Месечни архиви: February 2020

Hochprozentiges im hohen Norden: Wie der Rum nach Flensburg kam

“Los, nicht lang schnacken, Kopf in Nacken”, sagt Malte zu mir, als ich am Hafen stehenbleibe, um den Schiffen nachzuschauen. Er gießt Rum in ein kleines Glas und hält es mir hin. Schmeckt süß und würzig, der Hochprozentige. Und wärmt schön durch. Es war der letzte Schluck. “Wir brauchen Nachschub”, ruft der 66-Jährige, der früher als Matrose zur See fuhr und nun mit Pulle und Angel am Kai steht und Heringe fängt.

DW-Reportage Flensburg (DW/B. Weidt)

Verkaufsladen Johannsen: Das älteste Rumhaus der Stadt wurde 1878 gegründet

Wir laufen zum Rumhaus Johannsen, eine der letzten traditionellen Spirituosenfabriken in Flensburg. Dort in der Marienstraße gibt es den besten Rumverschnitt. Verschnitt klingt zwar nicht so gut, schmeckt aber und hat eine lange Geschichte aufzuweisen: 1885 wurde begonnen, von den karibischen Inseln Rum einzuführen, mit dem sich in Flensburg gut Geld verdienen ließ. Doch bald gab es den Mengenzoll. Die Seefahrer waren von nun an gezwungen, ein Konzentrat mitzubringen, damit die Fabrikanten weiterhin so viel verkaufen konnten wie zuvor. Um den importierten 80-prozentigen Alkohol trinkbar zu machen, wurde er mit Wasser gestreckt, also verdünnt, und mit Kornbranntwein verfeinert. Dieses Verfahren hat sich bis heute erhalten. Der würzige Geschmack des Verschnittes ist mittlerweile viel besser als sein Ruf.

Einst dänische Kolonie

Flensburg hat eine echte Rumtradition – als einzige deutsche Stadt. Einst gehörte es zu Dänemark. Und Dänemark besaß Kolonien: die Jungferninseln St. Thomas, St. John, St. Croix. Im Flensburger Hafen, der damals größer und bedeutender war als der von Kopenhagen, brachten die Schiffe das begehrte Getränk in großen Fässern mit. Was im 18. Jahrhundert florierte, wurde einhundert Jahre später vom Krieg unterbrochen: Die Stadt ging von Dänemark an Preußen und Österreich. Dadurch verloren die Flensburger Destillerien ihre Rumlieferanten. Ein Äquivalent musste her. Und so begann man nach Jamaika zu fahren, um die Lücke zu schließen.

DW-Reportage Flensburg (DW/J. Helmbrecht)

Rum: traditionelle Lagerung im Eichenfass

Reift bis zu 14 Jahre im Fass

Das alles hatte einst der Ururgroßvater von Martin Johannsen miterlebt. Martin führt in vierter Generation das älteste Rumhaus der Stadt. Hinter dem kleinen Laden in der Marienburg, einem mittelalterlichen Kaufmannsspeicher der Altstadt, weht aus dunklen Lagerräumen ein Hauch würzigen Rums, vermischt mit den feinen Aromen von Vanille und rauchigem Holz. Einmal im Jahr kommt die Lieferung aus der Karibik, zwei- bis dreitausend Liter sind es jedes Mal. Mit einer Winde am Lagerhaus werden die Behälter nach oben gezogen und in Holzfässer umgefüllt. Zwischen fünf und sieben Jahre Reifezeit im tropischen Klima Jamaikas hat der Rum bei seiner Ankunft hinter sich. Eigentlich ist er ausgereift und geschmacksintensiv, aber für einen Flensburger Rum sei er noch nicht gut genug, erklärt der junge Mann. Zwölf bis vierzehn Jahre lang muss sich ein Rum entwickeln, bis er in Flaschen abgefüllt wird.

DW-Reportage Flensburg (DW/J. Helmbrecht)

Hochprozentiger Geschmack der Karibik: echter Jamaika-Rum

Gut erhaltene Altstadt

Auf dem Weg zurück zum Hafen mache ich mit Malte einen Schlenker durch den Oluf-Samson-Gang. Obwohl die Gasse nicht mehr das ist, was sie mal war, erinnert sie an die Zeit, als die Matrosen einst Geld gegen Lust tauschten. Ende der Sechziger schafften im Flensburger Rotlicht-Millieu 70 Frauen an, vor knapp vier Jahren schlossen die letzten beiden Prostituierten ihre Etablissements. Häuser, die teils aus dem 17. Jahrhundert stammten und nun restauriert wurden. Es war höchste Zeit, die historischen Anwesen auf Vordermann zu bringen, besonders als vom Haus Nummer 3 die Fassade zusammenfiel und Passanten eine “spektakuläre” Kulisse freigab. Abgesehen von solch kleinen Zwischenfällen ist Flensburg baulich gut beieinander, denn die Stadt wurde während des Zweiten Weltkriegs nicht zerstört, Marktplatz, Stadttor, Kirchen sind gut erhalten.

DW-Reportage Flensburg (DW/B. Weidt)

Altstadtbummel, vorbei an Kapitäns- und Kaufmannshäusern, die in den kleinen Nebenstraßen zu finden sind

Es ziehen immer mehr Studenten her

Bekannt wurde die 95.000-Einwohner-Stadt auch durch Beate Uhse, die hier 1962 den ersten Sexshop der Welt eröffnete. Der hieß “Fachgeschäft für Ehehygiene”, das Angebot umfasste Verhütungsmittel, Dessous, Stimulationsartikel und Bücher.

Beate Uhse Galerie (picture-alliance/dpa)

Beate Uhse 1969 vor ihrem Erotik-Versandhaus in Flensburg

Nach Flensburg zieht es von jeher Abenteurer, Lebenskünstler, Seemänner, Bootsbauer und Studenten, die gerne in den teils noch preiswerten Höfen der Innenstadt wohnen. In den Höfen gibt es Skater-Läden, Änderungsschneidereien, Galerien, Discos. Gelegentlich schallt aus den geöffneten Fenstern Seemansrock. Der von “Santiano”, einer Band, deren Männer allesamt aus Flensburg stammen. Ihre Lieder sind voller Lebenslust, ungebändigter Sehnsucht und wilder Träume. Der Song “Es gibt nur Wasser” ist sehr beliebt, denn darin heißt es: “Wir brauchen Rum, Rum, Rum, sonst verdursten wir.” “Stimmt nicht ganz,” fügt Malte hinzu. “Denn es gibt ja auch noch das berühmte Flensburger Bier. Aber für mich geht nichts über einen guten Rum!”

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Zehntausende Russen erinnern an ermordeten Kremlgegner Nemzow

Die Demonstranten in Moskau ließen sich vom massiven Polizeiaufgebot nicht abschrecken. Die Polizei sprach von mehr als 10.000 Teilnehmern am Nemzow-Marsch. Professionelle Zähler der Zivilgesellschaft gaben die Zahl dagegen mit 22.500 Menschen an. Die Demonstranten waren einem Aufruf des Oppositionspolitikers Alexej Nawalny und anderer Organisatoren gefolgt, sich in großer Zahl der Kundgebung anzuschließen.

Viele Demonstranten trugen Transparente mit Nemzows Foto. Es gab eine Schweigeminute. Die Demonstranten forderten auf Plakaten, den Drahtzieher des politischen Verbrechens zu ermitteln und ins Gefängnis zu bringen. In Moskau war es die erste Großkundgebung seit den von den Behörden brutal unterdrückten Demonstrationen im vergangenen Sommer für freie und faire Wahlen.

Russland Moskau Gedenken an Oppositionsführer Boris Nemzow (DW/Evlaliya Samedova)

Auf dem Nemzow-Gedenkmarsch in Moskau wird der Ruf nach Putins Rücktritt laut

In Sankt Petersburg nahmen etwa 2000 Menschen an einem Marsch zum Denkmal für die Opfer der politischen Repressionen teil. Weitere Gedenkmärsche gab es unter anderem in Nischni Nowgorod, Jekaterinburg und Irkutsk.

Der als Kreml-Kritiker bekannte Ex-Vizeregierungschef Nemzow war am 27. Februar 2015 in der Nähe des Kremls erschossen worden. 2017 wurde ein ehemaliger Offizier aus Tschetschenien für den Mord zu 20 Jahren Haft verurteilt. Vier weitere Männer wurden der Beihilfe zum Mord schuldig befunden. Die Familie und Anhänger Nemzows werfen den russischen Behörden jedoch vor, die Drahtzieher bis heute nicht zur Rechenschaft gezogen zu haben.

Scharfe Kritik an Putins Verfassungsplänen

In Moskau riefen die Demonstranten in Sprechchören auch “Freiheit für die politischen Gefangenen”. Mit Plakaten protestierte die Opposition zudem dagegen, dass Putin in Russland dauerhaft an der Macht bleibt. Der Präsident lässt gerade die Verfassung ändern. Danach könnte der 67-Jährige künftig länger als bisher möglich die Geschicke des Landes führen. Nach dem geltenden Verfassungsrecht endet seine letzte mögliche Amtszeit 2024. Nawalny, der ebenfalls an der von den Moskauer Behörden genehmigten Kundgebung teilnahm, will mit den Protesten nach eigenen Angaben ein Signal an den Kreml-Chef senden, dass er nicht um jeden Preis die Macht behalten kann, wenn sein Mandat in vier Jahren ausläuft.

Auf einem Protestschild der Demonstranten stand “Putins Regime ist eine Bedrohung der Menschheit”, ein anderes zierte unter Nemzows Bild ein Zitat des ermordeten Oppositionellen: “Putins Politik beruht auf reinen Lügen”. Immer wieder skandierte die Menge “Russland ohne Putin” und “Russland wird frei sein”. Die Bevölkerung ist in der Frage gespalten: In einer Umfrage des unabhängigen Lewada-Zentrums gaben 45 Prozent an, Putin solle 2024 endgültig abtreten, während 45 Prozent sagten, er solle an der Macht bleiben.

kle/pg (afp, dpa)

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Coronavirus breitet sich in Deutschland weiter aus

Wie es nach einer Sitzung des Krisenstabs in Heinsberg hieß, geht es den betroffenen Kinder gut, sie weisen “Erkältungssymptome” auf. Sie hatten den Kindergarten besucht, in dem die Frau arbeitete, die nach ihrem Mann als zweite Person im Kreis Heinsberg positiv auf das Virus Sars-CoV-2 getestet worden war.

Insgesamt besuchten 114 Kinder diese Kita. Bei rund 100 Jungen und Mädchen war ein Test vorgenommen worden, der bei vier Kindern positiv ausfiel. Die übrigen Kinder waren nach Angaben der Behörden nicht zu der freiwilligen Untersuchung erschienen.

Infektionsfall in Bonn

Derweil meldete die Stadt Bonn ihren ersten Infektionsfall. Betroffen ist ein Mann, der als Betreuer in einer Schule arbeitet. Diese soll nun für zwei Wochen geschlossen bleiben. Der 23 Jahre alte Mitarbeiter zeige lediglich leichte Symptome und befinde sich in häuslicher Quarantäne, teilte der behandelnde Arzt der Bonner Uniklinik mit.

Der junge Mann habe im Kreis Heinsberg Karneval gefeiert und sei am Aschermittwoch nach Bonn zurückgekehrt. Zunächst habe er sich am Donnerstag in der Uniklinik ärztlich untersuchen lassen. Ein Test sei aber erst am Freitag vorgenommen worden, als er sich weiter untersuchen ließ und bekannt wurde, dass er Karneval in Heinsberg gefeiert hatte.

Infografik Verlauf der COVID-19-Epedemie DE 27.02.2020

Bisher haben alle fast 40 Infektionsfälle in NRW einen Bezug zum Kreis Heinsberg, der bisher als Ausgangspunkt für die Ausbreitung des Coronavirus gilt. Ein 47-jähriger Mann, der als Erstinfizierter in NRW gilt, hatte dort an einer Karnevalssitzung teilgenommen. Der Mann wird weiter in der Uniklinik Düsseldorf behandelt.

Milder Krankheitsverlauf

Die Stadt Aachen teilte derweil mit, bei einer Frau, die aus anderen Gründen in einer Aachener Klinik behandelt werde, sei auch das Virus nachgewiesen worden. Zudem seien eine Frau und ihr Sohn aus Würselen ebenfalls positiv getestet worden. Eine stationäre Aufnahme sei bei beiden aufgrund des leichten Krankheitsverlaufes aber nicht erforderlich, die Betroffenen seien nach Hause entlassen worden. Es würden nun die Kontaktpersonen ausfindig gemacht.

Vom Aachener Gesundheitsamt hieß es, die aktuellen Fälle aus der Region zeigten, dass die Krankheit in der Regel einen moderaten Verlauf nehme und die Patienten in Absprache mit dem Gesundheitsamt sich zuhause auskurieren könnten.

Rund 85.000 Infizierte weltweit

Am Freitagabend und in der Nacht zum Samstag waren unter anderem aus Hessen und aus Baden-Württemberg neue Infektionsfälle gemeldet worden. Auch hier zeigten die Betroffenen nach Angaben der Behörden milde Krankheitszeichen. Für ganz Deutschland zählte das Berliner Robert Koch-Institut (RKI) bis Samstagvormittag 66 nachgewiesene Infektionen. 

Auch im Ausland steigt die Zahl der Infizierten weiter an. Nach Angaben des RKI wurden mehr als 85.000 Infizierte in knapp 60 Ländern registriert. In Europa sind rund zwei Dutzend Länder betroffen. Italien verzeichnet mit rund 900 Infizierten bis Freitag den größten Ausbruch von Sars-CoV-2 in Europa. 21 Menschen sind an der Erkrankung Covid-19 in dem Land bereits gestorben – besonders viele im Norden.

uh/pg (dpa, afp)

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Spannende Parlamentswahl in der Slowakei

Die Wahllokale öffneten bereits um 7 Uhr und schließen erst um 22 Uhr. Als überraschender Favorit gilt die rechtskonservative Protestpartei Olano des Unternehmers Igor Matovic, die lediglich 45 Mitglieder hat. Das Kürzel Olano steht für “Gewöhnliche Leute und unabhängige Persönlichkeiten”. Matovic dürfte es nach Ansicht politischer Experten jedoch nur in das Amt des Regierungschefs schaffen, wenn es ihm gelingt, die in mehrere Parteien zersplitterte konservativ-liberale Opposition hinter sich zu vereinen. Erst dann würde es für eine Mehrheit im 150 Sitze zählenden Parlament reichen.

Zu den großen Verlierern der Wahl könnte die linkspopulistische Smer-SD gehören, die die bisherige Drei-Parteien-Koalition in Bratislava anführte. Ministerpräsident Peter Pellegrini hatte ein Bündnis mit Nationalisten und Vertretern der ungarischen Minderheit gebildet, das seit genau zwei Jahren in der Kritik steht. Damals hatte der mutmaßlich in Auftrag gegebene Mord an dem Investigativ-Journalisten Jan Kuciak und dessen Frau für landesweites Entsetzen gesorgt. Massendemonstrationen gegen Korruption und politische Seilschaften waren die Folge.

Am Freitag noch versuchte Pellegrini seiner Rolle als Staatsmann gerecht zu werden, in dem er vor einer neuen Migrationswelle aus der Türkei nach Europa warnte. Seine Regierung unterschätze diese Gefahr nicht. “Es muss gelten, dass die Slowakei entscheidet, wer ihr Territorium betreten darf und wer nicht”, forderte der 44-Jährige. Die Slowakei gehört mit Tschechien, Ungarn und Polen der Visegrad-Gruppe an, die sich bislang strikt gegen eine Umverteilung von Flüchtlingen wehrt.

djo/pgr (afp, dpa)

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