Месечни архиви: October 2020

Corona-Aktuell: USA melden neue Rekordwerte

Wenige Tage vor der Präsidentschaftswahl in den USA ist im Land am zweiten Tag in Folge ein Rekordwert bei den Neuinfektionen mit dem Coronavirus verzeichnet worden. Wie die Johns-Hopkins-Universität in Baltimore mitteilte, wurden binnen 24 Stunden 94.125 neue Ansteckungsfälle erfasst. Zudem wurden 919 weitere Todesfälle registriert. Mit der jüngsten Zählung wurde der Rekord vom Vortag mit mehr als 91.000 gemeldeten Coronavirus-Neuinfektionen gebrochen.

Insgesamt haben sich seit Pandemiebeginn in den USA rund neun Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Die Zahl der Todesfälle stieg insgesamt auf 229.544. Zuletzt breitete sich das neuartige Virus vor allem im Norden und im mittleren Westen der USA stark aus. In absoluten Zahlen sind die USA das am stärksten von der Pandemie betroffene Land der Welt.

Die Corona-Krise ist in den USA ein zentrales Wahlkampfthema. Der Kandidat Joe Biden von den oppositionellen Demokraten hat Amtsinhaber Donald Trump wiederholt vorgeworfen, die Kontrolle über die Ausbreitung des Virus verloren zu haben. Trump beschwor hingegen bei seinen jüngsten Wahlkampfauftritten vor großem Publikum ein baldiges Ende der Pandemie.

Was kommt auf die Briten zu?

Der britische Premierminister Boris Johnson erwägt im Kampf gegen die Corona-Pandemie einen neuen strengen Teil-Lockdown in England. Die “Times” meldet, dass Johnson die neuen Corona-Maßnahmen am Montag in einer Pressekonferenz ankündigen werde. Demnach solle alles geschlossen werden – abgesehen von lebenswichtigen Geschäften und Bildungseinrichtungen wie Schulen, Kindergärten und Universitäten.

UK Boris Johnson (David Cliff/NurPhoto/picture-alliance)

Premier Johnson will einen Teil-Lockdown beschließen, melden mehrere Medien

Die neuen Beschränkungen könnten ab Mittwoch bis zum 1. Dezember gelten. Die “Times” zitierte eine hochrangige Regierungsquelle, nach der die Maßnahmen diskutiert würden, aber noch keine endgültige Entscheidung getroffen sei.

Zusammenstöße in Spanien

Bei Protesten gegen Corona-bedingte Ausgangsbeschränkungen in Barcelona hat es Zusammenstöße zwischen Demonstranten und der Polizei gegeben.

Spanien Proteste gegen Coronavirus-Einschränkungen in Barcelona (Nacho Doce/REUTERS)

Die Proteste in Barcelona gegen Corona-Maßnahmen hatten zunächst friedlich begonnen

Wegen der starken Ausbreitung des neuartigen Coronavirus gelten in Katalonien seit Mitte Oktober strenge Beschränkungen. Bars und Restaurants sind geschlossen, Bewohner der Region dürfen ihre Dörfer und Städte am Wochenende nicht entlassen. Die Polizei kontrollierte die Ausgangsbeschränkungen am Freitag intensiv.

Deutsche Arbeitgeber sind nicht glücklich

Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) kritisierte den Lockdown-Kurs der Bundesregierung. “Es mangelt der Bundesregierung an einer langfristigen Strategie”, sagte IW-Direktor Michael Hüther den Zeitungen der Funke Mediengruppe. “In den vergangenen sechs Monaten wurde es versäumt, digital aufzustocken und sich klare Konzepte zu überlegen.” Unsicherheit sei das größte Gift für die Wirtschaft. “Der Bundesregierung ist es nicht gelungen, diese Unsicherheit zu nehmen”, sagte Hüther. Niemand wisse, ob es im Dezember oder im Frühjahr weitere Lockdowns geben werde.

Brinkhaus will nichts ausschließen

Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus schloss unterdessen eine Verschärfung der Corona-Maßnahmen nicht aus. Zwar sei der Plan, dass es vor Weihnachten wieder zu Lockerungen komme, sagte der CDU-Politiker. Garantieren könne das aber niemand. “Viel wird davon abhängen, ob alle mitziehen.” Dann habe man eine gute Chance, auf weitere Verschärfungen verzichten zu können. “Wenn aber flächendeckend die Leute ihr Ding machen, dann kriegen wir ein Problem”, sagte der Politiker.

Herbsturlaub in Mecklenburg-Vorpommern fällt flach

Touristen müssen spätestens bis zum 5. November aus Mecklenburg-Vorpommern abreisen. Das kündigte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) in Schwerin an. Grundsätzlich dürften vom 2. November an für den restlichen Monat keine Gäste mehr für touristische Zwecke aufgenommen werden. “Natürlich gilt für die Gäste, die schon da sind, dass sie eine Zeit haben, auch wieder zurückzureisen”, sagte Schwesig.

BdT | Sonnenuntergang auf der Insel Usedom (Jens Büttner/dpa/picture-alliance)

Sonnenuntergang auf der Insel Usedom – in Corona-Zeiten nur etwas für Einheimische

Vom Montag an soll es bundesweit bis Ende November einen Teil-Lockdown geben. Hotels dürfen dann keine Touristen empfangen. Unter anderem damit sollen die massiv steigenden Corona-Infektionszahlen in den Griff bekommen werden. Darauf hatten sich Bund und Länder am Mittwoch verständigt.

haz/mak (dpa, rtr, afp)

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Warum mobiles Internet in Teilen Afrikas so teuer ist

Für Tabu Kitta spielen Smartphone und Internet dieselbe Rolle wie für viele Anfang-30-Jährige auf der ganzen Welt: “Alles, was ich tue, hat mit dem Internet zu tun: Ich telefoniere darüber, verschicke Nachrichten – an einem guten Tag schaue ich Videos online.”

An manchen Tagen muss die Geschäftsfrau und Pressesprecherin jedoch darauf verzichten: In ihrem Heimatland Malawi ist mobiles Internet so teuer wie nirgendwo sonst in Afrika. “An einem guten Tag kaufe ich ein Daten-Bundle für drei US-Dollar – das kann ich mir aber nicht immer leisten.”

Tabu Kitta (Mirriam Kaliza/DW)

Geschäftsfrau Kitta: “Die Preise sind eine Herausforderung”

Insgesamt, schätzt Kitta, gibt sie rund 70 Dollar im Monat dafür aus. “Die Preise für mobile Daten sind in der Tat eine Herausforderung für viele Malawier”, sagte Kitta der DW. Man könnte auch sagen, die Preise sind eine Herausforderung für ganz Afrika.

Im Schnitt verlangen afrikanische Provider 3,30 Dollar (2,78 Euro) je Gigabyte. Das hat eine weltweite Untersuchung des britischen Telekom-Anbieters CableUK ergeben. Das Preisniveau ist nur noch auf dem amerikanischen Kontinent höher.

Doch “weil die Einkommen in Afrika gleichzeitig so gering sind, wird der Unterschied im Verhältnis viel größer”, sagt Martin Schaaper. Er arbeitet bei der International Telecom Union (ITU), einer Sonderorganisation der Vereinten Nationen, und analysiert mit seinem Team regelmäßig die Entwicklungen auf dem Telekommunikationsmarkt. Die Preise in Afrika seien viel höher als in anderen Erdteilen, so Schaapers Analyse, insbesondere im Vergleich zu Industriestaaten.

Datenvisualisierung Mobiles Internet - Mittlerer Preis nach Kontinenten

Immerhin gehe die Entwicklung in die richtige Richtung, sagt er im DW-Interview: “Es wird in Afrika größtenteils günstiger, insbesondere, wenn man sich den Preis für Daten im Vergleich zum Bruttonationaleinkommen pro Kopf ansieht.”

Extrembeispiel Malawi

Malawi ist in dieser Hinsicht ein Extrembeispiel: Laut CableUK kostet ein Gigabyte mobile Daten dort im Schnitt 27,41 US-Dollar (23,10 Euro). Die Vereinten Nationen empfehlen, dass diese Datenmenge höchstens zwei Prozent des Bruttonationaleinkommens pro Kopf kosten sollte – im armen Malawi sind es hingegen 87 Prozent!

Datenvisualisierung Mobiles Internet - Karte Afrika Preisübersicht nach Ländern

Andere Länder, in denen diese beiden Werte besonders weit auseinandergehen, sind Benin und Tschad. Auch dort ist mobiles Internet um ein Vielfaches teurer, als es angesichts der Wirtschaftskraft angemessen wäre. 

Mehrere Ursachen für hohe Preise

Ein großer Kostenpunkt bei den Providern ist die Infrastruktur: “Sie mussten von 2G auf 3G auf 4G und nun 5G umrüsten”, sagt UN-Telekommunikationsexperte Schaaper. “Das fordert konstante Investitionen, die refinanziert werden müssen. Was in Afrika noch dazukommt, ist, dass viele Regionen schwer zugänglich sind – dort ist es besonders teuer, Infrastruktur einzurichten.”

Als weiteren wichtigen Faktor nennt Schaaper die Zahl der Wettbewerber auf dem Markt: “Wenn es nur einen oder zwei Anbieter in einem Land gibt, haben sie wenig Anreiz, die Preise zu senken.”

Datenvisualisierung Mobiles Internet - empfohlene und reale Preise

Eine dritte Ursache – auch wenn sich das mit Daten schlecht belegen lässt: Mobilfunkpreise hängen auch von der Politik des jeweiligen Landes ab. ”Beweist die Regierung Hilfsbereitschaft gegenüber den Anbietern? Will die Regierung den Zugang für die allgemeine Bevölkerung erschwinglicher machen und hilft sie bei der Erschließung abgelegener Gebiete mit Infrastruktur? Das ist von Land zu Land unterschiedlich”, sagt Martin Schaaper.

Eine gewisse Sonderrolle spielt Äthiopien, wo der Mobilfunk in öffentlicher Hand ist und keine privatwirtschaftliche Konkurrenz zur staatlichen “Ethiotelecom” zugelassen ist.

Wer bietet Mobilfunk an?

Es macht auch einen Unterschied, wer der Anbieter ist: Weil in Afrika die Sprachen der früheren Kolonialmächte weit verbreitet sind, war es für europäische Konzerne wie Vodafone, Orange und Altice Portugal oder der indischen Airtel leicht, den Markt zu erobern. Inzwischen haben sich aber auch große afrikanische Anbieter wie das MTN aus Nigeria oder das Telkom aus Südafrika in vielen Ländern des Kontinents etabliert.

Datenvisualisierung Mobiles Internet Afrika - Preisveränderung zwischen 2018 und 2020

“Mit ihrer Größe sind sie im Vorteil”, sagt Schaaper: “Sie haben das Wissen, die personelle Infrastruktur, bewährte Preismodelle. Ihnen fällt es leichter, in noch ein weiteres Land einzusteigen.” Das könne jedoch negative Folgen haben, etwa wenn sie kleinere lokale Wettbewerber ausbooten: “Das wirkt sich natürlich negativ auf die Preise aus”, sagt Schaaper. Hinzu kommen Wettbewerbsbeschränkungen in Ländern, die Staatsunternehmen bevorteilen.

Hoffnung auf Besserung in Malawi

In Malawi hat die Regierung im August einen ersten Schritt angekündigt, der Bewegung in den festgefahrenen Markt bringen soll: Präsident Lazarus Chakwera will eine Lizenz für einen dritten Anbieter neben Airtel Malawi und TNM ausstellen. Damit ist die Hoffnung verbunden, dass mobile Daten endlich erschwinglicher werden – sodass Menschen wie Tabu Kitta nicht mehr bei jedem Fingertipp auf dem Smartphone überlegen müssen, ob sie sich das gerade leisten können.

Mitarbeit: Mirriam Kaliza (Lilongwe)

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Schalke weiter sieglos

Und wieder schafft Schalke 04 keinen Bundesliga-Sieg. Seit 22 Spieltagen warten die Gelsenkirchener nun schon auf einen Dreier. Dabei waren sie beim 1:1 (1:0) gegen Aufsteiger VfB Stuttgart nach einer halben Stunde sogar in Führung gegangen – ein Gefühl, das die Schalker seit viereinhalb Monaten nicht mehr kannten.

Der erst 19-jährige Malick Thiaw köpfte nach einem Freistoß von Amine Harit den Ball aus kurzer Distanz ins Tor – der erste Treffer im sechsten Bundesligaspiel für den Abwehrspieler, der aus der eigenen Jugend zu den Profis aufgerückt ist. “Wir kassieren ein dummes Tor. Mit unseren Chancen in der zweiten Halbzeit hätten wir es verdient gehabt, zu gewinnen”, sagte ein unzufriedener Stuttgarter Gonzalo Castro. Und er lag durchaus richtig mit seiner Einschätzung.

Rönnow verhindert Niederlage

Denn schon vor dem Schalker Treffer hatte der VfB Stuttgart die Partie im leeren Schalker Stadion dominiert, sich einige gute Chancen erarbeitet. Mateo Klimowicz hatte bereits in der 4. Minute die größte von allen, doch sein Schuss verfehlte das Schalker Tor um Zentimeter. Ansonsten war Frederik Rönnow zwischen den Pfosten zur Stelle, wenn es brenzlig wurde.

Schalke 04 - VfB Stuttgart Malick Thiaw (Moritz Müller/imago images)

Premierentreffer für Malick Thiaw (r.) zum 1:0 für Schalke

Beim verdienten Ausgleich der Gäste war dann auch der gute Rönnow machtlos. Schalkes Abwehrmann Salif Sane war der Ball unabsichtlich, aber strafbar an den ausgestreckten Arm geprallt, der Videobeweis brachte Klarheit: Strafstoß für den VfB. Den verwandelte Nicolas Gonzalez in der 56. Minute sicher.

Schalke auf Tasmanias Spuren

In der Folge waren die Stuttgarter näher dran am Sieg, Schalke beschränkte sich weitgehend auf die Defensive – und hatte in Rönnow weiter einen sicheren Rückhalt. Auch wenn der eine Punkt in der prekären Situation zu wenig sein dürfte. “Wir sind natürlich enttäuscht. Aber wir müssen optimistisch sein und nach vorne blicken”, sagte Torschütze Thiaw nach der Begegnung.

Schon jetzt ist es der schlechteste Saisonstart in der Vereinsgeschichte seit 1967 – zwei mickrige Punkte aus sechs Spielen. Das völlig verunsicherte Team steckt mitten im Abstiegskampf. Und auf Rekordjagd: Nur noch neun sieglose Spiele, und die Allzeit-Marke von Tasmania Berlin wäre eingestellt. Was für die Königsblauen kein erstrebenswertes Ziel sein dürfte.

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Nizza steht nach dem Anschlag unter Schock

Ein junger Mann mit Zopf steht vor der Basilika Notre-Dame in Nizza, einen der weißen iPhone-Kopfhörer noch im Ohr und starrt geradeaus. Es scheint, als könne er kein Wort herausbringen. Nur soviel: “Ich kann nicht fassen, was gerade in Frankreich passiert.” Dann läuft er weg.

Wie ihm geht es vielen in dem Land, das schwer von der COVID-19-Krise getroffen ist, das nun mit einem zweiten Lockdown klar kommen muss. Und das, vor allem, erneut von einem mutmaßlich islamistischen Anschlag erschüttert wurde.

Frankreich Nizza | nach der Messerattacke (Marina Strauß/DW)

Dieser Notrufknopf vor der Basilika hat am Donnerstag wohl einige Menschenleben gerettet

Er galt diesmal der größten Kirche in der südfranzösischen Stadt. Ein mit einem Messer bewaffneter Angreifer tötete am Donnerstagmorgen drei Menschen. Zweien durchschnitt er die Kehle, eine Frau starb etwas später an ihren schweren Verletzungen.

Eine Tat, die wütend macht. Zwei Frauen, die am Tag nach dem Anschlag zusammen mit einigen anderen Menschen vor der Kirche stehen, zeigen ihre Wut besonders deutlich.

“Wir haben keine Angst” 

Lucienne und Patrice – ihre Nachnamen wollen sie für sich behalten – schreien fast und fallen sich gegenseitig ins Wort, als sie schildern, wie sie den Anschlag erlebt haben. Beide wohnen in der Nähe der Kirche, beide sind gläubige Katholikinnen, beide wollten eigentlich zu diesem Zeitpunkt dort beten. Doch unerwartet sei ein Telefonanruf dazwischengekommen, sagt Lucienne. Irgendwann habe sie Schüsse gehört und Sirenen. Danach kamen die Tränen und die Schlaflosigkeit. “Aber ich habe keine Angst. Niemals”, sagt Lucienne. “Wir lassen uns doch nicht einschüchtern! Das macht uns stärker.”

Lucienne (l.) und Patrice kommen regelmäßig zum Gebet in die Basilika Notre-Dame

Lucienne (l.) und Patrice kommen regelmäßig zum Gebet in die Basilika Notre-Dame

Trotzdem fordern Lucienne und Patrice, Kirchen stärker zu schützen. Ein paar Meter weiter stimmt Renée Rose Flores mit ihnen überein. Doch sie geht noch einen Schritt weiter: “Unsere Grenzen sind durchlässig wie Siebe”, sagt sie. Frankreich müsse besser kontrollieren, wer ins Land darf. Sie spielt damit darauf an, dass der Attentäter erst vor kurzem in Frankreich angekommen sein soll. Der 21-jährige Tunesier war Ermittlungen zufolge im September über Lampedusa nach Europa gelangt.

Renée Rose Flores plädiert für strengere Kontrollen an den Außengrenzen Frankreichs

Renée Rose Flores plädiert für strengere Kontrollen an den Außengrenzen Frankreichs

Dass Frankreich nur knapp zwei Wochen nach dem brutalen Mord an dem Lehrer Samuel Paty in der Nähe von Paris erneut von einem Terroranschlag getroffen wird, bestürzt hier viele. Besonders in Nizza, einer Stadt, deren Bewohner wissen, wie es sich mit der Angst vor und nach dem Terror lebt. “Es ist das dritte Mal seit 2015, dass Nizza attackiert wird”, sagt Philippe Pradal, Mitglied der konservativen Republikaner und stellvertretender Bürgermeister der Stadt, im Gespräch mit der DW.

In stillem Gedenken: Die Anteilnahme in Nizza ist groß

In stillem Gedenken: Die Anteilnahme in Nizza ist groß

2016 raste ein Attentäter mit einem Lkw in eine Menschenmenge auf der Promenade des Anglais und tötete 86 Menschen. 2015 hatte ein Angreifer drei französische Soldaten vor einem jüdischen Zentrum attackiert.

Dass jetzt eine Kirche der Tatort war, sei kein Zufall gewesen, sagt Pradal. “Diese Anschläge haben bei den Menschen in Nizza für großes Leiden und großen Schmerz gesorgt.”

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte schon am Donnerstag vor Ort verkündet, das ganze Land sei “angegriffen worden”. Infolge des Anschlags rief die französische Regierung die höchste Terrorwarnstufe aus.

Drei Kerzen für die drei in Nizza ermordeten Menschen 

Zurück vor der Notre-Dame Basilika fragt Hedi Khediri die zwei Polizisten hinter der Absperrung, ob er drei weiße Kerzen mit ihrem Wachs an das Gitter kleben darf. Es dauert eine Weile, bis alle drei angezündet sind und haften bleiben. Der 31-Jährige ist in Frankreich geboren, seine Eltern kommen aus Tunesien, unweit von dem Ort, aus dem der mutmaßliche Attentäter stammt, sagt er. Er sei Muslim, sehr gläubig, aber das, was hier passiert sei, mache ihn fertig.

Der Tunesieredi Khediri zeigt sich von dem Anschlag tief getroffen

Hedi Khediri zeigt sich von dem Anschlag tief getroffen

Was ihn zudem fertig mache: Zwei ältere Menschen, die ihm auf dem Weg von der Arbeit zur Basilika hinterher gerufen hätten: “Alle, die keine Christen sind, sollen das Land verlassen.” “Ich bin Franzose, ein ganz normaler Mann, wie alle anderen auch”, sagt Khediri und zieht seine Maske wieder über die Nase, die ihm beim Sprechen verrutscht ist. Danach bleibt er noch eine Weile stehen, redet weiter. Er hat Gesprächsbedarf in diesen schwierigen Tagen.

Vor der Kirche findet jetzt eine kleine Zeremonie statt. Große Blumengestecke werden drapiert, eine Schweigeminute abgehalten, danach wird die französische Nationalhymne “Marseillaise” gesungen. Ein paar Abgeordnete sind da, Trauernde, Kirchenvertreter. Unter ihnen Philippe Asso, bei der Diözese Nizza für interreligiösen Dialog zuständig. Man dürfe auf keinen Fall eine politische Ideologie gleichsetzen mit dem Islam, sagt er. “Muslime in aller Welt und in Frankreich sind das erste Ziel von Islamisten.”

Philippe Asso tritt für mehr Zusammenhalt in der französischen Gesellschaft ein

Philippe Asso tritt für mehr Zusammenhalt in der französischen Gesellschaft ein

Asso sagt auch, wie sehr ihn dieser Anschlag auf unschuldige Menschen in einer Kirche verletzt habe. Aber: “Ich bin fest entschlossen für noch engere Kontakte zwischen verschiedenen Glaubensgemeinschaften zu kämpfen, in einer Welt, die sich seit Langem und immer mehr spaltet.”

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