Месечни архиви: November 2017

Grundschulen in Deutschland: Lehrer dringend gesucht

Für viele Kinder in Deutschland ist es etwas ganz Besonderes, wenn sie während ihrer vierjährigen Grundschulzeit mal einen Lehrer, also eine männliche Lehrkraft zu Gesicht bekommen. “Einige sind zuerst so verwirrt, dass sie den Mann mit Frau statt Herr Patterson ansprechen oder sogar Frau Herr Patterson”, sagt Christoph Fantini, Leiter des Fachbereichs Erziehungs- und Bildungswissenschaften an der Universität Bremen im DW-Interview. “Sie haben einfach noch nie einen Mann in dieser Funktion erlebt und wissen nicht, wie sie ihn ansprechen sollen.”

Grundschullehrer: für einige ein unmännlicher Beruf

Deutschland - Rent A Teacherman Projekt an Grundschulen (DW/ C. Bleiker)

Fantini: Kinder wissen nicht, wie sie einen männlichen Lehrer ansprechen sollen.

Grundschullehrer ist in Deutschland ein vorwiegend von Frauen besetzter Job. 2015 waren fast 17.500 für den Studiengang Grundschullehramt eingeschrieben. Und: weniger als 2.500 Männer. Das könnte auch an der Bezahlung liegen, denn die ist an weiterführenden Schulen besser. Pro Monat können das je nach Bundesland mehrere hundert Euro mehr sein. Christoph Fantini glaubt jedoch nicht, dass es an den geringeren Lohnaussichten liegt, die Männer davon abhält, Grundschullehrer zu werden. “Wenn man 18-Jährige fragt, wissen nur die Wenigsten, wie viel ein Grundschullehrer im Vergleich zu einem anderen Lehrer verdient.” Was sie aber wüssten sei, dass es als unmännlich gelte, als Grundschullehrer zu arbeiten. “Sie haben Angst davor, sich um kleine Kinder kümmern zu müssen und Angst, vor dieser emotionalen Nähe.”

Eine Win-Win-Situation für die Kinder und die Männer

Um diese schiefe Wahrnehmung zu ändern, hat Christoph Fantini vor fünf Jahren das Programm “Rent a Teacherman”, zu Deutsch “Leih’ Dir einen Lehrer” ins Leben gerufen. Bremen, die Stadt, in der er unterrichtet, braucht dieses Projekt ganz besonders. Von 90 öffentlichen Grundschulen, haben dort 19 keinen einzigen Lehrer, sondern ausschließlich Lehrerinnen. An genau diesen Schulen assistieren nun männliche Lehramtsstudenten etwa drei Stunden in der Woche innerhalb des Projektes. Es ist eine Win-Win-Situation: Die Kinder erleben Männer als Grundschullehrer und die Studenten wiederum machen wertvolle Erfahrungen und verdienen sich etwas dazu. Finanziert wird das Ganze vom Bremer Bildungsministerium. Insgesamt 36 Lehrer haben bereits unterrichtet oder unterrichten aktuell an 18 Schulen in der Hansestadt.

Erik Schäfer ist einer von ihnen. Der 28-Jährige hat im Mai seine Master-Arbeit eingereicht und wird im Februar 2018 sein Referendariat beginnen. Schäfer hat als “Leih-Lehrer” bereits fünf Jahre Erfahrung an einer Grundschule in Bremer Stadtteil Kirchhuchting gesammelt. An einem Mittwochnachmittag im November sitzt er nun mit vier eifrigen Viertklässlern in seinem wöchentlichen Mathe-Workshop. Dieser freiwillige Kurs richtet sich an jene Kinder, die sich über die Maßen für Mathematik interessieren. “Herr Schäfer, kann ich die nächste Aufgabe lösen?”, fragt einer. “Schauen Sie nicht auf mein Blatt. Ich bin schon fertig” oder “Das ist ganz einfach. Man muss nur ein bisschen logisch denken.”

Deutschland - Rent A Teacherman Projekt an Grundschulen (DW/ C. Bleiker)

“Teacherman” Erik Schäfer über seine Schüler: “Ich kenne diese Jungs, seit sie Erstklässer sind.”

Wie jüngere Geschwister mit dem älteren Bruder

Die Schüler sitzen um zwei Tische herum und wedeln mit ihren Händen direkt vor Erik Schäfers Gesicht herum, um von ihm dran genommen zu werden. Sie buhlen regelrecht um seine Aufmerksamkeit, so wie jüngere Geschwister es manchmal mit dem älteren Bruder tun. “Als ich den Workshop mal eine Zeit lang nicht machen konnte, kamen jede Woche Schüler zu mir und fragten, wann es denn wieder los ginge”, erzählt der angehende Referendar.

Als Erik Schäfer sich damals dafür entschied, bei “Rent a Teacherman” mitzumachen, wollte er mehr Erfahrung sammeln. Über seine Zeit an der Grundschule in Kirchhuchting sagt er, dass sie ihm gezeigt habe, dass er sehr gut mit jüngeren Kindern arbeiten könne und für sich den richtigen Beruf gefunden habe. Auch er hat erlebt, dass Schüler verwirrt waren, wenn plötzlich ein Mann statt einer Frau unterrichtet hat. “Es hat definitiv einige Wochen gedauert, bis sie sich an mich gewöhnt hatten”, sagt er lachend. “Meine langen Haare haben es noch schwieriger gemacht.”

Auch zu Hause fehlt oft eine männliche Bezugsperson

Die Direktorin der Grundschule von Kirchhuchting, Ruth Rauer, ist sehr glücklich darüber, Schäfer in ihrem Kollegium zu haben. Ihre Schule, die aus etwa 170 Schülern und 11 Lehrerinnen besteht, war eine der Ersten, die an dem Projekt “Rent a Teacherman” teilgenommen hat. “In unserem Teil von Bremen ist die Kinderarmut sehr hoch und so wollen wir alles nutzen, was den Schülern helfen könnte”, sagt Rauer in ihrem kleinen Büro neben dem Lehrerzimmer. “Viele der Kinder hier wachsen mit alleinerziehenden Müttern auf. Ihnen fehlt schon zu Hause eine männliche Bezugsperson.” Rauer und ihre Kollegen hätten sehr gerne noch einen weiteren “Teacherman” an ihrer Schule. “Wir können uns unsere Schule gar nicht mehr ohne einen Mann vorstellen”, sagt eine von Erik Schäfers Kolleginnen.

Frauen sind klüger und Männer stärker, oder!?

Ganztagsschule (picture-alliance/dpa/F. Leonhardt)

Vor allem an vielen Grundschulen in Deutschland fehlen männliche Rollenvorbilder.

Der Bedarf an männlichen Vorbildern an Schulen ziehe sich in Deutschland durch alle Gesellschaftsschichten, sagt Christoph Fantini, Gründer des Projekts. Für Kinder wäre es gut zu sehen, dass es keine Jobs gebe, die ausschließlich für Männer oder Frauen vorbestimmt seien. Einer seiner “Leihlehrer” habe die Kinder an einer Schule kürzlich gefragt, warum es ihrer Meinung nach so wenig männliche Lehrer gebe, erinnert sich Fantini. “Ein Junge habe geantwortet: Weil Frauen klüger und Männer stärker seien. Es ist verheerend, wenn Jungen denken, dass sie in der Schule nicht so gut sein könnten wie die Mädchen, weil diese klüger seien.” Das Projekt “Rent a Teacherman” kann das vielleicht ändern.

Als ein Junge, der von einem von Christoph Fantinis Lehrern unterrichtet wird, gefragt wurde, was er für männlich halte, sagte dieser: Kochen, boxen, tanzen und Lehrer sein. Es waren genau jene Dinge, die sein Lehrer der Klasse zuvor als seine Leidenschaften aufgezählt hatte.

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Bitcoin: "Den ersten Hype hatten wir bei 20 Euro"

Deutsche Welle: Alle sprechen von Bitcoins. Lohnt sich es sich denn aktuell überhaupt noch einzusteigen?

Oliver Flaskämper: Auch wenn ich selbst Bitcoin-Fan bin, habe ich Bitcoins nie Jemandem empfohlen und warne sogar eher vor den Gefahren. Ich sage immer, wenn man in dem Bereich etwas machen möchte, dann sollte man sich vorher gut informieren und nicht einfach nur investieren, weil der Kurs so abgeht. Bitcoins sind nichts für schwache Nerven, nichts für Fans von Sparbüchern und sicherlich auch noch nichts für die private Altersvorsorge. Wenn man 50 Prozent Kursrückgang an einem Tag nervlich nicht aushält, dann sollte man die Finger von Bitcoins lassen.

Was ist denn der Nutzen von Bitcoins – außer, dass man darauf hoffen kann, sein Geld zu vermehren?

Wenn man Bitcoins mit einer Währung vergleicht, dann muss man ganz klar sagen, dafür ist Bitcoin mittlerweile nicht mehr geeignet. Meine Definition von Bitcoin ist: Es ist digitales Gold mit der Option zu bezahlen. Ich kann mit Bitcoin theoretisch mein Brötchen beim Bäcker bezahlen oder eben auch ein Auto oder ein Haus. Das ist alles schon passiert. Die wenigsten machen das aber heute noch. Ich bezahle auch – wenn es irgendwie geht – nicht mit Bitcoin. Einfach weil ich weiß, dass der Kurs langfristig eigentlich nur steigen kann. Denn alles um den Bitcoin herum ist inflationär. Ich ärgere mich im Nachhinein über all die Bitcoins, mit denen ich mal bezahlt habe. Die hätte ich gerne heute wieder zurück (lacht).

Aber ist nicht die Hoffnung von Bitcoin eigentlich, dass es jetzt stärker als Zahlungsmittel eingesetzt wird?

Nein. Für mich ist das Thema durch. Bitcoin wird kein Zahlungsmittel werden, welches wir täglich benutzen. Daran reiben sich auch die Kritiker. Aber ich sage Nein! Es gibt viele andere Kryptowährungen, die sich besser eignen. Bitcoin wird das digitale Gold sein. Und dann wird es so eine Art digitales Silber geben, mit dem täglich bezahlt werden wird.

Aber warum ist das Bezahlen bei Kryptowährungen ein Problem?

Die meisten Kryptowährungen haben eine eingebaute Limitierung der Geldmenge. Es gibt nur eine Menge Einheiten bis zu einem gewissen Punkt und dann ist Schluss. Und ich glaube, dass all diese Währungen sich im Endeffekt nicht wirklich dauerhaft zum täglichen Bezahlen eignen, weil einfach die Menschen aufgrund dieser Limitierung diese Währung eher behalten wollen statt sie auszugeben.

Kryptowährungen haben bei vielen Menschen einen schlechten Ruf. Bei dem aktuellen Hype - wird da nicht auch viel Schindluder mit betrieben?

Bitcoin Deutschland AG - Oliver Flaskämper, Vorstand (bitcoin.de)

Oliver Flaskämper – Gründer und Vorstand der Bitcoin Deutschland AG.

Wie immer, wenn irgendwas brummt, gibt es viele Trittbrettfahrer, die jetzt versuchen, Leuten das Geld aus den Rippen zu leiern. Da muss man schon aufpassen. Man muss sich schon ein bisschen informieren und nicht gleich auf die erste Google-Anzeige klicken, sondern vielleicht mal wirklich einen Wikipedia-Artikel durchlesen, es gibt auch ein eigenes Bitcoin-Wiki mit vielen Informationen.

Die US-Notenbank Fed hat bestätigt, dass sie die Kryptowährungen erforsche, aber gleichzeitig dementiert, derzeit etwas Eigenes zu planen. Wäre es denkbar, dass staatliches Geld langfristig von Digitalwährungen abgelöst wird?

Ich glaube, dass Kryptowährungen ein Stück weit ein Gradmesser für die staatlichen Währungen sein werden. Die kommen irgendwann unter Druck und werden eigene Kryptowährungen herausgeben. Es gibt  bereits viele Pläne. Im Hintergrund wird da bereits dran gearbeitet. Staaten werden versuchen, den staatlich unabhängigen Kryptowährungen etwas entgegenzusetzen. Etwas, dass sie kontrollieren können, wo die Geldmenge staatlich gesteuert werden kann.

Um Wirtschaftskrisen auch bekämpfen zu können, brauchen Staaten einfach eine Währung, wo sie die Menge nach Bedarf steuern können. Insgesamt glaube ich aber nicht, dass Kryptowährungen staatliche Währungen ersetzen, sondern immer Parallelwährungen bleiben werden.

Der Bitcoin hat sich in einem Jahr verzehnfacht. Warum glauben Sie, dass da nun so ein Hype ausgebrochen ist?

Das ist nicht der erste Hype! Für mich ist das jetzt nichts Besonderes, nur die Zahlen haben sich geändert. Den ersten Hype hatten wir bei einem Höchststand von 20 Euro. Da denkt man natürlich heute: Was kann das für ein Hype gewesen sein? Aber das war ein Wahnsinnshype aus damaliger Sicht. Denn danach ging der Kurs von 20 Euro auf zwei Euro runter – allerdings innerhalb von 1,5 Jahren.

Den zweiten Hype hatten wir dann bei einem Kurs von zweihundert Euro. Mittlerweile sieht man das im Chart gar nicht mehr. Das ist nicht mehr als ein kleiner Hügel – den kann man gar nicht mehr erkennen. Das war damals aber genauso ein Hype und eine Blase wie heute auch. Nur, dass sich die Werte einfach geändert haben und das sich jetzt natürlich noch mehr Leute dafür interessieren und investieren. Wir werden aus meiner Sicht noch viele geplatzte Blasen haben - und vermutlich genauso viele neue Kursrekorde. Bitcoins sind gekommen um zu bleiben.
 

Oliver Flaskämper ist Gründer und Vorstand der Bitcoin Deutschland AG. Diese betreibt die Handelsplattform Bitcoin.de, den nach eigenen Angaben einzig regulierten Handelsplatz für Bitcoins in Deutschland. 

Das Gespräch führte Nicolas Martin
 

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Smartphone-Sucht bringt die Gehirn-Chemie durcheinander

Einem Forscherteam um den süd-koreanischen Radiologie-Professor Hyung Suk Seo ist es gelungen, Gehirnveränderungen bei Teenagern festzustellen, die regelmäßig das Internet oder Smartphones benutzen.

Die Wissenschaftler von der Korea Universität in Seoul hatten 19 männliche Probanden mit einem Durchschnittsalter von 15 Jahren und sechs Monaten untersucht. Alle litten unter einer Smartphone- oder Internet-Abhängigkeit. Hinzu kamen 19 gleichaltrige ohne diagnostizierte Abhängigkeit als Kontrollgruppe.

Die Forscher präsentierten ihre Ergebnisse am 30. November 2017 auf der Jahrestagung der Radiologischen Gesellschaft Nordamerikas (RSNA) in Chicago.

Sucht messbar machen

Die Ärzte hatten die Schwere der Abhängigkeit mit einem standardisierten Suchttest bestimmt. Darin wurde insbesondere gefragt, wie stark die Nutzung von Internet und Smartphones tägliche Routinen störte und wie sie sich auf Produktivität, Sozialleben, Schlafgewohnheiten und Gefühle auswirkte.

Seo berichtete, dass die abhängigen Patienten signifikant häufiger an Depressionen, Angststörungen, Schlaflosigkeit und Impulsivität litten. Zwölf der Probanden nahmen auch an einer neunwöchigen Verhaltenstherapie teil. Sie wurden jeweils davor und danach untersucht.

Suche nach Neurotransmittern

Die Ärzte nahmen dreidimensionale Bilder der Gehirne der Probanden mit einem Magnet-Resonanz-Spektrometer (MRS) auf. Das ist im Prinzip ein Magnet-Resonanz-Tomograph - also ein dreidimensionales Röntgengerät. Ein MRS ist aber zusätzlich zur üblichen Bildgebung im MRT auch in der Lage, die chemische Zusammensetzung des Gewebes darzustellen.

Dabei suchten die Mediziner gezielt nach Gamma-Aminobuttersäure (GABA) - einem Neurotransmitter im Gehirn, der Nervensignale verlangsamt, sowie nach den Aminosäuren Glutamin und Glutamat, die in einer Wechselwirkung mit GABA stehen und unter anderem steuern, wie stark die Nervenzellen (Neuronen) auf elektrische Impulse ansprechen. GABA beeinflusst unter anderem die Sehfähigkeit ,aber auch motorische Fähigkeiten und verschiedene Gehirnfunktionen, etwa Müdigkeit oder Angst.

Symbolbild Modell des menschlichen Gehirns (picture-alliance/dpa/A. Weigel)

Der cingulare Kortex ist in diesem Modell der äußere rote Bereich. Ganz rechts sitzt der anteriore cinguläre Kortex.

Chemie kommt aus dem Gleichgewicht

Es stellte sich heraus, dass bei den Suchtpatienten der Anteil von GABA im Vergleich zu Glutamat und Glutamin in einem bestimmten Teil des vorderen inneren Gehirns – dem anterioren cingulären Kortex - erhöht war. Und die Mediziner stellten eine signifikante Korrelation zwischen den Messwerten der Neurotransmitter und der ermittelten Abhängigkeit, Depression und Angstzustände fest.

Aber es gibt auch eine gute Nachricht: Das Verhältnis von GABA zu Glutamat und Glutamin normalisierte sich nach der neunwöchigen Verhaltenstherapie bei den zwölf Patienten.

Die Forscher interessiert nun, ob die erhöhten GABA-Werte und das gestörte Gleichgewicht zu Glutamat und Glutamin in dem Hirnabschnitt auch bei anderen Formen von Abhängigkeit auftreten. 

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