Месечни архиви: January 2021

FC Bayern und RB Leipzig setzen sich oben fest

Der FC Bayern marschiert in Richtung seiner neunten Meisterschaft in Serie. Der Tabellenführer der Fußball-Bundeliga besiegte die TSG Hoffenheim deutlich mit 4:1 und feierte damit den vierten Sieg in Folge. Zu den Torschützen gehörte auch wieder Robert Lewandowski. Es war bereits der 24. Saisontreffer des Weltfußballers. Der Pole liegt damit bei seiner Jagd auf den Uralt-Torrekord Gerd Müllers (40 Tore in der Saison 1971/72) weiter auf Kurs. “Es war nicht alles top, aber insgesamt bin ich zufrieden”, sagte Bayern-Trainer Hansi Flick nach dem Spiel. “Was die Ergebnisse anbelangt, sind wir wieder in der Spur.”

Das gilt auch für RB Leipzig: Eine Woche nach dem 2:3-Ausrutscher beim Bundesliga-Kellerkind FSV Mainz 05 gewann das Team von Trainer Julian Nagelsmann das Verfolgerduell gegen Bayer 04 Leverkusen mit 1:0. “Das war schon eine gute Reaktion”, sagte Nagelsmann. Mit dem Erfolg festigten die Leipziger den zweiten Tabellenplatz mit sieben Punkten Rückstand auf die Bayern. Matchwinner in einer über weite Strecken ausgeglichenen, hart umkämpften Partie war Christopher Nkunku: Der 23 Jahre alte Franzose vernarrte im Strafraum drei Bayer-Gegenspieler und versenkte aus 13 Metern den Ball im Netz. Leverkusens Trainer Peter Bosz war enttäuscht: “In der zweiten Halbzeit waren wir auf Augenhöhe, ohne gut Fußball zu spielen.”

Lachender Dritter ist der VfL Wolfsburg, der seine Erfolgsserie auch gegen den SC Freiburg fortsetzen konnte und damit Platz drei erobert hat. Der VfL feierte einen hoch verdienten 3:0-Sieg und bleibt damit zu Hause ungeschlagen. ”Das internationale Geschäft war unser Ziel vor der Saison. Darauf arbeiten wir hin. Die Champions League gehört zum internationalen Geschäft dazu”, sagte ein sichtlich zufriedener VfL-Sportdirektor Marcel Schäfer.

Haaland verschießt Elfmeter

Deutschland Bundesliga Borussia Dortmund - FC Augsburg

Erling Haaland (l.) verschießt einen Elfmeter – am Ende bleibt sein Patzer aber folgenlos

Borussia Dortmund hat nach drei sieglosen Spielen die Kurve gekriegt. Gegen den FC Augsburg musste der Vizemeister trotz drückender Überlegenheit allerdings zunächst erneut einem Rückstand hinterherlaufen. Wie zuletzt häufig wirkte die BVB-Abwehr auch beim 0:1 gegen den FCA wie im Tiefschlaf: André Hahn konnte sich in aller Ruhe die Ecke aussuchen. In der Offensive lief es für die Dortmunder mit etwas Anlauf besser: Nachdem Torjäger Erling Haaland einen Handelfmeter an die Latte gesetzt hatte, sorgten Thomas Delaney, Jadon Sancho und Augsburgs Verteidiger Felix Uduokhai per Eigentor schließlich doch noch für einen verdienten 3:1-Sieg der Schwarzgelben. BVB-Trainer Edin Terzic atmete auf: “Es hat nicht nur das Ergebnis gestimmt, auch die Leistung war gut. Wir fühlen uns erleichtert.” 

Köln holt Big Points im Abstiegskampf

Deutschland Bundesliga 1. FC Köln - DSC Arminia Bielefeld

Marius Wolf (l.) erzielte zwei Tore

Kein schönes, aber dafür ein torreiches Spiel lieferten sich der 1. FC Köln und Arminia Bielefeld. Die Partie stand ganz im Zeichen des Abstiegskampfes, mit dem besseren Ende für die Kölner: Sie feierten mit dem 3:1-Erfolg den ersten Heimsieg überhaupt in dieser Saison und zogen an Bielefeld vorbei auf Rang 14. Marius Wolfbrachte den FC mit einem Doppelpack schnell auf die Gewinnerstraße, Neuzugang Max Meyer kam in den Schluss-Minuten zum Einsatz. ”Wir haben zum richtigen Zeitpunkt die Tore gemacht”, erklärte Köln-Manager Horst Heldt bei Sky. “Am Ende war es ein verdienter Sieg.”

Dardai startet mit Niederlage

Ein unglückliches Comeback gab Pal Dardai als Trainer von Hertha BSC. Seine Mannschaft führte zunächst bei Eintracht Frankfurt, musste sich am Ende aber doch mit 1:3 geschlagen geben. Eintracht-Stürmer Andre Silva gelang dabei ein Doppelpack. “Aktuell sind wir eine Spitzenmannschaft”, freute sich Frankfurts Trainer Adi Hütter. ”Sieben Siege aus acht Spielen sind ein Ausrufezeichen.” Auch Hertha-Coach Dardai hatte gute Ansätze seines Teams gesehen: “Wir sind nach einer Woche schon auf einem guten Weg. Der jungen Mannschaft fehlt noch die Erfahrung.”

Besser als für Hertha lief es für den anderen Berliner Verein. Fast eine Stunde lang schien der 1. FC Union seinem Ruf als Favoritenschreck gerecht zu werden, doch dann gelang Alassane Plea der Ausgleich für Borussia Mönchengladbach zum 1:1-Endstand. “In der Summe ein gerechtes Unentschieden”, befand Gladbachs Trainer Marco Rose. “Hut ab vor Union.”

Glücklicher Punkt für Schalke

Ebenfalls 1:1 endete das Duell zwischen Werder Bremen und Schlusslicht FC Schalke 04. Die Schalker waren in der ersten Halbzeit die bessere Mannschaft, gingen auch in Führung, mussten am Ende aber sogar mit dem Remis zufrieden sein. In der Nachspielzeit zappelte der Ball zum zweiten Mal im Netz der Gäste, doch der Treffer der Bremer wurde wegen einer Abseitsstellung zu Recht aberkannt. ”Die erste Hälfte war von uns kollektiv und individuell sehr schlecht, die zweite dann wahrscheinlich die beste der Saison”, fasste Werder-Trainer Florian Kohfeldt die 90 Minuten zusammen. Auch Schalke-Coach Christian Gross hatte “zwei völlig unterschiedliche Halbzeiten” gesehen: “Wir müssen noch viel arbeiten, um eine Leistung wie in den ersten 45 Minuten über längere Zeit abzurufen.”

Am Freitag hatte der VfB Stuttgart im neunten Anlauf den heiß ersehnten ersten Heimsieg gefeiert. ”Jetzt werde ich zumindest weniger nach der möglichen Ursache unserer fehlenden Heimstärke gefragt”, sagte VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo nach dem verdienten 2:0-Sieg gegen den FSV Mainz 05, der dem Aufsteiger einen Platz im gesicherten Mittelfeld der Liga bescherte. Mainz steckt dagegen als Vorletzter weiterhin tief im Abstiegskampf. FSV-Trainer Bo Svensson sprach hinterher von einem “Rückschlag für uns, vor allem die Leistung”.

Alle Spiele im Überblick: 

Bayern München – TSG 1899 Hoffenheim 4:1 (2:1)

Tore: 1:0 Boateng (32.), 2:0 Müller (43.), 2:1 Kramaric (44.), 3:1 Lewandowski (57.), 4:1 Gnabry (63.)

RB Leipzig – Bayer 04 Leverkusen 1:0 (0:0)

Tor: 1:0 Nkunku (51.)

Borussia Dortmund - FC Augsburg 3:1 (1:1)

Tore: 0:1 Hahn (10.), 1:1 Delaney (26.), 2:1 Sancho (63.), 3:1 Uduokhai (75., Eigentor)

Eintracht Frankfurt – Hertha BSC 3:1 (0:0)

Tore: 0:1 Piatek (66.), 1:1 Silva (67.), 2:1 Hinteregger (84.), 3:1 Silva (90.+5, Foulelfmeter)

1. FC Union Berlin – Bor. Mönchengladbach 1:1 (1:0)

Tore: 1:0 Knoche (31.), 1:1 Plea (59.) 

Werder Bremen – FC Schalke 04 1:1 (0:1)

Tore: 0:1 Mascarell (38.), 1:1 Möhwald (77.)

VfB Stuttgart – FSV Mainz 05  2:0 (0:0) 

Tore: 1:0 Kalajdzic (55.), 2:0 Wamangituka (72.) 

1. FC Köln – Arminia Bielefeld 3:1 (2:0)

Tore: 1:0 Wolf (9.), 2:0 Wolf (28.), 3:0 Rexhbecaj (62.), 3:1 Cordova (72.)

VfL Wolfsburg – SC Freiburg 3:0 (2:0)

Tore: 1:0 Brooks (21.), 2:0 Weghorst (39.), 3:0 Gerhardt (86.)

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Wie Museen unter dem Lockdown leiden

An den Wänden der Hamburger Kunsthalle, unweit des verwaisten Fischmarkts, hängen Bilder von Giorgio de Chirico. Viele zeigen traumähnliche Stadtlandschaften mit seltsam angeordneten Figuren und Gegenständen. Der italienische Maler (1888-1978), ein Vorläufer des Surrealismus, erzeugte damit eine ganz eigene, magische Wirklichkeit.

Museumsdirektor Alexander Klar klang stolz bei der live gestreamten Ausstellungs-Eröffnung: “De Chirico ist der Maler der leeren Plätze, der Maler der Albträume in der Mitte der Gesellschaft”, so Klar. Deshalb sei diese Schau das Zeitgemäßeste, was man überhaupt zeigen könne.

Zweifellos passt die metaphysische Malerei de Chiricos in die von unterschiedlichen Versionen des Lockdown geprägte Kulturlandschaft. Auch wenn das Hamburger Ausstellungsprojekt schon vor gut drei Jahren angeschoben wurde. Inzwischen leiden zahllose Museen, Galerien und Ausstellungsorte weltweit unter den temporären Zwangsschließungen.

Per Mausklick ins Museum

Betroffen waren zeitweise rund 95 Prozent aller Museen und Ausstellungshallen, wie eine Befragung des International Council of Museums (ICOM) im Herbst ergab. Dabei zeigte die globale Museumswelt ein gemischtes Bild, auch in den Reaktionen auf den Lockdown: Manche beurlaubten Personal, einige entließen die Hälfte ihrer Mitarbeiter. Wieder andere bauten ihre digitalen Aktivitäten massiv aus.

Vorgemacht hat es das Amsterdamer Rijksmuseum. Das ehrwürdige Haus, bekannt für die Meisterwerke der niederländischen Künstler des Goldenen Zeitalters, Rembrandt van Rijn und Johannes Vermeer, büßte im Corona-Jahr 2020 rund zwei Millionen Besucher ein. Nur noch 675.000 Kunstfreunde kamen in das Museum, so wenige wie zuletzt 1964. Doch die Museumsleitung hat sich was einfallen lassen.

Das Rijksmuseum in Amsterdam, davor der Schriftzug Amsterdam in Großbuchstaben.

Vor der Pandemie kamen Besucher aus aller Welt nach Amsterdam ins Rijksmuseum – jetzt ist es einsam hier

In dieser Zeit wuchs das digitale Publikum rapide. Nach einer kreativen Überarbeitung der Internetseite des Museums stieg die Zahl der Follower in den Sozialen Medien um 23 Prozent auf 1,4 Millionen. Und noch einmal 5,5 Millionen Besucher schauten auf der Website vorbei: allein 2,2 Millionen im “Rijksstudio”, der virtuellen Sammlung. Ein Museumsbesuch im Netz.

Unterstützung durch Spenden

Der Pariser Louvre setzt auf Spendenaktionen, um den finanziellen Schaden durch die Pandemie in Grenzen zu halten. Drei Viertel seiner Besucher blieben 2020 weg, allen voran die Amerikaner und Chinesen, die als Kulturtouristen kommen. Nur noch 2,7 Millionen Menschen strömten 2020 in das französische Vorzeigehaus - und das trotz einer großen Leonardo da Vinci-Ausstellung im Frühjahr.

Mitarbeiter des Louvre stehen vor der Pyramide am Louvre und halten Bilder mit der Mona Lisa hoch

Mitarbeiter des Louvre bei der Eröffnung nach der ersten pandemiebedingten Schließung

Den Verlust beziffert der Louvre, der sich etwa zur Hälfte selbst finanziert, im Jahr 2020 auf rund 90 Millionen Euro. Gut die Hälfte schoss der französische Staat zu. Eigentlich hätte der Louvre Anfang 2021 wieder öffnen sollen. Doch wegen der anhaltenden Pandemie bleiben in Frankreich wie in Großbritannien die Kultureinrichtungen bis auf Weiteres dicht.

Gleiches gilt für die Museen in den USA, wie die American Alliance of Museums aktuell meldet. In einem Internet-Blog zur Zukunft der Ausstellungshäuser heißt es besorgt: “Besser als letztes Jahr ist eine sehr niedrige Messlatte. Und wir haben viele sehr harte Monate vor uns.”

Deutsche Museen unter Druck

Derweil setzt die Corona-Krise Deutschlands Museen hart zu. Im Kampf gegen das Virus haben Bund und Länder den Lockdown auch der Kultureinrichtungen bis zum 14. Februar 2021 verlängert. Die Belastung für die Häuser ist groß, eine schnelle Öffnung nicht in Sicht.

Kuppelraum der Kunstsammlung NRW

Derzeit keine Besucher erlaubt: Die renommierte Kunstsammlung NRW im Lockdown

″Uns war klar, dass wir im November schließen und unseren Beitrag leisten”, sagte Susanne Gaensheimer, Direktorin der Düsseldorfer Kunstsammlung NRW, der Süddeutschen Zeitung. ″Aber wenn der Lockdown noch länger anhalten sollte, müssen wir stärker differenzieren: Wo sind in unserer Gesellschaft die Orte, an denen man sich geschützt aufhalten kann? Wir könnten die Rettungsinseln sein.”

Die Kunstsammlerin Julia Stoschek, die mit ihrer Stiftung zwei Ausstellungshäuser betreibt, nannte die Schließung der Museen zum wiederholten Male sogar eine “absolute Katastrophe”. Kinobetreiber, Museumsdirektoren- und Direktorinnen und Kulturschaffende haben wiederholt daran erinnert, dass es keinerlei bestätigte Infektionen mit dem Coronavirus in Kulturhäusern gebe.

Eckart Köhne, Chef des Deutschen Museumsbundes

Bangt um die Zukunft der Museen: Eckart Köhne

″Museen sind sichere Orte”, unterstreicht der Deutsche Museumsbund, der um die Zukunft von Museen bangt. Viele hätten nach monatelanger Schließung “keinerlei finanzielle Polster mehr”, erklärte sein Präsident Eckart Köhne. Die Mehrzahl der Häuser sei wegen ausbleibender Einnahmen in ihrer Existenz bedroht. “In Folge der Pandemie müssen wir mit einer tiefgreifenden Debatte über die zukünftige Rolle der Museen beginnen”, fordert Köhne. 

Suche nach Ausweichterminen

Hinter den Museumstüren brodelt es. Fieberhaft loten engagierte Kuratoren und Ausstellungsteams aus, ob sie derzeitige Ausstellungen irgendwie verlängern können. So bemüht sich etwa das Kölner Museum Ludwig, die Schau “Andy Warhol Now”, deren Eröffnungstermin aus dem Vorjahr auf Anfang Februar 2021 verschoben wurde, noch weiter hinauszuschieben.

Doch das sieht schlecht aus: Von Köln sollen die Werke nach Toronto in Kanada und Aspen im US-Bundesstaat Colorado weiterziehen.

“Die Crux sind die Leihgeberinnen und Leihgeber”, sagte Direktor Yilmaz Dziewior dem Kölner Stadt-Anzeiger, “die schon nach derzeitigem Stand zwei Monate länger auf ihre Werke verzichten müssten.”

Außenaufnahem des Museum Ludwigs in Köln

Touristischer Hotspot: Das Museum Ludwig in Köln liegt direkt in der City nahe beim Dom

Hamburgs Flucht nach vorn

Mehr Glück hat da die Hamburger Kunsthalle. Zwar konnte die Giorgio de Chirico-Schau, die zuvor im Pariser Museum D’Orsay lief, wegen des Lockdowns erst mit fast halbjähriger Verspätung öffnen und vorerst auch nur digital. Doch hätten die mehr als 50 Leihgeberinnen und Leihgeber weltweit einer Verschiebung zugestimmt. Auch die Sponsoren spielten mit: “Wir haben da eine unglaubliche Solidarität erfahren”, resümiert Kuratorin Annabelle Görgen-Lammers im DW-Interview.

Annabelle Görgen-Lammers

Kuratierte die Hamburger de Chirico-Ausstellung, die als digitale Schau startet: Annabelle Görgen-Lammers

Gleichwohl exerziert Hamburg – anders als es Köln vermag, die “Flucht nach vorn”. Was im Januar als digitales Event im Internet begann, mit Bildergalerien, Texten und kleinen Videos, könnte auch als solches enden. Denn offiziell läuft die Ausstellung bis zum 25. April. “Und niemand weiß, wie sich die Pandemie entwickelt”, sagt Kuratorin Görgen-Lammers.

Ungewiss also, ob je leibhaftige Besucher in die Hamburger Ausstellung strömen werden. Zu sehen sind die Werke des italienischen Malers einstweilen per Mausklick. “Die Alternative wäre gewesen, wir lassen alles im Depot und schicken es ungesehen zurück”, so Görgen-Lammers. “Aber wir haben eine Verpflichtung, die Werke zu zeigen. Kultur ist wichtig in Krisenzeiten!”

Inzwischen machen die Kunstmuseen Druck auf die Politik. Sie wollen schneller raus aus dem Lockdown. Mit einem Brief an die Kulturverantwortlichen von Bund und Ländern plädierten die Leitungen führender Häuser für eine Öffnung der Museen: “Unsere Sorge gilt der Eindämmung der Pandemie, zugleich aber auch einer dem jeweiligen Verlauf von Corona angepassten Wiedereröffnung der Museen”.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) reagierte in Interviews aufgeschlossen: Die Kultureinrichtungen in Deutschland seien während der Corona-Epidemie als erstes geschlossen worden. Sie sollten nun “nicht die letzten sein, die wieder aufmachen.”

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WHO-Experten besuchen Markt in Wuhan

Der Huanan-Markt im chinesischen Wuhan gilt als Ursprungsort der Corona-Pandemie. Seit Januar vergangenen Jahres ist der Markt geschlossen. Wachmänner öffneten die Absperrungen vor dem Gelände nur für die Einfahrt der Autos der Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO). 

Sichherheitskräfte mit Regenschirmen versuchen, Journalisten am Fotografieren zu hindern

Streng verboten: Sicherheitskräfte hindern Journalisten mit Regenschirmen daran, Fotos zu machen

In Wuhan war Ende 2019 der weltweit erste Infektionsherd des damals neuartigen Erregers festgestellt worden, an dem inzwischen insgesamt mehr als 2,2 Millionen Menschen gestorben sind. Die meisten Wissenschaftler gehen davon aus, dass Fledermäuse die ursprünglichen Wirte des Coronavirus waren und dieses auf dem Huanan-Markt auf den Menschen übertragen wurde. Ungeklärt ist aber, welches Tier bei der Übertragung auf den Menschen als sogenannter Zwischenwirt diente. 

Zuvor hatten sich die WHO-Fachleute auf einem Großmarkt umgesehen. Teammitglied Peter Daszak sprach via Twitter von  ”sehr wichtigen Standortbesuchen”, die informativ und entscheidend seien, um die Epidemiologie von COVID zu verstehen.

Das Jinyintan Hospital in Wuhan

Dieses Krankenhaus nahm die ersten Corona-Patienten auf

Am Samstag hatte die WHO-Delegation das Krankenhaus besucht, in dem die ersten Corona-Patienten behandelt worden waren. Dies sei eine “wichtige Gelegenheit” gewesen, “direkt mit den Medizinern zu sprechen, die in dieser kritischen Zeit im Kampf gegen COVID vor Ort waren”, twitterte Daszak. 

Schwierige Recherchereise

Die Mission der WHO ist hochbrisant, weil dabei mögliche Versäumnisse der chinesischen Behörden in den Anfängen der Coronavirus-Pandemie in den Fokus rücken könnten. Wohl auch deshalb stehen bei der Forschungsreise zur Herkunft des SARS-CoV-2-Erregers nicht nur Orte auf dem Programm, die einen direkten Zusammenhang mit dem Virus haben: Demonstrativ wurden die Experten auch zu einer Propaganda-Ausstellung geführt, die Chinas Überwindung der Gesundheitskrise feiert.

In der Ausstellung werden die Notfallmaßnahmen der Gesundheitsbehörden von Wuhan in der chaotischen Frühphase des COVID-19-Ausbruchs gewürdigt – ebenso wie die schnelle Reaktion der kommunistischen Führung.

WHO-Team vor einem Ausstellungsgebäude in Wuhan

Die WHO-Fachleute am Eingang zur Ausstellung

Der genaue Ablauf der WHO-Forschungsarbeit in der Millionenmetropole wird von den chinesischen Behörden nicht kommuniziert. Die chinesischen Medien hielten sich bislang bedeckt und Informationen über die Reiseroute sickerten nur über Tweets der WHO-Experten durch.

Die Delegation war vor zwei Wochen in Wuhan eingetroffen, musste aber zunächst in Quarantäne. 

Sicherheitskräfte in Wuhan

Sicherheitskräfte auf Schritt und Tritt dabei: Die WHO-Mission ist politisch sensibel

Peking hatte zunächst eine unabhängige internationale Untersuchung der Ursprünge des Virus verweigert. Später schwenkte die chinesische Regierung um und verbreitete Thesen, dass das Virus seinen Ursprung in anderen Ländern habe.

Der WHO-Direktor für medizinische Notfälle, Michael Ryan, versuchte am Freitag, die Erwartungen an die Reise zu dämpfen. Der Erfolg “wird nicht unbedingt daran gemessen, dass wir bei der ersten Mission unbedingt eine Quelle finden”, sagte er in einer Pressekonferenz in Genf. Die Aufgabe sei es, mehr über die Ursprünge zu erfahren und einzuschätzen, welche weiteren Studien notwendig sein könnten.

se/uh/qu (afp, rtr, dpa) 

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US-Justiz klagt "Proud Boys" an

Das US-Justizministerium teilte mit, den Männern im Alter von 31 und 43 Jahren werde unter anderem Verschwörung und das illegale Eindringen in besonders geschützte Gebäude vorgeworfen. Die beiden Beschuldigten aus dem Bundesstaat New York seien nach entsprechenden Strafanzeigen bereits am 12. beziehungsweise 15. Januar festgenommen  worden.

Die Rolle Trumps

Anhänger des damaligen US-Präsidenten Donald Trump hatten am 6. Januar das Kapitol gestürmt. Trump wird vorgeworfen, den Mob zuvor bei einer Rede aufgestachelt zu haben. Der Anführer der “Proud Boys”, Henry “Enrique” Tarrio, war noch vor der Kundgebung von einem Gericht angewiesen worden, Washington zu verlassen.

USA Proud Boys-Anführer Enrique Tarrio

Enrique Tarrio (l.) ist Anführer der Proud Boys, hier bei einer Kundgebung im Dezember

Die Polizei hatte ihn nach seiner Ankunft in der US-Hauptstadt festgenommen, weil ein Haftbefehl wegen Sachbeschädigung bei einer früheren Demonstration von Trump-Anhängern gegen ihn vorlag. Allerdings gibt es auch Berichte, die Tarrio in einem etwas anderen Licht zeigen. Die “Washington Post” hatte unter Berufung auf Gerichtsunterlagen gemeldet, Tarrio habe nach einer Betrugsanklage gegen ihn aus dem Jahr 2012 mit der Polizei kooperiert.

Die damalige Staatsanwältin habe 2014 vor Gericht angegeben, dass Tarrios Bereitschaft zur Zusammenarbeit bei der Strafverfolgung hilfreich gewesen sei. Aufgrund seiner Angaben sei es zur Strafverfolgung von 13 Verdächtigen gekommen und es habe Ermittlungen im Drogenmilieu gegeben.

haz/ml (dpa, ap)

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London will rasch in Pazifik-Freihandel

Die Regierung werde am Montag einen Antrag auf Mitgliedschaft im Comprehensive and Progressive Agreement for Trans-Pacific Partnership (CPTPP) stellen, kündigte die Ministerin für internationalen Handel, Liz Truss, in London an.

500 Millionen Menschen gehören dazu

Der Freihandelszone gehören bislang elf Staaten an. Sie umfasst unter anderem die Märkte Australiens, Kanadas, Chiles, Mexikos und Japans. Die CPTPP-Mitglieder haben beispielsweise zollfreien Handel auf viele Waren und gemeinsame Standards vereinbart. Sie haben damit einen Binnenmarkt mit etwa 500 Millionen Menschen geschaffen, in dem 13 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet werden. 

Großbritannien London 2020 | Boris Johnson, Premierminister

Premier Johnson lobt die CPTPP-Freihandelszone, noch gehört London allerdings nicht dazu

Die Vereinbarung geht zurück auf Maßnahmen der früheren US-Regierung. Unter Donald Trump hatten die USA das transpazifische Freihandelsabkommen TPP verlassen, daraufhin wurde 2018 die CPTPP aus der Taufe gehoben.

Johnson ist begeistert

Der Antrag auf die CPTPP-Mitgliedschaft erfolgt exakt ein Jahr nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU. “Ein Jahr nach unserem Abschied aus der EU schmieden wir neue Partnerschaften, die der britischen Bevölkerung enorme wirtschaftliche Vorteile bringen werden”, sagte Premierminister Boris Johnson. Er fügte hinzu: Der Schritt zeige, dass Großbritannien ein “enthusiastischer Vorkämpfer des Freihandels” sei.

Großbritannien hatte im Oktober bereits mit Japan das erste größere Freihandelsabkommen nach dem Brexit besiegelt. Im Dezember folgten Abkommen mit Singapur und Vietnam.

haz/ml (afp, dpa, rtr)

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Meinung: Der Mensch, das Virus und die Demut vor der Natur

Reisebeschränkungen, Abstandsregeln, Lockdown, Home-Office, Kontaktbeschränkungen – seit vielen Monaten schon bestimmen diese Zumutungen den Alltag der Menschen auch in Deutschland. Eine riesige Impfkampagne wurde gestartet, es ruckelt und geht langsam voran. Viel zu langsam. Die Politik macht Fehler, all das wird in der Öffentlichkeits-Blase, zu der Politiker, Experten und Journalisten gehören, aufgeregt diskutiert.

Spricht man mal mit ganz normalen Menschen, dann gibt es zwei eher überraschende Aussagen: Die Menschen können die tägliche Corona-Nachrichtenflut nicht mehr ertragen und schalten zumeist ab. Und noch erstaunlicher: Die allermeisten Menschen halten sich an die Beschränkungen und wären prinzipiell sogar bereit, noch mehr Zumutungen zu ertragen. Hauptsache, es kommt endlich ein Ende in Sicht. Ein Widerspruch?

Wir wissen längst nicht alles über das Virus

Überhaupt nicht. Daraus spricht eher eine gesunde Demut den Naturgewalten gegenüber, mit denen wir es hier zu tun haben. Wir wissen viel über das Corona-Virus, aber längst nicht alles. Die Virologen merken an, dass etwa die viel diskutierten Mutationen ihnen auch deshalb so große Sorgen machen, weil nicht vorhersehbar ist, wie stark die Gefahr wirklich ist, die von ihnen ausgeht.

Thurau Jens Kommentarbild App

DW-Hauptstadtkorrespondent Jens Thurau

Dennoch ist die Debatte geprägt von großer Aufgeregtheit. Sie folgt einer Logik politischer Auseinandersetzung, die ungefähr so läuft: Wir haben ein Problem, die Politik muss es im Verbund mit der Wissenschaft beseitigen. In jedem Fall gilt: Die Menschen sind Herren des Geschehens! Entweder haben sie Erfolg, oder aber sie können scheitern und werden dafür zur Verantwortung gezogen. So denken wir eigentlich alle, und darin liegt viel Hybris. 

Sogar die Corona-Leugner bewegen sich bei genauem Hinsehen innerhalb dieser Logik: Sie sind gegen die Beschränkungen, brandmarken sie als unzulässige Eingriffe in die Bürgerrechte. Also gibt es das Virus wahlweise gar nicht oder seine Gefahr wird übertrieben. Belege gibt es dafür nicht, die Zahl der Toten ist ja objektiv da. Aber aus Sicht der sogenannten “Querdenker” ist es logisch, die Gefahr einfach zu ignorieren. Sonst gibt es ja keine Begründung, die Beschränkungen abzulehnen. Auch das ist überheblich.

Zahlen werden politische Größen

Die Handelnden sind derweil verzweifelt bemüht, das Geschehen in einen begreifbaren Rahmen zu fassen: Die Inzidenz (Infektionen unter 100.000 Bürgern innerhalb von sieben Tagen – schon das ist reichlich abstrakt und schwer zu verstehen) ist längst zum allgemeinen Ziel geworden. Sie soll unter 50 sinken. Vorher, so die Regierung, sei an Lockerungen nicht zu denken.

Das erinnert stark an die Bemühungen, den vom Menschen verursachten Klimawandel in den Griff zu bekommen: Die international weitgehend anerkannte Formel, die Erderwärmung dürfe um nicht mehr als zwei Grad gegenüber der Industrialisierung, besser noch um nur 1,5 Grad steigen, ist eine politische Größe, keine wissenschaftliche. Schon vorher sind nämlich die Schäden durch den Klimawandel erheblich. Aber der Mensch, auch hier Maßstab der Dinge, traut sich zu, die Erderwärmung bei maximal zwei Grad noch beherrschen zu können.

Nicht alles ist sinnvoll, was möglich ist

In beiden Fällen, bei der Pandemie wie beim Klimawandel, steckt der Wunsch dahinter, die Welt zu erhalten, wie wir sie kennen: Mit einer global bis ins letzte vernetzten Wirtschaft und Wissenschaft, mit dem hohen Tempo der Digitalisierung, mit bald acht Milliarden Menschen.

Dazu gibt es ernsthaft auch keine Alternative. Der Mensch wird weiter die Geschicke auf der Welt bestimmen, dazu hat er sie schon viel zu sehr nach seinen Vorstellungen geprägt. Aber die Pandemie lehrt uns, dass nicht alles, was möglich ist, auch sinnvoll ist. Viele der handelnden Staaten haben den Menschen und sein individuelles Überleben in den Mittelpunkt der Pandemie-Bekämpfung gestellt. Das ist gut und richtig so, ein demokratischer Rechtsstaat ist ohne einen solchen Ansatz nicht denkbar.

Aber bei näherer Überlegung ist auch dieser Ansatz begrenzt. Wie lange können wir die Beschränkungen ertragen, ab wann kollabieren Wirtschaft und Gesellschaft? Wie viele Opfer sind dann zu beklagen? Das alles will bedacht sein und es liegt in unserer Hand, was wir in welchem Umfang tun. Aber am Ende sind wir den Naturgewalten ausgeliefert, auch dem Virus, auch im Jahre 2021. Dem mit mehr Demut zu begegnen, öffnet vielleicht ganz andere Ansätze für eine Neugestaltung unseres Miteinanders.

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