Месечни архиви: January 2017

Apple berappelt sich

Apple hat mit dem iPhone 7 und dem größeren iPhone 7 Plus die monatelangen Absatzrückgänge gestoppt. Im Weihnachtsquartal steigerte der Konzern seinen Umsatz um 3,3 Prozent auf 78,4 Milliarden Dollar, wie Apple nach US-Börsenschluss mitteilte.

Apple verkaufte in besagtem Zeitraum insgesamt 78,3 Millionen iPhones. Das ist ein neuer Bestwert – nach rund 74,8 Millionen Geräten im gleichen Quartal des Vorjahres. In den ersten neun Monaten 2016 waren die iPhone-Verkäufe – in einem insgesamt abgekühlten Smartphone-Markt – stets zurückgegangen. Ein Problem war vor allem das Absatz-Minus in China, wo weltweit die meisten Computer-Telefone verkauft werden.

iPhone 7 (Foto: Reuters/B. Diefenbach)

Beliebt: das iPhone 7

Das iPhone ist das wichtigste Produkt des Unternehmens aus Cupertino im Bundesstaat Kalifornien. Es machte im vergangenen Quartal fast 70 Prozent des Geschäfts aus.

Plus auch im Service-Geschäft

Das weltweite Service-Geschäft, auf das Apple vor allem setzt, um die Abhängigkeit vom iPhone zu verringern, wuchs um 18 Prozent auf 7,1 Milliarden Dollar. Dazu gehören der Streaming-Dienst Apple Music sowie Einnahmen aus dem Verkauf von Apps und Speicherplatz sowie Filmen, Büchern und Musik zum Herunterladen.

Die Verkäufe der Mac-Computer legten in dem Ende Dezember abgeschlossenen ersten Geschäftsquartal um ein Prozent auf knapp 5,4 Millionen Geräte zu. Sorgenkind bleibt das iPad: Die Verkäufe der Tablets sanken im Jahresvergleich um 22 Prozent.

Gewinn-Rekord knapp verpasst

Der Nettogewinn verfehlte in dem Ende Dezember abgeschlossenen Geschäftsquartal mit 17,9 Milliarden Dollar nur leicht das Apple-Rekordergebnis des Vorjahres von knapp 18,4 Milliarden Dollar. Die Aktie stieg in einer ersten Reaktion nachbörslich um knapp drei Prozent, weil Apple die Erwartungen der Analysten übertraf.

wa/se (dpa, rtr)

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Drei mutmaßliche IS-Terroristen in Berlin gefasst

Gegen die Verdächtigen im Alter von 21, 31 und 45 Jahren wurden Haftbefehle vollstreckt, wie ein Sprecher der Berliner Polizei mitteilte. Die Staatsanwaltschaft Berlin ermittelt demnach wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat. Eine unmittelbare Anschlagsgefahr für Deutschland habe aber nicht bestanden. Mindestens zwei der Verdächtigen sollen in Berlin einen Wohnsitz haben.

Die Männer sollen enge Verbindungen zur Terrormiliz “Islamischer Staat” (IS) in Syrien und im Irak haben. Ihnen wird laut Polizei vorgeworfen, sie hätten geplant, sich in Ausbildungslagern im Ausland auf Terroranschläge vorzubereiten. Im Zusammenhang mit dem Anti-Terror-Einsatz wurde auch die “Fussilet”-Moschee in Berlin-Moabit durchsucht, wo die Männer laut Augenzeugen verkehrten. Sie ist als Salafisten-Treffpunkt bekannt.

Deutschland Moschee-Verein Fussilet 33 in Berlin (picture-alliance/dpa/B. von Jutrczenka)

In dem Gebäude ist die “Fussilet”-Moschee untergebracht – sie wurde jetzt geschlossen

Auch der Berliner Weihnachtsmarkt-Attentäter Anis Amri war in diesem Moschee-Verein ein- und ausgegangen. Unmittelbar vor dem Terroranschlag am 19. Dezember war er dort von einer Überwachungskamera gefilmt worden. 

Wiener Terrorverdächtiger hatte Ramstein im Visier 

Der 17-jährige Terrorverdächtige, der am 20. Januar in Wien festgenommen wurde, hatte nach Recherchen des ARD-Magazins “Report Mainz” und der österreichischen Wochenzeitung “Falter” die US-Airbase im pfälzischen Ramstein im Visier. Er habe überlegt, dort neben einer Mülltonne eine Rohrbombe explodieren zu lassen, berichten die beiden Medien unter Berufung auf Verhörprotokolle. Motiv soll Hass auf die USA gewesen sein. 

Einen Tag nach der Festnahme in Wien war im rheinischen Neuss ein 21-Jähriger als mutmaßlicher Komplize in Polizeigewahrsam genommen worden.

 se/wa (dpa, rtr, afp, bild) 

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Aubameyang redet von Abschied

Will er nun doch weg? Oder hat er nur mal laut über seine Möglichkeiten nachgedacht? Bei einem Auftritt im Sender Radio Monte Carlo (RMC) hat Bundesliga-Toptorjäger Pierre-Emerick Aubameyang von Borussia Dortmund erneut Hinweise auf einen Wechselwunsch im Sommer 2017 gegeben. “Klar ist: Wenn ich die nächste Stufe erreichen will, muss ich in diesem Sommer gehen. Ich bin 27. Wir werden sehen, welche Angebote es gibt und wo ich spielen werde”, sagte Aubameyang am Dienstagabend beim in der Sendung “Team Duga” die von 98er-Weltmeisters Christophe Dugarry moderiert wird.

Zwar fühle er sich in Dortmund sehr wohl, “die Fans sind großartig”, sagte der Gabuner, der in Dortmund einen Vertrag bis 2020 besitzt und kürzlich ein großes Haus dort gekauft hat. Doch er grüble: “Ein Transfer? Das ist die Frage, die ich mir momentan stelle. Darauf habe ich derzeit keine Antwort. Ich werde mir Zeit nehmen. Ich denke viel nach”, sagte der frischgekürte DW-Bundesliga-Spieler des Jahres: “Lohnt es sich – oder nicht? Ich werde nicht gehen, um nicht zu spielen.”

“Ich bevorzuge Spanien”

Dabei hat Aubameyang eine klare Vorliebe: “Alle erzählen mir von England, aber das ist nicht die Liga, die mich am meisten reizt”, sagte Aubameyang. “Ich bevorzuge die spanische Liga. Um Real Madrid hat es zuletzt viel Wirbel gegeben, aber es gibt ja nicht nur Real.” Die französische Ligue 1 sei nicht seine “erste Option”, aber “auch nicht unvorstellbar”.

Der BVB hatte sich zuletzt gelassen gegeben. “Am allerliebsten wäre es allen Beteiligten, wenn er die nächsten Jahre hier spielen würde. Für einen geplanten Abschied seinerseits gibt es Stand jetzt keine Indizien”, sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke der “Fußball-Bild”.

asz (sid)

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Minderheiten bei der Polizei unterrepräsentiert

Fast jeder Zehnte in Deutschland hat einen Migrationshintergrund. Doch das spiegelt bei der Polizei offensichtlich nicht wider, wie die neueste Studie des “Mediendienstes Integration” nahelegt. Obwohl in der Vergangenheit immer wieder versucht wurde, gezielt Menschen mit Migrationshintergrund für den Polizeidienst anzuwerben, klafft hier in fast jedem Bundesland eine gehörige Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit.

In Schleswig-Holstein zum Beispiel sind gerade einmal 5,4 Prozent der Anwärter Migranten, obwohl im gesamten Bundesland 13,2 Prozent der Menschen dafür in Frage kämen. In Nordrhein-Westfalen sind gerade mal 11,7 Prozent der Polizisten nicht deutschstämmig - landesweit sind es 25,6 Prozent der Einwohner. Nur in Berlin und Sachsen-Anhalt hält sich das Verhältnis einigermaßen die Waage. Die Bundespolizei erhebt hierüber keine Daten, was aber laut Innenministerium geplant ist.

Fragwürdiger Effekt

Aleksandra Lewicki, Soziologin von der Freien Universität Berlin, hat sich mit institutionellem Rassismus in Deutschland und Großbritannien beschäftigt. Sie glaubt nicht, dass es genügt, gezielt Anwärter mit Migrationshintergrund zu rekrutieren: “Solche Maßnahmen sind ja schnell gemacht”, sagt sie der DW. “Und man glaubt, das sei eine Art Zauberformel, um zu zeigen, dass sie keine Rassisten sind.” So einfach lasse sich institutioneller Rassismus aber nicht loswerden. Und doch kann Lewicki dem Ansatz etwas abgewinnen: ”Es ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung.”

Doch herrscht bei der Polizei tatsächlich ein institutionell gepflegter Rassismus vor? In Großbritannien gab es 1993 den Fall der rassistisch motivierten Mordtat an Stephen Lawrence. Der Dunkelhäutige wurde an einer Bushaltestelle von mehreren Tätern erstochen. Im Gerichtsverfahren kamen die Verdächtigen glimpflich davon. 1999 kam eine Untersuchung zu dem Schluss, dass es sich auf Seiten der Londoner Polizei um institutionalisierten Rassismus gehandelt hatte. Menschen mit Migrationshintergrund zu rekrutieren, war eine Gegenmaßnahme.

Lakmustest NSU-Aufklärung

Deutschland Terror Neue Durchsuchungen gegen mutmaßliche Nazi-Terrorhelfer Kombo (picture-alliance/dpa)

Die drei mutmaßlichen Terroristen vom NSU

In Deutschland war der namhafteste sicher die Untersuchung der Mordserie des “Nationalsozialistischen Untergrunds”, kurz NSU. Lewicki sagt, dass in allen ermittelnden Staaten zunächst auf die Nationalität der Opfer geschaut worden sei. “Unabhängig voneinander wurde in den verschiedenen Bundesländern zunächst entschieden: “Wenn das Opfer türkisch ist, dann muss es sich um ein Drogendelikt oder etwas Ähnliches handeln.” An die Möglichkeit eines rassistischen Motivs sei lange nicht gedacht worden.

Für Lewicki war der anschließende Untersuchungsausschuss im Parlament, der sich mit dem Polizeiversagen auseinandersetzte, nicht ausreichend. “Zwar haben alle Ergebnisse auf institutionalisierten Rassismus hingewiesen, aber die Schlussfolgerung, dass es sich um genau das handelte, blieb aus. Deutsche Behörden, meint Lewicki, fürchteten sich oft davor, Rassismus als solchen zu benennen, weil sie das mit Verbrechen wie dem Holocaust gleichsetzten. “Dabei kann es ja schon rassistisch sein, wenn Mitarbeiter einer Institution diskriminierend handeln.”

“Deutschland hat Nachholbedarf”

Insofern ist es irrelevant, ob einzelne Polizeibeamte tatsächlich Rassisten sind – die Polizei müsse allgemein Maßnahmen ergreifen, die generell verhindern, dass diskriminierendes Denken Ermittlungen behindert. “Nach dem Mord an Stephen Lawrence wurden in Großbritannien die Anti-Diskriminierungsgesetze für den öffentlichen Dienst deutlich verschärft”, sagt Lewicki. “Da besteht in Deutschland noch Nachholbedarf”.

Deutschland Köln Silvesternacht - Personenkontrollen am HBF (picture-alliance/Geisler-Fotopress)

Die Kölner Polizei kontrolliert an Silvester 2016

So standen beispielsweise auch nach der Kölner Silvesternacht 2016 Rassismusvorwürfe im Raum – Polizisten sollten angeblich unter dem Eindruck derVorkommnisse ein Jahr zuvor gezielt Nordafrikaner kontrolliert haben. “Selbst in Tweets wurden rassistische Bezeichnungen genutzt”, sagt Lewicki. “In Großbritannien hat man schon eher realisiert, dass Profiling nach Rassenzugehörigkeit ein Problem darstellt. In Deutschland haben das die Polizei und die Politik unzureichend angepackt.”

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Von Angela Merkel bis Batman: Georg Korner und sein Großkunstwerk "Transit"

Das künstlerische Leben des Berliner Bildhauers Georg Korner (eigentlich Matthias Körner) kreiste viele Jahre lang um die Rekonstruktion der Barockfassade des Berliner Stadtschlosses. Dafür hat er sich täglich mit sämtlichen Facetten des italienischen und nordeuropäischen Barocks und der europäischen Bildhauerkunst bis zurück in die griechische Antike beschäftigt. Seit 2013 modelliert er hunderte Figuren und ordnet sie in großen und kleinen Gruppen an. Das dabei entstehende Monumentalkunstwerk heißt “Transit” und beschäftigt sich mit Übergangssituationen im Leben. Im DW-Interview erzählt Korner, was es damit auf sich hat. 

DW: Was reizt Sie am Thema “Transit”? 

Das Thema war in meinem ganzen Leben immer im Subtext da. Vor dreieinhalb Jahren wollte ich dann ein Tableau mit hetzenden Menschen und Gepäckstücken machen. Es war zunächst nur einen Quadratmeter groß und hat sich dann über dreieinhalb Jahre immer weiter entwickelt. Ich habe nach dem richtigen Format gesucht. Und das habe ich schließlich in der großen Installation gefunden.

Wie würden Sie die Anordnung der Figuren beschreiben?

Es ist eine Ästhetik der Distanz und Nähe. Ich wollte eine minimalistische und gleichzeitig große, geometrische Form haben, die ja sehr anonym wirkt. Gleichzeitig wollte ich den Blick auf jeden Einzelnen öffnen, sodass man die Möglichkeit hat, die Installation nicht nur als Ganzes, also als abstrakt-minimalistisches Quadrat zu empfinden, sondern reingehen kann, fokussieren kann und jedes Individuum einzeln vor Augen hat. Es ist ein Kaleidoskop über die Zeiten hinweg. Die meisten Figuren sind anonyme Individuen, bestimmte Themen sind aber in Gruppen zusammengefasst.

Was für Themen sind das?

Das Transitorische zwischen Leben und Tod zum Beispiel. Die “Catrinas” (weibliche Totenfiguren, Anm. d. Red.) aus dem mexikanischen ”Día de los muertos”, dem Tag der Toten, die symbolisch an den Tisch der Lebenden geholt werden. Man isst und tanzt zusammen, dann verschwinden sie wieder. Oder die Delinquenten der Spanischen Inquisition, das Autodafé, das Glaubensgericht. Oder Soldaten aus dem Gaskrieg im Ersten Weltkrieg, der Teufel aus Dantes Göttlicher Komödie, aus der italienischen Frührenaissance. Alles Mögliche, Lady Gaga und Batman natürlich auch. Das sind die transitorischen Helden unserer Zeit. Sie häuten sich auch, sind auch unterwegs. Es bleibt immer ein Kaleidoskop, ein Aufflackern und Untergehen von Themen.

Die Kommentierung liegt bei jedem selbst, und jeder entdeckt etwas anderes für sich. Die Installation eröffnet Möglichkeiten, jeder hat seinen Blick darauf. Alle sehen das Gleiche, aber jeder sieht etwas anderes.

Sie haben ja bereits vor dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise mit der Arbeit begonnen. Ist sie trotzdem als Kommentar zur aktuellen Weltlage zu lesen bzw. wurde sie es mit der Zeit?

Ich habe es eher allgemeiner aufgefasst. Vom Exodus der Juden aus Ägypten bis zur Vertreibung der Armenier, von der Völkerwanderung bis zur Emigration deutscher Juden, Kommunisten und Intellektueller über Frankreich nach Übersee. Wir haben das Thema ja immer wieder auf dem Tisch, jahrtausendelang. Und es war natürlich etwas, das mich immer sehr bewegt hat. Dann kam der Zeitpunkt, es zu realisieren. Vor zwei Jahren, da war ich schon mittendrin, waren die Anschläge auf Charlie Hebdo, und jetzt sind auch Sprengstoffattentäter mit dabei. Die Arbeit wird natürlich auch aktuell politisch aufgeladen. Wenn ich an den narzisstischen Populisten Trump denke, der ausgerechnet am Holocaust-Gedenktag ein Einreiseverbot für Muslime verhängt, und ich gucke auf die Installation, dann bekommt das natürlich eine ganz andere Energie.

Die Arbeit hat also eine Transformation durchgemacht?

Genau, sie entwickelt sich mit. Und sie ist natürlich ein Baum der Möglichkeiten. Ich arbeite gerade an einem Derivat, einem kleinen Projekt, Leni Riefenstahl und Arno Breker. Das sind ja auch Leute in Übergängen gewesen, die einerseits ihre Kunst wollten und sich andererseits angedient haben, also Kunst auf Befehl gemacht haben.

Wo wird “Transit” ausgestellt werden?

Ich habe kürzlich schon mal gesagt: Hier in meinem Atelier steht es ziemlich gut. Irgendwann wird es hier rausgehen, aber wir wissen noch nicht, wohin.

Das Gespräch führte Philipp Jedicke.

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Interview zum Prozessbeginn des Kunstraubs von Paris 2010: "Der Dieb hatte leichtes Spiel"

Herr Heinrich, da steigt ein Dieb nachts durch ein Fenster ins Museum ein und klaut Kunstwerke im Wert von 100 Millionen Euro. Ist das normal?

Das ist verheerend, dass so etwas passieren kann. Aber Diebstahl wird man nicht gänzlich verhindern können. Offensichtlich war es hier so, dass der Einbrecher leichtes Spiel hatte, weil sämtliche üblichen Sicherungsvorkehrungen entweder nicht vorhanden waren oder nicht funktionierten zu dem Zeitpunkt. Offensichtlich wusste das Museum das und traf trotzdem keine zusätzliche Vorsorge. Möglicherweise wusste das auch der Täter. Vielleicht hat er einen Tipp bekommen.

Bis heute sind die Bilder nicht wieder aufgetaucht. Wären Sie der Versicherer des Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris – müssten Sie jetzt bezahlen?

Porträt Dirk Heinrich, Direktor Axa Art Kunstversicherung. Foto: Axa Art

Kunstversicherungsexperte Dirk Heinrich

Ja, wir hätten vermutlich längst gezahlt. Wir hatten auch schon vergleichbare Fälle. In einem ging es um zwei Picassos, die in der Schweiz gestohlen wurden. Dort haben wir dann relativ zügig reguliert. Nach der Regulierung haben wir weiter an der Aufklärung des Diebstahls gearbeitet, zusammen mit den Behörden, aber auch mit eigenen privaten Ermittlern. Nach drei Jahren konnten der Fall aufgeklärt und die Objekte zurückgegeben werden.

Wo landen solche Bilder für gewöhnlich – bei reichen, privaten Sammlern, die Kunstdiebstähle in Auftrag geben?

Das ist die entscheidende Frage. Ich glaube nicht, dass es diese Auftragsdiebstähle gibt. Dann müssten ja irgendwann mal, nach Jahren die Objekte wieder auftauchen, spätestens dann, wenn der Auftraggeber verstirbt und Erben da sind, die in die Gebäude hineingehen. Aber wir hatten in den letzten Jahrzehnten keinen Fall, wo man im Keller das private, geheime Museum gefunden hätte.

Außer bei Cornelius Gurlitt, der in seiner Wohnung einen Kunstschatz hortete…

Ja, aber dieser Fall war anders gelagert, da ging es nicht um Diebstahl.

Ist Ihre Versicherung schon mal erpresst worden von Kunstdieben? Ist ja immer noch billiger, einen Bruchteil des Wertes an die Diebe zu zahlen, als dem Eigentümer das ganze Kunstwerk zu erstatten…

Da ist die Position der Kunstversicherer ganz klar – nämlich keine Lösegeldzahlungen zu leisten. Das würde sich zu schnell herumsprechen.

Schützen Museen ihre Kunst ausreichend?

In dem Pariser Fall war das wohl nicht der Fall. Aber in den Ländern, für die ich sprechen kann – Deutschland, Österreich und die Schweiz wird zunehmend mehr getan. Hier gibt es ein hohes Bewusstsein für Sicherheit. Dass ein einzelnes Museum Sicherheitslücken hat, wird man nie ausschließen können. Wir beraten da intensiv.

Versichern Museen ihre Kunstwerke ausreichend? Oder ist eher Unterversicherung die Regel?

Nein, das ist nicht die Regel. Immer öfter gibt es die Staatshaftung, in Österreich zum Beispiel. Da versichert sich nicht das einzelne Museum individuell, da haftet der Staat.

Wollte ich einen Picasso im Welt von 50 Millionen bei Ihnen versichern – was müsste ich da ausgeben?

In der Regel versichern wir nicht einzelne Kunstwerke, sondern ganze Sammlungen. Es gibt keine festen Preise. Es hängt von der individuellen Situation ab. Wo befindet sich das Objekt? Zuhause oder einem Lager, gesichert oder nicht? Soll es ausgeliehen werden, wollen Sie es transportieren? Daraus ergibt sich ein Risikoprofil. Ist das Objekt optimal gesichert, ist auch der Versicherungspreis niedriger.

Dirk Heinrich ist Direktor für Deutschland und Österreich bei der Axa Art Versicherung in Köln.

Das Gespräch führte Stefan Dege.

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Affäre um konservativen Kandidaten Fillon weitet sich aus

Die Affäre um den konservativen französischen Präsidentschaftskandidaten François Fillon weitet sich aus. Die Satire- und Investigativzeitung “Canard Enchaîné” berichtet  in ihrer neuen Ausgabe, seine Frau habe deutlich mehr Geld verdient als bisher bekannt, ohne dafür gearbeitet zu haben. In der Zeitung heißt es, Fillons Ehefrau Penelope habe gut 930.000 Euro ohne jede Gegenleistung erhalten. Bisher hatte der “Canard Enchaîné” von 600.000 Euro berichtet.

Darüber hinaus soll Fillon nach dem neuen Bericht zwei seiner Kinder in seiner Zeit als Senator als Mitarbeiter beschäftigt haben. In diesem Fall beliefen sich die Einkünfte auf 84.000 Euro. Insgesamt habe die Familie damit mehr als eine Million Euro erhalten. Das wären gut 400.000 Euro mehr als bisher bekannt. Fillon selbst hat angegeben, er habe die Tochter und den Sohn für “präzise Missionen” bezahlt.

Nach wie vor will Fillon, hier am Sonntag bei einer Kundgebung, an der Kandidatur festhalten (Getty Images /AFP/E. Feferberg)

Nach wie vor will Fillon, hier am Sonntag bei einer Kundgebung, an der Kandidatur festhalten

In der Affäre ermittelten Polizisten nun auch im französischen Parlament. Die Beamten ließen sich Dokumente übergeben, wie französische Medien übereinstimmend berichteten. Der Präsident der Nationalversammlung, Claude Bartolone, habe dazu seine Zustimmung erteilt, sagte der Fraktionschef der konservativen Republikaner, Christian Jacob. Jacob bezeichnete den Ermittlereinsatz in der Nationalversammlung als Durchsuchung. Französische Medien sprachen jedoch eher von einer Dokumentenübergabe. Nach Informationen des Senders “France Inter” ging es den Beamten insbesondere um die Arbeitsverträge von Penelope Fillon.

Die französische Finanz-Staatsanwaltschaft prüft die Vorwürfe einer Scheinbeschäftigung von Fillons Ehefrau, unter anderem geht es um den Verdacht auf Veruntreuung öffentlicher Mittel. Fillons Frau war jahrelang als parlamentarische Mitarbeiterin für ihren Mann und später für dessen Nachfolger in der Nationalversammlung angestellt gewesen. Zudem soll sie von einer Zeitschrift ein Gehalt bekommen haben, die einem Freund ihres Mannes gehört. Der damalige Redaktionsleiter hat ausgesagt, sie habe nie für das Magazin gearbeitet.

Die Vorwürfe belasten seit vergangener Woche die Kampagne des Konservativen, der bislang als einer der Favoriten für die Präsidentenwahl in weniger als drei Monaten gilt. Fillon hatte die Vorwürfe mehrfach entschieden zurückgewiesen.

stu/pab (afp, dpa)

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Amerikaner in Deutschland gegen Trump

Sara Grossmann hat am Wochenende schlecht geschlafen. Die 23-jährige Kalifornierin lebt in Berlin und findet es beunruhigend, was in ihrer Heimat passiert. Die Bilder der Massenproteste gegen das Einreiseverbot für Muslime aus sieben Staaten fesselten sie. Und ein bisschen fühlte sie sich irgendwie auch schuldig. Zwar war sie schon immer politisch aktiv und schrieb für ihre Uni über Politik, aber die aktuellen Ereignisse vermittelten ihr das Gefühl, nicht genug zu tun. “Bei Facebook sehe ich die ganzen Leute, die zu den Protesten gehen und diesen Kampf annehmen”, sagt Grossman der DW. “Es ist schon ein Privileg, hier zu leben”.

Als Reaktion auf Trumps jüngste Entscheidungen fing Grossman unter anderem an, die Organisation “Planned Parenthood” mit Spenden zu unterstützen. Der Non-Profit-Organisation, die unter anderem Beratung bei geplanten Schwangerschaftsabbrüchen bietet, will die Trump-Administration den Geldhahn zudrehen. Außerdem engagiert sich Grossman, die 2016 nach Berlin kam, bei einer Organisation, die Flüchtlinge unterstützt.

Junge Expats werden aktiv

Deutschland Anti-Trump-Proteste in Berlin (Reuters/A. Schmidt)

Proteste gegen Donald Trump nach dessen Wahl im November am Brandenburger Tor

Grossman ist nur eine von vielen jungen, liberalen Amerikanern, deren politischer Impuls wieder durch Trump geweckt wurde. Das hat rund um die US-Wahlen besonders die Auslandsorganisation der Demokraten, die “Democrats Abroad (DA)”, bemerkt. “Die Mitgliederzahl ist deutlich gestiegen”, berichtet Quaide Williams, Vorsitzender der DA in Deutschland. “Das entspricht nicht dem Vorurteil, dass sich junge Menschen kaum für Politik interessieren würden und selten aktiv werden”. Die Gruppe der Demokraten in Deutschland hat rund 9000 Mitglieder – den Anstieg im Anschluss an Trumps Amtsantritt noch nicht eingerechnet.

Von den Neumitgliedern seien rund 80 Prozent unter 35, schätzt Williams. Angst vor Trump sei der Grund für den Anstieg der Mitglieder: “Ich glaube, die Leute stehen unter Schock”, sagt er. “Viele dachten sich, dass es schon nicht so schlimm werden würde. Und jetzt sehen sie: Es wird so schlimm”.

Erste Anlaufstelle in Berlin

Powen Shiah ist 33 Jahre alt und stammt aus Michigan. Er arbeitet als Kommunikationskoordinator der Demokraten in Berlin. Er beobachtet, dass den “Democrats Abroad” so etwas wie eine Schlüsselrolle zukommt, wenn es um den Protest der Leute geht. “Für viele sind wir die erste Anlaufstelle. Die denken sich ´ich bin doch nur ein Amerikaner in Berlin, was soll ich sonst machen´”.

Die DA macht dabei nicht nur Wahlwerbung, sondern hält auch regelmäßige Treffen ab – und Demonstrationen. Die Zweigstelle der Demokraten in Hamburg organisierte einen Frauenmarsch im Januar – ähnlich wie in Berlin, Frankfurt und anderen Städten in ganz Deutschland und Europa. Philipp Reviere, der bei den deutschen Auslands-Demokraten für den Bereich Jugend zuständig ist, war davon überrascht. Um die hundert Teilnehmer waren angepeilt – am Ende kamen 700. “Viele dachten sich ‘wow’, hier passiert was”, sagt Reviere der DW. “Ich denke, die Leute engagieren sich jetzt stärker”.

Women's March in Frankfurt (DW/M. Bierbach)

Auch in Frankfurt am Main gingen am 21. Januar Frauen auf die Straße

Verschiedene Art des Engagement

Jennifer, eine 29-jährige Kalifornierin, die für eine Beraterfirma in Frankfurt arbeitet (und ihren Nachnamen der DW nicht nennt), sagt, dass dass sie in Zukunft zu den Treffen der DA gehen wird. Auch sie wurde durch die Proteste in der Heimat dazu inspiriert. Im Ausland zu leben sollte keine Ausrede sein, um sich nicht einzubringen, sagt sie. “Und ich dachte, ein strukturierter Protest wie durch die DA ist effektiver als alles, was ich allein auf die Beine stelle.”

Auch Sarah Grossman plant, bei den “Democrats abroad” vorbeizuschauen. Außerdem gäbe es ja ganz verschiedene Möglichkeiten, sich einzubringen. Spenden, protestieren, oder einfach aufmerksam die Nachrichten schauen. “Jeder muss da seinen eigenen Weg finden”, sagt sie.  

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Griechische Designer trotzen der Krise

Arbeitslosigkeit, Armut, Existenzangst: Damit mussten sich viele griechische Bürger in den vergangenen Jahren auseinandersetzen. Die Finanzkrise ist noch nicht überwunden, ihre Auswirkungen sind in vielen verschiedenen Branchen zu spüren. Gerade Mode ist in diesen schwierigen Zeiten eher ein Luxusgut. Trotzdem steigt in den vergangenen drei Jahren die Zahl der neuen Modelabels und Designer in Griechenland. Immer mehr junge Menschen machen sich in der Branche selbstständig, stellen Kleidung, Schuhe, Taschen und Accessoires her.  

Die Designerin Aisha Diri hat vor zwei Jahren ihre eigenen Kreationen auf den Markt gebracht. Eine besonders riskante Entscheidung in Krisenzeiten, würde man meinen. “Sicher hatte ich Sorgen und Ängste”, gibt sie zu, “aber die Dinge haben sich durch das Internet verändert. Es spielt keine große Rolle mehr, wo du arbeitest. Du kannst von überall in andere Länder expandieren.”

Sie hat einen Showroom in Athen und verkauft ihre Kreationen in Touristen-Boutiquen in der Hauptstadt – aber auch über internationale Online-Shops. So ist sie nicht nur auf die griechische Kundschaft angewiesen, die wegen der Krise nicht mehr so viel Geld ausgibt wie früher. 

Neue Unternehmen ersetzen die alten

Die Folgen der Krise sind auch im Modegeschäft nicht zu übersehen. Es fehlt an Infrastruktur und Mitteln, um im internationalen Wettbewerb mitzuhalten. Die Bilder aus den Nachrichten von geschlossenen Läden sind noch sehr frisch.

Theofilos Aslanidis ist Geschäftsführer des Griechischen Verbands für Strickwaren und Bekleidung. Dass es in der Branche so viele neue Unternehmer gebe, habe verschiedene Gründe – und nicht alle seien positiv: “In Krisenzeiten schließen Unternehmen und neue kommen zum Vorschein. Es ist nicht so, dass Griechenland auf einmal neue Unternehmen generiert. Der Konsum von Modeprodukten ist durch die Krise um rund 54 Prozent zurückgegangen. Das ist die Hälfte des Umsatzes.” Das bedeutet, dass es im Grunde genommen nicht mehr Modefirmen gibt, sondern dass neue Unternehmen an der Stelle der alten auftauchen.

Und die Neulinge haben es sehr schwer – das bestätigt auch Aisha: “Man muss alles alleine machen. Du kannst keine Leute einstellen. Und deshalb bist du auch Grafiker und Social Media Manager – und nebenbei musst du dann auch noch Kleidung entwerfen.”

Griechenland - Modedesigner trotzden der Krise (D. Baltas)

Eine Kreation von Dimitris Baltas

Die Krise als Chance?

Trotzdem ist die neue Designer-Generation in Griechenland optimistisch. Viele beobachten sogar eine Veränderung im Shopping-Verhalten der Griechen, die jetzt weniger Geld haben. So auch der 29-jährige Dimitris Baltas. Als Großhändler verkauft er Produkte seines Modelabels Disu. Zusätzlich hat er seinen eigenen Online-Shop. “In Griechenland suchen die Menschen heute mehr qualitativ hochwertige Kleidung als früher. Und diese Qualität finden sie bei griechischen Produkten. Der Preis muss stimmen, die Qualität aber auch”, sagt er. Allerdings räumt er ein, dass er in den ersten Jahren überhaupt keinen Gewinn erwirtschaften konnte. Trotz allem blieb er zuversichtlich – und seit dem vergangenen Jahr lohnt sich seine Arbeit auch finanziell.

Er hat in seiner Firma einige Dinge verändert: Einerseits versucht er jetzt, eine andere Zielgruppe anzusprechen. Seine Produkte richten sich an Frauen über 30 – und er bietet auch größere Konfektionsgrößen an. Erstaunlicherweise habe die Finanzkrise in seiner Heimat für ihn persönlich auch einen Vorteil gebracht: “Viele Einzelhändler, die früher in Italien oder Frankreich eingekauft haben, konnten das nicht mehr durch die Kapitalverkehrskontrollen, die in Griechenland eingeführt wurden. Deshalb suchen viele von ihnen jetzt griechische Hersteller und Großhändler auf.”

Die Frage bleibt trotzdem offen, ob die neuen Modeunternehmen in Griechenland auch längerfristig eine Chance haben. Denn die finanziellen Probleme auf dem griechischen Markt seien nach wie vor da, betont auch Theofilos Aslanidis.

Wahrscheinlich werden auch weiterhin Modeunternehmen schließen – darunter auch einige der jungen Newcomer. Doch eines steht fest: In der griechischen Modebranche weht ein frischer Wind.

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Eskalation in der Ostukraine

Der schwelende Stellungskrieg in der Ostukraine ist an einem Ort wieder aufgeflammt. Aus dem Städtchen Awdijiwka bei Donezk werden seit dem Wochenende heftige Gefechte zwischen der ukrainischen Armee und den prorussischen Separatisten gemeldet. In der Nacht auf Dienstag sollen die Separatisten schwere Waffen wie Mehrfachraketenwerfer vom Typ “Grad” (Hagel) eingesetzt haben, berichten ukrainische Medien. Präsident Petro Poroschenko unterbrach am Montag seinen Besuch in Berlin und kehrte in die Ukraine zurück.

Ein Ort, an dem der Krieg nie aufhörte

Es ist die heftigste Eskalation des Konflikts seit Monaten. Nach offiziellen Angaben aus Kiew sind in den vergangenen zwei Tagen sieben ukrainische Soldaten getötet und 35 verletzt worden. Vertreter der selbsternannten “Donezker Volksrepublik” meldeten ihrerseits sechs Tote und 13 Verletzte. Beide Seiten geben jeweils der anderen die Schuld an der Eskalation. 

Awdijiwka ist eine kleine Trabantenstadt und nur sechs Kilometer von der Separatistenhochburg Donezk entfernt. Sie liegt auf der von Kiew kontrollierten Seite. Awdijiwka ist einer der wenigen Orte, wo trotz der Minsker Vereinbarungen der Krieg nie aufhörte. Besonders umkämpft ist seit Jahren die sogenannte “Promzona”, ein Industriegebiet am Stadtrand, das von der ukrainischen Armee gehalten wird. Die Separatisten versuchen immer wieder, dieses Gelände einzunehmen, offenbar um die Trennlinie von Donezk weiter wegzuschieben.

Ukraine Avdiivka Großkokerei (Getty Images/AFP/E. Feferberg)

Im Industriegebiet am Stadtrand liegt die Awdijiwka-Kokerei

Am Rande einer humanitären Katastrophe

Von den rund 35.000 Bewohnern lebt derzeit knapp mehr als die Hälfte in der Stadt an der Frontlinie. Ihr Leben ist besonders jetzt in Gefahr. Bei den jüngsten Gefechten wurde die Versorgung mit Strom, Wasser und teilweise mit Heizwärme unterbrochen. Dabei herrscht in der Ostukraine zurzeit klirrende Kälte mit Temperaturen von minus 20 Grad. In Awdijiwka wurde deshalb der Notstand ausgerufen. Die Behörden bereiten eine Evakuierung tausender Menschen vor, um eine Katastrophe für die Menschen zu verhindern.

Für die Versorgung der Stadt mit Strom und Wasser ist vor allem die Awdijiwka-Kokerei wichtig, nach eigenen Angaben eine der größten in Europa. Das Werk wird immer wieder beschossen. Inzwischen hat es seinen Betrieb teilweise eingestellt.

Zuspitzung im Schatten der US-Wahl

Im Schatten der US-Präsidentschaftswahlen spitzte sich die Lage in der Ostukraine bereits Ende 2016 zu. Neben Awdijiwka ist zum Beispiel der sogenannte Bogen von Switlodarsk nach wie vor heftig umkämpft. Das Gebiet liegt wie ein Keil zwischen den beiden Separatistengebieten Donezk und Luhansk. Im Dezember gab es dort schwere Gefechte, bei denen mehrere ukrainische Soldaten starben. Anfang Januar haben die ukrainischen Einheiten nach Medienangaben aus Kiew eine “schleichende Offensive” durchgeführt und die von ihnen kontrollierten Gebiete ausgeweitet.

Auch im Südosten der Ukraine bei der Stadt Mariupol am Asowschen Meer werde derzeit heftig gekämpft, berichtete am Dienstag ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Kiew.   

Ukraine Waffenruhe Lage in Avdeevka (DW/A. Magazova)

Auf der Wand eines Wohnhauses steht: “Gott bewahre Awdijiwka!”

Eskalation als Druckmittel?

Die jetzige Zuspitzung erinnert an die Ereignisse vor rund zwei Jahren. Damals gelang es den Separatisten, den seit Monaten belagerten Donezker Flughafen einzunehmen. Schwere Kämpfe an der ganzen Frontlinie zwangen die ukrainische Regierung und westliche Vermittler zu direkten Verhandlungen mit den Separatisten und zur Unterzeichnung der Minsker Vereinbarungen im Februar 2015. Doch deren Umsetzung stockt unter anderem deshalb, weil die ukrainische Regierung eine dauerhafte Waffenruhe als Voraussetzung für politische Zugeständnisse betrachtet.

Beobachter in Kiew vermuten, dass die prorussischen Separatisten auch jetzt durch eine Eskalation die Ukraine zu neuen Zugeständnissen zwingen wollen. Sie verweisen darauf, dass sich nur wenige Tage nach dem ersten Telefonat zwischen dem neuen US-Präsidenten Donald Trump und seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin die Lage zugespitzt habe. Beide sollen auch über den Konflikt in der Ukraine gesprochen haben, allerdings sind keine Details bekannt. Trump hatte sich während des Wahlkampfs mehrmals positiv über Putin geäußert und sich bereit erklärt, über eine mögliche Aufhebung der Sanktionen zu sprechen.

Ähnliche Vorwürfe sind aus Donezk und Luhansk zu hören. Kiew wolle durch die jetzige Zuspitzung die Aufmerksamkeit der Welt zurückgewinnen, sagte am Dienstag ein Vertreter der Separatisten. 

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