Месечни архиви: May 2019

Drogendeal im Kinderzimmer: Neue Netflix-Serie spielt in Deutschland

Netflix setzt weiter auf Drogenrausch: Nach den erfolgreichen TV-Serien “Narcos” , “Ozarks” und “Breaking Bad” hat der Streaming-Dienst mit der neuen Serie ”How to Sell Drugs Online (Fast)” (Wie man im Internet schnell Drogen verkauft) nun erneut eine Drogen-Dealer-Serie gestartet. Fernab von den bisherigen Schauplätzen, von mexikanischen Kartellen und Narko-Saaten, verlegt Netflix die Serie nun in eine fiktive deutsche Provinz.

Dort will Schüler Moritz der Kleinstadt-Tristesse und seiner eigenen Durchschnittlichkeit als Computernerd entkommen, indem er mit seinem nicht nur besten, sondern auch einzigen Kumpel Lenni, dem Traum eines erfolgreichen Start-ups nachhängt. Dabei stolpern die beiden Jungs, eher beiläufig, im Netzt auf einen regen Handel mit Ecstasy-Pillen – eine scheinbar geniale Geschäftsidee.

Netflix-Serie How to Sell Drugs Still (picture-alliance/dpa/Netflix)

Bjarne Mädel als Provinz-Drogen-Dealer in der Netflix -Serie “How to Sell Drugs Online (Fast)”

Sie eröffnen kurzerhand einen Online-Shop im Darknet, beliefert einem Kleinganoven-Provinz-Dealer (hervorragend besetzt mit Schauspieler Bjarne Mädel). Der digital völlig unkundige Drogenhändler ist anfangs beeindruckt von seinen jungen scheinbar geschäftstüchtigen Komplizen, den Drogen-Dealern 2.0.

Die Geschichte von “Shiny Flakes”

Der Plot Teenies, die aus dem Kinderzimmer heraus global Drogen verticken, während Papa und die kleine Schwester unten am Abendbrottisch warten, an dem gemeinerweise auch noch Handyverbot herrscht. Dick aufgetragen, mag man meinen. Doch Inspiration der Serie war die wahre Geschichte des 20-jährigen Leipziger “Kinderzimmer-Dealers”. 

Über die Seite “Shiny Flakes” generierte der junge Mann mit weltweiten Drogenverkäufen Millionen-Umsätze. 2015 flogen er und sein illegaler Handel auf. Mutmaßlich hatte er einen 51-jährigen Komplizen. Aus dieser Konstellation entrollt Netflix nun mit der neuen Serie “How To Sell Drugs” ein Generationengemälde.

Es ist ein Porträt der Generation Z. Die Alterskohorte der etwa zwischen 2000 und 2012 geborenen und bereits in zweiter Generation “Digital Natives”. ” Wir sind die Generation, der unbegrenzten technischen Möglichkeiten, die das gesamte Wissen der Menschheit in der Hosentasche trägt”, sagt der Erzähler eingangs, der in der Serie immer wieder die dritte – imaginäre – Wand durchbricht und sich aus der Szene heraus direkt an die Zuschauer wendet. 

Symbolbild Videostreaming (picture-alliance/dpa/A. Warnecke)

Extrem erfolgreich auf dem Markt der TV-Serien: Netflix

Was hat diese Generation aus ihren unbegrenzten digitalen Möglichkeiten gemacht? Den totalen Chat. Unentwegt poppen in der Serie Fenster verschiedener Chat-Verläufe auf und übertragen so die Unruhe des ständigen Kommunikationszwangs und die drängende Allgegenwart der Sozialen Medien.

Verschränkt ist dies mit allerlei Zutaten klassischer High-School-Filme und Teenie-Vorabend-Serien. Zufällig ist der Vater von Moritz auch noch von Beruf Drogenfahnder. Damit haben sich die Drehbuchschreiber offenbar bewusst eine Anleihe bei der Erfolgsserie ”Breaking Bad ” gegönnt, um die neue Serie dramaturgisch auf Trab zu halten

Kleinstadt statt Drogenmetropole 

Mutig von den Machern wie von Netflix: Die Serie ist nicht etwa in der international immer verkäuflichen Hauptstadt-Kulisse Berlins angesiedelt, sondern in dem kleinen Ort Rinseln: Eine austauschbare fiktive Nullachtfünfzehn-Kleinstadt.

Jan Böhmermann (picture-alliance/Eventpress)

Erfolgreich, aber umstritten: Satiriker Jan Böhmermann

Gedreht wurde im dafür im offenbar ausreichend provinziellen Köln. Die Rheinmetropole, die in Manchen Stadtvierteln wirkt wir ein Dorf, ist auch Sitz der Produktionsfirma “bildundtonfabrik”. Die verantwortet auch das “Neo Magazin Royale”, die beliebte Late-Night-Show von Satiriker Jan Böhmermann.

Ob sich das bisweilen recht klamaukige neue Serienformat aus dem Hause Böhmermann auf dem globalen Streamingmarkt behaupten kann, wird sich erst erweisen müssen.

“How to Sell Drugs Online (Fast) ist seit dem 31. Mai  2019 auf Netflix zu sehen. Bisher sind vier Folgen verfügbar.

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Zweiter Weltkrieg: Als 19.000 Polen in Afrika Zuflucht fanden

Als Jonathan Durand mit Mitte zwanzig das erste Mal nach Afrika reiste, überkam ihn dort ein seltsames Gefühl von Heimat. “Das war merkwürdig für einen jungen weißen Mann aus Kanada”. Erst allmählich verstand Durand, weshalb ihm die Umgebung so vertraut vorkam. Denn während und nach dem Zweiten Weltkrieg lebte seine polnische Großmutter zeitweise in einem Flüchtlingslager im heutigen Tansania. Ihre Erzählungen von einer ungewöhnlichen Kindheit am Fuße des Kilimandscharo hatten sich in seine Seele eingebrannt: “Wenn eine polnische Großmutter erzählt, dass sie am höchsten Berg Afrikas auf Safari gegangen ist, dann beflügelt das die Vorstellungskraft eines Kindes”, erzählt Durand im DW-Interview.

Als junger Geschichtsstudent wunderte er sich, dass er über die Geschichte seiner Vorfahren kaum Informationen finden konnte. Auch sein Professor hatte noch nie von den polnischen Flüchtlingslager in Afrika gehört. “Da fing ich fing an, zu recherchieren”, erinnert sich Durand. Die Zeugnisse seiner Großmutter über das Leben im kleinen Ort Tengeru im Norden Tansanias motivierten den Filmemacher, sich auf eine emotionsgeladene Reise zu begeben. Es war eine Suche nach der Herkunftsgeschichte seiner Familie, die Durand inzwischen dokumentarisch aufgearbeitet hat: “Memory is our Homeland” heißt sein Film, der 2018 auf dem RDIM Filmfestival in Montreal mit dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde – das Ergebnis von neun Jahren Forschungsreisen durch Osteuropa, den Nahen Osten und Afrika.

Eine komplexe Migrationsgeschichte

Dokumentarfilm Memory is Our Homeland (www.memoryisourhomeland.com )

Kazia Gerech (in der Tür) vor der Hütte ihrer Familie im Jahr 1946

Durands Großmutter Kazia Gerech lebte mit ihren Geschwistern und Eltern von 1942 bis 1949 in einfachen strohgedeckten Hütten in Tanganjika, das damals als Mandatsgebiet von Großbritannien verwaltet wurde. Die polnische Gemeinde in dem kleinen Ort Tengeru baute Gemüse an, stellte Schuhe her, Matten und Gegenstände aus Sisal. Auf seinen Reisen in die ehemaligen Orte der Flüchtlingslager in Südafrika, Tansania und Sambia stellte Durand bei Gesprächen mit älteren Menschen fest: “Sie hatten gute Erinnerungen an die Polen, es waren oft ihre ersten Kontakte zu Weißen.” Und auch aufseiten der Geflüchteten seien die Beziehungen zur lokalen Bevölkerung positiv in Erinnerung geblieben, sagt Durand. “Sie waren jung. Diese interkulturellen Begegnungen haben sie in ihrer Menschlichkeit geprägt.”

“Es war ein freundliches Nebeneinander”, bestätigt auch die Migrationsforscherin Julia Devlin. Sogar Gottesdienste seien in manchen Fällen gemeinsam gefeiert worden. Devlin kennt die Hintergründe der Odyssee, die rund 19.000 Menschen aus Polen über Umwege nach Afrika brachte. Alles begann mit dem geheimen Zusatzprotokoll des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakts vom August 1939, in dem sich Nazi-Deutschland und die Sowjetunion Polen und weitere Teile Osteuropas de facto untereinander aufteilten. Nur wenige Tage später drangen beide Mächte in Polen ein.

Wie die Nazis im Westen Polens, begann auch die Sowjetunion in ihrem Teil des besetzten Landes ethnische Säuberungen durchzuführen. Hundertausende Polen, darunter auch viele Juden, wurden in vier Wellen nach Sibirien und Kasachstan deportiert, wo sie größtenteils auf Kolchosen arbeiten mussten. Doch 1941 wendete sich das Schicksal der Deportierten praktisch über Nacht.

Über den Iran nach Afrika

“Nach dem deutschen Angriff  auf die Sowjetunion holten die Alliierten die Russen in ihren Kreis, um Hitler zu bekämpfen”, erklärt die Historikerin Devlin. Polen nahm daraufhin diplomatische Kontakte zur Sowjetunion auf und bewirkte die Freilassung der polnischen Deportierten. “Die Idee der polnischen Regierung war, dass diese Menschen eine Armee bilden sollten, die an der Seite der Alliierten gegen Hitler kämpft.” Freiwillige wurden aufgerufen, sich in Busuluk im Süden der Sowjetunion zu sammeln, um dort die Armee zu bilden. Doch es kamen nicht nur wehrfähige Männer. In der Hoffnung, die Sowjetunion endlich verlassen zu können, machten sich polnische Deportierte aus allen Teilen des Landes auf die beschwerliche Reise.

Dokumentarfilm Memory is Our Homeland (www.memoryisourhomeland.com )

Insgesamt rund 19.000 polnische Geflüchtete, darunter viele Kinder, verbrachten den Krieg in Afrika

Weil die immer größer werdende Armee mitsamt den Zivilisten in Busuluk nicht mehr ausreichend versorgt werden konnte, entschieden sich die Alliierten, die Polen außer Landes zu bringen -zunächst in den Iran. Während die Männer dort eine militärische Ausbildung erhielten und kurze Zeit später das Land Richtung Italien verließen, blieb zunächst unklar, was mit den Zivilisten passieren sollte. “Keine Land wollte sie lange aufnehmen”, so Julia Devlin. Schließlich erklärte sich die britische Regierung bereit, für die Zivilisten Unterkünfte in britischen Kolonial- und Mandatsgebieten zu suchen. So gelangten die ehemals Deportierten nach Tansania, Südafrika, Simbabwe und andere Teile des britischen Einflussbereichs, wo sie vor dem Krieg sicher waren.

Die Großmutter auf Originalaufnahmen

Dokumentarfilm Memory is Our Homeland (www.memoryisourhomeland.com )

Ein polnischer Friedhof in Tansania

Nach Kriegsende drängten die Verantwortlichen in Afrika darauf, die Geflüchteten wieder loszuwerden. “Die afrikanischen Länder waren auf dem Weg in die Unabhängigkeit und wollten keine Relikte, die sie an die Kolonialherrschaft erinnerten”, erklärt Devlin. Nach und nach verließen die Polen ihre Gastländer und immigrierten nach Großbritannien, Australien oder Kanada. “In ihre Heimat konnten sie nicht – das war sowjetisches Land.”

Jonathan Durands Großmutter gelangte 1949 nach England. Dort traf sie ihren Ehemann, ein polnischer Überlebender aus dem Konzentrationslager Majdanek. Gemeinsam wanderten sie 1954 nach Kanada aus. Neben den vielen kleinen historischen Mosaik-Stückchen, die Durand während seiner Recherchen entdeckte, hat ihn ein Erlebnis gegen Ende seiner Recherchen besonders stark beeindruckt. Im Polnischen Institut und Sikorski Museum in London fand er die einzigen Filmaufnahmen aus dem Flüchtlingslager in Tansania, in dem auch seine Großmutter lebte. “Ich erkannte das Krankenhaus dort, und eine Gruppe junger Mädchen, die in Richtung Kamera schlenderten. Ganz links, lächelnd und mit verschränkten Armen – das war meine Großmutter”, erzählt Durand. Er bekomme immer noch Gänsehaut, wenn er die Bilder anschaue: “Es fühlt sich an wie eine Belohnung.”

 

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