Месечни архиви: April 2019

Ajax Amsterdam siegt bei Tottenham Hotspur

Es lief die 31. Spielminute im herrlichen neuen Stadion von Tottenham Hotspur. Ajax Amsterdam hatte bis dahin keinerlei Respekt gezeigt vor der imposanten Kulisse in der erst vor einem Monat eingeweihten Arena, den gewaltigen Gesängen der englischen Fans und der einfachen Tatsache, dass es sich um ein Auswärtsspiel handelte.

In dieser ersten halben Stunde hatten die jungen Wilden alle Statistiken angeführt: mehr Ballbesitz, mehr Ecken, mehr Torschüsse – und ein Tor. Erzielt von einem, der eigentlich nicht so sehr im Fokus steht, wenn es um die Superlative in Bezug auf den Hochgeschwindigkeitsfußball der Niederländer geht: Mittelfeldmann Donny van de Beek, der schon gegen AEK Athen und Juventus Turin getroffen hatte, durfte sich die Ecke quasi aussuchen, in die er den Ball in der 15. Minute einschob – zum 1:0 (1:0)-Endstand. So wenig Gegenwehr gab es bis dahin von Tottenham.

Damit hat Ajax im Rückspiel am Mittwoch in der Johan-Cruyff-Arena beste Chancen, zum ersten Mal seit 1996 ins Finale der Königsklasse einzuziehen. Wie schon bei den Siegen über Titelverteidiger Real Madrid oder Juventus Turin mit Cristiano Ronaldo präsentierte Ajax atemberaubenden Tempofußball und spielte in London so, als wäre es dort zu Hause. Bis zu jener 31. Minute.

Bruch im Spiel

Da prallte Tottenhams Jan Vertonghen ganz übel mit seinem Mitspieler Toby Alderweireld und Spurs-Torwart André Onana zusammen und blieb benommen und blutüberströmt liegen. Lange wurde der Abwehrhüne am Kopf behandelt, stand dann wieder auf und durfte nach einem Kleiderwechsel (das weiße Outfit war blutverschmiert) wieder zurück aufs Spielfeld. Allerdings nur kurz. Nach wenigen Augenblicken taumelte er vom Platz, kaum in der Lage, auf eigenen Beinen in die Kabine zu gehen.

Ein Schock für die Fans, die Vertonghen stehend Applaus spendeten – doch nicht für dessen Mitspieler, die erneut den Ausfall eines wichtigen Spielers verkraften mussten, nachdem ja schon beide Torjäger (Harry Kane und Heung-Min Son) ausgefallen waren. Plötzlich kamen die Gastgeber besser ins Spiel, die Dominanz der Niederländer schwand. Und als in der 53. Minute das gewaltige “Oh when the Spurs go marching in” im neuen Stadion angestimmt wurde, kehrte die Hoffnung zurück, dass vielleicht doch noch was ging gegen die so stark aufspielenden Niederländer. Und dass aus dem lästigen 0:1 im eigenen Stadion, das schon am Wochenende eine Derby-Niederlage erlebt hatte, vielleicht noch ein besseres Rückspiel-Resultat herausspringen könnte.

In seinem ersten europäischen Halbfinale seit 57 Jahren gelang dem Verein aus der Premier League in der Folge seine stärkste Phase. Vor allem in der Nachspielzeit der ersten Hälfte kam Tottenham mehrmals gefährlich in die Nähe des Ajax-Tores.

Ajax bringt Sieg über Zeit

Und obwohl Ajax ausgeruhter ins Duell gegangen war – die Liga hatte wegen der historischen Partie extra pausiert – kämpfte Tottenham auch nach dem Seitenwechsel um jeden Zentimeter, während Ajax im Vergleich zum ersten Durchgang seltsam passiv wirkte. Zum Ausgleich reichte es für Tottenham trotz der deutlichen Leistungssteigerung aber nicht mehr. 

Ein einziger bis zum Ende durchgespielter Angriff in der 78. Minute brachte noch einmal Gefahr für das Tottenham-Tor von Hugo Lloris, aber David Neres traf nur den Pfosten. Dann war Schluss, Ajax gewann verdient, setzte wieder einmal auswärts ein Ausrufezeichen und verschaffte sich eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel einer Woche. Doch nicht das 1:0 des von Borussia Dortmund umworbenen van de Beek wird im Kopf bleiben - sondern das Bild von Vertonghen, der sichtlich gezeichnet mit Verdacht auf Gehirnerschütterung vom Feld wankte und damit erneut die Diskussion um einen besseren Schutz der Spieler entfachte. 

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Trump mischt wieder in der Geldpolitik mit

US-Präsident Donald Trump hat die heimische Notenbank Federal Reserve (FED) wieder hart attackiert. Er forderte die Senkung des Leitzinses um einen Prozentpunkt und mehr Anleihen-Aufkäufe durch die FED – also de facto ein Anwerfen der Notenpresse zur Ankurbelung der Wirtschaft. “Dann würden wir abgehen wie eine Rakete” schrieb Trump im Kurznachrichtendienst Twitter.

Die Federal Reserve hatte in den vergangenen drei Jahren versucht, ihre Geldpolitik langsam zu normalisieren. Der Leitzins wurde von praktisch Null schrittweise auf einen Korridor von 2,25 bis 2,50 Prozent angehoben. Das Programm der Anleihekäufe wurde gestoppt und teilweise zurückgeführt. Die FED hält aber noch immer weit mehr Staatsanleihen – und damit Staatsschulden – als vor der Finanzkrise.

Der US-Wirtschaft gehe es derzeit gut, twitterte Trump weiter. “Mit unserer wundervoll niedrigen Inflation könnten wir Rekorde brechen und unsere Staatsschulden niedrig aussehen lassen”, meinte er. Auch China stimuliere seine Wirtschaft und lasse die Zinsen niedrig. Die Federal Reserve habe hingegen unaufhörlich die Zinssätze angehoben, obwohl die Inflation sehr niedrig sei, und Anleiheverkäufe veranlasst.

Trumps Einflussnahme auf die Politik der Federal Reserve wird international mir Argusaugen beobachtet. “Ich bin sicherlich besorgt über die Unabhängigkeit von Zentralbanken in anderen Ländern, besonders im wichtigsten Land der Welt”, wurde der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, jüngst zitiert. Auch die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, äußerte sich kritisch zur Frage der Unabhängigkeit der Notenbanken insgesamt. “Unabhängigkeit hat ihnen gute Dienste geleistet und wird es hoffentlich auch künftig tun”, sagte Lagarde.

FED entscheidet am Mittwoch 

Ihren Zinsentscheid will die FED an diesem Mittwoch bekanntgegeben. Allgemein wird erwartet, dass der Leitzins unverändert bleibt. In diesem Jahr hat die US-Notenbank den Zins noch nicht angetastet und im März signalisiert, dass er 2019 möglicherweise gar nicht verändert wird.

Trump nominiert Vertrauten für FED-Direktorenposten      

Trump hatte zuletzt immer wieder scharfe Kritik an der nach seiner Ansicht zu straffen Geldpolitik der Währungshüter geübt. Für einen vakanten Direktorenposten bei der Notenbank nominierte der Präsident zudem seinen Vertrauten und Ex-Wahlkampfberater Stephen Moore, der für Zinssenkungen eintritt.

Stephen Moore - US-amerikanischer Schriftsteller und Wirtschaftskommentator (picture-alliance/B. Cahn)

Stephen Moore soll im FED-Direktorium Trumps Politik umsetzen

Moore ist Ökonom und Senior Fellow der konservativen Denkfabrik Heritage Foundation. Der Senat muss der Personalie noch zustimmen. Derzeit sind im Direktorium der amerikanischen Zentralbank nur fünf von nominell sieben Posten besetzt.

se/haz (rtr, ap, dpa, afp, WSJ)

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Herantasten an einen schwierigen Partner

Die Pressekonferenz von Außeminister Heiko Maas mit seinem brasilianischen Kollegen Ernesto Araújo in Brasilia geriet am Dienstag zu einer einseitigen Sache. Kaum Fragen zu den deutsch-brasilianischen Beziehungen, dafür konnte man die gemeinsame Position zu den Unruhen im Nachbarland Venezuela präsentieren. Deutschland wie Brasilien erkennen den selbsterklärten Interimspräsidenten Juan Guaidó an. Es ist derzeit eines der wenigen Politfelder, auf denen man einer Meinung ist.

“Das Thema der bilateralen Beziehungen geriet in den Hintergrund”, so der deutsch-brasilianische Politikwissenschaftler Oliver Stuenkel gegenüber der DW. “Aber das war gar nicht so schlecht, denn das Verhältnis zwischen Deutschland und Brasilien ist gerade nicht einfach. Aber bei Venezuela stimmen die beiden überein, und so konnte man nach außen Einigkeit projektieren”, so Stuenkel. “Da war Maas wohl ganz froh drüber.”

Die Klima-Frage

Was bei dem Treffen mit Araújo und dem neuen, rechtspopulistischen Präsidenten Jair Messias Bolsonaro dann tatsächlich beredet wurde, ist nicht bekannt. Deutschland braucht Brasilien besonders in Sachen Klimaschutz dringend. Denn ohne den südamerikanischen Riesen wird ein globales Abkommen nicht erfolgreich sein können.

Allerdings will Bolsonaro den Amazonaswald eher abholzen und wirtschaftlich ausbeuten als schützen. Araújo hält den Klimawandel sowieso für eine marxistische Lüge, propagiert von multilateralen Gremien wie den Vereinten Nationen. Vergessen sind die Zeiten, in denen beide Länder gemeinsam global den Klimaschutz vorantrieben. “Es ist eine traditionelle Partnerschaft, in der ein Partner gerade durch eine radikale Veränderung geht”, so Stuenkel. Jetzt müsse man abtasten, wie man miteinander auskommt.

Ein schwieriges Unterfangen

Bolsonaro steht offen gegen die von Maas auf seiner Lateinamerika-Tour vertretenen Werte “Menschenrechte und Multilateralismus”. Unter dem Slogan besucht Maas im Anschluss auch noch Kolumbien und Mexiko, wo er Partner sucht als Gegengewicht zu den sich isolierenden USA und den autoritären Regierungen wie in China und Russland. Die Initiative soll Ende Mai in Berlin in ein Außenministertreffen münden. 

Bundesaußenminister Maas in Brasilien (picture-alliance/dpa/F.Sommer)

Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro begrüßt Außenminister Heiko Maas

Maas setzte in Brasilien auch ein auffallendes Ausrufezeichen gegenüber dem erklärten Donald-Trump-Fan Bolsonaro. So traf er sich am Montag in der Küstenstadt Salvador erst einmal mit dem Gouverneur des Teilstaates Bahia, Rui Costa. Dieser gehört der von Bolsonaro verhassten Oppositionspartei PT an. Zudem gab Maas dort den Startschuss für ein Netzwerk für Frauenrechte. Es klang fast wie eine symbolische Ohrfeige für Bolsonaro, der sich in der Vergangenheit oft herablassend über Frauen und Minderheiten ausgelassen hatte. 

“Das hat schon seinen Sinn”, glaubt Stuenkel. “Man kann Bolsonaro nicht ganz ohne symbolische Kritik entgegentreten. Und Deutschland ist sehr einflussreich in Brasilien und kann nicht einfach business as usual machen. Die Symbolik ist also wichtig.” Die Bundesregierung müsse zeigen, dass sie zu der brasilianischen Zivilgesellschaft stehe, auch wenn deren Rechte gerade von Bolsonaro eingeschränkt würden.

Hoffnung auf harte Worte

Doch die symbolische Diplomatie in homöopathischen Dosen fand nicht nur Zuspruch. Harte Worte hätte man sich von Heiko Maas erhofft, so Ulrich Delius, Direktor der Gesellschaft für bedrohte Völker, gegenüber der DW. “Man reist zu Bolsonaro um ihn für den Multilateralismus zu gewinnen. Das ist als ob man Putin fragt, ob er sich einem Netzwerk für Rechtsstaatlichkeit anschließt. Was denkt sich die deutsche Außenpolitik, wie weit glaubt sie damit in Brasilien zu kommen?” 

Bolsonaro sei der falsche Mann für solche Initiativen, denn er verenge zusehends die Spielräume für die brasilianische Zivilgesellschaft. “Es gibt ja eigentlich eine knallharte Agenda, die angesprochen werden müsste, nämlich dass rechtsstaatliche Standards von dieser Regierung immer weiter runtergefahren werden. Mit einer Agenda über Frauenrechte ist man da vollkommen falsch aufgehoben.”

Die Rolle deutscher Unternehmen

Delius fordert auch von deutschen Unternehmen in Brasilien mehr Engagement. Mit rund 1000 deutschen Firmen ist die Metropole São Paulo der größte deutsche Wirtschaftsstandort weltweit. “Wir warten auf klare Kommentare. Die Unternehmen müssen zu unseren europäischen Werten stehen, und zwar nicht nur daheim, sondern auch im Ausland.” Deutschland habe zudem in den letzten Jahren Steuergelder in den Schutz des Amazonaswaldes gesteckt. “Da wäre es schon wichtig, dass Deutschland sich jetzt klar meldet.”   

Oliver Stuenkel glaubt jedoch, dass Symbolik derzeit besser ankommt als offen zur Schau getragene Kritik. “Der Besuch war ein guter Kompromiss. Jetzt muss man entscheiden, ob es auf einer höheren Ebene zu einem Staatsbesuch kommen soll.” Letztlich müsse die Kanzlerin halt mit jedem auskommen. “Innerhalb dessen, was möglich ist, war der Besuch also insgesamt erfolgreich.”

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Guaido ruft Schlussphase im Machtkampf mit Maduro aus

In Venezuela sieht Oppositionsführer Juan Guaido die entscheidende Phase im Machtkampf mit Präsident Nicolas Maduro gekommen. Das Ende der Unterdrückung durch Maduro habe begonnen, sagte der selbst ernannte Interimspräsident in einem Video, das auf seinem Twitter-Konto veröffentlicht wurde.

Dabei war er in Begleitung von Männern in Militäruniform. Guaido deutete an, er werde aus den Reihen des Militärs unterstützt. “Die nationalen Streitkräfte haben die richtige Entscheidung getroffen, und sie zählen auf die Unterstützung des venezolanischen Volkes”, sagte Guaido, der sich nach eigenen Worten beim Luftwaffenstützpunkt La Carlota bei Caracas befand. Guaido rief weitere Einheiten des Militärs des südamerikanischen Landes dazu auf, sich ihm anzuschließen. Seine “Operation Freiheit” gehe jetzt in die entscheidende Phase. 

Die sozialistische Regierung von Präsident Maduro hingegen sprach von nur einer kleinen Gruppe Soldaten, die sich Guaido angeschlossen hätten. “In diesem Moment schalten wir eine kleine Gruppe verräterischer Soldaten aus”, schrieb Kommunikationsminister Jorge Rodriguez auf Twitter. Später war von Putschversuch die Rede. “Wir rufen das Volk dazu auf, in maximaler Alarmbereitschaft zu bleiben.”
 

Der Oppositionsführer Leopoldo Lopez wurde ebenfalls auf dem Luftwaffenstützpunkt gesehen

Der Oppositionsführer Leopoldo Lopez wurde ebenfalls auf dem Luftwaffenstützpunkt gesehen

Oppositionsführer befreit

Der seit Jahren inhaftierte venezolanischen Oppositionsführer Leopoldo López gab unterdessen auf seinem Twitter-Konto bekannt, dass er aus dem Hausarrest befreit worden sei. “Militärs haben mich auf Anweisung von Präsident Guaido befreit”, schrieb López. “Jetzt ist die Stunde, um die Freiheit zu erringen”, schrieb Lopez auf Twitter. “Kraft und Glaube.” Nach eigenen Angaben befindet er sich ebenfalls auf dem Luftwaffenstützpunkt La Carlota.

Der Gründer der Oppositionspartei Voluntad Popular sitzt seit 2014 in Haft. Damals waren bei Protesten gegen die Regierung mehr als 40 Menschen ums Leben gekommen. Ein Gericht verurteilte ihn wegen Anstachelung zur Gewalt zu fast 14 Jahren Haft. Zuletzt saß der Oppositionsführer im Hausarrest. Zahlreiche Regierungen und Menschenrechtsorganisationen sehen in Lopez einen politischen Gefangenen.

Für Mittwoch hat Guaido die größten Proteste in der Geschichte des Landes angekündigt. Maduro bezeichnet Guaido als Marionette in einem von den USA gesteuerten Umsturzversuch.

lh/fab (dpa, rtr)

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Englisch bedroht Sprachenvielfalt in Nigeria

Die Studentin Titilope Keshinro spricht selbstverständlich Yoruba, wenn sie ihre Kommilitonen an der Universität von Ibadan im Südwesten Nigerias trifft. Die Sprache, die in der Regionen sowie im Nachbarland Benin von 40 Millionen Menschen gesprochen wird, begeistert sie so sehr, dass sie Linguistik und Yoruba studiert. Auch wenn die offizielle Sprache in Nigeria Englisch ist, sagt Keshinro: “Ich profitiere mehr, wenn ich Yoruba spreche.”

In Ibadan sind aktuell 50 Studierende im Bachelor- und Master-Programm für Yoruba eingeschrieben. Berufschancen gibt es durchaus: Absolventen arbeiten als Lehrer oder in Medienunternehmen. Richtig populär ist indigene Sprache jedoch nicht: In den vergangenen Jahren sind mehrere Artikel und nicht repräsentative Studien dazu erschienen – alle kommen zu dem Ergebnis, dass die Sprache an Sprechern, vor allem aber an Interesse und Bedeutung verliert.

Englisch als Hemmnis

Die am schnellsten wachsende Sprache im Süden Nigerias ist Pidgin-Englisch. In Ibadan beobachtet Professor Oye Taiwo, Leiter des Yoruba-Sprachzentrums, seit Jahren einen weiteren Trend: “Die Eliten meinen, je mehr sie mit ihren Kindern Englisch sprechen, desto besser verstehen diese Englisch.”

Nigeria Ibadan - Studierende der Universität Ibadan (DW/K. Gänsler)

Diese drei Studierenden sind begeistert von ihrem Yoruba-Studium

Bei dem Linguisten sorgt das für Kopfschütteln. Mit Yoruba als Grundlage würden Kinder Englisch später viel schneller lernen. Professor Taiwo und seine Mitarbeiter machen deshalb viel Werbung für die Rückkehr zur indigenen Sprache. “Eine Zeitlang sind wir in private Kindergärten und Grundschulen gegangen, um mit den Lehrern zu sprechen. Ihre Einstellung hat sich gewandelt.” Letztendlich entschieden jedoch die Eltern darüber, welche Sprache zu Hause gesprochen wird.

Laut dem Ethnologue, einer jährliche Publikation über die Sprachen der Welt, werden in Nigeria 517 unterschiedliche Sprachen gesprochen. Neben Yoruba sind Haussa und Igbo die großen Verkehrssprachen. An der staatlichen Umaru Musa Yar’adua Universität in Katsina im Norden Nigerias wünscht sich Historiker Musa Ahmed Jibril, der die Fakultät für Geschichte leitet, dass nicht nur zu Hause indigenen Sprachen mehr Bedeutung beigemessen wird, sondern auch an den Hochschulen. Englisch – obwohl als Sprache der Elite angesehen – sei häufig ein Hemmnis. “Wenn wir unsere Forschungsarbeiten in unserer Muttersprache durchführen könnten, dann wären wir viel weiter.” Denn viele Studenten hätten Schwierigkeiten, sich auf Englisch auszudrücken: “Spricht man aber in ihrer Muttersprache mit ihnen, stellt man fest: Sie haben Potenzial.”

Identifikation durch Sprache

Hochschuldozenten haben in Nigeria jedoch kaum eine Stimme. Mehr Aufmerksamkeit hat im vergangenen Jahr Chimamanda Ngozi Adichie erhalten. Die weltbekannte Autorin von “Die Hälfte der Sonne” und “Americanah” betonte anlässlich der siebten Igbo-Jahreskonferenz, dass sie mit ihrer Tochter nur Igbo spricht. Englisch würde diese später lernen. “Manchmal sind die Leute geschockt, dass mein Kind Igbo spricht. Eltern, die Igbo sprechen, sagen, dass sie ihre Kinder nicht verwirren wollen. Und dann melden sie sie zum Französisch-Unterricht an.” Damit plädiert die Autorin auch für eine Gleichwertigkeit der Sprachen. Wichtig sei dabei der Gebrauch im Alltag.

Nigeria - Musa Ahmed Jibril: Fakultät für Geschichte (DW/K. Gänsler)

Musa Ahmed Jibril erlebt, dass sich Studenten auf Englisch nicht gut ausdrücken können

Doch das ist manchmal kompliziert, etwa bei Chidi M. Ukwu, der in der Hauptstadt Abuja ein Medienunternehmen leitet. Sein Vater war Igbo; aufgewachsen ist er jedoch Lagos, das im Yoruba-Sprachgebiet liegt. Ukwu spricht Yoruba, aber kein Igbo. Die Frage nach seiner Muttersprache begleitet ihn sein Leben lang: “Vor vielen Jahren stellte mich eine Freundin einer ihrer Freundinnen vor. Sie sagte: Chidi spricht übrigens kein Igbo. Daraufhin antwortete ihre Freundin: Das tut mir leid. Diese Begegnung vergesse ich nicht. Warum bemitleidet mich jemand, den ich gar nicht kenne?”

Gerade in Nigeria, wo sich Viele stärker über ihre ethnische Zugehörigkeit als mit dem Staat identifizieren, würden Menschen stark über ihre Sprache wahrgenommen. “Das hat möglicherweise mehr negative als positive Assoziationen”, sagt Ukwu. Denn Sprachen sorgen einerseits zwar für ein Zugehörigkeitsgefühl. Andererseits kann man mit ihnen aber auch ausgrenzen, spalten und Stereotype schaffen.

Nigeria - Nigeria Abuja - Zeitungsverkauf (DW/K. Gänsler)

In Nigeria erscheinen Tageszeitungen fast ausschließlich auf Englisch

Die Familie von Chidi Ukwu spricht heute Englisch miteinander. “Es ist die einzige Sprache, in der wir uns alle gut ausdrücken können.” Seine Kinder würde er jedoch ermuntern, so viele Sprachen wie möglich zu lernen. “Meine Tochter scheint Haussa sehr zu mögen. Sie macht den Akzent nach, versteht Wörter und Begrüßungen.”

Sprachen beim Spielen lernen

Der Taxiunternehmer Umar Aliyu stammt aus dem Bundesstaat Adamawa im Norden des Landes und lebt mit seiner Familie in der Hauptstadt Abuja. Auch seine drei Söhne sollen Haussa lernen – beim Spielen mit Freunden. Zu Hause, da ist er streng, wird nur Fulfulde gesprochen – die Muttersprache von Aliyu und seiner Ehefrau. “Das habe ich schon vor ihrer Geburt entschieden.” Warum er darauf besteht, fasst Umar Aliyu so zusammen: “Sprache bedeutet Identität. Verliert man seine Sprache, verliert man seine Identität.”

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