Месечни архиви: July 2019

Zweiter Ebola-Fall in kongolesischer Millionenstadt Goma

Im ostkongolesischen Goma haben die Gesundheitsbehörden eine Impfkampagne gegen Ebola gestartet. Anlass ist, dass in der Millionenstadt ein zweiter Fall der gefährlichen Viruskrankheit gemeldet wurde: Bei einem Mann wurden entsprechende Symptome festgestellt. Jeder, der mit dem Patienten in Kontakt gekommen sei, werde geimpft, sagte Jean-Jacques Muyembe, der Direktor des kongolesischen Instituts für biomedizinische Forschung. Es gebe aber “keinen Grund zur Panik”, da der Mann in Isolation sei. Laut Muyembe – er koordiniert in der Demokratischen Republik Kongo die Maßnahmen gegen Ebola – wurde auch das Haus des Patienten desinfiziert. Zudem hätten die Behörden eine Liste mit den Personen aufgestellt, mit denen der Mann Kontakt hatte.

Er koordiniert die staatlichen Aktionen im Kongo gegen Ebola: Jean-Jacques Muyembe (Foto: AFP/Getty Images/M. Alexandre)

Er koordiniert die staatlichen Aktionen im Kongo gegen Ebola: Jean-Jacques Muyembe

Der französische Auslandssender RFI berichtete ergänzend, der Patient sei aus der Stadt Bunia vor einem Ebola-Hilfsteam nach Goma geflüchtet. Mitte Juli war schon einmal ein Fall in der Großstadt an der Grenze zu Ruanda bestätigt worden. Der Ebola-Ausbruch im Osten der Demokratischen Republik Kongo begann vor genau einem Jahr.

Bislang 1800 Todesfälle in Nord-Kivu und Ituri

Am 1. August 2018 hatte die Regierung in der Hauptstadt Kinshasa das Auftauchen des Virus offiziell bestätigt. Seither wurden fast 2700 Erkrankte in den Provinzen Nord-Kivu und Ituri registriert, rund 1.800 Menschen sind bislang gestorben. Nach dem Auftreten des ersten Ebola-Falls in Goma Mitte Juli rief die Weltgesundheitsorganisation WHO den internationalen Gesundheitsnotstand aus, weil eine rasche Ausbreitung in der Großstadt befürchtet wurde. Anhaltende Gewalt im Osten des Kongo, Misstrauen in der Bevölkerung und fehlende Infrastruktur erschweren die Bekämpfung der Epidemie.

Hilfskräfte besprühen nahe Goma die Hände von Mopedfahrern mit einem Desinfektionsmittel (Foto: Getty Images/AFP/J. Wessels)

Nahe Goma werden die Hände von Motorradfahrern mit einem Desinfektionsmittel besprüht

Zudem herrscht offenbar Uneinigkeit über die Strategie. Der kongolesische Präsident Felix Tshisekedi machte die Bekämpfung von Ebola zur Chefsache. Daraufhin trat Gesundheitsminister Oly Ilunga zurück. Gegen Ebola gibt es kein Heilmittel. Der vorhandene Impfstoff ist noch nicht allgemein zugelassen, derzeit steht er nur für Menschen mit besonders hohem Risiko zur Verfügung. Die WHO plant den Einsatz eines zweiten Impfstoffs für Personen außerhalb der direkten Krisengebiete, was Minister Ilunga seinerzeit ablehnte. Er befürchtete, dass das Misstrauen der Menschen dadurch zunehmen könnte.

Der Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo ist eine der größten Ebola-Epidemien in der Geschichte. Beim bislang schwersten Ausbruch waren zwischen 2013 und 2016 in den westafrikanischen Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone mehr als 28.000 Menschen erkrankt, rund 11.300 starben.

sti/mak (afp, dpa, epd)

Source Article from https://www.dw.com/de/zweiter-ebola-fall-in-kongolesischer-millionenstadt-goma/a-49826232?maca=de-rss-de-all-1119-rdf

Kommentar: In der Sackgasse von Hormus

Donald Trump und Boris Johnson machen es der Regierung von Angela Merkel leicht. Im Verbund mit diesen beiden will in Berlin niemand an den Persischen Golf ziehen. Zu groß die Sorge, Deutschland könne in einen Krieg mit dem Iran hereingezogen werden. Zu berechtigt die Vermutung, die beiden verfolgten viel weitergehende geopolitische Ziele; sie wollten mehr als bloß die Freiheit der Schifffahrtswege sichern. Seit Wochen zündeln die USA am Golf, ihre einseitige Aufkündigung des Atomabkommens  markierte schließlich den Beginn der gegenwärtigen Iran-Krise.

Also beschert der amerikanisch-britische Schulterschluss der Berliner Politik einen unverhofften Moment der Erleichterung. Bei einer solchen Marinemission in der Straße von Hormus machen die Deutschen auf keinen Fall mit. Das “Nein” der Bundesregierung zur amerikanischen Bitte um maritime Unterstützung war nur notdürftig diplomatisch verbrämt. Der Anti-Trump-Reflex funktioniert in Deutschland zuverlässig. Doch er kaschiert nur eine große, eine gefährliche Leere.

Das Ansehen Deutschlands in den USA leidet

Die Freiheit der internationalen Handelswege ist ein Kernbestandteil jener liberalen Weltordnung, zu deren Propagandisten sich Berliner Spitzenpolitiker aufgeschwungen haben – allen voran die Kanzlerin und der Außenminister, also die Frontleute der amtierenden Koalition. Kommt es aber zum Schwur, wird die deutsche Politik kleinlaut.  Bundeskanzlerin Angela Merkel ist im Urlaub und schweigt; Außenminister Heiko Maas dreht derweil die Berliner Gebetsmühle, die um die Begriffe ‘Diplomatie’ und ‘Deeskalation’ kreist. Und der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages weist darauf hin, dass die Marine ja gar nicht genug einsatzfähige Schiffe habe. Darauf reagiert die US-Regierung mit gnadenlosem Sarkasmus. Auch auf den Anti-Berlin-Reflex der Trump-Leute ist Verlass.

Deutsche Welle Dr. Christian F. Trippe TV Berlin (DW/B. Geilert)

DW-Redakteur Christian F. Trippe

Dabei hatte das Ansehen Deutschlands in den USA auch schon vor Trump gelitten: Seit längerem gelten die Deutschen als Bündnispartner, der nie um einen flotten moralisierenden Rat verlegen ist, es aber mit der oft schmutzigen Praxis nicht so hat. Die Selbstverpflichtung der NATO-Staaten, zwei Prozent ihrer Wirtschaftsleistung für Verteidigung  aufzuwenden, ist bekanntlich unter US-Präsident Barack Obama politisch vorangetrieben und formalisiert worden. Unterschrieben hat dieses NATO-Dokument  auch der damalige sozialdemokratische Außenminister Frank-Walter Steinmeier.

Heute denunziert die SPD dieses sicherheitspolitische Ziel – das Deutschland konsequent und mutwillig verfehlt – als Oktroi des hierzulande wenig angesehenen US-Präsidenten Donald Trump. Polemischer geht’s kaum. Die deutsche Sozialdemokratie steckt in der tiefsten Krise ihrer Geschichte, sie kämpft um ihr Überleben als große Partei. Militäreinsätze sind in der Bundesrepublik immer unpopulär, und die Opposition links von der SPD weiß dieses deutsche Grundgefühl lautstark zu bedienen. Dies alles mag als Erklärung taugen, um außenpolitische Kapriolen einzuordnen.  Auch die Rücksicht, die der konservative Koalitionspartner  auf die Sozialdemokraten nimmt, wird so verständlich. Niemand will die gegenwärtige Koalition wegen einer Fregatte oder ein paar Aufklärungsflugzeugen platzen lassen.

Auch Großbritannien wartete vergebens

Eine Entschuldigung für die deutschen Versäumnisse in der Iran-Krise kann der Blick auf die innenpolitische Gemengelage aber nicht sein. Der Kardinalfehler wurde bereits vor Tagen gemacht, als die Briten eine europäische Mission zum Geleitschutz von Handelsschiffen vorschlugen. Ein britischer Öltanker war von iranischen Spezialeinheiten gekapert worden. Gegen derartige Akte staatlich betriebener Piraterie wollten die Briten sich wappnen – gemeinsam mit ihren europäischen Partnern. Die EU hat in der Vergangenheit übrigens schon mehrere erfolgreiche Missionen dieser Art in anderen Weltmeeren absolviert.

Doch wer erwartet hätte, dass die ach so europafreundlichen Deutschen diesen Vorschlag aufgegriffen hätten, der wurde enttäuscht. Eine ernsthafte Diskussion über eine mögliche deutsche Beteiligung, über Kommandostrukturen und ein Mandat gab es nicht. Ein paar Tage und einen Wechsel des Premierministers später holten die Briten dann die Amerikaner ins Boot und auf die Kommandobrücke. Und Deutschland macht es sich in der politischen Sackgasse bequem, in die Berlin sich selbst manövriert hat.

Source Article from https://www.dw.com/de/kommentar-in-der-sackgasse-von-hormus/a-49827044?maca=de-rss-de-all-1119-rdf

Eine Frau im Zentrum des Epstein-Skandals

Der Fall Jeffrey Epstein erschüttert die Öffentlichkeit: Ein Milliardär, der hunderte junger Mädchen sexuell missbraucht haben soll und beinahe damit davongekommen wäre. Und je mehr Details ans Licht kommen, desto klarer wird: Auch andere Prominente könnten in den mutmaßlichen Sexhandelsring involviert gewesen sein.

Prinz Andrew, Sohn von Queen Elizabeth II, soll Mädchen zum Sex gezwungen haben, die Epstein ihm vermittelt hat. Der ehemalige US-Arbeitsminister Alexander Acosta musste zurücktreten, weil er mit dafür verantwortlich war, dass Epstein in den frühen 2000er Jahren einer lebenslangen Haftstrafe entging. Und von Bill Clinton und Donald Trump ist bekannt, dass sie zumindest mit Epstein befreundet waren.

Eine Rolle ganz anderen Ausmaßes im Epstein-Missbrauchsskandal spielt eine Frau, deren Name weniger bekannt ist: Ghislaine Maxwell. Die 57-jährige Britin trägt die nutzlose Berufsbezeichnung “socialite”, ist seit einer kurzen Beziehung mit Epstein 1992 mit dem Milliardär befreundet – und soll jahrelang junge Mädchen ausgesucht haben, die sie für Sex mit Epstein regelrecht trainierte.

Ghislaine Maxwell (Getty Images/L. Cavanaugh)

Ghislaine Maxwell auf einem Symposion für “Frauen, Innovationen und Unternehmen”

Wie etwa Virginia Roberts. Die damals 15-Jährige arbeitete 1998 im Spa von Trumps Mar-a-lago Club in Palm Beach, Florida. Dort lernte sie Maxwell kennen, die sie wiederum mit Jeffrey Epstein bekannt machte. Das ursprüngliche Angebot: Die Schülerin sollte als Masseuse für den mehr als dreimal so alten Mann arbeiten. Das stellte sich schnell als Lüge heraus.

In einem Video der Zeitung Miami Herald, deren Journalistin Julie K. Brown den Skandal aufdeckte, erzählt Roberts, wie nach ihrer Zusage ein Unterricht begann, in dem sie unter anderem lernte, wie man einen Mann oral befriedigt. Wie man sich still und unterwürfig verhält. Und wie man “Jeffrey gibt, was er will”, so Roberts. “Viel von diesem Training kam von Ghislaine selbst. Es überrascht, dass eine Frau so etwas zuließ. Und sie ließ es nicht nur zu, sondern brachte mich dazu, es zu tun.”

“Ich hatte Angst und diese Menschen hatten Macht”

Roberts sagt, sie war Teil von Epsteins Entourage und wurde immer wieder gezwungen, mit ihm und seinen prominenten Freunden und Geschäftspartnern zu schlafen, bis sie 19 Jahre alt war. Drei Mal soll sie von Prinz Andrew missbraucht worden sein. Auf einem Foto ist die damals 17-jährige Roberts mit dem britischen Prinzen zu sehen; er hat einen Arm um ihre Taille gelegt. Das Bild soll im Londoner Haus von Maxwell entstanden sein, die lächelnd im Hintergrund steht. Die Britin weist die Anschuldigungen weit von sich und sprach in einem Statement von “Lügen und diffamierenden Behauptungen”.

Roberts sagt, noch 2007, fünf Jahre nachdem sie dem Sexhandelsring entkam, habe Maxwell sie angerufen und gedrängt, das Geschehene niemals zu melden.Und sie behielt ihre Erlebnisse lange für sich. “Ich war jung, ich hatte Angst und diese Menschen hatten Macht”, sagt sie. Jahre später strengte sie ein Zivilverfahren gegen Maxwell an, aber 2017 wurde der Fall durch einen Vergleich beigelegt, in dem Maxwells Seite eine ungenannte Summe an Roberts zahlte.

Mädchen-Vermittlerin und Meereschützerin

Über Maxwells Privatleben ist nicht viel bekannt. Sie ist die Tochter des britischen Medienmoguls Robert Maxwell, der 1991 unter mysteriösen Umständen auf seiner Yacht ums Leben kam. Zum Zeitpunkt seines Todes war er hoch verschuldet und hatte sich am Pensionsfond seiner Angestellten bedient. Ghislaine Maxwell wanderte in die USA aus, wohl auch, um der britischen Boulevardpresse zu entkommen. 2012 gründete sie die Hilfsorganisation TerraMar Project, die sich dem Schutz der Ozeane widmet.

Jeffrey Epstein (Imago Images/ZumaPress/U. Sanghvi)

Mitte Juli wurde Jeffrey Epstein verhaftet. Er soll minderjährige Mädchen sexuell missbraucht und sie an Freunde und Geschäftspartner weitergereicht haben

Epstein nannte Maxwell einmal seine “beste Freundin”. In der Zeitschrift Vanity Fair heißt es weiter, Maxwell organisiere “weite Teile seines Lebens”. Und dazu soll auch das Heranschaffen junger Mädchen gehören, wie Roberts und weitere Frauen sagen.

Im April 2018 ging Maria Farmer, eine ehemalige Angestellte Epsteins, an die Öffentlichkeit. Sie und ihre kleine Schwester, damals 15, seien in den 1990er Jahren von Maxwell und Epstein zweimal sexuell missbraucht worden. Farmer sagte außerdem, sie habe häufig beobachtet, wie junge Mädchen Epsteins Wohnung in New York betraten. “Als ich Maxwell fragte, warum diese jungen Mädchen so oft vorbeikamen, sagte sie, die Mädchen würden sich als Models vorstellen.”

Epstein und Maxwell erreichten außerdem einen Vergleich mit Sarah Ransome. Zwischen 2006 und 2007 hätten die beiden ihr versprochen, Studiengebühren für sie zu bezahlen, wenn sie Epstein und seine Freunde sexuell befriedige, sagte Ransome.

Beobachter vermuten, der kommende Gerichtsprozess gegen Epstein könne zu weiteren Prozessen gegen Menschen aus seinem Umfeld führen. Möglicherweise müsste sich dann auch Ghislaine Maxwell verantworten.

Source Article from https://www.dw.com/de/eine-frau-im-zentrum-des-epstein-skandals/a-49817661?maca=de-rss-de-all-1119-rdf

Nordkorea will es nicht lassen

Die beiden Raketen seien aus der Region um die nordkoreanische Stadt Wonsan abgefeuert worden, teilte Südkoreas Militär mit. Die Geschosse flogen demnach etwa 250 Kilometer weit und stürzten dann ins Japanische Meer. Die US-Regierung gab bisher keine Stellungnahme ab.

Erst am vergangenen Donnerstag hatte Nordkorea bei einem Waffentest zwei Kurzstreckenraketen starten lassen. Die Führung in Pjöngjang sprach damals von einer “Warnung” an die Regierung in Seoul.

Nordkorea fühlt sich provoziert

Die Streitkräfte Südkoreas und der Vereinigten Staaten wollen im August wieder gemeinsame Übungen abhalten. Die jährlichen Manöver der beiden Verbündeten sorgen in Nordkorea regelmäßig für wütende Reaktionen. Die USA haben in Südkorea rund 30.000 Soldaten stationiert.

Südkorea und USA beginnen Luftwaffenübung (picture-alliance/AP Photo/Yonhap)

Das nächste Manöver kann kommen: US-Kampfjets auf der Air Base Gwangju in Südkorea

Der Raketentest vorige Woche war international scharf kritisiert worden. So forderte das Auswärtige Amt in Berlin Nordkorea auf, “jede Provokation” zu unterlassen. Jeder ballistische Raketentest stelle einen “schwerwiegenden Verstoß” gegen UN-Resolutionen dar.

Ähnlich äußerte sich das Außenministerium in Washington. Sein Chef Mike Pompeo betonte aber zugleich, die USA wollten an den diplomatischen Bemühungen für eine Beilegung des Atomkonflikts mit Nordkorea festhalten.

Trump zeigt sich milde

Der Raketentest vom 25. Juli sei keine Warnung an die USA gewesen, sondern Teil des Konflikts zwischen Nordkorea und Südkorea, betonte Präsident Donald Trump. “Die beiden haben ihre Streitigkeiten.”

Treffen Kim Jong Un und Donald Trump Juni 2019 (Reuters/K. Lamarque)

Gute Stimmung: Kim Jong Un (l.) und Donald Trump in der “Sicherheitszone” Panmunjom

Trump betont immer wieder sein gutes Verhältnis zum nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un. Bei einem kurzen Treffen Ende Juni in der entmilitarisierten Zone zwischen beiden koreanischen Staaten hatten Trump und Kim eine Wiederaufnahme der Verhandlungen über eine atomare Abrüstung Nordkoreas vereinbart.

wa/se (afp, rtr)

Source Article from https://www.dw.com/de/nordkorea-will-es-nicht-lassen/a-49819528?maca=de-rss-de-all-1119-rdf

Mord verbreitet Angst unter Indigenen in Brasilien

Vor einer Woche war Emyra Wajãpi, ein Anführer des indigenen Wajãpi-Volkes im Nordwesten Brasiliens, ermordet aufgefunden worden. Doch erst jetzt rückt die Polizei auf dem Reservat Terra Indígena Wajãpi im Bundesstaat Amapá an. Jawaruwa Wajãpi, Gemeinderat von Pedra Branca do Amapari, begleitet die Ermittler auf der Suche nach den Tätern. Mitglieder des Wajãpi-Volkes haben Spuren in dem geschützten Gebiet gefunden, die auf illegale Goldsucher hindeuten, und die Behörden benachrichtigt.

“Alle Familien der Wajãpi haben jetzt Angst, das Haus zu verlassen, ob zum Jagen, Fischen oder aus anderen Gründen”, erklärt Jawaruwa der DW in Aramira, einer von 49 Siedlungen des indigenen Territoriums. “Die Invasoren verstecken sich noch auf unserem Land.”

Brasilien Wayapi Indianer | Jawaruwa Waiapi (Getty Images/AFP/A. Gomes)

“Die Invasoren sind noch da”: Jawaruwa Wajãpi

Jawaruwa hat zu der weltweiten Berichterstattung über die Ermordung Emyras beigetragen. “Er führte den historischen Kampf um Abgrenzung und Schutz des indigenen Territoriums an”, schreibt Jawaruwa über Emyra. “Mit ihm hat unser Volk viel an Wissen und Erfahrung verloren.”

“Ein beunruhigendes Symptom”

Der Mord löste auch internationale Reaktionen aus. Michelle Bachelet, die Hochkommissarin für Menschenrechte der Vereinten Nationen, bezeichnet den Mord als ein “beunruhigendes Symptom des wachsenden Problems von Invasionen auf indigenem Land – vor allem im Urwald – durch Goldschürfer, Holzfäller und Kleinbauern in Brasilien.”

Bachelet fordert eine zügige und effektive Ermittlung. Die brasilianische Regierung müssen “ihren politischen Kurs gegenüber indigenen Völkern und ihren Gebieten überdenken, damit Emrya Wajãpis Tod nicht eine weitere Welle der Gewalt einläutet, die Völker aus ihrem Stammesland vertreiben und die weitere Zerstörung des Regenwalds ermöglichen soll”.

Schweiz Genf UN Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet (picture-alliance/KEYSTONE/M. Trezzini)

Fordert eine zügige Aufklärung: Michelle Bachelet, Menschenrechtskommissarin der Vereinten Nationen

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro bezweifelt den Mord an Emyra Wajãpi: ”Es gibt keine starken Hinweise darauf, dass dieser Indianer dort ermordet wurde. Ich werde versuchen, diesen Fall aufzuklären, und die Wahrheit zu zeigen.”

Im Interesse der Unternehmen

In einer Erklärung vor Journalisten wiederholt er auch seinen Wunsch, die Suche nach Gold im Kleinbergbau zu legalisieren: “Das würde auch für Indianer gelten. Sie haben das Recht, auf ihrem Besitz Gold zu schürfen, denn indigenes Territorium ist fast wie ihr Landbesitz.”

Bolsonaro behauptet, NGOs und andere Länder seien gegen solche Maßnahmen, weil sie indigene Völker in einem “Zoo” wie “prähistorische Tiere” gefangen sehen wollen.

Kleber Karipuna, der Beauftragte der Koalition Indigener Organisationen des brasilianischen Amazonas (COIAB) im Bundesstaat Amapá, sagt, die Position des Präsidenten schütze die Interessen des Privatsektors, allen voran die des Bergbaus. “Er spricht über die Freigabe des Goldschürfens, um die Öffentlichkeit zu gewinnen, und um den Bergbau auf indigenem Territorium zu legalisieren. Aber dafür braucht er die Zustimmung des Kongresses”.

Eine andauernde Bedrohung

Das Gebiet der Terra Indígena Wajãpi wurde 1996 eingerichtet und hat etwa 1000 Einwohner. Seit langem ist dieses Gebiet von den Goldsuchern bedroht. In den Achtzigerjahren schleppten sie Krankheiten ein, an denen Indigene starben.

Seit Anfang des Jahres klagen indigene Anführer aus verschiedenen Völkern über einen Anstieg der illegalen Goldsuche, vor allem in den Territorien der Yanomami in den Bundesstaaten Roraima und Amazonas und in denen der Kayapó- und Munduruku-Völker im Bundesstaat Pará. Alle Gebiete liegen im Regenwald des brasilianischen Nordens.

“Dieser Anstieg an illegalen Aktivitäten und Emyras Tod sind direkte Folgen von Jair Bolsonaros Haltung zum Goldschürfen auf indigenem Territorium. Er kümmert sich nicht darum, was am Ende geschehen wird, ob es Konflikte zwischen Goldschürfern und Indigenen geben wird, ob jemand stirbt”, klagt Kleber Karipuna.

Bolsonaros Verbindung zu den Goldgräbern

Das Goldschürfen ist Teil von Bolsonaros Vergangenheit. Als Abgeordneter hatte er 2018 erklärt, Goldschürfen liege ihm im Blut. Während eines Empfangs in der Abgeordnetenkammer in Brasília für Vertreter von Goldgräbern der Serra Pelada erwähnte Bolsonaro, dass auch sein Vater dort, im Süden des Bundesstaats Parás, nach Gold gesucht habe.

Brasilien Sao Paulo Palmeiras vs Vasco da Gama | Jair Bolsonaro (Getty Images/M. Schincariol)

Goldschürfen im Blut: Präsident Jair Bolsonaro

Indigene Völker sind kein neues Angriffsziel für Bolsonaro. Während seiner Wahlkampagne hatte er verkündet, im Falle seines Sieges “keinen Zentimeter mehr für indigene Reservate” herzugeben.

In einer seiner ersten Amtshandlungen als Präsident entzog er der FUNAI, der für indigene Anliegen zuständigen Behörde, und dem Justizministerium die Zuständigkeit für die Festlegung von indigenen Territorien. Stattdessen teilte er diese Zuständigkeit dem Landwirtschaftsministerium zu, das auch für die Angelegenheiten von Großgrundbesitzern zuständig ist. Diese Entscheidung wurde jedoch vom Kongress rückgängig gemacht.

Auf einer Veranstaltung in Manaus, der Hauptstadt des Bundesstaates Amazonas, erklärte Bolsonaro, dass er die Unterstützung reicher Länder bei der Erschließung der Bodenschätze suche.

In der brasilianischen Verfassung haben indigene Völker ein Recht auf fortdauernden Besitz der von ihnen bewohnten Fläche, und auf die exklusive Nutzung der dort befindlichen Rohstoffe und Bodenschätze. Außerdem bestimmt die Verfassung, dass die Regierung die Pflicht hat, sie und ihren Besitz zu schützen.

Source Article from https://www.dw.com/de/mord-verbreitet-angst-unter-indigenen-in-brasilien/a-49815544?maca=de-rss-de-all-1119-rdf