Месечни архиви: May 2020

Deutsche Polizeiausbilder aus Afghanistan ausgeflogen

Nach einem Corona-Ausbruch unter deutschen Polizeiausbildern in Afghanistan hat das Bundesinnenministerium insgesamt neun Polizisten nach Deutschland zurückgeholt. Mit einem speziell ausgestatteten Airbus A400 MedEvac flog die Luftwaffe drei erkrankte Ausbilder in die Heimat. Mit an Bord war auch ein infizierter Bundeswehrsoldat, der im Camp Marmal im nordafghanischen Masar-i-Scharif stationiert war. Der Airbus landete am späten Sonntagabend in Köln.

Parallel dazu wurden mit einer gecharterten Maschine sechs weitere Polizisten nach Deutschland zurückgebracht. Sie hätten bei der Ausbildungsmission mit den infizierten Kollegen zusammengearbeitet und gälten daher als Erstkontakte, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums. Weil es wegen der Corona-Krise keine geeigneten zivilen Flüge gebe, seien sie von einem privaten Anbieter für medizinische Flüge ausgeflogen worden.

Zwei positive Corona-Tests

Die neun Beamten gehören zu der Einheit, die im Rahmen des “German Police Project Teams” in Kabul und Masar-i-Scharif lokale Polizisten ausbildet. Drei von ihnen hatten den Angaben zufolge am 26. Mai Symptome wie leichtes Fieber, Übelkeit und Erbrechen gezeigt. Bei zwei von ihnen sei der Corona-Test positiv ausgefallen, sagte der Ministeriumssprecher. Da der dritte ebenfalls Symptome zeige, sei auch bei ihm von einer Infektion auszugehen.

Abzeichen der Bundespolizei in Afghanistan German Police Project Team (picture-alliance/imageBROKER/S. Grassegger)

Das Abzeichen des German Police Project Team der Bundespolizei in Afghanistan

Zurückgebracht wurde außerdem ein positiv auf das Coronavirus getesteter Bundeswehrsoldat aus Masar-i-Scharif. Die Männer wurden auf dem Rückflug zur Sicherheit von einem Arzt und einem Notfallsanitäter begleitet, wie ein Sprecher des Sanitätsdienstes der Bundeswehr sagte.

Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie war die Ausbildungsmission am Hindukusch ohnehin eingeschränkt, da eine Ausgangssperre verhängt wurde. Nun droht ihr der Stillstand. Weil jetzt neun Polizisten fehlen, könne die gesicherte Unterkunft des Teams vorübergehend nicht genutzt werden, erklärte der Ministeriumssprecher. Für den Betrieb sei eine Mindestanzahl an deutschen Einsatzkräften notwendig. Neben zwei Polizisten, die dauerhaft am militärischen Teil des Flughafens Kabul im NATO-Camp stationiert seien, würden der Leiter des Projekts und drei weitere Kräfte nun an der deutschen Botschaft Kabul untergebracht. Sie hätten keinen Kontakt zu den Erkrankten gehabt. Eine Präsenz vor Ort sei damit weiterhin sichergestellt, die Wahrnehmung der Aufgaben werde jedoch weiter eingeschränkt.

kle/fab (dpa, afp)

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Meister der Verpackungen: Zum Tod von Christo

Sein letztes großes Verhüllungswerk sollte der Arc de Triomphe in Paris werden. Im September 2021 sollte das berühmte Wahrzeichen mit 25.000 Quadratmetern recycelbarem Polypropylengewebe in Silberblau umhüllt und dann mit 7000 Meter roter Kordel eingeschnürt werden. Dies erlebte der weltberühmte bulgarisch-amerkanische Künstler nun nicht mehr, er starb am 31. Mai in New York eines natürlichen Todes.

Durch Verhüllung Neugierde wecken

Glänzende farbige Stoffe, die Gebäude, Objekte oder ganze Landstriche verhüllten, waren sein Markenzeichen. Zusammen mit seiner Frau Jeanne-Claude, die 2009 starb, verhüllte er den Reichstag in Berlin, Bäume in der Schweiz oder Wege in Kansas City. Und manchmal verhüllte er auch einfach nur Luft in großen “Luft-Paketen”.

Christo Installation in Gasometer Oberhausen (picture-alliance/dpa)

“Big Air Package” im Gasometer Oberhausen

Christo und Jeanne Claude planten gemeinsam groß angelegte Projekte wie Anfang der 70er Jahre den überdimensionalen Vorhang “Valley Curtain” durch ein Tal in Colorado. Spektakulär waren in den 80ern auch die rosa ummantelten Inseln “Surrounded Islands” von Florida und die verhüllte Brücke “Pont Neuf” in Paris. 1995 schnürte das Künstlerpaar den deutschen Reichstag in silberglitzernde Stoffbahnen, und 2016 wandelten in Italien 1,3 Millionen Besucher auf den schwimmenden “Floating Piers” über den Iseo-See. “Ich liebe echte Dinge, echten Wind, echte Trockenheit, echtes Nass, echte Angst und echte Freude”, erklärte Christo vor einer italienischen Schulklasse in dem Dokumentarfilm “Walking on Water.” 

Christo The Floating Piers auf dem Lago d'Iseo (picture-alliance/dpa/M. Kappeler)

The Floating Piers auf dem Lago d’Iseo

Schon früh hatte Christo angefangen, Gegenstände wie Dosen, Flaschen und Kisten einzuwickeln, zu verhüllen oder zu verkleiden. Den Begriff “Verpackungskünstler” lehnte er immer ab. Er hat die Dinge nie bis zur Unkenntlichkeit verändert und wollte auf diese Weise die Neugierde des Betrachters wecken. Die Deutung seiner Kunst hat er anderen überlassen. So spricht Christos Biograf David Bourdon vom “Enthüllen durch Verbergen”.

Christo & Jeanne Claude

Am 13. Juni 1935 wurde Christo Vladimiroff Javacheff in Bulgarien geboren. In den fünfziger Jahren studierte er Malerei, Bildhauerei und Architektur in Sofia. 1956 floh er aus dem kommunistischen Land über die tschechoslowakische Grenze. In Paris fand er Anfang der 60er Jahre Anschluss an die Künstlergruppe der “nouveaux réalistes”, der neuen Realisten, die unter anderem Objekte aus der Realität in die Kunst integrierten und verfremdeten.

Kuenstlerpaar Christo und (picture-alliance/dpa/F. Gentsch)

In Liebe und in der Kunst verbunden: Jeanne-Claude und Christo

Um Geld zu verdienen, malte Christo nebenbei Portraits und lernte dabei im Hause eines Generals dessen Tochter Jeanne-Claude kennen. Zufällig war sie am gleichen Tag wie er geboren. Jeanne-Claude war Christos Charme erlegen, die Begeisterung für seine Kunst kam später. Christos künstlerische Begabung ergänzte Jeanne-Claude durch ihr Organisationstalent.

Beziehungen zu Deutschland

Seit 1972 stand Wolfgang Volz dem Paar als “Hausfotograf” zur Seite. “Obwohl Christo einen Weltruf hatte, habe ich nie ‘für’ die beiden gearbeitet, sondern ‘mit’ ihnen als gleichberechtigter Partner”, sagte Volz in einem Interview mit der DW. Deshalb habe die Beziehung so lange gehalten. Christo war bekannt für sein aufbrausendes Temperament und für seine Hartnäckigkeit, wenn es darum ging, die bis ins Detail ausgearbeiteten Konzepte seiner Werke genau nach seinen Vorstellungen zu realisieren.

Seine Kunstaktionen wurden mit der Zeit zu gigantischen Projekten. “Mit der wachsenden Größe der Projekte wurde die ‘Arbeitsfamilie’ anders”, sagte Volz anlässlich Christos 80. Geburtstag. “Es wurden Ingenieure, professionelle Kletterer und andere Spezialisten benötigt.”

Der von Christo und Jeanne-Claude verhüllte Reichstag (picture-alliance/dpa/Kneffel)

Das Mega-Projekt in Berlin: der verhüllte Reichstag

Seine Stoffbahnen ließ Christo gerne von deutschen Firmen anfertigen. In Deutschland realisierte er auch eins seiner schwierigsten Projekte, die Verhüllung des Berliner Reichstages 1995, bei der Exklusivfotograf Wolfgang Volz auch die Projektleitung übernahm. Innerhalb von zwei Wochen befühlten und bestaunten fünf Millionen Menschen den silbrig glitzernden Stoff, der den Reichstag umhüllte. Über 20 Jahre hatte Christo darauf gewartet, dieses Projekt zu realisieren.

Freiheit als Motor der Kunst

Christo hat als Vertreter der sogenannten “Land Art” gemeinsam mit Jeanne-Claude viele spektakuläre Verhüllungs- und Gestaltungsaktionen von Gebäuden, Parks und ganzen Landstrichen in Angriff genommen. In den 60er Jahren, einer Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs, hatte “Land Art” eine politische Dimension. Der geografische Raum wurde in ein Kunstwerk verwandelt, das man nicht besitzen konnte. Ein Protest gegen das Besitzbürgertum.

Japan Kunst Christo und Jeanne-Claude Umbrellas Projekt (Getty Images/Gamma-Rapho/K. Kaku)

Eine der spektakulärsten Aktionen, “Umbrellas”

An dieser Idee hielt Christo bis zuletzt fest. Die Großprojekte im Freien waren bewusst nur kurze Zeit zu sehen, dafür aber öffentlich und für alle kostenfrei zugänglich. “Dass sie verschwinden, ist ein Teil des ästhetischen Konzeptes. Dadurch sind sie tief verwurzelt mit der Freiheit, denn die Freiheit ist Feind des Besitzes, und Besitz ist gleichbedeutend mit Dauerhaftigkeit”, sagte Christo im Zuge der Arbeiten am Berliner Reichstag. Freiheit blieb immer ein zentraler Begriff für den einstigen Flüchtling aus Bulgarien. Um unabhängig zu bleiben, finanzierte er seine Projekte selbst aus dem Verkauf von Skizzen und Objekten.

Christos politische Haltung

Aus Christos gesellschaftskritischen Ambitionen wurden Kunstspektakel, die die Massen allein durch ihre ästhetische Schönheit faszinierten. Jeanne-Claude fasste es immer wieder in einem Satz zusammen: “Wir machen Kunst auf Zeit, deren Inhalt Freude und Schönheit ist”.

Fluss-Projekt von Christo und Jeanne-Claude (picture alliance/dpa/J.Büttner)

Das Künstlerpaar präsentiert 2006 in der Rostocker Kunsthalle aktuelle Entwürfe zu ihrem Projekt “Over the River”

Trotzdem blieb Christo politisch. Sein Projekt “Over the River” in Colorado, das er 20 Jahre lang verfolgt hatte, gab er aus Protest gegen  US-Präsident Donald Trump 2017 auf. “Hier ist die US-Bundesregierung unser Vermieter”, sagte Christo der “New York Times”. “Sie besitzt das Land. Ich kann kein Projekt machen, das diesem Vermieter zugutekommt”.

Ölfässer für ein Grab

Christo verhüllte nicht nur Gebäude und Landschaften, sondern arbeitete auch sein Leben lang mit Ölfässern. Die ersten tauchten schon früh in Christos Biografie auf – verhüllt oder gestapelt. So versperrte er 1962 mit einer Mauer aus 441 Ölfässern die Pariser Rue Visconti. Er nannte das Werk “Der eiserne Vorhang” und wollte auf diese Weise seinen Protest gegen das DDR-Regime und den Bau der Berliner Mauer ausdrücken.

USA The Mastaba von Christo auf dem Serpentine Lake (picture-alliance/empics/V. The Mastaba)

“The Mastaba” im Hyde Park

1977 entwarfen Christo und Jeanne Claude “The Mastaba”, nachempfunden einem Grabbau aus der ägyptischen Kultur. Geplant war eine bunte Pyramide ohne Spitze aus 410.000 Ölfässern in der Wüste der Arabischen Emirate bei Abu Dhabi, 150 Meter hoch und 300 Meter lang. Immer wieder hatte Christo kleinere Pyramiden aus Ölfässern gebaut und ausgestellt, zuletzt 2018 eine schwimmende Pyramide aus 7506 Ölfässern im Londoner Hyde Park. Mit “The Mastaba” hätte Christo sich ein Denkmal geschaffen, es wäre sein erstes permanentes Großobjekt gewesen. Diesen Lebenstraum konnte er sich nicht mehr erfüllen.

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"I can’t breathe"-Proteste quer durch die USA

Das Pfingstwochenende 2020 werden viele Menschen in den USA wohl so schnell nicht vergessen: In Indianapolis starben mindestens zwei Menschen nach Schüssen am Rande von Protesten in der Innenstadt. In New York fuhren zwei Polizeiautos auf eine demonstrierende Menschenmenge auf, aus der sie zuvor beworfen wurden. Und in Chicago wurde Berichten zufolge die Dienstzeit von Polizisten auf zwölf Stunden erhöht, damit sie die Lage in den Griff bekommen. In mehr als einem Dutzend Städte galt eine nächtliche Ausgangssperre. Inzwischen haben sich Proteste auf viele Städte zwischen West- und Ostküste ausgedehnt, an zahlreichen Orten gab es auch Zerstörungen, gewaltsame Zwischenfälle und Festnahmen

Besonders unübersichtlich war die Situation erneut in Minneapolis, wo die Wut am vergangenen Montag ihren Ursprung nahm: Dort starb der Afroamerikaner George Floyd, nachdem ein weißer Polizist minutenlang auf seinem Hals gekniet hatte. Auf Amateurvideos ist zu hören, wie der gefesselte, am Boden liegende Mann um Luft ringt und mehrfach röchelt “I can’t breathe” – “Ich kann nicht atmen”. Der Satz findet sich inzwischen auf unzähligen Transparenten wieder, viele Demonstranten beziehen ihn allgemeiner auf die rassistische Benachteiligung, die schwarze Menschen in den USA auch Jahrzehnte nach Aufhebung der Rassentrennung immer noch regelmäßig erfahren.

Vergleiche mit Bürgerrechtsbewegung

DW-Korrespondent Stefan Simons ist seit Donnerstag in Minneapolis und hat mit vielen Demonstrierenden gesprochen. “Sie vergleichen es mit der Bürgerrechtsbewegung der 1960er-Jahre”, sagt er. Das werde auch negativ ausgelegt: “Viele sagen, 50, 60 Jahre ist das nun her und es hat sich nichts verändert.” Tatsächlich offenbaren nationale Statistiken immer noch große Unterschiede zwischen den Hautfarben, sei es beim Durchschnittsgehalt, dem Zugang zu medizinischer Versorgung und sogar bei der Lebenserwartung.

Viele US-Amerikaner glauben nicht daran, dass sich unter dem aktuellen Präsidenten Donald Trump – der weiße Rassisten zum Beispiel nach einem rechten Aufmarsch in Charlottesville 2017 als “gute Leute” bezeichnet hatte – daran etwas ändert. Trump nannte Floyds Tod zwar eine “furchtbare Tragödie”. Einen Tweet Trumps von Samstag verstanden einige jedoch als Aufruf an radikale Anhänger, sich einzumischen und wörtlich eine “Make America Great Again”-Nacht zu veranstalten. 

Tagsüber Familienprotest, nachts Plünderungen

Trump warf den Demonstranten vor seinem Amtssitz vor, nicht wegen des Andenkens an George Floyd da zu sein, sondern Unfrieden stiften zu wollen. Solche Personen gebe es auch in Minneapolis, sagt DW-Korrespondent Simons am Telefon: “Das ist nichts Außergewöhnliches: Häufig, wenn irgendwo protestiert wird, mischen sich solche Leute darunter und machen Ärger.”

Krawalle, Plünderungen und Brandstiftungen seien hauptsächlich ein Phänomen der Nachtstunden. Am Samstagnachmittag sei die Stimmung auf der zentralen Lake Street eine ganz andere gewesen, erzählt Simons: “Das war quasi Familienzeit. Viele Leute haben Selfies vor ihrem ausgebrannten Lieblingsgebäude gemacht.” Bei den Protesten engagieren sich laut seinen Beobachtungen übrigens auch viele Weiße: “Wir haben Schilder gesehen mit der Aufschrift ‘Scheiß auf weißes Schweigen’, das war meiner Ansicht nach gar nicht nötig, weil von Beginn an auch viele Weiße dabei waren.” Bei einem friedlichen Protestzug am Samstagabend etwa schätzte er die Verteilung auf 20 Prozent Weiße, 80 Prozent Schwarze.

Danach habe sich die Zusammensetzung der Beteiligten verändert: “Wir sahen weniger Schwarze Menschen, mehr Weiße und jüngere Leute”, sagt Simons. Die Beteiligten wurden immer jünger und betrunkener – weil Alkoholläden zu den ersten gehörten, die geplündert wurden. “Der Charakter des Protests hatte sich gewandelt: Die Leute plünderten, raubten, legten Feuer, ließen ihrer Wut freien Lauf und wurden immer betrunkener.” Inzwischen seien auch viele Menschen von außerhalb der Zwillingsstädte Minneapolis / Saint Paul unterwegs – wie der mit einem Gewehr bewaffnete Mann, der Simons sagte, er sei aus dem Nachbarstaat Wisconsin gekommen, “um zu helfen”. Wobei genau er helfen wolle, habe er nicht gesagt.

Pressefreiheit unter Beschuss

Simons hat im Laufe der vergangenen Tage miterlebt, wie sich die Proteste veränderten und von Nacht zu Nacht mehr Sicherheitskräfte – neben verschiedenen Polizeieinheiten ist wie in einigen anderen Städten inzwischen auch die Nationalgarde in Minneapolis präsent – härter durchgriffen.

Die zunehmend angespannte Lage erschwert auch Journalisten ihre Arbeit: In den frühen Morgenstunden des Freitags (Ortszeit) wurde ein CNN-Korrespondent samt Fernsehteam kurzzeitig festgenommen.  Am Samstag wurden zwei Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters und eine schwedische Zeitungskorrespondentin durch Gummigeschosse verletzt.

Auch DW-Korrespondent Stefan Simons erlebte in der Nacht zum Sonntag einen ähnlichen Zwischenfall: “Fünf Minuten, bevor wir eine Liveschalte machen wollten, hörten wir etwas an unseren Ohren vorbeisausen, das war ein Schuss.” Auf dem Videomaterial des DW-Kameramannes ist im Hintergrund undeutlich zu erkennen, wie ein Polizist unmittelbar nach dem Schussgeräusch einen Gegenstand herabsinken lässt wie eine Waffe nach erfolgtem Schuss. “Mein Kameramann war der Gefahr noch stärker ausgesetzt als ich, das hätte wirklich übel ausgehen können”, sagt Simons.

Corona – war da was?

Simons stellt sich auch für den bevorstehenden Sonntagabend wieder auf ein unübersichtliches Geschehen ein – “es kann so oder so weitergehen”, friedlich oder gewaltsam. Er schätzt, die Wut der Demonstranten werde erst nachlassen, wenn auch die drei Polizisten, die ebenfalls an dem für George Floyd tödlichen Einsatz beteiligt waren, festgenommen würden und der Hauptbeschuldigte wegen Mordes angeklagt würde statt nur wegen Totschlags.

USA Washington Proteste nach dem Tod von George Floyd in Minneapolis (Reuters/Y. Gripas)

Bei den Protesten wurde oftmals kein Sicherheitsabstand eingehalten, wie hier in Washington, D.C

Überhaupt keine Rolle bei dem Geschehen scheint indes die Corona-Pandemie zu spielen – von der die USA mit fast 1,8 Millionen bestätigten Fällen und nahezu 104.000 Toten so schwer betroffen ist wie kein zweites Land auf der Welt. “Social Distancing? Vergiss es, nicht bei diesen Protesten”, sagt Stefan Simons. Tagsüber trügen einige Demonstranten zwar Masken – “aber wenn bei einer Demo jeder knapp zwei Meter entfernt vom Nächsten stehen soll, sieht das nicht so toll aus.”

Die Bürgermeisterin von Atlanta, Keisha Lance Bottoms, warnte bereits: “Wenn Sie letzte Nacht bei den Protesten waren, sollten sie sich in der kommenden Woche vielleicht auf COVID testen lassen.” Es gebe schließlich immer noch eine Pandemie in Amerika, “die besonders viele schwarze Menschen tötet”. Weil Schwarze in den USA häufig in kontaktintensiven Jobs arbeiten und – wie bereits erwähnt – durchschnittlich einen schlechteren Zugang zum Gesundheitssystem haben, ist die Corona-Verbreitung nur der jüngste Indikator der Ungleichheit in der US-Gesellschaft.

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SpaceX dockt erfolgreich an ISS an

Nach rund 20 Stunden Flug mit der ″Crew Dragon″-Raumkapsel sind zwei US-Astronauten an der Raumstation ISS angekommen. Nach Angaben der US-Weltraumbehörde NASA und das private Raumfahrtunternehmen SpaceX dockte die Kapsel mit den Raumfahrern Robert Behnken und Douglas Hurley an Bord erfolgreich an der ISS an.

Die beiden Astronauten sollen rund einen Monat an Bord der ISS bleiben - gemeinsam mit ihren bereits dort stationierten Kollegen, dem US-Raumfahrer Christopher Cassidy und den beiden russischen Kosmonauten Anatoli Iwanischin und Iwan Wagner, die im Oktober zurück zur Erde kehren sollen.

Um 19:02 Uhr MESZ öffnete sich die Schleuse zwischen der der SpaceX-Raumkapsel Crew Dragon und der ISS und die beiden US-Astronauten konnten in die ISS gelangen. Sie wurden von ihren Kollegen sehr herzlich begrüßt.

Bilderbuch-Start

Schon zuvor verlief alles planmäßig: Die US-Raumfahrer Robert Behnken und Douglas Hurley hoben am Samstag in einer ″Crew Dragon″-Raumkapsel mit einer ″Falcon 9″-Rakete vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral ab. NASA-Chef Jim Bridenstine sprach von einem ″wundervollen Tag″. 

USA SpaceX Rakete mit zwei US-Astronauten von Cape Canaveral zur ISS gestartet (picture-alliance/NASA/CNP/AdMedia/B. Ingalls)

Der Start der SpaceX verlief planmäßig

Ein erster Startversuch war am Mittwoch wegen schlechter Wetterbedingungen etwa eine Viertelstunde vor dem Start abgebrochen worden. Auch vor dem zweiten Versuch hatten die Bedingungen zunächst nur mäßig ausgesehen, dann hatten sich die Wolken aber rechtzeitig verzogen und das Kontrollzentrum gab grünes Licht.

Kurz nach dem erfolgreichen Start der ″Crew Dragon″ landete die erste Raketenstufe sicher aufrecht auf einem Schiff im Atlantik vor der US-Küste. Die Landung und Wiederverwendung von Raketenstufen und Raumkapseln ist ein wichtiger Teil der Strategie des privaten Raumfahrtunternehmens SpaceX. Schon mehrfach gelangen Landungen von Raketenstufen auf Schiffen sowie auf Land. SpaceX wurde vom Unternehmer Elon Musk gegründet und hatte zuvor nur Fracht zur ISS transportiert.

Wenige Besucher wegen Corona

Wegen der Corona-Pandemie war der Zugang zu dem Gelände des Weltraumbahnhofs im US-Bundesstaat Florida, wo normalerweise Besucher bei Starts zuschauen dürfen, stark eingeschränkt. US-Präsident Donald Trump und Vizepräsident Mike Pence waren aber angereist.

Zuletzt waren im Sommer 2011 Astronauten mit der Raumfähre ″Atlantis″ zur ISS geflogen. Danach mottete die US-Raumfahrtbehörde NASA ihre Space-Shuttle-Flotte aus Kostengründen ein und war für Flüge zur ISS seither auf Russland angewiesen. Das war mit rund 80 Millionen Euro pro Flug in einer russischen Sojus-Kapsel nicht nur teuer, sondern kratzte auch mächtig am Ego.

CST-100 Starliner (Boeing)

Der CST-Starliner von Boeing

Jetzt soll alles anders werden: Bereits kommendes Jahr soll ein Konkurrent Amerikaner ins Orbit bringen. Dann will der Flugzeughersteller Boeing seinen CST-100 Starliner ins All schießen. Die US-Weltraumbehörde NASA hat an beide Unternehmen fast acht Milliarden Dollar vergeben, damit sie konkurrierende Systemee entwickeln.

hf/as (rtr, afp, dpa)

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Kommentar: "Justice for George" – richtige Botschaft, falsche Aktion

Spielerisch überzeugte der Schalker Profi Weston McKennie am Samstag bei der 0:1-Niederlage gegen den Tabellenvorletzten Werder Bremen nicht – ganz im Gegenteil: Nach seinem Ellbogenschlag gegen Osako in der zweiten Hälfte hätte er vom Platz verwiesen werden müssen. 

So wechselte Trainer David Wagner ihn vorzeitig in der 66. Minute aus und dort fingen die Fernsehkameras den Schriftzug auf dem aufgeklebten Tape an seinem Arm ein: Justice for GEORGE – eine klare Botschaft, mit der der in den USA geborene McKennie seine Solidarität mit dem in Minneapolis bei einem brutalen Polizeieinsatz gestorbenen George Floyd demonstriert.

Politische Botschaften in der Bundesliga kein Einzelfall 

Die Aktion sorgt für Aufsehen – selbst internationale Medien wie die New York Times und der Guardian berichten darüber. “Meine Plattform nutzen zu können, um auf ein Problem aufmerksam zu machen, das schon lange besteht, fühlt sich gut an!!! Wir müssen für das einstehen, woran wir glauben, und ich glaube, es ist an der Zeit, dass wir gehört werden”, twitterte der 21-Jährige später am Abend.

 

Das haben vor ihm auch schon andere Bundesligaprofis getan. So sorgte Hertha BSC 2017 für Aufsehen, als das Team vor dem Spiel gegen Schalke aus Solidarität mit US-amerikanischen Profisportlern, die sich aus Protest gegen Rassismus und Polizeigewalt bei der Hymne vor den Spielen niederknien, ebenfalls auf die Knie ging. 

Richtig und falsch zugleich

Oder Anthony Ujah, der 2014 unter seinem FC Köln-Trikot ein Shirt mit der Aufschrift “Can’t breathe” trug. Damals wurde Eric Garner auf ähnliche Weise getötet wie nun Floyd. Ähnlich agierte Haris Seferovic, der als Frankfurter Profi der erschlagenen Studentin Tugce gedachte: “Tugçe = Zivilcourage, Engel, Mut, Respekt.” 

Deutschland Anthony Ujah Solidarität mit Eric Garner (Imago Images/T. Zimmermann)

Anthony Ujah zeigt 2014 seine Botschaft in die Kameras: Eric Garner #can’ breath #justice

So richtig und wichtig die Solidaritätsbekundung von McKennie auch ist, so falsch war jedoch die Aktion. Denn eines verkennt McKennie: Der Rasen im Fußballstadion ist nicht “seine” Plattform. Dies ist die Plattform des Vereins und der Deutschen Fußballliga und die untersagen politische Mitteilungen innerhalb des Stadions. Die Militärgrüße der türkischen Fußballprofis 2019 zu Ehren der Soldaten wurden von vielen Fans verurteilt und von der DFL untersagt. Aber was ist mit den vielen Grauzonen dazwischen? 

DW Kommentarbild Sarah Wiertz

DW-Redakteurin Sarah Wiertz

Langfristiges Engagement statt einmalige schlagzeilenträchtige Aktion

McKennie hat durch seine Bekanntheit als Bundesligaprofi andere Möglichkeiten, die er gut hätte nutzen können, um Aufmerksamkeit zu generieren: Die sozialen Medien, über Organisationen, die sein Anliegen unterstützen, vielleicht sogar mit Hilfe von Sponsoren, die ähnliche Wertvorstellungen haben oder ein Zusammenschluss von nationalen und internationalen Sportlern. So haben es Leon Goretzka und Joshua Kimmich außerhalb des Rasens erfolgreich geschafft, mit ihrer Initiative “WekickCorona” viele Menschen für ihr Anliegen zu gewinnen. 

Sportlicher Zusammenschluss

Jerome Boateng hatte bereits drei Tage zuvor mit einen bewegendem Post auf seine Position gegenüber der willkürlichen Polizeigewalt in den USA aufmerksam gemacht. Vielleicht finden die beiden noch weitere Mitstreiter in der Bundesliga, um sich privat für die Black Lives Matter-Bewegung einzusetzen – ein langfristiges Engagement bekundet viel deutlicher das Einstehen für eine bestimmte Sache als eine einmalige schlagzeilenträchtige Aktion.

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