Freispruch für serbischen Nationalisten Seselj


Seine Schuld an Kriegsverbrechen im Bürgerkrieg auf dem Balkan Anfang der 1990er Jahre sei nicht erwiesen, urteilten die Richter. Vojislav Seselj, Vorsitzender der großserbischen Radikalen Partei (SRS), wurden Verbrechen gegen die Menschlichkeit während der Balkankriege in den 90er Jahren zur Last gelegt. Er sollte vor allem für die Ermordung tausender und die Vertreibung zehntausender Kroaten und Muslime in Bosnien verantwortlich gewesen sein. Die Ankläger hatten 28 Jahre Haft für Seselj gefordert.



In keinem der Anklagepunkte sei eine Verantwortung Seseljs für Verbrechen gegen Kroaten und Muslime erwiesen, urteilte das Gericht ungewöhnlich deutlich. “Vojislav Seselj ist somit ein freier Mann”, sagte Richter Jean-Claude Antonetti bei der Urteilsverkündung in Abwesenheit des 61-Jährigen. Die neun gegen Seselj wegen seiner Rolle während der Balkankriege erhobenen Anklagepunkte wurden fallengelassen.


Der Ultranationalist hatte sich freiwillig gestellt


Vor zwei Jahren war Seselj aus gesundheitlichen Gründen vorläufig aus der Haft entlassen worden. Er weigerte sich, zur Urteilsverkündung nach Den Haag kommen. Den vom UN-Sicherheitsrat eingesetzten Internationalen Strafgerichtshofs für das ehemalige Jugoslawien
erkennt er nicht an, obwohl er sich ihm 2003 freiwillig gestellt hatte.


In Serbien
kandidiert der Ultranationalist derzeit für seine SRS für die vorgezogene Parlamentswahl am 24. April. In der Regierungszeitung “Novosti” hatte er am Mittwoch erklärt: “Ich habe keine Zeit, mich mit Den Haag zu befassen. Ich befinde mich im Wahlkampf und habe jeden Tag Veranstaltungen. Mit denen bin ich fertig.”


uh/rb (dpa, afp)

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