Trump attackiert Russland im Nordkoreakonflikt

“Russland macht einen Teil dessen zunichte, was China leistet”, sagte Donald Trump der Nachrichtenagentur Reuters in einem Interview im Weißen Haus (Artikelbild), allerdings ohne konkrete Beispiele zu nennen. Ausdrücklich lobte der US-Präsident die Führung in Peking für ihre Bemühungen, die Öl- und Kohlelieferungen an das kommunistische Land zu unterbinden. Einen kleinen Seitenhieb konnte er sich aber dann doch nicht verkneifen. Die Regierung in Peking könnte aber noch mehr tun, meint Trump.

“Sie sind nah dran”

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un komme seinen Ziel, die USA mit Raketen anzugreifen, immer näher, warnte der US-Präsident. “Sie sind noch nicht so weit, aber sie sind nah dran. Und jeden Tag kommen sie dem näher.” Während des knapp einstündigen Interviews äußerte Trump Zweifel, ob ein Treffen mit Kim Jong Un den Konflikt entschärfen könnte. “Ich bin nicht sicher, ob Gespräche zu irgendetwas Sinnvollem führen könnten.” Auch Verhandlungen seiner Vorgänger hätten Nordkorea nicht dazu gebracht, bei seinem Raketen- und Atomprogramm einzulenken. “Sie haben 25 Jahre gesprochen, und sie haben unsere Präsidenten ausgenutzt, unsere früheren Präsidenten. Ich würde mich hinsetzen, weiß aber nicht, ob das das Problem lösen würde.”

Auch ein Scheitern der diplomatischen Bemühungen im Atomkonflikt mit Nordkorea sei möglich, räumt Trump in dem Reuters-Interview ein. Er hoffe zwar, dass die Krise friedlich gelöst werden könne, “aber es ist sehr gut möglich, dass dies nicht gelingt”.

USA - Präsident Trump im Interview mit Reuters Reportern im Weißen Haus (Reuters/K. Lamarque)

Interview mit Reuters-Reportern im Oval Office

Nordkorea entwickelt unter Verletzung internationaler Abkommen und UN-Auflagen Atomwaffen und Landstreckenraketen, mit denen es vor allem die USA bedrohen will. Machthaber Kim Jong Un lehnt trotz immer wieder verschärfter Sanktionen eine Abkehr von seiner Atompolitik ab.

Seit Jahresbeginn Bewegung im Koreakonflikt

Die Spannungen hatten sich in den vergangenen Monaten verschärft. Grund dafür waren neben nordkoreanischen Raketen- und Atomtests martialische Drohungen mit denen sich Trump und Kim überzogen.

Die Drohung mit einer US-Militäraktion gegen Nordkorea hat etwas an Kraft verloren, seit die verfeindeten koreanischen Staaten in der vergangenen Woche den Dialog wieder aufgenommen haben. Sie öffneten wieder die direkte Telefonverbindung zwischen ihren Streitkräften und vereinbarten, dass Nordkorea Sportler, Funktionäre und Kulturgruppen zu den Olympischen Winterspielen im Februar nach Südkorea entsendet.

Japans Außenminister Taro Kono warnte allerdings, der Charme-Offensive Nordkoreas nicht naiv zu glauben. Der Druck dürfe nicht nachlassen. Die Tatsache, dass sich das Land dem Dialog öffne, könne auch als Wirkung der Sanktionen interpretiert werden. Die südkoreanische Außenministerin Kang Kyung Wha sagte, sie hoffe auf eine Fortsetzung des Dialogs nach den Spielen. Die Sanktionen müssten aber rigoroser durchgesetzt werden.

qu/cw (rtr, afp)

 

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