USA schicken 1000 weitere Soldaten nach Nahost

Im Konflikt mit dem Iran schicken die USA rund 1000 weitere Soldaten in den Nahen Osten. Sie würden zu “Verteidigungszwecken” in die Region entsandt, erklärte der amtierende US-Verteidigungsminister Patrick Shanahan. Die Maßnahme diene der “Sicherheit und Gesundheit” der dort schon stationierten Truppen. Shanahan betonte: “Die Vereinigten Staaten streben keinen Konflikt mit dem Iran an.”

Die Spannungen zwischen Washington und Teheran nehmen seit Monaten zu. Bereits Ende Mai hatten die USA ihre Kräfte im Nahen Osten um 1500 Soldaten verstärkt. Als Begründung nannten sie eine “anhaltende Bedrohung” durch den Iran. Zuvor hatte das US-Militär unter anderem einen Flugzeugträgerverband und eine Bomberstaffel in die Region verlegt. Dies schürte weltweit die Sorge vor einem militärischen Konflikt.

Bild mit Millimetermaß

Am Donnerstag verschärften mutmaßliche Angriffe auf zwei Tanker im Golf von Oman die Lage erneut. Die Vereinigten Staaten machen die Islamische Republik für die Schiffsattacken verantwortlich. Der Iran weist dies entschieden zurück.

US Iran (picture-alliance/AP Photo)

Reste einer Haftvorrichtung? (Bild des US-Verteidigungsministeriums)

Am Montag veröffentlichte das US-Verteidigungsministerium weitere Fotos, die eine Urheberschaft Teherans belegen sollen. Sie zeigen angeblich Reste einer Vorrichtung, mittels derer eine nicht explodierte Mine an einem der Tanker befestigt wurde. Ein ins Bild gehaltenes Maßband soll einen Größenvergleich ermöglichen.

Vom Hubschrauber aus geschossen

Auf einem anderen Bild sind Personen auf einem kleinen Boot zu sehen, die an einen Schiffsrumpf herangefahren sind. Das Pentagon beschreibt sie als Mitglieder der Islamischen Revolutionsgarden, die gerade dabei seien, eine nicht gezündete Sprengladung vom japanischen Tanker “Kokuka Courageous” zu entfernen. Nach diesen Angaben wurden das Foto von einem US-Marine-Hubschrauber aus geschossen.

US Iran - Dieses am 17. Juni 2019 vom US-Verteidigungsministerium zur Verfügung gestellte Foto wurde von einem Hubschrauber der US-Marine aufgenommen und zeigt nach Angaben der Marine angeblich, wie Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden eine nicht explodierte Haft-Mine von der Bordwand des Tankers «Kokuka Courageous» entfernen (picture-alliance/dpa)

Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden? (Bild des US-Verteidigungsministeriums)

Aus der EU kamen noch vor Veröffentlichung der jüngsten Bilder durch die USA zurückhaltende Töne. “Wir sammeln weiterhin Informationen”, sagte Bundesaußenminister Heiko Maas. Man kenne die Erkenntnisse der amerikanischen und auch der britischen Geheimdienste, habe aber selbst noch nicht abschließend entschieden. In dem Fall sei “größte Sorgfalt” geboten. Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn erinnerte daran, dass die USA 2003 auf der Grundlage bewusst oder unbewusst falsch interpretierter Geheimdienstinformationen über angebliche Massenvernichtungswaffen Saddam Husseins in den Irak einmarschiert waren.

Die jüngsten Angriffe im Golf von Oman ereigneten sich einen Monat nach mutmaßlichen Sabotageakten gegen vier Schiffe vor der Küste der Vereinigten Arabischen Emirate. Hierfür hatten die USA ebenfalls den Iran verantwortlich gemacht – und Teheran dementierte.

Uran als Druckmittel

Auch die Spannungen rund um das von US-Präsident Donald Trump 2018 einseitig aufgekündigte Atomabkommen mit dem Iran nahmen in den vergangenen Tagen weiter zu. Die iranische Atombehörde hatte am Montag angekündigt, das Land werde noch im Juni die in der Vereinbarung festgelegte Menge von angereichertem Uran überschreiten.

Damit erhöhte Teheran zugleich den Druck auf die Europäer, mehr für die Umsetzung der wirtschaftlichen Seite des Abkommens zu tun. Die EU bemüht sich, die Vereinbarung zu retten. Sie will europäischen Unternehmen über eine Zweckgesellschaft ermöglichen, Geschäfte mit dem Iran zu machen, ohne US-Sanktionen zu riskieren – bis jetzt allerdings ohne nennenswerten Erfolg. Denn viele Firmen, die im Iran aktiv waren oder dies planten, fürchten den langen Arm Washingtons und machen inzwischen einen großen Bogen um das Land.

jj/ehl (dpa, afp)

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