Politisches SOS aus dem Mittelmeer

Die Besatzungen zweier deutscher Rettungsschiffe im Mittelmeer rufen zunehmend eindringlicher um Hilfe. Die Situation sei “nicht mehr tragbar und menschlich wie politisch nicht zu verantworten, schrieb die Organisation Sea-Watch auf Twitter. “2019 beginnt für uns mit Seekrankheit und Verzweiflung an Bord.” Ihr Boot, die “Sea-Watch 3″ harrt seit dem 22. Dezember mit 32 geborgenen Migranten an Bord auf dem Mittelmeer aus, weil bislang keine Regierung einen Hafenzugang gewährte. Seit dem 29. Dezember teilt die “Professor Albreckt Penck” der Regensburger Organisation “Sea-Eye” mit 17 Migranten an Bord dasselbe Schicksal. Die beiden Schiffe fahren unter niederländischer beziehungsweise deutscher Flagge.

Auf Twitter schrieb die Besatzung der “Sea Watch”, anfänglich seien die geretteten Menschen in vergleichsweise guter körperlicher Verfassung gewesen. Das Schiff sei jedoch nicht auf einen längeren Aufenthalt an Bord ausgelegt, so sei beispielsweise die Nahrung nicht nährstoffreich genug, um Widerstandskräfte gegen Seekrankheit und Infektionen zu bilden. “Wir sind nicht in der Lage, Unterstützung und Unterkunft für längere Zeit zu bieten, unser Schiff ist dafür nicht ausgelegt”, hieß es in dem Statement.

Schlechtes Wetter voraus

Der “Sea-Watch”-Einsatzleiter Philipp Hahn sagte, die 32 Menschen an Bord seien im “Überlebensmodus”. Sie seien im Schiffsinneren eingeschlossen. “Die nächsten Tage werden der Wind und die Wellen stärker”, sagte Hahn.

Wegen des schlechten Wetters würde sich die Lage an Bord wahrscheinlich verschärfen, warnte das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR. Es drängte deshalb auf eine schnelle Lösung für beide Schiffe.

Appell an die Politik

“Wir vertrauen und hoffen genau in diesem Moment auf Sie”, schrieb die Organisation “Sea-Eye” in einem offenen Brief an die Bundestagsabgeordneten aller Fraktionen außer der AfD. ”Bitte helfen Sie unseren beiden Schiffen, bitte helfen Sie den 49 geretteten Menschen sofort, denn das Wetter verschlechtert sich und die Schiffsvorräte sind beinahe aufgebraucht.” In einem Tweet forderte die Organisation: “Deutschland kann und muss jetzt mehr Verantwortung übernehmen.”

Seitdem Italiens populistische und teils rechtsextreme Regierung die Häfen des Landes für private Seenotretter geschlossen hat, kommen wesentlich weniger Migranten in Europa an, die meisten von ihnen landeten 2018 in Spanien. Mehr als 2240 Menschen sind im vergangenen Jahr bei der Flucht über das Mittelmeer gestorben oder verschollen. Die EU-Staaten streiten nach wie vor darüber, wie sie Bootsflüchtlinge in Europa verteilen sollen.

ehl/kle (dpa, kna, sea-eye)

 

Source Article from http://www.dw.com/de/politisches-sos-aus-dem-mittelmeer/a-46932050?maca=de-rss-de-all-1119-rdf