DFB-Elf: Mission Titelverteidigung beginnt

Exakt um 13:01 Uhr fuhr der schwarze Mannschaftsbus der deutschen Nationalmannschaft am Mittwoch am Fünf-Sterne-Hotel “Weinegg” in Eppan in Südtirol an. Die Mitarbeiter des noblen Hotels rollten für den amtierenden Weltmeister den roten Teppich aus und sorgten im Vorfeld für ideale Trainingsbedingungen: Der Rasen auf dem Trainingsplatz wurde akribisch auf die richtige Länge gestutzt – alles angerichtet für die historische Mission der Titelverteidigung. Doch bis dahin wartet auf Bundestrainer Joachim Löw noch eine Menge Arbeit. Löw nimmt sich dafür Zeit, 16 Tage lang wird die DFB-Elf im Trainingslager in Eppan verbringen, fünf Tage mehr als 2014, damals ebenfalls in Südtirol.

Kein Freifahrtschein für Neuer

Bis zur Bekanntgabe des endgültigen WM-Kaders am 4. Juni muss der Bundestrainer ein paar knifflige Personal-Entscheidungen treffen. Insgesamt drei Feldspieler und einen Torwart wird Löw nach Hause schicken müssen. Darunter möglicherweise auch Manuel Neuer. Der 32-jährige Torwart des FC Bayern hat wegen eines Haarrisses im linken Fuß seit September 2017 kein Spiel mehr bestritten, sein letzter Auftritt im DFB-Trikot liegt sogar mehr als anderthalb Jahre zurück.

“Wir werden nur einen hundert Prozent fitten Manuel Neuer mitnehmen”, betonte Teammanager Oliver Bierhoff in Eppan. Löw will sich gemeinsam mit Torwarttrainer Andreas Köpke ein Bild von der physischen Verfassung Neuers machen und dann eine Entscheidung fällen. Als Ersatz für die Nummer 1 im Tor steht Marc-Andre ter Stegen bereit.

Auch der WM-Einsatz von Innenverteidiger Jerome Boateng, der sich nach einer Oberschenkelverletzung derzeit im Aufbautraining befindet, ist fraglich. Ein weiterer Wackelkandidat ist Nils Petersen. Der 29-Jährige Stürmer vom SC Freiburg ist der einzige Akteur ohne Länderspiel im derzeitigen WM-Kader. Er wurde von Löw überraschend anstelle von Sandro Wagner nominiert.

Trainingslager als Basis für den Erfolg

Als Trainer einer Nationalmannschaft hat Löw nur selten die Gelegenheit, über einen längeren Zeitraum mit seiner Mannschaft zu arbeiten. Deshalb ist die Zeit im Trainingslager für ihn nach eigenen Worten zwar eine intensive, aber auch schöne Zeit: “Im Trainingslager geht es darum, die Basis zu legen für das WM-Turnier, das uns alles abverlangen wird, physisch wie mental.” Um dieses Ziel zu erreichen, wird den Spielern einiges abverlangt. Zweimal am Tag wird trainiert, damit die Spieler nach einer langen Saison konditionell wieder neu aufgebaut werden und der Hunger auf Erfolg neu entfacht wird. Die Bedingungen dafür sind in Eppan perfekt: Das Mannschaftshotel bietet unter anderem einen Fitnessraum, eine Sportsauna, einen Outdoor-Pool und ein Basketballfeld – für Löw “eine gute Kombination, um konzentriert zu trainieren, aber auch zu regenerieren und zu entspannen”.

Wollen den Titel verteidigen

Südtirol bedeutet für den DFB Erfolg: 1990 und 2014 holte Deutschland nach der Turnier-Vorbereitung in der Urlaubsregion jeweils den Weltmeisterschaftstitel, 2010 erreichte die DFB-Elf immerhin den dritten Platz.
Während des Trainingslagers steht am 2. Juni in Klagenfurt der Test gegen Österreich auf dem Programm. Einen Tag nach der Rückkehr aus Eppan, am 8. Juni, steigt in Leverkusen die WM-Generalprobe gegen Saudi-Arabien. Danach haben die Spieler noch ein paar Tage frei, um dann am 12. Juni nach Moskau ins WM-Quartier Watutinki zu fliegen. Am 17. Juni steht das Auftaktspiel gegen Mexiko an. Oliver Bierhoff formuliert schon jetzt deutlich den Anspruch an die Nationalmannschaft: “Das Ziel ist natürlich klar. Wir wollen als Weltmeister den Titel verteidigen.”

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