Corona-Neuinfektionen nehmen weltweit rasch zu

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen weltweit steigt und steigt. Nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität sind mehr als 42 Millionen Menschen Träger des neuartigen Coronavirus. Täglich werden weitere Negativrekorde gemeldet. In den USA erhöhte sich die Zahl der Neuinfektionen binnen eines Tages erstmals seit Beginn der Pandemie auf mehr als 80.000. Die Johns-Hopkins-Universität (JHU) verzeichnete dort zuletzt 83.757 neue Fälle, rund 12.000 mehr als am Vortag. In den USA mit ihren insgesamt rund 330 Millionen Einwohnern wurden seit Beginn der Pandemie knapp 8,5 Millionen Infektionen bestätigt. Etwa 224.000 Menschen starben bislang – mehr als in jedem anderen Land der Welt. Wenig besser ist die Lage in Indien (7,8 Millionen Infizierte, rund 118.000 Tote) und Brasilien (5,3 Millionen Infizierte, mehr als 156.000 Tote).

Auch in Europa gehen die Werte steil nach oben. In der EU verzeichnen Frankreich und Spanien mit jeweils mehr als einer Million Infizierten und mehr als 34.000 Toten Negativrekorde. Noch mehr Tote gab es in Europa in Großbritannien (44.600) und Italien (mindestens 37.000).

Hotspots Belgien und Tschechien

Im Verhältnis zur Einwohnerzahl wütet die Pandemie in Belgien und Tschechien besonders heftig. Belgien hat nur 11,5 Millionen Einwohner und registriert trotzdem höhere Neuinfektionszahlen als Deutschland mit rund 83 Millionen Menschen. Die EU-Seuchenbehörde ECDC meldete für Belgien pro 100.000 Einwohner binnen 14 Tagen 1115,6 Neuinfektionen, für Deutschland mit 118,8 etwa ein Zehntel. Und der Trend zeigt weiter steil nach oben. Kneipen und Restaurants sind geschlossen, es gelten eine nächtliche Ausgangssperre und strikte Kontaktbeschränkungen.

In Tschechien mit knapp 10,7 Millionen Einwohnern ist die Lage nicht besser: ECDC meldete am Samstag pro 100.000 Einwohner binnen 14 Tagen 1210,8 Neuinfektionen. Die Gesundheitsbehörden im Land registrierten mit 15.252 neuen Fällen binnen 24 Stunden den bisherigen Rekord-Zuwachs. Im Nachbarland Slowakei traten am Samstag landesweite Ausgangsbeschränkungen in Kraft. Bis 1. November dürfen Bürger ihre Wohnungen nur für den Weg zur Arbeit sowie dringende Besorgungen verlassen. An diesem und den beiden folgenden Wochenenden soll sich fast die gesamte Bevölkerung einem Antigen-Schnelltest unterziehen.

In Polen wurde Präsident Andrzej Duda positiv auf das Coronavirus getestet. Sein Sprecher Blazej Spychalski teilte mit, der 48 Jahre alte Präsident fühle sich gut. Polen hatte am Freitag mit 13.600 Corona-Neuinfektionen binnen 24 Stunden einen neuen Höchststand gemeldet. Seit Samstag gelten im Land schärfere Maßnahmen. Unter anderem sind dort nun Restaurants geschlossen, Versammlungen mit mehr als fünf Personen verboten.

Rekordwerte und Ausgangssperren

Auch andere Staaten Europas greifen inzwischen zu einschneidenden Maßnahmen: In Frankreich gilt seit Samstag eine nächtliche Ausgangssperre in 54 Départements und dem Überseegebiet Französisch-Polynesien. Betroffen sind davon 46 Millionen Menschen – zwei Drittel der Bevölkerung. Am Samstag wurden in binnen 24 Stunden erstmals mehr als 45.000 neue Corona-Infektionen registriert – ein neuer Spitzenwert. Gleiches galt auch für Österreich, Lettland und Litauen – auch dort wurden jeweils Rekordwerte bei den täglichen Neuinfektionen registriert. In Österreich wurden am Samstag 3614 Fälle innerhalb von 24 Stunden gemeldet – nach 2571 am Tag davor. Am Sonntag tritt in der Alpenrepublik eine Verschärfung der Maskenpflicht sowie der Kontaktbeschränkungen in Kraft.

Im spanischen Corona-Hotspot Madrid gilt seit Samstag eine “nächtliche Schließung” zwischen Mitternacht und sechs Uhr morgens. In dieser Zeit sind öffentliche Zusammenkünfte und private Treffen mit nicht zum Haushalt gehörenden Menschen verboten. In Spanien zeichnet sich angesichts rasant steigender Corona-Zahlen eine Rückkehr zum Alarmzustand wie während der ersten Pandemie-Welle im Frühjahr ab.

In Slowenien schließen die meisten Geschäfte, Hotels, Kindergärten, Studentenheime, Friseurläden und Schönheitssalons. In Lettland dürfen bei Veranstaltungen in Räumen nur noch maximal zehn Personen zusammenkommen. Die Einreise von Deutschland nach Dänemark ist seit Mitternacht nur noch mit triftigem Grund erlaubt.

Anti-Corona-Protest in Süditalien

In Italien kam es zu Protesten. In der süditalienischen Metropole Neapel gingen in der Nacht zum Samstag Hunderte Menschen gegen eine Ausgangssperre und einen geplanten Lockdown für die Region Kampanien auf die Straße. Es gab zwei Festnahmen, zwei Polizisten wurden leicht verletzt. Die beiden Festgenommenen wurden in einem Schnellverfahren zu Haftstrafen von 20 Monaten und 14 Monaten verurteilt, die sie aber nicht im Gefängnis verbüßen müssen. Die Hauptstadtverwaltung in Rom kündigte die abendliche Schließung beliebter Treffpunkte an Wochenenden an, um Menschenansammlungen zu vermeiden.

Die Regierung in Wales erntete mit einem Verkaufsverbot für etliche Waren in Supermärkten massive Kritik. Als Teil eines temporären Lockdowns dürfen die Märkte nur noch “essenzielle Waren” verkaufen – selbst Geräte wie Wasserkocher oder Textilien wie Kissen, aber auch Postkarten sind in den Läden mit Plastikfolien abgesperrt. In London demonstrierten Tausende Menschen gegen die Corona-Maßnahmen der britischen Regierung. Die Protestierenden sprachen sich gegen die Maskenpflicht aus und kritisierten die geltenden Maßnahmen als Tyrannei oder Überwachung.

In der Türkei hat sich der Bürgermeister der Metropole Istanbul, Ekrem Imamoglu, mit dem Coronavirus infiziert. Wie der 50 Jahre alte Oppositionspolitiker mitteilte, begab er sich mit hohem Fieber ins Krankenhaus. Mit Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko hat sich ein weiterer Prominenter mit dem Coronavirus angesteckt. Der Ex-Boxweltmeister kandidiert bei der Abstimmung an diesem Sonntag für eine weitere Amtszeit als Rathauschef in der Hauptstadt der Ukraine.

kle/ack (dpa, afp)

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