Месечни архиви: July 2016

Mit Pillen und Technik gegen den Jetlag

Es klingt zu schön, um wahr zu sein: “In zehn Jahren werden wir die ersten Medikamente haben, die die innere Uhr zurückstellen”, verkündet Akhilesh Reddy, Neurologe an der Universität im britischen Cambridge.

Wer sich nach einem Flug über den Atlantik fühlt, als würde er neben sich stehen, der kann in Zukunft womöglich eine Pille einwerfen – und das Problem ist gelöst. Der Körper würde sich dann ruck zuck auf die neue Zeitzone einstellen und braucht dafür nicht wie bisher mehrere Tage.

Eine Pille gegen den Jetlag wäre nicht nur eine Erlösung für Reiselustige und Geschäftsreisende rund um den Globus, sondern auch für Schichtarbeiter, deren innere Uhren aufgrund der teils unnatürlichen Arbeitszeiten schnell aus dem Takt geraten.

Wie wirkt die Anti-Jetlag-Pille?

“Solche Medikamente ahmen die Wirkung von Licht auf die Netzhaut nach und synchronisieren innere und äußere Uhr wieder”, erklärt Reddy. Die Wirkstoffe seien bereits an Labormäusen getestet und funktionierten bei den Tieren wunderbar. “In anderthalb bis zwei Jahren werden die ersten klinischen Studien am Menschen beginnen”, ergänzt Neurowissenschaftler Russell Foster, der an der Universität Oxford mithilft, solche Medikamente zu entwickeln.

Noch weiß allerdings niemand, welche Nebenwirkungen Anti-Jetlag-Pillen beim Menschen haben werden – und ob sie überhaupt wirken. Foster betont aber, dass es bereits jetzt Methoden gibt, um das Leben von Schichtarbeitern und anderen Jetlag-Geplagten zu verbessern oder sogar zu verlängern.

Denn wer ständig unter Jetlag leidet, bei wem also innere und äußere Uhren asynchron ticken, wird krank. Studien zeigen, dass sich Schichtarbeiter leichter Virusinfektionen einfangen. Und: “Wer mit seiner inneren Uhr herumspielt, ist anfälliger für Krebserkrankungen”, sagt Reddy. Auch der Stoffwechsel spielt verrückt: Jetlag-Geplagte nehmen schneller zu und entwickeln eher Übergewicht, verbunden mit höherem Herzinfarktrisiko. In Tierversuchen mit Mäusen erhöht ein chronischer Jetlag die Sterblichkeitsrate.

Tick, tack

Wir sprechen immer von einer inneren Uhr – aber eigentlich ticken in jedem von uns viele Milliarden innere Uhren.

Ein Gebiet im Gehirn, der Nucleus suprachiasmaticus, wirkt als “Master-Clock” und generiert den inneren 24-Stunden-Rhythmus. Dieser Teil des Gehirns gibt Signale an alle Organe im Körper weiter – und stellt so jede einzelne Zelle etwa in der Leber, im Herz, in der Lunge auf die Zeit des Tages ein. “Selbst, wenn man Körperzellen in eine Petrischale im Labor überführt, wissen sie noch, wie spät es ist”, sagt Akhilesh Reddy.

Taktgeber des Tagesrhythmus ist der Wechsel zwischen Licht und Dunkelheit, den fotosensitive Ganglienzellen tief unten in der Netzhaut registrieren.


Licht bei Tag

Alles entscheidend, um die innere Uhr auf die richtige äußere Zeit einzustellen, ist die richtige Beleuchtung, sagt Russell Foster. “Die Ganglienzellen in der Netzhaut brauchen mehr Input – die jetzige Bürobeleuchtung reicht oft nicht.” Mit einer Lichtstärke von oft nur 400 Lux sind diese Lampen zu dunkel, um dem Körper das Gefühl von Tag zu geben. Zum Vergleich: Wer direkt am Fenster sitzt, bekommt Licht der Stärke 3000 Lux, in der knallenden Sonne 100.000 Lux.

Studien in den Niederlanden führten in einem Altersheim Lampen mit einer Stärke von durchschnittlich 2000 Lux ein. Die Bewohner waren daraufhin am Tag sehr viel aufmerksamer und haben nachts besser geschlafen.

Die richtige Lichtzufuhr zur richtigen Zeit kann auch dabei helfen, den Jetlag nach einer Flugreise schneller zu überwinden. Die University of Michigan hat dafür extra eine App entwickelt: “Entrain” soll den Benutzer dabei unterstützen, sich schnell an eine neue Zeitzone anzupassen.

Dunkelheit bei Nacht

Genauso wie genügend Beleuchtung am Tag braucht der menschliche Körper ausreichende Dunkelheit in der Nacht. Das ist in der heutigen 24-Stunden-Gesellschaft oft nicht mehr gegeben.

Die lichtempfindlichen Ganglienzellen in der Netzhaut reagieren besonders stark auf blaues Licht. Smartphones, Tablets und E-Books strahlen aber besonders viel Licht dieses Spektralbereichs ab. Eine Studie hat gezeigt:
und ist am nächsten Morgen weniger munter.

Empfehlenswert wären dynamische Lampen, die ihr Lichtspektrum nach der Tageszeit ändern, sagt Till Roenneberg vom Institut für Medizinische Psychologie an der LMU München. “Sobald die Sonne untergeht, sollten sie den Blauanteil reduzieren.” Steht die Sonne aber hoch am Himmel, sollten sie möglichst sonnengleiches Licht im vollen Spektrum abstrahlen.

Diese Idee hat Apple in seinem iPhone bereits aufgegriffen. Im Betriebssystem iOS 9.3 lässt sich die Einstellung “Night Shift” aktivieren. Sie reguliert den Blauanteil in der Displaybeleuchtung, abhängig von der Zeit des Tages und dem Ort, an dem man sich gerade aufhält. Nach Sonnenuntergang wechselt sie zu wärmeren Farbanteilen.

Fachleute sind sich aber noch uneins, ob das wirklich etwas bringen wird.


Auf den Biorhythmus Rücksicht nehmen

Während einer Nachtschicht sollte man kein kalorienreiches Fastfood zu sich nehmen, sondern möglichst proteinreiche Kost, empfiehlt Russell Foster. Der menschliche Körper weiß, dass es Nacht ist – und damit nicht die Zeit fürs Essen und Verdauen.

Schichtpläne sollten zudem mehr nach den Chronotypen der Arbeiter gestaltet werden, betont Till Roenneberg von der LMU München: Nicht bei jedem tickt die innere Uhr gleich – einige Menschen stehen gerne morgens um fünf Uhr auf, andere kommen erst nach Mittag richtig auf Touren, bleiben dafür aber nachts lange auf.

In einer Studie hat Roenneberg den
Schichtplan danach einteilen lassen, wer ein Morgenmensch und wer eine Nachteule ist. Ergebnis: Die Arbeiter schliefen im Durchschnitt während der Arbeitswoche eine Stunde länger pro Nacht und während ihrer freien Zeit eine Stunde weniger, sie hatten also weniger Schlaf nachzuholen.

Die Einstellung innerhalb unserer Gesellschaft müsse sich ändern, fordert Roenneberg: “Wenn jemand sagt, er möchte erst ab zehn Uhr morgens anfangen zu arbeiten, ist er nicht faul – stattdessen möchte er besonders produktiv sein.” Und das sind wir nicht alle zur selben Zeit des Tages.

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Der Aufstand in Armenien ist vorbei

Der Geheimdienst der Südkaukasusrepublik nahm die letzten 20 Regierungsgegner am Sonntagabend fest. In den Stunden zuvor waren um das abgeriegelte Gebäude Schüsse und Explosionen zu hören gewesen.

Rund 20 bewaffnete Anhänger des inhaftierten Oppositionsführers Schirair Sefiljan hatten das Polizeigebäude am 17. Juli gestürmt, einen Polizisten getötet und zunächst acht Menschen als Geiseln genommen, um den Rücktritt von Präsident Sersch Sargsjan sowie die Freilassung von Oppositionsführer Sefiljan zu erzwingen. Noch am Samstag hatte nach Polizeiangaben ein Scharfschütze aus der Wache heraus einen Polizisten erschossen.

Ein Sprecher der Oppositionellen kündigte an, den Kampf gegen die Führung von Präsident Sargsjan fortzuführen. “Wir sehen uns als Kriegsgefangene”, sagte er der Agentur Interfax. “Wir rufen das Volk auf, den Kampf fortzusetzen, für seinen Sieg zu kämpfen.”

Weil die Lage in der Ex-Sowjetrepublik schlecht ist, haben die Aufständischen viel Unterstützung in der Bevölkerung erfahren. Wie am Samstag (siehe Bild unten) wurde auch am Sonntagabend in Eriwan gegen die Regierung demonstriert.

Die Europäische Union zeigt sich besorgt. Die Lage in der Region ist ohnehin gespannt wegen des Konflikts zwischen Armenien und Aserbaidschan und dem gescheiterten Putschversuch in der benachbarten Türkei. Die US-Botschaft in Eriwan äußerte sich “zutiefst besorgt angesichts der schockierenden Bilder und glaubwürdigen Informationen über den exzessiven Gewalteinsatz der Polizei”. Sie rief beide Seiten auf, die Krise friedlich beizulegen.

Der nationalistische Oppositionspolitiker Sefiljan, den die Bewaffneten freipressen wollten, sitzt seit Juni wegen unerlaubten Waffenbesitzes in Haft. Er gilt in Armenien wie auch Präsident Sargsjan als Held des Krieges um Berg-Karabach in den 1990er Jahren. Karabach gehört zu Aserbaidschan, wird aber von Armeniern besiedelt und militärisch besetzt gehalten. Das Wiederaufflammen der Kämpfe im April mit mehr als 120 Toten hat die Stimmung in Armenien gegen Sargsjan aber weiter verschlechtert.

rb/jj (afp, ap, dpa, rtr)

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"Dunkles Herz": Trump und die Soldaten-Eltern

Am Anfang stand eine Rede auf dem Parteitag der Demokraten. Dort hatte der Vater eines gefallenen US-Soldaten dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump vorgeworfen, die Muslime im Land zu verteufeln – obwohl auch sie mit ihrem Leben für die Vereinigten Staaten eingestanden seien.

“Schauen Sie auf die Gräber der mutigen Patrioten, die bei der Verteidigung der USA gestorben sind”, sagte Khizr Khan, an die Adresse Trumps gerichtet. “Sie werden alle Glaubensrichtungen, Geschlechter und Ethnien sehen.” Der Milliardär selbst hingegen habe “nichts und niemanden geopfert”.

Trump verteidigte sich. Er habe sehr wohl “eine Menge Opfer” gebracht, sagte der 70-Jährige dem Sender ABC News. Er arbeite “sehr, sehr hart” und habe zehntausende Jobs geschaffen. Und er habe immensen Erfolg gehabt. “Ich denke, ich habe viel getan.”

Dann ging er zum Gegenangriff über. Hinter der Rede des muslimischen Mannes, dessen Sohn 2004 im Irak getötet worden war, stecke seine demokratische Rivalin Hillary Clinton – womöglich hätten ihre Redenschreiber Khans bewegende Ansprache auf dem demokratischen Parteikonvent verfasst.

“Sie hatte nichts zu sagen”

Bei ABC News äußerte sich Trump auch zu Khans Frau Ghazala, die während der Rede neben ihrem Mann gestanden hatte. “Sie hatte nichts zu sagen”, so der umstrittene Republikaner. “Vielleicht war es ihr nicht erlaubt, etwas zu sagen.”

Dass er damit ins Fettnäpfchen getreten war, ging Trump wohl selbst auf: Später veröffentlichten die Republikaner noch eine Erklärung ihres Spitzenkandidaten, in der er Khans gefallenen Sohn als “Helden” würdigte und dazu aufrief, alle zu ehren, die “das höchste Opfer erbracht haben, um unser Land sicher zu halten”.

“Ganz Amerika fühlte meinen Schmerz”

Dann schaltete sich die Mutter des getöteten Soldaten in die Debatte ein. Ghazala Khan sagte auf ABC News, sie habe wegen der Trauer um ihren Sohn nicht selbst das Wort ergriffen. “Als ich dort stand, fühlte ganz Amerika meinen Schmerz – ohne ein einziges Wort von mir.” Trump wisse doch gar nicht, was es bedeute, ein “Opfer” zu bringen, erklärte Ghazala. Inzwischen veröffentlichte sie einen Namensartikel in der “Washington Post”.

Ihr Mann Khizr ergänzte, er habe seine Frau gebeten zu sprechen, doch habe sie Angst gehabt, zu emotional zu werden. Er selbst zeigte nun seine Wut: Der Republikaner habe kein Recht, die Angehörigen getöteter Soldaten “verächtlich zu behandeln”. “Schande über ihn. Schande auf seine Familie”, sagte er. “Ihm fehlt jeder Anstand, er hat ein dunkles Herz.”



Mitch McConnell, Mehrheitsführer der Republikaner im Senat (Archivbild: Reuters)

Mitch McConnell, Mehrheitsführer der Republikaner im Senat (Archivbild)

“Plump, krass, ekelerregend”

Auch aus der eigenen Partei schlägt dem Präsidentschaftskandidaten Empörung entgegen. Der Mehrheitsführer der Republikaner im Senat, Mitch McConnell, stellte sich demonstrativ hinter die muslimischen Eltern des Soldaten und verurteilte Trumps Forderung nach einem generellen Einreiseverbot für Muslime.

Ana Navarro, politische Kommentatorin des US-Fernsehsenders CNN, zeigte sich überrascht von Trumps Volten. “Immer wenn ich denke, er kann sich nicht noch mehr zum Narren machen, beweist er mir das Gegenteil.” Im Kurznachrichtendienst Twitter fügte sie hinzu, Trumps Kommentare über Khan seien “gross”. Das steht im Amerikanischen allerdings für “plump”, “krass”, “roh”, “unfein” oder “ekelerregend”.

jj/rb (dpa, afp)

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München gedenkt der Opfer des Amoklaufs


Joachim Gauck ist die Anspannung anzumerken: Der Bundespräsident hat schon zu den Opfern des Germanwings-Absturzes im März 2015 gesprochen, jetzt spricht er im bayrischen Landtag in München über die Opfer des Amoklaufes in München vor neun Tagen, als ein 18 Jahre alter Rechtsextremist, so die bisherigen Ermittlungen, wahllos neun Menschen in einem Einkaufszentrum erschoss. Ein Täter, der Literatur über Amokläufe sammelte und den norwegischen Massenmörder Breivik verehrte. Schrecklich, brutal, ungreifbar. Und das alles passiert in den Tagen, in denen auch andernorts in Deutschland Schreckliches passiert, islamistische Attentate in Würzburg und Ansbach. Die haben andere Ursachen, aber gefühlt gehören alle Verbrechen zusammen und zerrütten die Menschen. Gauck weiß das, er muss das jetzt irgendwie in Worte kleiden.


“Erlauben Sie, dass wir Ihnen beistehen”


“Ich bin traurig wie Sie”, wendet er sich zuerst an die Familienmitglieder der Toten. “Neun Menschen sind tot, weil ein zehnter sich entschied, sie zu töten”. Alle Namen der Ermordeten liest Gauck vor: “Susanne fehlt uns, Cem fehlt uns”. Mit Mühe bringt der Bundespräsident das zu Ende. Und über den Täter: “Wir werden ihm nicht in den Abgrund seines Denkens folgen”. Aber über mögliche Ursachen müsse man schon sprechen. Vereinzelung, Ausgrenzung, Radikalisierung durch Computerspiele: “Wir dürfen die jungen Menschen nicht allein lassen.” Und nochmal an alle Verbrecher: “Sie werden uns nicht dazu kriegen, zu hassen!”


Das ruft Gauck fast, voller Zorn in der Stimme. Und dankt dann der Polizei, den Helfern. Und ein letztes Wort an die Angehörigen: “Bitte erlauben Sie, dass wir Ihnen zur Seite stehen.” Mit den Angehörigen trifft sich das Staatsoberhaupt dann gesondert. Kein Fernsehbild zeigt sie, kein Foto darf von ihnen gemacht werden.


Wie stark der Schock ist, der die Stadt getroffen hat, macht auch Barbara Stamm deutlich. Der Präsidentin des bayrischen Landtages bricht in ihrer Rede die Stimme, vor allem, als sie sich an die Angehörigen wendet. Nur mühsam bringt auch sie ihre Sätze zu Ende. “Was geschehen ist, lässt uns sprachlos zurück.” Wahrlich.




Deutschland Gottesdienst für die Opfer des Amoklaufs von München

Gottesdienst für die Opfer des Amoklaufs in der Frauenkirche München


Gottesdienst – mit Christen, Muslimen, Juden



Vor der Trauerstunde im Landtag gedenken die Spitzen des Staates gemeinsam mit den Angehörigen und vielen Münchnern der Opfer in einem ökumenischen Gottesdienst in der Frauenkirche im Zentrum der Stadt. Stumm betreten der Bundespräsident und die Kanzlerin die Kirche. In den letzten zehn Bankreihen versammeln sich Münchnerinnen und Münchner, mit und ohne Migrationshintergrund, Christen, Muslime, Juden. “Ich bin hier, weil die Tochter von Freunden ums Leben gekommen ist”, sagt ein Mann mit Tränen in den Augen leise. Der Horror ist immer noch ganz nah, wie auch anders nur eine Woche nach dem Verbrechen.


Im Mittelpunkt des Gottesdienstes, vor dem Altar, stehen neun Kerzen, für jedes der Opfer des Amoklaufs eine. Angezündet werden sie von jungen Menschen, so jung wie die meisten der Erschossenen. Und vor diesen Kerzen setzen drei Religionsvertreter ein kraftvolles Symbol für die Vielschichtigkeit der Gesellschaft. Vater Georgios Siomos von der griechisch-orthodoxen Gemeinde, Dhahri Hajer vom Muslimrat und Alon Kol von der israelitischen Kultusgemeinde. Vor den brennenden Kerzen halten alle drei ein Totengebet. “Oh Allah”, fleht Dhahri Hajer, “hilf uns zu verinnerlichen, dass wir alle Kinder Gottes sind.” So klar, und doch so schwer in diesen Zeiten.


Ein Tag des Klagens


“Dies ist ein Tag des Klagens”, sagt dann Kardinal Marx, Erzbischof von München und Freising in seiner Predigt. Nicht ohne Grund wird Psalm 77 vorgelesen, ein Klagepsalm: “Gott, wo warst du in dieser Stunde?” Ja, wo? Klagen, Zorn, Verzweiflung seien wichtig, so der Kardinal, aber sie müssten mit Hoffnung verbunden werden. “Ohnmächtig dürfen wir nicht sein, das wollen die Verbrecher und Terroristen”. Denn: “Was uns verbindet, ist das Menschsein.” Diese Hoffnung muss bleiben, aber der Grundtenor des Gottesdienstes ist und bleibt die Fassungslosigkeit: “Ich steh vor dir mit leeren Händen Herr”, singt der Domchor München. Beieinanderstehen ist das Einzige, was möglich ist.


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Gedenken an die Opfer des Amoklaufs von München

An dem Gottesdienst mit hunderten Menschen beteiligten sich auch Vertreter der griechisch-orthodoxen Kirche und des Judentums. Der Münchner Kardinal Reinhard Marx sagte, Abschottung, Misstrauen und Angst dürften nicht das letzte Wort behalten. Die Tat werde ein “Markstein” in der Geschichte der Stadt bleiben, so der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Marx dankte Polizisten, Rettungskräften und Seelsorgern für ihre Arbeit und erinnerte auch an jene, die sich in den Stunden nach der Tat solidarisch gezeigt hatten. Der Erzbischof rief zu einem “konstruktiven Widerstand gegen das Böse” auf. “Eine neue Wachsamkeit ist erforderlich.” Diese müsse zu einer neuen Aufmerksamkeit füreinander werden.



Kardinal Reinhard Marx beim Gottesdienst in München (Foto: picture-alliance/AP)

Kardinal Reinhard Marx beim Gottesdienst in München

Für den Muslimrat München sagte Dhari Hajer, Deutschland solle davor bewahrt werden, in einen “Kreislauf des Hasses und der Gewalt” zu verfallen. Eindringlich wendet sich die Muslimin im katholischen Wahrzeichen Münchens an Allah. “Beschütze diese schöne Stadt und ihre Bewohner”, betet Hajer.

Neben Marx zelebrierte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, den Gottesdienst. Bedford-Strohm sagte, nach dem Schrecken der Tatnacht und nach weiteren schlimmen Nachrichten und aus anderen Orten sei es nun Zeit, inne zu halten. “Uns alle bewegt die Frage, wie wir jetzt in die Zukunft gehen sollen.” Vielleicht könne angesichts dieser Tat ja eine neue Achtsamkeit für die Kostbarkeit des Lebens entstehen. Es müssten “Frühwarnsysteme” geschaffen werden, um medizinische und soziale Anzeichen für mögliche Gewalttaten rechtzeitig zu erkennen.

Bundespräsident Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Vizekanzler Sigmar Gabriel, der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle, sowie Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer und Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter nahmen an der Trauerfeier teil. Dazu kamen zahlreiche Bundes- und Landesminister.

Ein 18-Jähriger hatte am 22. Juli im Bereich des Olympia-Einkaufzentrums neun Menschen erschossen und vier weitere verletzt, überwiegend Jugendliche. Anschließend erschoss er sich selbst. Der Täter war psychisch krank. Als ein mögliches Motiv für seinen Amoklauf gilt sein Gefühl, in der Schule gemobbt zu werden.

rb/cw (afp, dpa, kna)

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Türkei droht EU mit Aufkündigung des Flüchtlingspakts

Ohne Visafreiheit für türkische Bürger will sich die Regierung der Türkei nicht mehr an das Flüchtlingsabkommen mit der Europäischen Union halten. Außenminister Mevlut Cavusoglu sagte “Frankfurter Allgemeinen Zeitung”, der Flüchtlingspakt funktioniere, weil sein Land “sehr ernsthafte Maßnahmen” ergriffen habe, etwa gegen Menschenschmuggler. Ebenso sei aber die Aufhebung der Visumpflicht für türkische Bürger zur Einreise in die EU ein Teil des Abkommens, sagte Cavusoglu.

“Wir erwarten ein festes Datum”

Der Minister versicherte, dies solle “keine Drohung” sein. Wenn es jedoch nicht zu einer Visa-Liberalisierung komme, “werden wir gezwungen sein, vom Rücknahmeabkommen und der Vereinbarung vom 18. März Abstand zu nehmen.” Cavusoglu sagte weiter, die türkische Regierung erwarte “einen konkreten Termin” für die Visa-Liberalisierung. “Es kann Anfang oder Mitte Oktober sein – aber wir erwarten ein festes Datum.”



Der Außenminister der Türkei, Mevlut Cavusoglu (Foto: rtr)

Mevlut Cavusoglu: Der türkische Außenminister stellt der EU ein Ultimatum


Der Flüchtlingspakt mit der Türkei soll den Zustrom von Migranten in die Länder der Europäischen Union in Grenzen halten. Wenn die Türkei Flüchtlinge zurücknimmt, die illegal von ihrem Territorium aus in die EU eingereist sind, soll sie finanzielle Hilfe in Milliardenhöhe erhalten. Außerdem verpflichtet sich die EU, für jeden illegal eingereisten Syrer, der von Griechenland aus zurück in die Türkei gebracht wird, einen Syrer auf legalem Weg aufzunehmen. Damit soll eine illegale Einreise über die gefährliche Ägäis-Route verhindert werden.

Den Türken wurde im Gegegnzug Visafreiheit in der EU in Aussicht gestellt sowie beschleunigte Beitrittsgespräche – wenn sie zusätzlich eine Reihe von Bedingungen erfüllen. Davon war das Land jedoch schon vor dem Militärputsch und der folgenden Säuberungswelle weit entfernt.

Das Flüchtlingsabkommen ist fragil

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hatte sich bereits besorgt über die Zukunft der Vereinbarung geäußert. Es gebe ein großes Risiko, dass das Abkommen scheitern könne, sagte er der österreichischen Zeitung “Kurier”. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan habe bereits mehrmals durchblicken lassen, das Abkommen aufkündigen zu wollen. Sollte dies geschehen, könne man damit rechnen, “dass wieder Flüchtlinge vor Europa stehen”.

Zugleich äußerte sich Juncker sehr besorgt über die aktuelle Entwicklung in der Türkei. Eine Einführung der Todesstrafe etwa, die derzeit in der Türkei diskutiert wird, “würde zum sofortigen Bruch der Beitrittsverhandlungen führen”.

Seit dem gescheiterten Putschversuch des Militärs Mitte Juli sind in der Türkei Zehntausende Militärangehörige, Beamte, Lehrer und andere Staatsbedienstete entlassen, versetzt oder festgenommen worden.

cw/rb (rtr, kna)

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Russischer Schriftsteller Fasil Iskander ist tot

“Mit Fasil Iskander verschwindet eine ganze Epoche der sowjetischen und russischen Literatur”, sagte der abchasische Präsident Raul Chadschimba nach Angaben der Agentur Interfax. Der Schriftsteller kam aus der Region Abchasien am Schwarzen Meer, das heute zu Georgien gehört, sich aber abgespalten hat.

In seinem bekanntesten Werk, dem Epos “Sandro von Tschegem”, berichtete Iskander mit viel Humor vom Leben abchasischer Bauern vor und während der Sowjetherrschaft. Der erste Teil erschien 1973 und wurde von der russischen Zensur stark gekürzt. Erst zu Zeiten der Glasnost (Offenheit) in der Sowjetunion der 1980er Jahre konnte sein Hauptwerk in der vollständigen Fassung veröffentlicht werden.

Iskander wurde am 6. März 1929 in Suchumi geboren. In den 1950er Jahren studierte er am Gorki-Institut für Literatur in Moskau. Er schrieb nur auf Russisch. Auch gesellschaftlich war Iskander engagiert: bis 2001 war er Mitglied des Beirats für Begnadigungen beim russischen Präsidenten. Der Schriftsteller bekam zahlreiche russische und internationale Kulturpreise, darunter den “Staatspreis der Russischen Föderation” und den “Staatspreis der UdSSR”. In Deutschland wurde Iskander 1992 mit dem Puschkin-Preis der Alfred-Toepfer-Stiftung ausgezeichnet.

nf/rb (dpa, russisches Fernsehen)

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Pro-Erdogan-Demonstration in Köln geht friedlich zu Ende

Der türkische Sport- und Jugendminister Akif Cagatay Kilic sprach als Hauptredner zu den Demonstranten an der Deutzer Werft. Dort fand die Massenkundgebung statt – angemeldet von der Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD), die der türkischen Regierungspartei AKP nahesteht.



Der türkische Sportminister Akif Cagatay Kilic in Köln (Foto: dpa)

Erdogans Emissär: Der türkische Sportminister Akif Cagatay Kilic in Köln

Vorab erklärte Kilic vor Journalisten, die Veranstaltung sei als Signal der Geschlossenheit gegen die Putschisten zu verstehen. “Wir sind hier, weil unsere Landsleute in Deutschland für Demokratie und gegen den versuchten Militärputsch in der Türkei einstehen”, so der Minister, der in der Bundesrepublik geboren wurde.



Demonstranten an der Deutzer Werft (Foto: dpa)

Unter dem Dach der türkischen Flagge: Demonstranten an der Deutzer Werft

Der frühere Leiter der Türkischen Redaktion der Deutschen Welle, Baha Güngör, sagte im Sender Phoenix, aus seiner Sicht hätten sich allerdings die Gewichte verschoben: Es sei keine Demonstration gegen den Putsch mehr, sondern eine Kundgebung “pro AKP und pro Erdogan”.



Demonstranten von Köln gegen Rechts (Foto: dpa)

Köln gegen Rechts – das Bündnis demonstrierte gegen die Erdogan-Kundgebung und gegen Pro NRW

Nach Polizeiangaben hatten sich rund 20.000 Erdogan-Anhänger am Rhein versammelt. Die Polizei war mit
2700 Beamten im Einsatz, um für einen friedlichen Ablauf der fünf Demonstrationen in Köln zu sorgen. Über dem Gelände der Großkundgebung auf der rechten Rheinseite kreiste ein Hubschrauber der Bundespolizei. Ein Wasserwerfer stand gut sichtbar auf der Deutzer Brücke bereit, weitere warteten in Nachbarstraßen.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, der sich per Video zuschalten lassen wollte, durfte keine Botschaft an die Demonstranten richten – was Sportminister Kilic noch einmal beklagte. Das Bundesverfassungsgericht
hatte am Samstag ein entsprechendes Verbot bestätigt. Auch andere Regierungsmitglieder in Ankara hatten die Entscheidung aus Karlsruhe kritisiert.



Polizeibeamte nehmen am Hauptbahnhof einen Demonstranten von Pro NRW in Gewahrsam (Foto: dpa)

Polizeibeamte nehmen am Hauptbahnhof einen Demonstranten von Pro NRW in Gewahrsam

Pro NRW-Kundgebung aufgelöst

Gegen die Erdogan-freundliche Kundgebung an der Deutzer Werft gab es an vier Orten der Stadt Gegendemonstrationen. Eine davon hatte die rechtsextreme Splitterpartei Pro NRW angemeldet – die Teilnehmer wollten vom Bahnhofsvorplatz durch die Innenstadt ziehen.

Doch weil die Polizei Waffen wie Quarzhandschuhe bei den Demonstranten fand und einige Teilnehmer stark alkoholisiert waren, lösten die Beamten die Versammlung auf. Zunächst weigerten sich mehrere Menschen, den Bahnhofsvorplatz zu verlassen. Sie wurden von der Polizei abgedrängt.



Infografik Erdogan Pro- und Contra Demos in Köln DEU

Auch auf dem Heumarkt in der Altstadt hatten sich Gegendemonstranten versammelt. Unter dem Motto “ErdoWahn stoppen” demonstrierten rund 650 Menschen. Dabei kam es laut Polizei zu einer Auseinandersetzung zwischen rund 80 rechtsnationalen Türken und mehr als hundert kurdischen Teilnehmern des linken Aufzugs, zu dem Jusos, Julis, Linksjugend und Grüne Jugend aufgerufen hatten. Mehrere Rauchbomben seien gezündet worden. Die Sicherheitskräfte konnten beide Lager trennen.

Das Aktionsbündnis Köln gegen Rechts war weiter südlich, am Sachsenring, gestartet, um sowohl gegen die Pro-Erdogan-Kundgebung als auch gegen Pro NRW zu demonstrieren. Am Abend – lange nach den Gegendemonstrationen – ging schließlich die Großveranstaltung an der Deutzer Werft friedlich zu Ende. Die Polizei dankte auf Twitter “für friedliches Verhalten” und wünschte den Teilnehmern “eine gute Heimreise”.

jj/rb (dpa, afp, rtr)

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