Месечни архиви: November 2015

ARD: Deutscher Syrien-Einsatz kostet 134 Millionen Euro


Nach dem Willen der Bundesregierung soll die Bundeswehr den internationalen Kampf gegen die Terrormiliz “Islamischer Staat” (IS) auch militärisch unterstützen. Aus Solidarität mit Frankreich will sie dafür unter anderem Tornado-Aufklärungsflugzeuge und eine Fregatte zur Verfügung stellen. Frankreich hatte nach den Anschlägen von Paris mit 130 Toten, zu denen sich der IS bekannt hatte, auch um militärische Unterstützung gebeten. Bis zu 1200 deutsche Soldaten sollen an dem Einsatz teilnehmen.





Ziel der Anti-IS-Mission sei die militärische Unterstützung Frankreichs, des Irak und der von den USA geführten Internationalen Allianz gegen den IS, heißt es in der Beschlussvorlage für das Bundeskabinett. Grundlage sei das Recht auf kollektive Selbstverteidigung gemäß Artikel 51 der Charta der Vereinten Nationen. Die Vorlage verweist laut ARD-Haupstadtstudio auf die Resolution 2249 sowie zwei frühere Resolutionen des UN-Sicherheitsrates. Darin sei wiederholt festgestellt worden, dass vom IS eine Bedrohung für den Weltfrieden und die internationale Sicherheit ausgehe. Da sich Frankreich auf die Beistandsklausel des EU-Vertrags berufen habe, finde der Einsatz der Bundeswehr im Rahmen eines “Systems kollektiver Sicherheit” statt, wie es das Grundgesetz verlange. Nach ARD-Angaben macht das 16-seitige Papier keine Angaben zu der Frage, wer den Einsatz führen und koordinieren soll.


Am Dienstag will das Kabinett entscheiden, und auch die Beratungen im Bundestag sollen nicht lange dauern. Laut ARD liegen die geplanten Kosten der Syrien-Mission deutlich niedriger als der Afghanistan-Einsatz der deutschen Streitkräfte: Dieser kostete teilweise mehr als eine Milliarde Euro pro Jahr.





Röttgen widerspricht der Ministerin


Derweil stößt Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen mit ihren Überlegungen zur Zusammenarbeit mit den syrischen Truppen auf Ablehnung in den eigenen Reihen. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Norbert Röttgen (CDU), sagte am Montag im Deutschlandfunk, er könne sich eine solche Kooperation nur “sehr schwer vorstellen”. Assad und seine Armee hätten “Hunderttausende auf dem Gewissen”. Eine Kooperation mit dem Militär von Staatschef Baschar al-Assad “würde uns die Legitimität nehmen”, betonte Röttgen.


Auch die Opposition zeigte sich skeptisch. Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt sagte der “Passauer Neuen Presse”: “Ich kann mir keine Zustimmung zu einem Militäreinsatz vorstellen, der bedeutet, dass wir Seite an Seite mit Assad kämpfen.” Die Linke ist generell gegen den Einsatz. “Bomben schwächen islamistische Terrororganisationen wie den IS nicht, sondern stärken sie”, sagte Fraktionschefin Sahra Wagenknecht.


Keine Zukunft mit Assad


Von der Leyen hatte am Sonntagabend auf die Frage, ob die Armee ein Verbündeter im internationalen Kampf gegen die Dschihadistengruppe IS sein könnte, im Zweiten Deutschen Fernsehen gesagt: “Es gibt Teile der Truppen in Syrien, die man sehr wohl (…) hier auch nehmen kann.” Nach der Einleitung eines politischen Übergangsprozesses in Syrien müsse die Lage neu bewertet werden. Es werde keine Zukunft mit Assad geben, “das ist klar”, betonte von der Leyen allerdings weiter. Zuvor hatte der französische Außenminister Laurent Fabius eine übergangsweise Kooperation mit den syrischen Regierungstruppen gegen die IS-Miliz ins Gespräch gebracht.


kle/as (afp, dpa)

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Das große Ringen um den Rückgang der Treibhausgase

Mit einer neuen Initiative wollen die deutsche Regierung sowie Norwegen, Schweden und die Schweiz die sogenannten Entwicklungsländer bei der Minderung von Treibhausgasen finanziell unterstützen. Das teilte die Weltbank als Partner zum Auftakt der UN-Klimaverhandlungen mit Vertretern aus 154 Ländern im Pariser Vorort Le Bourget mit. Mit einem Umfang von zunächst 250 Millionen US-Dollar (ca. 236 Millionen Euro) soll das Konzept im nächsten Jahr starten. Laut Weltbank könnten Länder zum Beispiel dann zusätzliches Geld erhalten, wenn sie Beihilfen für klimaschädliche fossile Brennstoffe abschaffen oder gesetzliche Hürden für erneuerbare Energien senken.

“Wir müssen an einem Strang ziehen”

US-Präsident Barack Obama appellierte an China, beide Großmächte müssten an einem Strang ziehen, um beim Gipfel der Vereinten Nationen eine Vereinbarung im Kampf gegen die globale Erwärmung zu erreichen. Die Volksrepublik und die USA sind die weltgrößten Treibhausgas-Produzenten und spielen schon daher eine maßgebliche Rolle bei dem Versuch, den klimaschädlichen Kohlendioxidausstoß (CO2) global zu begrenzen.



Obama und Xi biem UN-Gipfel (Foto: rtr)

Obama will mit seinem chinesischen Kollegen Xi Jinping eine Führungsrolle übernehmen

Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel werden sich am Montagnachmittag an das Plenum wenden. Ihr Auftritt soll ein politisches Signal an die Verhandlungsführer sein, die sich in etlichen noch ungeklärten Fragen einigen müssen.

“Wir haben nicht das Recht zu enttäuschen”

Frankreichs Präsident François Hollande redete den versammelten rund 150 Staats- und Regierungschefs eindringlich ins Gewissen. “Auf Ihren Schultern ruht die Hoffnung der gesamten Menschheit”, unterstrich der Präsident in Le Bourget. Reine Absichtserklärungen reichten nicht mehr aus. “Wir haben nicht das Recht zu enttäuschen.” Bis Ende nächster Woche müsse ein neuer Klimavertrag stehen. Der Klimawandel beeinträchtige nicht nur das Leben auf der Erde, er befeuere auch Konflikte: “Es geht bei dieser Klimakonferenz um den Frieden”, mahnte Hollande. “Es stand noch nie so viel auf dem Spiel, denn es geht um die Zukunft des Planeten.”

Gedenken an die Oper der Terroranschläge

Mit einer Schweigeminute erinnerten die Gipfel-Teilnehmer an die Opfer der jüngsten Terroranschläge. “Keine Sache und kein Glaube kann die Gewalt rechtfertigen, die wir in den vergangenen Tagen und Wochen gesehen haben”, betonte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon vor den Delegierten. Er verwies auf die islamistischen Terroranschläge in der französischen Hauptstadt vom 13. November, bei denen 130 Menschen getötet wurden, aber auch auf Anschläge in Bagdad, Beirut und Bamako, der Hauptstadt Malis.



Am Vortag des UN-Gipfels demonstrierten - wie hier in London - Menschen weltweit für mehr Klimaschutz (Foto: Getty)

Am Vortag des UN-Gipfels demonstrierten – wie hier in London – Menschen weltweit für mehr Klimaschutz

Das angestrebte neue Abkommen soll alle Staaten zum Klimaschutz verpflichten und 2020 das Kyoto-Protokoll ablösen.

se/as (ap, epd, dpa, ape, rtr)

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VW konkretisiert Rückrufpläne


Das teilte das Kraftfahrt-Bundesamt am Montag in Flensburg mit. Etwas mehr als eine halbe Million Wagen von Audi sind betroffen, weitere rund 300.000 Fahrzeuge stammen von Skoda und gut 100.000 von Seat. Die Halter sollen in den nächsten Wochen von Volkswagen angeschrieben werden. Als erste hatte die Tageszeitung “Die Welt” darüber berichtet. Ein Sprecher der Flensburger Zulassungsbehörde sagte, der Wolfsburger Autobauer habe fristgerecht die technischen Lösungen vorgestellt, um die Manipulation zu beenden. Inzwischen lägen auch die Maßnahmen zur Nachrüstung der 1,2-Liter-Motoren vor.


Davor hatte die Behörde bereits grundsätzlich grünes Licht für die Nachrüstung der 1,6- und 2,0-Liter-Motoren gegeben. “Die Erteilung der Freigabe befindet sich noch in der Prüfung”, sagte der KBA-Sprecher. Erst wenn die endgültige Genehmigung erteilt wurde, soll VW die Adresse der Halter bekommen. Der Wolfsburger Konzern hatte bis Montag Zeit, für alle betroffenen Modelle Lösungs- und Zeitpläne vorzulegen.




Amnestieregelung ausgelaufen


Die von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt eingesetzte Untersuchungskommission ließ sich von Volkswagen die technischen Lösungen vorstellen. “Unser Eindruck der Umrüstungskonzepte ist positiv”, sagte der CSU-Politiker der Zeitung. Dobrindt drängte den Konzern, den angerichteten Schaden rasch zu beheben. Für die betroffenen Kunden dürften keine Nachteile entstehen. Die Rückrufe sollen im Januar beginnen und dürften sich bis Ende 2016 hinziehen.


Am Montag lief zudem die von VW zur Aufklärung gesetzte Amnestieregelung aus. Mitarbeiter konnten sich mit Informationen zur Aufarbeitung des Abgasskandals melden, ohne arbeitsrechtliche Konsequenzen fürchten zu müssen. Circa 50 Beschäftigte hätten davon Gebrauch gemacht, mit ihnen würden nun Gespräche geführt, erklärte VW. Ob jemand darunter sei, der sich selbst eines Vergehens bezichtige, konnte VW nicht sagen. Der Konzern will Mitte Dezember eine Zwischenbilanz der Aufarbeitung des Skandals ziehen, der Europas größten Autobauer in die schwerste Krise seiner 78-jährigen Unternehmensgeschichte gestürzt hat.


“CO2 vergrößert Vertrauenskrise”


VW hatte im September zugegeben, dass in etwa elf Millionen Dieselfahrzeugen eine Software eingesetzt wurde, die den Ausstoß von Stickoxiden im Testbetrieb als zu niedrig auswies. Anfang November gestand das Wolfsburger Unternehmen zudem ein, dass bei vermutlich rund 800.000 seiner Autos der tatsächliche Ausstoß des klimaschädlichen Gases CO2 höher ist als angegeben. Die nun vorgestellten Maßnahmen beziehen sich ausschließlich auf die Manipulationssoftware.


Die Manipulation von CO2-Angaben verunsichert nach Angaben des VW-Betriebsrats zunehmend die Kunden. “Es gibt schon eine Kaufzurückhaltung”, sagte Betriebsratschef Bernd Osterloh am Wochenende . Die Größenordnung des Bestellrückgangs bezifferte er nicht. Große Unternehmen müssen beim Kauf von Firmenwagen darauf achten, dass ihre Fahrzeugflotten einen bestimmten Kohlendioxid-Ausstoß nicht überschreiten. Die CO2-Werte eines Fahrzeugs fließen zudem in die Berechnung der Kfz-Steuer ein. “Das Thema CO2 hat eine größere Vertrauenskrise erzeugt als das Thema Stickoxide”, so Osterloh.


wen/as (dpa,rtr,)


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Demokratie ist käuflich – im Bundestagsshop im Abgeordnetenhaus des Bundestags in Berlin


Den Espresso aus dem Bundestagstässchen schlürfen? Den Fahrradweg mit einer Bundestagsklingel freiläuten? Oder die Weltpolitik vom Frühstücksbrettchen mit Reichstagskulisse verhackstücken? All das ist jetzt möglich: Das Equipment dazu gibt es im Bundestagsshop, der soeben im Paul Löbe-Haus, dem Abgeordnetenhaus des Parlaments seine Pforten geöffnet hat. Nicht nur an die 20.000 Inhaber von Dauerbesuchsausweisen – Parlamentarier, Angestellte und andere dienstbare Geister – richtet sich das Angebot. Zur Zielgruppe gehören vor allem die 500 bis 2000 Gäste, die sich täglich in Besuchergruppen einfinden.


Bundestag wünscht sich mehr Wertschätzung


Souvenirjäger werden so zu Botschaftern des Parlaments. Denn, wie Vize-Bundestagspräsident Johannes Singhammer (CSU) bei der Eröffnung sagte, möchte der Bundestag für mehr Identifikation mit dem Hohen Haus werben.




Bundestagsshop eröffnet Johannes Singhammer. Rechte: S. Dege / DW

Johannes Singhammer, Bundestags-Vizepräsident präsentiert Souvenirs aus dem Bundestagsshop.

“Wir wünschen uns Wertschätzung”, so der CSU-Politiker mit einem Augenzwinkern, “da hat der Bundestag Nachholbedarf – jedenfalls gegenüber anderen Nationalparlamenten”. Beherzt schrieb der Bundestag das Merchandising in eigener Sache vor zwei Jahren aus. Ein Vertrag mit der Museion Versand GmbH kam zustande. Die darf die Geschenke und Mitbringsel jetzt in Lizenz herstellen und vertreiben. Die Ehre und ein Teil der Einnahmen freilich gehen an das Parlament.


Wer das Reichstagsgebäude mit einem Bastelbogen für 16,90 Euro nachbauen möchte, wird im Bundestagsshop ebenso fündig wie Liebhaber von Baseballcaps (12 Euro), wahlweise mit dem Schriftzug “Oppositionsführer” oder “Alterspräsident” versehen. Eine Kuriertasche mit Bundestags-Silhouette ist für 89 Euro zu haben. Sticker, Fotos, Kühlschrankmagneten mit Reichstagslogo – mit parlamentarischer Demokratie und ihren Insignien macht man hierzulande Staat. Hoffentlich schwant niemandem, dass das jetzt alles käuflich ist.


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Berliner Debatte über Kampf gegen IS



Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (Artikelbild) hat sich offen gezeigt für eine Beteiligung syrischer Regierungstruppen am internationalen Kampf gegen den IS. “Es wird keine Zukunft mit Assad geben, das ist klar”, sagte die CDU-Politikerin mit Blick auf Syriens Machthaber Baschar al-Assad im ZDF. “Aber es gibt Teile der Truppen in Syrien, die man sehr wohl – wie in dem Beispiel Irak, wo ja erfolgreich die Ausbildung der lokalen Truppen stattgefunden hat – hier auch nehmen kann.”


Von der Leyen betonte, man wolle eine Übergangsphase weg von Assad, die Staatlichkeit in Syrien aber erhalten. “Deshalb ist es richtig, über die syrischen Truppen zu sprechen, wenn klar ist, wenn diese Übergangsphase in Kürze begonnen hat, was mit Assad geschieht. Dann muss das neu bewertet werden.”


Aus Solidarität mit Frankreich nach den Pariser Anschlägen will Deutschland mit “Tornado”-Aufklärungsflugzeugen und einem Kriegsschiff in den Anti-IS-Kampf eingreifen. Mit deutlich mehr als 1000 Soldaten könnte es der größte aktuelle Auslandseinsatz der Bundeswehr werden. Die Grundsatzentscheidung für die Militäroperation fiel am Donnerstag. Am Dienstag will das Kabinett entscheiden, und auch die Beratungen im Bundestag sollen nicht lange dauern.



Tornado Pilot

Im Tornado bald über Syrien?


Nicht an der Seite Assads


Doch für Streit sorgt vor allem die von Frankreich ins Spiel gebrachte Kooperation mit Streitkräften des Regimes. Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt sagte der “Passauer Neuen Presse”: “Ich kann mir keine Zustimmung zu einem Militäreinsatz vorstellen, der bedeutet, dass wir Seite an Seite mit Assad kämpfen.” Die Linke ist generell gegen den Einsatz. “Bomben schwächen islamistische Terrororganisationen wie den IS nicht, sondern stärken sie”, sagte Fraktionschefin Sahra Wagenknecht der Zeitung.




Hans-Christian Ströbele im Bundestag

Strikt dagegen: Grünen-Veteran Hans Christian Ströbele

Der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, sagte dagegen dem “Handelsblatt”, die “einzig infrage kommenden Bodentruppen sind Assads Regierungstruppen”. Deshalb müsse man “bis auf Weiteres die Kröte Assad schlucken”. Ein klares “Nein” zum Syrien-Einsatz der Bundeswehr kommt vom grünen Bundestagsabgeordneten Christian Ströbele. “Ich werde diesem Kriegseinsatz nicht zustimmen, weil er brandgefährlich und falsch ist”, sagte er der “Mitteldeutschen Zeitung”. Er habe das schon einmal erlebt, vor fast 14 Jahren. Auch der damalige Afghanistan-Einsatz sei damit begründet worden, dass “wir uneingeschränkte Solidarität mit den USA üben müssen. Das allein reicht als Kriegsgrund nicht aus.”


ml/haz (dpa,rtr)

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Polizeigewalt weiterhin in den Schlagzeilen

Rassismus sei in den USA kein Thema mehr. Das glaubten viele nach der Wahl des ersten schwarzen Präsidenten. Doch Fortschritte lassen auf sich warten, sogar in Chicago, der politischen Heimat Obamas.

“Ich bin Amerikanerin, ich habe das Recht einzukaufen!” Eine ältere Dame steht vor einigen hundert wütenden Demonstranten in Chicagos feinster Einkaufsmeile, der North Michigan Avenue. Sie ist ungehalten. Die Protestler, zum größten Teil Afroamerikaner, versperren ihr und vielen anderen den Zugang zu mehreren Geschäften. Sie skandieren: “16 Schüsse, 14 Monate!” In Chicago kennt fast jeder diese Zahlen: Die 16 Schüsse feuerte der Polizeibeamte Jason Van Dyke mit seiner Dienstwaffe auf den mit einem Messer bewaffneten 17-jährigen Afroamerikaner Laquan McDonald. Gleich der erste Schuss, das zeigt ein vor wenigen Tagen veröffentlichtes Video, streckte den Teenager nieder. Dennoch entleerte der Beamte sein Magazin. Die Bilder – ohne Ton – wirken wie eine Hinrichtung.

14 Monate steht für die Zeit, die das Justizsystem brauchte, um den Polizisten wegen Mord anzuklagen. Viel zu lange. Das glauben die meisten Einwohner in Chicago, auch der Sozialarbeiter David Bates. Der Afroamerikaner verbrachte 10 Jahre im Gefängnis für eine Tat, die er nie begangen hatte. Die Polizei hatte ihn aufgrund einer Falschaussage festgenommen und so lange geschlagen, bis er bereit war alles zuzugeben. Inzwischen ist er rehabilitiert, unterstützt junge Menschen in den mehrheitlich von Afroamerikanern und Latinos bewohnten Stadtteilen.

“Die weißen Einwohner vom Einkaufen abzuhalten – und das am Black Friday Wochenende – ist falsch”, so Bates. Damit würden die Demonstranten die Menschen aufbringen, statt sie auf das eigentliche Problem hinzuweisen: Rassismus unter Polizisten, ein wenig effektives und unterfinanziertes Justizsystem, Korruption bei lokalen Politikern und Gewerkschaftlern.

Chicago und Baltimore sind nicht allein

Alles das ist nicht typisch für Chicago, sondern gilt auch für andere amerikanische Städte. So behauptet der “Guardian”, in den USA seien 2015 über 960 Menschen von Polizisten getötet worden. Das “Wall Street Journal” ergänzt, nur 12 Beamte seien wegen ziviler Todesopfer angeklagt worden, also nur ein kleiner Teil im Vergleich zur Zahl der Tötungsdelikte. Immerhin beginnt an diesem Montag in Baltimore der Prozess gegen einen der Polizisten, denen der Tod des Afroamerikaners Freddie Gray im April dieses Jahres zur Last gelegt wird.



Proteste gegen Polizeigewalt in Baltimore (Foto: Reuters)

Der Tod von Freddie Gray am 23. April 2015 hat Baltimore verändert

“Wir dürfen nicht den Fehler machen und alle amerikanischen Polizisten über einen Kamm scheren”, so Bates. Viele würden sich aufrichtig bemühen, den Menschen zu helfen. Bates’ Ratschlag, die Geschäfte in der Chicagoer Innenstadt in Ruhe zu lassen, verhallten ungehört. Immer wieder stellen sich Protestler vor Läden, sperren sogar ganze Straßenzüge. Sie werden unterstützt von prominenten Rednern. Einer von ihnen ist der Menschenrechtsaktivist Jesse Jackson. Den Hut tief ins Gesicht gezogen, eingehüllt in einen dicken Mantel, mit Schal um den Hals, fordert er den Rücktritt der zuständigen Staatsanwältin Anita Alvarez sowie den des Polizeichefs Garry McCarthy.

Jackson legt den Finger in die Wunde, indem er nach einem weiteren Video fragt, das die Zeit vor den Schüssen des Polizeibeamten auf den Teenager zeigen soll. Die Kamera gehörte zu einem Schnellrestaurant und der Besitzer unterstellt der Polizei, das Video gelöscht zu haben. Diese weist die Schuld von sich.

Die Konfusion wächst – nicht nur in Chicago, wie Michele Jawando, vom linksliberalen Center for American Progress meint. “Es gibt Vorfälle, da denken die Menschen, sie könnten noch nicht mal einen Polizisten ansehen, ohne gleich verhaftet oder zumindest verdächtigt zu werden. Das führt zu Misstrauen in der Community.” Laut einer Gallup-Umfrage vertraut nur jeder zweite Amerikaner der Polizei – der niedrigste Wert seit 1993.

Polizeikontrollen als Schikane

Angst vor der Polizei, das ist ein Gefühl, das auch viele Latinos kennen. Die Einwanderergeneration redet kaum darüber. Doch die Jüngeren lassen sich den Mund nicht verbieten, so etwa die 19-jährige Studentin Jasmin Nava und ihre 32-jährige Freundin Cindy Martinez. Beide sind in den Latino-Vierteln im Süd-Westen Chicagos aufgewachsen. Ihre Väter kamen vor Jahrzehnten aus Mexiko in die USA, vor allem aus wirtschaftlichen Gründen.

Martinez, die sich in der Latino-Community engagiert, erzählt, dass die Beamten in Chicago jene Stadtteile, in den mehrheitlich Latinos oder Afroamerikaner leben, viel öfter und strenger kontrollieren. “Dementsprechend finden sie da auch mehr.” Viele der Bewohner kommen zu spät zur Arbeit, weil sie völlig grundlos von Polizisten angehalten würden. Die Kontrollen könnten 20 Minuten und länger dauern und einige würden so ihren Job verlieren. “Reine Schikane, die die meisten Latino-Familien kennen”, sagt Cindy Martinez.



Anwalt von Polizist Jason Van Dyke Prozess um Laquan McDonald (Foto: Getty Images)

Alle Augen auf Dan Herbert: Der Anwalt von Polizist Jason Van Dyke im Prozess um Laquan McDonald spricht mit der Presse

Chicagos Bürgermeister Rahm Emanuel wollte eigentlich den Polizeiapparat reformieren. Unter anderem wegen dieses Versprechens ist er 2011 gewählt und im Frühjahr dieses Jahres knapp wieder gewählt worden. Wirklich erfolgreich war er damit nicht. Sozialarbeiter Bates erklärt: “Afroamerikaner sind gemäß ihres Bevölkerungsanteiles bei den Polizeikräften unterrepräsentiert.”

Hinzu kommt, dass Fehlverhalten bei der Polizei selten Folgen hat. Über den Chicagoer Beamten Jason Van Dyke lagen zahlreiche Beschwerden vor. Doch die Polizeichefs und die Gewerkschaft stellten sich hinter ihn. Konsequenzen sind nie gezogen worden. Hätte es die gegeben, so glauben viele in Chicago, wäre Laquan McDonald vielleicht noch am Leben.

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NBA-Star Kobe Bryant tritt zurück


Er sei bereit, loszulassen, erklärte der 37 Jahre alte Spieler auf der Website “The Player’s Tribune”. Diese Saison sei alles, was er dem Basketball noch geben könne. “Mein Körper weiß, dass es an der Zeit ist, auf Wiedersehen zu sagen”, fügte Bryant in dem in Gedichtform gehaltenen Text unter der Überschrift “Dear Basketball” hinzu.


Der Spieler der Los Angeles Lakers beendet damit eine 20jährige Karriere, die im US-Basketball ihresgleichen sucht. Bryant gewann zweimal Olympisches Gold und fünfmal den Meisterschaftsring in der NBA. Er belegt den dritten Rang auf der Allzeit-Trefferliste und hat mehr als 32.000 Punkte in seiner Karriere erzielt.


Nicht überraschend


Nach entsprechenden Andeutungen in der letzten Zeit kommt Bryants Schritt für Beobachter nicht völlig überraschend. Er war zuletzt von Verletzungen geplagt und macht zudem mit den Lakers eine vergleichsweise bescheidene Spielzeit durch.


ml/haz (dpa,ap,rtr)


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