Месечни архиви: December 2015

Mit Sekt Geld in die Staatskasse spülen

Formel-1-Sieger begießen mit ihm ihre Erfolge. Die einen trinken ihn schon zum Frühstück oder stoßen mit ihm auf fröhliche Ereignisse an. Andere ärgern sich am nächsten Morgen mit Kopfweh, dass sie nicht die Finger von ihm lassen konnten: der Schaumwein – und seine Unterformen Sekt, Champagner oder Crémant.

Auch wenn der Konsum im vergangenen Jahr in Deutschland leicht zurückgegangen ist, stehen die Bundesbürger immer noch ganz oben auf dem Treppchen, was den Genuss sprudelnder Alkoholika angeht – noch vor Franzosen, Russen und US-Amerikanern. Das fand eine Studie der Internationalen Organisation für Rebe und Wein aus dem Jahr 2013 heraus. Insgesamt haben die Deutschen 2014 rund 423 Millionen 0,75-Liter-Flaschen Schaumwein getrunken, so das Statistische Bundesamt.

An Silvester ist der Andrang an den deutschen Sektregalen besonders groß. Wer das neue Jahr mit einer Flasche des Getränks einläutet, muss pro 0,75 Liter 1,02 Euro Schaumweinsteuer abdrücken – zusätzlich zu den 19 Prozent Mehrwertsteuer. Zu verdanken haben die Sekt- und Champagnerliebhaber das Kaiser Wilhelm II. Denn der führte sie 1902 ein, um mit dem Geld die Kriegsflotte und den Kaiser-Wilhelm-Kanal, den heutigen Nord-Ostsee-Kanal, zu finanzieren.

Heute wird nicht mehr nur für Kanonen getrunken

Wilhem II. strebte nach Weltgeltgung und Kolonien. Dazu gehörte natürlich auch eine schlagkräftige Marine nach Vorbild der Briten. Sekt galt damals noch als Luxusgut. Ein Großteil der Bevölkerung sah also einer Steuer, die hauptsächliche die Reichen betraf, nicht allzu kritisch. Nach dem Ersten Weltkrieg versenkten die Deutschen ihre Flotte selbst. An der Schaumweinsteuer rüttelte jedoch keiner.



Ein Bild des Kaiser-Wilhelm-Kanals, auf dem ein Schiff und eine Brücke zu sehen sind

Der Kaiser-Wilhem-Kanal wurde zwischen 1887 und 1895 erbaut – auch mithilfe der Schaumweinsteuer

Während der Weltwirtschaftskrise 1933 setzte die deutsche Regierung die Sektsteuer für einige Jahre aus – ein Versuch, die Konjunktur anzuheizen. Ab 1939 floss der Schaumweintrinker-Obolus in die U-Boot-Entwicklung. Die Schaumweinsteuer war also zweckgebunden – wenn auch für rein kriegerische Projekte.

Doch nach Ende des Zweiten Weltkrieges war nicht die Rede davon, sie wieder abzuschaffen. 2014 flossen rund 421 Millionen Euro in die Kassen des Bundes. Für einen bestimmten Zweck – wie zu Zeiten Kaiser Wilhelms II – wird diese Alkoholabgabe allerdings nicht mehr hergenommen. Der Staat kann sie also einsetzen, für was er will.

Kleinvieh macht auch Mist

Die Schaumweinsteuer macht nicht einmal 0,1 Prozent aller deutschen Steuereinnahmen aus. Damit zählt sie zu den von Experten so bezeichneten Bagatellsteuern – Abgaben, die weniger als 0,2 Prozent zu den gesamten Staatseinnahmen beitragen.

“Davon gibt es in Deutschland noch jede Menge”, sagt Martin Frömel vom Bund der Steuerzahler. Der Fachanwalt für Steuerrecht kritisiert, diese Staatseinnahmen seien “sehr, sehr teuer” im Verhältnis zu ihrem Ertrag. “Im Vergleich zu den Erhebungskosten bringen Bagatellsteuern keine bedeutenden Einnahmen”, so Frömel.

Nicht nur beim Sekt kassiert der Finanzminister

Schaumwein ist nicht das einzige alkoholische Getränk, auf das der Bund Steuern erhebt. Auch wer Branntweine wie Wodka oder Grappa, Bier, Alkopops – also alkoholhaltige Süßgetränke – und sogenannte Zwischenerzeugnisse wie Sherry oder Portwein konsumiert, legt zusätzlich zum Preis des Getränks noch was für den Staat obendrauf. Allein Wein ist von dieser Verbrauchsteuer ausgenommen.

“Das Problem ist, dass die Steuern nach Vorgaben der EU zu erheben sind”, erklärt Martin Frömel. Daher könne Deutschland die Abgaben nicht im nationalen Alleingang abschaffen, sondern die EU müsste erst die entsprechende Richtlinie ändern. “Und darauf sollte der deutsche Gesetzgeber auch hinsteuern”, findet der Steuerexperte.

Der Bund sowie Länder und Gemeinden würden aber von den Einnahmen profitieren und seien aus diesem Grund natürlich wenig bereit, diese zu hinterfragen oder abzuschaffen, so Frömel. Wer an Silvester in Zukunft also mehr Qualität für sein Geld will und sich traut, mit alten Traditionen zu brechen, kann den Sekt durch ein Glas Merlot, Riesling oder Gewürztraminer ersetzen – und sich damit die Schaumweinsteuer sparen.

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Rote Dessous und Glücksfische: Silvester in Europa

Vom Stuhl springen, sich den Mund mit Trauben vollstopfen oder Wasserhähne laufen lassen: Die Europäer waren über viele Jahrhunderte hinweg sehr kreativ im Erfinden von Silvesterbräuchen, die bis heute mit großem Vergnügen zelebriert werden. Hinter allem steht der Aberglaube, denn schließlich geht es in der Silvesternacht um Rituale, Glücksbringer, besondere Speisen und fast überall um lautes Geknalle und Feuerwerk.


Das Krachmachen ist älter als das Mittelalter – damals wurde um Mitternacht mit Töpfen und Pfannen ordentlich Radau gemacht, um böse Geister zu vertreiben. Später kamen Kirchenglocken und Kanonenböller dazu. Heute kann jeder einen Feuerwerkskörper in die Luft schießen – davon wird vor allem in Deutschland viel Gebrauch gemacht.

Auch wenn es sich bei den Bräuchen um Aberglaube handelt, machen die Menschen sie gerne mit. Ob aber rote Dessous wirklich Glück bringen, wie etwa einen Lottogewinn – das glauben sicher nur hoffnungslose Romantiker. Die Bräuche runden den meist festlichen Silvesterabend ab und lassen die meisten Menschen mit guter Laune ins neue Jahr rutschen.

Rutschen auch Sie gut – nur das Beste für 2016 wünscht Ihnen die Kultur-Online-Redaktion.

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Der Geist ist willig, allein …


Tee statt Alkohol, Gemüse statt Süßigkeiten, Fitness und Bücher statt Fernsehen und Computerspiele: Zum Jahreswechsel
nehmen sich viele Menschen vor,
ihren Lebensstil zu ändern. Klüger, aktiver und vor allem gesünder wollen sie werden. Doch kaum ist das neue Jahr ein paar Wochen alt, verblassen all die guten Vorsätze – genau wie beim letzten und vorletzten Mal.


“Seit Monaten versuche ich, mich vegan zu ernähren”, erzählt die 16-jährige Zoe aus Tel Aviv: “Ich weiß, dass es das Richtige wäre und kann mich total mit dem Gedanken identifizieren. Aber jedes Mal, wenn ich Milchprodukte sehe, werde ich schwach.”


“Selbst gesteckte Grenzen einzuhalten, ist zwar sehr viel befriedigender, aber auch wesentlich schwieriger”, erklärt der Psychologe Yaki Sagy. Besonders dann, wenn man einen Genuss aufgebe, ohne einen direkten Gewinn daraus zu ziehen. Wahrscheinlich fiele es Zoe leichter, auf tierische Produkte zu verzichten, wäre der Verzehr gesetzlich verboten und mit Strafen belegt, glaubt Sagy.


Verzicht und Belohnungen


Besser funktioniert das Einhalten der selbst auferlegten Einschräkungen, wenn man dem Verzicht, einen direkten Vorteil gegenüberstellt: “Wenn man einem kleinen Kind abgewöhnen will, mit den Fingern zu essen, lobt man es, wie groß es schon ist”, erklärt Sagy. Auf diese Weise tauschten Kinder die Freude, das Essen anzufassen, gegen die Freude, erwachsener zu werden.




Eine Schale mit gemischten Beeren (Foto: Colourbox/Moskalev)

Ein Nachteil gesunder Ernährung: Ihre Vorteile lassen sich oft nicht unmittelbar nachvollziehen

Je weniger ersichtlich aber die Vorteile sind, für die man ein Opfer bringen will, umso schwerer wird es einem Mensch fallen, seinen Plan zu verwirklichen: Von zweimal Joggen gehen und Gemüse essen wird man weder fit noch schlank. Im Zweifelsfall tauscht man also die kurzfristige Freude, mit Chips vor dem Fernseher zu liegen, gegen das Leid von Muskelkater – und möglicherweise sogar Verdauungsprobleme durch die ungewohnte Ernährung.


Die Vorteile dagegen treten oft erst nach langen Phasen großer Disziplin ein. Und teilweise sind sie nicht einmal aktiv erlebbar – etwa wenn Atemnot, Diabetes oder Herzleiden gar nicht erst eintreten, weil man gesünder lebt.


Die Bedeutung der Zeremonie


Gerade, wenn es um Mäßigung oder Einschränkung geht, meint Psychologe Sagy, könne es daher helfen, die Umstellung mit einem Ritual zu beginnen. Insofern sei es gar keine schlechte Idee, den Jahreswechsel als Startschuss für solche Vorhaben zu wählen. “Wenn Menschen ihre Vorsätze zum Neujahr öffentlich erklären”, sagt Sagy, “gibt das ihrem Vorsatz eine viel größere Tragweite, als wenn man sich spontan überlegt, künftig weniger zu essen.”




Hochzeit von Prinz Carl Philip von Schweden und Sofia Hellqvist (Foto: Foto: Picture-alliance/IBL Sweden)

Große Schwüre vor vielen Zeugen erhöhen den Druck, die guten Vorsätze einzuhalten

Eine Garantie sei das natürlich nicht, räumt Sagy ein, bekräftigt sein Argument aber mit einem Beispiel von ganz besonderer Tragweite: “Die Wahrscheinlichkeit, dass sich zwei Menschen untreu werden, ist deutlich geringer, wenn sie vor 500 Hochzeitsgästen einen Schwur leisten, als wenn sie nur untereinander vereinbaren, dass sie ein Paar sind.”


Schuldgefühle gegen Disziplinlosigkeit


Eine solche Zeremonie verändere die mentale Haltung der Teilnehmer zu einem Vorsatz, erklärt Sagy. Sie schaffe eine verbindliche Dimension: “Wenn es nicht klappt, ist das Schuldgefühl größer.”


Kann die Angst, sich schuldig zu fühlen, die eigene Disziplin stärken? Diana aus Köln ging es so ähnlich: Ein ums andere Mal, erzählt sie, hätte sie sich vorgenommen, mit dem Rauchen aufzuhören. Doch jedes Mal wurde sie wieder rückfällig. Dann wurde sie Mutter und zog daraus eine zusätzliche Motivation: “Ich fühlte mich, als würde ich eine andere Person zu etwas sehr Ungesundem, sogar Gefährlichem zwingen.” Letztlich, sagt sie, habe ihr das die Kraft gegeben, das Rauchen endlich aufzugeben und durchzuhalten. Ein Silvesterschwur war dazu jedoch nicht notwendig.

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Merkel beschwört Zusammenhalt


Auch im Jahr 2016 komme es in Deutschland vor allem auf Eines an: “Auf unseren Zusammenhalt”. Das erklärt Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Neujahrsansprache mit Blick auf die Flüchtlingskrise. Wörtlich heißt es: “Es kommt darauf an, dass wir uns nicht spalten lassen. Nicht in Generationen. Auch nicht sozial und nicht in Alteingesessene und Neubürger”. Richtig angepackt sei die große Aufgabe des Zuzugs und der Integration so vieler Menschen eine Chance von morgen, “denn wir haben ein großartiges bürgerschaftliches Engagement und ein umfassendes Konzept politischer Maßnahmen”.


Die Menschen sollten denen nicht folgen, “die mit Kälte oder gar Hass in ihren Herzen ein Deutschsein allein für sich reklamieren und andere ausgrenzen wollen”, fordert Merkel, ohne die Pegida-Bewegung namentlich zu erwähnen.



Deutschland Flüchtlinge (Foto: DW/Chinese)

Flüchtlinge kommen auf dem Köln-Bonner Flughafen an


Die Deutschen müssten selbstbewusst und frei, mitmenschlich und weltoffen sein. Bei der Integration müsse man aus den Fehlern der Vergangenheit lernen: “Unsere Werte, unsere Traditionen, unser Rechtsverständnis, unsere Sprache, unsere Gesetze, unsere Regeln” seien gültig “für jeden, der hier leben will”. Von gelungener Einwanderung aber habe ein Land noch immer profitiert, sowohl wirtschaftlich als auch gesellschaftlich, betont die Kanzlerin. Sie macht damit klar, dass sie damit rechnet, dass ein Großteil der Flüchtlinge in Deutschland bleiben und nicht in die Heimat zurückkehren wird. Zugleich heißt es in der Neujahrsansprache, man arbeite daran, den Schutz der europäischen Außengrenzen zu verbessern, aus illegaler Migration legale zu machen und die Fluchtursachen zu bekämpfen, um so die Zahl der Flüchtlinge nachhaltig und dauerhaft spürbar zu verringern.


Merkel unbeirrt: “Wir schaffen das”


Der überwiegende Teil der Rede ist der Flüchtlingskrise gewidmet. Merkel dankt für die “überwältigende und tatsächlich bewegende Welle spontaner Hilfsbereitschaft” der freiwilligen und hauptamtlichen Helfer. Es stehe völlig außer Frage, dass der Zuzug so vieler Menschen “uns noch einiges abverlangen wird” an Zeit, Kraft und Geld. Zum Schluss wiederholt die Kanzlerin ihr Mantra: “Wir schaffen das, denn Deutschland ist ein starkes Land.”




Aufklärungsflugzeug Landung (Foto: Reuters/U. Bektas)

“Tornado”-Aufklärer für den Krieg gegen “IS”

Neben den Flüchtlingshelfern dankt die Kanzlerin “von Herzen” den Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr, die im Kampf gegen den Terror des IS “mit Leib und Leben für unsere Werte, unsere Sicherheit und unsere Freiheit” einstünden.


Herausforderungen, die sie in ihrer Neujahransprache 2015 nannte, wie die digitale Revolution und der Klimaschutz bleiben diesmal ungenannt, ebenso taucht die Eurokrise nicht mehr auf.


Dafür erwähnt Merkel, die als Fan der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gilt, die bevorstehende Europameisterschaft in Frankreich, wo “unsere Fußballweltmeister auch Europameister werden wollen”.

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