Ebola gefährdet Afrikas Tourismusindustrie

Der Strand so weiß, das Meer so blau, die wilden Tiere zum Anfassen nah – so sehr sich die Afrika-Reiseanbieter mit ihren Werbesprüchen auch mühen: Viele Touristen bleiben aus. Sie haben Angst vor Afrika. Nicht etwa in den von
Ebola heimgesuchten westafrikanischen Ländern Guinea, Sierra Leone oder Liberia. Sondern über 8000 Kilometer entfernt: in Tansania. “Wir spüren einen Rückgang der Anfragen und Buchungen von 30 bis 40 Prozent, das betrifft auch Stornierungen. Weil die Leute sich vor Ebola fürchten”, sagt Lathifa Sykes, Geschäftsführerin des Verbandes


Lathifa Sykes, Geschäftsführerin von Hotels Association of Tanzania
Foto: Sameerkermalli Photography

Lathifa Sykes: “Tansania ist sicher, Touristen sollen kommen!”

“Hotels Association of Tanzania”. Sykes managt über 199 Ferienunterkünfte, darunter große Markenhotels, aber auch kleine Apartments. Gerade ist sie vor allem verzweifelt: “Die meisten unserer Kunden kommen aus den USA, Europa und Asien. Und bei ihnen herrscht noch immer der Irrglaube, Afrika sei ein Land. Dabei ist es ein Kontinent mit 54 Staaten! Doch wenn diese Leute an Safari denken, haben sie immer nur Afrika im Kopf und nicht
Kenia, Tansania, Südafrika oder Burundi.” Das sind die Top-Reiseziele für Touristen auf dem Kontinent.

Tourismus ist Tansanias
Haupteinnahmequelle für ausländische Devisen. 1,88 Milliarden US-Dollar hat die Branche vergangenes Jahr eingespielt. Der Kilimanjaro oder der indische Ozean lockten 2013 den Millionsten Besucher ins Land. “Tourismus ist so wichtig für unser Land, dass uns die Angst vor der Ebola-Epidemie selbst große Angst macht”, sagt Sykes.

Die Ebola-Krise wirkt sich auf weit mehr Länder aus, als nur die drei unmittelbar von der Epidemie betroffenen, bestätigt auch Rima Al-Tinawi, Afrika-Referatsleiterin des Deutschen Industrie-und Handelskammertages: “Die Sorge ist sehr groß und damit scheint man dem afrikanischen Kontinent insgesamt fernzubleiben. Wir wissen von Absagen von Ferien- als auch Geschäftsreisen nach Kenia oder Namibia.”


Flachland-Zebras in Südafrika (Foto: C. Stäcker/DW)

Flachland-Zebras in Südafrika

Ebola: keine Bedrohung für Südafrika

“Nein, in Südafrika besteht keine Ebola-Gefahr!”, schreibt die südafrikanische staatliche Reiseagentur South African Tourism in großen Lettern auf ihrer Internetseite. “Das Land sei sicher und noch immer das Ziel für Touristen”, so der Kommunikationsminister Faith Muthambi. Und tatsächlich: Einbußen kann das Unternehmen bisher nicht verzeichnen, so Silvia Braun von South Africa Tourism Deutschland: “Die Buchungen sind nicht zurückgegangen, aber sie laufen langsamer an als im vergangenen Jahr.” 2013 sei aber auch ein überdurchschnittlich gutes Jahr gewesen, so Silvia Braun.

Um sich selbst zu schützen, haben einige afrikanische Staaten Einreisestops für Passagiere aus Liberia, Sierra Leone oder Guinea verhängt. Ruanda erlaubt die Einreise aus diesen Ländern nur nach einer 21-tägigen Karenzzeit. Kenia stoppte im August alle Flüge aus den betroffenen Ländern. Denn der Flughafen in der Hauptstadt Nairobi ist ein Drehkreuz für viele innerafrikanische Flüge.


Baobab-Bäume auf Madagaskar
Foto: DW/ Claus Stäcker

Beliebt bei Afrika-Touristen: Baobab-Bäume auf Madagaskar

Hotels, fliegende Händler, Tourguides

An der Westküste des Kontinents bekommt der Senegal, beliebtes Urlaubsziel bei Franzosen, das Ausbleiben der Touristen zu spüren. “Wir haben 30 Zimmer. Schon bei zehn oder 15 Kunden sagen wir, dass es schlecht läuft. Aber jetzt bleiben wir manchmal den ganzen Tag ohne einen einzigen Kunden. Oft brauchen wir nur für drei oder vier Personen zu decken”, klagt Aliou Ndiaye, Hotelmanager in Dakar. Auch von den fliegenden Händlern vor seinem Hotel hört er immer wieder: “Die Touristen sind unsere Lebensgrundlage, aber die Geschäfte laufen nicht”.

In die Offensive

In ihrem Kölner Reisebüro “Unpauschal” bemüht sich Katharina Galle ihre Kunden zu beruhigen. Tansania, Südafrika oder Namibia sind absolute Spitzenreiter unter deutschen Touristen – bisher. “Die Gäste sind jetzt etwas sensibler was den afrikanischen Kontinent als Ganzes betrifft. Sie stellen viele Fragen”, sagt Galle. “Wenn man sich aber auf der Landkarte die Entfernungen anschaut – dann sind wir in Europa im Grunde genommen genauso nah dran oder weit weg wie Südafrika, Namibia oder Tansania.”

Tansania versucht ab November mit einer von Gesundheitsministerium und Tourismusverbänden entwickelten Internetseite die Touristen aufzuklären, sagt Lathifa Sykes vom Hotelverband. “Wir müssen den Reisenden klar machen, dass wir Ebola nicht auf die leichte Schulter nehmen. Wir ignorieren nicht die Angst der Leute. Wir arbeiten hart daran, Ebola aus unserem Land herauszuhalten. Unser Land ist sicher für Touristen”, bekräftigt Sykes. Denn: “Touristen, die aufgeklärt sind, kommen auch weiterhin nach Tansania.”

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