Месечни архиви: October 2020

Krawietz/Mies: "Man darf auf seinen Doppel-Partner nicht sauer sein"

DW: Sie haben Ihren überraschenden Doppel-Triumph vom Vorjahr bei den French Open wiederholen können. Werden Grand-Slam-Siege für Sie zur Normalität?

Andreas Mies: Nein, überhaupt nicht. Das fängt jetzt alles gerade erst an. Wir genießen das extrem. Letztes Jahr war für uns der Start. Wir haben damals gesagt, da wird noch viel kommen. Wir sind immer drangeblieben und hoffen natürlich, dass dies nicht der letzte Titel bleiben wird.

Kevin Krawietz: Ich würde mich sehr gerne daran gewöhnen. Aber das ist natürlich nicht selbstverständlich. Im letzten Jahr war es ein absolutes Highlight. Wir schossen von Null auf Hundert hoch. Dass wir das bestätigen konnten, ist natürlich großartig. Wir spielen auf einem guten Level.

Ihre größten Erfolge haben Sie bisher auf Sand gefeiert – warum nicht auf einem anderen Belag, etwa auf einem Hartplatz?

Mies: Wir haben ja auch schon auf anderen Belägen gezeigt, dass wir Topleistungen bringen können, etwa als wir bei den US Open im letzten Jahr das Halbfinale erreichten. Oder mit unserem Achtelfinal-Einzig in Wimbledon auf Rasen im Jahr 2018, bei unserem ersten Grand-Slam-Turnier. Das war unser erstes Ausrufezeichen mit Matchbällen gegen die späteren Sieger. Wir fühlen uns eigentlich auf allen Belägen wohl. Aber vielleicht liegt uns Asche besonders gut, weil wir auf diesem Belag groß geworden sind. Ich bin mir aber sicher, dass wir am Ende unserer Karriere, wann immer das auch sein mag, auch auf anderen Belägen Titel geholt haben.

Tennis I Roland Garros | French Open I Kevin Krawietz und Andreas Mies (Anne-Christine Poujoulat/AFP/ Getty Images)

Zweimal hintereinander French-Open-Doppelsieger: Kevin Krawietz (l.) und Andreas Mies

Jedes Kind, das einen Tennisplatz betritt, spielt normalerweise Einzel. Weshalb haben Sie sich für das Doppel entschieden?

Krawietz: Ich habe es ja einige Jahre im Einzel probiert. Und es gab drei, vier schwierige Jahre, in denen ich nicht weitergekommen bin. 2018 hat es für mich immerhin zur Qualifikation für ein Grand-Slam-Turnier gereicht. Aber man muss ehrlich zugeben, dass mir Doppel schon immer besser gelegen hat und ich dort auch schon früher bessere Ergebnisse erzielt habe. Vielleicht habe ich dieses Spiel einfach besser verstanden. Und als es dann mit Andi 2018 losging, wurde mir endgültig klar, dass ich im Doppel erfolgreicher werden kann.

Mies: Die Frage, die man sich stellt, ist: Will man die ganze Karriere auf Challenger-Turnieren [zweithöchste Turnierserie im Profitennis - Anm. d. Red.] Einzel spielen, mit der Chance, ab und zu an einem ATP-Turnier teilzunehmen? Oder möchte man große Turniere spielen, vielleicht sogar große Titel gewinnen? Als ich 2015 eine Knie-Operation hatte, habe ich mir genau diese Frage gestellt, weil mir bewusst war, dass es mit dem lädierten Knie sicher nicht einfacher würde. Und die Chance, an den Turnieren teilzunehmen, die ich als Kind immer im Fernsehen gesehen habe, war im Doppel viel größer. Ich gewinne lieber Grand Slams im Doppel als Challenger-Titel im Einzel.

Worin besteht denn der große Unterschied zu den Einzelspielern? Tennis spielen können Sie beide auch außergewöhnlich gut.

Mies: Wenn man uns spielen sieht, glaube ich nicht, dass man sofort einen Unterschied sieht. Es geht vor allem um die Konstanz, dass man die Schläge qualitativ hochwertig immer wiederholen kann. Für mich stellte sich die Frage, ob ich mit meinen Knieproblemen diese hohe Intensität im Einzel leisten kann.

Krawietz: Ich glaube, der Unterschied liegt in der Physis. Ins Einzel muss man schon mehr Arbeit investieren. Die Einzelspieler müssen sich mehr quälen, wenn sie ein Best-of-five-Match auf Sand gewinnen wollen. Im Doppel muss man körperlich auch auf einem hohen Niveau sein, aber ein Match dauert selten drei Stunden und mehr. Und diese ständigen, sehr anstrengenden Vorhand-Rückhand-Wechsel gibt es bei uns in dieser Form nicht.

Tennis ist nicht nur körperlich anstrengend, auch die mentale Belastung ist außergewöhnlich hoch. Können Sie diese während eines Doppel-Matches in gewissem Sinne teilen?

Mies: Es ist schon mental hart, alleine auf dem Platz zu stehen und zum Beispiel die Challenger-Tour zu überstehen. Aber wir beide sind auch im Doppel mental sehr stark, weil es oft sehr eng zugeht bei den Matches. Die guten Einzelspieler haben alle eine “Waffe”: eine besonders gute Vorhand oder Rückhand oder einen starken Aufschlag. Wir beide sind zwar auch sehr komplette Spieler. Aber sich alleine hochzuarbeiten, ist schon eine extrem harte Angelegenheit.

Krawietz: Der Vorteil im Doppel ist, dass der eine den anderen rausreißen kann, wenn der mal einen schlechten Tag hat. Einzelspieler müssen an solchen Tagen alleine damit umgehen. Das können die guten Spieler eben besser, die weniger guten haben damit Probleme. Im Doppel hilft man sich gegenseitig, da kann man die mentale Belastung tatsächlich irgendwie teilen.

Tennis ist in erster Linie ein Einzelsport, und die Spieler haben in der Regel auch eine egoistische Sichtweise auf die Dinge. Mussten Sie sich erst auf Teamfähigkeit besinnen?

Mies: Das mussten wir am Anfang auch erst lernen. Man entwickelt sich zu einem Team. Am Anfang hatte man vielleicht manchmal den Impuls, sich zu ärgern. Aber das gewöhnt man sich ganz schnell ab. Man muss seinen Partner stark machen und sich als Team notfalls auch stark reden. Man darf den anderen nicht runterziehen. Ich hatte früher mal bei einem Future-Turnier [Wettbewerbe der ITF Future Tour sind die niedrigste Kategorie im Profi-Tennissport – Anm. d. Red.] mal einen Doppelpartner, der sich immer ärgerte, wenn ich einen Fehler machte. Das habe ich sofort nach dem Match angesprochen. Danach habe ich noch ein Match mit ihm gespielt, dann nie wieder.

Krawietz: Der Teamgedanke ist im Doppel sehr wichtig. Mit Egoismus könnte es vielleicht auch funktionieren. Aber wenn der Partner mal einen wichtigen Punkt vergibt, muss man damit umgehen können. Dann darf man nicht sauer auf ihn sein. Auf keinen Fall.

Kevin Krawitz aus Koburg, 28 Jahre alt, und der 30-jährige Kölner Andreas Mies treten seit 2017 gemeinsam im Tennis-Doppel an. Ihre größten Erfolge feierten sie bisher beim Grand-Slam-Turnier in Parius, wo sie sich 2019 und 2020 den Doppel-Titel holten. Bei den US Open 2019 erreichten sie das Halbfinale. 

Das Interview führte Jörg Strohschein.

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Papst Franziskus geht auf Homosexuelle zu

Papst Franziskus hat sich in einem neuen Dokumentarfilm für die Stärkung der Rechte homosexueller Paare ausgesprochen. In einer Szene des in Rom vorgestellten Films “Francesco” sagte er: “Homosexuelle haben das Recht, in einer Familie zu leben. Sie sind Kinder Gottes und haben das Recht auf eine Familie.” Niemand dürfe aufgrund seiner sexuellen Ausrichtung ausgegrenzt werden.

Es handelt sich um die bislang unmissverständlichste Äußerung des Papstes, der weithin als offener gegenüber Homosexuellen angesehen wird als seine beiden unmittelbaren Amtsvorgänger Benedikt XVI. und Johannes Paul II. In seinem ersten Jahr als Papst sagte Franziskus, als er nach Homosexuellen gefragt wurde: ”Wer bin ich, zu urteilen?” Gleichwohl wendet er sich gegen die Priesterweihe für schwule Männer - in diesem Zusammenhang nannte er Homosexualität “eine Mode”.

Partnerschaft heißt nicht Ehe

 ”Was wir benötigen, ist ein Gesetz, das eine zivile Partnerschaft ermöglicht.” Betroffene sollten rechtlich abgesichert sein, betont der Papst in dem Film. Ohne sich auf ein konkretes Land zu beziehen, sprach er sich für eingetragene Lebenspartnerschaften vor dem Gesetz aus. “Ich habe mich dafür eingesetzt”, sagt er weiter. Damit dürfte er auf seine Zeit als Erzbischof in Buenos Aires anspielen, in der er sich für die Stärkung der Rechte homosexueller Paare einsetzte – aber gleichzeitig auch gegen die Ehe für Alle und die damit verbundene vollkommene Gleichwertigkeit von homo- und heterosexuellen Partnerschaften.

Irland Besuch Papst Franziskus | LGBT-Protest (picture-alliance/empics/N. Carson)

Am Rande einer Papstreise nach Irland 2018 demonstrierten LGBT-Menschen für mehr Teilhabe in der katholischen Kirche und erinnerten an die vielfache sexualisierte Gewalt durch Priester

Der  russischstämmige US-Regisseur Evgeny Afineevsky interviewte für seinen Film “Francesco” neben dem Papst selbst auch Mitglieder von dessen Familie und der vatikanischen Kurie zu wichtigen Themen des Pontifikats – darunter Migration, Rassismus, Indigene, sexuellen Missbrauch und die Corona-Pandemie.

ehl/kle (kna, epd, rtr)

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Griechenland: Europas Antisemitismus-Champion?

Es gibt nur eine einzige Umfrage zu Antisemitismus in Griechenland – und die ist knapp sechs Jahre alt. Sie wurde im Auftrag der US-Menschenrechtsorganisation Anti Defamation League (ADL) durchgeführt und ihr Ergebnis erschreckte die griechische Gesellschaft zutiefst: 69 Prozent der Einwohner des EU-Landes haben antisemitische Vorurteile.

Damit wären die Griechen die absoluten Antisemitismus-Champions in Europa, denn im Jahre 2014 hatten im Durchschnitt “nur” 26 Prozent der Europäer Vorurteile gegen Juden. Zwar wird die Zuverlässigkeit der ADL-Umfrage bezweifelt – aber da seitdem keine weitere Befragung in Auftrag gegeben wurde, weiß man bis heute nicht, ob die erschreckende Zahl wirklich stimmt.

Fest steht einerseits: In Griechenland gibt es keine bekannten Fälle von Gewalt gegen Juden. Die rund 5.000 Mitglieder der seit dem Massenmord im Zweiten Weltkrieg während der Besetzung durch Nazi-Deutschland (1941-44) nur noch sehr kleinen jüdischen Gemeinden des Landes haben keine Angst vor Übergriffen. In der nordwest-griechischen Stadt Ioannina wurde 2019 mit Moses Elisaf sogar der erste jüdische Bürgermeister Griechenlands gewählt.

Griechenland Thessaloniki | Holocaust-Denkmal (Grigoris Siamidis/Imago Images/ZUMA Press)

Ein Mann betet vor dem Holcaust-Denkmal in Thessaloniki, der bis zum Völkermord größten jüdischen Stadt Europas

Auch erinnert man sich in Griechenland gerne an die Geschichte des Erzbischofs von Athen, Damaskinos Papandreou (1891-1949), der während der deutschen Besatzung das Leben Tausender der insgesamt 100.000 griechischen Juden rettete. Und genau so gern vergisst man das Nichtstun der Griechen während der Verschleppung der Juden Thessalonikis: 95 Prozent der rund 53.000 jüdischen Bürgerinnen und Bürger der “zweites Jerusalem” genannten größten jüdischen Stadt Europas wurden im Holocaust ermordet; ihre Nachlässe wurden von einheimischen Helfern der Nazis gestohlen.

Nazi-Graffiti immer häufiger

Andererseits wird Vandalismus gegen jüdische Friedhöfe und Holocaust-Denkmäler – meist mit antisemitischen oder nationalsozialistischen Graffiti – immer häufiger. Zuletzt wurden die jüdischen Friedhöfe in Athen und auf der Insel Rhodos sowie das Holocaust-Denkmal in Thessaloniki geschändet. Und das genau eine Woche nachdem die griechische Justiz eine historische, wegweisende Entscheidung getroffen hatte: Die Führungsriege der Neonazi-Partei “Goldene Morgenröte” wurde zu langen Gefängnisstrafen verurteilt - und das nicht nur wegen Verbrechen von Mord und Körperverletzung bis hin zu illegalem Waffenbesitz, sondern auch wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung.

Griechenland Goldene Morgenröte Athen (picture-alliance/NurPhoto/P.Tzamaros)

Das Emblem der griechischen Neonazi-Partei “Goldene Morgenröte”

Seitdem darf niemand in Griechenland mehr “Ich habe es nicht gewusst” sagen, besonders nicht die 9,93 Prozent bzw. 536.910 der Stimmberechtigten, die der Goldenen Morgenröte bei den Europawahlen 2014 ihre Stimme gegeben hatten. Neonazis sind kriminell, jetzt auch mit dem Siegel der griechischen Justiz. Gleichzeitig sind sie die Hauptträger des Antisemitismus; man kann die aktuellen Schändungen also durchaus als “Solidaritätsakt” ihrer Anhänger betrachten.

21 Prozent für “gemäßigte” Neonazis

Potenzielle Anhänger haben die Neonazis in Griechenland noch immer mehr als genug. Die neueste Umfrage des Instituts “Prorata” für die Zeitung “Efimerida ton Syntakton” vom 16.10.2020 ergab, dass 21 Prozent der Befragten finden, eine “gemäßigte” Goldene Morgenröte wäre von Vorteil für das Land. Diese Zahl ist noch erschreckender, weil sie unmittelbar nach der Verurteilung der Neonazi-Partei erschien.

Athen Protest gegen Flüchtlings - Hotspots Chrysi Avgi Ilias Kasidiaris (DW/P. Zafiropoulos)

Anhänger der griechischen Neonazi-Partei “Goldene Morgenröte” demonstrieren gegen Flüchtende

Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde von Thessaloniki und des Zentralrats der jüdischen Gemeinden in Griechenland, David Saltiel, ist sicher, dass das Urteil gegen die Goldene Morgenröte die antisemitische Ideologie in Griechenland nicht reduzieren wird. Antisemitismus habe es lange vor der Gründung der Neonazi-Partei gegeben – und es werde ihn auch weiter geben, so Saltiel. Beruhigend findet er lediglich, dass der griechische Antisemitismus zumindest bisher keine Todesopfer gefordert hat wie in anderen Ländern.

Faschismus von nebenan

Opfer militanter Rechtsextremisten sind im Griechenland des 21 Jahrhunderts Migranten, Antifaschisten und LGBT-Aktivisten. Jahrelang haben Anhänger der Goldenen Morgenröte Jagd auf Flüchtende gemacht – und dafür Applaus von “besorgten Bürgern” und “Verständnis” von vielen Medien und einer Staatsgewalt erhalten, die auf dem rechten Auge blind war. Viele Politiker der regierenden konservativen Partei Nea Dimokratia (ND) haben ihre Karrieren mit Sprüchen gegen Flüchtende gemacht; antisemitische Parolen dagegen sind zumindest im Moment nicht salonfähig.

Pavlos Fyssas Blumen vor der Kneipe 19.09.2013 (Angelos Tzortzinis/AFP/Getty Images)

Eine Frau trauert an der Stelle, an der ein Anhänger der “Goldenen Morgenröte” im September 2013 Pavlos Fyssas erstach

Im September 2013 hatte ein Anhänger der Goldenen Morgenröte den antifaschistischen Hip Hop-Musiker Pavlos Fyssas erstochen. Der Täter wurde Mitte Oktober 2020 zu lebenslanger Haft verurteilt.

LGBT-Aktivist wurde gelyncht

Am 21.10.2020 hat zudem ein weiteres bedeutendes Gerichtsverfahren in Athen begonnen: Der Prozess wegen Mordes an Zak Zakie Costopoulos. Der LGBT-Aktivist wurde vor zwei Jahren am hellichten Tag mitten in Athen zu Tode geprügelt. Angeklagt sind ein Juwelier, ein Makler und vier Polizisten. Deren Rechtsbeisteher ist der ND-Parlamentsabgeordnete Athanasios Plevris, der Sohn eines Theoretikers des Nationalsozialismus in Griechenland.

2018 hatte die Polizei noch über eine angebliche “tödliche Selbstverletzung eines Räubers” berichtet. Die meisten Medien hatten diese Version kritiklos übernommen – bis die Videoaufnahme einer Passantin erschien, die belegten, das Costopoulos Opfer eines Lynchmords wurde.

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