Месечни архиви: January 2016

Kommentar: Mit Teamgeist und Zuversicht

Selbst den Bundespräsidenten haben die deutschen Handballer gepackt. Er habe die meisten Spiele verfolgt und war “begeistert vom Mannschaftsgeist, der Sie zum Erfolg geführt hat”, ließ Joachim Gauck den frischgebackenen Europameister wissen, bevor die Siegerehrung in Krakau begonnen hatte. Wie sehr sich Gauck tatsächlich im Handballsport auskennt, ist nicht bekannt. Aber er hat ganz offenbar gespürt, was alle gespürt haben, wenn das junge DHB-Team spielte.

“Wir haben keine Chance, also nutzen wir sie.” So oder so ähnlich muss das Motto von Trainer Dagur Sigurdsson gelautet haben, als ihm ein Leistungsträger nach dem anderen wegbrach. Kapitän Uwe Gensheimer und drei weitere Stammkräfte konnten verletzt überhaupt nicht mitwirken, seinen Stellvertreter Steffen Weinhold und Rückraumspieler Christian Dissenger erwischte es im Hauptrundenspiel gegen Russland. 16 EM-Debütanen liefen so in Polen auf. Unbekümmert, unverbraucht, hungrig und selbstbewusst. Deren Blick: immer nach vorne gerichtet.

“Ein Finale spielt man, um es zu gewinnen”, posaunte Julius Kühn vor dem Endspiel gegen Spanien heraus. Ausgerechnet Kühn, der ebenso wie Kai Häfner die EM bis kurz vor dem Halbfinale aus dem Fernsehsessel verfolgt hatte und kurzfristig für die Verletzten nachnominiert wurde. Und Häfner war es, der mit seinem Treffer gegen Norwegen fünf Sekunden vor Schluss die Finalteilnahme überhaupt erst ermöglicht hatte.

Freilich hatten die deutschen Handballer auch Glück. Fast alle Spiele, bis auf dieses 24:17 gegen Spanien, waren eng. Gegen Norwegen ging es sogar in die Verlängerung. Hätte man da verloren, man hätte sich nicht beschweren können. Aber auf beschweren hatten sie einfach keine Lust. Sie wollten gewinnen. Und Glück kann man eben auch erzwingen.

Den Trend bestätigt



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DW-Sportredakteur Tobias Oelmaier

Der Erfolg kommt “nicht von ungefähr”, ordnete Sigurdsson das Erreichte nach dem Titelgewinn ein. “Wir spielen schon seit anderthalb Jahren einen guten Handball.” Tatsächlich – die Qualifikation für die WM 2015 wurde noch verpasst, nur durch eine fragwürdige Wildcard durfte der DHB überhaupt eine Mannschaft nach Katar schicken. Am Ende stand ein respektabler siebter Platz. Dieses Wunder von Polen ist also kein Zufall sondern das Ergebnis akribischer Arbeit.

Nun gilt es, die Euphorie zu konservieren, zu kanalisieren. Für zwei Wochen ist Handball in Deutschland Volkssport geworden. Die ARD überträgt die Rückkehr der Helden live im Fernsehen. Acht Millionen haben allein das Halbfinale im TV verfolgt. Das ist eine Chance: für diesen Sport, aber auch für alle anderen Sportarten, für den Nachwuchs. Denn der EM-Titel von Krakau hat gezeigt: Beharrlichkeit, Talent und Teamgeist machen vieles möglich. Wenn man daran glaubt. Und so klingt die Losung des Deutschen Handballbundes gar nicht mehr so unrealistisch, die da heißt: “Olympiasieg 2020″. Vielleicht klappt es ja sogar schon in diesem Sommer in Rio!

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Bayern weiter auf Titelkurs

Der FC Bayern hat auch am 19. Spieltag seinen Weg zur 26. deutschen Fußball-Meisterschaft unbeirrt fortgesetzt. Nach den Ausfällen von Jerome Boateng und Javi Martínez bejubelten die Münchner ihren zweiten Sieg nach der Winterpause. Beim hochverdienten 2:0 (1:0) gegen den insgesamt harmlosen Tabellenvorletzten 1899 Hoffenheim sorgte Robert Lewandowski (32. Minute/64.) mit seinen Saisontoren 18 und 19 für den nie gefährdeten Erfolg. Der FC Bayern steht weiter mit acht Punkten Vorsprung vor Borussia Dortmund an der Bundesliga-Spitze.

Die Münchner gaben von Beginn an den Ton an, versäumten allerdings ein wenig das Toreschießen. Neun Chancen erspielte sich das Starensemble von der Isar vor der Pause. Doch nur Lewandowski traf. Nach prima Vorarbeit von Douglas Costa bejubelte der Pole nach einer guten halben Stunde seinen 18. Saisontreffer in der Bundesliga. Erst in der 41. Minute kamen die Hoffenheimer zur ersten Chance. Volland-Ersatz Andrej Kramaric prüfte Nationaltorhüter Manuel Neuer.

Nach dem Wechsel machten die Bayern da weiter, wo sie aufgehört hatten. Freilich hätte der Kroate Kramaric beinahe wie der Blitz aus heiterem Himmel den Ausgleich geschafft. Danach machte Lewandowski alles klar. Am Ende war es war ein Münchner Pflichtsieg, der höher hätte ausfallen müssen.

Wolfsburg in der Krise



Der Wolfsburger Julian Draxler (r.) beim Torschuss (Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Julian Draxler (r.) sorgt für den zwischenzeitlichen Führungstreffer der Wolfsburger

Für die lauten Unmutsäußerungen der eigenen Fans hatte Wolfsburgs einziger Torschütze Julian Draxler Verständnis. “Es ist schade, dass sie pfeifen, aber ich kann es verstehen”, bekannte der Fußball-Nationalspieler nach dem enttäuschenden 1:1 (0:0)-Unentschieden gegen den 1. FC Köln. Es war bereits das sechste sieglose VfL-Spiel in der Fußball-Bundesliga in Serie. “Wir sind überhaupt nicht zufrieden, wir brauchen unbedingt einen Dreier!”, sagte Draxler, der Wolfsburg nach 67 Minuten in Führung gebracht hatte.

Während Draxler & Co. Kritik einstecken und die Enttäuschung verarbeiten mussten, feierten die Kölner ihren Torschützen Anthony Modeste (75.) und den ersten Punktgewinn im neuen Jahr. “Wir sind mit dem Spiel sehr einverstanden”, sagte Kölns Trainer Peter Stöger und lobte seine Profis: “Sie haben ein tolles Spiel gemacht.” Ähnliche Worte fand sein Wolfsburger Kollege nicht, stattdessen verteidigte er die Reaktion der eigenen Anhänger: “Es ist doch klar, dass da auch Unruhe aufkommt. Da müssen die Jungs durch”, sagte Dieter Hecking.

Frühe Pfiffe in der Autostadt



Anthony Modeste (r.) hält sich vor Freude über sein Tor die Hände vor sein Gesicht (Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Kölns Anthony Modeste (r.) will sich vor Freude verstecken

Die VfL-Fans begannen schon nach einer knappen Stunde ihrem Unmut Luft zu machen und pfiffen. Kurz danach traf der bis dahin blasse Draxler und schoss den Ball nach Vorlage von Vieirinha volley ins Netz. Die glückliche Wende für den VfL schien zum Greifen nah. Die Freude währte indes nicht lange, denn nach Vorlage von Leonardo Bittencourt verwandelte Modeste zum Ausgleich. “Wenn man hier zurückliegt und einen Punkt mitnimmt, dann zeigt das, dass die Moral in Ordnung ist – wir fahren zufrieden nach Hause”, sagte Stöger. Die Kölner störten über 90 Minuten früh und spielten bei Balleroberung schnell nach vorne. Die beste Chance vor dem Seitenwechsel vergab der dieses Mal im Mittelfeld spielende Jonas Hector (36.), der mit dem rechten Fuß über das Tor schoss.

Bereits am
Samstag
gewann Borussia Dortmund mit 2:0 gegen den FC Ingolstadt. Schalke 04 feierte mit seinem zuletzt leicht in die Kritik geratenen Trainer Andre Breitenreiter einen 2:0-Sieg bei Darmstadt 98. Hertha BSC verspielte bei Werder Bremen eine 3:1-Führung und musste sich mit einem 3:3 begnügen. Thomas Schaaf wartet nach dem 0:3 bei Bayer Leverkusen weiter auf Punkte als Coach von Hannover 96. Der VfB Stuttgart kam zu einem späten 2:1 gegen den Hamburger SV. Der FC Augsburg und Eintracht Frankfurt trennten sich torlos. Und am
Freitag
verlor Borussia Mönchengladbach bei Mainz 05 mit 0:1.

Wer noch einmal in die Sonntags-Partien eintauchen will:
Hier
geht es zum Liveticker. Und alle Ergebnisse und die Tabelle der Fußball-Bundesliga finden Sie
hier.

ck/tk (dpa, sid)

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Deutschland im Handball-Himmel

Die deutschen Handballer sind zum zweiten Mal nach 2004 Europameister. Die Mannschaft um den überragenden Torwart Andreas Wolff gewann das Endspiel gegen Spanien in Krakau mit 24:17 (10:6). Für den Deutschen Handballbund ist der unerwartete Titel in Polen der größte Erfolg seit dem Triumph bei der Heim-Weltmeisterschaft im Jahr 2007. Bester deutscher Werfer war vor 15.000 Zuschauern Kai Häfner mit acht Treffern. Durch den EM-Titel haben sich die deutschen Handballer zugleich einen direkten Startplatz bei den Olympischen Spielen im August in Rio de Janeiro gesichert.

“Das war eine unglaubliche Leistung, gerade in der Abwehr. Diese Mannschaft hat Geschichte geschrieben. Dagur Sigurdsson hat den Löwenanteil an diesem Titel, weil er die Mannschaft immer wieder auf den Punkt vorbereitet hat”, sagte Vizepräsident Bob Hanning in der ARD.

Guter Start des DHB-Teams

Die DHB-Auswahl begann hochkonzentriert und zeigte besonders in der Abwehr von Beginn an eine starke Leistung. In der Offensive traf Kai Häfner, wie er wollte. Bereits nach zehn Minuten führte das Team von Bundestrainer Dagur Sigurdsson mit vier Punkten Vorsprung (5:1). Wie schon in den vorangegangenen Partien konnte sich das DHB-Team auf seinen Torwart Andreas Wolff verlassen, der in den ersten Minuten überragend agierte. Deutschland hielt den Abstand zu Spanien auch in den nächsten Minuten konstant. Rune Dahmke erhöhte auf 7:2 nach einer knappen Viertelstunde.



Handball EM Finale - Deutschland vs. Spanien Andreas Wolff

Andreas Wolff zeigt seine beste Turnierleistung und bringt die spanischen Angreifer zur Verzweiflung

In einer emotional geführten Partie kämpften sich die Spanier gegen die in Unterzahl spielenden Deutschen wieder etwas ran (7:4). Doch Steffen Fäth in der Offensive und Wolff in der Defensive hielten den Gegner auf Abstand (8:5). Über fünf Minuten mussten die Zuschauer in der Halle auf ein weiteres Tor warten. Die Partie wurde von den Torhütern dominiert. Erst kurz vor dem Halbzeitpfiff fielen die Treffer, doch erneut behielt die DHB-Auswahl die Kontrolle über das Spiel (10:6).

Wolff wie eine Wand

Der Start in die zweite Hälfte begann vielversprechend, denn Tobias Reichmann traf gleich mit der ersten Aktion (11:6). Deutschland spielte sich in einen Rausch. Angefeuert und unterstützt von einem wahnsinnigen Wolff im Tor zog Deutschland mit sechs Toren davon (14:8). Gerade als die Spanier wieder etwas besser in der Partie waren, zeigte Häfner sein ganzes Können. Gleich zweimal konnte der 26-Jährige einnetzen (16:9). Die Spanier machten die Partie nun schneller, ihnen lief die Zeit davon. Die DHB-Auswahl ließ sich aber nicht nervös machen. Erneut war es der starke Häfner, der für sein Team treffen konnte (18:11).

Knapp zehn Minuten vor Schluss traf Johannes Sellin von der Siebenmetermarkierung. Der eigentliche Freiwurfschütze Reichmann hatte zuvor zweimal vergeben. Deutschland kämpfte weiter. Zunächst erhöhte Hendrik Pekeler auf 20:13, in der Defensive parierte Wolff sensationell. Zwei Minuten vor dem Ende sorgte Reichmann für die endgültige Entscheidung (24:16). Die Halle erhob sich und stimmte “Oh, wie ist das schön” an – der EM-Titel war den Deutschen nicht mehr zu nehmen. Am Ende siegte das DHB-Team klar und hochverdient mit 24:17.

Die ganze Partie im Ticker zum Nachlesen, finden Sie hier:

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Rund 10.000 Flüchtlingskinder verschwunden

In einer aktuellen Analyse kommt die Europäische Polizeibehörde Europol zu dem Schluss, dass in den vergangenen 18 bis 24 Monaten etwa 10.000 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aus den Kriegs- und Krisengebieten vor allem im Nahen und Mittleren Osten nach ihrer Ankunft in Europa verschwunden sind. Die europäische Polizeibehörde befürchtet, ein Teil von ihnen könnte Opfer von Verbrechern geworden sein. Nicht alle seien in Gefahr, viele dürften bei Verwandten untergekommen sein – aber wo sind die anderen abgeblieben. Die Befürchtung der Europol-Beamten: Ein Teil der Kinder und Jugendlichen könnte in die Hand professioneller Menschenhändler gefallen sein.

Versklavt und sexuell ausgebeutet

Europol-Stabschef Brian Donald sagte der britischen Zeitung “The Observer”, die Spur von Tausenden Minderjährigen verliere sich nach ihrer Registrierung in verschiedenen europäischen Staaten. “Wir wissen einfach nicht, wo sie sind, was sie tun oder bei wem sie sind.”


Laut Donald hat Europol inzwischen Beweise, dass einige unbegleitete Kinderflüchtlinge sexuell missbraucht wurden. Banden, die bisher als Schleuser aufgetreten seien, seien dazu übergegangen, junge Flüchtlinge für Sexarbeit und Sklaverei auszunutzen. Es gebe inzwischen eine regelrechte paneuropäische “kriminelle Infrastruktur” zur Ausbeutung von Flüchtlingen. Menschenhändler hätten sich beispielsweise darauf spezialisiert, illegale Einwanderer als Arbeitssklaven oder Prostituierte zu missbrauchen.

Allein in Italien sind nach Europol-Recherchen 5000 Minderjährige verschwunden. Im schwedischen Hafen Trelleborg seien 1000 unbegleitete Kinder angekommen, doch seien sie dann verschwunden. Die Behörden wüssten nicht, wo die Kinder sind. Zahlen aus anderen Ländern könne er nicht nennen, sagte ein Sprecher von Europol. Auch Deutschland wird in den Europol-Recherchen nicht erwähnt.

Vorsichtige Schätzung

Laut dem Bericht des “Observer” schätzt die Organisation “Save the Children”, dass allein im vergangenen Jahr ungefähr 26.000 unbegleitete Minderjährige in Europa angekommen sind. Europol gehe jedoch noch von deutlich höheren Zahlen aus, schreibt der “Observer”. Demnach seien 27 Prozent der ankommenden Flüchtlinge minderjährig. Auf eine Million Flüchtlinge insgesamt wären das 270.000 Menschen unter 18 Jahren. “Nicht alle von ihnen sind unbegleitet, doch wir haben Hinweise, dass es ein großer Anteil von ihnen ist”, sagte Stabschef Donald. Deshalb sei die Zahl von 10.000 verschwundenen unbegleiteten Jugendlichen eine vorsichtige Schätzung, es könnten auch deutlich mehr sein. Hilfsorganisationen entlang der sogenannten Balkanroute hätten ebenfalls auf das “große Problem” der Ausbeutung von Flüchtlingskindern hingewiesen, sagte Donald dem Blatt.

Schutzlosigkeit macht Kinder zu wehrlosen Opfern

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) warnt, unbegleitete Minderjährige aus Konfliktregionen seien “die mit Abstand gefährdetste Gruppe unter den Flüchtlingen”. OSZE-Sprecherin Mariyana Berket sagte dem “Observer”: “Sie sind ohne elterliche Fürsorge, sie wurden entweder von ihren Familien geschickt, um als erste nach Europa zu gelangen, oder sie sind gemeinsam mit anderen Familienmitgliedern geflüchtet.” Ihre Schutzlosigkeit mache sie zu leicht zu Opfern Opfern.

qu/jj (afp, dpa, The Observer)

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Dialog auf Messers Schneide


Syriens Regimegegner haben sich nach ihrer Ankunft in Genf erstmals mit UN-Sondervermittler Staffan de Mistura getroffen. Die Vertreter seien von de Mistura besucht worden, sagte Oppositionssprecher Salem Muslit. “Wir sind optimistisch, und wir sind hier, um eine Lösung zu finden.”


Das Treffen mit Vertretern des Hohen Verhandlungskomitees (HNC) und de Mistura fand in einem Hotel statt und nicht am offiziellen Verhandlungsort, dem UN-Sitz in Genf, wie Muslit mitteilte. De Mistura äußerte sich nach dem kurzen Gespräch optimistisch und entschlossen. “Das ist eine historische Chance, die wir nicht verpassen dürfen”, sagte der UN-Vermittler.


“Angriffe auf Zivilisten stoppen”



Ob die Opposition überhaupt erscheinen würde, war lange unklar. HNC-Sprecher Monser Machus hatte bei der Ankunft erklärt, die Delegierten kämen mit gemischten Gefühlen, da es keine Garantien zu den geforderten humanitären Gesten seitens der syrischen Regierung gebe. Das Oppositionsbündnis verlangt ein Ende der Luftangriffe auf Zivilisten sowie der Belagerung syrischer Orte durch Regierungstruppen. Dies war auch ein Grund, weshalb die HNC-Delegation ihre Teilnahme an den Gesprächen zuvor tagelang offen gelassen hatte.



Genf Syrien Konferent Oppositonssprecher Salim al-Muslat c) Reuters/D. Balibouse

Oppositionssprecher Salim al-Muslat nach der Ankunft der syrischen Opposition in Genf



HNC-Koordinator Riad Hidschab warnte in einer kurz darauf im Internet veröffentlichten Erklärung, wenn die syrische Regierung weiter Verbrechen begehe, dann sei die Anwesenheit des HNC in Genf nicht gerechtfertigt. Das Oppositionsbündnis werde sich zurückziehen, “falls die UN und die Weltmächte unfähig sind, diese Verstöße zu beenden”, hieß es. Das HNC ist ein von Saudi-Arabien unterstütztes Bündnis bewaffneter und ziviler Gegner der Regierung des syrischen Präsidenten Assad.


De Mistura hatte bereits am Freitag mit Vertretern der syrischen Regierung in Genf gesprochen. Allein die Orte der Zusammenkünfte zeigen die Zerstrittenheit aller Konfliktparteien. Die Verhandlungen finden in getrennten Sälen statt. Die UN-Vermittler sollen zwischen ihnen hin und her pendeln.


Nur zwei gemeinsame Ziele


Nur in zwei Punkten scheint bei allen Parteien Einigkeit zu herrschen: der Ablehnung der Dschihadistenmiliz “Islamischer Staat” (IS) und der grundsätzlichen Befürwortung von Verhandlungen zur Beendigung des jahrelangen Bürgerkriegs. In allen anderen Fragen dagegen gehen die Meinungen zwischen dem Westen, Russland und den Regionalmächten Saudi-Arabien, Türkei und Iran weit auseinander.


Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier telefonierte inzwischen nach Informationen seines Ministeriums mit de Mistura, der um Unterstützung deutscher Diplomaten bei den Verhandlungen gebeten habe. Beide Seiten hätten betont, dass es zu spürbaren und konkreten Fortschritten bei der humanitären Lage kommen müsse. Steinmeier bezeichnete die fortgesetzten Angriffe auf die Zivilbevölkerung durch das syrische Regime als größte Belastung für den Friedensprozess.


Deutscher Nahost-Experte beteiligt


An den Syrien-Friedensgesprächen nimmt auch einer der bekanntesten deutschen Nahost-Experten teil. Volker Perthes, Leiter der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), gehört zum Beraterteam von UN-Sondervermittler Staffan de Mistura. Im Nahen Osten genießt er großes Ansehen – nicht zuletzt, weil er fließend Arabisch spricht.


cgn/jj (dpa, afp, rtr)

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Kommentar: Ein Plädoyer für den Videobeweis

“Wenn wir heute einen Spielleiter gehabt hätten, der nur halb so gut gewesen wäre wie wir, dann hätten wir garantiert etwas mitnehmen können”, lamentierte Ralph Hasenhüttl nach der 0:2-Niederlage bei Borussia Dortmund. Es waren gleich mehrere Entscheidungen, die den Trainer des FC Ingolstadt erzürnt hatten. Über einige lässt sich diskutieren, ob sie nun richtig waren oder nicht. Über eine nicht: Beim ersten Tor der Dortmunder stand Schütze
Pierre-Emerick Aubameyang
eindeutig im Abseits. Der Treffer hätte nicht zählen dürfen. Jeder im Stadion konnte das sehen, denn noch in den Torjubel hinein wurde die Videosequenz auf der Anzeigentafel gezeigt. Verbotswidrig übrigens, denn bei strittigen Szenen, so eine Anweisung der Deutschen Fußballliga DFL, soll der Bildschirm schwarz bleiben.

So also konnte sich jeder schnell eine Meinung bilden, auch das Schiedsrichtergespann. Dem aber sind laut Reglement die Hände gebunden. Den Videobeweis dürfen sie nicht in ihre Entscheidungen einfließen lassen. Da nützte auch die heftige Intervention der Ingolstädter Spieler nichts. Kein Vorwurf also an die Unparteiischen. Dass man eine Abseitsstellung um vielleicht einen halben Meter übersieht, ist menschlich. Und im Regelwerk heißt es ohnehin: im Zweifel für den Stürmer. Nach dem Spiel räumte Schiedsrichter Winkmann seinen Fehler ein, fügte aber an: “Selbst wenn ich das Abseitstor auf der Leinwand gesehen hätte, dann hätte ich es nicht zurücknehmen dürfen. Es war eine Tatsachenentscheidung.”



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DW-Sportredakteur Tobias Oelmaier

Nun mag man als Traditionalist argumentieren, dass Technik im Fußball nichts zu suchen habe. Dass es den Charme dieses Sports ausmacht, dass die Regeln und deren Überwachung überall dieselben sind. Von Afghanistan bis Zypern, von der Kreisklasse bis in die Champions League. Aber mit diesen Prinzipien wurde mit der Einführung der elektronischen Torüberwachung und mit dem Videobeweis bei hinter dem Rücken des Schiedsrichters begangenen Tätlichkeiten ohnehin schon gebrochen.

Selbst wenn die Dortmunder die strittige Abseitszene nicht auf ihrer Anzeigentafel gezeigt hätten, auf dem Smartphone ist es schon heute möglich, Bundesligapartien zu sehen. Der Fortschritt ist nicht aufzuhalten. Auch nicht im Fußball. Die Unparteiischen der Lächerlichkeit preiszugeben, wider besseres Wissen Fehlentscheidungen beizubehalten, ist ein zu hoher Preis für den Purismus. Der Videobeweis muss also kommen!

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Tod und Zerstörung in Diyarbakır

Erst vergangenen Mittwoch flüchteten abermals Tausende Menschen aus Sur, dem Altstadtkern der Stadt Diyarbakır. Sie klammerten sich an ihre Koffer und die wenigen Habseligkeiten, die sie noch retten konnten. Auf dem Weg aus der Altstadt mussten sie vorbei an türkischen Soldaten, die auf der Jagd nach kurdischen Kämpfern vorrücken.

Seit dem 15. Dezember gilt eine Ausgangssperre für weite Teile von Sur. Auch in anderen von Kurden bewohnten Städten im Südosten der Türkei können die Menschen kaum noch vor die Tür. Wer noch nicht aus Sur geflohen ist, hat häufig kein Wasser und keinen Strom mehr. Städtische Beamte und Bürgerrechtler erzählen von Leichen, die tagelang auf den Straßen liegen.

Bereits zu Beginn der vergangenen Woche hatte die türkische Regierung verkündet, die Gebiete, für die die Ausgangssperre gilt, zu erweitern.”Es ist traurig, dass die Regierung diesen Konflikt noch weiter anheizt”, sagt Raci Bilici, Chef des Ablegers der Menschenrechtsorganisation IHD in Diyarbakır. “Vor allem in Sur gibt es viele Kurden, die eine Autonomie fordern, weil sie denken, sie können dem Staat mittlerweile einfach nicht mehr trauen”, sagt Bilci der Deutschen Welle im Büro der Organisation.

Erschütternde Zahlen

Der jüngste IHD-Bericht dokumentiert insgesamt 198 Zivilisten, die seit Beginn der Ausgangssperren im Südosten der Türkei getötet worden sind. Darunter sind 43 Frauen und 33 Kinder. 40 der Getöteten starben im Stadtteil Sur. Das Zentralkommando der türkischen Armee behauptet, dass seit dem 15. Dezember bereits mehr als 500 “PKK-Terroristen” in Diyarbakır und in Şırnak getötet worden seien. “Die einzige Chance ist eine Waffenruhe”, sagt Bilici.

Mitte Juli bekam die Kurdenpartei HDP zum ersten Mal in ihrer Geschichte genügend Stimmen für den Einzug ins Parlament. Seitdem laufen Militäroperationen. So verhafteten Sicherheitskräfte direkt nach den Wahlen hunderte Aktivisten der HDP im Südosten der Türkei, wo die Partei ihre Mehrheiten holte. Einwohner gründeten daraufhin bewaffnete Gruppen, die unter dem Namen YDG-H bekannt sind. Sie errichteten Barrikaden, bauten Gräben und erklärten einige Gebiete für autonom und tabu für türkische Sicherheitskräfte.

Ein Stadt unter Beschuss

Nach Angaben der Stadtverwaltung von Diyarbakır haben mittlerweile rund 20.000 Menschen die historische Altstadt Sur verlassen. Harun Ercan, ein Vertreter der Stadtverwaltung, zeigt einen Ordner mit den Namen, Telefonnummern und den Adressen. “Einige suchen Zuflucht bei Verwandten, andere mieten sich übergangsweise eine Unterkunft. Aber die Armee gibt den Menschen nicht viel Zeit, bevor sie ihnen befiehlt, ihre Häuser zu verlassen.” Manchmal hätten sie nicht einmal genügend Geld bei sich.

“Die Regierung hat Angst, dass die kurdische Befreiungsbewegung zu stark werden könnte”, sagt Ercan. Das wolle sie verhindern. Der Stadtvertreter berichtet auch von willkürlichem Beschuss auf ganz normale Wohneinheiten. “Es ist kein Zufall, dass die Militäroperationen dort stattfinden, wo die HDP besonders viele Stimmen bekommen hat.” Die Botschaft sei klar: “Du willst Autonomie? Dann zerstören wir dein Haus.”

Keine Ruhepause

Der türkische Regierungschef Ahmet Davutoglu sagte im Fernsehen, die Angriffe richteten sich lediglich gegen “Terroristen”, die von den kleinen Dörfern in die Städte gegangen seien. Mit der nun beschlossenen Ausweitung der Ausgangssperre solle die öffentliche Ordnung wieder hergestellt werden, heißt es in einer offiziellen Stellungnahme der Provinzregierung. Ein Missbrauch der Ausgangsperre sei nicht dokumentiert. Damit stimmen nur wenige in Diyarbakır überein.

Neşet Girasun ist Rechtsanwalt bei der Diyarbakır Bar Association und ein Arbeitskollege von Tahir Elçi, einem bekannten kurdischen Menschenrechtsanwalt, der im November in Sur getötet wurde. Im Auftrag vertriebenener Familien arbeitet Girasun seit zwei Monaten an einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (ECHR). Damit will er erwirken, dass die Ausgangsperren im Südosten der Türkei für illegal erklärt werden. Die Klageschrift hatte er zuvor bereits bei türkischen Gerichte eingereicht, die sie innerhalb weniger Stunden ablehnten. Nun geht er eine Stufe höher.

Wo ist Europa?

Doch bisher sind Girasun Bemühungen ergebnislos. Der ECHR hat zwar den individuellen Missbrauch der Ausgangsperren verurteilt, den Zustand als solches aber nicht für illegal erklärt. Man hoffe sehr auf Europa, sagt Girasun in seinem Büro in Diyarbakır. “Aber Europa unterstützt die türkische Regierung und hat kein Interesse an den Menschen im Südosten.”

Die meisten Menschen in Diyarbakır glauben, dass Europa seiner Verantwortung nicht nachkommt. Entweder weil die EU schlichtweg ignoriere, was sich im Südosten der Türkei abspiele. Oder weil Europa aktiv die türkische Regierung unterstütze und auch über die Menschenrechtsverletzungen hinwegsehe, weil die EU das Land als Partner für die Lösung der Flüchtlingsfrage dringend brauche.

Reha Ruhavioğlu ist Mitglied der religiösen Menschenrechtsgruppe Mazlumder. Seiner Meinung nach verhält sich die EU in dieser Frage scheinheilig. “Wo ist der Druck Europas auf die Türkei? Hier sterben viele Menschen, aber es macht leider den Eindruck, dass sich die EU nur um die Rechte von Europäern kümmert”, sagt Ruhavioğlu der Deutschen Welle.

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