Месечни архиви: May 2017

Vom Ableben eines Staates: "In Zeiten des abnehmenden Lichts"

“Das Leben der Anderen” und “Good Bye, Lenin!”, “Sonnenallee”, “Helden wie wir” und “Der rote Kakadu”, “NVA”, “Bornholmer Straße”, “Barbara” und “Der Tunnel” – man kann nicht sagen, dass sich die deutschen Regisseure nicht ausgiebig mit der Geschichte der DDR und dem Untergang des sozialistischen Teils Deutschlands beschäftigt hätten.

In den letzten Jahren gehörten außerdem einige der erfolgreichsten TV-Serien zum Themenkomplex DDR. Darunter ”Weissensee”, “Deutschland 83″ oder zuletzt “Der gleiche Himmel”, um nur drei bekannte Mehrteiler zu nennen. Filme und Serien, die zudem auch im Ausland erfolgreich waren.

Der Roman bekam 2011 den Deutschen Buchpreis

Filmregisseur - Matti Geschonneck (picture-alliance /dpa/J. Carstensen)

Matti Geschonneck

Nicht alle diese Filme sind künstlerisch gelungen. Vor allem einige Werke, die sich mit Witz und Humor dem Thema näherten, wurden oft auch kritisiert. Scherz, Satire und Ironie – das war und ist eine der schwierigsten Übungen in der Kunst, gerade auch in Film und Fernsehen. Und so waren manche Besucher der Berliner Filmfestspiele skeptisch, als im Februar die Romanverfilmung “In Zeiten des abnehmenden Lichts” angekündigt wurde. Schließlich hatte Autor Eugen Ruge die künstlerische Latte mit seinem später auch mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichneten Roman hoch gelegt.

Umso erfreuter war das Publikum dann nach der Premiere in Berlin. Regisseur Matti Geschonneck war es gelungen, aus einem guten Buch einen überzeugenden Film zu machen. Das mag auch am Filmteam gelegen haben. Schließlich brachten Geschonneck und seine Mitstreiter jede Menge Erfahrung mit. Der Regisseur, selbst Sohn des legendären DDR-Schauspielers Erwin Geschonneck, dreht seit Jahren vor allem anspruchsvolle Fernsehfilme – nicht selten mit historischen Themen.

Bis in die kleinsten Nebenrollen perfekt besetzt

Doch auch im Kino hatte der Regisseur Erfolg, zum Beispiel 2010 mit dem ebenfalls bei der Berlinale uraufgeführten “Boxhagener Platz”. Einen ebenso großen Anteil am Gelingen des Films gebührt sicherlich auch Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase, ein Experte in Sachen DDR-Geschichte. Gewiss sind ihm die vielen guten und auf den Punkt geschriebenen Dialoge zu verdanken.

Nicht zuletzt ist “In Zeiten des abnehmenden Lichts” auch ein grandioser Schauspielerfilm. Selten hat man in letzter Zeit einen derart hochkarätig besetzten deutschen Film gesehen – bei dem auch die kleinsten Nebenrollen perfekt gespielt sind – und der doch nicht zu einer kabarettistischen Nummernrevue verkommt.

Filmstill aus: In Zeiten des abnehmenden Lichts mit Frau im Schlafzimmer vor einem Spiegel sitzend (Foto: X-Verleih/H. Hubach)

Blick in den Abgrund: Irina Umnitzer (Yevgeniya Dodina) versucht ihren Frust im Alkohol zu ertränken

“In Zeiten des abnehmenden Lichts” bietet keinen bloß folkloristisch-verspielten Blick auf ein sterbendes Land – wie einige vergleichbare filmische Geschichtslektionen in Kino und Fernsehen. Ob Bruno Ganz oder Hildegard Schmahl, Sylvester Groth oder Alexander Fehling, aber auch Angela Winkler oder Gabriela Maria Schmeide in kleineren Nebenrollen – der Film ist glänzend besetzt.

So ist es einer souveränen Regie, intelligenten Dialogen und großartigen Darstellern zu verdanken, dass “In Zeiten des abnehmenden Lichts” ein seltenes Kunststück gelingt: die Waage zu halten zwischen dem satirischen Blick auf die DDR und einer ernsthaften Beschäftigung mit einer komplexen historischen Thematik.

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Deutschland: EU-Gelder nur an Staaten mit Recht und Gesetz

Das Bundeswirtschaftsministerium in Berlin bestätigte, dass die Regierung in einer Stellungnahme zur Zukunft des EU-Kohäsionsfonds eine “Bindung an die Einhaltung der rechtsstaatlichen Grundwerte der EU” befürwortet. Die Stellungnahme werde “in Kürze” an die EU-Kommission geschickt, sagte eine Ministeriumssprecherin.

EU-Kohäsionsfonds als Hebel

Die Bundesregierung nehme damit eine Debatte auf, die im Europaparlament und in der EU-Kommission schon länger geführt werde. Auch EU-Justizkommissarin Vera Jourova hatte sich für die Verknüpfung von Mittelvergabe und Achtung rechtsstaatlicher Prinzipien ausgesprochen. Länder wie Polen oder Ungarn, die aus Sicht der EU Rechtsstaatsprinzipien und demokratische Grundwerte nicht einhalten, müssten dann mit Mittelkürzungen rechnen.

Der EU-Kohäsionsfonds soll einen Ausgleich zwischen reicheren und ärmeren Staaten schaffen. Polen ist der mit Abstand größte Empfänger von Mitteln aus diesem Fonds. Für das Land sind in der siebenjährigen EU-Haushaltsperiode von 2014 bis 2020 rund 23,2 Milliarden Euro vorgesehen – mehr als ein Drittel aller Mittel. Bei Ungarn sind es gut sechs Milliarden Euro. Der neue Vorschlag Deutschlands bezieht sich allerdings erst auf die Haushaltsperiode von 2021 bis 2027.

Szydlo: Deutscher Vorschlag widerspricht EU-Verträgen

Die Verknüpfung mit rechtsstaatlichen Prinzipien sei “sehr vernünftig”, sagte die Sprecherin des Wirtschaftsministeriums. Die EU zeichne sich vor allem dadurch aus, dass sie eine Wertegemeinschaft sei. “Die Basis einer solchen Wertegemeinschaft und die Basis der Glaubwürdigkeit der EU ist auch die Einhaltung der Grundwerte.”

Polen lehnte dagegen umgehend die Pläne der Bundesregierung ab. Ministerpräsident Beata Szydlo sagte, der Vorschlag, bestimmten Mitgliedstaaten Strukturhilfen vorzuenthalten, widerspreche den EU-Verträgen. Konrad Szymanski, der für EU-Angelegenheiten zuständige stellvertretende Außenminister, äußerte Skepsis, ob sich solche Pläne überhaupt umsetzen ließen. Die EU-Kommission könne darüber gar nicht entscheiden.

sti/uh (afp, rtr)

 

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Europas Schicksal ohne die USA

Mit ihrer Aussage, dass Europa sein Schicksal ein Stück weit selbst in die Hand nehmen solle, hat Bundeskanzlerin Angela Merkel für viel Wirbel gesorgt. Und die Regierung von US-Präsident Donald Trump bleibt bei ihrer harten Haltung, dass viele NATO-Staaten zu wenig für ihre Verteidigung tun. Vor allem diejenigen Staaten, die weniger als die vereinbarten zwei Prozent ihres Bruttoinlandsproduktes für das Militär ausgeben, sind beunruhigt - drohen die USA doch damit, ihre Unterstützung einzuschränken. Wenn Trump wirklich ernst machen würde, wie könnte Europa dann seine eigene Sicherheit sicherstellen?

G7-Gipfel in Sizilien - US-Präsident Donald Trump (picture-alliance/dpa/M. Kappe)

Donald Trump und Angela Merkel beim G7-Gipfel in Italien

Beste Voraussetzungen

Der ehemalige Vorsitzende der Europäischen Verteidigungsagentur Nick Witney glaubt, dass es nie einen dringenderen Anlass und eine bessere Gelegenheit gab, über diese Frage nachzudenken. Trumps Drohungen von der einen Seite, Russland auf der anderen Seite, und die Wahl Emmanuel Macrons zum französischen Präsidenten seien die besten Voraussetzungen, um Europas Selbstvertrauen zu stärken.

Nach Witneys Einschätzung sollte Europa aufhören zu jammern und die aktuellen Umstände als willkommenen Weckruf betrachten. Im Gespräch mit der Deutschen Welle führt er weiter aus: “Es braucht eine gründliche Bestandsaufnahme darüber, an welcher Stelle es an Material fehlt, wo wir viel Geld für unnötige Dinge ausgeben und wo wir Doppelstrukturen streichen können”. Witney arbeitet aktuell für die Denkfabrik European Council on Foreign Relations (ECFR).

Konsequenzen aus dem Libyen-Einsatz

Als die europäischen Regierungen beim Libyen-Einsatz 2011 die Führung übernehmen wollten, konnten sie noch nicht mal ihre eigenen Geheimdienst-, Aufklärungs- und Überwachungssysteme anbieten und grundlegende Dinge wie Munition gingen schnell aus. Am Ende mussten die USA einspringen. “Wir sollten Hunderttausende von Bomben stilllegen und stattdessen viel Geld in intelligente Munition investieren“, fordert Witney als Konsequenz. Allerdings sei er “ziemlich sicher”, dass nichts dergleichen passiert sei.

Auch Sven Biscop, Direktor des belgischen Egmont Instituts, verknüpft Europas Hoffnung auf Selbstversorgung mit mehr Kooperation in den Bereichen Verteidigungsausgaben und Investitionen. Wenn die Interessen der USA mal nicht mit denen der Europäer übereinstimmten, habe Europa keine andere Wahl, als sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Im Gespräch mit der Deutschen Welle spricht Biscop in Anlehnung an Trumps “Amerika zuerst”-Politik deshalb von einer “Europa zuerst”-Haltung.  

Auf die Hilfe der USA angewiesen

Die traditionelle Vorstellung einer Bedrohung durch Russland hält Biscop für weit hergeholt. Russland sei schwächer als gedacht, sagt er. Die 28 EU-Staaten seien zusammen mit ihren 1,5 Millionen Soldaten stärker, aber noch nicht stark genug. “Wenn es darum geht, Kräfte außerhalb unseres Territoriums einzusetzen, können wir das nicht ohne die USA machen. Denn wir haben nicht in strategische Ausrüstung investiert - Langstreckentransport, Satelliten, Drohnen, Luftbetankung”, kritisiert Biscop.

Die Entwicklung dieser Fähigkeiten sollte Priorität haben. Biscop wünscht sich, dass Merkel und Macron eine Kerngruppe von Ländern bilden, die die Kosten dieser teuren Anschaffungen schultern. Allein das sei eine schwierige Aufgabe, da jede nationale Rüstungsindustrie die eigene Nische nicht aufgeben wolle. Die Dimension dieser Aufträge würde aber nicht nur allein die wirtschaftlichen Bedenken mindern, sondern auch die Diskussion um das Zwei-Prozent-Budget hinfällig machen.

NATO-Experte Bruno Lete vom German Marshall Fund ist der Meinung, dass sich Europa selbst lähmt - trotz einer der stärksten und technologisch fortschrittlichsten Streitkräfte der Welt. “Ohne die einzigartigen Kapazitäten der USA innerhalb der NATO müsste Europa darum kämpfen, die eigene Verteidigung effektiv zu gestalten”, sagt Lete. Lücken gebe es unter anderem in den Bereichen Geheimdienst und Überwachung.

Atomarer Schutzschirm wirkt

ECFR-Experte Witney würde noch einen weiteren Punkt hinzufügen: den Schutz durch die amerikanischen Atomwaffen. Momentan sei Russland zwar in der Lage, aber nicht willens, in die baltischen Staaten einzumarschieren. Gäbe es aber Zweifel an der nuklearen Garantie der USA, könnte sich das ändern.

Angesichts der Unklarheiten im europäisch-britischen Verhältnis vor dem Brexit fiele die Aufgabe einer europäischen atomaren Abschreckung den Franzosen zu. Diese müssten für die Ausweitung auf ganz Europa nicht nur ihre Technik ausbauen, sondern auch ihre eigene Haltung ändern. Gleiches gelte für die Deutschen, die momentan noch lieber unter einem amerikanischen als unter einem französischen Atomschirm lebten. Solche Dinge müssten durch mehr Kooperation überwunden werden, sagt Witney.

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