Lehrer machen den Auftakt zum neuen Demo-Wochenende in Hongkong

Trotz heftigen Regens gingen die Lehrer auf die Straße. Sie versammelten sich im zentralen Geschäftsbezirk und marschierten zum Sitz der umstrittenen Regierungschefin Carrie Lam. Dort riefen sie “Hongkongs Polizei kennt das Gesetz und verstößt gegen das Gesetz”. Die Demonstation war von den Behörden genehmigt und verlief friedlich.

Die 40-jährige Musiklehrerin Yu erklärte, sie wolle die Proteste der jungen Leute unterstützen, auch wenn sie nicht mit allen Aktionen einverstanden sei. “Ich bewundere sie für ihren Mut und ihre Sorge um Hongkong – sie sind definitiv entschlossener als unsere Regierung”, so Yu.

Proteste in Hongkong (picture alliance/AP/V. Yu)

Unterstützung für ihre Studenten

Gegen die Aufweichung des Prinzips “ein Land, zwei Systeme”

Die Proteste in der Wirtschaftsmetropole Hongkong halten seit zehn Wochen an. In jüngster Zeit schlugen sie verstärkt in Gewalt um. Die Demonstranten werfen der Hongkonger Regierung eine zu große Nähe zur kommunistischen Führung in Peking vor. Die frühere britische Kronkolonie ist seit 1997 eine chinesische Sonderverwaltungszone, in der die Einwohner größere persönliche Freiheiten genießen als in der Volksrepublik. Die Demonstranten erklärten, sie kämpften gegen die Aufweichung des Prinzips “ein Land, zwei Systeme”, das seit der Autonomie 1997 erklärtermaßen gelte.

Hongkong | Proteste gegen das Auslieferungsgesetz am Hong Kong international airport (Reuters/T. Siu)

Blockade am Hongkonger Flughafen

“Der Stresslevel steigt”

Zuletzt drohte China den Demonstranten unverhohlen mit einem Eingreifen. Die pro-demokratische Bürgerrechtsfront, die die friedlichen Proteste mit Millionen Teilnehmern im Juni organisiert hatte, kündigte weitere Demonstrationen für Sonntag an.

“Wir spüren, dass die Spannungen größer werden und der Stresslevel steigt”, sagte der 22-jährige Pun der Nachrichtenagentur Reuters während einer Blockadeaktion am Flughafen Anfang der Woche. Er wisse, dass Gewalt nicht mit Gewalt bekämpft werden könne, “aber manchmal sind Aggressionen notwendig, um die Aufmerksamkeit der Regierung und anderer zu bekommen”. Er habe Steine geworfen und sei von Schlagstöcken der Polizei getroffen worden. “Wir alle gewöhnen uns langsam daran.”

Die Proteste in Hongkong erreichen nun auch andere Länder – wenn auch von anderer Seite. In der australischen Stadt Sydney demonstrierten einige hundert Chinesen für die Haltung der Hongkonger Regierung und das Vorgehen der Polizei. Sie zogen durch die Stadt, sangen “ein China”, schwenkten die chinesische Flagge und forderten ein “Ende der Unruhen und der Gewalt in Hongkong”. 

fab/mak (dpa, rtr)

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