Jamal Musiala – Bayerns Talent stellt gegen Rom Rekorde auf

Jamal  Musiala rutschte über auf seinen Schienbeinen über den Rasen und und zeigte ganz nebenbei die gute alte “Becker”- Faust. Grund genug gab es für diese Freude des 17-Jährigen, der wenige Sekunden zuvor seinen ersten Treffer in der Champions League (24. Minute) erzielt hatte – es werden wohl noch viele weitere in den nächsten Jahren folgen.

Es war der zweite Treffer der Münchner beim ungefährdeten 4:1 (3:0)-Erfolg bei Lazio Rom im Achtelfinal-Hinspiel der europäischen Königsklasse. Das 1:0 hatte Robert Lewandowski bereits nach neun Minuten erzielt. Leroy Sané traf vor der Pause zum 3:0 (42.). Nach der Pause erzielte Lazios Francesco Acerbi (46.) ein Eigentor, Joaquin Correa gestaltete die Niederlage etwas erträglicher für die Römer. Eine perfekte Ausgangsposition für die Bayern für das Rückspiel in drei Wochen.

Ein großer Moment, ein großer Tag auch für das Ausnahmetalent des FC Bayern, das diesen Tag so schnell nicht vergessen dürfte. Mit 17 Jahren und 363 Tagen ist Musiala nun der jüngste Champions-League-Torschütze für den FC Bayern aller Zeiten. Außerdem ist er überhaupt erst der zweite Spieler, der als noch nicht Volljähriger in einem Team in einem K-o.-Spiel dieses Wettbewerbs gestanden hatte. David Alaba war der erste im Jahr 2010 gegen den AC Florenz. Zudem ist er erst der zweite 17-Jährige, der europaweit überhaupt in der europäischen Königsklasse getroffen hat. 

Wichtige Entscheidungen für Musiala

Dabei sorgte Hansi Flick mit der Berücksichtung des offensiven Mittelfeldspielers für eine kleine Überraschung. In den jüngsten Partien hatte der FCB-Trainer Musiala eine kleine Denkpause verpasst. Er war nicht so recht zufrieden mit dessen Leistungen. Dass er über außergewöhnliche Fähigkeiten verfügt, konnte Musiala eindrucksvoll gegen die Italiener nachweisen. Was er mit dem Ball an zentraler Stelle anstellte, hatte an diesem Abend Hand und Fuß. Er war lauffreudig, Ballverteiler, Zweikämpfer. Mehr als eine echte Alternative für die derzeit verletzten ausgefallenen oder unter Covid-19 leidenden Kollegen. “Er hat sich brutal gefreut, dass er von Anfang spielen durfte”, erklärte Leon Goretzka die Gemütslage des Youngsters, “Joshua Kimmich und ich haben versucht ihm die Freiheiten zu geben, die er für sein Spiel braucht. Er hat das heute gut gemacht.” 

Aber es fehlt Musiala selbstredend noch die nötige Konstanz über eine ganze Saison. Zudem war er auch noch abgelenkt von einigen bedeutenden Vorgängen außerhalb des Fußballfeldes – die ein junger Mann nicht so einfach verdrängen kann.

Zum einen musste er sich mit den Bayern auf seinen ersten Profivertrag einigen. Bis zum kommenden Freitag, seinem 18. Geburtstag, verfügt er lediglich über einen Fördervertrag. Die englische Tageszeitung “Guardian” berichtete, dass er an seinem Ehrentag einen Kontrakt bis 2026 unterzeichnen wird. Damit zählt er  neben Leverkusens Edmond Tapsoba (22) und Wolfsburgs Maximilian Arnold (26) zu einem der drei Spieler mit der längsten Laufzeit in der Bundesliga.

Jugendakademie beim FC Chelsea durchlaufen

Jamal Musiala (Mitte) erzielt seinen ersten Champions-League-Treffer

Jamal Musiala (Mitte) erzielt seinen ersten Champions-League-Treffer

Zum anderen steht für ihn eine weitere, richtungsweisende Entscheidung an. Musiala, der über einen englischen und einen deutsche Pass verfügt, muss sich entscheiden, für welches Nationalteam er künftig spielen möchte. Der gebürtige Stuttgarter lief nach Einsätzen für die deutsche U16 zuletzt für Englands U21 auf.

Musiala, Sohn einer Deutschen und eines Nigerianers, zog im Alter von sieben Jahren auf die Insel, weil seine Mutter in Southampton ein Studium aufnahm. Der torgefährliche Offensivspieler landete beim FC Chelsea und durchlief dort die Jugendteams. Mit 16 Jahren, zu einem der größten Talente Europas gereift, kam Musiala dann mit der Familie zurück nach Deutschland und entschied sich dazu, sich dem Rekordmeister anzuschließen. Nun hat er die Qual der Wahl.

Löw hat bereits Gespräche geführt

Beide Fußball-Nationen wollen ihn unbedingt für sich gewinnen. Bundestrainer Joachim Löw hat bereits Gespräche mit Musiala geführt. Ein Ergebnis daraus wurde noch nicht bekannt. Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff sagt dazu, dass Musiala “aus dem Herzen heraus” entscheiden solle. 

Trainer Flick hatte sich vor der Partie gegen die Römer etwas nebulös in dieser Causa geäußert. “Da müssen sie ihn selbst fragen, antwortete der Fußballlehrer auf die Frage, ob er schon von einer Entscheidung seines Spielers wisse. Offenbar weiß der Coach bereits um die Entscheidung. 

Die Münchner Verantwortlichen dürften aber in erster Linie froh darüber sein, dass sich Musiala für sie entschieden hat und sich sich sicher sein können, dass er in den nächsten Jahren das Bayern-Trikot tragen wird.  

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