Месечни архиви: July 2017

Nach 10 Tagen: Trump feuert seinen Sprecher Scaramucci

Der erst vor zehn Tagen als Kommunikationsdirektor im Weißen Haus eingesetzte Anthony Scaramucci hat seinen Posten bereits wieder verloren. Vergangene Woche waren abfällige und vulgäre Äußerungen des Ex-Wall-Street-Bankers über andere Mitarbeiter des Weißen Hauses an die Öffentlichkeit gelangt. Nun hat US-Präsident Donald Trump seinen Sprecher des Amtes enthoben.

Scaramucci hatte Stabschef Reince Priebus beschimpft, der kurz darauf seinen Posten verließ. Auch Trumps Chefstrategen Steve Bannon hatte Scaramucci mit Schmutz beworfen. Zuvor war Trump-Sprecher Sean Spicer zurückgetreten, als er von Scaramucci erfahren hatte. Er sagte, dieser werde nur für weitere Unruhe im Weißen Haus sorgen.

US-Medien wie die “New York Times” und “Politico” berichten, Trump habe ihn auf Druck seines neuen Stabschefs John Kelly entlassen. In einer ersten Mitteilung des Weißen Hauses heißt es nun, Kelly solle die Regierungszentrale “besenrein” übergeben werden. 

Derzeit ist noch unklar, ob Scaramucci eventuell einen anderen Regierungsjob erhält.

Kelly war erst wenige Stunden zuvor als Stabschef vereidigt worden. Die Ernennung des ehemaligen Vier-Sterne-Generals war allgemein so interpretiert worden, dass der Ex-Marine Ordnung im Weißen Haus schaffen soll.

rb/uh (afp, ap, dpa rtr)

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Seenotretter lehnen italienischen Kodex ab

Die Einsätze privater Helfer im Mittelmeer sind zuletzt immer mehr in die Kritik geraten. Den Organisationen wird unter anderem vorgeworfen, zu nahe an der libyschen Küste zu operieren und mit Schleppern Hand in Hand zu arbeiten. Vor allem für den zweiten Vorwurf gab es nie einen Beweis. Trotzdem drängt Italien unter anderem auf eine verpflichtende Polizeipräsenz an Bord der Rettungsschiffe. In einem “Verhaltenskodex für private Seenotretter” geht es außerdem um die Offenlegung der Finanzierung und strengere Regeln für die Bergungsoperationen. So sollten beispielsweise Transfers von kleineren Rettungsbooten auf größere erschwert werden.

Doch die italienische Regierung hat keine allgemeine Zustimmung bei den Hilfsorganisationen gefunden. Trotz Nachbesserungen verweigerte “Ärzte ohne Grenzen” in Rom die Unterschrift unter das Dokument. Auch “Jugend Rettet” stimmte dem Entwurf nicht zu. Als einzige Organisation übernahm “Save the Children” die Selbstverpflichtung. Andere Teilnehmer waren gar nicht erst zu dem Termin beim Innenminister in Rom erschienen.

Seit vergangener Woche verhandeln die NGOs über das Dokument. Italien ist von dem Flüchtlingszustrom besonders betroffen. Am Montag war die Frist für die Unterzeichnung abgelaufen. “Aufgrund unserer Prinzipien konnten wir nicht unterschreiben”, sagte Titus Molkenbur von “Jugend Rettet”. Wie es jetzt weitergehe, sei unklar. “Wir werden aber weiter retten und uns auf das Seerecht beziehen.”

Rettungschiff für Flüchtlinge in Emden (picture alliance/dpa/H.C. Wöste)

Titus Molkenbur (Mitte) vom Verein “Jugend Rettet”

Der Generaldirektor von “Ärzte ohne Grenzen” Italien, Gabriele Eminente, sagte im italienischen Fernsehen, man habe der italienischen Regierung nichtsdestoweniger die Einhaltung aller Punkte bis auf drei zugesichert. Die Hauptkritik von Eminente lautete, Such- und Rettungsoperationen sowie das Prinzip der humanitären Hilfe hätten in dem Dokument nicht den nötigen Stellenwert. Als unvereinbar mit der Arbeit von “Ärzte ohne Grenzen” generell nannte er die Präsenz bewaffneter Polizeikräfte an Bord. Der dritte Vorbehalt betraf den Umstieg von geborgenen Migranten auf andere Schiffe.

Im Übrigen gebe es eine “exzellente Zusammenarbeit” mit italienischen Behörden seit Beginn der Hilfseinsätze, sagte Eminente weiter. “Schon jetzt operieren wir in voller Übereinstimmung mit den Regeln”, begründete er den Verzicht auf die Unterzeichnung.

Das gleiche Argument führte umgekehrt “Save the Children” Italien für seine Zustimmung an. Von Beginn der Rettungsfahrten 2016 an entspreche die eigene Hilfstätigkeit “größtenteils den Vorgaben” des Verhaltenskodex, teilte Generaldirektor Valerio Neri mit. Die Entscheidung für die Unterschrift sei nach einer “internen Bewertung” erfolgt. Man wolle damit einzig und allein “die Fortsetzung der Rettungsoperationen in Transparenz und in einem wiederhergestellten Klima von Vertrauen und Zusammenarbeit sicherstellen”.

In diesem Jahr starben bereits rund 2400 Migranten im Mittelmeer.

rb/uh (dpa, kna)

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Big Brother in Berlin: Wie man in der Hauptstadt die Gesichtserkennung testet

Wer wird überwacht – und von wem?

Bei der Testreihe am Berliner Bahnhof Südkreuz soll die Gesichtserkennung mit Hilfe von Überwachungskameras nur an ausgesuchten Probanden getestet werden. Die deutsche Bundespolizei, das Bundeskriminalamt und das Bundesinnenministerium führen die Testreihe gemeinsam mit der Deutschen Bahn AG, dem Betreiber des Bahnhofs durch. Dafür haben über 250 Personen freiwillig ihre Namen und zwei Fotos ihres Gesichts in einer Datenbank speichern lassen, die einen Abgleich mit den Kamerabildern zulassen. 

Wie funktioniert die Überwachungstechnik?

Für die Versuchsreihe haben die Behörden drei gesonderte Kameras auf dem Bahnhofsgelände aufgebaut, die einem bestimmten Türbereich und eine einzelne Rolltreppe auf dem Bahnhofsgelände filmen. Das zu testende Computerprogramm vergleicht die Videoaufnahmen der drei Kameras mit den gespeicherten Fotos in der Datenbank. Die Teilnehmer sind meist Pendler und sollen auf ihrem Weg zur Arbeit die entsprechenden Türen und die Rolltreppe nutzen. Sie tragen dabei einen kleinen Sender. Die Computer im Bahnhof können so kontrollieren, wenn der Proband auftaucht und ob das Programm die Gesichter eigenständig erkennt.

Warum muss die Überwachung erst getestet werden?

Die Bundespolizei begründet den Test mit der Abwehr von Terroristen und dem Kampf gegen Kriminalität. Sie erhofft sich, durch die neue Technik Straftaten und Gefahrensituationen im Vorfeld erkennen und vermeiden zu können. Aber noch ist die Technik nicht im Alltag erprobt. “Wir wollen das unter normalen Bedingungen testen”, sagt ein Sprecher der Bundespolizei. “Die Tester können auch einen Hut oder Fahrradhelm tragen oder etwas kleiner sein und in der Menge verschwinden.”

Sicherheitsexperten kritisieren das hohe Fehlerpotential des Programms. Sie rechnen vor, dass bei einer Fehlerquote von eins zu einer Millionen bei den rund drei Millionen Fahrgästen im gesamten Berliner Verkehrsnetz bereits mit drei irrtümlichen Polizeieinsätzen zu rechnen sei – pro Tag.

Was sagen die Datenschützer zu dem Projekt?

Zudem halten Datenschützer den Einsatz dieser biometrischen Gesichtserkennungsprogramme für rechtswidrig. Die Bundesdatenschutzbeauftragte Andrea Voßhoff findet den Test zwar akzeptabel, hat aber “grundsätzliche Bedenken” gegen die Technologie: “Sollten derartige Systeme einmal in Echtbetrieb gehen, wäre dies ein erheblicher Grundrechtseingriff.”

Die Freiheit, sich anonym in der Öffentlichkeit zu bewegen, könne zerstört werden, findet auch der SPD-Politiker Christopher Lauer, Experte für Internet und Datenschutz. Er kritisiert: “Der kriminalistische Nutzen ist gleich Null.”

Was passiert nach der Testphase?

Die Behörden wollen mit dem Projekt feststellen, ob die Kameras und Computer die Menschen zuverlässig erkennen. Noch ist völlig offen, wie erfolgreich die Technik tatsächlich ist. Aber das Potential, diese Technik weitreichend zu nutzen, ist schon da.

Der Betreiber des Berliner Bahnhofs, die Bahn etwa, baut die Zahl ihrer Kameras “kontinuierlich aus”. Rund 6000 überwachen derzeit mehr als 80 Prozent der Fahrgäste bundesweit.

Schweiz - Biometrische Gesichsterkennung zu Sicherheitszwecken (picture-alliance/keystone/G. Bally)

So analysiert ein Programm zur biometrischen Gesichtserkennung Fotos aus Datenbanken

Für die Berliner S-Bahnlinien allein wurde ein Ausbau der Videoüberwachung für mehrere Millionen Euro angekündigt. Nicht nur an den Bahnhöfen und U-Bahnstationen, auch in den Bahnen und Bussen filmen bereits tausende Kameras den täglichen Verkehrsbetrieb.

Kann das Programm missbraucht werden?

Die deutschen Behörden begründen den Nutzen der Programme mit der Fahndung nach Personen, “von denen eine Gefahr ausgeht oder ausgehen könnte. Diese Personen soll das Programm erkennen und melden”.

Doch auch für die Kooperationspartner ist das Projekt nicht ohne Nutzen: Das Unternehmen könnte so versuchen, etwa gegen Graffiti-Künstler vorzugehen, die ihre Fahrzeuge besprühen.

Grundsätzlich gleicht das Programm die Überwachungsvideos nur mit den Fotos ab, die ihm vorgelegt werden: Aktuell sind es Pendler, später sollen es zur Fahndung ausgeschriebene oder mutmaßliche Verdächtige sein.

Diese technische Neutralität birgt aber auch die Gefahr des Missbrauchs, denn theoretisch kann das System mit jedem beliebigen Datensatz gefüttert werden. Für autoritäre Staaten könnten sich hierdurch neben der Zensur im Netz und anderen Überwachungsmethoden neue Möglichkeiten bei der Kontrolle des öffentlichen Lebens ergeben. 

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Salihamidzic Sportdirektor beim FC Bayern

Das ging schneller als erwartet: Nur eine Woche nach der Ankündigung von Vereinsboss Uli Hoeneß präsentiert der FC Bayern seinen neuen Sportdirektor – und landet dabei einen Überraschungscoup. Mit Ex-Profi Hasan Salihamidzic hatten wohl die wenigsten gerechnet. In einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz traten Hoeneß, Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Salihamidzic am späten Montagnachmittag vor die Medien.

“Wir haben uns die Wahl schwer gemacht und es galt der Satz: Qualität spielt die entscheidende Rolle”, sagte Rummenigge. “Wir haben mit Hasan einen Mann zum FC Bayern geholt, der den Klub gut kennt. Er ist ein integerer, fleißiger und loyaler Mensch. Er spricht fünf Sprachen und hat ein großes Netzwerk. Wir haben totales Vertrauen, dass er seinen Job so macht, wie er ihn machen muss.”

Salihamidzic unterschreibt einen Vertrag bis 2020. Der Posten des Sportdirektors war beim FC Bayern seit dem Rücktritt von Sportvorstand Matthias Sammer vor einem Jahr vakant. Der einstige Nationalspieler und Europameister von 1996 hatte sich damals aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen.

“Der FC Bayern ist ein ganz besonderer Klub. Ich identifiziere mich bis heute zu einhundert Prozent mit dem Verein”, sagte Salihamidzic. “Hier ist meine Heimat. Als Uli Hoeneß auf mich zukam und fragte, ob ich Sportdirektor werden möchte, war mir sofort klar, dass ich das machen möchte. Ich kenne alle Strukturen im Klub. Als Spieler habe ich immer einhundert Prozent gegeben – und so werde ich auch meinen Job als Sportdirektor angehen.”

Alter Bekannter

Salihamidzic war von 1998 bis 2007 für die Münchener aktiv und absolvierte in der Zeit 234 Spiele in der Bundesliga. Er ist der Ausländer mit den meisten Liga-Partien des FC Bayern vor dem noch aktiven Franck Ribéry. 88 Mal kam Salihamidzic international zum Einsatz. In der Saison 2000/01 feierte der Bosnier beim Bayern-Triumph in der Champions League in Mailand gegen den FC Valencia den größten Erfolg seiner Karriere. Dazu kommen sechs deutsche Meistertitel und vier Siege im DFB-Pokal. Der Mittelfeldspieler ließ seine Karriere nach dem Weggang aus München beim italienischen Rekordmeister Juventus Turin und für ein Jahr beim VfL Wolfsburg ausklingen.

Anfang 2017 ernannten die Bayern Salihamidzic neben dessen ehemaligen Teamkollegen Giovane Elber und Bixente Lizarazu zum Markenbotschafter. Beim Werbetrip zuletzt in China und Singapur gehörte der Bosnier zur Münchner Reisegruppe. Während dieser Asienreise hatten Hoeneß und Rummenigge verkündet, einen Sportdirektor gefunden zu haben und ihn bald vorzustellen. Salihamidzic, der den Spitznamen “Brazzo” (= Bürschchen) trägt, könnte ein Vertrauter von Hoeneß werden. Nach dem Willen der Vereinsführung soll Salihamizic mitverantwortlich für das neue Nachwuchsleistungszentrum sein und als Bindeglied zwischen Trainer und Mannschaft sowie Vorstand fungieren. Rummenigge hatte einem neuen Sportdirektor zudem einen Sitz im Vorstand in Aussicht gestellt.

Auf der Suche nach einem Sportdirektor hatten sich die Münchener zuvor mehrere Absagen eingehandelt. So lehnte etwa Wunschkandidat Philipp Lahm den Job überraschend ab. Auch den renommierten Gladbacher Manager Max Eberl zog es nicht an die Isar.

asz/sn (dpa, sid)

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Erinnern ist Pflicht, auch 100 Jahre danach

“Na ja, heute haben wir wenigstens Glück mit dem Wetter. Vor 100 Jahren hat es geschüttet”, sagt Jason Monday, der aus dem Dörfchen Borne in Großbritannien nach Flandern gereist ist. Jason Monday hat seinen Großonkel in der dritten Ypern-Schlacht verloren.

Die Erinnerung an das Gemetzel, das am 31.07.1917 im Morgengrauen begann, wurde über die Generationen weitergereicht. “Das vergesse ich meinen Lebtag nicht mehr”, erzählt der Ingenieur, der selbst in der britischen Armee gedient hat.

Tausende von weißen Steintafeln auf dem größten Friedhof der Commonwealth-Streitkräfte in Tyne Cot strahlen an diesem Jahrestag im Sonnenschein. Vor 100 Jahren, als die dritte Ypern-Schlacht begann, regnete es. Die Schützengräben waren mit Wasser gefüllt. Die ganze Gegend um das Dörfchen Passchendaele war eine einzige Wüste aus Schlamm und Bombentrichtern.

Gedenkfeier Erster Weltkrieg Ypernschlacht (DW/B. Riegert)

Der britische Ingenieur Jason Monday hat seinen Großonkel in der dritten Ypern-Schlacht verloren

Der Großonkel von Jason Monday fiel in der drei Monate währenden Schlacht zwischen den Allierten Armeen und den deutschen Besatzern. Am Ende hatten die Allierten das Dorf Passchendaele eingenommen und wenige Quadratkilometer Gelände gewonnen. Dafür starben Zehntausende, hunderttausende Soldaten wurden auf beiden Seiten verwundet.

Heute gelte die Schlacht als Symbol des sinnlosen Stellungskrieges, sagte der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel, der nach Tyne Cot gekommen war. “Hier haben junge Männer aus der ganzen Welt an der Seite Großbritanniens ihr Leben verloren. Deshalb ist es immer noch ein kleines Wunder, dass wir Deutschen zu solchen Veranstaltungen eingeladen werden.”

“Die Lehre heißt Europa”

Gabriel legte gemeinsam mit der Königin der Belgier, Mathilde, einen Kranz am Grab eines unbekannten deutschen Soldaten nieder. Auch von ihnen sind einige in Tyne Cot begraben worden. Das besonders in Großbritannien wache Gedenken an die blutigen Schlachten während des Ersten Weltkrieges entlang der belgischen Nordseeküste ist für Gabriel eine Mahnung. “Das ist vor allem eine Erinnerung daran, was die Lehre aus diesem Morden sein muss, und die heißt Europa!” Mit der britischen Premierministerin, Theresa May, die nach Tyne Cot gekommen war, sprach Gabriel nach der Feier über den  Brexit, der ja das Gegenteil der europäischen Integration darstellt. Einzelheiten nannte er nicht.

Belgien Sigmar Gabriel bei der Gedenkfeier zum 100. Jahrestag der Schlacht von Passchendaele (Getty Images/AFP/J. Thys)

Herzogin Kate, Außenminister Gabriel, Königin Mathilde: Kränze auch für deutsche Kriegsgegner

Rund 4000 Nachkommen von britischen, australischen, kanadischen und südafrikanischen Soldaten waren nach Tyne Kot zum Friedhof gekommen. Aus Feldpostbriefen wurden erschütternde Passagen vorgelesen.

Prinz Charles, der britische Thronfolger, erinnerte an die unmenschlichen Zustände im Jahr 1917. “Der Matsch zog die Lebenden hinab und verschluckte die Toten”, sagte Charles. Giftgas wurde eingesetzt. Wenn man durch den Matsch ging, hatte man oft das Gefühl, auf versunkene Körper zu treten”, schrieb ein deutscher Soldat namens “Otto” in seinem Feldpostbrief. “Das war einfach fürchterlich”.

Die dritte Ypern-Schlacht um das Dörfchen Passchendaele, die von den Militärführungen mit rücksichtloser Härte geführt wurde, beeinflusste den Ausgang des Krieges nicht wesentlich. Das Gelände, das die Allierten gewannen, verloren sie schon bald wieder im Jahr 1918, so die britische Historikern Charlotte Czyzyk, die wir in Tyne Cot treffen.

“Für Briten eine Wasserscheide”

Charlotte Czyzyk, Historikerin Imperial War Museum London (DW/B. Riegert)

Historikern Charlotte Czyzyk: Die Nation wurde vom “Großen Krieg” geprägt

Charlotte Szyzyk sammelt für das Imperial War Museum in London Aussagen und Zeugnisse von Verwandten der Soldaten und fügt sie zu einem sozialhistorischen Bild des Krieges zusammen. Im Gegensatz zu Deutschland spielt der Erste Weltkrieg in Großbritannien in der kollektiven Erinnerung eine herausragende Rolle. 

“Der Erste Weltkrieg war eine gewaltige Umwälzung, eine Wasserscheide. Er war so anders als alles, was man davor gesehen hatte.  Zum ersten Mal war das ganze Land in den Krieg verwickelt”, sagte Charlotte Czyzyk der DW. Jeder musste in Munitionsfabriken arbeiten, für Nachschub sorgen, die Luftangriffe überstehen. “Es war das erste Mal, dass die ganze Nation als solche in einem Krieg engagiert war. Darum finden wir das so interessant.”

Mit seinem Gedicht über den roten Klatschmohn auf den frischen Gräbern in Flandern hat der Lieutenant Colonel John McCrae ein nationales Symbol geschaffen. Auch heute trugen die Gäste der Feier vom Königssohn bis zum Angehörigen natürlich eine rote Mohnblüte “Poppy” am Revers.

Gedenkfeier Erster Weltkrieg Ypernschlacht (DW/B. Riegert)

Laienspieler Patrick (li.) und Wim aus Flandern: Wir zeigen das Leben damals

Zeigen wie es war

“Die Leute, die sich heute erinnern, sollten wissen, wie sich das damals anfühlte, 1914 bis 1918″, meint Wim. Er trägt eine grüngraue Uniform aus Wolle und das passende Schiffchen auf dem Kopf. “Wir stellen die belgische Armee dar, die damals hier gekämpft hat”, erzählen Wim und Patrick.

Die beiden gehören einer Laienspielgruppe an, die das Geschehen des Ersten Weltkrieges in Flandern nachspielt. Sie haben auf dem Gelände des Kriegsmuseums in Zonnebeke ihr Feldlazarett und eine Feldküche mit Gulaschkanone aufgebaut. “Alles Originalgetreu”, versichert Wim.

Die königlichen Gäste und die 4000 Teilnehmer konnten am Nachmittag einen Blick auf die verschiedenen nachgestellten Kriegssituationen werfen. Dazu gehört auch ein nachgebauter Schützengraben in einem aufgewühlten, schlammigen Feld. “Das täuscht allerdings”, so Wim und deutet auf die Bäume und das hohe Gebüsch. Damals vor 100 Jahren stand hier nichts mehr, keine Bäume, kein Strauch, kein Haus. Monatelanger Artilleriebeschuss hatte Flandern in eine Wüste verwandelt. “Hier ist nichts älter als Hundert Jahre”, meint Patrick.

Gedenkfeier Erster Weltkrieg Ypernschlacht (DW/B. Riegert)

Nachgebautes Schlachtfeld: Vor 100 Jahren war alles Schlamm und Tod

Dass die Freundschaft zwischen den Briten und den Belgiern unter dem Brexit leiden wird, glaubt die britische Historikern Charlotte Czyzyk nicht. “Die gemeinsame Geschichte bleibt ja.” Zu den belgischen Behörden und Historikern, die die Friedhöfe in Flandern betreuen, gebe es engste Kontakte. “Egal was jetzt auch passiert. Das wird auch so bleiben. Trotzdem wird es interessant zu sehen, ob sich die Dinge ändern.”

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Beleidigung: Prominenter Journalist in Myanmar muss vor Gericht

Artikel 66(d) des Telekommunikationsgesetzes von Myanmar ermöglicht es, Personen wegen Beleidigung zu verklagen. Die Gerichtsverhandlung müssen die Angeschuldigten zumeist hinter Gittern abwarten, eine Freilassung gegen Kaution ist nicht vorgesehen. Nicht nur die deutsche Heinrich-Böll-Stiftung warnt davor, dass kritische Menschen in dem südostasiatischen Land sehr schnell Gefahr laufen, mundtot gemacht zu werden.

Der Chefredakteur des nicht-kommerziellen Online-Portals “Myanmar Now”, Swe Win, zählt zu den bekanntesten unabhängigen Journalisten des Landes. Er wurde verhaftet, weil er einen einflussreichen buddhistischen Mönch kritisiert hatte. Anhänger des Mönchs Ashin Wirathu von der ultranationalistischen Bewegung Ma Ba Tha hatten daraufhin Strafanzeige gegen den Journalisten gestellt – und sich auf den umstrittenen Artikel 66(d) des Telekommunikationsgesetzes berufen. Swe Win kam nach einem Tag in Haft vorläufig frei. Er muss sich am kommenden Montag in der zweitgrößten Stadt Mandalay vor Gericht verantworten. 

Hintergrund der Vorwürfe gegen Swe Win ist der Mord an dem Juristen Ko Ni Ende Januar. Der muslimische Rechtsanwalt war langjähriger Berater der inzwischen regierenden Nationalen Liga für Demokratie (NLD) der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi. Der Fall hatte für einiges Aufsehen in Myanmar gesorgt. Swe Win hatte einen Facebook-Artikel weiterverbreitet, in dem Ashin Wirathu vorgeworfen wird, den Mord an Ko Ni gutzuheißen. Der Mönch ist für seine anti-muslimische Rhetorik bekannt.

Ashin Wirathu (Getty Images/AFP/R. Gacad)

Sprachrohr der ultranationalistischen Ma Ba Tha und anti-muslimischer Hardliner: Ashin Wirathu

Swe Win wurde auf dem Flughafen von Mandalay verhaftet. Nach Angaben seines Anwalts wollte er nach Thailand reisen. Die Behörden hatten ihr Eingreifen zunächst mit möglicher Fluchtgefahr begründet. 

Myanmar, das ehemalige Birma, ist mit seinen etwa 54 Millionen Einwohnern ein mehrheitlich buddhistisches Land. Seit vergangenem Jahr führt Aung Sang Suu Kyi die Regierungsgeschäfte, die ebenfalls Buddhistin ist. Das Militär, während dessen Diktatur die 72-Jährige viele Jahre in Hausarrest saß, ist weiterhin an der Regierung beteiligt.

rb/uh (afp, ap, dpa, rtr, Heinrich Böll Stiftung)

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