Luther 2017 und das Cranach-Jahr

In Rahmen der Luther-Dekade wird die Schlagzahl besonderer Ereignisse erhöht. Seit 2008 gibt es diese Veranstaltungsreihe der Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) – sie ist auf das Jubiläum des 500. Jahrestags des Thesenanschlags von Martin Luther ausgerichtet. Dabei steht jedes Jahr unter einem anderen Aspekt, der ein reformatorisches Anliegen beleuchtet und für die heutige Zeit entfaltet.

Seit dem 31. Oktober 2014 heißt das Jahresthema “Bild und Bibel”: Mit einem Festgottesdienst und einem Festakt in der Hamburger Christianskirche wurde das neue Themenjahr der Lutherdekade eröffnet. Bilder seien heute wie damals mächtig, sagte die Lutherbotschafterin der EKD und ehemalige Bischöfin Margot Käßmann vor zahlreichen prominenten Gästen aus Kirche, Politik und Gesellschaft. Mit Blick auf den Missbrauch von Bildern warnte sie davor, ihnen zu viel Macht zu geben und sich von ihrer Suggestivkraft hinreißen zu lassen: “Die Bilder selbst dürfen nie zu Gott und damit zu Götzen werden.”


Ex-Bischöfin Margot Käßmann

Ex-Bischöfin Margot Käßmann

Im Rahmen der Festveranstaltung wurde die ehemalige Bundesfamilienministerin Renate Schmidt (SPD) mit der Martin-Luther-Medaille geehrt. Der Ratsvorsitzende der EKD, Nikolaus Schneider, betonte in seiner Eröffnungsrede, Schmidt lebe und gestalte in ihrem öffentlichen Wirken “die Mündigkeit eines Christenmenschen mit einer überzeugenden und wegweisenden Lebenshaltung”. Die Medaille wird seit 2008 an evangelische Christen vergeben – für besondere Verdienste um den deutschen Protestantismus.


Maler der Reformation

Eingebettet in das neue Themenjahr “Bild und Bibel” ist das Cranach-Jahr 2015. Anknüpfungspunkt: Der 500. Geburtstag von Lucas Cranach dem Jüngeren (1515-1586). Der Sohn des Hofmalers Lucas Cranach des Älteren (um 1472-1553) übernahm 1550 dessen Wittenberger Werkstatt. Damit setzte er fort, was der Vater in den Jahrzehnten zuvor aufgebaut hatte: Ein erfolgreiches Unternehmen im Dienst der neuen Kirche. Ihre Porträts der Reformatoren geben den Umbrüchen damals wie heute ein Gesicht. Die von Ihnen gestalteten Altäre feiern den neuen Glauben.

Als Höhepunkt der Reformationsaltäre aus der Cranach-Werkstatt gilt der Flügelaltar in der Weimarer Stadtkirche St. Peter und Paul (Herderkirche) von 1555. Der jüngere Cranach vollendete ihn zwei Jahre nach dem Tod des Vaters. Das Hauptmotiv unter dem Kreuz zeigt Lucas Cranach den Älteren mit Luther. Der frisch restaurierte Altar in der Weimarer Stadtkirche ist erstmals seit der Beschädigung im Zweiten Weltkrieg wieder in seiner Gesamtheit zu sehen. Deshalb stand er am Reformationstag im Mittelpunkt eines bundesweit ausgestrahlten ARD-Fernsehgottesdienstes mit Ilse Junkermann, Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.


“Bild und Bibel” als Internet-Projekt

Ebenfalls am Reformationstag startete die Deutsche Bibelgesellschaft ein Internet-Projekt zum Jahresthema “Bild und Bibel”. Innerhalb eines Jahres werden 365 Bilder der europäischen Kunstgeschichte gezeigt, die allesamt in Verbindung mit einem Bibeltext stehen. Die täglich wechselnden Bilder können auch von Gemeinden, regionalen Bibelgesellschaften sowie kirchlichen und kulturellen Einrichtungen in deren Internetauftritte eingebunden werden.

Unter den präsentierten Werken befinden sich Cranach-Gemälde sowie Bilder von Meistern wie Bertram, Pieter Bruegel, Rembrandt uoder Max Liebermann. Auf der Internetseite kann der zum jeweiligen Bild gehörende Bibeltext in der Übersetzung Martin Luthers gelesen oder auch gehört werden. Ein kurzer Text führt in das Kunstwerk ein. Für Smartphones gibt es eine eigene Darstellung der Inhalte.

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