Месечни архиви: April 2017

Schweizer wegen Spionage gegen Steuerfahnder verhaftet

Der deutsche Anwalt des in Frankfurt festgenommenen Daniel M. sagte der Schweizer Zeitung “Sonntagsblick”: “Mein Mandant soll im Auftrag des Schweizer Nachrichtendienstes in Deutschland spioniert haben.” Das Ziel solle gewesen sein, herauszufinden, welche Steuerfahnder Steuer-CDs kauften und wie diese Käufe genau abliefen.

Nordrhein-Westfalens Finanzminister Norbert Walter-Borjans zeigte sich empört: “Falls sich die Geschichte als wahr erweist, wäre das ein handfester Skandal. Wenn Nachrichtendienste Spione beauftragen, in Deutschland Steuerfahnder zu bespitzeln, muss man sich doch fragen, in wessen Interesse sie handeln – im Namen der Steuergerechtigkeit ja wohl kaum.” Die nordrhein-westfälische Finanzverwaltung erwerbe Steuer-CDs, weil sie Steuerhinterziehung nicht anders aufklären könne. “Die Gerichte - zuletzt der Europäische Gerichtshof – haben unser Vorgehen ohne Ausnahme bestätigt”, sagte der Landesfinanzminister: “Wer jetzt Jagd auf die Fahnder macht, schützt die Täter.”

Käufe von Steuer-CDs

Allein die Behörden in NRW haben seit 2010 elf Steuer-CDs mit Datensätzen mutmaßlicher Steuerhinterzieher gekauft. Die Informationen waren zuvor Schweizer Banken entwendet worden. Für die Datenträger haben die Steuerfahnder in NRW insgesamt 17,9 Millionen Euro an Informanten gezahlt. Im Gegenzug habe dies dem Fiskus aber Walter-Borjans zufolge bis zu sieben Milliarden Euro zusätzlich durch Nachforderungen und Selbstanzeigen gesichert.

Die Bundesanwaltschaft hatte erklärt, sie habe einen 54-jährigen Schweizer in Frankfurt festnehmen lassen. Dort und im Wetteraukreis seien auch mehrere Wohn- und Geschäftsräume durchsucht worden. Der Beschuldigte sei “dringend verdächtig, seit Anfang 2012 für den Geheimdienst einer fremden Macht tätig gewesen zu sein”.

Verdächtiger soll im Finanzsektor aktiv sein

Auch die Tageszeitung “Die Welt” berichtete, der Mann sei im deutschen Finanzsektor aktiv gewesen. Der Sonntagsblick” berichtete, der Verhaftete, sei ein früherer Polizist, der in den Sicherheitsbereich einer Schweizer Großbank gewechselt sei. Gleichzeitig habe er als freier Mitarbeiter für den Schweizer Nachrichtendienst des Bundes (NDB) gearbeitet.

Ein Sprecher des Schweizer Außenministeriums sagte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters: “Wir haben Kenntnis von der Verhaftung.” Wegen des Persönlichkeitsschutzes könnten aber keine weiteren Angaben gemacht werden. Vom Innenministerium und vom Auswärtigen Amt in Berlin war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Die Schweiz hat die Entwendung von Daten und deren Ankauf durch deutsche Behörden stets als illegal bezeichnet.

cgn/fab (rtr, Welt am Sonntag)

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Der vergessene Krieg in der Zentralafrikanischen Republik

Mit einem Hammer in der Hand läuft Marcel Hamat durch sein Haus. Oder besser durch das, was davon übrig geblieben ist. Der 52-Jährige ist zum ersten Mal in seinen Heimatort Iyeda zurückgekehrt, der im Oktober 2016 angegriffen und fast komplett niedergebrannt wurde. Der Ort liegt zwischen den Fronten: Wenige Kilometer westlich kontrolliert die 3R-Miliz die Nachbarstadt Koui. 3R steht für “retour, réclamation, réhabilitation”, “Rückkehr, Anspruch, Rehabilitierung” und besteht aus mehrheitlich muslimischen Viehhirten der Volksgruppe der Peuhl (auch Fulbe genannt). Im Osten, in der Stadt Makunzi Wali, herrschen die Anti-Balaka, eine mehrheitlich christliche Miliz.

Iyeda ist jetzt eine Geisterstadt, kein Mensch lebt mehr hier. Hamats Haus ist ausgebrannt, auch das von seinen Verwandten nebenan. “Das haben die Peuhl hier angerichtet”, sagt Hamat, während er die letzten Metallreste aus der Wand bricht, die er noch verwenden will. Mit dem Altmetall macht sich Hamat auf den Weg nach Makunzi Wali, wo er Zuflucht gefunden hat. Hier steht er als Christ unter dem Schutz der Anti-Balaka, die sich ihre Dienste durch Schmiergelder an Checkpoints und Schutzgeldzahlungen von Geschäftsleuten bezahlen lassen.

Zentralafrikanische Republik (DW/A. Kriesch)

Anti-Balaka-Anführer Goumou Passy: “”Wir haben uns entschlossen, die Versorgung abzuschneiden”

Colonel Goumou Passy ist einer der Anführer der Anti-Balaka. Seine Truppe könnte kaum abenteuerlicher aussehen: Benebelt von Drogen, bewaffnet mit Jagdgewehren, behangen mit Fetischen, die sie vor den Kugeln ihrer Gegner schützen sollen. Passys größter Feind ist die 3R-Miliz in Koui. Wochenlang hat er Hilfslieferungen nach Koui blockiert – und so die humanitäre Situation in der Region noch verschärft. “Das ist ein Krieg – da hat jede Seite ihre eigenen Strategien”, sagt er der DW. “Und wir haben uns eben dazu entschlossen, eine Weile die Versorgung abzuschneiden.”

Vom Viehhirten zum Rebellenführer

Der Krieg in der Zentralafrikanischen Republik tobt seit über vier Jahren. Im März 2013 stürzten Rebellen der mehrheitlich muslimischen Gruppe Séléka die Regierung, von der sie sich vernachlässigt fühlten. Sie plünderten ganze Städte und Dörfer – dagegen gründete sich die Anti-Balaka-Bewegung. Ursprünglich eine mehrheitlich christliche Selbstverteidigungsgruppe, zerfiel die Miliz mehr und mehr in unkontrollierbare Banden bewaffneter Jugendlicher. 2016 wurde zwar wieder eine offizielle Regierung gewählt, doch ihr Machtbereich reicht nicht über die Hauptstadt Bangui hinaus. Das Land spaltete sich immer mehr entlang religiöser und ethnischer Linien. 14 bewaffnete Rebellengruppen sind inzwischen in Zentralafrika aktiv. Regelmäßig fechten sie Kämpfe aus, zwischen deren Fronten die Zivilbevölkerung gerät. Allein in der Region um Koui mussten in den vergangenen Monaten 15.000 Menschen ihre Heimat verlassen.

Zentralafrikanische Republik (DW/J.-P. Scholz)

3R-Kommandant Sidiki Abass: “Die Regierung übernimmt keine Verantwortung, also tun wir das”

In Koui hat Kommandant Sidiki Abass das Sagen. Mit Turban und weißem Gewand steht er vor seinem Haus, bewacht von einem Duzend schwer bewaffneter Männer. Abass war früher selbst Viehhirte, jetzt ist er der Anführer der Rebellengruppe 3R – und hat nach eigenen Angaben mehr als tausend Kämpfer. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch wirft der Gruppe Menschenrechtsverletzungen vor, unter anderem Folter und Vergewaltigungen. Abass bestreitet das. “Wir Peuhl sind hier nicht sicher, wir werden ständig von Banditen und den Anti-Balaka angegriffen.” Abass gestikuliert wild. “Die Regierung übernimmt keine Verantwortung, also müssen wir das tun.”

“Wenn die 3R’s verschwinden, wäre das eine Katastrophe”, sagt auch der Bürgermeister und Sultan von Koui, während er Vertreter von Hilfsorganisationen und Journalisten in seinem spärlichen Palast empfängt. “Die Anti-Balaka wollen alle Muslime hier vertreiben. Sie haben schon so viel Unheil gebracht. Unzählige Häuser und Dörfer von Muslimen wurden niedergebrannt.” Adamou Dawda Yahya fürchtet einen erneuten Angriff der Anti-Balaka – als Reaktion darauf, dass die 3R ihrerseits vor wenigen Wochen eine nahegelegene Anti-Balaka-Hochburg attackiert haben. Der Sultan drückt sich vorsichtig aus, Kritik an den 3R-Rebellen äußert er nicht.

Zentralafrikanische Republik (DW/J.-P. Scholz)

Pastor Leon Dollet und Imam Goni Abassi haben gemeinsam einen Appell für Frieden verfasst

“Wir haben immer friedlich zusammengelebt”

Während der Sultan mit den Journalisten diskutiert, wartet in seinem Empfangsraum eine Gruppe Männer geduldig darauf, die Besucher anzusprechen. Zurückhaltend wenden sich fünf Pastoren und ein Imam an uns: Sie haben gemeinsam einen Brief geschrieben, in dem sie fordern, den Konflikt endlich zu beenden. “Es gibt doch keinen Unterschied zwischen den Muslimen und den Christen hier”, sagt Pastor Leon Dollet und überreicht den Brief der Mitarbeiterin einer Hilfsorganisation. “Wir haben hier immer in Harmonie zusammengelebt. Es sind die 3R und die Anti-Balaka, die hier für Spannungen sorgen. Aber wir wollen wieder gemeinsam friedlich zusammenleben. Und wir wollen, dass die Vertriebenen aus den Nachbardörfern wieder zurückkehren und wieder mit uns leben.”

Auch Marcel Hamat würde gern mit seiner Familie in sein Dorf zurückkehren – aber noch sei das undenkbar. Mit dem Überresten seines niedergebrannten Hauses will er nun in Makunzi Wali eine neue Bleibe bauen. “Was passiert ist, ist passiert”, sagt Hamat. “Aber ich bin nicht wütend. Wir müssen einfach nach vorne schauen, in die Zukunft.”

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"Wir sind nicht Burka"

“Ich will mit einigen Thesen zu einer Diskussion einladen über eine Leitkultur für Deutschland”, schreibt Thomas de Maizière in einem Gastbeitrag für die Zeitung “Bild am Sonntag”. Wer sich seiner eigenen Kultur sicher sei, sei stark, glaubt der deutsche Innenminister. Über allem stehe auf jeden Fall die Wahrung der Menschenwürde.

De Maizière führt insgesamt zehn Punkte auf, die seiner Auffassung nach Teil einer deutschen Leitkultur sind – etwa soziale Gewohnheiten: In Deutschland gebe man sich zur Begrüßung die Hand, zeige sein Gesicht und nenne seinen Namen. “Wir sind nicht Burka”, betont der CDU-Politiker. Zur Leitkultur gehörten zudem Allgemeinbildung, der Leistungsgedanke, das Erbe der deutschen Geschichte mit dem besonderen Verhältnis zu Israel und der kulturelle Reichtum.

Religion als “Kitt der Gesellschaft”

“Unser Land ist christlich geprägt. Wir leben im religiösen Frieden. Und die Grundlage dafür ist der unbedingte Vorrang des Rechts über alle religiösen Regeln im staatlichen und gesellschaftlichen Zusammenleben”, so der gläubige Protestant weiter. Religion sei hierzulande “Kitt und nicht Keil der Gesellschaft”. Dafür stünden in der Bundesrepublik “die Kirchen mit ihrem unermüdlichen Einsatz für die Gesellschaft”.

Ulmer Münster (picture-alliance/Carsten Schmidt)

Deutschland – “christlich geprägt”

Auch einen “aufgeklärten Patriotismus” zählt der Christdemokrat zur deutschen Leitkultur. Ein solcher Patriot liebe sein Land ohne andere zu hassen. Schließlich seien auch die Westbindung Deutschlands, sein Bekenntnis zu Europa sowie ein gemeinsames kollektives Gedächtnis für Orte, Ereignisse und Traditionen Teil der Leitkultur. Kritik am Begriff Leitkultur wies de Maizière zurück. Stärke und innere Sicherheit der eigenen Kultur führe zu Toleranz gegenüber anderen, schreibt er.

“Unsere ausgestreckte Hand”

Allen, die ins Land kommen und bleiben dürfen, “reichen wir unsere ausgestreckte Hand”, versichert der Innenminister. Doch wer die Leitkultur nicht kenne, vielleicht nicht kennen wolle oder gar ablehne, dem werde “Integration wohl kaum gelingen. Denn zugehörig werden sie sich nicht fühlen ohne Kenntnis und jedenfalls Achtung unserer Leitkultur.”

wa/kle (dpa, kna)

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Missionierung in Afrika: Mehr als nur das Wort Gottes

DW: Herr Lessing, welche Auswirkungen hatte die Reformation auf Afrika?

Hanns Lessing: Sie hatte Auswirkungen auf ganz verschiedenen Ebenen: Die Missionare verkündigten das Wort Gottes. Dafür mussten sie die afrikanischen Sprachen lernen und haben diese Sprachen zu Schriftsprachen umgeformt. Das hat bis heute große Auswirkungen – denn sonst wären viele der Sprachen bis heute wahrscheinlich gar nicht verschriftlicht.

Zudem zielte die Religion auf das Herz, auf Individualität. Sie gab den Menschen die Möglichkeit, öffentlich aufzutreten. Wer also das Gefühl hatte, Zeugnis über seinen Glauben ablegen zu wollen, konnte das tun. Viele Menschen trauten sich dadurch auch, sich in traditionellen Zusammenhängen zu Wort zu melden, selbst wenn sie von der Hierarchie her dazu eigentlich gar nicht befugt waren. Frauen und Benachteiligte innerhalb der Gesellschaft bekamen durch den christlichen Gleichheitsgrundsatz das Gefühl, dass sie auf einer Ebene mit den anderen Mitgliedern der Gesellschaft reden können. Das gab ein entsprechendes Selbstbewusstsein.

Welche Rolle haben deutsche Missionare in Afrika gespielt?

Den Anfang hatte die Mission in Großbritannien genommen. Ende des 18. Jahrhunderts ging es dann auch in Deutschland los. Entscheidend ist, dass es in der Zeit vor dem Kolonialismus war: Die Missionare hatten nicht die Absicht, die Welt zu beherrschen. Sie wollten das Evangelium in die Welt bringen; sie sahen sich im Zuge der beginnenden Globalisierung und der vereinfachten Transportmöglichkeiten dazu aufgerufen, ihren Glauben überall zu verkünden.

Wie sind die Missionare mit den Kulturen umgegangen, auf die sie in Afrika trafen?

Auf der einen Seite waren die Missionare tief von der deutschen Romantik geprägt, die besagt, dass die Seele nur in der eigenen Muttersprache kommunizieren kann – so konnte das Evangelium dann auch in der Sprache des jeweiligen Volkes Fuß fassen. Auf der anderen Seite waren die Missionare durch das deutsche Staatskirchentum geprägt. Dort dominierte das Gefühl, der König oder Fürst sei von Gott eingesetzt. Folglich war es die Aufgabe der Untertanen, gehorsam zu sein. Den Missionaren ging es also nicht darum, eine andere Herrschaft zu installieren, sondern darum, die afrikanischen Fürsten und Herrscher christlich zu erziehen.

Wollten die Missionare die lokalen Kulturen verändern? Sahen sie die lokale Bevölkerung als “Wilde” an, die man zivilisieren musste?

Im Gegensatz zur britischen Mission wollte die deutsche keine universale, christliche Weltkultur einrichten. Es ging vielmehr um Veränderungsprozesse innerhalb von lokalen Kulturen. Dass das Widersprüche mit sich brachte, ist offensichtlich: Für die Missionare bedeutete die Veränderung zum Christlichen hin ziemlich genau das, was sie auch in ihrer deutschen Kultur für richtig hielten – zum Beispiel der Arbeitsethos, der hohe Stellenwert von Bildung und die Abschaffung der Polygamie. Das heißt, obwohl die Missionare eigentlich niemanden zivilisieren, sondern lediglich das Wort Gottes verkündigen wollten, lief es am Ende auf das Gleiche hinaus.

Kritiker werfen Missionaren verschiedener Konfessionen vor, den Kolonialismus gefördert zu haben. War das bei den Missionaren aus Deutschland auch der Fall?

Evangelischer Pfarrer Hanns Lessing (Privat)

Hanns Lessing hat die Geschichte evangelischer deutscher Missionare in Afrika erforscht

Das unterscheidet sich von Land zu Land. Im heutigen Namibia etwa war die rheinische Mission aus Wuppertal-Barmen schon lange vor der Kolonialisierung aktiv. Sie blieb zunächst loyal gegenüber den afrikanischen Fürsten. Aber als die deutsche Besiedlung und die wirtschaftliche Ausbeutung des Landes zunahmen, gelangten die Missionare immer stärker in den Konflikt zwischen den afrikanischen Gesellschaften und den Vorposten des deutschen Kolonialismus. In diesem Konflikt wurde immer deutlicher, dass die Missionare eine europäische Kolonialisierung des Landes begrüßten. Der damalige Missionsdirektor Friedrich Fabri forderte Bismarck sogar dazu auf, ein deutsches Kolonialreich zu gründen.

Das wohl schlimmste deutsche Kolonialverbrechen in Afrika war der Genozid an den Herero und Nama in Namibia. Wie haben sich die protestantischen Kirchen und die Missionare vor Ort damals verhalten?

Als der Krieg ausbrach, flüchteten fast alle deutschsprachigen Menschen in die größeren Städte. Einige Missionare waren jedoch von Fluchtmöglichkeiten abgeschnitten, weil Soldaten des Herero-Volks die Transport- und Kommunikationswege kontrollierten. Sie sind deshalb in ihrem Gebiet geblieben und haben dann sehr stark die alte Position der Mission vertreten. Die besagt, dass vieles, was der Kolonialismus vorbringt, Unrecht ist.

Auf der anderen Seite gab es aber auch Missionare, die Seite an Seite mit den deutschen Siedlern in der Hauptstadt Windhuk gewohnt haben. Die Pfarrer der deutschen Siedlergemeinde waren voll und ganz auf Seiten der Kolonialherrschaft und haben deren Interessen vor Ort vertreten: Sie haben Soldaten gesegnet, sind mit ins Feld gezogen und haben dann diese Erfahrung publizistisch verwertet.

Protestantische Kirchen haben später in anderen afrikanischen Ländern eine tragende Rolle im Kampf gegen Diktaturen oder autokratische Regime gespielt. Haben die deutschen Missionare geholfen, dafür die Grundlagen zu legen?

Über viele Jahre hat sich die deutsche Mission dadurch ausgezeichnet, dass man gegen die Obrigkeit nichts tun durfte. Die Missionare haben davon abgeraten und teilweise deutlich dagegen angekämpft, dass Afrikaner ihre eigenen Interessen vertreten. Trotzdem kann man sagen, dass sie die Grundlagen gelegt haben: Durch die Missionarisierung konnten viele Afrikaner lesen und schreiben. Sie verstanden deutsche, beziehungsweise europäische Strukturen. Und durch den Gleichheitsgrundsatz des Christentums wurden sie darin bestärkt, ihre Interessen selbstbewusst zu vertreten.

Hanns Lessing ist Missionswissenschaftler und hat acht Jahre in Namibia gelebt. Im Augenblick arbeitet er als Referent bei der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen.

Das Interview führte Daniel Pelz.

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Brigitte Macron – Die Frau an seiner Seite

Paris, 23. April, die ersten Hochrechnungen sind gerade über die Leinwände geflimmert. Emmanuel Macron, der Mann der Mitte, ist mit knappem Vorsprung zu Front-National-Chefin Marine Le Pen in die Stichwahl gekommen. Der Maßanzug sitzt, das perfekte Lächeln auch, der 39-Jährige läuft unter Applaus auf die Bühne des “En Marche!”-Hauptquartiers nahe Versailles - doch Macron ist nicht allein. Hand in Hand tritt er mit seiner Frau Brigitte, 64, vor die fahnenschwenkenden Anhänger. In den ersten Reihen bilden ein paar junge Frauen mit den Zeigefingern ein Herz, strecken die Arme in die Luft, skandieren lautstark “Brigitte! Brigitte! Brigitte!”

Seine Liebe zu Brigitte Macron, geborene Trogneux, der Französisch- und Lateinlehrerin aus der Provinz, scheint anzukommen bei den Franzosen. Zugleich bildet sie eine große Angriffsfläche für seine Kritiker. Wer ist diese Frau, die zu Beginn seiner Karriere wegen ihrer kurzen Röcke, der braun gebrannten Haut und ihrer blondierten Haaren in der französischen Klatschpresse immer wieder zum Thema wurde?

Frankreich Präsidentschaftswahl 2017 | Brigitte Trogneux, Ehefrau von Emmanuel Macron (picture-alliance/Anadolu Agency/A. de Russe)

Brigitte Macron mit ihrer Tochter Laurence während des Wahlkampfes

Homestorys in “Paris Match”

Brigitte Trogneux ist das jüngste der sechs Kinder von Simone und Jean Trogneux aus Amiens, einer Universitätsstadt rund 140 Kilometer nördlich von Paris. Sie wuchs auf in einer wohlhabenden bürgerlichen Familie, Besitzer einer 1872 gegründeten Schokoladenmanufaktur mit mehreren Filialen, bekannt für ihre Spezialität “Macrons d’Amiens”.

Viel mehr weiß man über die Vergangenheit von Macrons Ehefrau nicht. Mit ihrem ersten Ehemann, Bankier André Louis Auzière, hat sie zwei Töchter und einen Sohn. Mittlerweile ist sie Großmutter von sieben Enkelkindern. Sie arbeitete bis vor zwei Jahren als Lehrerin, dann gab sie ihren Job für den politischen Erfolg des 24 Jahre jüngeren Emmanuel Macron auf.

Kennengelernt hatten sich die beiden in der Theater-AG der Jesuitenschule “La Providence” in Amiens. Gemeinsam erarbeiteten der 17-jährige Schüler und die 41-jährige Lehrerin eine Inszenierung von “La Comédie du langage” - ”Die Kunst der Komödie”. “Ich spürte, dass ich ins Wanken gerate - und er auch”, so Brigitte Macron gegenüber “Paris Match”, einer der bekanntesten Illustrierten Frankreichs. Das Magazin hat bereits mehrere exklusive Homestorys des Paares veröffentlicht. 

“Egal, was Sie tun: Ich werde Sie heiraten.”

Der französische Sender “France 3″ hat kürzlich ein Video der Schultheateraufführung aus dem Frühjahr 1993 veröffentlicht: Macron steht auf der Bühne als Vogelscheuche. Für die letzten Jahre seiner Schulausbildung wechselte der Schüler an das Pariser Elitegymnasium Henri IV., während die Lehrerin in Amiens blieb. Sie haben dennoch Kontakt gehalten, telefonierten stundenlang miteinander. Zum Abschied soll Macron zu ihr gesagt haben: “Egal, was Sie tun: Ich werde Sie heiraten.”

2007 geht dieser Wunsch in Erfüllung. Brigitte Auzière reichte die Scheidung von ihrem damaligen Mann ein, zog zu Emmanuel nach Paris. Als Macron ins politische Rampenlicht tritt, fällt es vielen Franzosen anfangs schwer, sich an das ungleiche Paar zu gewöhnen. Das hat sich längst geändert: Das Paar hat seinen großen Altersunterschied im Wahlkampf genutzt, um mit dem glatten Erscheinungsbild den Kandidaten zu brechen. In Macrons Leben fällt sonst nicht viel aus dem Raster: Der steilen Karriere als Investmentbanker folgt der Einzug in den Elysée-Palast als Wirtschaftsberater von Staatspräsident François Hollande und später der Aufstieg zum Wirtschaftsminister. 

Alles inszeniert?

Mittlerweile sorgt die ungewöhnliche Beziehung kaum noch für Kritik in der Öffentlichkeit. Gerade Frauen in Frankreich finden die öffentliche Hingabe Macrons zu dieser älteren Frau mutig. Aus ihrer Sicht sagt diese Beziehung viel über den Mann aus, der als 17-Jähriger eine deutlich ältere Frau so sehr von sich überzeugen konnte und nun versucht, ein ganzes Land von sich zu überzeugen.

Im Wahlkampf hat Brigitte ihren Mann immer begleitet – häufig sitzt sie ganz vorn im Publikum, schaut zu ihm hinauf, mit einem ständigen Lächeln auf den Lippen. Sie spielt eine aktive Rolle in seinen Veranstaltungen, ist Teil seiner Wahlkampfstrategie. Anders als Front National-Chefin Marine Le Pen gewährt Macron dem französische Volk einen Einblick in sein Privatleben.

Ob inszeniert oder nicht. Die Frau, die womöglich nach der Stichwahl am 7. Mail die neue Première Dame der Franzosen sein wird, gibt sich mittlerweile gelassen gegenüber den Medien, wenn es um ihren Mann geht: Warum Emmanuel dieses Jahr Präsident werden muss? “Stellt euch nur vor, wie ich 2022 aussehen werde.”

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