The Sweet-Bassist Steve Priest ist tot

Es war die Zeit glitzernder Disco-Kugeln, silber-und goldfarbener Overalls und schwindelerregender Plateauschuhe. Und The Sweet trafen mit ihrem seichten Bubblegum-Pop genau den Geschmack dieser Zeit – wobei es auf ihren Scheiben auch schon mal richtig rockig werden konnte.

Sie stürmten die englischen Charts und die deutschen Hitparaden. Songs wie “Blockbuster”, “Ballroom Blitz” oder “Teenage Rampage” wurden im Radio rauf und runter gespielt, allein in Deutschland hatten die Jungs zwischen 1971 und 1975 acht Nummer-eins-Hits.

Ende der 1960er Jahre hatten Leadsänger Brian Connolly, Schlagzeuger Mick Tucker, Gitarrist Frank Torpey und Steve Priest am Bass ihre Band gegründet - damals nannten sie sich noch Sweetshop. 1970 unterschrieben sie den ersten Plattenvertrag, fortan hießen sie nur noch The Sweet.

Schillerndes Vorbild 

Nach vier erfolglosen Singles verließ Torpey die Band und wurde durch Andy Scott ersetzt. Die neue Plattenfirma machte den Musikern die Auflage, Songwriter aus ihrem Haus für die Truppe schreiben zu lassen. Schnell stellte sich der ersehnte Erfolg ein, The Sweet waren ein Muss bei jeder Party.

The Sweet-Bassist auf der Bühne (picture-alliance/Starstock)

The Sweet auf der Höhe ihres Erfolgs in den 70ern

Die Band zelebrierte das Motto des Jahrzehnts, Sex, Drugs & Rock’n'Roll, mit Hochgenuss und war für ihr extravagantes Bühnenoutfit bekannt – besonders schillernd: Steve Priest. Zum Song “Blockbuster” (benannt nach einer deutschen Fliegerbombe) präsentierte er sich mit Pickelhaube und Hitlerbärtchen, und angesichts seines androgynen Erscheinungsbildes soll ihm sogar David Bowie einmal empfohlen haben, weniger Make-up aufzutragen.

The Sweet-Bassist Steve Priest (picture-alliance/M. Putland)

Steve Priest 1974- ausnahmsweise ganz ohne Make-up

Ihren letzten Top-Ten-Hit hatten die Briten mit “Love Is Like Oxygen”, 1981 löste sich die Band auf. Ein Vorbild blieb sie trotzdem für viele nachfolgende Musikerkollegen. Priest, ein “großartiger Glamrocker”, habe seine Teenager-Jahre weniger einsam gemacht, so der Sänger Boy George.

Sweet im Doppelpack 

Der gebürtige Londoner, Jahrgang 1948, lebte in seinen letzten Jahren in Los Angeles und tourte als “Steve Priest & The Sweet” durch die USA, während sein früherer Bandkollege Andy Scott weiterhin unter The Sweet in Europa auftrat. Die Sweet-Mitglieder Brian Conolly  und Mick Tucker waren da schon lange tot.

Scott zeigte sich erschüttert, dass mit seinem alten Kumpel Steve Priest der dritte Musiker seiner Band aus Jugendtagen starb. “Obwohl es ihm gesundheitlich schlechter ging, hab ich mir diesen Moment nie vorstellen können. Niemals. Meine Gedanken sind bei seiner Familie”, schrieb er auf der offiziellen Facebook-Seite von The Sweet.

Priest hinterlässt seine Frau, drei Töchter und drei Enkelkinder. 

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