Umtriebig und unbeirrbar: Nicole Kidman

Wie definiert man einen Superstar? Natürlich, wenn er allzeit präsent ist. Wenn er nicht nur aufgrund seiner künstlerischen Fähigkeit berühmt ist und bewundert wird. Es muss noch etwas hinzukommen. Ein Image, ein Bild in der Öffentlichkeit, das über den Status des Künstlers hinausreicht. Etwas Magisches, vielleicht Überirdisches. Auf Nicole Kidman trifft all das zu.

Für die Rolle der Virginia Woolf gab’s einen Oscar

Die 1967 in Honolulu geborene Schauspielerin, die in Australien aufwuchs und schon seit einigen Jahren zu den Top-Stars der Branche zählt, ist zweifellos eine wandlungsfähige Schauspielerin. Der Oscar für ihren Auftritt als Virginia Woolf 2002 in “The Hours” war nur das sichtbarste Zeichen dafür. Dass ihr der Preis verliehen wurde für eine Rolle, in der sie in manchen Szenen unter der Maske fast “verschwindet” und eigentlich kaum zu erkennen ist, spricht nicht gegen sie.

Nicole Kidman und Tom Cruise (picture-alliance / dpa)

Mit Tom Cruise war Nicole Kidman von 1990 bis 2001 verheiratet

Nicole Kidman entspricht durchaus modernen Schönheitsidealen: Mit ihren (heute) blonden Haaren, ihrem zarten, fast porzellanhaften Teint, der staatlichen Körpergröße und dem strahlenden Lächeln erfüllt sie die Erwartungen eines Massenpublikums.

Nicht zuletzt deshalb haben die großen Mode- und Kosmetikfirmen sie frühzeitig entdeckt und sie zum Gesicht ihrer Kampagnen gemacht. Die Kidman ist zweifellos eine der präsentesten Filmstars weltweit - auch außerhalb des Kinos. In manchen Jahren war sie die Nr. 1 in der Rangliste der bestbezahlten Hollywood-Diven. Auch ihre Gagen für die Auftritte vor den Werbekameras waren zum Teil astronomisch hoch.

Nicole Kidman: Wunderlicher Wandel

Doch Kidmans inzwischen makellose Schönheit provoziert auch. Auffällig ist ja, dass die Schauspielerin zu Beginn ihrer Karriere noch ganz anders aussah. Rothaarig und mit Locken, auch pausbäckiger und burschikoser präsentierte sie sich früher. Der Wandel zum zart-hellen Typ der vergangenen Jahre hat wohl nicht nur mit dem Alter zu tun.

Pirelli Kalender 2017 Nicole Kidman in einer Schwarz-Weiß-Aufnahme (picture-alliance/dpa/Peter Lindbergh)

Star-Fotograf Peter Lindbergh fotografierte Nicole Kidman 2016 für den Pirelli-Kalender

Dass Nicole Kidman heute so grazil und fast ein bisschen künstlich-zerbrechlich über die roten Teppiche der Welt stolziert, ist wohl auch der Fertigkeit moderner Mediziner zu verdanken.

Ob an diesem äußerlichen Wandel nun chirurgische Messer beteiligt sind, Botox-Spritzen oder lediglich besonders wirkungsvolle Make-Up-Artisten, sei einmal dahingestellt.

“Goldene Himbeere” für Kidman

Kidman ist eine echte Künstlerin. 2003 bekam sie den Oscar, zwei Jahre später die Goldene Himbeere, gemeinsam mit Will Ferrell für das schlechteste Leinwand-Paar des Jahres in ”Verliebt in eine Hexe”. Das muss erst einmal eine nachmachen. Und ein Jahr vor der Himbeeren-Nominierung im Jahre 2012 lag auch noch die Oscarnominierung für den Film “Rabbit Hole”. Licht und Schatten liegen bei dieser Schauspielerin nah beieinander.

“Bei ihren reichsten Rollen scheint sich das Defensive und Offensive die Waage zu halten, das liebenswürdig Angepasste und das unheimlich rumorende Innere, eine gleichsam vulkanische Hitze, die unvorbereitet ihren Weg nach außen sucht”, schrieb der Filmpublizist Thomas Koebner vor ein paar Jahren in dem Band “Die Schönen im Kino” über Kidman und traf damit einen Nerv.

Nicole Kidman, umrahmt von Steven Spielberg und Daniel Auteuil in Cannes 2013 (Reuters)

Eine große Frau: Nicole Kidman, flankiert von Steven Spielberg und Daniel Auteuil in Cannes 2013

Nicole Kidman, von Koebner damals unter dem Titel “Die rote Hexe” vorgestellt, hat sich von ihren Anfängen als rothaarige Mimin in australischen TV-und Serienerfolgen längst entfernt. Heute ist sie eine scheinbar komplett andere Schauspielerin. Das muss nicht immer gut gehen - siehe ihr Auftritt als Grace Kelly in “Grace of Monaco” 2014 oder als aseptische und viel zu schöne Afrika-Reisende in Werner Herzogs peinlichem Film “Königin der Wüste” ein Jahr später.

Doch immer wieder sind Nicole Kidman auch in den letzten Jahren bemerkenswerte Auftritte gelungen in Filmen wie “Birth” oder “The Paperboy”, in “Stoker” oder “Lion”. Dort präsentierte sie sich wandlungsfähig und charismatisch. Mit ihren vier neuen Filmen, die sie jüngst beim Festival in Cannes präsentierte, scheint es so, als ob die Schauspielerin auch in ihrer zweiten Karrierehälfte in der allerersten Reihe der weiblichen Weltstars mitspielen wird.

Berlinale 2015 Queen of the Desert (Reuters/ H. Hanschke)

Winke, Winke zum Berlinale-Publikum: Kidman 2015 zwischen Festivaldirektor Dieter Kosslick, James Franco und Regisseur Werner Herzog

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