhaupt erlaubt?”



Park Geun Hye mit der südkoreanischen Flagge in der Hand bei der Gedenkfeier zum 70. Jahrestag des Endes der japanischen Kolonialzeit (Foto: Reuters)

Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye bei der Gedenkfeier zum 70. Jahrestag des Endes der japanischen Kolonialzeit


Suche nach Identität


Ganz grundsätzliche Fragen seien da auf einmal gewesen – nach insgesamt 35 Jahren als Kolonie. “Wenn Japan den Krieg verloren hat, was wird dann aus uns? Wir kannten ja nichts anderes als das Leben als Menschen zweiter Klasse unter den Japanern. Und jetzt wussten wir auf einmal nicht mehr, wozu wir gehörten.” Viele Kinder und Jugendliche hätten gar keine eigene koreanische Identität gehabt, konnten beispielsweise auch nicht koreanisch schreiben. Weil sie es in der Schule ja nicht gelernt hatten.


Sie selbst habe damals aber keine innere Zerrissenheit empfunden, sagt Kim Soon-Sil heute. “Ich habe mich immer als Koreanerin gefühlt. Das hing aber auch mit meinem Zuhause zusammen. Wir waren eine starke, stabile Familie. Uns ging es besser als vielen anderen. Die Armut war überall spürbar und ein großes Problem. Kaum jemand konnte sich noch Reis und Getreide leisten.”


Alltag in einem kriegsgebeutelten Land



Shinzo Abe mit geschlossenen Augen bei den Gedenkfeierlichkeiten zum 70. Jahrestag des Atombombenabwurfs von Nagasaki (Foto: Reuters/T. Hanai)

Der japanische Premierminister Shinzo Abe bei einer Schweigeminute am 9. August im Friedenspark von Nagasaki: hier wurde der japanischen Opferrolle im Zweiten Weltkrieg gedacht

Nach dem Zweiten Weltkrieg beendete Kim Soon-Sil die Höhere Mädchenschule und fing an, in Seoul Theologie zu studieren. Während sich um sie herum das Weltgeschehen weiter drehte – und einen weiteren Schicksalsschlag mit sich brachte. Denn auf die Befreiung Koreas von Japan folgte die Teilung der Halbinsel in Nord und Süd durch die USA und und die Sowjetunion. Mitten in das Studium platze dann die nächste koreanische Tragödie: 1950 brach der Korea-Krieg aus. Drei Jahre lang lieferten sich Nord- und Südkorea gemeinsam mit den jeweiligen Alliierten erbitterte Kämpfe um die Halbinsel. Am Ende – im Sommer 1953 – wurde ein Waffenstillstand unterzeichnet, kein Friedensabkommen. Die bis heute andauernde Teilung der Halbinsel war zementiert, Korea lag nach zwei Kriegen am Boden.


Trotzdem konnte sie ihr Studium abschließen, unterrichtete danach an einer Mittelschule Koreanisch. Mit Anfang zwanzig heiratete sie, bekam zwei Kinder. Nach ein paar Jahren als Hausfrau und Mutter wollte sie wieder zurück ins Berufsleben. Und konnte in ihrem neuen Job die in der Schule erworbenen Japanisch-Kenntnisse nutzen: Sie arbeitete erst als Japanisch-Lehrerin und später als Dolmetscherin und Reiseführerin für ein Reisebüro. 1973 verließ sie mit ihren Kindern Südkorea, um bei ihrem Ehemann sein zu können. Er wohnte zu diesem Zeitpunkt bereits seit mehreren Jahren in Deutschland und hatte durch seinen Job als evangelischer Theologe die Familie in der Heimat finanziell unterstützt.


Schreiben über Korea


Seit über vierzig Jahre lebt auch Kim Soon-Sil jetzt in Frankfurt am Main. Wieder arbeitete sie als Übersetzerin, übersetzte beispielsweise einen japanischen Roman und eine Dokumentation ins Koreanische. Daneben schreibt sie auch eigene Romane und Geschichten, gewann mit einer ihrer Kurzgeschichten sogar den Literaturpreis des internationalen PEN-Clubs in Korea.


In ihren Geschichten geht es thematisch immer um die Heimat. Die alte und auch die neue. Kim Soon-Sil schreibt beispielsweise über im Korea-Krieg auseinandergerissene Familien. Oder über koreanische Gastarbeiter in Deutschland. Die bittere Kriegsvergangenheit ihres Landes und die Folgen lassen sie bis heute nicht los.


Wut und Enttäuschung


Ganz genau verfolgt sie deshalb, wie Japan mit der eigenen Kriegsvergangenheit umgeht, auch im Vergleich mit Deutschland. Der Kniefall Willy Brandts in Warschau 1970 beispielsweise hat sie tief beeindruckt. Ganz anders als die Rede, die der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe Mitte August anlässlich des 70. Jahrestages der Kapitulation gehalten hat. Darin hatte er zwar gesagt, Japan habe “immer wieder tiefe Reue und innige Entschuldigung” für seine Aktionen im Krieg geäußert. Und diese “von früheren Regierungen geäußerten Positionen sind auch in Zukunft unerschütterlich”. Darüber hinaus übermittelte er allen ehemaligen Kriegsgegnern seine “tiefe Trauer und ewiges Mitgefühl”. Eine ausdrückliche Entschuldigung aber vermied er. Stattdessen betonte er, kommende Generationen dürften “nicht zum Entschuldigen verpflichtet sein”.


Bei China sowie Nord- und Südkorea löste die Rede harte Kritik aus. Und auch Kim Soon-Sil ist enttäuscht.”So etwas macht mich wütend. Ich würde mir eine aufrichtige Entschuldigung wünschen. So reicht es nicht. Die Japaner denken nur an ihre eigene Opferrolle durch Nagasaki und Hiroshima. Wie sie selbst sich gegenüber anderen Völkern verhalten haben, darum geht es weniger. Sie haben eine Schreckensherrschaft nach dem Vorbild von Nazi-Deutschland in sämtlichen eroberten Gebieten errichtet, haben in Korea, China und Südostasien grausam gemordet.”



Ehemalige koreanische Trostfrauen demonstrieren in Seoul vor der japanischen Botschaft (Foto: Reuters/J. Yeon-Je)

Einmal pro Woche demonstrieren die ehemaligen “Trostfrauen” vor der japanischen Botschaft in Seoul: immer wieder mittwochs, seit 1992 schon

Abes Rede hätte “viel zu wünschen übrig gelassen”, meinte auch die südkoreanische Präsidentin Park Geun Hye in einer öffentlichen Ansprache zur koreanischen Befreiung vor 70 Jahren. Nur mit “ernsthaften Taten” könne Japan das Vertrauen seiner Nachbarländer zurückgewinnen. Ein besonders drängender Punkt ist dabei auch das dunkle Kapitel Zwangsprostitution. Wie viele asiatische Frauen während des Krieges in japanischen Soldatenbordellen zum Sex gezwungen wurden, ist nicht genau bekannt. Manche Historiker schätzen, dass es bis zu 200.000 gewesen sein könnten. Bis heute warten die noch lebenden Opfer von Seiten Japans auf eine Entschuldigung und Entschädigungszahlungen.


Privater Umgang möglich


Mindestens eine dieser verharmlosend “Comfort Women” genannten Mädchen und Frauen kannte auch Kim Soon-Sil persönlich. In der Volksschule ging sie mit ihr in eine Klasse. Später verschwand das Mädchen, es wurde verschleppt und zur Zwangsprostitution gezwungen, vermutet sie. “Genaues über ihr Schicksal weiß ich zwar nicht. Darüber sprach man ja nicht. Aber es gab viele Gerüchte. Jahre später habe ich sie mal auf der Straße getroffen. Aber ich habe nie mit ihr geredet.”


Immer wieder hatte Kim Soon-Sil , seit sie in Deutschland lebt, auch mit Japanern zu tun. Das sei kein Problem, auf persönlicher Ebene funktioniere der Kontakt. Ganz anders ist es mit der japanischen Regierung. Da sitzt die Wut tief. “Mein Alltag leidet zwar nicht darunter, aber das, was damals passiert ist, lässt mich einfach nicht frei.” Solange es von dieser Seite kein eindeutiges Schuldbekenntnis gibt, sagt sie, können die alten Wunden auch nach Jahrzehnten nicht heilen.

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E-Mail-Firma kritisiert Ermittler

Mit Daten lässt sich Geld verdienen, das ist mittlerweile bekannt. Aber es geht auch umgekehrt: Eine deutsche Internetfirma hat Datenschutz zu ihrem Geschäftsmodell gemacht. Sichere und anonyme E-Mailkonten, die auch werbefrei sind – das verspricht ein kleiner Anbieter aus Berlin namens Posteo. Doch beim Schutz seiner Kunden ist für das Unternehmen nicht Schluss. Jetzt hat Posteo denjenigen eine Lehrstunde in Datensicherheit verpasst, die eigentlich an die Daten ihrer Kunden wollten: Strafverfolgern wie Polizei und Staatsanwaltschaft.

Vor zwei Jahren trudelte bei Posteo zum ersten Mal das ein, was die Posteo-Mitgründerin Sabrina Löhr nach bestem Beamtendeutsch “Behördenersuch” nennt: Der Bestandsdatenersuch nach Paragraph 13 des Telekommunikationsgesetzes. Damit können neben Strafverfolgungsbehörden auch der Verfassungsschutz und Bundesnachrichtendienst Einblick in die sogenannten Bestandsdaten der Kunden bekommen. Dazu gehören zum Beispiel die angegebene Adresse, Telefonnummer und das Geburtsdatum.


Transparenz statt Schweigen

Als die ersten Anfragen eingingen, “war für uns sofort klar, wir möchten einen Transparenzbericht veröffentlichen”, sagt Löhr. Bislang gab es das nur in den USA, für einen solchen Bericht musste das Unternehmen erst Rechtsbeistand suchen. Als erstes deutsches Telekommunikationsunternehmen veröffentlichte Posteo im vergangenen Jahr seinen Transparenzbericht. “Wir möchten, dass unsere Kunden wissen, wie oft Behörden bei uns nach Daten fragen.”

Jetzt ging das Unternehmen einen Schritt weiter. “In unserem diesjährigen Bericht haben wir vor allem den Fokus darauf gesetzt, aufzuzeigen, welche Missstände da bestehen”, sagt Löhr. “Fast 90 Prozent aller Behördenersuchen, die uns erreichen, sind rechtswidrig.” Insgesamt gingen 22 Gesuche ein, 17 davon wollten an die Bestandsdaten der Kunden. Die Anzahl der formal korrekten Anfragen darunter: Zwei.

Datenschützer: Polizei schludert

Auf seiner Internetseite zeigt Posteo Auszüge aus diesen Gesuchen, die meist per E-Mail kommen. Auch landen diese Anfragen nicht beim zuständigen Ansprechpartner, sondern im Postfach des Kundendienstes. “Die Kritik von Posteo an den Strafverfolgungsbehörden ist absolut gerechtfertigt”, sagt Thilo Weichert, Datenschützer und ehemaliger Landesdatenschutzbeauftrager für Schleswig-Holstein. “Wir müssen als Datenschützer feststellen, dass die Begründung für die Ersuchen, Informationsersuchen gegenüber Telekommunikationsprovidern oft katastrophal sind.”



Thilo Weichert Landesbeauftragter für Datenschutz von Schleswig-Holstein

Thilo Weichert, Datenschützer

Eine E-Mail wurde beispielsweise nicht mal von einer offiziellen Behördenadresse verschickt, geschweige denn verschlüsselt. In den Anfragen befinden sich nicht nur sensible Daten zu Nutzern, sondern auch behördliche Dokumente. Das ist auch für die Strafverfolger kritisch, meint Weichert: “Die rechtlichen Rahmenbedingungen werden oft nicht eingehalten mit der Konsequenz, dass also offensichtlich (…) von Ermittlungsseite der Polizei und Staatsanwaltschaft sehr geschludert wird und die rechtlichen Regelungen nicht ernst genommen werden.”

Eine Rückmeldung hat Posteo von den Behörden bislang nicht bekommen. “Wir wissen nur von Journalisten, dass das Bundesjustizministerium auch weiterhin sagt, dass keinerlei Anhaltspunkte für rechtswidrige Behördenersuche vorliegen”, sagt Löhr.

Ein Daten-David gegen Google-Goliath

Posteo ist ein kleiner Fisch im großen Teich des E-Mail-Geschäfts. Nur 14 Mitarbeiter zählt das Unternehmen. Sie betreuen rund 100.000 E-Mail-Konten. Das ist nicht viel im Vergleich zu großen Anbietern wie Gmx und Web.de, die mit über 30 Millionen Nutzern weit über ein Drittel des deutschen Markts beherrschen. “Die versuchen möglichst unentgeltliche E-Mail-Angebote zur Verfügung zu stellen”, sagt Datenschützer Weichert.

Erträge macht das kostenfreie Modell, indem Werbeangebote auf die Seiten der Konteninhaber geschaltet werden. “Besonders grauenhaft sind insofern die US-Anbieter, die dann mit Personenbezogener Werbung eben ihre Geschäfte machen”, sagt Weichert. So hat es der amerikanische Internetriese Google geschafft, sich knapp acht Prozent des deutschen Marktanteils zu sichern, stellte ein Studie des E-Mail-Marketers Publicare fest. Deutsche Internetnutzer bevorzugen “E-mail made in Germany”, wie die Studie zeigt. Eine gleichnamige Initiative großer deutscher Anbieter engagiert sich mittlerweile auch für mehr Datenschutz, Verschlüsselung und Rechenzentren in Deutschland.

Ein Vorreiter auf dem Nachhaltigkeits-Markt

Posteo setzt gegen das gegenwärtige Modell, indem es einen Euro monatlich für seinen Dienst verlangt. Datensicherheit ist nicht das einziges Steckenpferd des Anbieters: ” Da setzen wir uns für ein, ob das jetzt Netzneutralität ist oder möglichst nachhaltiges Wirtschaften”, sagt Löhr. Der Strom für die eigenen Server kommt aus erneuerbaren Energien. Das Modell kommt an, das Unternehmen verzeichnet nach fünf Jahren weiterhin Wachstum.

“Posteo ist in der Hinsicht wirklich Vorreiter”, sagt Weichert. Sie würden zeigen, dass man auch mit der Einhaltung des Datenschutz ein Geschäftsmodell aufbauen könne, “weil vertrauenswürdige Kommunikation etwas wert ist.”

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Williams will den Grand Slam

Sie ist mittlerweile 34 Jahre jung. In diesem reifen Tennis-Alter ist Serena Williams noch immer eine Getriebene, wie besessen vom nächsten Erfolg, vom nächsten Rekord. Seit die US-Amerikanerin im Juni beim
Rasen-Turnier in Wimbledon gewann, hat sie nur noch ein Ziel: den Grand Slam. Alle vier wichtigen Tennisturniere – Australian Open, French Open, Wimbledon und die US Open – in einer Saison zu gewinnen, das ist für sie die ultimative Herausforderung: “Das ist groß, wirklich, wirklich groß”, sagt Williams.

Der Grand Slam gelang bei den Frauen bisher nur Maureen Conolly (1953), Margaret Court (1970) und Steffi Graf (1988). Dabei hat Williams bereits vier Majors hintereinander gewonnen, sogar zwei Mal – jedoch in beiden Fällen jahresübergreifend und eben nicht in einer Saison. Die Weltranglisten-Erste geht als große Favoritin und Titelverteidigerin in das Heimturnier in New York. “Ich glaube, dass sie es schafft”, meint die deutsche Bundestrainerin Barbara Rittner vor dem Start der US Open. “Ich denke, dass ihr nur die eigene Gesundheit einen Strich durch die Rechnung machen könnte.” Die körperliche Verfassung und die hohen Erwartungen der Fans, der Medien und vor allem ihre eigenen – all das muss Williams in den Griff kriegen, um das ganz Große zu erreichen.

Mentale Tricks

“Ich muss in guter körperlicher Verfassung sein. Angst und Zweifel können mich auch stoppen”, sagte Serena Williams bei der Auslosung, die ihr für die erste Runde die Russin Witalia Djatschenko als Gegnerin bescherte. Im Halbfinale des Turniers von Toronto hatte Williams zuletzt gegen die aufstrebende Schweizerin Belinda Bencic eine ihrer seltenen Niederlagen kassiert. “Wenn ich auf den Platz gehe und ein bisschen nervös bin oder ängstlich, ist das nie ein gutes Zeichen”, räumte Williams unerwartet offen ein. “Ich versuche, dieses Gefühl einzufangen und wie einen Geist in eine Flasche zu sperren.” Dann werfe sie die Flasche weg und starte ins Match.

Vielleicht sollten es die deutschen Spielerinnen auch mal mit ähnlichen mentalen Tricks versuchen. Bei den ersten drei Majors des Jahres erreichte nur Julia Görges in Melbourne und Paris das Achtelfinale. In Wimbledon scheiterten alle deutschen Tennisprofis bereits in der ersten Woche. “Sie haben in den wichtigen Momenten leider verkrampft gespielt und dann mitunter auch kein gutes Tennis gezeigt”, bilanzierte Bundestrainerin Barbara Rittner. Immerhin: Angelique Kerber hat in diesem Jahr bereits vier Turniersiege gesammelt. Sie trifft im ersten Match auf die Rumänin Alexandra Dulgheru. Petkovic bekommt es mit Caroline Garcia aus Frankreich zu tun.

Federer in Höchstform

Bei den Männern hatte es im Vorjahr mit dem Kroaten Marin Cilic einen überraschenden US Open-Sieger gegeben. Und auch diesmal dürfte es spannend werden. Denn der nimmermüde Roger Federer ist in Top-Form wie zu seinen besten Zeiten. Eine Woche vor dem Start der US Open setzte sich der Schweizer beim Turnier in Cincinnati gegen den Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic durch. “Dieser Sieg ist etwas Spezielles, weil ich dieses Jahr drei Finals gegen Novak verloren hatte”, sagte Federer nach seinem 87. Turniererfolg. In Wimbledon hatte noch der Serbe das Endspiel für sich entschieden. Durch seinen Triumph in Cincinnati hat Federer den Schotten Andy Murray von Platz zwei der Bestenlisten verdrängt.

“Jetzt reise ich natürlich selbstbewusst nach New York”, sagte Federer, der die US Open von 2004 bis 2008 dominierte. Eine zusätzliche Motivation dürfte – ähnlich wie bei Williams – ein Rekord sein: Mit seinem sechsten Triumph könnte er zum alleinigen Rekordsieger von Flushing Meadows avancieren – vor Pete Sampras und Jimmy Connors (beide USA). Der deutsche Routinier Thommy Haas hat einen schweren Auftaktgegner zugelost bekommen. Der 37-Jährige trifft bei seinem vermutlich letzten Start bei den US Open auf den Spanier Fernando Verdasco.

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