Matsch & Metal: Das Wacken Open Air 2015

Michael aus Hamburg schaut mit erstaunten Augen auf seine Füße. Die Turnschuhe sind nicht mehr zu erkennen, sie sind von einer dicken Schicht aus schwarzem Schlamm überzogen. Gerade hat er sein Auto auf dem Campingplatz festgefahren; nun steht es schräg im Matsch. Das erste, was er sich am nächsten Morgen besorgen wird, sind Gummistiefel.

Die
Wacken-Fans sind hart im Nehmen, “doch so was”, heißt es überall, habe man noch nicht erlebt. Viele sind bereits am vergangenen Dienstag angereist, haben ihre Zelte im Dauerregen aufgebaut und sind kilometerweit im Schlamm herum gestapft, um das Festivalgelände zu erreichen.



Heavy-Metal-Fans liegen im Schlamm in Wacken, Foto: Wünsch

Wer Heavy Metal liebt, muss auch Matsch und Regen abkönnen

Neue Disziplin: Der Wacken-Schlamm-Gang

Auch die Wackener Veranstalter haben schwer mit dem Wetter kämpfen müssen. Sie mussten die anreisenden Fans zeitweise bitten, das Gelände nicht anzufahren – die Infrastruktur ist buchstäblich im Schlamm versunken.

Die ersten Bands sind schon am Mittwoch (29.07.) aufgetreten, darunter auch die britische Kultband New Model Army und Europe aus Schweden, die in den 1980ern mit “The Final Countdown” ihren größten Hit hatten. Zur offiziellen Eröffnung des Wacken Open Air – kurz W:O:A – am Donnerstag trotzten Zehntausende Regen und Schlamm und feierten Bands wie In Extremo, Rob Zombie und Savatage.



Heavy-Metal-Fans waten durch den Schlamm

Watend durch Wacken: da helfen auch keine Gummistiefel mehr…

Nachwuchsbands und Heavy-Metal-Größen


Newcomer und altbewährte Heavy-Metal-Hasen wechseln sich auf vier großen Bühnen ab – die Musikrichtungen sind für Nicht-Metaller manchmal schwer auseinander zu halten. Thrash-Metal, Speed-Metal, Dark-Metal – und unzählige weitere Spielarten. Manche Bands arbeiten mit mittelalterlichen Instrumenten, machen melodische Songs, während andere “auf die Zwölf” hauen: Ihre Musik ist ohrenbetäubend laut und sehr schnell. Die Sänger werden wegen ihrer kräftigen Stimme in Metal-Kreisen “Shouter” genannt. Wie die brasilianische Band Sepultura, die hier auf Wacken schon Stammgast ist.

28 Newcomer aus der ganzen Welt sind im “Metal Battle” gegeneinander angetreten. In diesem Jahr waren auch Teilnehmer aus Ländern mit dabei, die nicht zu den Top-Heavy-Metal-Nationen zählen – etwa aus Uruguay oder Japan. Die Sieger stehen fest: Die besten Fünf stammen aus Dänemark (Savage Machine), Großbritannien (Metaprism), dem Libanon (Blaakyum), Israel (Walkways), und der erste Platz ging an Vesperia aus Kanada. Alle Siegerbands bekommen Geld- und Sachpreise in Form von Instrumenten und Verstärkern. DW-PopXport war Medienpartner des Metal Battle und stellt die Bands in fünf Porträts vor.



Die Band Vespera, Foto: Wünsch

The Winner is…. Vesperia

Der Wettstreit der Newcomer ist für alle Teilnehmer ein Sprungbrett. Sie spielen auf einer großen Bühne mit amtlichem Sound und Lightshow. Wacken-Chef Thomas Jensen ist dies ein besonderes Anliegen, denn alle Teilnehmerbands haben so die Chance, direkt vor einem großen Publikum zu spielen und viele Menschen zu erreichen. Von daher seien alle, die es ins Metal Battle geschafft haben, bereits Sieger, sagt er. Das sehen auch die Bands so – viele haben sich untereinander angefreundet, auf den Campingplätzen ist bereits ausgiebig gefeiert worden.

Lautstarke Kulisse

Über
Wacken liegt eine Geräuschkulisse, die nur für wenige Stunden in der Nacht verstummt. Selbst auf den Campingplätzen wummern die Bässe, den Rest besorgen Dieselgeneratoren, mit denen die Camper ihre Kühlschränke in Gang halten – damit das Bier kalt bleibt. Wer nicht auf dem Festivalgelände ist, sitzt mit Freunden am Zelt – viele haben Pavillons aufgebaut, unter denen sie halbwegs trocken bleiben. Der Alkohol fließt in Strömen, und das schon morgens: Zum typischen Wacken-Frühstück wird gerne schon der Grill angeworfen, dazu gibt’s Ravioli aus der Dose und Bier.



Menschen mit Regenschirmen im Schlamm, Foto: Wünsch

28 Newcomer stehen beim “Metal Battle” auf der Bühne

Schnell bilden sich Freundschaften, gegenseitige Hilfe gehört unter den Wackenern dazu wie die langen Schlangen an Toilettenhäuschen und Duschen. Das Wetter meint es am dritten Festivaltag gut mit den Fans – die Wolken werden weniger, die Sonne zeigt sich und trocknet den allgegenwärtigen Schlamm. Für den letzten Tag sind unter anderem Biohazard, Steve’n'Seagulls, Cannibal Corpse, Judas Priest, Subway to Sally und Waltari angesagt. Bei schönstem Sonnenschein übrigens.

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