Месечни архиви: January 2018

Trump ruft zur Geschlossenheit auf

Alle US-Bürger seien “ein Team, ein Volk, eine amerikanische Familie”, sagte Präsident Donald Trump in seiner ersten Rede zur Lage der Nation vor beiden Häusern des Kongresses. Alle sollten zusammen an dem Ziel arbeiten, ein “sicheres, starkes und stolzes Amerika” zu bauen.

Trump bot auch den oppositionellen Demokraten eine parteiübergreifende Zusammenarbeit an. “Heute Abend rufe ich alle von uns auf, unsere Differenzen beiseite zu legen, nach Gemeinsamkeiten zu suchen, und die Einigkeit zu erzielen, die wir brauchen, um den Menschen, die uns gewählt haben, zu dienen”, so der US-Präsident.

Konkret warb Trump um Kooperation bei einem von ihm geplanten Mammutprogramm zur Modernisierung der US-Infrastruktur und um einen Konsens bei der Einwanderungsreform. Dabei versicherte der Präsident, bis zu 1,8 Millionen illegal ins Land gekommenen jungen Einwanderern eine Einbürgerung ermöglichen zu wollen. Migranten, die bestimmte Anforderungen erfüllten und einen “guten moralischen Charakter” hätten, sollten die Möglichkeit haben, die US-Staatsbürgerschaft zu erlangen. Im Gegenzug forderte er allerdings Geld für den geplanten Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko. Differenzen in der Immigrationspolitik hatten erst vor kurzem zu einer dreitägigen Haushaltssperre und damit zum weitgehenden Stillstand der Bundesbehörden geführt.

Rosige Zukunft

Die von ihm durchgesetzte Steuerreform rühmte der US-Präsident in seiner Rede als historische Errungenschaft. Dadurch werde eine enorme Entlastung für die Mittelschicht und kleine Unternehmen geschaffen. Trump sprach in diesem Zusammenhang von einem “neuen amerikanischen Augenblick”. Es habe nie eine bessere Zeit gegeben, damit zu beginnen, “den amerikanischen Traum zu leben”.

Trump verwies zudem auf die gute konjunkturelle Verfassung der USA. Die Wirtschaft lege zu und an den Aktienmärkten gebe es Rekorde. Seit der Präsidentschaftswahl seien 2,4 Millionen Arbeitsplätze entstanden. “Nach Jahren stagnierender Löhne sehen wir nun steigende Löhne”, fügte er hinzu. Abermals machte der Staatschef deutlich, dass er beim internationalen Handel keine Regelverletzungen dulden wolle. “Wir werden die amerikanischen Arbeiter und geistiges Eigentum der Amerikaner schützen, indem wir unsere Gesetze mit Stärke durchsetzen.”

USA Donald Trump Rede zur Lage der Nation (Reuters/J. Bourg)

Im Publikum: die meisten Parlamentarier aus Repräsentantenhaus und Senat sowie etliche hochrangige Gäste

“Noch nicht so weit”

Im Konflikt um das nordkoreanische Atomprogramm warnte Trump vor Zugeständnissen an das isolierte Regime. Dessen “rücksichtsloses Streben” nach Atomraketen könne sehr bald die USA bedrohen. Ihr eigenes Atomwaffenarsenal müssten die USA modernisieren und umbauen, sagte Trump. “Vielleicht wird es eines Tages einen magischen Moment geben, in dem die Länder der Welt zusammenkommen, um ihre Atomwaffen zu vernichten. Leider sind wir noch nicht so weit.” 

Das umstrittene Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba will Trump erhalten, wie er klarstellte. Er habe einen entsprechenden Erlass unterzeichnet, teilte der Präsident mit. Trump revidiert damit eine Entscheidung seines Vorgängers Barack Obama, der das Lager eigentlich schließen wollte. Es war nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 unter dem damaligen Präsidenten George W. Bush errichtet worden, um dort mutmaßliche islamistische Terroristen festzuhalten. Derzeit hat es noch 41 Insassen.

Schlechte Umfragewerte

Im Gegensatz zur polarisierenden Rhetorik vieler seiner früheren Ansprachen und Twitter-Botschaften bemühte sich Trump in der mit viel Pathos gespickten Rede offenkundig darum, eine versöhnliche und pragmatische Botschaft auszusenden. Gut ein Jahr nach seinem Amtsantritt findet laut Umfragen eine Mehrheit der US-Amerikaner, Trump habe als Präsident die Spaltung der Vereinigten Staaten noch weiter vorangetrieben.

wa/se (afp, dpa, rtr)

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"Syrien kann nicht warten"

Das syrische Volk alleine solle über das politische System des Landes entscheiden, heißt es in der Abschlusserklärung der von Russland, dem Iran und der Türkei gemeinsam initiierten Friedenskonferenz. Zu den in Sotschi vereinbarten “Grundprinzipien”, um Syrien aus dem Bürgerkrieg zu führen, gehöre ein demokratischer Weg mit Wahlen. Der Name des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad wird in der Erklärung nicht erwähnt.

Die Konferenzteilnehmer verständigten sich zudem auf die Einsetzung eines Ausschusses, der über Änderungen an der syrischen Verfassung beraten soll. Die UN würden sich um die Zusammensetzung des Ausschusses kümmern, sagte der UN-Syriengesandte Staffan de Mistura. “Syrien kann nicht warten”, so der italienisch-schwedische Diplomat.

“Maßgeschneidert” für Assad?

“Die Bedingungen sind gegeben, ein tragisches Kapitel in der Geschichte Syriens zu beenden”, erklärte Kreml-Chef Wladimir Putin in einem Grußwort. Zwar boykottierten die wichtigsten syrische Rebellengruppen die Konferenz. Doch auch deren Vertreter könnten noch in die Verfassungskommission aufgenommen werden, versicherte der russische Außenminister Sergej Lawrow.

Syrien-Friedenskonferenz in Sotschi (Reuters/S. Karpukhin)

Das Konferenz-Logo, das nur die offizielle syrische Flagge zeigt, sorgte für weitere Absagen von Oppositionellen

“Die Sotschi-Erklärung interessiert uns nicht, über sie wird nicht einmal diskutiert”, betonte Mustafa Sedschari von der “Freien Syrischen Armee”. Das Treffen sei auf Machthaber Assad und sein “Terrorregime” maßgeschneidert worden.

Auch die westlichen Staaten sehen die russische Friedensinitiative mit Skepsis, da sie befürchten, dass Putin damit versucht, eine Nachkriegsordnung im Interesse Assads durchzusetzen. Russland gilt als der wichtigste Verbündete der syrischen Präsidenten und hat ihn letztlich durch das eigene militärische Eingreifen seit 2015 an der Macht gehalten.

Russland, die Türkei und der Iran treiben seit einiger Zeit einen separaten Friedensprozess in Syrien voran. Parallel dazu laufen unter der Schirmherrschaft der UN in Genf Verhandlungen, die aber seit langem in einer Sackgasse stecken.

wa/se (rtr, afp, dpa)

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Marcus Schenkenberg: "Versace war ein Design-Genie"

Bis heute gilt Gianni Versace als einer der größten Modedesigner aller Zeiten. Für zahlreiche Stars, darunter Lady Diana, Sting oder Elton John, kreierte er Unikate.

Zum 40-jährigen Bestehen des Modelabels präsentiert der Berliner Kronprinzenpalais bis zum 13. April 2018 insgesamt 300 herausragende Exponate internationaler Sammler: Kreationen für Prominente wie Madonna, George Michael oder Prince, Accessoires und Einrichtungsgegenstände befinden sich darunter. Nach Angaben der Veranstalter ist dies die bisher weltweit größte Ausstellung mit Werken des Modeschöpfers. 

Einer, der eng mit Gianni Versace zusammenarbeitete, ist das Model Marcus Schenkenberg. Besonders in den 1990ern zierte er die Kampagnen von Versace. DW-Redakteur Gero Schließ hat das Model am Rande der Ausstellungseröffnung in Berlin getroffen. 

Deutsche Welle: Herr Schenkenberg, Sie haben mit vielen Designern zusammengearbeitet. Was war das Besondere an Gianni Versace?

Marcus Schenkenberg: Gianni Versace war der größte und berühmteste Designer in den 90ern. Er war ein regelrechtes Design-Genie. Er hatte diese Rock ‘n’ Roll Fashion Shows mit Lenny Kravitz als Live-Act. Ich habe viel für ihn gearbeitet: für seine Fashion-Shows oder die Kampagne mit Stephanie Seymour. Außerdem war ich auf dem Cover seines Buches “Men Without Ties”. Dadurch verbrachte ich viel Zeit mit ihm. In seiner Villa in Miami, in der er später ermordet wurde, aßen wir auch zusammen zu Abend.

Schwedisches Starmodel Marcus Schenkenberg posiert in einer Tiger gemusterten Versace Jacke

Marcus Schenkenberg ließ sich die Eröffnung der Versace-Retrospektive nicht entgehen

Gibt es etwas Bestimmtes, das Sie an seiner Mode mochten?

Ich mochte seine Leder-Outfits. In den 90ern habe ich viel Leder getragen, zum Beispiel Lederhosen und Ledershirts. Er hatte auch diese farbenfrohen Seidenhemden aus seiner Miami-Kollektion. Wenn du das getragen hast, gab es immer einen Wow-Effekt bei den Leuten. Meine Versace-Shirts hingen immer ganz vorne in meinem Kleiderschrank. Ich war stolz darauf, genauso wie Elton John in London. Mein Gott, er hatte einen Kleiderschrank wie diesen Raum hier, voll mit Versace-Sachen. Unglaublich!

Glauben Sie, es gibt eine Chance auf ein Versace-Revival?

Ich bin mir nicht sicher, seine Kleidung ist doch aus der Mode mittlerweile. Aber wer weiß, Modetrends kommen wieder. Vielleicht werden es seine Leder- und Seidenkreationen sein. Das kann man nie genau vorhersagen.

Sie haben sehr eng mit ihm gearbeitet. Haben Sie sich manchmal wie seine Muse gefühlt? Oder dass er ganz speziell nur für Sie designte?

Nein, das Gefühl hatte ich nicht – auch wenn das ein schöner Gedanke wäre. Aber wer weiß, vielleicht war es so (lacht). Doch Gianni Versace hat seine Kleidung für viele Menschen gemacht.

Marcus Schenkenberg in London (picture alliance/dpa/H. Jordan)

Das Model bei der Buchvorstellung von “Men Without Ties” 1995 in London

Versace hat immer gesagt, seine Models seien wie seine Familie für ihn. Haben Sie sich als Teil der Familie gefühlt?

Ja, schon ein bisschen. Wir haben zum Beispiel in seiner Wohnung in Mailand gemeinsam gegessen, sind für die Signierstunde zu “Men Without Ties” zusammen nach London gereist und waren bei Elton John zu Hause. Er war sehr nett und sehr offen, aber auch sehr professionell.

Wie waren die Fotoshootings für ihn? War er dabei?

Nein, normalerweise war er nicht dabei. Aber bei allen Modenschauen. Wenn ich auf den Laufsteg ging, legte er selber Hand an, richtete die Krawatte oder das Hemd. Er war sehr bei der Sache.

Welche Versace-Kampagne mochten Sie am liebsten?

Die Kampagne mit Stephanie Seymour, mit der ich damals etwas hatte. Ich war sehr aufgeregt, vielleicht ein bisschen zu sehr. Wir haben sechs Tage lang in New York gearbeitet. Bei dem Shooting war ich nackt und ich konnte mich kaum kontrollieren…

Vermissen Sie Gianni Versace heute?

Nun, es ist fast 21 Jahre her, dass er starb. Es ist traurig, dass er auf so gewalttätige Art sterben musste. Es war so früh, er wurde nur 50 Jahre alt – so alt, wie ich dieses Jahr werde.

Marcus Schenkenberg wurde 1968 in Solna bei Stockholm geboren. In den 1990ern war er das gefragteste Männermodel. Seinen Durchbruch hatte er mit einer Jeanskampagne für Calvin Klein. Er arbeitete unter anderem für Karl Lagerfeld, Donna Karan, Joop und immer wieder für Gianni Versace. Nach wie vor ist er bei Modelagenturen unter Vertrag und eines der bestbezahlten Männermodels.

Das Interview führte Gero Schließ.

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Feinstaub und Stickoxide: Auch das ist die Berliner Luft

Zugegeben: Es war schon mal schlimmer. In den 1980er Jahren kannte Berlin richtigen Smog-Alarm, so wie man ihn heute aus chinesischen Großstädten meldet. Das passierte besonders im Winter bei windstillen Wetterlagen. Man konnte den Dreck in der Luft sehen – als gelbliche Dunstglocke über der Stadt. Man konnte die Abgase aber auch riechen.

Bis weit in die 1990er-Jahre hinein waren die vielen Kohleöfen in Berlin ein Hauptgrund für diesen Smog. Nach der deutschen Wiedervereinigung floss viel Geld in die Modernisierung der Heizungsanlagen. Die anderen Großverschmutzer waren Industrie- und Kraftwerksschornsteine und der Autoverkehr. Insbesondere die Viertakt-Autos im Ostteil der Stadt, der weltbekannte Trabant beispielsweise, sorgten für schlechte Luft.

Berlin, Gedächtniskirche bei Smog, 1987 (picture-alliance/akg-images/H. Kraft)

Winter 1987: Smog in Berlin

Doch das ist Geschichte. Die schlechte Luft kann man in der Regel nicht mehr sehen oder riechen. Berlin ist insoweit ein gutes Beispiel dafür, wie das wachsende Umweltbewusstsein in Deutschland Früchte getragen hat. Viele Luftschadstoffe treten inzwischen in unkritischen Konzentrationen auf. Seit Filter in den Heizkraftwerken eingebaut wurden, ist Schwefeldioxid kein großes Problem mehr, wie der Berliner “Tagesspiegel” kürzlich berichtete. Im Autoverkehr wurden neue Kraftstoffe, Abgaskatalysatoren und bessere Motoren eingeführt. Dadurch sei auch die Konzentration von Benzol und Schwermetallen zurückgegangen.

Stickoxide und Feinstaub sind aktuell die größten Probleme

Doch es gibt auch heute noch Gefahren: durch Stickoxide aus dem Auspuff von Diesel-Fahrzeugen, durch Feinstaub und den Abrieb der Reifen.

Vor zehn Jahren wurde in der Berliner Innenstadt eine Umweltzone eingerichtet. Seither dürfen nur noch Autos hineinfahren, die hohe Abgasnormen erfüllen. Doch das hilft den Menschen in den Außenbezirken auch nicht weiter. Zudem sind die Werte in der Umweltzone zwar graduell aber nicht ausreichend verbessert geworden.

Dazu kommt eine Berliner Besonderheit: Der Feinstaub wird je nach Wetterlage manchmal von weit außerhalb in die Stadt hinein geweht: aus Polen, weniger als 100 Kilometer östlich von Berlin entfernt. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation liegen viele der schmutzigsten Städte der EU in Polen, weil es dort viele veraltete Kohlekraftwerke gibt. Dreht in Berlin der Wind auf Ost oder Südost, dann kommt die Luft genau aus diesen Gebieten.

Wie wird gemessen?

Auf das Berliner Stadtgebiet sind rund drei Dutzend Container und Laternen als landeseigene, also offizielle Messstellen verteilt. Wie hoch aber die Belastung vor allem mit Stickstoffdioxid (NO2) tatsächlich ist, darüber gibt es unterschiedliche Aussagen.

Berlin Luftgüte-Messstation in Berlin (picture-alliance/dpa/T. Brakemeier)

Wer an großen Straßen wohnt, muss besonders schlechte Luft einatmen

Als erlaubt gelten im Durchschnitt höchstens 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft. So lautet die Vorgabe der EU, die seit 2010 gilt. Kein Geheimnis ist, dass die Grenzwerte an allen großen Straßen in Berlin überschritten werden. Offizielle Stellen hatten zuletzt für 2016 “nur” von maximalen Werten bis zu 66 Mikrogramm gesprochen. Die Deutsche Umwelthilfe hat wegen dieser Überschreitungen seit vielen Jahren Berlin, sowie 60 weitere Städte und Gemeinden verklagt.

Im vergangenen Dezember machten noch schlechtere Zahlen Schlagzeilen: Die Technische Universität hatte zusammen mit dem öffentlich-rechtlichen Sender RBB einen “Abgasalarm für Berliner Straßen” ausgerufen. Es gebe ein ”flächendeckendes Luftverschmutzungsproblem” berichtete “rbb24.de” anhand eigener Messwerte von 73 Straßen und insgesamt 110 Messstationen. Das waren viel mehr Messpunkte als die der Berliner Verwaltung. An manchen Straßen sollen die Werte fast doppelt so hoch sein wie zulässig. Übrigens: Die schmutzigsten Straßen liegen demnach im international beliebten Szene-Kiez Neukölln.

Berlin hat eigenen Nothilfe-Plan beschlossen

Das Problem ist auch beim Regierenden Bürgermeister von Berlin, dem Sozialdemokraten Michael Müller, angekommen. Müller regiert in einer Koalition mit der Linkspartei und den Grünen. Seit ein paar Monaten veranstaltet er sogenannte Mobilitätsgespräche mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Das erste dieser Treffen fand bereits im September 2017 statt – also noch vor dem “Diesel-Gipfel” der Bundesregierung im November, der finanzielle Hilfen für besonders betroffene Kommunen beschlossen hat.

Beim zweiten “Berliner Mobilitätsgespräch” Mitte Januar hat der Berliner Senat ein Bündel von Maßnahmen beschlossen, um kurz- und mittelfristig die Berliner Luft zu verbessern. Damit soll – und das ist das eigentliche Ziel – ein Verbot von Dieselfahrzeugen abgewendet werden. Ein solches Verbot hängt wie ein Damoklesschwert über Berlin und anderen deutschen Großstädten. Davon betroffen wären nicht nur Berufspendler mit ihrem PKW, sondern auch Handwerksbetriebe mit kleinen und mittelgroßen LKW. Deshalb wird ein großer wirtschaftlicher Schaden befürchtet, falls es zu einem Fahrverbot käme.

Die Deutsche Umwelthilfe hat gegen andere deutsche Städte wie Stuttgart und Düsseldorf bereits Klage eingelegt, um Fahrverbote zu ermöglichen. Dagegen haben die Städte Revision eingelegt. Ein endgültiges Urteil vom Bundesverwaltungsgericht wird für den 22. Februar erwartet.

Berlin will weg vom Diesel

Der Berliner Zehn-Punkte-Plan beinhaltet unter anderem eine Umstiegsprämie für alte Diesel-Taxis, von denen in Berlin noch viele unterwegs sind. Kleine Firmen sollen zudem Geld bekommen, wenn sie auf Elektrofahrzeuge umsteigen. Das Land Berlin selbst will seinen Fuhrpark elektrifizieren und 30 Elektro-Busse kaufen. Die beliebten Ausflugsdampfer der Berliner Schiffsflotten bekommen Stickoxidkatalysatoren.

Deutschland Berufsverkehr in Berlin (picture alliance/dpa/M. Kappeler)

Berufsverkehr in Berlin: Der Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel soll gefördert werden

Außerdem sollen Staus bekämpft werden – unter anderem mit weiteren Zonen, in denen nicht mehr als 30 Stundenkilometer gefahren werden darf. Die Schaltung der Ampeln will man optimieren. Derzeit sind viele Ampeln so eingestellt, dass man an fast jeder Ampel halten muss. Genervte Taxi-Fahrer erzählen immer wieder, dass sei bewusst gemacht worden, um den Autoverkehr unattraktiv zu machen.

Weitere Maßnahmen sollen den Umstieg auf Busse, Bahnen und U-Bahn attraktiver machen. Berlin gibt ohnehin schon viel Geld für den Ausbau seiner Fahrradwege aus, jetzt soll noch mehr investiert werden.

Die EU macht weiter Druck

Manche Beobachter rechnen damit, dass es noch 2018 zumindest zu einem partiellen Fahrverbot für alte Dieselfahrzeuge in Berlin kommt, je nachdem, wie das Bundesverwaltungsgericht Ende Februar entscheidet. Andere Berechnungen geben dagegen Entwarnung.

Viel dürfte auch davon abhängen, wie sich die EU-Kommission verhält, die neun Mitgliedstaaten Klagen vor dem Europäischen Gerichtshof angedroht hat. Allein in Deutschland wurden nach Angaben der EU-Kommission anhaltende Grenzverstöße in 28 Gebieten festgestellt.

EU Gipfel Luftreinheit Hendricks (AFP/Getty Images/J. Thys)

Die deutsche Umweltministerin Barbara Hendricks war in Brüssel zum Rapport geladen

Ein Treffen des EU-Umweltkommissars mit seinen Amtskollegen aus den betroffenen Mitgliedsstaaten ging nach Aussage der deutschen Umweltministerin ohne “Entwarnung” aus. “Ich halte eine Klage der Kommission für durchaus möglich, aber es ist nicht sicher”, sagte die Sozialdemokratin Barbara Hendricks nach dem Gespräch in Brüssel.

Auch Berlin wird also weitere Schritte unternehmen müssen. Nachkommende Generationen könnten dann ähnlich berichten, wie heutzutage über die einst so schmutzige Stadt vor dem Fall der Berliner Mauer. Nach dem Motto: Gut, dass es nicht mehr so ist wie in den “guten alten Zeiten”.

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