Yuan bekommt Platz hinter Dollar und Euro

Beim zweiten Anlauf hat es China geschafft: Ende 2015 gab der Internationale Währungsfonds dem Antrag aus Peking statt, den Yuan (auch Renminbi genannt) in den Korb der sogenannten Sonderziehungsrechte (SZR) aufzunehmen.

Der Währungskorb SZR wurde 1969 vom IWF als eine Recheneinheit eingeführt, also eine künstliche Währung für die Konten der Zentralbanken. Aus fünf Währungen setzte er sich zusammen: Dollar, D-Mark, Franc, Pfund und Yen. Der Anteil der Währungen in diesem Korb spiegelte die Wirtschaftskraft der jeweiligen Länder wider. So war der Dollar fast durchgehend mit über 40 Prozent vertreten, der Anteil der D-Mark wurde im Laufe der Jahre größer, stetig abwärts ging es für den französischen Franc und das britische Pfund; der japanische Yen erlebte hingegen ein Auf und Ab. Vor 16 Jahren verschmolzen Mark und Franc zum Euro. Das heißt: Mit dem Yuan bekommt der Währungsclub des IWF zum ersten Mal ein wirklich neues Mitglied.

Deutschland Professor Rolf J. Langhammer (picture-alliance/ dpa)

Rolf Langhammer, ehemaliger Vize-Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft

Dabei ist der Unterschied zwischen dem Yuan und den anderen vier Währungen offensichtlich. ”Die anderen vier Währungen, also Dollar, Euro, Yen und Pfund, schwanken frei gegeneinander. Da gibt es keine staatlichen Interventionen beim Wechselkurs”, sagt Rolf Langhammer, ehemaliger Vize-Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft. China dagegen zwängt den Wechselkurs seiner Währung in einen engen Korridor und es existieren Kapitalverkehrskontrollen. Dennoch hält Henning Vöpel, Direktor des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI), die IWF-Entscheidung für  gerechtfertigt: ”Es bildet zum einen realwirtschaftlich die gestiegene und weiter steigende Bedeutung Chinas ab. Es ist aber auch eine Form der Ermutigung an China, weiter daran zu arbeiten, dass die eigene Währung konvertibel wird.”

Dim-Sum-Bond und Panda-Anleihe

China hat in den vergangenen Jahren beharrlich die Internationalisierung des Yuan vorangetrieben. Inzwischen ist er im asiatischen Zahlungsverkehr mit China bereits die meistgenutzte Währung. Die Offshore-Märkte wachsen rasant. Den Yuan-Papieren werden niedliche Namen gegeben wie Dim-Sum-Bond oder Panda-Anleihe. Mit der Aufnahme des Yuan in den Währungskorb des IWF werden in gewisser Hinsicht die chinesischen Finanzmarktreformen honoriert. Nach der Handelswährung und Anlagewährung wird der Yuan offiziell zur Reservewährung. Dass ihm auf Anhieb knapp elf Prozent Anteil im SZR zuerkannt werden und der Yuan den dritten Platz hinter Dollar und Euro erreicht, geht hauptsächlich zulasten der europäischen Gemeinschaftswährung. So wird der Anteil des Euro am 1. Oktober von über 37 auf knapp 31 Prozent sinken.

Deutschland Henning Vöpel Direktor am HWWI in Hamburg (picture-alliance/dpa/C. Charisius)

Henning Vöpel, Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI)

Eine korrekte Entscheidung, meint Rolf Langhammer: ”Die Bedeutung des Euro ist im internationalen Zahlungsverkehr insgesamt rückläufig, so wie seine Bedeutung im internationalen Handel nicht mehr so dominant ist.” Ökonom Vöpel kann der gefallenen Bedeutung des Euro im IWF-Währungskorb sogar Positives abgewinnen: ”Der Euro als die zweitwichtigste Reservewährung ist in einer sehr kritischen Verfassung. Nun hat man eine dritte Währung von Gewicht hinzugenommen, das schafft Entlastung für den Euro.”

Ist der Vertrauensvorschuss für den Yuan gerechtfertigt?

Die Aufnahme des Yuan in den SZR-Korb wird zu einer stärkeren Nachfrage nach der chinesischen Währung führen. Zentralbanken werden ihm einen wichtigeren Platz in ihren Währungsreserven einräumen. Sie sind aber keineswegs verpflichtet, die Zusammensetzung der Sonderziehungsrechte abzubilden. Der Kieler Ökonom Langhammer ist skeptisch, ob der Yuan dem Vertrauensvorschuss gerecht werden kann: ”Wenn jemand sich für eine Währung als Anlagewährung entscheidet, dann will er sich vielleicht gegen eine Wechselkursveränderung der anderen Währungen absichern. Das ist bei einer Währung wie dem Yuan, der in seiner Korbbildung den Dollar als die wichtigste Währung hat, natürlich nicht gegeben.”

Es bleibt also die spannende Frage, wann die Zentralregierung in Peking die Zügel ganz aus der Hand lassen wird. Kurzfristig sieht es nicht danach aus, dass sie die volle Konvertibilität des Yuan anstrebt. Zu groß ist die Angst, dass eine Freigabe des Wechselkurses Verwerfungen auf den Devisenmärkten auslösen könnte.

Langfristig liege ein frei handelbarer Yuan aber auch im Interesse Chinas, meint Henning Vöpel: ”China ist dabei, das Wachstumsmodell zu verändern, weg vom exportgetriebenen Wachstum und hin zu einem binnenwirtschaftlich getragenen Wachstum. Eine Aufwertung des Renminbi hilft, das neue Wirtschaftsmodell durchzusetzen.” Bis Chinas Währung wirklich voll konvertibel ist, werden seiner Meinung nach aber noch zehn bis 15 Jahre vergehen.

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