Frankreich zelebriert seinen Nationalfeiertag

Am 230. Jahrestag des Sturms auf die Bastille dreht sich alles um die Friedenssicherung: Präsident Emmanuel Macron stellt an diesem für Frankreich so bedeutsamen Tag die europäische Verteidigungs-Initiative, die er mit begründet hatte, ins Rampenlicht. Dazu hat er Staats- und Regierungschefs der beteiligten Länder zur Parade auf den Champs-Élysées eingeladen; traditionell der Höhepunkt der Feierlichkeiten. Anschließend ist ein gemeinsames Mittagessen für die Staatsgäste geplant.

Ein neues Bündnis

Neben Frankreich haben  im vergangenen Juni Deutschland, Großbritannien, Portugal, die Niederlande, Belgien, Dänemark und Estland die “Europäischen Interventions-Initiative” (EI2) besiegelt. Als zehnter Partner stieß kurz darauf Finnland hinzu. Zweck des Bündnisses ist, bei Bedarf die Verteidigung europäischer Interessen flexibel untereinander koordinieren zu können.

Frankreich Paris Vorbereitungen zur Parade am Nationalfeiertag (Getty Images/AFP/P. Lopez)

Am Arc de Triomphe sammeln sich die Panzer zur Parade

Zur pompösen Parade mit mehr als 4000 Angehörigen der französischen Streitkräfte werden unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel, der niederländische Premier Mark Rutte, der belgische Premier und womöglich nächste EU-Ratspräsident Charles Michel, NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg sowie der scheidende EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker erwartet. Anstelle der scheidenden britischen Premierministerin Theresa May wird Kabinettschef David Lidington das Vereinigte Königreich vertreten. Die Rolle Großbritanniens im EI2-Bündnis ist wegen des Brexits noch unklar.

An der Parade nehmen auch 500 Mitglieder der Deutsch-Französischen Brigade teil, die mit insgesamt rund 5000 Soldaten in beiden Ländern stationiert ist. Die Bundeswehr hat Hubschrauber nach Paris entsandt.

Europa statt Transatlantik

Der starke Fokus der Feierlichkeiten auf das europäische Bündnis kann auch als Signal an Donald Trump verstanden werden: Vor zwei Jahren war der damals erst seit wenigen Monaten amtierende US-Präsident der schillernde Ehrengast der Parade. Trump zeigte sich beeindruckt und hielt in diesem Jahr zum US-Nationalfeiertag sogar eine Militärparade nach französischem Vorbild ab. Allerdings ist das Verhältnis zwischen Macron und Trump seit ihrem gemeinsamen Antrittsjahr stark abgekühlt. So hat Trump den Ausstieg der USA aus dem in Paris geschlossenen Weltklimaabkommen angekündigt; Macron erzürnte Washington kürzlich, als er eine nationale Digitalsteuer auf den Weg brachte. Und ob der mehrfach geäußerten Drohung Trumps, die NATO zu verlassen, will nicht nur Macron die militärische Eigenständigkeit Europas stärken.

Frankreich Paris Militärparade zum Nationalfeiertag (Reuters/C. Platiau)

Präsident Emmanuel Macron nimmt die traditionelle Parade ab

In diese Kategorie fällt auch die Ankündigung Macrons vom Vorabend, ein französisches Weltraumkommando aufzubauen: “Um die Entwicklung und Verstärkung unserer Fähigkeiten im Weltraum zu gewährleisten, wird im kommenden September ein großes Raumfahrtkommando innerhalb der Luftwaffe geschaffen”, sagte Macron bei einer Rede vor Militärangehörigen. Macron folgt damit Trump nach, der im Februar ein ähnlich lautendes Dekret unterzeichnet hatte.

Auch die Streitkräfte von Russland, China und Indien arbeiten an ihrer militärischen Präsenz im All.

230 Jahre Bastille

Der französische Nationalfeiertag erinnert an den Sturm der Bastille am 14. Juli 1789, ein zentrales Ereignis der Französischen Revolution, der sich in diesem Jahr zum 230. Mal jährt. Damals hatten Bürger ein von den herrschenden Aristokraten kontrolliertes Festungsgebäude in Paris unter ihre Kontrolle gebracht, die darin befindlichen Gefangenen befreit und ein Waffenarsenal erlangt, mit dem sie die Absetzung des Adels weiter vorantrieben.

ehl/kle (dpa, afp, rtr)

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