Месечни архиви: September 2019

Krause spurtet zu WM-Bronze in Doha

Beim Trainer fließen Tränen. Wolfgang Heinig schlägt die Hände vors Gesicht und strahlt gleichzeitig. Momente zuvor hatte er gebannt den starken Endspurt von Gesa Krause verfolgt. Erst auf der letzten halben Runde hatte sich die 27-Jährige an den Konkurrentinnen vorbei geschoben und dem deutschen Team die erste Medaille beschert. “Was heute abend abgeht“, dazu könne er nichts sagen, sprudelt es im TV-Interview aus ihm heraus, “nur, dass man mich heute um Mitternacht besser nicht mehr interviewt.” Krause genießt zur gleichen Zeit ihre Freude unten auf der Tartanbahn. Mit der deutschen Fahne zeigt sie sich den Fotografen, verteilt Kusshände und wirkt rundum glücklich. 

Krause bleibt cool

Das Rennen startete mit einer Demonstration der Stärke. Weltrekordlerin Beatrice Chepkoech aus Kenia stürmte nach dem Startschuss los und riss sofort eine Lücke von 60 bis 70 Metern, die sie bis ins Ziel scheinbar mühelos verteidigte. Hinter ihr bildete sich eine Verfolgergruppe an deren Ende sich Krause positionierte. Runde um Runde ging das so, es sah lange aus, als müsste sie abreißen lassen. “Ich war überrascht wie schlecht es mir ging”, erklärt Krause diese Phase des Rennens in der sie nicht die Geduld verlor, “aber meine Stärke ist es, gegen Ende, wenn die anderen nachlassen, noch durchzuziehen.”

Katar Doha | Leichtathletik WM 2019 Frauen 3000 Meter Hindernisrennen Gesa Krause (Reuters/A. Szmigiel)

Bestleistung am Tag X: Krause jubelt im Ziel mit der Zweitplatzierten Emma Coburn (USA)

In den letzten zwei Runden des Rennens fiel die Gruppe zusehends auseinander. Langsam schob Krause sich nach vorn. Trainer Heinig auf der Tribüne hielt die Spannung kaum aus, er schrie und gestikulierte. 300 Meter vor dem Ziel löste sich die US-Amerikanerin Emma Coburn. Vor Krause näherte sich Winfred Yavi, eine gebürtige Kenianerin die für Bahrain startet, dem letzten Wassergraben. Es ist der Moment der Entscheidung: Yavi strauchelte, Krause erwischte das Hindernis perfekt und schob sich auf den dritten Rang. Die Freude über diesen Wiederholungs-Erfolg, nach WM-Bronze 2015, bricht schon Meter vor der Ziellinie aus ihr heraus. Lächelnd fiel sie der vor ihr platzierten Coburn um den Hals. Ihre Zeit: 9:03,30 Minuten – damit hat Krause ihren erst einen Monat alten deutschen Rekord um fast vier Sekunden verbessert. “Ich habe alles aus mir herausgeholt”, betont sie, “ich kann es gar nicht in Worte fassen. Ich habe davon geträumt, ich wollte es unbedingt.” Das zeigte sich im Training: seit Ende Oktober 2018 gönnte sich die Studentin der Wirtschaftspsychologie keinen freien Tag. “Das ist für einen Außenstehenden vermutlich wirklich unvorstellbar.” Mit WM-Bronze im Gepäck geht es demnächst in den Urlaub und dann wieder auf die Tartanbahn. Nächstes Ziel: die Olympischen Spiele in Tokio.

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Heiko Maas auf den Spuren Genschers in Prag

Am 30. Jahrestag des in die Geschichtsbücher eingegangenen Auftritts von Außenminister Hans-Dietrich Genscher auf dem Balkon der Botschaft der damaligen Bundesrepublik Deutschland in Prag hat Heiko Maas das Ereignis als “magischsten Moment der deutschen Wiedervereinigung” neben dem Mauerfall gewürdigt. “Ich glaube, das hat niemanden kaltgelassen”, sagte der SPD-Politiker bei einem Besuch in Prag. Heute vor genau 30 Jahren hatte der FDP-Politiker Genscher als Außenminister der Bundesrepublik mehr als 4000 auf dem Botschaftsgelände ausharrenden DDR-Flüchtlingen die Ausreisegenehmigung verkündet.

“Wenn es einen Schrei nach Freiheit gibt, dann hat man ihn da gehört. Das ist ein Moment gewesen, der mich sehr berührt hat”, erklärte der amtierende Bundesaußenminister. Wen das nicht berühre, der habe kein Herz.

Tschechien Prag | Außenminister Heiko Maas in der deutschen Botschaft (picture-alliance/dpa/G. Fischer)

Maas mit Zeitzeugen auf dem Balkon der Botschaft

In einer Rede bei einem Empfang in der Botschaft warb Maas dafür, sich den Mut der damaligen DDR-Flüchtlinge zum Vorbild zu nehmen. “Es lohnt sich, etwas zu riskieren für Freiheit, Gerechtigkeit, Demokratie. Denn: Nichts davon ist selbstverständlich”, sagte Maas. “Diese Erkenntnis ist heute, in Zeiten populistischer Verführer und nationalistischer Ideologen, noch genauso wertvoll wie damals.”

Plädoyer für den Erhalt eines geeinten Europa

Die deutsche Einheit sei auch ein “Geschenk Europas an Deutschland” gewesen, betonte Maas – und das am Ende eines Jahrhunderts, in dem Deutsche “unendliches Leid und Schrecken” über Europa gebracht hätten. Es gehe nun für Deutsche und Tschechen darum, einen Beitrag dazu zu leisten, Europa zusammenhalten. “Gerade wir dürfen es nicht zulassen, dass sich neue Gräben auftun in Europa – egal ob zwischen Ost und West oder Süd und Nord.”

Auch die deutsch-tschechischen Beziehungen sind Maas ein Anliegen. “Heute sind wir, Tschechen und Deutsche, auf das engste verbunden: durch unsere gemeinsamen Werte, unsere EU-Mitgliedschaft und unsere Wirtschaftsbeziehungen. Damals, 1989, hätten das wohl auch die kühnsten Optimisten nicht für möglich gehalten”, schreibt Maas auf Twitter.

In die Botschaft in Prag hatten sich 1989 tausende DDR-Bürger geflüchtet. Von dem Balkon der Vertretung aus überbrachte Genscher ihnen die Nachricht über ihre Ausreiseerlaubnis in die BRD. Sein Satz “Ich bin heute zu Ihnen gekommen, um Ihnen zu sagen, dass heute Ihre Ausreise…” ging im Jubel unter.

Tschechien Prag | Außenminister Heiko Maas in der deutschen Botschaft (picture-alliance/dpa/G. Fischer)

Gespräche mit Maas und Seiters (beide in der Mitte) in der Botschaft

Die Ausreise der DDR-Flüchtlinge aus der damaligen Tschechoslowakei zählt zu den wichtigsten Meilensteinen auf dem Weg zum Mauerfall am 9. November 1989 und zur deutschen Einheit am 3. Oktober 1990. Rund 300 Zeitzeugen und Besucher hatten bereits am Samstag ein “Fest der Freiheit” auf dem Botschaftsgelände gefeiert. Heute traf Maas etwa 70 der damaligen Flüchtlinge in der Botschaft bei einem Empfang. Mit dabei war auch Rudolf Seiters, der damals als Kanzleramtsminister mit dem langjährigen Außenminister Genscher auf dem Balkon stand.

qu/gri (dpa, afp)

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Kritik an Alba Berlin nach Cheerleader-Bann

Junge Frauen, die in kurzen Röckchen und mit Puscheln ein bisschen herumtanzen, um die Pausen von Basketball- oder Footballspielen unterhaltsamer zu gestalten - so ist in Deutschland oftmals die klischeehafte Wahrnehmung von Cheerleading. Während viele die seit 2016 auch vom Internationalem Olympischen Komitee (IOC) anerkannte Sportart nur belächeln, ist sie anderen gar ein Dorn im Auge, weil sie Gender-Stereotype verfestige.

Prinzip “Jungs machen’s und Mädchen jubeln” ist veraltet

Die Debatte wurde neu entfacht, als Ende letzter Woche Basketball-Bundesligist Alba Berlin mitteilte, künftig auf die Auftritte seiner Cheerleaderinnen zu verzichten. Zur Begründung erklärte Geschäftsführer Marco Baldi: “Wir sind zu der Überzeugung gekommen, dass das Auftreten junger Frauen als attraktive Pausenfüller bei Sportevents nicht mehr in unsere Zeit passt.” Bei den Heimspielen von Alba Berlin sei der Eindruck entstanden, dass Frauen vor allem für die tanzende Pausenunterhaltung zuständig seien, während Männer Basketball spielten, hieß es weiter. Deshalb trenne man sich von den Alba Dancers und wolle stattdessen “zukünftig noch stärker fördern, dass Frauen im Basketball als Spielerinnen sichtbar und zu Vorbildern werden”.

Die Cheerleaderinnen zeigten sich darüber enttäuscht, dass die Zusammenarbeit nach 25 Jahren nun vorbei ist. Trainerin Valesca Stix sagte der Deutschen Presse-Agentur: “Ich kann verstehen, wenn man sich umorientieren möchte, aber die Begründung finde ich persönlich falsch.” Auch viele andere Stimmen aus dem Sport meldeten sich mit eher kritischen Reaktionen zu Wort. Der Cheerleading und Cheerperformance Verband Deutschlands (CCVD), der rund 20.000 Mitglieder umfasst, betonte den Charakter des “Cheerleadings als eigene Wettkampfsportart”, in der sowohl Weltmeister- als auch Europameistertitel vergeben werden.

Cheerleader Training (picture-alliance/dpa/)

Cheerleader beim Training

In den sozialen Netzwerken sprachen Nutzer unter dem Hashtag #deeplychauvinistic unter anderem von “falsch verstandener Political Correctness” und davon, dass “Männer meinen, Frauen vorschreiben zu können, welche Art von Emanzipation diese gefälligst zu leben haben – Nichts verstanden!”.

Als Gehopse verkannter Leistungssport

Auch Ilse Hartmann-Tews, Leiterin des Instituts für Soziologie und Genderforschung an der Deutschen Sporthochschule Köln, kann die Entscheidung von Alba Berlin nicht nachvollziehen: ”Die Argumentation hat mich schon sehr überrascht, weil Cheerleading mittlerweile eine hochprofessionelle Sportart ist.” Oft gezogene Vergleiche von Cheerleadern etwa mit “Grid Girls”, die im Motorsport knapp bekleidet Startnummern hochhalten oder Pokale übergeben, weist Hartmann-Tews zurück. ”Das ist wirklich etwas völlig andere Kategorie.” In der Tat erschöpft sich Cheerleading mitnichten darin schmückendes Beiwerk zu sein oder in Anfeuerungsrufen und dem Winken mit bunten Puscheln. Vielmehr sind auch komplexe Tanzchoreographien, akrobatische Hebefiguren und Elemente des Bodenturnens Teil der Sportart. Dafür trainieren Cheerleader oft viele Stunden pro Woche.

Cheerleaderin Miriam Krusy (SC Unterbach)

Cheerleaderin Miriam Krusy

So auch Miriam Krusy vom SC Unterbach in Düsseldorf, dessen Teams schon mehrfach bei der Deutschen Meisterschaft gewonnen haben und auch bei der bevorstehenden Weltmeisterschaft in Japan dabei sind. Die Vorurteile gegen die von ihr seit acht Jahren praktizierte Sportart machen die 20-Jährige traurig: “Viele haben keine Ahnung, was Cheerleading eigentlich ist. Es geht nicht darum, Männer zu unterhalten, sondern es steckt viel mehr dahinter und ich würde mir wünschen, dass das anerkannt wird.” Übrigens seien Auftritte bei Sportveranstaltungen, Messen, Stadtfesten und ähnlichen Events für viele Teams wichtig, um die Kosten für Wettkämpfe und Trainingslager zu finanzieren. 

Mehr gemischte Mannschaften gegen Stereotype?

Zudem gebe es mittlerweile auch viele gemischte Mannschaften - so wie ihre eigene: “Wir haben zwei Jungs im Team, die bei den Wettkämpfen auch immer mit dabei sind.” Bei anderen Auftritten seien allerdings meist nur die Mädchen beziehungsweise Frauen zu sehen. Auf die Frage, ob eine verstärkte Sichtbarkeit männlicher Cheerleader auch bei Pausenauftritten nicht vielleicht Vorurteile abbauen könnte, antwortet Krusy zustimmend.

So ähnlich lautete denn auch der Vorschlag von Horst Seehofer. Wenn ”die Besetzung nur mit Frauen als nicht mehr zeitgemäß” empfunden werde, könne man gemischte Tänzergruppen bilden, so der für Sport zuständige Innenminister gegenüber der “Bild am Sonntag”. ”Das würde auch viel stärker unsere Gesellschaft und die Zusammensetzung der Fans abbilden.”

Cheerleader Fearleaders (picture-alliance/dpa/H. Neubauer)

Auch das gibt es: Die “Fearleaders” aus Wien sind ein rein männliches Cheerleader-Team. Mit ihren Auftritten wollen sie strukturellen Sexismus bekämpfen.

Hartmann-Tews fügt im DW-Gespräch hinzu, dass die sexistische Anmutung, die manche Cheerleader-Auftritte haben könnten, auch eine Frage der Anmoderation sei: “Wenn man das als Sportart ankündigt und deutlich macht, was dahinter steckt, kriegt die Darbietung der Cheerleader auch gleich eine ganz andere Konnotation.”

Es hätte also für Alba Berlin durchaus andere Möglichkeiten gegeben, dem Image der Cheerleader als “attraktive Pausenfüller” entgegenzuwirken, anstatt die Zusammenarbeit mit den Alba Dancers komplett aufzugeben. Die haben sich mittlerweile aufgelöst. “Die jüngeren Mitglieder sind bei befreundeten Teams oder im Friedrichstadtpalast untergekommen. Die älteren suchen sich einen neuen Sport”, so Trainerin Stix.

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Wie geht es weiter im Camp Moria auf Lesbos?

Nach einem Feuer im chronisch überbelegten Flüchtlingslager Moria auf Lesbos wird der Ruf nach Konsequenzen lauter. Die Vereinten Nationen forderten von der Regierung in Athen “sofortige” Abhilfemaßnahmen. Die Überführung von Flüchtlingen auf das Festland müsse “beschleunigt” und die Lebensbedingungen in dem Lager müssten “verbessert” werden, sagte der Sprecher des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR, Boris Cheshirkov.

Das Camp Moria ist für 3000 Menschen ausgelegt, dort halten sich derzeit aber rund 13.000 Migranten auf. Das Lager hat sich über die Jahre zu einer Art Kleinstadt entwickelt. Die Zelte, in denen die Migranten wohnen, ziehen sich bis in die umliegenden Olivenhaine hinein. Ein Teil der Bewohner lebt in Containern.

Tödliches Feuer

Am Sonntag gerieten mehrere dieser Container in Brand. Dabei kam mindestens eine Frau ums Leben, womöglich verbrannten auch ihre beiden Kinder. Unter Berufung auf das Gesundheitsministerium schrieb die Athener Zeitung “Kathimerini”, dass neun Männer, sechs Frauen und vier Kinder mit Verletzungen behandelt wurden.

Griechenland Lesbos Moria Camp Flüchtlinge Brand Feuer (picture-alliance/AP Photo)

Diese Container brannten am Sonntag aus ungeklärten Gründen nieder

Die Tragödie löste teils gewaltsame Proteste der Bewohner des Lagers aus. Die Polizei setzte Tränengas ein, um die Lage unter Kontrolle zu behalten. Aus Athen wurden mit Armeehubschraubern zusätzliche Sicherheitskräfte nach Lesbos geflogen. Noch am Montag sollen laut UNHCR 247 Migranten von Lesbos auf das Festland gebracht werden.

Es kommen wieder mehr Migranten

Auf den der Türkei vorgelagerten Inseln Lesbos, Chios, Samos, Leros und Kos sind derzeit rund 30.000 Flüchtlinge unter teils prekären Umständen untergebracht, weil der Zustrom von Migranten aus der Türkei zuletzt zugenommen hat. Es ist die höchste Zahl an Migranten, die seit Inkrafttreten des EU-Türkei-Flüchtlingspaktes im März 2016 auf diesen Inseln lebt. Noch im April war die Zahl der Migranten auf den Inseln auf 14.000 zurückgegangen.

Mit Blick auf die Zustände in Moria erklärte nun die Organisation “Ärzte ohne Grenzen” auf Twitter: “Keiner dieser Menschen sollte hier sein – vor allem nicht die Kinder.” Die Flüchtlinge auf Lesbos müssten unverzüglich an einen sicheren Ort gebracht werden, um weitere Tragödien zu verhindern.

“Ausweglose Lage”

Wer tausende Menschen in einer “ausweglosen Lage” festsetze, sei “mitverantwortlich”, wenn die Lage eskaliere, erklärte die Flüchtlingsorganisation Pro Asyl. Den Schutzsuchenden werde zum Teil über Jahre hinweg der Zugang zu einem fairen Asylverfahren verweigert.

“Die EU kennt die dramatischen Zustände auf den griechischen Inseln seit Jahren”, betonte die innenpolitische Sprecherin der Linken, Ulla Jelpke. Diese “schrecklichen Lager” müssten sofort geschlossen werden. Die Bundesregierung dürfe Griechenland nicht mit den aus der Türkei ankommenden Flüchtlingen alleine lassen.

Berlin pocht auf Rückführungen

Der deutsche Regierungssprecher Steffen Seibert bezeichnete den Brand im Moria-Camp als “Tragödie, die auch uns bestürzt”. Die griechische Regierung arbeite derzeit intensiv an Lösungen angesichts der zum Teil sehr schwierigen Lage auf den Inseln, und die Europäische Union stehe bereit, substanzielle Hilfe zu leisten. Ein Schlüssel sei dabei in der EU-Türkei-Erklärung zu finden: So müsse die Zahl der Rückführungen rasch und deutlich gesteigert werden.

Das EU-Türkei-Abkommen wurde im März 2016 geschlossen, um die illegale Überfahrt von Flüchtlingen in Booten über die Ägäis nach Europa zu stoppen. Die Vereinbarung sieht vor, dass in Griechenland anlandende Bootsflüchtlinge in die Türkei zurückgeschickt werden. Für jeden syrischen Flüchtling, der darunter ist, soll die EU einen anderen Bürgerkriegsflüchtling aus der Türkei aufnehmen. Die Bearbeitung der Asylanträge kommt wegen Personalmangels jedoch auf den griechischen Inseln nur mühsam voran.

Nach Auskunft des Bundesinnenministeriums von Mitte September wurden aber seit Inkrafttreten der EU-Türkei-Erklärung nur 1.905 Flüchtlinge zurück in die Türkei gebracht. Nach Angaben der Bundesregierung aus dem Frühjahr wurden 2018 im Rahmen des Abkommens 322 Asylsuchende abgeschoben, fast 5000 haben im selben Jahr Griechenland freiwillig verlassen.

kle/gri (afp, epd, dpa)

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Prozessauftakt gegen "Revolution Chemnitz"

Das Verfahren vor der Staatsschutzkammer des Oberlandesgerichtes Dresden gilt schon jetzt als eines der bedeutendsten zum Rechtsterrorismus in Deutschland. Als Gruppierung unter dem Namen “Revolution Chemnitz” sollen sich die acht Angeklagten im Herbst 2018 formiert haben. Die mutmaßlichen Rechtsterroristen stehen unter dem dringendem Verdacht, einen Umsturz der demokratischen Ordnung mit Waffen geplant und dabei auch die Tötung von Menschen in Kauf genommen zu haben.

Die 21 bis 32 Jahre alten Männer sind wegen Bildung einer rechtsterroristischen Vereinigung angeklagt, fünf von ihnen zudem wegen schweren Landfriedensbruchs und einer auch wegen gefährlicher Körperverletzung.

Ziel - ein anderes Deutschland

“Sie wollten die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland verändern”, sagte Bundesanwalt Kai Lohse zu Beginn des Prozesses. Ihr Ziel seien Angriffe auf Ausländer, Deutsche mit Migrationshintergrund, politisch Andersdenkende und als “besondere Eskalationsstufe” die Herbeiführung eines Systemwechsels mit Gewalt gewesen.

Ihre Vereinigung “Revolution Chemnitz” haben sie dazu demnach in einer Chat-Gruppe im September 2018 gegründet. “Nach unserer Ansicht im Zuge und auf der Folie der vorherigen Ausschreitungen in Chemnitz”, führte Bundesanwalt Lohse aus. Die Mitglieder der Gruppe hätten sich bereits zuvor gekannt und gemeinsam Straftaten begangen. Sie seien in der rechtsextremen Szene und in der Hooliganszene gut vernetzt und hätten sich fortlaufend radikalisiert, hieß es.

Angriffe auf “Merkel-Zombies”

Nach den Ermittlungen sollen die Beschuldigten geplant haben, am 3. Oktober 2018, dem Tag der Deutschen Einheit, in Berlin einen gewaltsamen Aufstand anzuzetteln. Geplant waren demnach “gezielte und effektive Schläge gegen Linke” und – so die Formulierung der Beschuldigten – “Merkel-Zombies” sowie bewaffnete und todbringende Anschläge auf von der Gruppe identifizierte Gegner, wie Lohse sagte.

Einige der Angeklagten sollen am 14. September 2018 nach einer Demonstration der rechtsextremistischen Bewegung “Pro Chemnitz” als selbst ernannte Bürgerwehr eine Gruppe jugendlicher Ausländer in der Stadt überfallen haben. Die Ermittler halten das für einen “Probelauf”.

Beginn Prozess Revolution Chemnitz (picture-alliance/dpa/S. Kahnert)

Einer der Angeklagten wird zu Prozessbeginn in den Verhandlungssaal geführt

Laut Anklage war “Revolution Chemnitz” auf unbestimmte Zeit angelegt und von “offen nationalsozialistischer Gesinnung”. Die Anklage stützt sich vor allem auf die Auswertung von Chatverläufen in den beschlagnahmten Handys.

Angeklagte schweigen zu den Vorwürfen

Die Angeklagten, darunter führende Köpfe der Hooligan-, Skinhead- und Neonazi-Szene der Region, waren mit Ausnahme des mutmaßlichen Rädelsführers am 1. Oktober 2018 verhaftet worden. Der 32-Jährige ist bereits seit dem 14. September in Untersuchungshaft.

Die mutmaßlichen Rechtsextremisten aus dem Raum Chemnitz schwiegen zu Prozessbeginn. Die Vertreter der Bundesanwaltschaft wiesen Vorwürfe der Verteidigung zurück, es handle sich um ein politisch motiviertes Verfahren.

Die Staatsschutzkammer hat bis Jahresende 23 Termine festgesetzt und will dann ab Januar zunächst bis Ende April 2020 jeweils drei Tage pro Woche verhandeln. Aus Sicht des Generalbundesanwalts Peter Frank ist es “eines der bedeutendsten Verfahren im Bereich Rechtsterrorismus”.

qu/gri (dpa, afp, epd)

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Beethovenfest 2019: zwischen "Mondschein" und Kulturpolitik

Standing Ovations und drei Zugaben – am 29. September ging das Beethovenfest 2019 glanzvoll zu Ende: Es spielte das Moskauer Tschaikowsky-Symphonieorchester unter der Leitung von Wladimir Fedossejew, der mit 87 Jahren als letzter der legendären Chefdirigenten seiner Generation am Pult steht.

Deutschland Abschlusskonzert Beethovenfest 2019 | Tschajkowski-Orchester Moskau (DW/B.Frohmann)

Tschajkowsky-Symphonieorchester unter der Leitung von Wladimir Fedossejew beim Konzert in Bonn

Das rein russische Programm machte dem Festspielmotto “Mondschein” alle Ehre: ob mit Modest Mussorgskys stürmischer  “Nacht auf dem kahlen Berge”, einem düsteren Karneval der Gestalten der Finsternis, oder Tschaikowskys “Manfred”, einer zutiefst persönlichen, musikalischen Beichte einer leidenden Seele. Der junge russische Violinist Nikita Boriso-Glebsky, der bereits 2008 in Bonn als Künstler des Campus-Projektes der DW und des Beethovenfestes debütierte, brillierte diesmal mit Prokofjews temperamentvollem Zweiten Violinkonzert. “Wer meinte, nächtliche Thematik und ‘Mondschein’ seien zu ruhig für ein Festival, wurde heute eines Besseren belehrt”, freute sich Festspielleiterin Nike Wagner.

Live-Übertragung nach Russland

Das Abschlusskonzert hatte auch eine kulturpolitische Dimension: Das Konzert wurde in Zusammenarbeit mit dem russischen staatlichen Sender “Radio Kultura” live nach Moskau übertragen.

 A. Boutsko im Gespräch mit Nike Wagner (DW/B.Frohmann)

Nike Wagner im Gespräch mit Reporterin Anastassia Boutsko während der Live-Übertragung nach Russland

“Dieses Konzert ist eine Reminiszenz an die große russische Musiktradition und zugleich die respektvolle Begegnung zweier vielfältig verbundener Kulturnationen. Eine Begegnung, die einmal mehr verdeutlicht, dass Musik als universelle Sprache gerade in schwierigen Momenten Missklang und Dissens überwinden kann”, so DW-Intendant Peter Limbourg in einem Grußwort an das Radiopublikum in Russland.

Ein Bayreuth für Beethoven?

Nach dem Festival ist vor dem Festival: Das gilt diesmal in besonderem Maße für das Beethovenfest – 2020 steht eine groß angelegte Jubiläumssaison bevor, aber auch die Neuausrichtung danach hat man schon im Visier. Mit ihren  anspruchsvollen Programmen hat Festspielleiterin Nike Wagner das Beethovenfest seit 2014 zu einem intellektuellen Gesamtkunstwerk entwickelt. Jetzt stellt sich die Frage, wie es musikalisch zugänglicher für jedermann werden könnte. Müsste vielleicht Beethovens Werk obligater Mittelpunkt jedes Konzerts werden?

Beethovenfest Bonn | Fazıl Say und die Camerata Salzburg (Beethovenfest Bonn/M. Böschemeyer)

Im Beethovenrausch: Fazil Say mit Camerata Salzburg in Bonn

Und auch die Frage, ob Bonn sich gar als eine Art “Bayreuth für Beethoven” positionieren könnte, steht bei einer Neuausrichtung des Festivals im Raum. Hier Meinungen von drei Künstlern unterschiedlicher Generationen: ”Wir zelebrieren Beethoven das ganze Jahr und überall, wo wir ihn spielen. Der Geist Beethovens schließt es aus, ‘gefangen’ und auf ein Ort reduziert zu werden”, so der türkische Pianist Fazil Say, der in Begleitung der Camerata Salzburg das 3. Klavierkonzert von Beethoven in Bonn spielte. “Beethoven ist im Fleisch und Blut eines jeden Musikers”,  so der russische Altmeister Waldimir Fedossejew. “Er ist als eine Art Gottheit, als übergeordnete Figur, immer da, in jedem Klang. Wenn wir Mussorgsky, Tschaikowsky oder etwa Mahler spielen, spielen wir auch Beethoven.” Und der Violinist Nikita Boriso-Glebsky meint: “Für mich ist Beethoven ein Symbol für ständige Selbsterneuerung. Heute dem Geiste Beethovens treu zu sein, bedeutet Neues zu schaffen.”

 

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Huthi-Rebellen im Jemen lassen 290 Gefangene frei

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) teilte in Genf mit, die Huthis hätten als Teil einer Vereinbarung mit der international anerkannten Regierung des Jemen 290 Häftlinge auf freien Fuß gesetzt, die in diversen Lagern festgehalten worden seien. Die Huthis kündigten sogar die Freilassung von insgesamt 350 Gefangenen an. Der Schritt werde unter Aufsicht des IKRK und der Vereinten Nationen vollzogen.

Die einseitige Geste könne den Weg für weitere Freilassungen in dem Konflikt ebnen, erklärte das IKRK. Das Rote Kreuz habe das Unternehmen unterstützt, etwa durch medizinische Untersuchungen und Feststellungen der Identitäten der Gefangenen. Die Freigelassenen würden gemäß ihren eigenen Wünschen entweder von der Hauptstadt Sanaa in ihre Heimatgebiete oder in von anderen Konfliktparteien kontrollierte Gebiete transferiert. Die Huthi-Rebellen kontrollieren Sanaa.

Jemen Sanaa | Huthi Rebellen lassen mehrere hundert Insassen frei (picture-alliance/AP Images/H. Mohammed)

Warten auf die Freilassung: Gefangene im Zentralgefängnis in Sanaa

Grundsatzvereinbarung im Dezember

Die Huthi-Rebellen und die Regierung von Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi hatten sich im Dezember auf den Austausch von rund 16.000 Gefangenen verständigt. Auch eine Waffenruhe für die wichtige Hafenstadt Hudaida am Roten Meer war Teil der von den Vereinten Nationen vermittelten Gespräche. Der UN-Jemenbeauftragte Martin Griffiths zeigte sich hoffnungsvoll, dass alle Gefangenen wie vereinbart ausgetauscht würden. Die Gefangenen und ihre Familien hätten sehr gelitten.

Unter den Freigelassenen waren laut Rotem Kreuz auch 42 Überlebende eines Angriffs auf ein als Gefängnis genutztes Gebäude in Dhamar im Südwesten des Jemen. Bei dem Luftangriff Anfang September wurden nach Angaben der Hilfsorganisation 134 Menschen getötet. Das von Saudi-Arabien angeführte Militärbündnis hatte die Verantwortung von sich gewiesen und erklärt, es habe eine militärische Einrichtung ins Visier genommen.

Jemen Huthi-Rebellen zeigen mutmaßliche Aufnahmen saudischer Gefangener (Reuters/TV/Al Masirah/Houthi Military Media Center)

Huthi-Rebellen zeigen mutmaßliche Aufnahmen saudischer Gefangener bei Najran im Jemen

2000 Soldaten gefangen?

Die Huthi-Rebellen hatten am Sonntag Aufnahmen veröffentlicht, die saudische Gefangene nach einer großen Offensive im Grenzgebiet zu Saudi-Arabien zeigen sollen. Dabei seien mehr als 2000 Kämpfer des saudischen Bündnisses gefangen genommen und rund 500 weitere Kämpfer getötet oder verletzt worden, sagte Huthi-Militärsprecher Jahia Sari. Von Saudi-Arabien lag zunächst keine Bestätigung vor.

Im Jemen kämpft die Regierung seit 2015 mit direkter militärischer Hilfe einer von Saudi-Arabien geführten Militärkoalition gegen die Huthi-Rebellen, die Unterstützung aus dem Iran erhalten. UN-Ermittler werfen allen Konfliktparteien vor, Kriegsverbrechen zu verüben.

kle/gri (dpa, epd, afpe, ape)

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Zwei Kandidaten von der Leyens erneut durchgefallen

Die Mitglieder des Ausschusses lehnten die Bewerbungen der rumänischen Sozialdemokratin Rovana Plumb und des früheren ungarischen Justizministers Laszlo Trocsanyi im Rechtsausschuss ab. Beide Kandidaten seien für einen Kommissionsposten ungeeignet. Der Ausschuss habe festgestellt, dass es den beiden Politikern nicht möglich sei, ihre Aufgaben in Übereinstimmung mit den EU-Verträgen und der Verhaltensregeln anzutreten. Plumb war als Verkehrskommissarin vorgesehen, Trocsanyi als Erweiterungskommissar.

Der Ausschuss hatte bereits am Donnerstag in einer ersten Sitzung gegen beide Kandidaten gestimmt. Parlamentspräsident David Sassoli fand den Beschluss aber nicht eindeutig und bat um Klarstellung. Mit der Entscheidung vom Montag bekräftigte der Ausschuss die Ablehnung.

Ungarischer Justizminister Laszlo Trocsanyi (picture-alliance/dpa/J. Bednarczyk)

Laszlo Trocsanyi wehrt sich …

Trocsanyi will gegen Entscheidung klagen

Der Ungar reagierte mit heftiger Kritik und kündigte rechtliche Schritte an. Der Rechtsausschuss sieht bei Trocsanyi einen Interessenskonflikt bei der Tätigkeit seiner Anwaltskanzlei während seiner Zeit als ungarischer Justizminister von 2014 bis 2019. Der heutige EU-Abgeordnete der nationalkonservativen Fidesz-Partei von Regierungschef Viktor Orban sieht kein Fehlverhalten und verweist darauf, dass seine Kanzlei während seiner Ministerzeit keine staatlichen Aufträge mehr angenommen habe.

 Rovana Plumb (Imago Images/M. Gribaudi)

… und auch Rovana Plumb kritisiert ihre Ablehnung

Der rumänischen Anwärterin Plumb hielten die Abgeordneten zwei umstrittene Kredite von insgesamt fast einer Million Euro vor. Die Politikerin der postkommunistischen Partei PSDE steht wegen Ungereimtheiten bei einem Privatkredit zur Finanzierung ihres Privathauses und bei einem Kredit zur Finanzierung des Europawahlkampfs unter Korruptionsverdacht.

Plumb kritisierte in einer Erklärung, ihre Ablehnung sei entgegen “den Regeln des Europäischen Parlaments” erfolgt. Die Frage mit den Krediten sei aus ihrer Sicht erledigt gewesen, nachdem sie sich bereit erklärt habe, diese zurückzuzahlen.

Feuertaufe für von der Leyens Team

Für die designierte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ist der Streit über ihre Kandidaten ein Rückschlag. Ihr wird vorgehalten, die Vorschläge der EU-Staaten nicht gründlich genug geprüft zu haben. Je nachdem, ob und wie rasch Ersatzkandidaten benannt werden, könnte der Zeitplan für die Billigung durch das Parlament nun ins Rutschen geraten. Derzeit ist geplant, dass das Plenum am 23. Oktober über von der Leyens Personalpaket abstimmt und die Kommission am 1. November startet.

Vorher müssen sich alle 26 Kandidaten für die Kommission jeweils dreistündigen Anhörungen in den zuständigen Parlamentsausschüssen stellen. Die Befragungen vom heutigen Montag bis nächste Woche Dienstag sind eine rechtliche Vorbedingung dafür, dass die Behörde unter Leitung von der Leyens im November ihre Arbeit offiziell aufnehmen kann. Auch im Verlauf dieser Prüfung könnten noch Kandidaten durchfallen. Trocsanyi und Plumb sind zu den Fachanhörungen nicht mehr zugelassen.

Ein Sprecher von der Leyens sagte, die künftige Kommissionspräsidentin werde Ungarn und Rumänien rasch um Ersatzkandidaten bitten. Vorgespräche mit den Regierungen seien bereits geführt worden. Voraussetzung sei aber ein offizielles Schreiben von EU-Parlamentspräsident Sassoli zur Ablehnung der beiden Kandidaten.

Die Regierung in Budapest hat inzwischen den bisherigen ungarischen EU-Botschafter Oliver Varhelyi als EU-Kommissar vorgeschlagen. Einen Ersatzkandidaten für die Rumänin Plumb gab es zunächst nicht.

qu/gri (dpa, afp, rtr)

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