Месечни архиви: October 2016

Gewerkschaft Ufo sagt Eurowings-Streiks ab

Die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo sagt die für diese Woche angekündigten Streiks bei Eurowings ab. Die beiden zuvor geplanten Ausstände bei der Lufthansa-Billigtochter sollten nicht mehr stattfinden, hieß es am Montag in einem Reuters vorliegenden Mitarbeiterbrief von Ufo. Die Gewerkschaft will stattdessen einen neuen Verhandlungsansatz versuchen, wie Tarifexperte Nicoley Baublies bestätigte. Deshalb schlage die Gewerkschaft dem Eurowings-Vorstand vor, unter der Leitung des früheren Schlichters Matthias Platzeck mit den Verantwortlichen eine Einigung zur weiteren Vorgehensweise zu versuchen. Ein Sprecher von Ufo wollte sich dazu nicht äußern.

Am Vorabend war der jüngste Einigungsversuch zwischen den Tarifparteien gescheitert. Der Arbeitskonflikt zwischen Ufo und den Lufthansa-Billig-Airlines köchelt bereits seit drei Jahren. Im Kern geht es um die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung der Flugbegleiter.

ul/wen (dpa, rtr)

 

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Gabriel auf heikler Mission in China

Sigmar Gabriel gilt nicht unbedingt als Meister der Diplomatie. Der Bundeswirtschaftsminister, Vizekanzler und SPD-Chef ist bekannt für seine polternde Angriffslust und dafür, dass er auch unverblümt seine Meinung sagt. Ob das in China gut ankommt? “Es ist wichtig, dass wir nicht hochnäsig auftreten, aber durchaus selbstbewusst, auch gegenüber China”, lässt der Bundeswirtschaftsminister vorab in einem Zeitungs-Interview wissen. “Angsthasen oder Liebedienerei nimmt niemand ernst.”

Das lässt aufhorchen und so darf man gespannt sein, wie die fünftägige Reise Gabriels in die chinesische Hauptstadt Peking, die Industriemetropole Chengdu und die Sonderwirtschaftszone Hongkong verlaufen wird. Wobei man den Aufenthalt in Hongkong getrost als den entspannten Teil der Reise bezeichnen könnte. Dort leitet der Bundeswirtschaftsminister von Donnerstag bis zu seiner Heimreise am Samstag die Asien-Pazifik-Konferenz der deutschen Wirtschaft, kurz AKP.

Hat Li Keqiang Zeit für Gabriel?

Es ist die größte deutsche Wirtschaftskonferenz außerhalb Deutschlands mit fast 1000 Teilnehmern, darunter der Premierminister Sri Lankas, der Handelsminister Neuseelands und die Industrieministerin Thailands. Dennoch wird das Hongkonger Treffen Gabriel weit weniger fordern, als die politischen Gespräche, die am Dienstag und Mittwoch in Peking und Chengdu geplant sind. Einen Vorgeschmack bietet die Tatsache, dass zwar der chinesische Handelsminister Gao Hucheng, der Vorsitzende der Nationalen Reform- und Entwicklungskommission, Xu Shaoshi, der Minister für Industrie- und Informationstechnologie, Miao Wei, sowie Vize-Premierminister Ma Kai den Besucher aus Deutschland empfangen wollen. Ob Chinas Premierminister Li Keqiang Zeit für Sigmar Gabriel haben wird, lassen die Gastgeber hingegen demonstrativ offen.

China Besuch Merkel in Peking bei Li Keqiang (picture-alliance/Pool/How Hwee Young)

Im Juni war die Welt noch in Ordnung: Li Kequiang mit Bundeskanzlerin Merkel in Peking

Man verfolge die jüngsten Entwicklungen in Deutschland “mit großer Sorge”, ließ die chinesische Führung Sigmar Gabriel vor seiner Abreise wissen. In Peking ist man empört darüber, dass der Bundeswirtschaftsminister kürzlich überraschend die Erlaubnis zurückgezogen hat, dass chinesische Investoren den deutschen Maschinenbauer Aixtron kaufen dürfen.

Marktzugang für alle

Dabei war aus Sicht der Volksrepublik bislang doch alles so gut gelaufen. Im ersten Halbjahr 2016 hatten sich die Chinesen gleich 40 deutsche Unternehmen einverleibt, dazu kamen sechs Minderheitsbeteiligungen. Als Höhepunkt galt die Übernahme des Augsburger Roboterbauers Kuka im Sommer. Jetzt soll damit Schluss sein?

Die Deutschen haben die Nase voll. Aus dem Unbehagen über die Geschwindigkeit, mit der sich China auf dem deutschen Markt bedient, ist offene Ablehnung geworden. Denn es ist keine Geschäftsbeziehung auf Gegenseitigkeit. Im abgeschotteten  China wird es für deutsche Unternehmen immer schwieriger, Firmen zu kaufen oder zu gründen. “Ich verstehe sehr gut, dass China nicht nur eine verlängerte Werkbank sein, sondern eigene Wertschöpfung und Technologie haben will”, sagt Wirtschaftsminister Gabriel. “Doch das muss mit fairen Regeln erfolgen.”

Voraussetzung für expandierenden Handel seien Spielregeln für Investitionen, Marktzugang und Wettbewerb, an die sich alle in gleicher Weise halten. “Und genau hier ist ein Problem zu benennen.” Außerdem wolle man wissen, wer der Käufer sei und welche industriepolitischen Interessen hinter den Einkäufen steckten. “Wir müssen uns vor unfairem Wettbewerb schützen.”

Deutsche Wirtschaft drängt

China hat sich für Deutschland vom Partner zum Konkurrenten gemausert. Die Bundesregierung muss einen Weg finden, damit umzugehen. Ziel der China-Reise sei, so heißt es offiziell, für fairen Wettbewerb zwischen den Partnern zu werben und die wirtschaftlichen Beziehungen zu vertiefen. Das wird schwierig. Immerhin wirft China Deutschland bereits Protektionismus vor und protestiert unverhohlen gegen jeden Versuch, die Expansionspläne der Volksrepublik auf dem europäischen Markt einzuschränken. 

Kurz vor der Ankunft Sigmar Gabriels in China bestellte das chinesische Außenministerium am Montag den deutschen Gesandten in Peking ein, um ihm eine offizielle Protestnote zu übergeben. Deutlicher kann die Kritik nicht ausfallen. Doch auch die deutsche Wirtschaft übt Druck auf den Wirtschaftsminister aus, denn niemand kann es sich leisten, auf dem chinesischen Markt ins Abseits gestellt zu werden. 60 Köpfe umfasst die Wirtschaftsdelegation, die den Minister auf seiner China-Reise begleitet, darunter Spitzenmanager deutscher Konzerne, aber auch Mittelständler und Start-up-Gründer.

Verträge sollen auf der Reise nicht unterschrieben werden und das Ministerium beeilt sich auch, die Aixtron-Übernahme außen vorzuhalten. “Konkrete Fälle möglicher Unternehmensübernahmen in Deutschland stehen in keinem direkten Zusammenhang mit der Reise”, steht als Schlusssatz unter dem Reiseprogramm. Indirekt wird das Thema aber sicherlich eine Rolle spielen.

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Euro-Wirtschaft nach Brexit-Votum konstant

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den 19 Ländern stieg zwischen Juli und September wie erwartet um 0,3 Prozent zum Vorquartal und damit genau so stark wie im Frühjahr, wie die Behörde Eurostat am Montag nach vorläufigen Berechnungen mitteilte. Die Inflation kommt aber nicht wie von der Europäischen Zentralbank gewünscht voran. Im Oktober verteuerten sich Waren und Dienstleistungen zum Vorjahr Eurostat zufolge um 0,5 Prozent, nach 0,4 Prozent im September. Damit ist die EZB weiter deutlich von ihrem Zielwert von knapp zwei Prozent entfernt, den sie als ideal für die Konjunktur ansieht. 

Dennoch ist das die höchste Rate seit Juni 2014. Im September hatte die Teuerung 0,4 Prozent betragen. Volkswirte verschiedener Banken hatten mit der aktuellen Entwicklung gerechnet.

Ausschlaggebend für die etwas höhere Teuerung war die Entwicklung der Energiepreise. Diese sind im Jahresvergleich zwar weiterhin rückläufig, allerdings fällt der Rückgang deutlich moderater aus als noch in den Vormonaten. Im Oktober betrug der Rückgang zum Vorjahresmonat 0,9 Prozent, nach Raten von minus 3,0 Prozent im September und minus 5,6 Prozent im August. Der Preisauftrieb von Nahrungsmitteln schwächte sich unterdessen etwas ab. Industriegüter verteuerten sich kaum, Dienstleistungen waren 1,1 Prozent teurer.

Spaniens Wachstum top

“Das Wachstum ist zu schwach, um die Inflation anzuheizen”, bilanzierte Christoph Weil von der Commerzbank. Für konjunkturellen Rückenwind im dritten Quartal sorgte erneut das kräftige Plus der spanischen Wirtschaft von 0,7 Prozent. In Frankreich, der nach Deutschland zweitgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone, ging es mit 0,2 Prozent nach oben. Details für die Euro-Zone werden am 15. November veröffentlicht. Dann liegen auch erste Daten für Deutschland vor. Die meisten Fachleute gehen davon aus, dass sich das Wachstum von 0,4 Prozent im Frühjahr wohl etwas verlangsamt hat. 

Die wichtigste Botschaft der bisherigen BIP-Daten sei, dass die Euro-Zone ihr Wachstumstempo gehalten habe, sagte NordLB-Experte Christian Lips. “Nach dem Brexit-Votum Ende Juni war dies alles andere als eine Selbstverständlichkeit.” Vom geplanten EU-Austritt der Briten seien wohl zunächst keine negativen Folgen zu befürchten. “Allerdings bleibt der Brexit ein Risikofaktor schon während der Verhandlungen.” Die wohl ab dem Frühjahr anstehenden Gespräche dürften äußerst schwierig werden.

ul/hb (rtr, dpa)

 

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Michel Aoun zum Präsidenten des Libanon gewählt

Der Ex-General Michel Aoun hat im libanesischen Parlament im zweiten Wahlgang die erforderliche Mehrheit als Präsident erhalten. Der 81-jährige maronitische Christ gilt als Verbündeter der vom Iran unterstützten Schiitenmiliz Hisbollah. Die Amtszeit des Präsidenten beträgt sechs Jahre ohne die Möglichkeit zur Wiederwahl.

Die Wahl des neuen Präsidenten war nach dem Ausscheiden von Michel Suleiman im Mai 2014 bereits 45 Mal gescheitert. Grund für das Patt war, dass sich das prowestliche Bündnis “Allianz des 14. März” und die zu Syrien hin orientierte “Allianz des 8. März” nicht einigen konnten. Ebenfalls keine Einigung konnte über ein neues Wahlgesetz erreicht werden. Mitte Oktober gab der sunnitische Ex-Premier Saad Hariri seinen Widerstand gegen Aoun auf. Hariri dürfte im Gegenzug nun wieder Regierungschef werden.

Journalisten verfolgen die Wahl (picture-alliance/AP Photo/H. MAlla)

Journalisten verfolgen die Wahl

Das politische System im Libanon beruht seit der Unabhängigkeit 1943 auf einer Aufteilung der Macht unter den verschiedenen konfessionellen Gruppen des Landes. Der Staatspräsident ist jeweils ein maronitischer Christ, der Ministerpräsident ist Sunnit und der Parlamentspräsident ein Schiit. Im Parlament sind Muslime und Christen mit je 64 Sitzen vertreten.

Der Libanon ist politisch seit Jahren gelähmt. Das Parlament ist tief gespalten zwischen einem von den USA und Saudi-Arabien unterstützten Lager um Hariri und einem von der Hisbollah angeführten Block, der vom Iran und Syrien unterstützt wird.

Die Lage ist zudem wegen des syrischen Bürgerkrieges angespannt. Die Hisbollah-Miliz kämpft auf der Seite des Regimes von Präsident Baschar al-Assad im syrischen Bürgerkrieg. Die meisten libanesischen Sunniten sympathisieren dagegen mit den Regimegegnern.

stu/rb (dpa, kna, rtr)

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Venezuela: Erstes Gespräch zwischen Regierung und Opposition

Zum Auftakt des Gesprächs in einem Museum in der Hauptstadt Caracas gab sich Präsident Nicolás Maduro versöhnlich. Er strecke seine “Hand zum Dialog aus”, betonte er medienwirksam. Vertreter der Opposition äußerten sich dagegen nicht öffentlich. Sie hatten zuvor massive Skepsis hinsichtlich der Erfolgschancen gezeigt.

Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur AVN kam Maduro mit führenden Delegierten des Oppositionsbündnisses Mesa Democrática (MUD) zusammen. Mit am Tisch saßen auch je ein Vertreter des Vatikans und der Union Südamerikanischer Staaten (UNASUR), die in den Konflikt vermittelnd eingegriffen haben.

Laut einer Mitteilung des Bündnisses weigerte sich die konservative Partei Voluntad Popular des inhaftierten Oppositionellen Leopoldo López, an den Verhandlungen teilzunehmen. Die anderen MUD-Parteien drohten mit dem Abbruch des Dialogprozesses, sollten ihre Forderungen ignoriert werden.

Venezuela Proteste in Caracas (picture-alliance/AP Photo/A. Cubillos)

Zu Zehntausenden gingen sie in den vergangenen Tagen auf die Straße, um gegen Maduro zu protestieren

Opposition besteht auf Referendum 

Die Opposition verlangt die Freilassung politischer Häftlinge und ein von der Verfassung vorgesehenes Referendum zur Abwahl Maduros, den sie für den wirtschaftlichen und politischen Niedergang des Landes mit den größten Ölreserven verantwortlich macht. Doch vor zehn Tagen stoppte die Wahlbehörde die für den Volksentscheid erforderliche Unterschriftensammlung bis auf weiteres. In der vergangenen Woche gab es deswegen Massenproteste in Venezuela.

se/kle (afp, ap, dpa)

 

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Präsidentenwahl in Moldau muss in zweite Runde

Die Präsidentenwahl in der früheren Sowjetrepublik Moldau wird erst in zwei Wochen entschieden. Aus der ersten Runde vom Sonntag ging nach Auszählung fast aller Stimmen der Sozialist Igor Dodon als Sieger hervor. Er bekam 48,5 Prozent der Stimmen. Seine Konkurrentin, die auf eine europäische Integration setzende Kandidatin Maia Sandu, erhielt 38,2 Prozent, wie die Wahlkommission in Chisinau mitteilte. Die anderen sieben Bewerber scheiterten an der Fünf-Prozent-Hürde.

Nun sind die Bürger des 3,5-Millionen-Einwohner-Landes am 13. November abermals zur Stimmabgabe aufgerufen. Doch das Interesse scheint gering. Schon in der ersten Runde lag die Beteiligung laut Wahlkommission nur bei knapp 49 Prozent. Es war das erste Mal seit 20 Jahren, dass die Bevölkerung über die Besetzung des Präsidentenamtes entscheiden konnte und nicht das Parlament.

Partnerschaft mit Russland oder der EU?

Die Abstimmung gilt als wichtige Richtungsentscheidung: Der vor der Wahl als klarer Favorit gehandelte Kandidat der Sozialisten, Ex-Wirtschaftsminister Dodon, kritisiert die Hinwendung seines Landes zur EU und plädiert für eine strategische Partnerschaft mit Russland. Die Ex-Erziehungsministerin und frühere Weltbank-Mitarbeiterin Sandu von der Mitte-rechts-Opposition setzt hingegen auf eine weitere Annäherung an die Europäische Union. Seit Juli 2014 ist die frühere Sowjetrepublik mit der EU durch ein Assoziierungsabkommen verbunden.

Moldau ist das ärmste Land Europas und wird immer wieder von Korruptionsaffären erschüttert. 

se/kle (rtr, afp, dpa)

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Polizei geht gegen "Reichsbürger" in eigenen Reihen vor

Die Zahl der Disziplinarverfahren gegen Polizisten, die im Verdacht stehen, der Szene der so genannten Reichsbürger nahezustehen, habe sich bundesweit in kurzer Zeit vervielfacht, berichtet die “Süddeutsche Zeitung”. Nach einer Umfrage der Zeitung unter den Landesinnenministerien liege sie derzeit bei 15. Die meisten Fälle meldete demnach Bayern, wo vor wenigen Tagen ein 26-jähriger Beamter suspendiert worden sei. Er sei bereits der sechste mutmaßliche “Reichsbürger” in der dortigen Polizei.

Die gesamte Szene bestehe nach Schätzungen von Verfassungsschützern bundesweit nur aus wenigen hundert Menschen, heißt es in dem Bericht. Eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei den Innenministerien und Sicherheitsbehörden der Länder ergab demgegenüber, dass der “Reichsbürger”-Bewegung bundesweit mindestens 1100 Personen zuzuordnen sind. Allerdings fehlten aus sieben der 16 Bundesländer zunächst konkrete Angaben.

Missachtung für Bundesrepublik

Die “Reichsbürger” erkennen die Bundesrepublik nicht als Staat an. Stattdessen behaupten sie, das Deutsche Reich bestehe bis heute fort. Staatlichen Institutionen wie Gerichten sprechen sie die Legitimität ab und erkennen amtliche Bescheide nicht an.

Neben Bayern führt Sachsen-Anhalt derzeit vier Disziplinarverfahren gegen mutmaßliche “Reichsbürger” in der Polizei, drei von ihnen sind bereits vom Dienst suspendiert. Nordrhein-Westfalen prüft demnach zwei neue Verdachtsfälle, womit sich die Zahl der entsprechenden Disziplinarverfahren dort auf vier verdoppeln könnte. In Berlin ist ein Polizist als “Reichsbürger” suspendiert. Die Bundespolizei führt derzeit zwei solche Disziplinarverfahren.

Polizei trauert

Am Samstag hatten in Nürnberg Angehörige, Freunde und die bayerische Polizei Abschied von dem 32-jährigen Polizisten genommen, den der mutmaßliche “Wutbürger” in Georgensgmünd erschossen hatte.  Den mit gelben und weißen Blumen geschmückten Sarg flankierten in Nürnberg sechs Kameraden des Toten. Auch Abordnungen von Polizeiverbänden aus dem In- und Ausland nahmen am Gottesdienst teil. Bundesweit verharrten Polizisten zugleich in einer Schweigeminute. In Berlin versammelten sich viele Beamte vor dem Polizeipräsidium, Streifenwagen hielten an.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) erinnerte in einer Rede an die hervorragenden Leistungen des aus Mecklenburg stammenden Beamten eines Spezialeinsatzkommandos (SEK). Die tödlichen Schüsse auf ihn seien ein “Angriff auf unsere Werte, den Rechtsstaat, uns alle”, sagte er. Sie müssten Anlass sein, “gegen sogenannte Reichsbürger mit aller Konsequenz vorzugehen und ihnen sämtliche Waffen zu entziehen”. Der mutmaßliche Schütze sitzt inzwischen unter anderem wegen Mordes in Untersuchungshaft. Drei weitere Polizisten hatten durch seine Schüsse Verletzungen erlitten.

kle/se (afp, dpa)

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Roma überraschen mit Theaterstück

Klischees sind da, um sich ihrer zu bedienen und sie dann in sich zusammenfallen zu lassen. Das wäre, lapidar zusammengefasst, die eine wichtige Botschaft des Theaterprojekts  “The Journey/Drom”, das in Berlin Premiere gefeiert hat. Doch das multikulturelle Ensemble aus Serbien, Kosovo, Ungarn, Rumänien und Deutschland hat mehr, viel mehr versucht, als nur die vorgefassten Meinungen zu zerpflücken. Vor allem wollten die Roma- und nicht-Roma-Schauspieler ein Bewusstsein schaffen für die sehr komplexe Flüchtlingsproblematik, mit der Westeuropa verstärkt konfrontiert wird. Essentielle Fragen wurden gestellt – und vielen Menschen im Saal wurde klar, dass die Antworten, wenn überhaupt vorhanden, unvollständig bleiben mussten.

Vor welchen Umständen sind Roma aus Serbien geflohen? Mit welchen Schwierigkeiten hatten sie auf ihrer Reise zu kämpfen? Was waren ihre Träume – und was ist daraus geworden? Gibt es gute und weniger gute Flüchtlinge? Was bedeutet “sichere Herkunftsländer”? Und für wen sind diese Länder sicher? Fragen über Fragen…

Theaterstück The Journey / Drom (Foto: N. Nino Pušija)

Szene mit Peter Zoltan Onodi (l.) und Hamze Bytyci

Die Vorbereitung

Für Roma aus dem Westbalkan ist die Strecke zwischen Novi Sad, Budapest und Berlin oft der einzige Weg, um nach Deutschland zu gelangen und Asyl zu beantragen. Viele Menschen nehmen die über 1000 km lange Strecke in überfüllten und unsicheren Fahrzeugen – oder sogar zu Fuß – auf sich, um einen Neuanfang im Unbekannten zu wagen, während sie ihre Heimat und familiären Wurzeln hinter sich lassen.

Während mehrerer Aufenthalte der Künstler in den drei genannten Städten wurden wahre Geschichten von Roma gesammelt, die diese Reise unternommen haben. Die sehr persönlichen Geschichten dienten als Grundlage für die Entwicklung einer Bühnenproduktion sowie der Publikation einer Fotonovelle. 

Das Team hat dabei festgehalten, was heute die Identität und Kultur der Roma ausmacht. Der andauernde Kampf dieser Minderheit um Anerkennung und die Auseinandersetzung mit Vorurteilen und Rassismus, denen Roma in fast jedem sozialen, politischen und wirtschaftlichen Kontext in ganz Europa ausgesetzt sind, stand bald im Mittelpunkt der Recherche. Brina Stinehelfer, eine der Initiatorinnen des Projekts, erläuterte im DW-Gespräch die aussichtslose Lage der Betroffenen: “Es sind unterschiedliche Schicksale aus unterschiedlichen Gegenden. Ihre Situation hat sich deutlich geändert, nachdem Deutschland 2014 die Länder des Westbalkan zu sicheren Herkunftsländern erklärt hat. Das hat ein Leben in Deutschland für viele Menschen unmöglich gemacht.” Die Künstlerin erzählte über Roma, die in Deutschland geboren und nach einem 20-jährigen Aufenthalt zurück in eine “Heimat” geschickt wurden, die vielen von ihnen völlig unbekannt war.

Das Ergebnis

Mit dem Projekt will sich das Ensemble für eine bessere Repräsentation und Wahrnehmung der größten Minderheit Europas einsetzen. Durch einen interkulturellen Austausch und das Erzählen von Geschichten, die selten gehört werden, wollen die Künstler zu einem besseren gegenseitigen Verständnis, einer Verbesserung des Ansehens der Roma in Öffentlichkeit und Politik und einem friedlicheren Zusammenleben in multikulturellen Gemeinschaften beitragen, so die Botschaft der Künstler.

“Dass wir scheinbar immer unterwegs sind, ist nicht immer freiwillig. Heutzutage ist es definitiv sichtbar, dass wir dazu gezwungen werden”, so Hamze Butycy im DW-Gespräch. Die sogenannten “sicheren Herkunftsländer” seien sicher für die Mehrheitsgesellschaft und nicht für die Minderheit der Roma, so der Künstler, der aus dem Kosovo stammt und sich seit Jahren in Berlin für die Rechte seiner Minderheit einsetzt.

Künstlerisch umgesetzt wurden die Ergebnisse der aufwändigen Recherche in einem satirischen Spiel, in einer Persiflage im TV-Format des Nachstellung der konkreter Ereignisse. Ein Spiel im Spiel, in dem die Schauspieler Rollen einnehmen, um dem Publikum im Fernsehstudio – also den Zuschauern im Saal – eine Dokumentation vorzugaukeln. Eine Dokumentation, die ihnen, den Schauspielern, genauso zusetzt wie den Zuschauern.

Theaterstück The Journey / Drom (Foto: Nihad Nino Pušija )

Von links nach rechts: Mihaela Dragan, Hamze Bytyci, Peter Zoltan Onodi, Brina Stinehelfer, Branislav Mitrovic, Liou de Nisse und Kristof Horvath

Alle Erwartungen, wie eine Roma-Veranstaltung “auszusehen” hat, werden in diesem Stück Schritt für Schritt zerstört – mit schwarzem Humor, einem Hauch von Chaos und erdrückenden Momenten, die spüren lassen, was es heißt, heute Roma in Europa zu sein.

Eine erste Work-in-Progress Performance zum Internationalen Tag der Roma wurde am 8. April 2016 im Studio Я des Gorki Theaters vorgestellt. Die gefeierte Premiere fand im ehemaligen Stummfilm-Kino Delphi in Berlin statt. Weitere Vorstellungen in Serbien, Ungarn und Rumänien sind geplant.

 

Das Projekt The Journey/Drom wurde von Per Aspera (Berlin) initiiert und in Zusammenarbeit mit RomaTrial (Berlin), Kulturanova (Novi Sad) und Pro Progressione (Budapest) entwickelt und durchgeführt.

 

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