Месечни архиви: December 2017

Kannibale mit Niveau: Anthony Hopkins wird 80

Als Hannibal Lecter im “Schweigen der Lämmer” wird Anthony Hopkins Zeit seines Lebens der genialste und grausamste Psychopath der Filmgeschichte bleiben: Lecter ist eigentlich ein brillanter forensischer Psychiater, hatte aber die Angewohnheit seine Patienten zu ermorden und Teile von ihnen zu verspeisen. Er wurde geschnappt und sitzt seit acht Jahren in Sicherheitsverwahrung. Das FBI sucht einen Serienkiller und setzt die junge Polizeianwärterin Clarice Starling (Jodie Foster) auf Lecter an: Lecter soll ihr Informationen zu dem Serienmörder geben.

Er sitzt in einer Zelle am Ende eines düsteren Ganges. Die zierliche Clarice muss den ganzen Gang entlang laufen, vorbei an Zellen mit den widerlichsten Verbrechern, die ihr zuraunen, sie anstarren, obszöne Gesten machen – welches Monster erwartet sie nur am Ende des Ganges? Fix und fertig kommt Starling vor der Zelle mit Lecter an: Er steckt nicht hinter Gittern, sondern hinter einem dicken Sicherheitsglas. Er steht dort und wirkt in seinem Anstaltsoverall wie ein harmloses Männchen.

Anthony Hopkins als Lecter, gefesselt und fixiert(picture-alliance/dpa)

Auch in diesem Zustand darf man Lecter keine Sekunde aus den Augen lassen

Sehr schnell ergibt sich in der ersten Konversation zwischen den beiden: Von dem “Männchen” geht eine diabolische Faszination aus – Lecter mag sicher hinter den Panzerglasscheiben verwahrt sein, doch seine Mimik und seine Worte sprechen eine andere Sprache. Lecter gibt Clarice ein paar Hinweise, nicht ohne innerhalb von wenigen Minuten Clarices Psyche zu sezieren. Natürlich kommt es im Verlauf des Films zu Momenten, in denen Lecter zeigt, dass außer einem genialen Verstand immer noch ein grausamer Kannibale in ihm steckt.

Hopkins schaffte es, selbst gefesselt und fixiert und mit einer Ledermaske im Gesicht der Figur Hannibal Lecter die Aura einer tickenden Zeitbombe zu geben. Und: Er brauchte nur 16 Leinwand-Minuten, um sich mit diesem Auftritt in den Hollywood-Olymp zu katapultieren.

Vom Theater auf die Leinwand

Hopkins hat ein klassisches Schaupielstudium am Cardiff College of Drama in Wales absolviert. Unter Regisseur Sir Laurence Olivier hat er sich am National Theatre bereits Anfang der 1960er Jahre einen guten Ruf als Schauspieler erworben. Dann holte ihn Anthony Harvey für den Film “Der Löwe im Winter” 1968 vor die Kamera. Hopkins gab als Richard Löwenherz ein erfolgreiches Kinodebüt an der Seite von Peter O’Toole.

 Anthony Hopkins als Nixon (picture alliance/United Archives/IFTN)

Bei der Nixon-Biografie führte 1995 Oliver Stone Regie

Trotz des Erfolges blieb Hopkins dem Theater treu, spielte an britischen Bühnen und am Broadway. Doch immer wieder spielte er auch Rollen in TV-Serien, -Filmen oder im Kino. Denn damit ließ sich wenigstens gutes Geld verdienen. Die Schauspielerei verdrängte schließlich Hopkins’ zweites Steckenpferd: die Musik. Denn eigentlich wollte er Musiker werden. Dass er auch dort Talente vorzuweisen hat, zeigt die Arbeit an dem Soundtrack für seinen Film “August” (1996), der allerdings kommerziell nicht erfolgreich war.

Ein großer Erfolg dagegen war sein Leinwandauftritt als Arzt in David Lynchs “Elefantenmensch” (1980). Als grausamer Captain Bligh brillierte er in der 1984er Verfilmung der “Bounty”. Doch erst nach dem Auftritt als Lecter in “Das Schweigen der Lämmer” (1991) kam der große internationale Durchbruch für den Schauspieler.

Keine Angst vor B-Movies

Von da an drehte er einen Film nach dem anderen, manchmal vier Filme pro Jahr. 1992 gab es für die Rolle des Lecter den ersten Oscar als bester Hauptdarsteller, es folgten weitere Oscar-Nominierungen, ein Golden Globe, Emmys und weitere hochdotierte Filmpreise.

Köln Zülpicherstraße Eingang der Kneipe Im Stiefel: Anthony Hopkins bei den Dreharbeiten (Foto: Olga Prokopenko)

Die Kölner Kultkneipe “Im Stiefel” war Drehort für “Collide”

Zwei Mal noch spielte Hopkins den Lecter, hochgelobt wurde er aber auch für seine Leistungen in Filmen wie “Was vom Tage übrig blieb” (1993), “Nixon” (1995) oder “Hitchcock” (2012), in dem er den legendären Filmemacher verkörpert. Er hat mit den größten Regisseuren gedreht: Sir Richard Attenborough, Oliver Stone, Steven Spielberg, Francis Ford Coppola, David Lynch und Jonathan Demme, der beim “Schweigen der Lämmer” im Regiesessel saß.

Auch wenn Hopkins sich als Charakterdarsteller hervorgetan hat, Ausflüge in B-Movies und Kassenflops konnten seinem Image nicht großartig schaden. 2014 war ganz Köln außer Rand und Band, als dort die Dreharbeiten für den Film “Collide” stattfanden. Straßenzüge und Stadviertel waren gesperrt, als Szenen für den Film dort gedreht wurden – unter anderem mit Anthony Hopkins und Ben Kingsley. So stolz die Kölner auch darauf waren, dass Hollywood in die Domstadt gekommen war – das Ergebnis erwies sich als peinlicher Kassenflop.

Mit 80 geht Hopkins nicht in den Ruhestand. Er steht seit 2014 in der Serie “Westworld” als machthungriger Chef eines futuristischen Vergnügungsparks vor der Kamera – und demnächst wird er in der Netflix-Serie “The Pope” Papst Benedikt XVI. spielen.

“Ein bisschen Spaß haben”

HBO Serie Westworld mit Anthony Hopkins als Dr. Robert Ford (picture-alliance/AP Photo/John P. Johnson/HBO)

Anthony Hopkins als Dr. Robert Ford in “Westworld” – ein Serien-Remake des Kinoklassikers aus dem Jahr 1973

Die Karriere hat im Privatleben Hopkins’ Spuren hinterlassen. Er galt immer als menschenscheuer Einzelgänger, das ging schon in der Schule los, als er sich lieber mit seinem Klavier beschäftigte als mit seinen Kumpels. Er wurde gemobbt, weil er ein bisschen langsamer war als die anderen Schüler. Als Erwachsener legte sich der Schauspieler des öfteren mit seinen Regisseuren an, hinzu kamen ein Alkoholproblem und mehrere zerbrochene Beziehungen. Dreimal hat Hopkins geheiratet.

1993 wurde er von Queen Elizabeth II. zum Ritter geschlagen – seitdem trägt er den Titel Sir Anthony Hopkins.

Ein Erfolgrezept hat Hopkins nicht. Er habe einfach nur Glück gehabt, sagte er dem US-Magazin “Men’s Health”: “Manchmal kommt man an eine Tür, hat Glück, und sie öffnet sich.” Man könne nur wenige Dinge steuern. “Ich denke, man soll im Leben sein Bestes geben, freundlich, großzügig und hilfsbereit sein und dabei ein bisschen Spaß haben.”

Source Article from http://www.dw.com/de/kannibale-mit-niveau-anthony-hopkins-wird-80/a-41943437?maca=de-rss-de-all-1119-rdf

Weder GroKo noch Jamaika: Ins neue Jahr ohne neue Regierung

Es war kurz vor Mitternacht am 19. November, als Angela Merkels Traum von einer Jamaika-Koalition platzte. Da stand FDP-Chef Christian Lindner im hell erleuchteten Gebäude der Parlamentarischen Gesellschaft vom Verhandlungstisch auf und erklärte, dass es der FDP jetzt reiche. Die Liberalen könnten keine Politik mittragen, von der sie nicht überzeugt seien. Lindner sprach vor der Tür noch einige Sätze in die Mikrofone und verschwand in die Nacht.

Zurück blieben, entgeistert und enttäuscht, die Kanzlerin und die Unterhändler von CDU, CSU und Grünen. Angela Merkel hatte sich ihrer vierten Amtszeit schon nahe gewähnt, sie hatte das neue schwarz-gelb-grüne Regierungsbündnis für möglich gehalten – und nun das. In den wochenlangen Sondierungsgesprächen hatten sich inhaltliche Gräben aufgetan, die auch die erfahrene Strategin Merkel nicht überbrücken konnte.  

Deutschland Jamaika-Koalition Abbruch Sondierungsgespräche | Christian Lindner, FDP (Reuters/H. Hanschke)

“Es ist besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren.” FDP-Chef Christian Lindner brach die Jamaika-Verhandlungen ab

Die Republik verändert sich     

Im Superwahljahr 2017 hat Merkel also nicht geschafft, was ihr schon dreimal gelungen war: Einige Wochen nach der Wahl ein neues Kabinett und einen mehr oder weniger dicken Stapel Papier zu präsentieren, auf dem “Koalitionsvertrag” steht. Die neuen Mehrheitsverhältnisse im Bundestag engten ihren Spielraum ein – erstmals ist die rechtspopulistische AfD mit 12,6 Prozent der Stimmen ins Parlament eingezogen.

Und die CDU hatte so massiv an Stimmen verloren, dass sie außer mit der SPD kein Zweierbündnis schmieden konnte. Ein Grund dafür war Merkels umstrittene Flüchtlingspolitik, die zu einem Zerwürfnis mit der bayerischen Schwesterpartei CSU geführt und die Gesellschaft polarisiert hatte. Nie zuvor war war die Kanzlerin im Wahlkampf mit “Hau-ab”-Gebrüll und “Merkel-muss-weg”-Rufen traktiert worden. Nun setzte sie auf ein schwarz-gelb-grünes Bündnis, aber vergebens. “Jamaika-Aus” wurde zum Wort des Jahres gekürt – und in Sachen Regierungsbildung war wieder alles offen.

Binz Wahlkampf CDU - Merkel (Reuters/A. Schmidt)

Merkel-Gegner bei einer Wahlkampfveranstaltung in Binz auf der Insel Rügen

Merkel allein zu Haus

Die Deutschen gelten als beständig, auch in der Politik. Helmut Kohl, der im vergangenen Juni starb, war 16 Jahre lang Bundeskanzler. Angela Merkel ist seit 2005 im Amt und fühlt sich berufen, es ihm gleichzutun. Allein, sie findet dafür keine Partner mehr. Wer mit oder vielmehr unter Angela Merkel regiert, sagen ihre Kritiker, den regiert sie in den Abgrund, den marginalisiert sie. 

Die vergangenen drei Bundestagswahlen zeichnen davon ein klares Bild: 2009, nach der ersten großen Koalition, verlor die SPD massiv an Stimmen. 2013 flogen die Liberalen nach vier gemeinsamen Regierungsjahren mit Merkel aus dem Bundestag und brauchten lange, um sich wieder hochzurappeln. Es folgte erneut eine große Koalition, die sich für die SPD ein weiteres Mal nicht auszahlte: Am 24. September erlitten die Sozialdemokraten das größte Wahldebakel ihrer Geschichte. Die einst so stolze Volkspartei stürzte auf nur 20,5 Prozent der Stimmen ab. 

Berlin Kanzleramt Merkel (Reuters/M. Schreiber)

Wer will noch mal? Noch nie war die Regierungsbildung so schwierig für Angela Merkel

Vorübergehende Wechselstimmung

Dabei hatte das Jahr für die SPD vielversprechend begonnen: Ende Januar trat Vizekanzler Sigmar Gabriel, in dem nur wenige Sozialdemokraten einen schlagkräftigen Merkel-Herausforderer sahen, von seinem Amt als SPD-Chef zurück. Als seinen Nachfolger und Kanzlerkandidaten präsentierte er Martin Schulz, den langjährigen Präsidenten des Europaparlaments.

Diese Entscheidung wirkte auf die Sozialdemokraten wie ein lang ersehnter Befreiungsschlag. Sie feierten Schulz, den Buchhändler aus Würselen, wie einen Retter und Heilsbringer. Tausende neue Mitglieder traten in die SPD ein. Mit sensationellen 100 Prozent der Stimmen wurde Schulz zum Parteivorsitzenden gewählt. Zeitgleich schossen die Umfragewerte für die Sozialdemokraten in die Höhe und überstiegen zeitweise die der CDU. Wechselstimmung lag in der Luft.

Wahlkampf der SPD Bayern mit Kanzlerkandidat Schulz (picture-alliance/dpa/K.Nietfeld)

Martin Schulz wollte der nächste Bundeskanzler werden – und landete bei kläglichen 20,5 Prozent der Stimmen

Doch der “Schulz-Hype” entpuppte sich als Strohfeuer: Nacheinander verlor die SPD die Landtagswahlen im Saarland, in Schleswig-Holstein und in ihrem Kernland Nordrhein-Westfalen. Wer dort verliert, lautet eine politische Faustformel, kann im Bund nicht gewinnen. So kam es dann auch: Angela Merkel, die sich von der Euphorie rund um Martin Schulz unbeirrt zeigte, holte in den Umfragen auf und lag schon im Frühsommer wieder klar vorne. Martin Schulz seinerseits wusste kein Kapital daraus zu schlagen, dass er innenpolitisch unverbraucht war und Merkels schwarz-rotem Kabinett nicht angehörte: Er verzettelte sich im Wahlkampf und setzte die Kanzlerin inhaltlich zu wenig unter Druck.

Aus dem miserablen Ergebnis zog er noch am Wahlabend Konsequenzen: Die große Koalition sei abgewählt worden, rief Schulz im Willy-Brandt-Haus seinen Anhängern zu, die seine Worte mit tosendem Applaus quittierten. “Ich habe der SPD-Parteiführung deshalb heute Abend empfohlen, dass die SPD in die Opposition geht.” Dort werde seine Partei sich “grundsätzlich neu aufstellen” und sich wieder glasklar von der CDU unterscheiden. In einer gemeinsamen Regierung funktioniere das nicht. 

Steinmeier gegen Neuwahlen

Doch nach dem “Jamaika-Aus” klingelte bei Martin Schulz das Telefon: Es war Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der ihn ins Schloss Bellevue einlud – ebenso wie die Parteivorsitzenden von CDU und CSU. Von da an war es für die SPD vorbei mit der Regeneration in der Opposition. Die Botschaft des Staatsoberhaupts: Als zweitstärkste Partei trage auch die SPD eine Verantwortung dafür, dass Deutschland wieder eine stabile Regierung bekomme. Neuwahlen seien keine akzeptable Lösung.

Spitzentreffen beim Bundespräsidenten (picture-alliance/dpa/K. Nietfeld)

Spitzentreffen beim Bundespräsidenten: Steinmeier lud die Vorsitzenden von CDU, CSU und SPD, Angela Merkel, Horst Seehofer und Martin Schulz, zu einem gemeinsamen Gespräch ein

Und so richten sich alle Augen plötzlich wieder auf die SPD, die Angela Merkel nach der Wahl noch als “nicht regierungsfähig” bezeichnet hatte. Doch davon ist keine Rede mehr, seit die CDU-Chefin machtbewusst auf das Projekt “GroKo 3″ zusteuert. Ihre Partei hatte hinter Merkel gestanden, nachdem die Jamaika-Sondierungen gescheitert waren, auch den Streit mit der Schwesterpartei CSU hat sie beigelegt. Nun fehlte nur noch ein Koalitionspartner.

“Ergebnisoffene Gespräche”

Martin Schulz geriet in Zugzwang. Schließlich erklärte er sich zu “konstruktiven, aber ergebnisoffenen” Sondierungsgesprächen mit der Union bereit. Das Verhandlungsmandat holte er sich von einem Parteitag, auf dem allerdings viele Sozialdemokraten eindringlich davor warnten, zum dritten Mal in eine große Koalition unter Merkels Führung einzutreten. Dort könne die SPD zentrale Punkte ihres Programms nicht umsetzen – etwa die Bürgerversicherung oder den Familiennachzug für Flüchtlinge. 

Saarbrücken Juso Bundeskongress (picture-alliance/dpa/O. Dietze)

Die SPD sollte nicht wieder in eine große Koalition, eine GroKo gehen, meinen die Jusos

In ihrem Unbehagen über eine Neuauflage des ungeliebten Bündnisses bringt die SPD nun auch andere Modelle ins Spiel, etwa eine sogenannte Kooperations-Koalition, die sich nur auf einige gemeinsame Ziele festlegt und strittige Punkte offen lässt. Von solchen Vorschlägen hält Merkel wenig. Eine große Koalition hätte im neuen Bundestag, der mit 709 Abgeordneten der größte aller Zeiten ist, eine klare Mehrheit von 399 Stimmen. Kommt sie nicht zustande, wird die Luft dünn für Merkel. Denn ob die CDU im Fall von Neuwahlen weiterhin geschlossen hinter ihr stünde, ist fraglich.     

Verhandlungen ab Januar 

Die Hängepartie dauert an. Der Mehrheit der Wähler missfällt sie, die Wirtschaft drängelt und Verbündete in Europa wundern sich. “Bon courage”, viel Glück, wünschte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kürzlich Angela Merkel. Ohne eine neue deutsche Regierung kommt er mit seinen Reformplänen in der EU nicht weiter.

Am 7. Januar sollen die Sondierungsgespräche beginnen. Da Martin Schulz seiner Partei versprochen hat, sie in jeden Schritt einzubeziehen, will er sich vor der Aufnahme von Koalitionsverhandlungen die Zustimmung eines Parteitags holen. Die größere Hürde kommt danach: Bevor die SPD erneut in eine große Koalition eintritt, dürfen die 440.000 Mitglieder darüber abstimmen. Vor Ostern, so die allgemeine Prognose, wird die neue Regierung kaum stehen. Und so endet das außergewöhnliche Wahljahr 2017 damit, dass die alte große Koalition die Geschäfte weiterführt, bis sich eine neue große Koalition zusammengerauft hat – vielleicht.

Source Article from http://www.dw.com/de/weder-groko-noch-jamaika-ins-neue-jahr-ohne-neue-regierung/a-41846114?maca=de-rss-de-all-1119-rdf