Месечни архиви: September 2016

Bombenmaterial im Auto eines mutmaßlichen Schleusers

Ein Sprengstoff-Alarm an der deutsch-österreichischen Grenze hat einen Großeinsatz der Polizei ausgelöst. Die Autobahn 93 bei Kiefersfelden blieb stundenlang gesperrt.

Großeinsatz der Polizei

Bei einer Einreisekontrolle waren vier Personen mit “sprengstoffähnlichen Gegenständen” entdeckt worden, teilte die Polizei mit. Experten des bayerischen Landeskriminalamtes (LKA) und ein Großaufgebot an Sicherheitskräften waren im Einsatz.

Wie ein LKA-Sprecher erklärte, handelte es sich bei den “sprengstoffähnlichen Gegenständen” um drei Rohre, wahrscheinlich Schwarzpulver und mögliche Zündvorrichtungen. Funktionstüchtig waren die Bomben nicht. Noch seien viele Fragen offen, sagte der Polizeisprecher. Außerdem fanden die Beamten in dem schwarzen Mittelklasse-Wagen Hieb- und Stoßwaffen wie etwa Messer sowie Betäubungsmittel.

Verdacht auf Schleusung

Bei den vier festgenommenen Männern handelt es sich um einen 39 Jahre alten Polen und drei Afrikaner von der Elfenbeinküste und aus Guinea im Alter von 20, 29 und 37 Jahren. Es besteht der Verdacht, dass der polnische Fahrer die Männer nach Deutschland einschleusen wollte. Dies werde derzeit geprüft, sagte eine Sprecherin der Bundespolizei. Die drei Afrikaner hatten keine Papiere bei sich.

Kontrolle an der deutsch-österreichischen Grenze (picture-alliance/Roland Mühlanger)

Kontrolle an der deutsch-österreichischen Grenze

Das Auto war den Beamten gegen 22.30 Uhr am Donnerstagabend bei einer Überprüfung am Grenzübergang aufgefallen. Nachdem das verdächtige Material gefunden worden war, wurde die Autobahn in beiden Richtungen ebenso wie eine direkt daneben liegende Raststätte stundenlang gesperrt. Kurz vor 6.00 Uhr am Freitagmorgen wurde dann Entwarnung gegeben. Die Bundespolizei wertete die Aktion als Erfolg: “Man sieht: Die Grenzkontrollen bringen was”, sagte die Sprecherin.

wl/sti (dpa, afp) 

 

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Großbrand in Bochumer Uniklinik – zwei Tote und schwere Schäden

Die Feuerwehr kämpfte stundenlang gegen die Flammen in der Klinik Bergmannsheil. Das Feuer war im sechsten Stock in der Abteilung zur Behandlung von Infekten ausgebrochen. Die Brandursache war zunächst unklar. Einer der beiden Toten sei in dem Zimmer untergebracht gewesen, in dem das Feuer ausgebrochen war, teilte die Klinikleitung mit. Ein weiteres Opfer habe in einem Nachbarzimmer gelegen.

Brand im Krankenhaus Bergmannsheil Bochum (picture-alliance/M.Kusch)

Die oberen Stockwerke – vollständig zerstört

Die Flammen breiteten sich innerhalb weniger Minuten aus und griffen vom sechsten Stock auch auf die siebte und achte Etage sowie auf das Dachgeschoss über. Die Feuerwehr war von dem Ausmaß überrascht, als sie am Einsatzort eintraf. “Das Brandereignis war viel weiter fortgeschritten, als zu vermuten war”, teilten die Rettungskräfte mit. Und das obwohl erste Kollegen sechs Minuten nach dem Alarm vor Ort gewesen seien.

Schwere Schäden

Gottfried Wingler-Scholz von der Bochumer Feuerwehr sprach von einem hochdramatischen und aufgrund des Brandablaufs sehr ungewöhnlichen Einsatz. Feuerwehrleute hätten teils “unter Risiko für ihr eigenes Leben” gehandelt. Patienten auf der brennenden Station hätten sich etwa am Fenster bemerkbar gemacht, während im Hintergrund schon Flammenschein zu sehen gewesen sei. “Es war eine sehr, sehr brenzlige Situation.” Die Feuerwehr rechnet damit, noch den ganzen Tag über im Einsatz zu sein, um letzte Glutnester zu löschen.

Brand im Krankenhaus Bergmannsheil Bochum (picture-alliance/dpa/M.Kusch )

Löscharbeiten unter schwierigen Bedingungen

Augenzeugen berichteten, wegen der enormen Hitze des Feuers seien Fenster und Möbel geschmolzen. Mehr als 150 Feuerwehrleute waren am frühen Morgen im Einsatz. Unterstützung kam von Feuerwehren aus dem gesamten Ruhrgebiet sowie Helfern des Technischen Hilfswerks Bochum. Anwohnern wurde empfohlen, wegen der Rauchentwicklung Fenster und Türen geschlossen zu halten.

Das Feuer war gegen 2.35 Uhr ausgebrochen. In dem betroffenen Gebäude waren zuletzt 180 Patienten untergebracht, 100 von ihnen wurden vorzeitig entlassen, um die Lage zu entspannen. Weitere 80 Patienten werden hausintern verlegt. Das Krankenhaus sei aber nicht in der Notfallversorgung eingeschränkt, sagte der Ärztliche Direktor der Klinik, ThomasSchildhauer. “Es sind keine Operationsbereiche betroffen.”

Brand im Krankenhaus Bergmannsheil Bochum Ralf Jäger (picture-alliance/dpa/M.Kusch)

Vor Ort – Landesinnenminister Ralf Jäger

Das Universitätsklinikum Bergmannsheil mit rund 650 Betten ist eines der größten Krankenhäuser im Ruhrgebiet. Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger sprach von einem “erschütternden Ereignis” und lobte die “beeindruckende Leistung” des Klinikpersonals und der Einsatzkräfte. Ein Bettenlager in der Nähe des Brandherds könnte das Ausmaß des Feuers verstärkt haben, sagte der Jäger bei einem Besuch am Unglücksort. “Das muss man jetzt klären.”

qu/sti (dpa, afp)

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Sebastian Koch: "Als Schauspieler übernehme ich Verantwortung für die Figur"

Er  ist einer der gefragtesten deutschen Schauspieler für Charakterrollen im deutschen und internationalen Kino. Er hat den RAF-Terroristen Andreas Baader, den Hitler-Attentäter Ernst Graf von Stauffenberg, den Architekten Albert Speer und Alfred Nobel verkörpert. International war Sebastian Koch in den letzten Jahren in großen Filmen wie “Bridges of Spies”, “The Danish Girl” sowie in der renommierten Serie “Homeland” zu sehen. In seinem aktuellen Film “Nebel im August” spielt er einen NS-Arzt, der eine Nervenheilanstalt leitet und das Euthanasie-Programm der Nazis durchführt. Die DW sprach mit Koch über sein Rollenverständnis und den deutschen Film.

Woher kommt Ihre Vorliebe, Figuren der Zeitgeschichte zu verkörpern?

Das ist gar keine Vorliebe im eigentlichen Sinne. Es waren einfach gerade die besten Drehbücher, die ich auf den Tisch bekam. Das Zeitgeschichtliche ist darin ja zum großen Teil von autobiografischen Sujets bestimmt. Die Vorbereitung für diese Art von Rollen macht an sich keinen großen Unterschied zu einem rein fiktiven Stoff. Also Speer, den kennt jeder, da hat jeder eine Haltung dazu, eine betimmte Meinung. Und auch zu Stauffenberg. Für mich aber ist es spannend, meinen eigenen Zugang zu der Figur zu finden. Auch bei Baader: Man kann ihn sicherlich als totalen Macho und damit völlig eindimensional spielen. Aber das war er sicher nicht nur. Er hatte einen ganz schillernden Charakter, ganz viele Seiten. Die herauszufinden und zu erarbeiten, macht Spaß. Natürlich übernehme ich damit auch eine Verantwortung für die Figur, was mir auch gefällt.

Hans Christoph von Bock, Sebastian Koch und Scott Roxborough (DW/H-J Kassube)

Die KINO-Moderatoren Scott Roxborough und Hans Christoph von Bock (v.l.) mit Schauspieler Sebastian Koch (Mitte)

Der wichtigste Film ist ja immer der, den man gerade gemacht hat. In “Nebel im August” sind Sie wieder in die jüngste deutsche Vergangenheit eingetaucht, in ein ganz finsteres Kapitel der deutschen Geschichte. Es geht um das planmäßige Vernichten des sogenannten “unwerten Lebens” – die Euthanasie-Programme der Nazis. Sie spielen den Arzt Dr. Werner Veithausen.

Dr. Werner Veithausen ist ein Psychiater, der eine Anstalt leitet – eine Nervenheilanstalt. Mir war bei diesem Film, dieser Rolle, besonders wichtig, die Nazizeit nicht ausschließlich zum Hauptthema zu machen. Was mich interessierte, hat einen ganz anderer Ansatz: Die Rassenhygiene war der Ende des 19. Jahrhunderts ein enorm wichtiges Thema in der Gesellschaft. Es wurde wissenschaftlich und medizinisch diskutiert, wie man das Erbgut verbessern könnte. Die Nazis haben diese Theorie Anfang der 30er Jahre durch immer schärfer werdende Gesetze zugespitzt und für ihre Zwecke ausgenutzt. Für mich ist dieser Dr. Veithausen jemand, der es in seiner im Wortsinne “ver-rückten” Denkweise in medizinischer Hinsicht gut gemeint hat. Der hat an ein wissenschaftliches Unternehmen geglaubt, nämlich Erbmasse zu regulieren, um so nur ideale Menschen auf die Welt kommen zu lassen. Wenn man nun heute die Pränatal-Diagnostik als sehr weit ausgereifte medizinische Technik betrachtet, mit der man bereits während der Schwangerschaft physische Merkmale feststellt und damit die Möglichkeiten hat, zu sagen: ‘Okay ich möchte mein Kind so und so und so haben’, dann erscheint da plötzliche eine Parallele zu einem irrtümlichen Denkansatz, der gefährlich werden könnte.

Sebastian Koch und Fritzi Haberlandt in einer Krankenhausszene, Foto: Studiocanal

In “Nebel im August” spielt Sebastian Koch einen Arzt in einer Nazi-Euthanasieanstalt

Also auch eine Art von Auslese?

Es ist eine Art von Auslese, die aber schon vor der Geburt stattfindet. Wenn man dies auf Kinder mit Down-Syndrom übertragen möchte, die in der Nazizeit damals als vermeintlich unwertes Leben getötet wurden, so werden sie heute gar nicht erst geboren. Gerade weil die Ärzte auch angehalten sind, gezielt zu fragen: ‘Wollen Sie sich und dem Kind das  antun?’ Und das finde ich gefährlich. Jede Familie muss für sich selbst frei entscheiden. Ich denke, es ist wichtig, darüber sehr ernst nachzudenken, weil alle Eltern oder Familien mit so genannten behinderten Kindern, die ich gesprochen habe, heute überglücklich sind, diese Kinder zu haben. Ich möchte einfach darauf aufmerksam machen, dass heute in unserer Medizin, in unserem Gesundheitswesen, eine Tendenz gegeben ist, die für mich persönlich bedenklich erscheint. Umso entscheidender auch, um den Opfern des Nazi-Horrors gerecht zu werden.

Wie spielt man so einen Arzt, dass er eben nicht nur das Monster ist?

Wenn man einfach nur den bösen Nazi darstellen wollte und dann den Dr. Veithausen zeigt, wie er in seinem Büro sitzt, eine Strichliste macht und damit  “unwertes Leben” vernichtet, damit der Krieg gewonnen werden und für die verwundeten Soldaten Platz in den Hospitalbetten gemacht werden kann und so weiter… das ist zu einfach. Das Böse ist ja  in der augenblicklichen Betrachtung nie eindimensional. Es wird erst im Nachhinein böse. Für mich war daher im Ansatz für die Figur wichtig, dass dieser Doktor ganz liebevoll mit den Kindern umgeht, sie umarmt und ein “guter” Anstaltsleiter ist. Aber halt mit diesem Euthanasie-Programm im Kopf. Im Nachhinein kann man sagen: ‘Das war ein böser Plan’  – und die Leute haben an diesen Plan geglaubt. Das ist brutal, aber aus seiner Sicht der Dinge eine Selbstverständlichkeit. Und das ist es ja, was es so unheimlich macht. 

Filmstill Das Leben der Anderen mit Schauspielerin Martina Gedeck, Foto: picture alliance/Mary Evans Picture Library

Sebastian Koch mit Martina Gedeck in “Das Leben der Anderen”

Ihren größten Erfolg und internationalen Durchbruch hatten Sie 2006 mit “Das Leben der Anderen”. Sie spielen einen Theaterschriftsteller, dessen gesamtes Leben ausspioniert und überwacht wird von der Stasi. Wenn Sie jetzt heute zurückblicken, wie wichtig war “Das Leben der Anderen” für Ihre persönliche Karriere?

Es war eine der schönsten, intensivsten Arbeiten, die ich überhaupt gemacht habe mit dem ganzen Team um Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck, und das von einer Genauigkeit, einer Sensibilität und Intelligenz, die sich selten so vereint. Wenn sowas dann tatsächlich zum Erfolg führt, gar nicht nur im Karrieresinne, sondern dahingehend, dass etwas, in das man soviel Herzblut hineingelegt hat, auch gemocht wird und Menschen wirklich berührt: Das ist einfach nur schön.

“Das Leben der Anderen” war natürlich Türöffner für eine Reihe internationaler Produktionen in denen Sie mitgewirkt haben “Black Book” von Paul Verhoeven, “The Danish Girl”, “Stirb langsam” mit Bruce Willis und kürzlich “Bridge of Spies”, inszeniert von Steven Spielberg. Wie gewichten Sie diese Rollen an der Seite von großen internationalen Stars in Ihrem schauspielerischen Schaffen?

Es sind für mich Projekte, die wichtig sind. Die Cohen Brüder haben das Drehbuch für “Bridge of Spies” mit so viel Humor, Witz und Intelligenz geschrieben. Beim Lesen des Buches dachte ich, ‘wow’, da möchte ich einfach mit dabei sein. Meine Rolle des DDR-Anwalts Wolfgang Vogel war jetzt nicht wahnsinnig ausgeschrieben, aber sie war so spannend, dass ich gerne zugesagt habe. Einfach auch, um diese Art der Arbeit mal kennenzulernen.

Berlin Premiere Film Bridge Of Spies von Regisseur Steven Spielberg (picture-alliance/dpa/B. Pedersen)

Die Schauspieler Burghart Klaussner, Sebastian Koch, Tom Hanks, Regisseur Steven Spielberg, US-Schauspielerin Amy Ryan und Mikhail Gorevoy bei der Premiere von “Bridge Of Spies” 2015 in Berlin

Wie unterscheiden sich solche Großproduktionen von deutschen Arthouse-Filmen?

Das ist letztlich immer regieabhängig. Bei Steven Spielberg zum Beispiel war zwar der ganze Hollywood-Apparat da, bei dem alles größer und aufwendiger ist. Aber Spielberg schafft es, am Drehort einen ganz intimen, künstlerischen Raum zu kreieren, in dem man sich entfalten kann und in dem die eigene Meinung gewünscht ist. Ein Raum, in dem man was entwickeln kann. Das hat mich echt beeindruckt und begeistert.

Sie leben in London und in Berlin. Wie hat sich die deutsche Filmszene verändert?

Ich lebe seit fast 27 Jahren in Berlin. Der Fall der Mauer und Christos Reichstagsverhüllung waren für mich Meilensteine für diese Stadt. Als zum ersten Mal diese Toleranz und diese Offenheit zu spüren war und das, was Berlin mal werden könnte. Als diese Insel – dieser Inselstaat – sich plötzlich öffnete und zugänglich für die Welt wurde und aus allen Nationen die Menschen kamen und auf dieser Wiese vor dem Reichstag saßen: Die ganze Stadt war plötzlich von einem vollkommen anderen Geist erfüllt, was auch heute noch nachhaltige Spuren hinterlassen hat. Und filmtechnisch betrachtet, hat “Das Leben der Anderen” sicher den deutschen Film und auch vor allem die deutschen Schauspieler noch einmal anders gesehen und aussehen lassen. Vorher hatten wir immer die Nazis, diese blonden, blauäugigen Figuren, die ich immer angeboten bekam und nie angenommen habe. Und plötzlich bekomme ich ein Angebot von “Homeland” oder von Steven Spielberg. Und mit Daniel Brühl und Christoph Waltz haben wir ja viele Schauspieler, die mittlerweile sehr intensiv mit den Amerikanern drehen. Ich glaube schon, dass gerade “Das Leben der Anderen” signalisierte, dass es in Deutschland auch gute, ernstzunehmende Schauspieler gibt – und nicht nur Nazis.

Das Interview führte Hans Christoph von Bock. 

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Gestohlene Van Gogh-Gemälde bei Polizeiaktion in Neapel sichergestellt

“Ja, sie sind gefunden worden”, bestätigt der Direktor des Amsterdamer Van Gogh-Museums, Axel Rüger am Freitag. Die italienische Polizei hatte die Bilder nach Angaben des Museums bei einer Großaktion gegen das organisierte Verbrechen in Neapel entdeckt. Die vor 14 Jahren aus dem Amsterdamer Van Gogh Museum entwendeten Werke waren in den Händen der italienischen Mafia.

Die Gemälde “Meer bei Scheveningen” (1882) und “Reformierte Kirche in Nuenen” (1884/1985) des niederländischen Malers Vincent Van Gogh seien leicht beschädigt, sollen aber in relativ gutem Zustand sein. Die beiden Bilder stammen aus einer frühen Schaffensperiode Van Goghs und waren 2002 aus dem Amsterdamer Museum gestohlen worden. Es ist noch unklar, wann sie wieder ins Museum zurück gebracht werden können.

jhi/bb (DPA/RT) 

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Pollock, Rothko und Co: Museen in London, Basel und Charlotte zeigen Ausstellungen über Abstrakten Expressionismus

Kommt der Abstrakte Expressionismus wieder? Es scheint fast so: Gleich drei Museen zeigen in diesem Herbst Werke von Abstrakten Expressionisten. Die Royal Academy in London hat den Ausstellungsreigen soeben eröffnet und stellt mehr als 150 Gemälde der größten Künstler jener Strömung aus. Mit einer Schau über ihren Hauptvertreter Jackson Pollock folgt am 1. Oktober das Kunstmuseum Basel. Und in den USA macht ab dem 22. Oktober eine Wanderausstellung über die weniger beachteten Malerinnen jener Zeit – Lee Krasner, Helen Frankenthaler oder Joan Mitchell - Halt im Mint Museum in Charlotte.

Bekannt wurde der Abstrakte Expressionismus in Nordamerika, und das in Zeiten großer Verunsicherung: Der Zweite Weltkrieg war gerade zu Ende, die Angst vor der Atombombe ging um. Zwischen den USA und der Sowjetunion bahnte sich der Kalte Krieg an. Für den Kunsthistoriker Volker Adolphs vom Kunstmuseum Bonn steht der Abstrakte Expressionismus denn auch in direktem Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg: “Der Aufstieg New Yorks als Kunstzentrum anstelle von Paris ist eine Folge der Flucht vieler deutscher und französischer Künstler.” Die Strömung sei darum auch keinesfalls eine rein amerikanische, sondern sehr europäisch geprägt. Auch die Sprachlosigkeit über das erlebte Grauen habe eine wichtige Rolle gespielt, konstatiert der Kunsthistoriker: “Man kann das Grauen ja gar nicht malen. Abstraktion wurde zur Weltsprache der Kunst.”

Freiheit statt Regeln

Gemälde von Mark Rothko, Copyright: picture-alliance/AP Photo/Kate Rothko Prizel&Christopher Rothko/ARS

Mark Rothkos Bilder sollen den Betrachter spirituell berühren

Regeln, was abstrakter Expressionismus zu sein hatte, gab es nicht. Gefühl und Spontaneität waren wichtiger als Perfektion, Vernunft und Reglementierung. Jeder Maler, von Arshile Gorky über Barnett Newman bis zu Robert Motherwell,  probierte sich individuell aus. Ein paar Gemeinsamkeiten finden sich dann aber doch: Etwa die großformatigen Leinwände, die den Betrachter fast verschlingen und ihn zu einem Teil des Kunstwerks machen. Figürliche Abbildungen von Menschen oder Landschaften waren verpönt – das Kunstwerk sollte zunächst nicht mehr als eine Fläche bedeckt mit Farben sein.

Apropos Freiheit. Je verordneter und gegenständlicher die sowjetische Kunst den Sozialismus feierte, erklärt Adolphs, desto unabhängiger wollte die amerikanische Kunst sein. “Die Kunst soll zu nichts dienen und nicht politisch vereinnahmt werden.” Ein weiterer vereinender Faktor der abstrakt expressionistischen Werke ist das Körperliche, das Innere der Künstler, das diese direkt in ihre Bilder einfließen lassen.

“Jack the Dripper”

Prominentestes Beispiel ist sicherlich Jackson Pollock, der für seine “Drip Paintings” weltberühmt wurde: Er legte die unbehandelten Leinwände auf den Boden, bewegte sich darauf und verteilte die Farbe durch ein Loch in der Farbdose aus der Luft heraus.

Jackson Pollock und seine Frau Lee Krasner. Copyright: picture-alliance/dpa/UPI/Hans Namuth)

Jackson Pollocks Frau Lee Krasner gilt selbst als bedeutende Vertreterin des Abstrakten Expressionismus

Adolphs verrät, dass die Technik aber ursprünglich gar nicht von “Jack the Dripper”, wie Pollock liebevoll genannt wird, stammt: “Es war eigentlich Max Ernst, der das Dripping erfunden hat.” Ein weiterer Beweis für die enge Vernetzung der europäischen und amerikanischen Künstlerszene nach dem Zweiten Weltkrieg.

Auch wenn wir heute in ähnlich unsicheren Zeiten leben und uns mit Terrorismus, Globalisierung und Digitalisierung auseinandersetzen müssen - der Kunsthistoriker sieht keinen Zusammenhang zu den aktuellen Ausstellungen: “Der Abstrakte Expressionismus war immer eine besondere Etappe, aber er ist eine historische Etappe, an die man nicht anknüpfen kann.” Den Kunstmarkt freut das. Weil keine jungen Künstler nachrücken, erzielen Bilder des Abstrakten Expressionismus schon seit Jahren Millionenpreise.

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Syrien: Merkel und Obama machen Druck auf Russland

Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama (Archivbild) haben die von Russland unterstützten Luftangriffe der syrischen Armee im belagerten Aleppo erneut scharf verurteilt. Beide Politiker seien sich in einem Telefonat einig gewesen, dass Russland und die syrische Führung eine besondere Verantwortung hätten, die Gewalt in Syrien zu beenden, teilte das US-Präsidialamt mit. Gefordert wurde, UN-Hilfslieferungen in die belagerten und schwer zugänglichen Gebiete in dem Bürgerkriegsland zu ermöglichen. Die schweren Luftangriffe auf den Ostteil der Großstadt Aleppo seien barbarisch. Dort sollen mehr als 250.000 Menschen eingeschlossen sein.

Kerry denkt an Abbruch

Vor rund eineinhalb Wochen war eine Waffenruhe in Syrien gescheitert. Danach leitete das syrische Militär eine Großoffensive auf Aleppo ein, die von Russland aus der Luft unterstützt wird. Wegen der anhaltenden Angriffe haben die USA Russland mit einem Ende der Gespräche über eine neue  Waffenruhe in Syrien gedroht. US-Außenminister John Kerry sagte in New York, die Verhandlungen stünden kurz vor dem Abbruch. Angesichts der anhaltenden Angriffe auf Aleppo seien derartige Gespräche “irrational”. Kerry weiter: “Dies ist einer der Momente, an denen wir Alternativen verfolgen müssen.” Die russische Führung ließ lediglich wissen, die Offensive auf Aleppo werde fortgesetzt.

Seit dem Zusammenbruch der Waffenruhe wurden nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte fast 300 Menschen getötet. Der Hilfsorganisation Unicef zufolge kamen in den vergangenen Tagen 96 Kinder ums Leben, 223 wurden verletzt. Rund 600 Verletzte müssten aus der umkämpften Stadt evakuiert werden, da sie nicht mehr angemessen medizinisch versorgt werden könnten. In den von den Rebellen kontrollierten Gebiete gebe es nur noch 30 Ärzte. Akut fehlten Lebensmittel, Wasser und medizinisches Gerät. Die Fluchtwege für die knapp 300.000 verbliebenen Zivilisten im Osten der Stadt sind blockiert.

ml/rk (dpa, rtr)

 

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Die Welt im Abschied um Schimon Peres vereint

Auf dem Herzlberg in Jerusalem liegen Israels Staatschefs begraben. Hier wird auch der im Alter von 93 Jahren verstorbene Schimon Peres nun seine letzte Ruhestätte finden. Die Beerdigung findet in Anwesenheit vieler hochrangiger Gäste statt. Ihre Teilnahme zugesagt haben unter anderem Bundespräsident Joachim Gauck, der französische Staatschef Francois Hollande, der britische Thronfolger Prinz Charles, UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon sowie US-Präsident Barack Obama. Dessen Sprecher kündigte an, der amerikanische Präsident werde bei der Beisetzung auch eine Rede halten.

Nach Angaben des israelischen Militärs wird auch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas erwartet. Medienberichten zufolge hatte Peres Familie Abbas zu den Trauerfeierlichkeiten eingeladen. Abbas und Peres hatten 1993 vor dem Weißen Haus die Friedensverträge zwischen Israel und den Palästinensern unterzeichnet.

Schimon Peres unterzeichnet das Osloer Friedensabkommen (Foto: AFP/Getty Images)

1993 unterzeichnete Schimon Peres in Washington das Osloer Friedensabkommen

Alptraum für Sicherheitskräfte

Israels Sicherheitskräfte sprechen im Zuge des Staatsaktes von einer nie dagewesenen Sicherheitsoperation. Die Flugbehörde rechnet laut Medienberichten mit mehr als 60 privaten Flugzeugen und insgesamt 95.000 anreisenden Trauergästen. Rund 8000 Polizisten und freiwillige Einsatzkräfte sollen für Sicherheit und Ordnung sorgen.

Schimon Peres war am Mittwoch an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben. Er gehörte zur Generation der Gründerväter Israels und war von 2007 bis 2014 Präsident seines Landes. Während seiner langen politischen Karriere war er auch zweimal israelischer Regierungschef und mehrmals Minister. Im Jahr 1994 erhielt er als einer der Förderer des Osloer Friedensabkommens den Friedensnobelpreis, gemeinsam mit dem damaligen israelischen Regierungschef Jizchak Rabin und Palästinenserführer Jassir Arafat. Bis zuletzt hatte Peres für eine Lösung des Nahost-Konfliktes gekämpft.

Bill Clinton (Foto: Reuters/A. Cohen)

Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton bei der Gedenkfeier in der Knesset

Am Donnerstag hatten zehntausende Menschen dem Ex-Präsidenten die letzte Ehre erwiesen. Der in eine israelische Flagge gehüllte Sarg stand aufgebahrt auf einem Platz vor der Knesset. Staatspräsident Reuven Rivlin, Regierungschef Benjamin Netanjahu und Parlamentspräsident Juli Edelstein legten Kränze am Sarg nieder und verneigten sich. Auch der ehemalige US-Präsident Bill Clinton war bereits nach Jerusalem gereist. Er hatte zusammen mit Peres und Arafat um eine Friedenslösung gerungen und die Oslo-Verträge mit vorangebracht. Führ ihn war Peres ”ein Genie mit großem Herzen”.

Im Ausland beliebt

Tausende weitere Trauernde unterzogen sich strengen Sicherheitskontrollen, um ebenfalls vorgelassen zu werden.

“Dieser Pioniergeist, nicht immer den Regeln zu folgen, außerhalb des Rahmens zu denken – er hat das zelebriert, er hat das gelehrt”, sagte Inbal Freund. Die 37-Jährige Jerusalemerin war mit ihrem guten Freund Jake Bennet gekommen, der aus Phoenix zu Besuch ist. “Sein Leben sind die ersten 93 Jahre dieses Landes”, sagte er.

Peres galt als einer der wenigen im Ausland beliebten israelischen Politiker. Nach seinem Tod sendete Bahrains Außenminister Chalid al-Chalifa eine seltene arabische Beileidsbekundung. “Ruhe in Frieden, Schimon Peres, ein Mann des Krieges und ein Mann des immer noch flüchtigen Friedens im Nahen Osten”, schrieb Al-Chalifa über den Kurznachrichtendienst Twitter.

Der Tod des 93-Jährigen war von den übrigen Regierungen in der arabischen Welt nahezu stillschweigend zur Kenntnis genommen worden. Bahrains Außenminister erntete für seine Bekundung heftige Kritik im Internet.

Hamas kündigt “Tag des Zorns an”

Die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas hat für Freitag zu einem “Tag des Zorns” im Westjordanland und in Jerusalem aufgerufen. Damit soll an den ersten Jahrestag der “Al-Kuds-Intifada” erinnert werden - der jüngsten Welle palästinensischer Anschläge. Die Hamas bezog den Aufruf nicht auf das Begräbnis von Peres. Die im Gaza-Streifen herrschende Organisation hatte allerdings Freude über den Tod des Friedensnobelpreisträgers geäußert.

rk/ml (afp, dpa, kna)

 

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