Visionärin der Baukunst: Zaha Hadid ist tot

Zaha Hadid galt als Diva in der Männerdomäne Architektur. Aber nicht nur das: Sie wurde weltwelt geachtet als bedeutendste Architektin der Welt. Um die Entwürfe der Stararchitektin rissen sich Bauherren in aller Welt, private wie öffentliche. Und wer das nötige Geld aufbrachte, konnte sie sogar realisieren. In China gelang das mit der “Galaxy Soho” in Peking, einem futuristisch anmutenden Wohn- und Geschäftskomplex, oder in Hongkong, wo sie für die Technische Hochschule das “Jockey Club Innovation Tower” baute. In Aserbaidschans Hauptstadt Baku errichtete sie das “Heydar Aliyev Centre”.

Zaha Hadid war einer der wenigen Stararchitektinnen auf Weltniveau

Ihre Entwürfe hatten eines gemeinsam – sie sollten alte Selbstverständlichkeiten des Bauens in Frage stellen. Dabei gelang es Hadid, ihren Bauten Eleganz, Schwung und fließende Leichtigkeit einzuhauchen. Sie selbst bezeichnete ihren Stil als “kinetisch”. Ihr bevorzugter Werkstoff war Beton. So stehen Form und Material bei vielen ihrer Gebäude im spannungsreichen Gegensatz. Wohl das hatte Zaha Hadid zum Durchbruch verholfen. Denn ihren ersten Bauauftrag erhielt sie im Alter von 43 Jahren 1993 in Deutschland: Für die Betriebsfeuerwehr des badischen Designmöbelherstellers Vitra baute Hadid die “Firestation” in Weil am Rhein. Hadid verpasste der Feuerwehrstation eine dekonstruktivistische Strenge. Perfektion und Präzision prägen die ineinander verschachelten Räume. Die Dachauskragungen und schräg gestellten schmalen Mikadosäulen waren eine Referenz an ihren berühmten Lehrer, den Niederländer Rem Koolhaas. Vor allem aber bewies sie – zur Überraschung der Fachwelt – die Baubarkeit ihrer visionären Entwürfe.

Nobelpreis der Architekten für Zaha Hadid

Darauf setzte – zu Recht – auch der Autohersteller BMW, als er einen Hadid-Entwurf für das Zentralgebäude seines Leipziger Werks auswählte. Der Bergsteiger Reinhold Messner ließ von der Britin sein “Messner Mountain Museum” in die Gipfel der Tiroler Bergwelt setzen. Er nannte das Projekt seinen “15. Achttausender”. Die Zusammenarbeit mit Zaha Hadid galt als schwierig, zeitraubend und kostspielig. Doch Hadids Erfolgsbiografie spricht für sich: Als erste Frau erhielt sie 2004 den “Nobelpreis” der Architekten, den Pritzker Preis. Im Jahre 2009 wurde ihr der hochdotierte Praemium Imperiale verliehen. In diesem Jahr ehrte sie die Queen mit der “Royal Gold Medal”, eine Auszeichnung, die zuvor nur Männern vorbehalten war. Hadid lebte und arbeitete mit ihrem Büro in London. Am Donnerstag, den 31. März, starb sie überraschend an einem Herzinfarkt in Miami im Alter von 65. Jahren.

Source Article from http://www.dw.com/de/visionärin-der-baukunst-zaha-hadid-ist-tot/a-19156617?maca=de-rss-de-all-1119-rdf